Was geschah im Juli 1970

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1.7.1970, Mittwoch

Als Nachfolger von Ralf Dahrendorf, der zweites deutsches Mitglied in der Europäischen Kommission wird, übernimmt der FDP-Bundestagsabgeordnete Karl Morsch das Amt des Parlamentarischen Staatssekretärs im Auswärtigen Amt.

Das geheime “Bahr-Papier” gelangt durch Indiskretion vorzeitig an die Öffentlichkeit. Dieses zehn Leitsätze für den deutsch-sowjetischen Gewaltverzichtsvertrag enthaltende Dokument, das Egon Bahr (SPD) in Moskau ausgehandelt hat, wird von der Illustrierten “Quick” und der “Bild”-Zeitung veröffentlicht. Bereits am 12. Juni hatte die “Bild”-Zeitung einen Teil des “Bahr-Papiers” abgedruckt. Unbekannt bleibt die Quelle der vermutlich politisch motivierten Indiskretionen.

Eine liberale gesetzliche Regelung des Schwangerschaftsabbruchs tritt im US-Bundesstaat New York in Kraft. Danach darf bis zur 24. Schwangerschaftswoche abgetrieben werden, wenn das Leben der Mutter nicht durch den Eingriff gefährdet wird und die Einwilligung der Mutter und eines Arztes vorliegt.

Durch die Erhöhung der Mindestreservesätze um 15% legt der Zentralbankrat der Bundesbank 3 Mrd. DM still.

In der Bundesrepublik tritt das Ausbildungsförderungsgesetz in Kraft, das Schülern aus einkommensschwächeren Familien Beihilfen bis zu 350 DM monatlich gewährt.

2.7.1970, Donnerstag

Im Mittelpunkt der Regierungserklärung des neuen britischen Premiers Edward Heath, die von Königin Elisabeth II. im Unterhaus verlesen wird, stehen die wirtschaftlichen Probleme Großbritanniens. Der Konservative Heath kündigt Steuersenkungen und eine Steuerreform an.

Der Schriftsteller Günter Grass übt bei einer Veranstaltung der katholischen Kirchengemeinde Berlin-Wilmersdorf u.a. scharfe Kritik an der Verwendung der Kirchensteuern zur “Fütterung des Apparates”. Unter den Christen in der Bundesrepublik ist eine wachsende Unzufriedenheit mit den beiden großen Kirchen zu beobachten, die sich in den zunehmenden Kirchenaustritten manifestiert.

Beim Untergang der französischen Fähre “Christena” in der Nähe der Antillen kommen über 100 der 250 Passagiere ums Leben.

Inhaltlich ergebnislos verlaufen die ersten offiziellen Sportgespräche zwischen der DDR und der Bundesrepublik seit elf Jahren in Halle. Ziel ist die Wiederbelebung der deutsch-deutschen Sportbeziehungen.

3.7.1970, Freitag

Bei seinem zweitägigen Treffen mit Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) in Bonn (bis 4. 7.) sichert der französische Staatspräsident Georges Pompidou diesem die vorbehaltlose Unterstützung der Bonner Ostpolitik zu.

Bei Barcelona stürzt ein britisches Urlauberflugzeug ab. Keiner der 112 Insassen überlebt das Unglück.

4.7.1970, Samstag

Scharfe Kritik an der sozialliberalen Bundesregierung übt CSU-Chef Franz Josef Strauß auf dem Landesparteitag seiner Partei in Nürnberg, wobei er vor allem die Deutschland- und Ostpolitik angreift.

Kerry O’Brien (Australien) läuft beim 31. ISTAF (Internationales Stadionfest) im Berliner Olympiastadion mit 8:22,0 min Weltrekord über 3000 m Hindernis.

Bei den offenen englischen Tennismeisterschaften in Wimbledon (seit 22. 6.) dominieren die australischen Spieler und Spielerinnen.

Laut Agenturmeldungen zündet Frankreich 540 m über dem Mururoa-Atoll im Pazifik eine Wasserstoffbombe. Dabei soll ein für Raketen vorgesehener Sprengkopf getestet worden sein.

5.7.1970, Sonntag

Bei seinem Besuch in Berlin (Ost) richtet der Präsident des Sudan, Dschaffar Muhammad An Numairi, an den DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht eine Einladung zu einem Gegenbesuch im Sudan.

Beim Absturz eines kanadischen Verkehrsflugzeugs bei Toronto kommen alle 108 Insassen ums Leben.

Nach einem Eklat enden die 20. Berliner Filmfestspiele vorzeitig ohne Preisverleihungen. Ursprünglicher Endtermin der am 26. Juni begonnenen Festspiele war der 7. Juli. Wegen politischer Differenzen stellt die Jury ihre Tätigkeit ein, nachdem der US-amerikanische Jury-Vorsitzende George Stevens den Antikriegsfilm “o. k.” von Michael Verhoeven (BRD) vom Wettbewerb ausschließen wollte. Der Film rekonstruiert Vietnam-Kriegsverbrechen im Bayerischen Wald.

6.7.1970, Montag

Im Londoner U-Bahn-Netz fällt für eine Stunde der Strom aus, so dass mehr als 200 000 Londoner, die nach Büroschluss auf dem Heimweg sind, in 300 mit Fahrgästen vollgestopften Zügen in den dunklen Tunneln stecken bleiben. Wegen der katastrophalen Luftverhältnisse fallen viele Menschen in Ohnmacht.

Als Maßnahme zur Dämpfung der Konjunktur beschließt das Bundeskabinett in Bonn die sofortige Aussetzung der degressiven Abschreibung bei Anlagegütern bis zum 31. Januar 1971.

Nach Mitteilung des israelischen Oberkommandierenden Chaim Bar Lew sind auf dem Westufer des Suezkanals sowjetische Raketenbatterien vom Typ Sam-2 und Sam-3 in Stellung gebracht worden. Israelische Flugzeuge seien mit beiden Raketentypen beschossen worden. Bereits im März waren Presseberichte über die Lieferung der sowjetischen Sam-2- und Sam-3-Raketen an Ägypten erschienen.

Der italienische Ministerpräsident Mariano Rumor (DC) tritt mit seiner Regierung zurück, nachdem es innerhalb der Mitte-Links-Koalition zu Unstimmigkeiten über die Haltung gegenüber den Kommunisten gekommen war.

7.7.1970, Dienstag

Im neuen zwischen der Sowjetunion und Rumänien abgeschlossenen Freundschafts- und Beistandspakt fehlt jede Erwähnung der Breschnew-Doktrin. Die nach der sowjetischen Intervention in der Tschechoslowakei 1968 entwickelte Breschnew-Doktrin definiert die Souveränität und das Selbstbestimmungsrecht der sozialistischen Staaten als “beschränkt”.

Beim Absturz eines Militärhubschraubers nahe Berchtesgaden kommen acht französische und vier Soldaten der Bundeswehr ums Leben.

8.7.1970, Mittwoch

Der am 14. Juni vorzeitig gewählte niedersächsische Landtag, in dem nur noch die SPD und die CDU vertreten sind, wählt den bisherigen Finanzminister Alfred Kubel (SPD) zum neuen Ministerpräsidenten. Sein Vorgänger Georg Diederichs (SPD) trat aus Gesundheitsgründen zurück.

Nach der schweren Finanzkrise der internationalen Investmentgesellschaft IOS (Investors Overseas Services) wird der deutsche Geschäftszweig der Firma in die “Orbis-Finanz” umgewandelt. Kurz zuvor war der frühere FDP-Bundesvorsitzende und Repräsentant der deutschen IOS, Erich Mende, aus dem Unternehmen ausgeschieden.

9.7.1970, Donnerstag

Nachdem die Öffentlichkeit in den USA und Westeuropa durch Berichte zweier US-amerikanischer Kongressabgeordneter über unmenschliche Zustände auf der südvietnamesischen Gefangeneninsel Con Son aufgeschreckt worden ist, fordert die Internationale Juristenkommission in Genf eine Untersuchung der Verhältnisse auf Con Son.

Bei einem Brand in seiner Sommerresidenz bei Reykjavík kommt der isländische Ministerpräsident Bjarni Benediktsson mit Frau und Enkel ums Leben.

10.7.1970, Freitag

Europameister David Broome aus Wales wird im französischen Atlantikort La Baule auf “Beethoven” Weltmeister der Springreiter.

Überraschend entlässt die Regierung der Volksrepublik China den ehemaligen katholischen Bischof von Schanghai, den 79-Jährigen James Edward Walsh, aus der Haft. Walsh war 1959 wegen Spionage zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die vorzeitige Entlassung erfolgt wegen seines Alters und seiner schlechten Gesundheit.

11.7.1970, Samstag

Der Bundestag in Bonn verabschiedet auf einer Sondersitzung mit den Stimmen der Regierungsparteien bei Enthaltung der Mehrheit der CDU/CSU-Opposition das Konjunkturdämpfungsprogramm der Bundesregierung.

Der erste Tunnel durch den Pyrenäenhauptkamm zwischen Aragnouet (Frankreich) und Bielsa (Spanien) wird für den Verkehr freigegeben.

12.7.1970, Sonntag

Mit seinem Papyrusboot “Ra II” gelingt dem norwegischen Forscher Thor Heyerdahl die Überquerung des Atlantik.

In München beim Hanns-Braun-Leichtathletik-Sportfest läuft Chi Cheng (Taiwan) mit 22,4 sec Weltrekord über 200 m der Frauen.

13.7.1970, Montag

Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) trifft zu einem Besuch des Papstes Paul VI. in Rom ein.

Der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Littmann (SPD) wird vom Magistrat der Stadt in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Littmann hatte durch sein Vorgehen gegen Demonstranten in den letzten Jahren das Vertrauen seiner Partei, vor allem des linken Parteiflügels, verloren.

Vom am 14. Juni gewählten Landtag des Saarlandes wird der bisherige Ministerpräsident Franz Josef Röder (CDU) wiedergewählt. Röder hat das Amt bereits seit 1959 inne.

Der Starfighter soll durch das Kampfflugzeug MRCA 70 (Multi Role Combat Aircraft) abgelöst werden. Vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestags gibt Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt (SPD) bekannt, dass die Bundesrepublik, Grosbritannien und Italien gemeinsam sieben Prototypen des MRCA bauen werden. Ein entsprechendes Programm wird vom Verteidigungsausschuss gebilligt.

14.7.1970, Dienstag

Im französischen Heilbad Evian-les-Bains beginnt die 5. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (bis 24. 7.), an der 221 Delegierte aus 78 Mitgliedskirchen teilnehmen. Vorausgegangen war ein Streit über den vorgesehenen Tagungsort Porto Alegre in Brasilien, der wegen des diktatorischen brasilianischen Regimes abgelehnt wurde.

Der deutsche Schlagersänger Roy Black wird für seine Erfolgsmelodie “Dein schönstes Geschenk” nach dem Entscheid der Hörer und einer Fachjury mit dem Goldenen Löwen von Radio Luxemburg ausgezeichnet.

15.7.1970, Mittwoch

Nach viermonatigen Koalitionsverhandlungen wird in Finnland eine neue Regierung unter Ahti Karjalainen (Zentrumspartei) gebildet. Die Koalition aus drei bürgerlichen und zwei sozialistischen Parteien löst ein vorübergehend amtierendes Sachverständigenkabinett ab.

16.7.1970, Donnerstag

Die Präsidenten der Volksrepublik Kongo, Marien Ngouabi, und der Demokratischen Republik Kongo (Zaire), Sésé Séko Mobutu, unterzeichnen ein Abkommen zur Normalisierung ihrer Beziehungen.

17.7.1970, Freitag

Zum Abschluss seines fast dreiwöchigen Moskau-Besuchs (seit 29. 6.) vereinbart der ägyptische Präsident Gamal Abd an Nasser mit der sowjetischen Führung, eine politische Lösung des Nahostkonflikts anzustreben. Informierte Kreise in der sowjetischen Hauptstadt wollen wissen, dass sich Moskau und Kairo auf eine Feuerpause geeinigt haben, während Friedensgespräche mit Israel geführt werden sollen.

Bei seinem Washington-Besuch (bis 18. 7.) unterrichtet Bundesaußenminister Walter Scheel (FDP) die Regierung der USA über die bevorstehenden Verhandlungen mit Moskau. Am Tag zuvor hatte Scheel in London die britische Regierung informiert.

Die Gewerkschaften der Bundesrepublik lehnen ein Stillhalteabkommen in der Lohnpolitik ab. Dies wird bei einer Sitzung der konzertierten Aktion von Regierung, Unternehmern, Gewerkschaften und Bundesbank in Bonn deutlich.

18.7.1970, Samstag

Jochen Rindt gewinnt nach Monaco, Zandvoort und Clermont-Ferrand als vierten Grand Prix in dieser Saison den Grosen Automobil-Preis von Großbritannien in Brands Hatch.

19.7.1970, Sonntag

Wie im Vorjahr gewinnt der Belgier Eddy Merckx die Tour de France. Am 6. Juni hatte er bereits beim Giro d’Italia den ersten Platz belegt.

20.7.1970, Montag

Die Schweiz und Albanien vereinbaren die Aufnahme diplomatischer Beziehungen und den Austausch von Vertretern auf Botschafterebene.

Zum Abschluss des offiziellen Besuchs des finnischen Staatspräsidenten Urho Kaleva Kekkonen in der Sowjetunion (seit 17. 7.) wird der sowjetisch-finnische Freundschafts- und Beistandsvertrag um weitere 20 Jahre verlängert.

Die CDU/CSU-Opposition lehnt eine Teilnahme an der deutschen Delegation für die bevorstehenden Gewaltverzichtsverhandlungen in Moskau ab. Im Gegensatz zu Bundesaußenminister Walter Scheel (FDP), der eine Einladung an die Opposition gerichtet hatte, betrachtet die Union das “Bahr-Papier” nicht als ausreichende Grundlage für den Abschluss eines Gewaltverzichtsabkommens mit Moskau. Auch die Verknüpfung mit den Berlin-Verhandlungen wird als noch unbefriedigend gewertet.

21.7.1970, Dienstag

In Libyen werden der Besitz und das Vermögen der 21 000 im Lande lebenden Italiener verstaatlicht, wodurch diese zur Rückwanderung nach Italien gezwungen werden. Zugleich wird der Grundbesitz nicht im Lande lebender Juden eingezogen.

Mit der feierlichen Inbetriebnahme der zwölften und letzten Turbine wird der Bau des Assuan-Kraftwerks in Ägypten abgeschlossen.

22.7.1970, Mittwoch

Nach monatelangen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Studenten übernimmt der Präsident von Ecuador, José María Velasco Ibarra, diktatorische Gewalt. In einer Rundfunkansprache erklärt Ibarra, er habe diesen Schritt unternommen, um ein wirtschaftliches Chaos, Verschwörungen durch Oligarchen und Subversion durch Universitätsstudenten im Land zu verhindern.

Ein griechisches Verkehrsflugzeug wird von sechs schwerbewaffneten arabischen Freischärlern auf dem Flug von Beirut nach Athen gekapert.

Um die Freigabe von zwei von Untergrundkämpfern entführten deutschen Technikern zu erreichen, setzt die bolivianische Regierung zehn politische Häftlinge auf freien Fuß.

Das Präsidium der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände und der DGB-Bundesvorstand beraten bei einem Spitzengespräch über die geplante Reform des Betriebsverfassungsgesetzes.

Die 4. Europäische Weltraumkonferenz in Brüssel (bis 24. 7.) stimmt der Gründung einer einheitlichen europäischen Weltraumorganisation zu. Die Konferenz wird bis zum 3. November unterbrochen, weil keine volle Übereinstimmung über ein Gesamtprogramm erzielt werden kann. Mit den USA sollen offizielle Gespräche über eine Zusammenarbeit beim “Apollo”-Nachfolgeprogramm geführt werden.

23.7.1970, Donnerstag

Unter der Leitung von Staatsanwalt Helio Pereira Bicudo beginnt in Brasilien eine offizielle Untersuchung der Lynchjustiz durch die sog. Todesschwadrone.

Die Leichtathletin Marilyn Neufville (Jamaika) stellt in Edinburgh mit 51,0 sec einen Weltrekord über 400 m auf.

In Österreich tritt das Kompetenzänderungsgesetz in Kraft. Es unterstellt die österreichische Industrieverwaltungs-AG (ÖIAG), in welcher die verstaatlichten Unternehmen zusammengeschlossen sind, dem Bundeskanzleramt statt wie bisher dem Handelsministerium.

24.7.1970, Freitag

Laut Ankündigung des US-Verteidigungsministeriums werden die USA im Rahmen des Rückzugs ihrer Streitkräfte in Südostasien die Stärke der US-Truppen auf den Philippinen bis zum 30. Juni 1971 um rd. 60 500 Mann verringern.

Forderungen nach einer Erhöhung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit in bundesdeutschen Ortschaften auf 60 km/h lehnt Bundesverkehrsminister Georg Leber (SPD) unter Hinweis auf die Unfallsituation ab.

Die Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele werden mit einer Aufführung von “Tristan und Isolde” (Inszenierung: Wieland Wagner) eröffnet (bis 27. 8.). “Der Ring des Nibelungen” (Regie und Ausstattung: Wolfgang Wagner, musikalische Leitung: Horst Stein) und “Der Fliegende Holländer” (Regie: August Everding, Ausstattung: Josef Svoboda, musikalische Leitung: Silvio Varviso) werden in Neuinszenierungen gespielt.

Überlegen gewinnt der dreijährige Hengst “Nijinsky” unter dem britischen Jockey Lester Piggott das King George VI. and Queen Elizabeth Stakes in Ascot.

25.7.1970, Samstag

In Paris wird der erste Autotunnel dem Verkehr übergeben. Er verbindet die Champs-Elysées mit der Avenue de la Grande Armée und unterquert den Place de l’Etoile mit dem berühmten Triumphbogen. Von dem Tunnel erhoffen sich die Verkehrsplaner ein Ende der in Stoßzeiten regelmäßig auftretenden Staus.

26.7.1970, Sonntag

Laut “The Times” räumt der seit 1959 amtierende kubanische Ministerpräsident Fidel Castro in einer Rede Schwächen der Wirtschaft Kubas ein und bietet seinen Rücktritt an. Castro führt die katastrophale wirtschaftliche Situation des Landes auf die geringe Zuckerernte zurück.

Die 50. Salzburger Jubiläumsfestspiele (bis 30. 8.) werden mit einer Rede Carl Zuckmayers über die “Musische Bestimmung des Menschen” und abends mit Ludwig van Beethovens “Fidelio” eröffnet.

27.7.1970, Montag

In Moskau beginnen die offiziellen Verhandlungen zwischen Bundesaußenminister Walter Scheel (FDP) und dem sowjetischen Außenminister Andrei A. Gromyko über den Abschluss eines Gewaltverzichtsvertrags, die bis 7. August andauern.

Eine Cholera-Epidemie auf der indonesischen Hauptinsel Java, die bereits 189 Todesopfer forderte, breitet sich rasch aus. Im August erreicht die Cholera auch die Türkei, den Nahen Osten und Äthiopien.

Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der militanten Organisation der Schwarzen, der sog. Partei Nummer zwei, und der Polizei in Houston im US-Bundesstaat Texas wird der Parteivorsitzende Carl Hampton erschossen. Weitere sechs Personen werden bei dem Schusswechsel schwer verletzt.

28.7.1970, Dienstag

Der neue Landtag von Nordrhein-Westfalen wählt den bisherigen Ministerpräsidenten Heinz Kühn (SPD) wieder in dieses Amt.

Mit der Zustimmung der Aktionärsversammlungen der Bremer Reederei Norddeutscher Lloyd AG und der Hamburger Hapag-Reederei ist die Fusion der beiden Reedereien zur Hapag-Lloyd AG perfekt, die rückwirkend zum 1. Januar 1970 in Kraft tritt.

29.7.1970, Mittwoch

Nachdem die Gewerkschaften die angebotene 7%ige Lohnerhöhung akzeptiert haben, kehren die seit zwei Wochen streikenden britischen Hafenarbeiter bis zum 2. August an die. Arbeit zurück. An dem Ausstand beteiligten sich rd. 47 000 Personen. Erstmals seit 44 Jahren waren alle britischen Häfen geschlossen.

In der Millionenstadt New York wird der Smog-Notstand ausgerufen.

30.7.1970, Donnerstag

Ein Gesetzentwurf zur neuen Unternehmensverfassung der Deutschen Bundespost wird vom Bonner Kabinett verabschiedet. Das Gesetz zielt auf eine Straffung des Unternehmens, um es wirtschaftlich flexibler zu gestalten.

31.7.1970, Freitag

In Uruguay entführen linksgerichtete Guerillas den brasilianischen Generalkonsul Aloysio Mares Dias Gomides und den US-amerikanischen Sicherheitsbeamten Daniel Mitrione. Mitrione wird am 10. August erschossen, von dem Generalkonsul fehlt dagegen jede Spur.