Was geschah im Juli 1930

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Wetterstationen Juli 1930

1.7.1930, Dienstag

Das US-amerikanische Busunternehmen Northland Transportation Co. wird in “Greyhound Company” umbenannt.

Nachdem am 30. Juni die letzten Soldaten der französischen Besatzungsarmee abgerückt sind, finden im gesamten Rheinland Befreiungsfeiern statt. Die Siegermächte des Weltkrieges halten das Rheinland seit über zehn Jahren als Pfand für die deutschen Reparationszahlungen besetzt.

2.7.1930, Mittwoch

Die Eröffnung eines Prozesses in Gleiwitz (Oberschlesien) gegen die Bergarbeiterfrau Johanna Albrecht, der 50 Abtreibungen vorgeworfen werden, führt zu einer landesweiten Diskussion des 218 des Strafgesetzbuches (StGB), der den Schwangerschaftsabbruch unter Strafe stellt.

Die finnische Regierung unter Ministerpräsident Kyösti Kallio tritt in Helsinki zurück, weil die von ihr ausgearbeiteten Sondergesetze zum Schutz des Staates, die sich u.a. gegen die Verbreitung von kommunistischen Zeitungen richten, von der rechtsradikalen “Lapuabewegung” heftig kritisiert werden. Die Bewegung, die in Finnland vor allem unter den Bauern eine ständig wachsende Anhängerschaft findet, fordert eine energischere Bekämpfung des Kommunismus. Die neue finnische Regierung wird am 4. Juli unter Pehr Evind Svinhufvud gebildet.

Die “Frankfurter Zeitung” veröffentlicht eine Preisliste für gefangene wilde Tiere. Danach kostet eine Giraffe 10 000 RM, ein Nilpferd 8000-10 000 RM und ein Löwe 3000 RM.

In der US-amerikanischen Stadt Auckland wird der aus den Niederlanden stammende Flugzeugkonstrukteur Anthony Fokker verhaftet, weil er ohne Fluglizenz mit einem entwendeten Flugzeug Kunst- und Sturzflüge ausgeführt hatte.

Unter dem Motto “Gegen die Pogromhetze” findet in Berlin eine Veranstaltung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten statt. Auf der Versammlung werden die wachsenden Angriffe beklagt, denen jüdische Bürger von seiten der Nationalsozialisten ausgesetzt sind. In einer Entschließung der Versammelten wird die Reichsregierung aufgefordert, mit Nachdruck gegen die Nationalsozialisten vorzugehen.

3.7.1930, Donnerstag

In Berlin gründet der Publizist Otto Strasser die “Kampfgemeinschaft revolutionärer Nationalsozialisten”. Strasser und 200 weitere Vertreter des linken Flügels der NSDAP sind zuvor aus der Partei ausgeschlossen worden.

In Mainz kommt es zu Ausschreitungen rechtsradikaler Jugendlicher gegen ehemalige sog. Separatisten, die im Oktober 1923, unterstützt von der damaligen französischen Besatzungsmacht der Rheinlande, eine vom Deutschen Reich unabhängige Rheinische Republik gründen wollten. Nachdem der Plan noch im November 1923 gescheitert und das Rheinland am 30. Juni endgültig von den Besatzungstruppen geräumt worden ist, werden Wohnungen und Geschäfte vieler Separatisten geplündert.

4.7.1930, Freitag

Im thüringischen Parlament scheitert ein Misstrauensantrag der Sozialdemokraten, Kommunisten und Demokraten gegen Bildungs- und Innenminister Wilhelm Frick (NSDAP), weil statt der für den Rücktritt eines Regierungsmitgliedes erforderlichen 27 Stimmen nur 25 Stimmen für den Misstrauensantrag abgegeben werden. Frick war u.a. von der SPD vorgeworfen worden, die thüringische Landespolizei mit Parteigängern der Nationalsozialisten zu durchsetzen.

Nach 554 Stunden Dauerflug landen die Gebrüder Kenneth und Albert Hunter mit ihrem Flugzeug “City of Chicago” auf dem Chicagoer Flughafen. Damit haben die Brüder einen neuen Weltrekord im Dauerfliegen aufgestellt. Die alte Rekordmarke lag bei 125 Stunden.

5.7.1930, Samstag

In München erwirbt die NSDAP das ehemalige Barlow-Palais, Brienner Straße 45, das zum Sitz der Reichsparteileitung (sog. Braunes Haus) ausgebaut werden soll.

Ein US-amerikanischer Flottenverband läuft in den Kieler Hafen ein. Es handelt sich um den ersten alliierten Flottenbesuch im Deutschen Reich seit dem Weltkrieg.

Ein Großfeuer in der Ortschaft Tann/Rhön vernichtet 13 Wohnhäuser. Bedingt durch die allgemeine Trockenheit besteht im gesamten Deutschen Reich Waldbrandgefahr.

Im Finale des “All England Tennis-Championships” in Wimbledon siegt der US-Amerikaner William “Big Bill” Tilden über seinen Landsmann Wilmer Allison 6:3, 9:7 und 6:4. Die US-Amerikanerin Helen Wills-Moody gewinnt zum vierten Male hintereinander das Damen-Einzel.

In der US-amerikanischen Stadt Auckland beendet der Australier Charles Kingsford Smith mit seinem Flugzeug “Southern Cross” seinen Flug um den Erdball.

6.7.1930, Sonntag

Rund 90 Flugzeuge sowie das Luftschiff “Graf Zeppelin” landen auf ihrem “Rheinland-Befreiungsflug” auf dem Flughafen Köln. Anlass des Fluges ist der Abzug der alliierten Truppen aus dem Rheinland am 30. Juni.

In Köln wird der Fluglehrer Gerhard Fieseler Deutscher Kunstflugmeister. Fieseler hat vorher bereits zweimal die Deutsche Kunstflugmeisterschaft gewonnen.

7.7.1930, Montag

In Finnland protestieren rund 11 000 Bauern mit einem von der antikommunistischen “Lapuabewegung” organisierten Marsch durch Helsinki gegen die kommunistische Partei Finnlands.

In London stirbt 71jährig der Kriminalschriftsteller Sir Arthur Conan Doyle, der die berühmte Romanfigur des Meisterdetektives Sherlock Holmes geschaffen hat.

8.7.1930, Dienstag

Der Münchner Erzbischof, Kardinal Michael von Faulhaber, weiht die 11,2 km lange Teilstrecke der bayerischen Zugspitzbahn vom Eibsee zum Schneefernerhaus ein.

Wegen der endgültigen Umstellung der großen Berliner Uraufführungskinos von Stummfilm auf Tonfilm sind seit Anfang des Jahres rund die Hälfte der Berliner Berufsmusiker stellungslos geworden.

9.7.1930, Mittwoch

Die türkische Regierung fordert Persien ultimativ auf zu garantieren, dass es zu keinen weiteren kurdischen Einfällen auf türkisches Gebiet mehr kommt. Ansonsten würden türkische Truppen und Flugzeuge ihrerseits die Grenzen überschreiten. Die Kurden, ein halbnomadisches Volk, das als Minderheit sowohl in der Türkei als auch in Persien lebt, kämpfen gegen die türkische Republik, weil deren Verfassung ihre Selbständigkeit beschränkt.

Im Waldenburger Kohlenrevier in Hausdorf/Neurode (Schlesien) ersticken bei einem Grubenunglück 151 Bergleute. Sie waren infolge einer schweren Kohlenmonoxidexplosion unter Tage eingeschlossen worden.

10.7.1930, Donnerstag

Der in Stockholm tagende Internationale Gewerkschaftskongress beschließt, den Sitz des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) von Amsterdam nach Berlin zu verlegen.

11.7.1930, Freitag

Aus der Schweiz kommend, wirft ein mit drei Italienern besetztes Flugzeug über der Stadt Mailand antifaschistische Flugblätter ab, die sich gegen das autoritäre Regime des italienischen Ministerpräsidenten und Duce Benito Mussolini richten. Anlässlich der Ausweisung der drei Italiener aus der Schweiz am 12. Dezember kommt es dort zu einer innenpolitischen Diskussion über das Asylrecht.

Die “Frankfurter Zeitung” berichtet über einen Erlass der katholischen Kirche in Bayern gegen die Errichtung von Familienbädern in den Gemeinden. Da es Katholiken nach den Leitsätzen der Deutschen Bischofskonferenz verboten sei, Familienbäder zu besuchen, seien die Gemeinden angehalten, ein eigenes Männerbad einzurichten.

12.7.1930, Samstag

In den Schweizer Bergen fällt bis auf 1000 Meter hinunter Schnee. Am Jungfraujoch liegt die Neuschneeschicht bei einer Temperatur von – 10 20 bis 30 cm hoch.

Die “Frankfurter Zeitung” berichtet, der Präsident des Internationalen Tanzkongresses, Valentin de Summera, habe eine Notenschrift für alle zur Zeit gebräuchlichen Tanzbewegungen und -schritte entwickelt. Alle modernen Tänze wie z. B. der Charleston könnten damit “vom Blatt” getanzt werden.

Die offenen US-amerikanischen Golfmeisterschaften gewinnt der US-amerikanische Amateurspieler Robert Tyre “Bobby”” Jones in Minneapolis (US-Bundesstaat Minnesota). Für die 72 zu spielenden Löcher benötigte Jones 282 Schläge. Er erreicht damit das zweitbeste Ergebnis, das jemals bei diesem Wettkampf erzielt wurde.

In Berlin wird der Film “Hokuspokus” mit Lilian Harvey, Willy Fritsch und Gustaf Gründgens in den Hauptrollen uraufgeführt. Regie führte Gustav Ucicky.

13.7.1930, Sonntag

Bei einem Straßenbahnunglück in der Nähe der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires kommen 66 Menschen ums Leben. Der Straßenbahnwagen stürzte in den Fluss Riachulo, weil der Zugführer übersehen hatte, dass ein Teil der beweglichen Brücke über den Fluss noch hochgezogen war.

14.7.1930, Montag

Die britische Regierung kündigt an, dass sie 10 Mio. Pfund Sterling (rund 203 Mio. RM) zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit als Kredit aufnehmen will. Seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise mit dem New Yorker Börsenkrach vom 25. Oktober 1929 kommt es in Großbritannien zu zahlreichen Firmenzusammenbrüchen und Entlassungen.

Im Mittleren Westen der USA fordert eine Hitzewelle über 200 Todesopfer. In Sikeston im Staat Missouri herrscht eine Temperatur von 48 im Schatten.

15.7.1930, Dienstag

In der ägyptischen Hafenstadt Alexandria werden 18 Menschen bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der nationalistischen Wafd-Partei und der Polizei getötet. Die Wafd-Partei gerät durch ihre Forderung nach völliger Unabhängigkeit Ägyptens von Großbritannien in immer größeren Gegensatz zum probritisch eingestellten König Fuad I. von Ägypten.

Reichspräsident Paul von Hindenburg sagt seinen im Rahmen der Feiern zur Räumung des Rheinlandes vorgesehenen Besuch in den zu Preußen gehörenden Städten Koblenz, Trier und Aachen aus Protest gegen das dort noch bestehende Verbot des rechtsgerichteten Bundes der Frontsoldaten (Stahlhelm) ab, mit dem Hindenburg sich als Generalfeldmarschall des Weltkrieges verbunden fühlt. Als am 16. Juli die preußische Regierung die Aufhebung des Stahlhelm-Verbotes zusagt, tritt Hindenburg seine Besuchsreise wie geplant an.

16.7.1930, Mittwoch

In Berlin lehnt der Reichstag mit 256 gegen 193 Stimmen die von der Reichsregierung unter Heinrich Brüning (Zentrum) eingebrachte Vorlage zur Deckung des Defizits im Reichshaushalt ab. Daraufhin erlässt Reichspräsident Paul von Hindenburg eine Notverordnung, die eine Durchführung dieser Maßnahme auch ohne die Zustimmung des Reichstages möglich macht.

Der Rheinische Verkehrsverband protestiert bei den Regierungspräsidenten von Koblenz, Trier und Aachen gegen die Zerstörung der Landschaft in rheinischen Erholungsgebieten durch Industrieanlagen.

Der Bayerische Städtebund fordert den bayerischen Landtag zur sofortigen Neuregelung des innerbayerischen Finanzausgleichs auf, da viele Gemeinden am Rande des Ruins stünden. Im gesamten Deutschen Reich sind die Etats der meisten Gemeinden und Städte durch die finanzielle Unterstützung der wachsenden Zahl von Erwerbslosen überbelastet.

Die deutsch-sowjetische Schlichtungskommission, deren Schaffung im Jahr 1929 zwischen beiden Ländern beschlossen worden war, beendet in Moskau ihre erste Tagung, die am 17. Juni begann. Wichtigstes Thema der Verhandlungen war die Rechtsstellung der in der Sowjetunion ansässigen Reichsdeutschen.

17.7.1930, Donnerstag

Nachdem Verhandlungen zwischen der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und der Reichsregierung über eine Regierungsbeteiligung ergebnislos verlaufen sind, kommt es zum Bruch innerhalb der DNVP.

18.7.1930, Freitag

Um den Widerstand des Reichstages gegen die von ihm am 16. Juli erlassene Notverordnung zur Durchführung der Finanzpläne der Reichsregierung zu brechen, löst Reichspräsident Paul von Hindenburg in Berlin das Parlament auf.

In Berlin wird der Physiker Max Planck zum Präsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften gewählt. Planck tritt die Nachfolge des am 10. Juni verstorbenen evangelischen Theologen Adolf von Harnack an.

19.7.1930, Samstag

Zum ersten Mal seit der Errichtung der Weimarer Republik stattet ein Oberhaupt der deutschen Regierung dem Rheinland einen Besuch ab: Reichspräsident Paul von Hindenburg ist bei Feiern aus Anlass des Abzuges der letzten französischen Besatzungstruppen aus dem Rheinland am 30. Juni in Speyer anwesend.

20.7.1930, Sonntag

Die sowjetische Zeitung “Prawda” gibt bekannt, dass die sowjetrussische Regierung 560 arbeitslose deutsche Bergarbeiter aus dem Ruhrgebiet für das ukrainische Steinkohlenrevier des Donez-Beckens angeworben hat. In der Sowjetunion, die sich um eine Verstärkung der Industrialisierung bemüht, herrscht im Gegensatz zum Deutschen Reich ein Arbeitskräftemangel, vor allem an qualifizierten Facharbeitern.

Die “Frankfurter Zeitung” berichtet, dass in den Schaufenstern der Berliner Konfektionsgeschäfte mit Wachsfiguren des Schwergewichtsboxers Max Schmeling für Herrenkonfektion geworben werde. Schmeling ist am 12. Juni durch die Disqualifikation seines Gegners Jack Sharkey Schwergewichtsweltmeister geworden.

Am letzten Tag der Internationalen Rennwoche im Berliner Hoppegarten gewinnt “Alba” den mit 55 000 RM dotierten Großen Preis von Berlin. Der Favorit des Rennens, “Graf Isolani”, kann sich nicht plazieren.

21.7.1930, Montag

In Breslau tritt der Deutsche Bergarbeiterkongress, ein Interessenverband der Bergarbeiter im Deutschen Reich, zu einer viertägigen Sitzung zusammen. Im Mittelpunkt der Tagung stehen Themen wie der aktuelle Abbau von Arbeitsplätzen im Bergbau sowie die soziale Absicherung von Bergleuten.

22.7.1930, Dienstag

In Bayreuth werden die Richard-Wagner-Festspiele eröffnet. Erstmalig dirigiert der Italiener Arturo Toscanini “Tannhäuser” und “Tristan und Isolde” bei den Festspielen.

In der Umgebung von Neapel kommen bei einem Erdbeben 3000 Menschen ums Leben; 6000 Personen werden verletzt. Das Erdbebenzentrum liegt im Gebiet des Monte Vulture, in dessen Umgebung bereits 1694 und 1871 schwere Beben registriert wurden.

Bei den Feiern zur Rheinlandbefreiung in Anwesenheit des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, stürzt in Koblenz eine Brücke über einem Nebenfluss der Mosel ein. 37 Menschen werden getötet. Hindenburg bricht daraufhin seine Reise ab und kommt erst später wieder zurück.

23.7.1930, Mittwoch

Das sog. II. Welttreffen der Arbeiter- und Bauernkinder beginnt in Berlin. Die Teilnehmer – vor allem Kommunisten – aus 14 Nationen beraten bis zum 27. Juli u.a. über Maßnahmen gegen die Kinderarbeit.

Ehemalige Mitglieder der rechtsgerichteten Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) vereinigen sich unter Gottfried Reinhold Treviranus und Graf Kuno von Westarp zur “Konservativen Volkspartei”. Die Partei wendet sich an Wähler, die den NSDAP-freundlichen Kurs des deutschnationalen Parteiführers Alfred Hugenberg ablehnen.

24.7.1930, Donnerstag

In Rumänien kommt es in der Bukowina und in Jassy zu Ausschreitungen gegen Juden. In Bukarest bedroht die rechtsradikale Organisation der “Eisernen Garde” Journalisten mit dem Tod, die für die Juden eintreten.

Im Rahmen einer Vortragsreise trägt der indische Philosoph Rabindranath Tagore in Frankfurt seine Gedichte in Bengali und Englisch vor. Tagore hat 1913 den Nobelpreis für Literatur erhalten.

25.7.1930, Freitag

Reichspräsident Paul von Hindenburg erlässt eine Notverordnung gegen den Waffenmissbrauch, die den militanten Organisationen der rechts- und linksradikalen Parteien das Tragen von Waffen verbietet. Bei Zusammenstößen und Straßenkämpfen zwischen diesen Gruppen hat es im Deutschen Reich in den vergangenen Monaten mehrere Tote und Verletzte gegeben.

Im elsässischen Colmar eröffnet die “Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit” eine Tagung, die das Thema “Föderalismus und Frieden” behandelt. Vertreterinnen der Liga aus 32 Ländern der Erde diskutieren bis zum 10. August über Maßnahmen gegen den seit dem Weltkrieg wieder zunehmenden weltweiten Militarismus.

Eine Untersuchung der US-amerikanischen Regierung ergibt, dass ungefähr 15 000 Personen im Lauf der letzten Monate nach dem Genuss von sog. “Jamaica-Ingwer” teilweise gelähmt sind. Der von Schmugglern verkaufte Alkohol war mit einer giftigen Abart des Ingwers versetzt worden.

26.7.1930, Samstag

Reichspräsident Paul von Hindenburg unterschreibt die weitgehende erste Notverordnung zur Behebung finanzieller, wirtschaftlicher und sozialer Notstände. Damit wird die vom Reichstag am 18. Juli aufgehobene Notverordnung wieder rechtskräftig.

Eine neue Polizeiwaffe hat das Polizeiinstitut für Technik und Verkehr in Berlin entwickelt. Es handelt sich um eine Pistole, aus der Gaspatronen abgeschossen werden können.

27.7.1930, Sonntag

Der Franzose Andre Leducq gewinnt die Tour de France. Das längste Etappenradrennen für Berufsfahrer, das 1903 zum ersten Mal ausgefahren worden war, begann am 2. Juli.

Beim Internationalen Reit- und Springturnier in Aachen, an dem Reiter aus 14 Nationen teilnehmen, gewinnt der Italiener Lombardo den Großen Preis auf “Rocabrune”.

Am letzten Tag des Daviscup-Finales in Paris sichert sich Frankreich den Endspiel-Sieg gegen die USA.

In Berlin endet der siebentägige Europa-Rundflug, an dem Piloten aus fast allen Ländern Europas teilgenommen haben. Die Teilnehmer des Rundfluges haben seit dem 20. Juli eine Strecke von über 7500 km zurückgelegt.

In Berlin wird eine Partei der bürgerlichen Mitte unter dem Namen “Deutsche Staatspartei” gegründet. Der neuen Partei hat sich u.a. die Mehrheit der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) angeschlossen.

28.7.1930, Montag

Bei den Parlamentswahlen in Kanada siegen die Konservativen. Nachfolger des liberalen Ministerpräsidenten William Lyon Mackenzie King wird Richard Bedford Bennett.

29.7.1930, Dienstag

Die Reichsbahn-Gesellschaft veröffentlicht ein Arbeitsbeschaffungsprogramm zur Belebung der Wirtschaft und Linderung der Arbeitslosigkeit für das Jahr 1930. Die Reichsbahn plant u.a. Umbauarbeiten an den Gleisen und Neubestellung von Schienenfahrzeugen. Das Programm soll mit rund 350 Mio. RM finanziert werden.

30.7.1930, Mittwoch

Der Privatdozent Max Horkheimer wird als Professor für Sozialphilosophie an die Universität Frankfurt am Main berufen.

Bei der ersten Fußball-Weltmeisterschaft in Uruguay besiegt die Nationalmannschaft des gastgebenden Landes im Finale die Mannschaft Argentiniens 4:2.

31.7.1930, Donnerstag

Für den Monat Juli verzeichnet das Reichswirtschaftsministerium im Bereich des deutschen Ausenhandels einen Ausfuhrüberschuss von 45 Mio. RM. Dagegen erreicht der US-amerikanische Außenhandel mit 219 Mio. US-Dollar (rund 916 Mio. RM) seit zehn Jahren seinen tiefsten Stand.