Was geschah im Juli 1920

  • < 1919
  • 7.1920
  • 1921 >

Wetterstationen Juli 1920

1.7.1920, Donnerstag

Als erste kommunistische Abgeordnete hält die KPD-Politikerin Clara Zetkin eine Rede im deutschen Reichstag in Berlin. Sie legt dabei ein Bekenntnis zur internationalen Solidarität der Arbeiterklasse, besonders zur Sowjetunion, ab und fordert zum Kampf gegen Imperialismus und Militarismus auf. Neben Clara Zetkin ist die KPD durch Paul Levi im Reichstag vertreten.

Nach der Konferenz von San Remo wird die britische Militärverwaltung in Palästina in eine Zivilverwaltung umgewandelt. Oberkommissar ist Herbert Louis Samuel.

Das Kölner Verlagshaus Bachem verkauft die von Joseph Bachem 1860 unter dem Titel “Kölner Blätter” gegründete “Kölnische Volkszeitung”. Das katholische, zentrumsorientierte Blatt geht in den Besitz einer neugebildeten Kapitalgesellschaft (GmbH) über, die den politischen Kurs im Wesentlichen beibehält. Im Weltkrieg hatte die “Kölnische Volkszeitung” durch die Publizisten Carl und Franz Xaver Bachem eine nationalistische Linie verfochten.

Im mitteldeutschen Braunkohlerevier beginnen Streiks gegen einen gesetzlichen Steuerabzug und für Schichtzulagen. Die bis zum 20. Juli andauernden Aktionen enden mit einem Teilerfolg.

Mieter, Siedler und Bauarbeiter protestieren auf zahlreichen Versammlungen und Demonstrationen im Deutschen Reich gegen die Wohnungsnot.

2.7.1920, Freitag

In Berlin kommt die Reichsregierung mit Vertretern der Einzelstaaten und der Freien Städte zu einer Besprechung der Konferenz von Spa zusammen. Dabei wird eine inhaltliche Übereinstimmung in den deutschen Zielen erreicht.

3.7.1920, Samstag

Estland und Lettland unterzeichnen ein Abkommen über den Grenzverlauf zwischen beiden Staaten. Zuvor hatte eine Kommission unter britischer Leitung eine Grenzlinie festgelegt. Heftig umstritten war insbesondere Valga, das Estland zugesprochen wird.

4.7.1920, Sonntag

Auf Initiative verschiedener deutscher Handelskammern findet in Leipzig eine Verkehrstagung statt. Zu den Teilnehmern zählen u.a. Vertreter der Handelskammern von Leipzig, Frankfurt am Main, Breslau (heute Wroclaw), Erfurt und München sowie Repräsentanten der Reichsbahn. Hauptthema ist die Einrichtung einer West-Ost-Verbindung mit Anschluss an den internationalen Verkehr. Sie soll die Einbeziehung der südmitteldeutschen Wirtschaftsgebiete in das internationale Streckennetz sichern.

Im Finale der offenen englischen Tennismeisterschaften von Wimbledon (sog. Herausforderungsrunde) besiegt der US-Amerikaner William T. Tilden (“Big Bill”) den australischen Titelverteidiger Gerald Patterson 2:6, 6:3, 6:2, 6:4. Bei den Damen sichert sich die Französin Suzanne Lenglen den Einzeltitel.

5.7.1920, Montag

Im belgischen Badeort Spa beginnt eine internationale Konferenz zur Ausführung des Versailler Friedensvertrages (bis 16.7.). Wichtigste Themen sind die deutschen Reparationslieferungen (Kohlenfrage) und die Entwaffnung im Deutschen Reich.

Zwischen Österreich und Sowjetrussland wird in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen ein Abkommen über die gegenseitige Rückführung von Kriegs- und Zivilgefangenen geschlossen.

Der deutsche Maler, Radierer und Bildhauer Max Klinger stirbt im Alter von 63 Jahren in Großjena (Kleinjena/Halle).

6.7.1920, Dienstag

Im schweizerischen Basel tritt die achte Delegiertenversammlung der Internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz zusammen (bis 7.7.). Die Delegierten diskutieren u.a. über die Weiterentwicklung des internationalen Arbeiterschutzes und neue Aufgaben der Vereinigung.

7.7.1920, Mittwoch

Der Chef der deutschen Heeresleitung, General Hans von Seeckt, legt auf der Konferenz von Spa einen Plan für die Abrüstung des deutschen Heeres vor.

In Wien bildet der christlichsoziale Politiker Michael Mayr eine Allparteienregierung aus Christlich Sozialen, Sozialdemokraten und Deutschnationalen; die Ministerämter werden dabei nach dem Proporzverfahren verteilt.

Aus Gesundheitsgründen tritt der bisherige kanadische Premierminister Robert Laird Bordon zurück. Nachfolger wird der bisherige Innenminister Arthur Meighen. Generalgouverneur in dem britischen Dominion ist Victor Cavendish Herzog von Devonshire.

Nach nur zweiwöchiger Amtszeit tritt in Portugal das Kabinett von Ministerpräsident Antonio Maria da Silva zurück. Nachfolger wird der Führer der Liberalen, Antonio Granjo. Es ist bereits der fünfte Kabinettswechsel in diesem Jahr.

8.7.1920, Donnerstag

Die Reichspost gibt die Wiederaufnahme des Flugpostdienstes bekannt. Zunächst wird die Strecke Hamburg- Westerland (Sylt) bedient. Zugelassen für den Flugpostdienst sind Postkarten, Briefe, Drucksachen, Päckchen und Zeitungen sowie dringende Pakete.

9.7.1920, Freitag

Auf der Konferenz von Spa unterzeichnen Vertreter des Deutschen Reiches und der Alliierten ein Entwaffnungsabkommen.

10.7.1920, Samstag

Polen ruft wegen des Kriegs mit Sowjetrussland die Hilfe der Alliierten an. Die Alliierten entsenden eine vom französischen General Maxime Weygand geleitete französisch-britische Militärkommission. Am 4. Juli hatte die Rote Armee unter General Michail N. Tuchatschewski mit einer Offensive begonnen.

Der deutsche Bergarbeiterführer Otto Hué und der Industrielle Hugo Stinnes stellen auf der Konferenz von Spa die Interessen von Gewerkschaften und Unternehmen hinsichtlich der Kohlenfrage dar.

Um die Wiedervereinigung des nordschleswigschen Abstimmungsgebietes (erste Zone) mit Dänemark symbolisch zu vollziehen, unternimmt König Christian X. bei Frederikshoj einen Ritt über die alte Grenze. Am 5. Mai hatten dänische Truppen das Gebiet besetzt. Die Wiedervereinigung wird mit großen Feierlichkeiten begangen.

11.7.1920, Sonntag

Bei einem Plebiszit in den sog. Abstimmungsgebieten in Ost- und Westpreußen sprechen sich 97,8 bzw. 93,4% der Bevölkerung für einen Verbleib beim Deutschen Reich aus.

Im Namen des Obersten Rats der Alliierten richtet der britische Außenminister George Curzon in ultimativer Form einen Waffenstillstandsvorschlag an die Sowjetregierung. Darin fordert er den Rückzug der Roten Armee hinter die Linie Grodno- Brest- Przemysl (Curzon-Linie).

Eugenie, ehemalige Kaiserin der Franzosen, stirbt in Madrid.

Auf der Galopprennbahn Berlin-Grunewald gewinnt der Sieger des Deutschen Derbys, Herold vom Gestüt Graditz unter Jockei Julius Rastenberger, den mit 130 000 Mark dotierten Großen Preis von Berlin. Im Ziel des über 2400 m führenden Rennens hat er einen Vorsprung von eineinviertel Längen. Mit nunmehr insgesamt 307 750 Mark an Gewinngeldern in der laufenden Saison übertrifft er die bisherige Rekordgewinnsumme von Gestüt Graditz’ Gulliver II aus dem Jahr 1912 um 68 480 Mark. Mit 7 345 845 Mio. Mark vermeldet der Totalisator ebenfalls einen neuen Rekordumsatz für das Deutsche Reich.

12.7.1920, Montag

Zwischen Sowjetrussland und Litauen wird ein Friedensvertrag geschlossen. Dabei erkennt die Sowjetregierung das Gebiet um Wilna (Vilnius) als Teil Litauens an.

Der seit dem Jahre 1917 amtierende bolivianische Staatspräsident José N. Gutiérrez Guerra wird durch einen Staatsstreich gestürzt. Neuer Präsident wird Bautista Saavedra. Gutiérrez Guerra wird gefangengenommen und am 14. Juli des Landes verwiesen.

In London tritt der Völkerbundrat zu seiner siebten Tagung zusammen. Thema sind die zwischen Finnland und Schweden umstrittenen Aland-Inseln. Der Rat beschließt die Einsetzung einer internationalen Juristenkommission.

13.7.1920, Dienstag

Ein außerordentlicher Gewerkschaftskongress in London diskutiert die irische Home-Rule-Frage. In einer Entschließung wird die britische Regierung für die Auseinandersetzungen in Irland verantwortlich gemacht und der Rückzug der britischen Truppen gefordert.

Die österreichische Nationalversammlung in Wien verabschiedet mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien das Getreidebewirtschaftungsgesetz. Danach können Landwirte nach der Ablieferung geringer Kontingente über ihre Getreidevorräte frei verfügen. Angesichts der verbreiteten Lebensmittelknappheit sprechen sich die Sozialdemokraten gegen das Gesetz aus.

14.7.1920, Mittwoch

Frankreich richtet an den großsyrischen König Faisal I. ein Ultimatum. Darin wird Faisal u.a. aufgefordert, das französische Mandat über Syrien anzuerkennen. Nach Ablauf des Ultimatums besetzen französische Truppen Aleppo und Damaskus.

Deutsche Demonstranten reißen eine anlässlich des französischen Nationalfeiertags vor der französischen Botschaft in Berlin gehisste französische Flagge herunter. Die deutsche Regierung entschuldigt sich in Frankreich für den Vorfall, muss aber auf französische Forderung eine Reichswehreinheit zur Ehrenbezeugung antreten lassen.

15.7.1920, Donnerstag

Auf der Wasserkuppe beginnen die ersten Rhön-Wettbewerbe für Segelflug (bis 31.8.). Sie wurden initiiert durch den Herausgeber der Zeitschrift “Flugsport”, Oskar Ursinus. Am 6. August gelingt dem deutschen Flieger Bruno Poelke ein Segelflug von acht Sekunden Dauer. Vorläufer des Segelflugs ist der sog. Gleitflug, bei dem bereits 1911 eine Dauer von knapp zehn Minuten erreicht wurde.

Zwischen dem Deutschen Reich und Lettland wird in Berlin ein vorläufiges Abkommen über die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Staaten unterzeichnet.

Vor dem Hintergrund einer immer bedrohlicheren Lage im polnisch-russischen Krieg erlässt die polnische Regierung zur Bereinigung innenpolitischer Gegensätze ein Agrarreform-Gesetz, das die Interessen des Großgrundbesitzes stark beschneidet.

16.7.1920, Freitag

Die österreichische Regierung und die Alliierten tauschen in Paris die Ratifikationsurkunden über den sog. Frieden von Saint-Germain-en-Laye aus. Damit tritt der Friedensvertrag zwischen Österreich als Nachfolgestaat der Donaumonarchie und den Siegermächten in Kraft.

In einem auf der Konferenz von Spa geschlossenen Kohleabkommen zwischen dem Deutschen Reich und den Alliierten werden die als Reparationsleistungen fälligen Kohlelieferungen festgeschrieben.

17.7.1920, Samstag

Beim Reichsinnenministerium in Berlin wird eine Historische Kommission für das 1919 begründete Potsdamer Reichsarchiv eingerichtet. Zu ihren Mitgliedern zählt u.a. Veit Valentin, der wegen seiner liberal-demokratischen Ansichten als Außenseiter unter den konservativ eingestellten deutschen Historikern gilt.

18.7.1920, Sonntag

Der sowjetrussische Volkskommissar des Äußeren, Georgi W. Tschitscherin, lehnt in einer Note an die britische Regierung den Vermittlungsvorschlag Großbritanniens im polnisch-russischen Krieg ab. Großbritannien hatte einen sofortigen Waffenstillstand und den Zusammentritt einer Konferenz der osteuropäischen Staaten vorgeschlagen. Russland dagegen fordert direkte Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen mit Polen.

Prinz Joachim von Preußen, jüngster Sohn des früheren deutschen Kaisers Wilhelm II., kommt bei einem Selbstmordversuch in Berlin ums Leben. Der 1890 geborene Prinz litt an einer psychischen Krankheit.

19.7.1920, Montag

In Christiania (heute Oslo) billigt das norwegische Parlament (Storthing) ein Gesetz über die Errichtung von Arbeiterausschüssen in Industriebetrieben.

Das britische Unterhaus in London nimmt in dritter Lesung ein Gesetz zur Arbeitslosenversicherung an. Sozialistische Abgeordnete kritisieren die vorgesehene Unterstützung als zu gering.

Pál Graf Teleki wird ungarischer Ministerpräsident und löst damit den erst seit knapp vier Monaten amtierenden Alexander Simonyi-Semedan ab. Der dem früheren König Karl IV. (Kaiser Karl I.) nahestehende Legitimist Teleki bildet nach Abschluss des Vertrags von Trianon die erste Regierung Ungarns, die nicht als Provisorium gedacht ist. Trotz bescheidener agrarreformerischer Ansätze bleibt der Großgrundbesitz unter ihm im Wesentlichen unangetastet. Telekis Politik ist durch stark antisemitische Tendenzen gekennzeichnet.

In Petrograd (Leningrad) beginnt der zweite Kongress der Kommunistischen Internationale (Komintern; bis 7.8.). Wichtigstes Ergebnis sind die “21 Bedingungen” für die Aufnahme in die Komintern.

20.7.1920, Dienstag

Im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (heute Jugoslawien) wird auf Vorschlag der Regierung unter Ministerpräsident Milenko Vesnic ein neues Wahlgesetz beschlossen. Es beschränkt das Wahlrecht auf die männliche Bevölkerung über 21 Jahren und sieht ein Verhältniswahlrecht vor. Nach dem neuen Gesetz entfällt ein Abgeordneter auf rund 30 000 Wahlberechtigte (= 419 Mandate).

Die deutsche Reichsregierung erklärt formell ihre Neutralität im polnisch-russischen Krieg. Am 23. Juli ruft sie in Ostpreußen den Ausnahmezustand aus, Reichswehrminister Otto Geßler (DDP) delegiert die ihm übertragene vollziehende Gewalt in Ostpreußen auf den als “Militärbefehlshaber” bestellten Kommandeur des Wehrkreises I, Johannes von dassel (bis 1.9. 1921). Offizieller Grund für den Ausnahmezustand ist eine “Gefährdung von außen” durch sowjetische Truppen, die im Rahmen des polnisch-russischen Krieges in die Nähe der ostpreußischen Grenze vorgedrungen sind.

Nach der Wahl vom 20. Juni tritt im neugebildeten Land Thüringen erstmals der Landtag zusammen. Ihm gehören drei Fraktionen an (Vereinigte Linke: 26 Sitze, Vereinigte Rechte: 23 Sitze, DDP: 4 Sitze). Ministerpräsident wird am 10. November Arnold Paulssen.

21.7.1920, Mittwoch

Auf einer Kundgebung in Berlin fordern rund 15 000 Menschen von der Berliner Gewerkschaftskommission und der am 1. Juni gebildeten Zentrale der Betriebsräte die sofortige Einberufung eines Kongresses sämtlicher Betriebsräte im Deutschen Reich.

22.7.1920, Donnerstag

Im polnisch-russischen Krieg richtet Polen ein Waffenstillstandsgesuch an die sowjetrussische Regierung. Am 23. Juli wird in Polen die bisherige nationaldemokratische Regierung von einem Allparteienkabinett unter Ministerpräsident Wincenty Witos abgelöst.

Beim zweiten Deutschen Studententag in Göttingen (bis 27.7.) sind 72 Studentenschaften vertreten, die insgesamt 135 000 Studenten repräsentieren. Auf dem Treffen kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen völkisch-nationalen und liberalen Studentengruppen.

23.7.1920, Freitag

Im ehemaligen deutschen Kolonialgebiet Deutsch-Ostafrika tritt ein britischer Regierungs-Erlass in Kraft, der die Errichtung eines britischen Protektorats im Tanganjika-Gebiet (heute zu Tansania) vorsieht. Neben Großbritannien erhält auch Belgien Teile von Deutsch-Ostafrika (Ruanda-Urundi, heute zu Ruanda bzw. Burundi). Nach dem Weltkrieg wurden die ehemaligen deutschen Kolonialgebiete als Mandatsgebiete des Völkerbunds behandelt. Faktisch wurden sie allerdings dem Kolonialbesitz der jeweiligen Mandatsmächte angegliedert.

24.7.1920, Samstag

Im deutsch-belgischen Grenz- und Abstimmungsgebiet Eupen-Malmedy entscheiden sich bei einer sog. öffentlichen Konsultation über 99% der vorwiegend deutschsprachigen Bevölkerung für einen Anschluss an Belgien. Allerdings stehen die Abstimmungsberechtigten unter starkem Druck der belgischen Besatzungsmacht.

Die badische Landesregierung in Karlsruhe lehnt eine Verwaltungsbeschwerde (sog. Rekurs) des Philosophen Arnold Ruge ab. Ruge – ein Großneffe des gleichnamigen linkshegelianischen Philosophen – war vom badischen Kultusminister Hermann Hummel die Lehrerlaubnis für die Universität Heidelberg entzogen worden. Zuvor war Ruge durch antisemitische Ansichten aufgefallen.

In einer fast einstimmig angenommenen Resolution betont der Reichswirtschaftsrat, dass zur Erfüllung des Kohleabkommens (Konferenz von Spa) die Mitbestimmung der Bergarbeiter in der Kohlewirtschaft nötig ist. Damit unterstützen auch Unternehmervertreter die von den Gewerkschaften und linken Parteien geforderte Sozialisierung im Kohlebergbau.

Im chinesischen Bürgerkrieg wird ein Waffenstillstand vereinbart.

25.7.1920, Sonntag

Der sozialdemokratische “Vorwärts” veröffentlicht angesichts des bevorstehenden Kongresses der Zweiten Internationale eine vom MSPD-Vorstand ausgearbeitete Denkschrift “Zur Verantwortung am Weltkrieg”. Darin bekennt sich die Partei zu einer Mitschuld am Ausbruch des Weltkrieges, weil sie die damalige deutsche Außenpolitik nicht ausreichend bekämpft und die Aktivitäten deutschnationaler Kreise unterschätzt habe.

Griechische Truppen erobern die osttürkische Stadt Adrianopel (heute Edirne). Am 1. August halten die Griechen ganz Thrakien besetzt. Die Stadt Adrianopel bleibt bis 1922/23 in griechischem Besitz.

Der großsyrische König Faisal I. wird von französischen Kolonialtruppen aus seinem Amt vertrieben.

Der belgische Radrennfahrer Philippe Thys gewinnt zum dritten Mal die Tour de France.

26.7.1920, Montag

10 000 Arbeiter der Leuna-Werke in Leuna an der Saale streiken bis zum 10. August für eine 30%ige Lohnerhöhung und für Urlaubsverlängerung. Sie erreichen mit ihrem Ausstand einen Teilerfolg (Stundenlohnerhöhung).

27.7.1920, Dienstag

In Essen wird zum Abschluss einer dreitägigen Reichskonferenz der Arbeitsinvaliden ein Zentralverband der Invaliden und Witwen Deutschlands gegründet.

28.7.1920, Mittwoch

In Berlin billigt der Reichstag mit den Stimmen der Regierungsparteien und der MSPD die Ergebnisse der Konferenz von Spa. Die Abstimmung bedeutet ein Vertrauensvotum für die neue Regierung.

Der mexikanische Rebellenführer Francisco “Pancho” Villa erklärt seinen Rückzug vom politischen Kampf. Der Sozialreformer Villa zählt zu den bekanntesten Freiheitskämpfern des frühen 20. Jahrhunderts.

Eine alliierte Botschafterkonferenz teilt das sog. Teschener Schlesien zwischen der Tschechoslowakei und Polen auf. Danach verläuft die Grenzlinie entlang des Flüßchens Olsa; die Stadt Teschen wird geteilt. Die wertvollen Kohlevorkommen von Karwin fallen der Tschechoslowakei zu. Um das Teschener Schlesien war es 1918/19 zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen beiden Staaten gekommen; auch künftig bildet die Teschener Frage ein Streitobjekt.

29.7.1920, Donnerstag

In Berlin wird bekannt, dass Reichswehrangehörigen künftig nach dem Ausscheiden aus dem Dienst für weitere zwei Monate ihr Sold weitergezahlt wird, sofern sie keine Arbeit finden.

30.7.1920, Freitag

Gegen die Stimmen der Rechtsparteien DVP und DNVP nimmt der deutsche Reichstag in Berlin das Gesetz über die Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit an.

In San Sebastian beginnt die achte Tagung des Völkerbundrats. Auf der Tagesordnung stehen u.a. das Thema der Blockade als Waffe des Völkerbunds und die Vorbereitung einer internationalen Verkehrskonferenz. Außerdem billigt der Rat die Schaffung eines internationalen Amts für Hygiene.

In Moskau beginnt die erste internationale Konferenz kommunistischer Frauen (bis 3.8.). Die Teilnehmerinnen beschließen die Einrichtung eines Internationalen Frauensekretariats.

31.7.1920, Samstag

Auf dem Kongress der sozialistischen Zweiten Internationale in Genf (bis 5.8.) sind 120 Delegierte aus 17 Ländern vertreten. Die Anwesenden beschäftigen sich u.a. mit der Abgrenzung gegenüber den kommunistischen Parteien. Aus dem Deutschen Reich sind u.a. die MSPD-Politiker Hermann Müller, Philipp Scheidemann und Eduard Bernstein vertreten.