Was geschah im Januar 1999

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1.1.1999, Freitag

Frankfurt am Main: Für rd. 290 Mio. Menschen in elf Ländern Europas ist der Euro nun die gemeinsame Währung. Der Euro kann ab sofort im bargeldlosen Zahlungsverkehr eingesetzt werden, Euro-Münzen und -Scheine werden allerdings erst 2002 ausgegeben. Bis dahin bleiben die nationalen Währungen gesetzliches Zahlungsmittel. Nach der endgültigen Wechselkurs- Festlegung ist ein Euro exakt 1,95583 DM wert.

Bonn: Die Bundesregierung übernimmt mit Beginn des Jahres 1999 den Vorsitz der Europäischen Union. Wichtigste Ziele Bonns in der sechsmonatigen EU-Präsidentschaft sind die Verabschiedung eines europäischen Beschäftigungspaktes sowie der sog. Agenda 2000 mit Reformen der EU-Finanzausstattung, der Agrarpolitik und der regionalen Förderung.

Bonn: Zum Jahreswechsel treten in Deutschland zahlreiche gesetzliche und rechtliche Änderungen in Kraft. Zu den wesentlichen Neuerungen gehören die Erhöhung des Kindergeldes um 30 DM auf 250 DM und steuerliche Erleichterungen. Oberhalb des neuen Grundfreibetrags von 13 067 DM für Ledige (26 134 DM für Verheiratete) wird der Eingangssteuersatz von 25,9 auf 23,9% gesenkt. Auch die von der neuen rot-grünen Bundesregierung beschlossenen Korrekturen in der Arbeits-, Sozial- und Gesundheitspolitik werden gültig, u.a. gilt wieder der volle Kündigungsschutz für Arbeitnehmer auch bei Betrieben mit weniger als fünf Mitarbeitern. Die schrittweise Senkung des Netto-Rentenniveaus für die Jahre 1999 und 2000 wird ausgesetzt. Bei Krankheit beträgt die Entgeltfortzahlung wieder 100%. Zuzahlungen zu Medikamenten werden gesenkt, auch nach 1978 Geborene sollen wieder Kassenleistungen für Zahnersatz erhalten.

Bonn: Durch das neue Insolvenzrecht wird überschuldeten Bundesbürgern erstmals die Möglichkeit eines Privatkonkurses und damit die Chance für einen wirtschaftlichen Neuanfang eröffnet. Private Schuldner können beim Amtsgericht ein sieben Jahre dauerndes Insolvenzverfahren und Restschuldbefreiung beantragen.

Weimar: Die thüringische Stadt übernimmt von Stockholm den Titel Kulturstadt Europas.

2.1.1999, Samstag

Berlin: Der Publizist Sebastian Haffner, Autor von Bestsellern wie “Anmerkungen zu Hitler” (1978) stirbt im Alter von 91 Jahren.

Paris: Der Schweizer Komponist Rolf Liebermann stirbt im Alter von 88 Jahren in einem Krankenhaus in der französischen Hauptstadt. Er war 1959 – 1973 und 1985 – 1988 Intendant der Hamburgischen Staatsoper.

Washington: US-Präsident Bill Clinton kündigt den größten Anstieg des Verteidigungshaushalts seit dem Ende des “Kalten Krieges” an. Im Jahr 2000 soll das Budget um 2 Mrd. auf 296 Mrd. US-Dollar steigen.

Huambo: Ein UNO-Flugzeug mit acht Personen an Bord wird kurz nach dem Start in der angolanischen Stadt abgeschossen. Erst am 26. Dezember 1998 war eine UNO-Maschine in derselben Gegend abgestürzt. Auch hierbei waren alle 14 Menschen an Bord der Maschine ums Leben gekommen. Die rechtsgerichtete Rebellenorganisation Unita und die angolanische Armee beschuldigen sich gegenseitig, die Flugzeuge abgeschossen zu haben.

3.1.1999, Sonntag

Cape Canaveral: Die US-Raumfahrtbehörde NASA schickt zum zweiten Mal eine unbemannte Sonde zum Mars, um dort nach Wasser zu suchen. Die “Mars Polar Lander” soll am 3. Dezember 1999 am Rande des Mars-Südpols landen. Ein Greifarm soll dann Proben der Mars-Oberfläche zur Analyse in einem Minilabor einsammeln.

4.1.1999, Montag

Jerusalem: Das israelische Parlament setzt den Termin für die vorgezogenen Neuwahlen endgültig auf den 17. Mai fest. Die Abgeordneten bestätigen damit eine Verabredung, die Regierung und Opposition bereits in der vorangegangenen Woche getroffen hatten.

Bonn: CDU-Chef Wolfgang Schäuble kündigt offiziell an, dass die Unionsparteien am 24. Januar eine Unterschriftensammlung gegen die von der Bundesregierung geplante doppelte Staatsbürgerschaft beginnen wollen.

Frankfurt am Main: Der Euro wird erstmals an den internationalen Devisenmärkten gehandelt und verzeichnet sofort Kursgewinne gegenüber dem Dollar und dem Yen.

5.1.1999, Dienstag

Bagdad: Erstmals seit sechs Jahren kommt es über dem Irak zu einem Luftkampf. Irakische Maschinen dringen nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums in die südliche Flugverbotszone ein und verfolgen vier US-Jets. Die Amerikaner feuern daraufhin Raketen ab, verfehlen jedoch ihre Ziele.

Berlin: Das Berliner Kammergericht spricht dem ehemaligen Chef der DDR-Staatssicherheit, Erich Mielke, für seine dreieinhalbmonatige Untersuchungshaft im Jahr 1991 eine Entschädigung von 2000 DM zu. Das Kammergericht Berlin beschließt zudem, dass der Staat Mielkes Anwaltskosten in dem Verfahren wegen der Todesschüsse an der Mauer tragen muss.

Washington: Die US-Regierung lockert die Sanktionen gegen Kuba. Es soll künftig einen direkten Postweg und mehr Charterflüge auf die Karibikinsel geben. US-Firmen können Lebensmittel an regierungsunabhängige Organisationen in Kuba verkaufen. Personen mit Wohnsitz in den USA dürfen Geld nach Kuba schicken. Bislang durften nur Exilkubaner bis zu 1200 Dollar pro Jahr an Verwandte überweisen.

6.1.1999, Mittwoch

New York: Die UNO-Waffenkontroll-Kommission für den Irak (Unscom) gerät unter den Verdacht, den USA geheimdienstliche Daten für die Unterwanderung des Regimes von Saddam Hussein geliefert zu haben. Unscom-Chef Richard Butler dementiert derartige Vorwürfe. Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan lässt mitteilen, er habe “keine überzeugenden Beweise” für oder gegen solche Vorwürfe.

Freetown: In Sierra Leone erobern die Rebellen der Revolutionären Vereinigten Front (RUF) große Teile der Hauptstadt. In schweren Kämpfen mit der westafrikanischen Friedenstruppe ECOMOG dringen sie bis ins Zentrum von Freetown vor. Die bis zum 14. Januar andauernden Kämpfe fordern rd. 3000 Todesopfer.

Bischofshofen: Der finnische Skispringer Janne Ahonen gewinnt die 47.deutsch-österreichische Vierschanzen-Tournee. Der Deutsche Martin Schmitt, Sieger der beiden ersten Springen, belegt in der Gesamtwertung Platz vier.

7.1.1999, Donnerstag

München: Der Leiter der bayerischen Staatskanzlei, Erwin Huber (CSU), spricht sich dafür aus, wegen der Zusammenarbeit der SPD mit der PDS in zwei ostdeutschen Bundesländern diesen die Bund-Länder-Finanzhilfen zu streichen. Bayern sei nicht bereit, “tatenlos mitanzusehen, wie im Osten Deutschlands die SPD mit Hilfe der PDS den Sozialismus wieder einführen will.” Washington: Mit der Vereidigung der 100 Senatoren als Geschworene durch den Obersten Bundesrichter William Rehnquist beginnt offiziell das Amtsenthebungsverfahren des Senats gegen US-Präsident Bill Clinton. Die Anklage lautet Meineid und Behinderung der Justiz im Zusammenhang mit der Lewinsky-Affäre. Zum Auftakt streiten sich Republikaner und Demokraten über die Zulassung von Zeugen.

8.1.1999, Freitag

Washington: US-Regierungsbeamte bestätigen, im März 1998 einen als UNO-Waffenkontrolleur getarnten Spion in den Irak eingeschleust zu haben. Er sollte dort ein Abhörsystem installieren. Am Tag zuvor hatte der ehemalige amerikanische UNO-Rüstungsinspektor Scott Ritter die USA beschuldigt, Informationen der UNO-Inspektoren für die Luftangriffe auf den Irak im Dezember 1998 genutzt zu haben.

Kiel: Der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe wird bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein im Jahr 2000 für die CDU als Herausforderer der SPD-Ministerpräsidentin Heide Simonis antreten. Der CDU-Landesvorstand entscheidet sich einstimmig für den 56-Jährigen Hamburger, der im Fall einer Niederlage nicht als Oppositionsführer in Kiel bleiben, sondern weiter als Bundestagsabgeordneter arbeiten will.

9.1.1999, Samstag

Salt Lake City: Der am Vortag zurückgetretene Präsident des Organisationskomitees für die Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City, Frank Joklik, gesteht ein, dass Sportfunktionäre in der Bewerbungsphase mit Beträgen bis zu 70 000 US-Dollar bestochen worden sind. Insgesamt sollen 400 000 US-Dollar an IOC-Mitglieder geflossen sein.

10.1.1999, Sonntag

Blankenfelde: In Brandenburg gründen Sozialdemokraten eine Arbeitsgemeinschaft, die sich gegen eine weitere parlamentarische Zusammenarbeit der SPD mit der PDS wendet. Mitglieder des Arbeitskreises “Neue Mitte” sind u.a. Brandenburgs Innenminister Alwin Ziel und der letzte DDR-Außenminister Markus Meckel.

Astana: Bei der vorgezogenen Präsidentenwahl in der früheren Sowjetrepublik Kasachstan wird Staatschef Nursultan Nasarbajew erwartungsgemäß mit 79,8% der Stimmen im Amt bestätigt. Vier Kandidaten hatten sich den 8 Mio. Stimmberechtigten zur Wahl gestellt. Ursprünglich sollte die Präsidentenwahl erst im Jahre 2000 stattfinden. Nasarbajews schärfster Rivale, der frühere Ministerpräsident Akeschan Kaschegeldin, war wegen einer angeblichen Straftat nicht als Bewerber zugelassen worden.

Wittdün: Zweieinhalb Monate nach der Havarie des Holzfrachters “Pallas” werden die Ölbergungsarbeiten beendet. Insgesamt wurden 305 m Öl von der “Pallas” auf die Hubinsel “Barbara” gepumpt. An den Stranden der Nordseeinseln wurden 870 Tonnen Öl-Sandgemisch abgeräumt. Die Bergungskosten betragen mehr als 14 Mio. DM. An den Stränden der benachbarten Nordseeinseln mussten 870 t Ölschlamm abgeräumt werden. Etwa 16 000 Seevögel fielen der Ölpest zum Opfer. Die Pallas war am 25. Oktober 1998 vor der dänischen Küste in Brand geraten und später vor Amrum gestrandet. Ein Seemann kam ums Leben.

11.1.1999, Montag

London: Der zweit- und der viertgrößte Zigarettenhersteller der Welt, British American Tobacco (BAT) und Rothmans International, schließen sich zusammen. Mit einem globalen Marktanteil von 16% entsteht so der zweitgrößte private Zigarettenkonzern der Welt. Die Fusion hat einen Wert von rd. 13 Mrd. Pfund. BAT bringt u.a. die Marken HB, Lucky Strike und Pall Mall ein; Rothmans besitzt u.a. die Marken Dunhill, Rothmans und Lord Extra.

Ankara: In der Türkei bildet der bisherige Vize-Regierungschef Bülent Ecevit eine neue Regierung. Das Minderheitskabinett seiner Demokratischen Linkspartei wird bis zu den vorgezogenen Wahlen im April im Amt bleiben. Am 17. Januar spricht das Parlament der Regierung Ecevit ihr Vertrauen aus.

12.1.1999, Dienstag

Schwerin: Die PDS-Fraktionsvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Caterina Muth, erklärt ihren Rücktritt. Sie zieht damit die Konsequenzen aus einem Ladendiebstahl. Bei einem Einkauf nach Weihnachten in einem Drogeriemarkt hatte sie Wimperntusche entwendet. Ihr Landtagsmandat will Muth aber behalten.

13.1.1999, Mittwoch

Chicago: Michael Jordan, erfolgreichster Basketballspieler aller Zeiten, erklärt seinen Rücktritt.

Geilenkirchen: Beim Absturz eines amerikanischen Tankflugzeuges vom Typ Boeing 707 kommen vier Menschen ums Leben.

Washington: US-Präsident Bill Clinton lässt der ehemaligen Staatsangestellten Paula Jones zur Beilegung des Rechtsstreits über sexuelle Belästigung einen Scheck über 850 000 US-Dollar zustellen.

Bonn: Die Bundesregierung einigt sich auf ein neues Atomgesetz. Sie bekräftigt die Absicht, alle Kernkraftwerke abzuschalten. Künftig sollen keine neuen Atomkraftwerke in Deutschland genehmigt und die Aufarbeitung abgebrannter Brennstäbe soll vom 1. Januar 2000 an verboten werden.

Bonn: Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) legt den Gesetzentwurf zum neuen Staatsbürgerschaftsgesetz vor. Die Mehrheit der in der Bundesrepublik lebenden Ausländer kann danach einen deutschen Passerhalten. Sozialhilfeempfänger, Straftäter und Verfassungsfeinde sollen aber nicht eingebürgert werden. Die Unionsparteien lehnen die Reform ab.

14.1.1999, Donnerstag

Washington: Im Amtsenthebungsprozess gegen US-Präsident Bill Clinton beginnen die Eröffnungsplädoyers der Ankläger des Repräsentantenhauses. Clinton wird beschuldigt, sich mehrfach über das Gesetz gestellt zu haben. Er habe unter Eid die Unwahrheit gesagt und die Justiz behindert, um seine Affäre mit Monica Lewinsky zu vertuschen.

Straßburg: Das Europaparlament weist mit 293 gegen 232 Stimmen einen Misstrauensantrag gegen die EU-Kommission wegen der zahlreichen Betrugs- und Korruptionsaffären zurück.

Freetown: Die Rebellen der Revolutionären Vereinigten Front (RUF) in Sierra Leone kündigen eine Waffenruhe an. Im Gegenzug fordern sie die Freilassung ihres Führers Foday Sankoh. In der seit dem 6. Januar heftig umkämpften Hauptstadt Freetown herrscht zunächst Waffenruhe, nachdem die westafrikanische Friedenstruppe ECOMOG Freetown weitgehend wieder in ihren Besitz gebracht hat.

15.1.1999, Freitag

Paris: Frankreich und Großbritannien kündigen hohe Schadensersatzforderungen an, sollte Deutschland aus der atomaren Aufarbeitung aussteigen. Umweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen), der in Paris über einen Ausstieg aus den Verträgen zur Wiederaufarbeitung verhandelt, lehnt alle Forderungen ab.

Newbury: Die britische Mobiltelefongesellschaft Vodafone plc (Newbury) will den US-Anbieter AirTouch Communications (San Francisco) für 61 Mrd. US-Dollar übernehmen. Mit der Vodafone AirTouch plc entsteht die größte Mobiltelefongesellschaft der Welt mit 23 Mio. Kunden.

16.1.1999, Samstag

Las Vegas: Nach fast 19monatiger Zwangspause feiert der US-Schwergewichtsboxer Mike Tyson ein erfolgreiches Comeback. Er besiegt den Südafrikaner François Botha in der fünften Runde durch k.o.

Rom: Nach wochenlangen Spekulationen über eine mögliche Ausweisung verlässt der Chef der Kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, überraschend mit unbekanntem Ziel Italien. Er war am 12. November 1998 eingereist und zunächst festgenommen worden.

Racak: Nach einem Massaker an der Zivilbevölkerung des Dorfes, das offenbar von serbischen Polizisten verübt wurde, entdecken Angehörige der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in dem Kosovo-Ort 45 Racak Leichen.

München: Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber wird mit 93,4% der Stimmen als Nachfolger Theo Waigels zum CSU-Vorsitzenden gewählt.

17.1.1999, Sonntag

Berlin: Der frühere Regierende Bürgermeister Walter Momper (SPD) schafft ein politisches Comeback. Die SPD-Parteibasis bestimmt ihn bei einer Urwahl zu ihrem Spitzenkandidaten für die Wahl zum Abgeordnetenhaus am 10. Oktober 1999. Mit 57,2% setzt sich Momper klar gegen Fraktionschef Klaus Böger durch.

18.1.1999, Montag

Belgrad: Im Streit um das serbische Massaker an 45 Kosovo-Albanern in Racak am 16. Januar verweist die jugoslawische Regierung den Chef der OSZE-Beobachter, William Walker, des Landes. Zuvor hatten die Behörden in Belgrad bereits der Kanadierin Louise Arbour, der Chefanklägerin des Kriegsverbrecher-Tribunals in Den Haag, die Einreise in das Kosovo verweigert.

São Paulo: Brasiliens Zentralbank gibt den Wechselkurs der Landeswährung Real endgültig frei. Fortan wird der Kurs des Real am Devisenmarkt bestimmt. Bereits am 15. Januar hatte die Notenbank nach vier Jahren die Stützung des Wechselkurses aufgegeben und auf Interventionen verzichtet.

19.1.1999, Dienstag

Karlsruhe: Eine deutliche steuerliche Entlastung von Verheirateten mit Kindern verlangt das Bundesverfassungsgericht. In einem Beschluss fordert der Zweite Senat des höchsten Gerichts die zusätzliche steuerliche Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten sowie einen Haushaltsfreibetrag in Höhe von mehr als 9500 DM jährlich. Bund und Länder kostet das Urteil mindestens 22 Mrd. DM pro Jahr an Mindereinnahmen.

Kassel: Arbeitgeber und Betriebsrat dürfen nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts in Betriebsvereinbarungen generelle Rauchverbote am Arbeitsplatz verhängen. Allerdings müssen die Betriebsparteien die Persönlichkeitsrechte von Rauchern und Nichtrauchern gegeneinander abwägen.

Münchsteinach: Der Schauspieler Günter Strack stirbt im Alter von 69 Jahren an Herzversagen. Er wirkte in zahlreichen Spiel- und Fernsehfilmen mit. Im Sommer 1996 hatte Strack einen Schlaganfall erlitten.

20.1.1999, Mittwoch

Frankfurt am Main: Der Rhein-Main-Flughafen entgeht nur knapp einer Katastrophe, als eine mit 336 Personen besetzte Boeing 747 der Air India in dichtem Nebel zu tief anfliegt und dabei mit einer Antenne des Instrumentenlandesystems und der Anflugbefeuerung kollidiert.

Schanghai: Ein Gericht verurteilt im ersten politischen Intemet-Prozess in China einen Computerunternehmer wegen angeblichen Umsturzversuchs zu zwei Jahren Haft. Er wurde für schuldig befunden, rund 30 000 e-Mail-Adressen an Verleger von Exilzeitschriften weitergegeben zu haben. Diese hätten die Adressenliste genutzt, um die Empfänger mit in China verbotenen Informationen zu versorgen.

21.1.1999, Donnerstag

Bluefields: Beim Absturz eines Militärflugzeuges vom Typ Antonow-26 in Nicaragua kommen alle 28 Insassen ums Leben. Das Flugzeug war auf dem Weg von der Hauptstadt Managua nach Bluefields an der Atlantikküste.

22.1.1999, Freitag

Bukarest: Nachdem Präsident Emil Constantinescu auf die angedrohte Verhängung des Ausnahmezustands verzichtet hat, erzielt die rumänische Regierung eine Einigung mit den streikenden Bergarbeitern. Zehntausende Kumpel aus dem Schil-Tal hatten sich am 18. Januar auf den Weg gemacht, um in der 350 km entfernten Hauptstadt ihren Forderungen nach höheren Löhnen und dem Erhalt der Bergwerke Nachdruck zu verleihen.

Mexiko-Stadt: Papst Johannes Paul II. beginnt eine Visite in Nordamerika. Seine 85. Auslandsreise führt ihn für vier Tage nach Mexiko und anschließend für zwei Tage in die USA.

Leipzig: Das Landgericht verurteilt den gelernten Briefträger Gert Uwe Postel zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe. Der medizinische Laie Postel erschlich sich u.a. eine Anstellung als Psychiatrie-Oberarzt in Zschadraß (Sachsen) und trat als Gutachter vor Gericht auf.

Berlin: Nach sechsjähriger Bauzeit wird der vom Architekten Daniel Libeskind entworfene spektakuläre Neubau des Jüdischen Museums an den künftigen Direktor Michael Blumenthal übergeben.

Lausanne: Der Bestechungsskandal um die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2002 an Salt Lake City (USA) führt zu den ersten personellen Konsequenzen. Nachdem am 20. Januar die Finnin Pirjo Häggman von ihren IOC-Posten zurücktrat, folgt nun der Libyer Bashir Mohamed Attarabulsi. Sein Sohn hatte Stipendien in den USA erhalten.

23.1.1999, Samstag

Monte Carlo: Unter größter Geheimhaltung geben sich Prinzessin Caroline von Monaco und ihr langjähriger Freund, der Welfenprinz Ernst August von Hannover, das Ja-Wort. Die britische Königin Elisabeth II. hatte zuvor der Trauung zugestimmt. Seit dem 18. Jahrhundert, als Hannover eng mit dem Königshaus in Großbritannien verbunden war, müssen die Welfen das Haus Windsor vor einer Heirat um Erlaubnis fragen.

24.1.1999, Sonntag

Lausanne: Als Folge der Ermittlungen im Korruptionsskandal bei der Vergabe von Olympischen Spielen fordert das Internationale Olympische Komitee (IOC) sechs seiner Mitglieder zum Rücktritt auf. IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch will sich bei einem Sondertreffen der IOC-Vollversammlung am 17. und 18. März einem Misstrauensvotum stellen.

Marignane: In Frankreich gibt es künftig zweimal eine rechtsextreme Parteien mit der Bezeichnung Nationale Front (FN). Die Gegner des FN-Führers Jean-Marie Le Pen beschließen bei einem außerordentlichen Parteitag in der Nähe von Marseille ein neues Parteistatut und gründen damit die “Nationale Front – Nationale Bewegung”. Zum neuen Vorsitzenden wird der frühere Le Pen-Stellvertreter Bruno Mégret gewählt.

Neu-Isenburg: Die 55-Jährige ostdeutsche Wissenschaftlerin Dagmar Schipanski tritt für die Union bei der Wahl zum Bundespräsidentenamt am 23. Mai an. CDU und CSU nominieren die Professorin von der Technischen Universität Ilmenau (Thüringen) bei einer gemeinsamen Strategietagung einstimmig zur Gegenkandidatin des SPD-Politikers Johannes Rau.

25.1.1999, Montag

Bogotá: Bei einem Erdbeben der Stärke 6 auf der Richter-Skala kommen in Kolumbien mindestens 938 Menschen ums Leben. Die 350 000 Einwohner zählende Stadt Armenia wird durch die Erdstöße zum größten Teil zerstört.

Basra: Bei einem erneuten Angriff der US-Luftwaffe auf Luftabwehrstellungen im Nord-Irak werden nach irakischen Angaben Wohngebiete der Hafenstadt Basra getroffen und mindestens zwölf Zivilisten getötet.

Amman: Der jordanische König Hussein ernennt seinen ältesten Sohn Abdallah zum Thronfolger. Bislang war Husseins Bruder Prinz Hassan Ibn Talal der offizielle Thronerbe. Erst eine Woche zuvor war der König von einer sechsmonatigen Krebsbehandlung in den USA und Großbritannien nach Amman zurückgekehrt.

26.1.1999, Dienstag

Bonn: Im Kanzleramt beginnen die Konsensgespräche mit der Energiewirtschaft über einen Ausstieg aus der Atomenergie. Die Industrie einigt sich mit der Bundesregierung auf einen Kompromiss und setzt dabei ihre Kernforderung durch, wonach das von der rot-grünen Bundesregierung vereinbarte Ende der Wiederaufarbeitung von Atombrennstoff auf unbestimmte Zeit verschoben wird.

München: Der bayerische Staatsintendant August Everding stirbt im Alter von 70 Jahren. Im Alter von 34 Jahren wurde Everding 1963 jüngster Intendant an den Münchner Kammerspielen. Zehn Jahre später wechselte er nach Hamburg, wo er Nachfolger von Rolf Liebermann an der Staatsoper wurde. 1977 kehrte Everding als Chef der Bayerischen Staatsoper nach München zurück.

27.1.1999, Mittwoch

Bonn: Bundespräsident Roman Herzog spricht im Bundestag zum Holocaust-Gedenktag. Nach den Worten Herzogs ist der Nationalsozialismus das gemeinsame schreckliche Erbe der Deutschen. Zugleich fordert er eine rasche Entscheidung über das zentrale Holocaust-Mahnmal in Berlin.

St. Louis: Papst Johannes Paul II. ruft zum Abschluss seines zweitägigen USA-Besuchs die Amerikaner dazu auf, die Todesstrafe abzuschaffen. Diese Form der Strafe sei grausam und unnötig, sagt der Papst bei einer Messe vor rd. 100 000 Gläubigen in einem Football-Stadion im Bundesstaat Missouri.

28.1.1999, Donnerstag

London: Vor dem Nobelhotel Ritz zeigt sich der britische Thronfolger Prinz Charles erstmals öffentlich mit seiner langjährigen Freundin Camilla Parker Bowles.

Dearborn: Der US-Hersteller Ford gewinnt den Übernahmepoker gegen die Konkurrenten Volkswagen, General Motors und Fiat um die Pkw-Sparte des schwedischen Konzerns Volvo. Der zweitgrößte Autokonzern der Welt will dafür 6,45 Mrd. US-Dollar zahlen.

Potsdam: Der Klimaforscher und Ozean-Experte Stefan Rahmstorf erhält den mit umgerechnet 1,7 Mio. DM dotierten “Jahrhundertpreis” der US-amerikanischen James-S.-McDonnell-Stiftung. Der 38-Jährige aus Potsdam konnte mit Computermodellen zeigen, dass die Meeresströmungen vergleichsweise instabil sind und unter bestimmten Bedingungen umkippen können. Dieses hat gravierende Auswirkungen auf das Klima.

29.1.1999, Freitag

Bonn: Der ehemalige Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers wird zum neuen Landesvorsitzenden der CDU in Nordrhein-Westfalen gewählt. Rüttgers setzt sich gegen den Landtags-Fraktionsvorsitzenden Helmut Linssen durch und löst den früheren Arbeitsminister Norbert Blüm ab, der nach zwölf Jahren an der Spitze des größten Landesverbandes der Christdemokraten nicht mehr kandidiert hatte.

30.1.1999, Samstag

Bonn: Im Streit um die geplante doppelte Staatsbürgerschaft für Ausländer lösen Zeitungsanzeigen der Sport- und Unterhaltungsstars Boris Becker, Thomas Gottschalk und Marius Müller-Westernhagen scharfe Kritik der politischen Opposition aus. Die drei Prominenten werben im Auftrag der rot-grünen Bundesregierung für die doppelte Staatsbürgerschaft in einer – so wörtlich – “modernen, weltoffenen Bundesrepublik Deutschland”.

Weimar: Das Deutsche Nationaltheater wird nach umfassender Rekonstruktion mit einer sechsstündigen Aufführung von Johann Wolfgang von Goethes “Faust” wiedereröffnet. Rd. 39 Mio. DM hat die Modernisierung des Hauses gekostet.

Melbourne: Die Schweizerin Martina Hingis gewinnt zum dritten Mal in Folge die Australian Open. Die Weltranglisten-Zweite besiegt die ungesetzte Französin Amelie Mauresmo mit 6:2, 6:3 und kassiert eine Siegprämie von umgerechnet 747 000 DM.

31.1.1999, Sonntag

Aschau: Zwei Skiwanderer werden in den Chiemgauer Alpen von herabstürzenden Schneemassen begraben.

Miami: Durch ein 34:19 gegen die Atlanta Falcons gewinnen die Denver Broncos zum zweiten Mal in Folge die Super Bowl, die Meisterschaft im American Football.

Dortmund: Borussia Dortmund sichert sich zum vierten Mal den Titel des deutschen Hallen-Fußballmeisters. Die Gastgeber setzen sich im zwölften Finale um den DFB-Hallen-Pokal mit 2:1 gegen den VfL Wolfsburg durch.

Melbourne: Das Finale der Herren bei den Australian Open entscheidet der Russe Jewgeni Kafelnikow für sich. Er besiegt den Schweden Thomas Enqvist in vier Sätzen mit 4:6, 6:0, 6:3, 7:6.