Was geschah im Juli 1955

  • < 1954
  • 7.1955
  • 1956 >

1.7.1955, Freitag

Zum Nachfolger des zurückgetretenen Innenministers der DDR, Willi Stoph, ernennt Ministerpräsident Otto Grotewohl in Berlin (Ost) den bisherigen Chef der Deutschen Volkspolizei, Karl Maron.

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums teilt in Bonn mit, dass zur Zeit in seiner Behörde täglich rund 1000 Freiwilligenmeldungen für die aufzustellenden Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland eingehen.

Der Finne Pentti Karvonen stellt in Helsinki im 3000-m-Hindernislauf mit einer Zeit von 8:47,8 min einen Weltrekord auf. Er unterbietet die von dem Ungarn Sandor Rozsnoyi gehaltene alte Bestmarke um 1,8 sec.

Rund 2000 Wissenschaftler aus 41 Ländern kommen in Moskau zu einer fünftägigen Konferenz über Probleme bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie zusammen. Forscher aus den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland haben ihre Teilnahme abgesagt.

2.7.1955, Samstag

Der “Wiener Kurier”, die offizielle Zeitung der US-amerikanischen Besatzungsmacht in Österreich, stellt nach Erlangung der staatlichen Souveränität Österreichs sein Erscheinen ein.

3.7.1955, Sonntag

Zum Abschluss des viertägigen Kongresses der Sozialistischen Partei Frankreichs in Paris verabschieden die Delegierten mehrere Entschließungen, in denen sie u.a. eine Garantie der Vollbeschäftigung fordern und jedes Zusammengehen mit der Kommunistischen Partei ablehnen.

Bei den Parlamentswahlen in Mexiko gewinnt die regierende “Institutionalisierte Revolutionspartei” (PRI) 159 von insgesamt 162 Abgeordnetensitzen. Die linksgerichtete Opposition im Lande wirft der PRI Wahlbetrug vor.

Die portugiesische Regierung erlässt in Lissabon ein Dekret, das den zum portugiesischen Kolonialreich gehörenden Gebieten auf dem indischen Subkontinent weitgehende administrative und finanzielle Autonomie gewährt.

Bei den internationalen Tennismeisterschaften von England in Wimbledon gewinnt der US-Amerikaner Tony Trabert das Herren-Einzel gegen Kurt Nielsen aus Dänemark mit 6:3, 7:5 und 6:1. Das Dameneinzel kann Louise Brough durch einen Sieg über Beverly Baker-Fleitz (beide USA) für sich entscheiden.

In Hamburg-Horn gewinnt die Stute “Lustige” unter Albert Klimscha das 86. Deutsche Derby.

4.7.1955, Montag

Zwischen Großbritannien und der Südafrikanischen Union wird in London ein Abkommen geschlossen, das die Rückgabe des britischen Flottenstützpunktes Simonstown an Südafrika beinhaltet.

5.7.1955, Dienstag

Matus Cernak, Vorsitzender des Slowakischen Nationalrates, eines Zusammenschlusses slowakischer Emigranten in Deutschland, wird in München bei einem Paketbombenattentat getötet. Die Polizei vermutet als Drahtzieher Angehörige des tschechoslowakischen Geheimdienstes.

In Moskau unterzeichnen Vertreter der sowjetischen und der chinesischen Regierung ein Abkommen über gegenseitige wissenschaftliche und technische Hilfe. Die UdSSR wird demnach der Volksrepublik China vor allem auf dem Gebiet des Schwermaschinenbaus technische Unterstützung gewähren.

6.7.1955, Mittwoch

Eric de Carbonnel wird von der französischen Regierung zum Chef der französischen Mission im Saarland ernannt. Er tritt die Nachfolge von Gilbert Grandval an, der zum französischen Generalresidenten in Marokko berufen wurde.

In Rom stellt der Christdemokrat Antonio Segni seine neue Regierung vor, die aus Mitgliedern der Christdemokraten (DC), der Sozialdemokraten und der Liberalen gebildet wird. Das Kabinett von Mario Scelba (DC) war wegen Unstimmigkeiten über die Wirtschaftspolitik zurückgetreten.

7.7.1955, Donnerstag

Der Bundestag verabschiedet in Bonn ein “Bannmeilen-Gesetz”, das politische Kundgebungen im Bereich des Bonner Regierungsviertels untersagt.

Vertreter der US-Regierung und der Regierung der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnen in Washington ein Abkommen über den Luftverkehr zwischen beiden Staaten, das u.a. Landungs- und Überflugrechte regelt.

In Aachen erringt der Deutsche Hans Günter Winkler die Weltmeisterschaft der Springreiter vor dem Italiener Raimondo d’Inzeo.

8.7.1955, Freitag

Der Deutsche Bundestag verabschiedet in Bonn ein Landwirtschaftsgesetz, das die indirekte Subventionierung der deutschen Landwirtschaft durch steuerliche und kreditpolitische Stützung vorsieht.

In Peking unterzeichnen der chinesische Staats- und Parteiführer Mao Zedong und der Staatspräsident Nordvietnams, Ho Chi Minh, ein Abkommen über chinesische Wirtschaftshilfe für Nordvietnam.

9.7.1955, Samstag

Die französische Nationalversammlung stimmt mit großer Mehrheit dem im Juni 1955 unterzeichneten Abkommen zwischen Frankreich und Tunesien zu, das dem nordafrikanischen Land weitgehende innere Autonomie garantiert. Die Landesverteidigung und die äußeren Beziehungen Tunesiens werden weiterhin durch Frankreich wahrgenommen.

10.7.1955, Sonntag

Durch einen 25:13-Sieg über die Auswahl der Schweiz erringt in Dortmund die deutsche Feldhandball-Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft.

Zum Abschluss eines offiziellen Staatsbesuches des indischen Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru in Jugoslawien veröffentlichen Staats- und Parteichef Josip Tito und Nehru eine gemeinsame Erklärung, in der sie ihre Politik der Blockfreiheit bekräftigen.

11.7.1955, Montag

Theodor Oberländer (Bundesminister für Vertriebene und Flüchtlinge) und Waldemar Kraft (Bundesminister für besondere Aufgaben) erklären ihren Austritt aus dem Gesamtdeutschen Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/BHE). Mit sechs weiteren ehemaligen Mitgliedern des GB/BHE treten sie der CDU bei.

Nach Angaben des Instituts für Publizistik in Münster erscheinen in der Bundesrepublik rund 1500 verschiedene Zeitungen. Damit weist die Bundesrepublik im europäischen Vergleich die größte Dichte an Zeitungen auf.

12.7.1955, Dienstag

Nach rund vierwöchiger Dauer enden in Wien Verhandlungen zwischen Österreich und der Sowjetunion über die Höhe der von Österreich zu leistenden Reparationen. In einem Abkommen verpflichtet sich Österreich, in den nächsten sechs Jahren an die Sowjetunion Kriegsentschädigungen im Gesamtwert von 150 Mio. US-Dollar (630 Mio. DM) zu liefern.

In London beginnt ein fünftägiger Kongress der Sozialistischen Internationale, einem Zusammenschluss von rund 40 sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien. Die rund 150 Delegierten aus 36 Ländern beraten u.a. über ein europäisches Sicherheitssystem und verabschieden eine Erklärung, in der sie die Wiedervereinigung Deutschlands und die Abhaltung gesamtdeutscher freier Wahlen fordern.

In Rabat (Marokko) kommt es zu schweren Zusammenstößen zwischen Einheimischen und Angehörigen der französischen Kolonie des Landes.

In 19 deutschen Großstädten, darunter Hamburg und Stuttgart, wird die Getränkesteuer abgeschafft. Vorausgegangen war eine mehrmonatige Kampagne des Hotel- und Gaststättenverbandes mit dem Ziel der Aufhebung dieser Abgabe.

13.7.1955, Mittwoch

Die wegen Mordes zum Tode verurteilte 28-Jährige Britin Ruth Ellis wird in London durch den Strang hingerichtet. Weite Kreise der britischen Öffentlichkeit hatten einen Verzicht auf die Vollstreckung des Todesurteils gefordert.

Zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der sowjetischen Hauptstadt Moskau wird Telefonverkehr aufgenommen. Die Wartezeit auf ein handvermitteltes Gespräch beträgt rund drei Stunden.

14.7.1955, Donnerstag

In Köln wird der Film “Drei Männer im Schnee” mit großem Erfolg uraufgeführt. In dem nach einem Roman von Erich Kästner entstandenen Streifen spielen Paul Dahlke, Günther Lüders und Claus Biederstaedt die Hauptrollen.

In der ungarischen Hauptstadt Budapest verbessert die Ungarin Eva Székely mit einer Zeit von 5:40,8 min den Schwimmweltrekord über 400 m Lagen. Sie unterbietet die bisherige Bestmarke um 6,5 sec.

15.7.1955, Freitag

Als erstes Wehrgesetz nimmt der Deutsche Bundestag in Bonn gegen die Stimmen der Deutschen Partei und mehrerer SPD-Abgeordneten das Gesetz über den Personalausschuss an.

Bei einer Zusammenkunft auf der Bodensee-Insel Mainau unterzeichnen 18 Nobelpreisträger, unter ihnen die Deutschen Otto Hahn und Werner Heisenberg, einen Appell, in dem sie eindringlich vor den Gefahren eines Atomkrieges warnen.

Der argentinische Präsident Juan Domingo Perón erklärt in Buenos Aires seinen Rücktritt als Vorsitzender der Partido Laborista (Arbeiterpartei). Mit diesem Schritt wolle er eine Phase größerer politischer Freiheiten in dem südamerikanischen Land einleiten.

Bei einem Grubenunglück in Aue (DDR) kommen 33 Menschen, darunter sechs Angehörige der Rettungsmannschaften, ums Leben. 106 unter Tage eingeschlossene Bergleute können gerettet werden.

Die niederländische Schwimmerin Atie Voorbij stellt in Amsterdam mit einer Zeit von 1:13,7 min über 100 m Delphin einen Weltrekord auf. Bisherige Rekordhalterin: Shelley Mann (USA).

16.7.1955, Samstag

Sieger des Großen Preises von England für Motorrennwagen wird der Brite Sterling Moss auf Mercedes. Mit seinem zweiten Platz sichert sich der Argentinier Juan Manuel Fangio auf Mercedes die Weltmeisterschaft.

Kardinal József Mindszenty, das frühere Oberhaupt der katholischen Kirche Ungarns, wird nach sechsjähriger Haft aus dem Gefängnis entlassen. Mindszenty war im Februar 1949 vor einem Volksgerichtshof in Budapest des Hochverrats, der Spionage und des Devisenschmuggels angeklagt und zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden.

Beim Zusammenstoß von zwei Personenzügen kommen bei San Bernardo in Chile 50 Menschen ums Leben. Zahlreiche Personen erleiden zum Teil schwere Verletzungen.

In dritter Lesung billigt der deutsche Bundestag in Bonn gegen die Stimmen der Sozialdemokraten das Freiwilligengesetz. Am 23. Juli setzt es Bundespräsident Theodor Heuss durch seine Unterschrift in Kraft.

In Kassel wird die erste “documenta”, eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst, eröffnet. Die Schau dauert bis zum 18. September 1955.

17.7.1955, Sonntag

Nach blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei verhängt der französische Generalresident in Marokko, General Gilbert Grandval, über die Hafenstadt Casablanca den Ausnahmezustand.

18.7.1955, Montag

In der schweizerischen Stadt Genf kommen die Staats- und Regierungschefs der Vereinigten Staaten, Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion, Dwight D. Eisenhower, Anthony Eden, Edgar Faure und Nikolai A. Bulganin zu einer Konferenz zusammen. Im Mittelpunkt der fünftägigen Beratungen stehen Fragen der Abrüstung und der internationalen Zusammenarbeit.

Nach einem Beschlus des Finanz-Kontrollausschusses in Bonn stehen für den Lastenausgleichsfonds, aus dem von Krieg und Vertreibung besonders hart betroffene Deutsche entschädigt werden, im Rechnungsjahr 1955/56 insgesamt 4,4 Mrd. DM zur Verfügung. Dies ist die höchste Summe seit Einrichtung des Fonds.

In West Milton (US-Bundesstaat New York) wird erstmals in den Vereinigten Staaten die Lieferung von Strom, der in einem Atomkraftwerk erzeugt wurde, an Industriebetriebe und private Haushalte zu Versuchszwecken aufgenommen.

In Anaheim (US-Bundesstaat Kalifornien) wird der Vergnügungspark “Disneyland” eröffnet.

19.7.1955, Dienstag

In Rio de Janeiro (Brasilien) beginnt der 36. Eucharistische Kongress, an dem 25 Kardinäle und 500 Erzbischöfe und Bischöfe sowie rund 2 Mio. Katholiken aus aller Welt teilnehmen. Der Kongress dauert bis zum 24. Juli 1955.

20.7.1955, Mittwoch

Auf der in Genf (Schweiz) tagenden Viermächtekonferenz legt die sowjetische Delegation einen Entwurf für einen europäischen Sicherheitsvertrag vor, in dem den beiden deutschen Staaten bis zur “Schaffung eines einheitlichen demokratischen deutschen Staates” ein gleichberechtigter Status im europäischen Staatensystem eingeräumt wird.

21.7.1955, Donnerstag

Schwere Unwetter mit wolkenbruchartigen Regenfällen fordern im österreichischen Salzkammergut 13 Menschenleben. Die Wassermassen richten in dem betroffenen Gebiet Sachschäden in Millionenhöhe an.

Vertreter der Bundesrepublik Deutschland im Rat der Westeuropäischen Union überreichen den Delegierten der übrigen Mitgliedsstaaten eine Erklärung zu mehreren vom saarländischen Landtag verabschiedeten Gesetzen. Die Bundesregierung erhebt darin u.a. Bedenken gegen das Presse- und das Vereinsgesetz, das weitreichende Eingriffe in das politische Leben des Saarlandes zulasse.

22.7.1955, Freitag

Der Vorstand des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) der DDR ruft seine Mitglieder dazu auf, zu Ehren des 80. Geburtstags des Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, die Anstrengungen zur vorfristigen Erfüllung des Produktionsplans für 1955 zu verstärken.

Der Bundesrat in Bonn verabschiedet ein Gesetz, das die Erhöhung der Altbaumieten in der Bundesrepublik Deutschland um 10 bis 20% ermöglicht. Ausgenommen sind Behelfswohnungen in Baracken, ehemaligen Bunkern oder Nissenhütten.

In Bonn werden die Uniformen der künftigen deutschen Streitkräfte der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Farbe der nach US-amerikanischem Vorbild gestalteten Heeresuniform ist anthrazit und grau, während die Angehörigen der Luftwaffe taubenblaue Dienstkleidung tragen sollen. Für die Uniformen der Seestreitkräfte ist das traditionelle Marineblau vorgesehen.

23.7.1955, Samstag

Der farbige Student James Ritter besteigt in Richmond (US-Bundesstaat Virginia) einen für Weiße reservierten Omnibus und wird von der Polizei verhaftet. Ritter will durch diese Aktion einen Musterprozess gegen das örtliche Autobusunternehmen provozieren, das sich bisher weigert, die Trennung von Farbigen und Weißen in Autobussen aufzuheben.

Mit einer Aufführung des “Fliegenden Holländers” beginnen in Bayreuth die diesjährigen Richard-Wagner-Festspiele. Regie führt Wolfgang Wagner, die musikalische Leitung hat Hans Knappertsbusch.

24.7.1955, Sonntag

Der Brite Donald Campbell stellt auf dem Ullswater Sea bei London mit seinem düsengetriebenen Rennboot mit 325,6 km/h einen Geschwindigkeitsweltrekord auf.

Die Schwedin Hillevi Rombin erringt in Long Beach (US-Bundesstaat Kalifornien) den Titel der “Miss Universum”. Die deutsche Schönheitskönigin Margit Nünke aus Köln belegt den vierten Platz.

25.7.1955, Montag

Bei den Parlamentswahlen in Israel kann die rechtsgerichtete Cherut-Partei erhebliche Stimmengewinne erzielen und erringt 15 Sitze. Die regierende Sozialistische Partei unter der Leitung von Ben Gurion erleidet empfindliche Stimmeneinbußen und verliert fünf ihrer bisher 45 Mandate, bleibt jedoch stärkste politische Kraft in Israel.

Bundeskanzler Konrad Adenauer erklärt auf einer Pressekonferenz in Mürren (Schweiz) seine Zufriedenheit über den Ausgang der Genfer Viermächtekonferenz. Er hebt hervor, die Großmächte seien darüber einig, dass die Wiedervereinigung Deutschlands eine Grundfrage der europäischen Stabilität sei.

26.7.1955, Dienstag

Nach Abschluss der Genfer Viermächtekonferenz trifft der Partei- und Staatsführer der UdSSR, Nikita S. Chruschtschow, zu einem zweitägigen Besuch in Berlin (Ost) ein. Auf einer Kundgebung erklärt Chruschtschow, dass eine Wiedervereinigung Deutschlands nur auf der Grundlage der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR erfolgen könne.

Der US-Außenminister John Foster Dulles erklärt auf einer Pressekonferenz in Washington mit Blick auf die deutsche Frage, die Wiedervereinigung Deutschlands sei in greifbare Nähe gerückt, könne aber nur im Rahmen eines europäischen Sicherheitssystems realisiert werden.

In Saarbrücken erscheint die erste Ausgabe der “Neuesten Nachrichten”, das Parteiblatt der CDU des Saarlandes. Die “Neuesten Nachrichten” sind nach Aufhebung des Lizenzzwanges die erste prodeutsche Zeitung an der Saar.

Nachdem Frankreich als letzter der fünf Unterzeichnerstaaten (UdSSR, Großbritannien, Frankreich, USA und Österreich) den österreichischen Staatsvertrag ratifiziert hat, tritt dieser in Kraft. Damit endet nach zehn Jahren die Besatzungsherrschaft in Österreich. Der Alliierte Rat kommt in Wien zu seiner letzten Sitzung zusammen, auf der er seine Tätigkeit offiziell für beendet erklärt.

CDU-Politiker weisen in Bonn auf eine in der Bundesrepublik Deutschland drohende Kohleknappheit hin, da wegen der umfangreichen Exportverpflichtungen die deutschen Kohlezechen den Inlandsbedarf nicht mehr decken können. Die CDU fordert daher den Import teurer US-Kohle.

Der britische Schatzkanzler Richard Austin Butler verkündet Maßnahmen zur Drosselung der Inlandsnachfrage, u.a. eine Verteuerung von Krediten, die Reduzierung öffentlicher Investitionen und die Erschwerung von Ratenzahlungen. Ziel dieser Verfügungen ist die Erhöhung des Exports, um das bedrohlich gestiegene Außenhandelsdefizit Großbritanniens abzubauen.

27.7.1955, Mittwoch

Im Hauptquartier der NATO-Streitkräfte in Paris (SHAPE) treffen die ersten Offiziere der zu bildenden deutschen Streitkräfte zu einem Ausbildungslehrgang ein.

Eine israelische Passagiermaschine vom Typ Constallation wird über Bulgarien von der bulgarischen Luftabwehr abgeschossen. Sämtliche 58 Insassen der Maschine kommen dabei ums Leben. In einer Erklärung spricht die bulgarische Regierung ihr Bedauern über den schweren Luftzwischenfall aus.

28.7.1955, Donnerstag

Bei einem Länderkampf zwischen Finnland und Ungarn in Helsinki stellt der ungarische Läufer Sandor Iharos mit 3:40,8 min einen Weltrekord über 1500 m auf. Die bisherige Bestmarke lag bei 3:41,8 min und wurde von dem Australier J. Landy gehalten.

29.7.1955, Freitag

Der US-amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower gibt in Washington auf einer Pressekonferenz den Beschluss der US-Regierung bekannt, 1957 den ersten künstlichen Erdsatelliten in den Weltraum zu schießen.

30.7.1955, Samstag

Der US-amerikanische Kongress verabschiedet in Washington ein Gesetz, das die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohnes von 0,75 US-Dollar (3,15 DM) auf 1 US-Dollar (4,20 DM) vorsieht.

Im Rahmen der Salzburger Festspiele findet die Uraufführung der Oper “Irische Legende” von Werner Egk statt.

31.7.1955, Sonntag

Vor dem Stuttgarter Neuen Schloss findet eine Großkundgebung der Vertriebenen statt.

In Halle an der Saale (DDR) endet eine zweitägige “Zentrale Konferenz der Produktionsgenossenschaften des Handwerks” mit der Verabschiedung eines Musterstatuts, das die Selbständigkeit von Handwerksbetrieben in der DDR einschränkt.

In der polnischen Hauptstadt Warschau beginnen die 5. Weltfestspiele der Jugend und Studenten mit rund 80 000 Teilnehmern aus mehr als 50 Ländern. Die kommunistisch ausgerichtete Veranstaltung dauert bis zum 15. August.

Die rumänische Regierung erlässt in Bukarest eine Amnestie für Rumänen, die aus politischen Gründen illegal das Land verlassen haben.

Der französische Radrennfahrer Louis Bobet gewinnt in Paris die 42. Tour de France. Bobet ist damit der erste Fahrer, der das schwerste Straßenrennen der Welt dreimal hintereinander als Sieger beenden kann.

Der britische Läufer Chris Chataway stellt bei einem Länderkampf zwischen Großbritannien und der Bundesrepublik in London mit 13:23,2 min einen Weltrekord über die Drei-Meilen-Distanz auf.