Was geschah im Juli 1918

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Wetterstationen Juli 1918

1.7.1918, Montag

Der brasilianische Ackerbauminister Pereira Lima setzt sich in einer Denkschrift an den Präsidenten, Wenceslao B. P. Gomez, für den Aufbau einer eigenen Juteindustrie ein, da das Material dringend für die Herstellung von Säcken für Kaffee und Getreide, den Hauptexportgütern Brasiliens, benötigt werde.

2.7.1918, Dienstag

Die Vereinigten Staaten von Amerika erkennen die Tschechoslowakische Legion bzw. den Tschechoslowakischen Nationalrat unter Führung von Tomá Garrigue Masaryk in Paris als rechtmäßige provisorische Regierung der Tschechoslowakei an.

Der Postverkehr zwischen dem Deutschen Reich und den Vereinigten Staaten von Amerika wird vollständig eingestellt. Ausnahmen werden in beschränktem Maß nur beim Kriegsgefangenenpostverkehr gemacht.

3.7.1918, Mittwoch

In die zweite Kammer des niederländischen Parlaments zieht erstmals eine Frau ein. Es ist eine Abgeordnete der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Anna Groeneweg.

Durch Regierungsdekret wird die Tretjakow-Gemäldegalerie in Moskau in Staatsbesitz überführt.

Erst jetzt wird im Deutschen Reich in der Presse bekanntgegeben, dass am 27. Juni das britische Hospitalschiff “Llandovery Castle” versenkt worden ist. Mindestens 230 Personen sind dabei ums Leben gekommen. Die deutsche Heeresleitung dementiert die britische Behauptung, ein deutsches U-Boot habe die “Llandovery Castle” versenkt, vielmehr müsse es auf eine britische Mine gelaufen sein.

Die US-amerikanische Regierung beschließt die Verstaatlichung aller Telegraphie- und Telefongesellschaften, um in diesem kriegsrelevanten Bereich Streikaktionen zu verhindern.

4.7.1918, Donnerstag

In Berlin findet der Austausch der Ratifikationsurkunden zum Friedensvertrag zwischen Österreich-Ungarn und der russischen Sowjetrepublik statt.

In Moskau beginnt der V. Allrussische Sowjetkongress.

Der US-amerikanische Präsident Thomas Woodrow Wilson fordert in seiner Rede zum Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten die Demokratisierung aller staatlichen Regierungen.

Laut “Leipziger Volkszeitung” hebt Franz Mehring, Sozialdemokrat und das “geistige Haupt der Deutschewiki”, in einem Brief an die russischen Bolschewiki hervor, die Gruppe “Spartakus”, eine linke Abspaltung der Mehrheitssozialdemokratie, seit 1917 organisiert in der USPD, wolle nach den gleichen Prinzipien den Umsturz betreiben wie die Bolschewiki in Russland.

5.7.1918, Freitag

Die in ganz Europa grassierende “Spanische Krankheit”, eine schwere Form der Grippe, erreicht das Deutsche Reich. Bereits 1888/89 waren dieser Infektion mehrere tausend Europäer zum Opfer gefallen.

Die Internationale Handelskonferenz in London unterstützt den Baubeginn eines Kanaltunnels zwischen der britischen und der französischen Küste für die nächste Zeit nach Kriegsende. Expresszüge könnten durch eine solche Verbindung innerhalb von sechs Stunden von London nach Paris gelangen.

6.7.1918, Samstag

In Moskau bricht ein gegen die bolschewistische Regierung gerichteter Aufstand der linken Sozialrevolutionäre aus, in dessen Verlauf der deutsche Botschafter Wilhelm Graf von Mirbach-Harff ermordet wird.

Die Landung US-amerikanischer Truppen in Panama wird von US-amerikanischer Seite damit begründet, dass die Regierung von Panama entgegen einem Abkommen von 1907 die ausreichende Lebensmittelversorgung der Soldaten in der Kanalzone nicht gewährleiste.

Die Regierung Großbritanniens legt ein Programm vor, durch das Indien autonomer werden soll.

In den Vereinigten Staaten werden laut Regierungsdekret 58 Namen von Ortschaften geändert, weil sie das Wort “German” enthalten.

Der Verband der südwestdeutschen Eisenindustrie fordert auf seiner Jahreshauptversammlung dringend eine Kanalisierung der Mosel. Dies sei eine Überlebensfrage für die deutsche Eisen- und Stahlindustrie.

7.7.1918, Sonntag

Auf dem I. Kongress der Sowjets des Nordkaukasus wird eine “Nordkaukasische Sowjetrepublik” proklamiert, die Teil der “Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik/RSFSR” werden soll.

Im nördlichen Bessarabien (Ukraine) bricht eine Choleraepidemie aus. Mit einer Kampagne für die Einhaltung einfacher Hygienevorschriften sucht die Regierung der Ausbreitung Herr zu werden.

8.7.1918, Montag

Gemeinsam mit französischen Truppenverbänden greifen die Italiener österreichisch-ungarische Truppen an der albanischen Front an.

13 Rädelsführer des von den linken Sozialrevolutionären am 6. Juli angezettelten Aufstandes in Moskau werden nach dessen Niederschlagung erschossen. Die Unruhen, die sich gegen die Regierung der Bolschewiki richten, greifen auf 23 mittelrussische Städte über.

9.7.1918, Dienstag

Der deutsche Außenminister Richard von Kühlmann tritt zurück. Nachfolger im Amt wird Konteradmiral Paul von Hintze.

In Berlin werden von der deutschen Reichsregierung Gerüchte über die beabsichtigte Heraufsetzung des Militärpflicht-Alters auf 50 Jahre dementiert.

Das Reichsversorgungsamt stellt für die geplanten “fleischlosen Wochen” im August, September und Oktober den Ersatz des Fleisches durch andere Lebensmittel in Aussicht. Pro Monat soll jeweils eine Woche kein Fleisch abgegeben werden.

10.7.1918, Mittwoch

Der V. Allrussische Sowjetkongress billigt den Text der Verfassung der “Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR)”. Es wird hier unter anderem das Rätesystem als Staatsform der Diktatur des Proletariats festgeschrieben.

In Südafrika kommt es zu Aufständen der burischen Bevölkerung, die gegenüber Großbritannien ebenso große Selbständigkeit fordert, wie sie Australien bereits habe.

11.7.1918, Donnerstag

Reichskanzler Georg Graf von Hertling hält vor dem Hauptausschuss des Deutschen Reichstages in Berlin eine programmatische Rede, in der er erklärt, der Wechsel in der Leitung des Auswärtigen Amtes ändere nichts am Gesamtkurs der reichsdeutschen Politik.

In Aschabad bricht ein antibolschewistischer Aufstand aus, in dessen Verlauf eine “Transkaspische Provisorische Regierung” unter Fedor A. Funtikov gebildet wird, die von britischen Militärverbänden gestützt wird.

12.7.1918, Freitag

Das Gemüseangebot auf den reichsdeutschen Wochenmärkten ist im Vergleich zum Vormonat größer, reicht jedoch bei weitem nicht aus; dementsprechend sind die Preise sehr hoch.

13.7.1918, Samstag

Der Deutsche Reichstag beschließt gegen die Stimmen der Unabhängigen Sozialdemokraten einen weiteren Kriegskredit in Höhe von 15 Milliarden Mark.

Mit sofortiger Wirkung sind alle Papier- und Garnabfälle im Deutschen Reich beschlagnahmt und dürfen nur noch an staatliche Stellen veräußert werden. Damit soll die gezielte Verteilung der knappen Rohstoffe erreicht werden.

Wegen Brothehlerei wird ein Mann aus Wuppertal-Elberfeld zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

In Prag konstituiert sich der tschechoslowakische Nationalrat.

Die russische Sowjetregierung verabschiedet ein Dekret über die Enteignung des Vermögens des Zaren und der Familie Romanow.

14.7.1918, Sonntag

Britische und US-amerikanische Truppen besetzen die gesamte Eisenbahnlinie in Murmansk.

Mit neueingeführten “Post-Kreditbriefen” ist es ab heute im Deutschen Reich möglich, auf Reisen an beliebigen Postämtern Geld abzuheben.

An allen Fronten erscheinen Aufrufe der Militärführung zur Wiederverwertung von Kriegsbeute durch die Soldaten: “Laßt nicht das Geringste auf dem Schlachtfeld verderben!”

Der Deutsche Reichstag lehnt den Gesetzentwurf zur Beseitigung der Portofreiheit für Fürsten ab. Die maßlose Ausnutzung dieses Privilegs – so gab ein Fürst an einem Tag 600 gleichlautende Telegramme portofrei auf – führt jedoch zu neuen Beratungen.

15.7.1918, Montag

In Konstanz treffen etwa 800 deutschstämmige Elsass-Lothringer ein. Das Gefangenenaustausch-Abkommen zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich hatte diese Übersiedlung möglich gemacht.

Die alldeutsch-reaktionär ausgerichtete in Berlin erscheinende “Deutsche Zeitung” betont, dass der neue Staatssekretär des Äußeren, Konteradmiral Paul von Hintze, nicht der Alldeutschen Partei zuzurechnen sei, jedoch sei er “unzweifelhaft von rein vaterländischer Gesinnung”.

Karl I., Kaiser von Österreich und König von Ungarn, entlässt den Militärführer der Junioffensive, Feldmarschall Franz Graf (ab Juli) Conrad von Hötzendorf.

Auf 80 km Breite dringt die deutsche Westoffensive an der Marne und in der Champagne vor.

16.7.1918, Dienstag

Der letzte russische Zar Nikolaus II. wird mit seiner Familie in seinem Verbannungsort Jekaterinburg (Swerdlowslk) von Bolschewisten erschossen.

17.7.1918, Mittwoch

Der italienische Wissenschaftler und Arzt Lo Monaco legt Untersuchungen darüber vor, dass die Tuberkulose durch Injektionen von Saccharose heilbar sei. Die Ergebnisse werden auf internationaler Expertenebene jedoch angezweifelt.

Im Münchener Glaspalast findet die diesjährige Ausstellung der Münchener Secession statt.

Wegen der Lebensmittelknappheit wird es in 40 Erholungsorten der Rheinprovinz untersagt, dass sich Kurgäste länger als vier Wochen hier aufhalten. Ausnahmen können nur durch ausdrückliche amtsärztliche Anweisung zugelassen werden.

18.7.1918, Donnerstag

Bei der an Aisne und Marne beginnenden Gegenoffensive der Alliierten werden die Deutschen auf einer Frontbreite von 45 km in der Champagne rasch zurückgeschlagen. Den gemeinsamen Oberbefehl über die alliierten Truppen führt General Ferdinand Foch.

In Solingen wird eine Versammlung der Sozialdemokraten, auf der der Reichstagsabgeordnete Philipp Scheidemann eine Rede hält, von einer Gruppe unabhängiger Sozialdemokraten gesprengt. Mit ihrer Forderung nach sofortigem Friedensschluss gewinnt die linke Opposition auch in den Reihen der Mehrheitssozialdemokraten immer mehr Anhänger.

In den “Düsseldorfer Nachrichten” beklagt der Literaturwissenschaftler Herbert Eulenberg die “Büchernot”, die durch den Krieg entstanden ist.

Die britische Nachrichtenagentur Reuter meldet, obwohl die in Südostafrika kämpfende Armee des deutschen Generals Paul von Lettow-Vorbeck mittlerweile auf 700 bis 800 Leute zusammengeschrumpft sei, kämpfe die Truppe weiter.

20.7.1918, Samstag

Beim Lufteinsatz über der Marne wird der von allen Seiten vielgerühmte US-amerikanische Flieger Quentin Roosevelt von einem deutschen Flieger abgeschossen. Er wird, wie es in der deutschen Presse ausdrücklich heißt, “mit kriegerischen Ehren” in seinem Absturzort Chambry beigesetzt.

Die japanische Regierung beschließt den von US-amerikanischer Seite immer wieder geforderten Einmarsch in Sibirien, um sich im russischen Bürgerkrieg auf die Seite der konterrevolutionären, antibolschewistischen Kräfte zu schlagen.

21.7.1918, Sonntag

Der US-amerikanische Präsident Thomas Woodrow Wilson ordnet den Stopp der Ölausfuhr nach Chile an. Chile, das für seine Nitrat-Industrie unbedingt Öl braucht, soll damit nach deutscher Meinung zum Kriegseintritt an der Seite der USA gezwungen werden. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass die Vereinigten Staaten das Öl zur Unterhaltung der eigenen Kriegsindustrie benötigen.

Einen psychologischen Test, mit dem die Eignung für den Beruf des Bürobeamten festgestellt werden soll, veröffentlicht der Wirtschaftswissenschaftler Johannes Dück aus Innsbruck.

In der Pressekritik viel gerühmt wird eine Ausstellung mit österreichisch-ungarischer “Kriegsgraphik”, die in Köln zu sehen ist.

Die Versorgungsämter des Reiches weisen erneut darauf hin, dass Frischmilch nach dem Erwerb sofort abzukochen sei, da ein vorzeitiges Verderben des knappen Lebensmittels unbedingt verhindert werden müsse.

22.7.1918, Montag

In Wien nimmt Kaiser Karl I. das Rücktrittsgesuch des österreichischen Ministerpräsidenten Ernst Ritter Seidler von Feuchtenegg und seines Kabinetts an.

Bei blutigen Auseinandersetzungen in den Moskauer Putilov-Werken gewinnen sozialdemokratische Arbeiter die Oberhand über die Bolschewiki. Die Rückeroberung des strategisch wichtigen Parskin-Arsenals gelingt ihnen jedoch nicht.

Erstmals treffen sich in der deutschen Reichshauptstadt Berlin Großmeister und Abgeordnete der Freimaurerlogen des Deutschen Reiches, Ungarns, der Türkei und Bulgariens zu einer gemeinsamen Tagung.

23.7.1918, Dienstag

Dem Verlangen der Soldaten, Heimaturlaub auch in mehrere Orte gleichzeitig gestattet zu bekommen, soll nach Auskunft der Militärbehörden bald stattgegeben werden. Bislang durften die Soldaten jeweils immer nur einen Ort pro Heimaturlaub ansteuern.

An den Schulen des Deutschen Reiches werden umfangreiche Laubheusammlungen veranstaltet, um die Versorgung der noch im Einsatz befindlichen Militärpferde zu garantieren.

Karl Helfferich, Vizekanzler im Deutschen Reich in den Jahren 1916/17, wird zum Nachfolger des ermordeten Wilhelm Graf von Mirbach-Harff als diplomatischer Vertreter des Deutschen Reiches in Moskau ernannt.

24.7.1918, Mittwoch

Simbirsk und Jekaterinburg (Swerdlowsk) fallen in die Hände der antibolschewistischen tschechischen Legion bzw. der Weißgardisten, die im Bürgerkrieg gemeinsam gegen die Bolschewiki kämpfen.

Im Deutschen Reich wurden seit Kriegsbeginn bislang über 80 000 Angehörige der kämpfenden Truppe mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet.

Der Verlag Gustav Langenscheidt, Berlin, wirbt in deutschen Zeitungen für die Erlernung von Fremdsprachen nach einer neuen, vom Verlagsinhaber begründeten Methode.

25.7.1918, Donnerstag

Die sowjetische Regierung gibt die Ermordung der Zarenfamilie am 16. Juli in Jekaterinburg (Swerdlowsk) offiziell bekannt.

Admiral Paul von Hintze, neuer Staatssekretär des Äußeren, sendet an die Deutsch-Irische Gesellschaft ein Dankestelegramm für den Glückwunsch zu seiner Ernennung als Nachfolger von Richard von Kühlmann. Hintze betont darin, dass das Deutsche Reich die Unabhängigkeitsbestrebungen des irischen Volkes unterstütze.

Der Rat der oberbayerischen Gemeinde Oberammergau gibt bekannt, dass die nächsten Passionsspiele frühestens 1920 stattfinden werden, wenn die politischen Verhältnisse es gestatten.

26.7.1918, Freitag

In seiner Antrittsrede vor dem österreichischen Senat in Wien betont der Nachfolger Ernst Ritter Seidler von Feuchteneggs im Amt des Ministerpräsidenten, Max Freiherr Hussarek von Heinlein, die unerschütterliche Freundschaft Österreichs mit dem Deutschen Reich.

Der ägyptische Sultan Fuad, der Khedive, besucht Berlin und spricht anlässlich eines Essens, das der neue Staatssekretär des Äußeren, Admiral Paul von Hintze ihm zu Ehren gibt, von der Freundschaft, die Ägypten traditionell mit dem Deutschen Reich verbinde. Ägypten, das vor 1914 unter osmanischer Oberhoheit stand, ist seit Kriegsausbruch britisches Protektorat.

Der Rat der Stadt Augsburg gibt bekannt, dass eine Erhebung ergeben habe, dass derzeit nur drei Wohnungen in der Stadt zu vermieten sind. Dieser eklatante Mangel an Wohnraum ist exemplarisch für das ganze Reich und wird nach Kriegsende durch die Rückkehr der Soldaten eine weitere Verschärfung erfahren.

27.7.1918, Samstag

Die niederrheinische Brennnessel-Sammelstelle setzt die Belohnung für ein kg gesammelten Brennnesselsamen auf 20 Mark herauf.

Zu einem Monat Gefängnis wird eine Düsseldorferin verurteilt, weil sie den Aufenthalt ihres fahnenflüchtigen Sohnes, den sie nachweislich kannte, nicht den Behörden gemeldet hat. Als mildernder Umstand wird in der Revision gewertet, dass die Frau im kaum lösbaren Konflikt zwischen Mutterliebe und vaterländischer Pflicht handelte.

28.7.1918, Sonntag

Der Streik der Munitionsarbeiter in weiten Teilen Großbritanniens findet vorerst ein Ende. Mit einem baldigen Wiederaufflammen der Arbeitsniederlegungen wird jedoch gerechnet.

In einer Bittschrift fordern 600 000 US-Amerikaner irischer Abstammung Präsident Thomas Woodrow Wilson auf, die Unabhängigkeit Irlands von Großbritannien anzuerkennen.

Im Deutschen Reich tritt eine Verordnung über die Beschlagnahme von Vorhängen zur Umarbeitung in Leibwäsche in Kraft. Die Beschlagnahme erstreckt sich vorerst nicht auf Gardinen in Privatwohnungen.

29.7.1918, Montag

Die deutsche Presse gibt die Rückverlegung der Westfront offiziell bekannt. Sie erfolge jedoch nur “nach gründlicher Zerstörung aller dem Feind nutzbringenden Anlagen”, wie die Oberste Heeresleitung in ihren Propagandameldungen aus dem Hauptquartier im belgischen Spa betont.

In der Ukraine wird der deutsche Oberbefehlshaber in der Ukraine, Generaloberst Hermann von Eichhorn, von einem Sozialrevolutionär ermordet.

Frauenvereinigungen in Großbritannien fordern bei Großdemonstrationen die Zulassung zu Gerichts- und Regierungsämtern.

30.7.1918, Dienstag

In Leipzig findet eine Ausstellung mit aus Kaninchenwolle gewirkten Waren statt. Diese böten, so die Ausstellungsleitung einen nahezu gleichwertigen Ersatz für Wirkwaren aus Kaschmir- oder Angorawolle.

31.7.1918, Mittwoch

Am Ende des vierten Kriegsjahres befinden sich rund 3,5 Millionen britische, französische und US-amerikanische Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft.

Die Jahreshauptversammlung der Friseurinnung in Gotha warnt vor den Gefahren der Bartflechte. Die Hautkrankheit – sie kann auch Frauen und Kinder befallen – macht heute etwa 30% aller Hauterkrankungen aus, während es wegen besserer hygienischer Bedingungen zu Kriegsbeginn nur 2% waren.