Was geschah im Juli 1919

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Wetterstationen Juli 1919

1.7.1919, Dienstag

Deutsche Reichstruppen unter Paul von Lettow-Vorbeck besetzen Hamburg.

Die Landesversammlung von Coburg genehmigt die Abfindung des früheren Herzogs.

Der Verfassunggebende Landtag von Tirol in Innsbruck nimmt eine Entschließung über den Anschluss Tirols an die Republik Deutschösterreich an und fordert für Tirol “von Kufstein bis Salurn” das Selbstbestimmungsrecht.

In der Republik Tschechoslowakei tritt das Gesetz über die Krankenversicherung der Arbeiter in Kraft.

Die Angestellten der Berliner Verkehrsanstalten treten in den Streik, in dessen Folge der Verkehr in der Reichshauptstadt weitgehend zum Erliegen kommt.

2.7.1919, Mittwoch

Der Allgemeine Syrische Kongress in Damaskus fordert die sofortige Unabhängigkeit des Landes, das unter britischer Kontrolle steht, einschließlich des Libanon und Palästinas.

Die Weimarer Nationalversammlung beginnt mit der zweiten Lesung des Verfassungsentwurfs. Der Antrag, in der Überschrift “Verfassung der Deutschen Republik” zu setzen, wird abgelehnt. Angenommen wird die Überschrift “Verfassung des Deutschen Reichs”.

Heinrich Schulz (MSPD), der Vizepräsident der Weimarer Nationalversammlung, wird zum Unterstaatssekretär im Reichsministerium des Innern ernannt.

Das britische Luftschiff “R 34” überquert als erstes Luftschiff den Atlantischen Ozean.

3.7.1919, Donnerstag

Der als militärischer Oberbefehlshaber der deutschen Truppen zurückgetretene Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg verlässt sein Hauptquartier in Kolberg.

Bei der zweiten Lesung des Verfassungsentwurfs nimmt die Weimarer Nationalversammlung einen Kompromissantrag hinsichtlich der Reichsfarben an: “Die Reichsfarben sind schwarz-rot-gold, die Handelsflagge ist schwarz-weiß-rot mit einer Gösch in schwarz-rot-gold in der oberen inneren Ecke”.

Papst Benedikt XV. teilt bei einer Kardinalsversammlung, einem geheimen Konsistorium, im Vatikan mit, dass es gelungen sei, auf der Pariser Friedenskonferenz das Fortbestehen der deutschen katholischen Missionen zu erreichen.

4.7.1919, Freitag

Der tschechoslowakische Ministerpräsident Karel Kramãr tritt mit seinem Kabinett zurück. Am 8. Juli bildet Wlastimil Tusar eine Regierung, der überwiegend gemäßigte Sozialisten angehören.

Jack Dempsey (USA) wird Boxweltmeister im Schwergewicht.

Bei einem Militärputsch in Peru wird Präsident José Pardo y Barreda verhaftet und abgesetzt. Zum neuen Staatspräsidenten wird Augusto Bernardino Leguía proklamiert, der eine offene Diktatur errichtet.

5.7.1919, Samstag

Der zehnte Deutsche Gewerkschaftskongress in Nürnberg endet mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB).

Prinz Eitel Friedrich von Preußen stellt sich in einem Telegramm an König Georg V. von Großbritannien zusammen mit seinen vier jüngeren Brüdern “an Stelle meines kaiserlichen Herrn Vaters für den Fall seiner Auslieferung zur Verfügung, um ihm durch unser Opfer den entehrenden Gang zu ersparen”.

In den italienischen Provinzen Romagna, Emilia und Toskana kommt es nach Teuerungen bei Nahrungsmitteln und anderen Gütern zu Unruhen.

In Italien werden die Bewegungsbeschränkungen für die bisher feindlichen Ausländer aufgehoben; Ausnahmen bilden die Bezirke der Seehäfen und die im Ersten Weltkrieg eroberten Gebiete.

6.7.1919, Sonntag

Die interalliierte Kommission für die Durchführung des Friedensvertrags von Versailles hält ihre konstituierende Sitzung ab. Zum Vorsitzenden wird André Tardieu gewählt.

Kurt Freiherr von Lersner wird als Nachfolger von Ulrich Graf von Brockdorff-Rantzau zum Vorsitzenden der deutschen Friedensdelegation in Versailles gewählt.

Der Todestag des Reformators Jan Hus wird in der Tschechoslowakei als Nationalfeiertag begangen.

In mehreren Stellungnahmen zur geplanten Abstimmung in Schleswig lehnen Mitglieder der dänischen Regierung die Einverleibung nichtdänischer deutscher Gebiete ab. “Dagegen haben wir immer das Recht der Abstimmung in den Teilen Schleswigs anerkannt, wo dänische Sprache und Gesinnung sich auch früher kundgegeben haben, z. B. in Flensburg”, betont Thorvald Stauning.

7.7.1919, Montag

Der Staatenausschuss, die Vertretung der deutschen Länder in der Weimarer Nationalversammlung stimmt der Ratifikation des Versailler Friedensvertrags zu.

Die Firma Siemens in Berlin-Lichtenberg stellt wegen Kohlenmangels den Betrieb ein und kündigt 1500 Arbeitern.

Prinz Friedrich Wilhelm zur Lippe veröffentlicht in der “Deutschen Tageszeitung” einen offenen Brief: “Deutsche Ohnmacht – durch unseres Volkes Selbstentwaffnung verschuldet – hat unseren Feinden die Befriedigung ihrer Rachsucht zugestanden, mit der ihr gieriger Sinn nach unserem Kaiser steht, um den sie uns noch vor nicht langer Zeit beneideten. Die Schmach, die sie ihm antun wollen, trifft auch uns. Wollen wir abseits stehen, wenn unser Kaiser den Weg des Leidens geht? Das darf nicht, nein, das kann nicht sein! Wir deutschen Prinzen … wollen jetzt uns neben ihn stellen und unseren Feinden zurufen: ‘Nehmt uns für ihn oder mit ihm!'”.

Die deutsche Waffenstillstandskommission verlässt den belgischen Verhandlungsort Spa.

Prinz Heinrich von Preußen bittet König Georg V. von Großbritannien in einem Telegramm, “von der Auslieferung Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm Abstand nehmen zu wollen. Ich … bin Zeuge, wie der Kaiser und seine Ratgeber bemüht waren, mit allen nur erdenklichen Mitteln einen Krieg als Unheil für die Menschen abzuwenden”.

8.7.1919, Dienstag

Der deutsche Reichsfinanzminister Matthias Erzberger (Zentrum) gibt vor der Weimarer Nationalversammlung einen Überblick über die von ihm angestrebte Finanzreform, mit der er die Finanzhoheit des Reiches gegenüber den Ländern stärken will.

9.7.1919, Mittwoch

Die Weimarer Nationalversammlung ratifiziert den Versailler Friedensvertrag und die Vereinbarung über die militärische Besetzung des Rheinlands.

Der französische Bergarbeiterstreik, der am 16. Juni begonnen hat, wird durch einen Schiedsspruch beigelegt. Die Bergarbeiter, die vor allem die Einführung der Achtstundenschicht gefordert hatten, setzen fast alle ihre Forderungen durch.

10.7.1919, Donnerstag

Der neue tschechoslowakische Ministerpräsident Wlastimil Tusar gibt vor der Nationalversammlung in Prag seine Regierungserklärung ab. Er betont, dass die Tschechoslowakei mit allen Nachbarn in Frieden leben will. “Es ist ferner der Augenblick gekommen, wo wir an die Schaffung der gesetzlichen Bedingungen für das Zusammenleben mit den nationalen Minderheiten und ihre Mitwirkung herantreten werden”.

Das britische Unterhaus in London nimmt den Antrag auf Errichtung eines Verkehrs- bzw. Transportministeriums an (Ministry of Ways and Communications). Das Parlament betont die Bedeutung nationaler Verkehrspolitik.

11.7.1919, Freitag

Die niederländische Abgeordnetenkammer in Den Haag nimmt den Gesetzentwurf über die Einführung der 45-Stunden-Woche (Achtstundentag) an.

Die sächsische Volkskammer in Dresden nimmt gegen die Stimmen der bürgerlichen Parteien das Übergangsgesetz für Volksschulen an. Danach darf in den Volksschulen künftig kein Religionsunterricht mehr erteilt werden.

Die Abgeordnetenkammer des Großherzogtums Luxemburg verabschiedet ein neues Wahlgesetz, nach dem alle Luxemburger und Luxemburgerinnen ab 21 Jahren das Recht und die Pflicht zu wählen haben.

12.7.1919, Samstag

Die Alliierten heben die Wirtschaftsblockade gegen das Deutsche Reich auf.

Das Münchner Standgericht verurteilt den Schriftsteller und Rätepolitiker Erich Mühsam wegen Hochverrats zur Höchststrafe von 15 Jahren Festung unter “Zubilligung” der ehrlosen Gesinnung.

Über die preußische Provinz Pommern wird wegen eines Landarbeiterstreiks der Belagerungszustand verhängt.

Bei einem Zusammenstoß zwischen deutschen Zivilisten und französischen Soldaten in Berlin wird ein französischer Sergeant erstochen.

Der deutsche Reichsernährungsminister Robert Schmidt (MSPD) übernimmt zugleich das Reichswirtschaftsministerium, nachdem Rudolf Wissell (MSPD) sein Abschiedsgesuch eingereicht hat. Wissell fühlte sich als erklärter Befürworter der Planwirtschaft von seinen Parteikollegen im Stich gelassen.

Der Linienverkehr zwischen dem Hamburger Hafen und den Vereinigten Staaten wird wieder aufgenommen.

Die französische Regierung gestattet die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen mit dem Deutschen Reich.

13.7.1919, Sonntag

In Berlin geht der erste Parteitag der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) zu Ende.

14.7.1919, Montag

Die erstmals seit 1914 wieder durchgeführte Tour de France gewinnt der Belgier Firmin Lambot.

In Birkenfeld wird die Loslösung vom Freistaat Oldenburg und die “Republik Birkenfeld mit eigener Verwaltung im Verbande des Deutschen Reiches” proklamiert. Die Reichsregierung unter Ministerpräsident Gustav Bauer (MSPD) verurteilt diesen Schritt, der letztlich auf Lösung vom Deutschen Reich abziele.

Frankreich veranstaltet in Paris am französischen Nationalfeiertag die offizielle Feier zum Sieg über die Mittelmächte.

In Weimar tritt erstmals der thüringische Staatsrat zusammen zu Beratungen über die Schaffung des neuen Freistaats Thüringen. Der entsprechende Staatsvertrag ist mit Ausnahme von Koburg und Sachsen-Meiningen von allen thüringischen Staaten gebilligt worden.

15.7.1919, Dienstag

Die ungarische gegenrevolutionäre Regierung im französisch besetzten Szeged wählt Desiderius Abraham zum Ministerpräsidenten als Nachfolger von Gyula Graf Andrássay d.J.

Der frühere König von Sachsen, Friedrich August III., appelliert an König Georg V. von Großbritannien, seinen Einfluss geltend zu machen, “dass auf der Auslieferung des deutschen Kaisers nicht weiter bestanden wird”.

16.7.1919, Mittwoch

Die Mitglieder der MSPD und der DDP beschließen, den Vollversammlungen des Vollzugsrats der Arbeiter- und Soldatenräte Groß-Berlins künftig fernzubleiben, weil sie von Kommunisten und USPD “zum Tummelplatz der politischen Agitation” benutzt würden. Gleichzeitig beschließen sie, Vollversammlungen ohne Kommunisten und USPD abzuhalten.

Das Münchner Standgericht verurteilt den Dramatiker und Rätepolitiker Ernst Toller wegen Hochverrats zur Mindeststrafe von fünf Jahren Festung. Toller konnte keine “ehrlose Gesinnung” nachgewiesen werden.

17.7.1919, Donnerstag

Der Landtag von Lippe in Detmold verabschiedet das Landesgesetz über die Verstaatlichung des gesamten fürstlichen Besitzes ohne Abfindung des fürstlichen Hauses.

Das britische Kriegsministerium gibt bekannt, dass seit dem Eintritt des Waffenstillstands am Ende des Weltkriegs (1918) drei Millionen britische Soldaten demobilisiert wurden.

In Würzburg beginnt der erste Allgemeine Deutsche Studententag. Die Veranstaltung dauert bis zum 19. Juli.

Erfolgreichste Teilnehmerin am Tennisturnier in Wimbledon ist die Französin Suzanne Lenglen.

18.7.1919, Freitag

Der Landtag der Republik Braunschweig beschließt die völlige Trennung von Kirche und Schule. Außerdem wird ein Antrag auf Ausschaltung des Religionsunterrichts in den Schulen des Freistaats angenommen.

Die konstituierende Landesversammlung von Anhalt in Dessau verabschiedet das Verfassungsgesetz. Anhalt wird Freistaat.

Die preußische Landesversammlung in Berlin nimmt gegen die Stimmen des Zentrums die Vorlage über die Aufhebung der geistlichen Ortsschulinspektion an.

Die Weimarer Nationalversammlung nimmt in dritter Lesung das Reichssiedlungsgesetz an.

In Berlin beginnt der erste Parteitag der Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Er dauert bis zum 22. Juli. Zum Vorsitzenden wird der evangelische Theologe Friedrich Naumann gewählt. Dem Vorstand gehört u.a. Gertrud Bäumer an. Nach eigenen Angaben zählt die 1918 gegründete Partei rund 900 000 Mitglieder.

20.7.1919, Sonntag

Die deutschösterreichische Friedensdelegation in Saint-Germain-en-Laye erhält den Text des Friedensvertrags.

Auf dem Trafalgar Square in London findet eine von der Labour Party und dem Gewerkschaftsrat veranstaltete Protestkundgebung gegen die Intervention der Alliierten in Sowjetrussland statt.

Die ungarische Rote Armee beginnt eine Offensive gegen Rumänien, um die Ungarn zugesprochen, aber von Rumänien noch nicht geräumten Gebiete zu erobern. Der Vorstoß über die Theiß endet nach anfänglichen Erfolgen am 26. Juli mit der völligen Niederlage der Rätetruppen.

21.7.1919, Montag

Im Deutschen Reich, in Deutschösterreich und Italien finden nach einem Aufruf der sozialistischen und kommunistischen Parteien Demonstrationen und Streiks gegen den Versailler Vertrag und den Friedensvertrag von Saint-Germain-en-Laye statt.

In Norwegen findet ein Generalstreik statt. Die Arbeiter protestieren gegen die Intervention der Alliierten in Sowjetrussland, für die Durchführung von Neuwahlen zum Sorting (Parlament) in Kristiania (Oslo) und für die Verstaatlichung der Wirtschaft.

Der französische Staatspräsident Raymond Poincaré trifft zusammen mit Marschall Ferdinand Foch zu einem mehrtägigen Staatsbesuch in Brüssel ein. In Mitteilungen der Regierungen beider Länder heißt es, der Besuch sei eine “Manifestation der französisch-belgischen Freundschaft”.

22.7.1919, Dienstag

Die Flugzeugmeisterei Adlershof in Berlin, die während des Ersten Weltkriegs als Zentraldepot der Luftwaffe tätig war, wird geschlossen.

Das britische Unterhaus in London nimmt in dritter Lesung das Landansiedlungsgesetz an (Land Settlement Bill). Dadurch wird ehemaligen Soldaten die Möglichkeit gegeben, zu günstigen Krediten kleine Landgüter zu erwerben.

Zwischen den Vereinigten Staaten und dem Deutschen Reich wird der Postverkehr wieder aufgenommen. Auch die britische Post befördert ab heute wieder Briefe ins Deutsche Reich.

23.7.1919, Mittwoch

Der deutsche Reichsministerpräsident Gustav Bauer (MSPD) stellt vor der Weimarer Nationalversammlung das Programm und die Ziele seiner Regierung vor.

Der von der türkischen Regierung wegen separatistischer und alliiertenfeindlicher Aufrufe für vogelfrei erklärte General Mustafa Kemal Pascha (Kemal Atatürk) eröffnet in Erzurum den ersten Nationalkongress. Er erklärt sich als von der Türkei unabhängig und beschuldigt die Regierung, das Vaterland an die Alliierten verkauft zu haben. Mustafa Kemal Pascha fordert alle Anhänger des Islam auf, sich ihm und seinen zwei Divisionen anzuschließen.

25.7.1919, Freitag

Der finnische Reichstag in Helsingfors (Helsinki) wählt Kaarlo Juho Ståhlberg, der maßgeblich an der Ausarbeitung der republikanischen Verfassung beteiligt war, zum ersten Staatspräsidenten der Republik Finnland.

Die sowjetische Regierung in Moskau verzichtet in einem Manifest an das chinesische Volk auf alle aus der Zarenzeit stammenden Gebietsansprüche gegenüber China.

Otto Bauer (SPÖ), der Leiter des deutsch-österreichischen Staatsamts des Äußern, erklärt seinen Rücktritt.

In Amsterdam beginnt der Internationale Gewerkschaftskongress. Hauptaufgabe der bis zum 2. August tagenden Veranstaltung ist der Wiederaufbau des Internationalen Gewerkschaftsbunds.

Das Münchner Standgericht verurteilt Tobias Axelrod, Mitglied der Münchner Räteregierung, wegen Beihilfe zum Hochverrat unter Annahme “ehrloser Gesinnung” und unter Verweigerung mildernder Umstände zu 15 Jahren Zuchthaus.

26.7.1919, Samstag

Der Oberste Rat der Alliierten in Paris fordert in einem Funkspruch das ungarische Volk zum Sturz der Räteregierung auf.

Das französische Oberkommando beginnt mit der Rückführung der französischen Truppen, die seit Oktober 1917 in Italien stationiert sind.

27.7.1919, Sonntag

Die Deutsche Friedensgesellschaft erlässt in Berlin einen Aufruf, in dem die Gründung des Völkerbunds als einzige Möglichkeit für eine Revision des Versailler Friedensvertrags bezeichnet wird.

In Berlin wird der Schwimm-Wettkampf “Quer durch Berlin” veranstaltet. Es ist der erste Wettbewerb dieser Art auf der Spree.

28.7.1919, Montag

Die italienische Nachrichtenagentur Agenzia Stefani veröffentlicht einen Regierungs-Erlass über die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen mit dem feindlichen Ausland.

29.7.1919, Dienstag

Die Beratungen zwischen Vertretern des Freistaats Coburg und dem bayerischen Gesamtministerium unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann (MSPD) in Bamberg führen zur grundsätzlichen Einigung über den Anschluss Coburgs an Bayern.

Theodor Leipart (MSPD), der erste Vorsitzende des Deutschen Holzarbeiterverbands, wird zum württembergischen Arbeitsministerium ernannt.

Die Tiroler Landesregierung und der Tiroler Landesrat in Innsbruck protestieren in einer gemeinsamen Entschließung gegen die Friedensbedingungen der Alliierten: “Unsere Gegner haben Wilsons Grundsätze vergessen, laut welchen die Grenze Italiens nach einer klar erkennbaren nationalen Linie gezogen werden soll. Wie zum Hohn erklärt die englische Regierung, südlich des Brenners gebe es nur ein Trentino”.

30.7.1919, Mittwoch

Der bayerische Landtag in Bayern nimmt das “Gesetz über außerordentliche Maßnahmen zum Schutz des Freistaats” an.

Eine Kommission deutscher Arbeitgeber und Arbeitnehmer reist nach Versailles zu Verhandlungen über den Einsatz von deutschen Zivilarbeitern beim Wiederaufbau Nordfrankreichs.

Der polnische Landtag in Warschau ratifiziert den Versailler Friedensvertrag und den polnischen Vertrag mit den Hauptmächten der Entente.

Die deutsche Reichsregierung unter Ministerpräsident Gustav Bauer (MSPD) legt der Weimarer Nationalversammlung ein Weißbuch über die “Vorgeschichte des Waffenstillstands” vor.

Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg nimmt in einem Telegramm an die Berliner Nachrichtenagentur Wolffs Telegraphen-Bureau (WTB) General Erich Ludendorff gegen Angriffe in Schutz. Er erklärt, “dass für alle Entschließungen der Obersten Heeresleitung ich allein die volle Verantwortung trage. General Ludendorff hat stets im Einverständnis mit mir gehandelt. Wer den General Ludendorff trifft, trifft also mich”.

Frankreich nimmt den Postverkehr mit dem Deutschen Reich für Handelsbriefe, Kataloge, Warenproben u.a. wieder auf. Privatkorrespondenz ist nur auf Postkarten zulässig.