Was geschah im Juni 1907

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Wetterstationen Juni 1907

1.6.1907, Samstag

In Italien endet ein dreimonatiger Landarbeiterstreik. Die Landarbeiter hatten vergeblich gefordert, die Bewirtschaftung von Gütern in Pacht übernehmen zu können und landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (affitanza collettiva) zu gründen.

In einem Berliner Kino wird ein Arbeiter verhaftet, als er versucht, ein nicht näher bezeichnetes Verbrechen an einem achtjährigen Mädchen zu begehen; der Vorfall wird nur entdeckt, weil das Mädchen laut aufschreit. Laut Zeitungsberichten werden die verdunkelten Räume der Kinematographentheater immer häufiger von Sittlichkeitsverbrechern aufgesucht, die als “Kinderfreunde” Mädchen und Jungen den Eintritt bezahlen. Die Eingeladenen sehen sich Zudringlichkeiten ausgesetzt, die sie oft aus Angst widerspruchslos über sich ergehen lassen. Besonders an Wochenenden häufen sich solche Fälle.

Die fremden- und christenfeindlichen Aufstände in Südchina erfassen die gesamte Provinz Kwangtung und breiten sich auch über Szetschuan aus.

2.6.1907, Sonntag

In Nîmes protestieren 200 000 Winzer gegen die Weinpolitik der französischen Regierung. Die Kundgebung verläuft friedlich.

Auf einer Versammlung der Liga des katholischen Widerstands in Paris fordert der Schriftsteller Paul de Cassagnac alle katholischen Eltern auf, Schulen, aus denen während des Kulturkampfs die Kruzifixe entfernt wurden, zu boykottieren und die Steuerzahlung zu verweigern. Ein Pater stellt die Weinbauern als Vorbild hin, die zu Hunderttausenden die Regierung zwängen, ihren Forderungen gerecht zu werden.

Von einem tragischen Luftunglück wird der italienische Nationalfeiertag überschattet. Nach der Eröffnung des nationalen Wettschießens durch das Königspaar in Rom steigt ein Militärluftschiff auf, das durch die Entladung von Gewitterwolken in einer Höhe von 300 m in Brand gerät und abstürzt. Der Kapitän kommt hierbei ums Leben.

Vor 3000 Zuschauern in Mannheim gewinnt der Freiburger FC das Endspiel um die Deutsche Fußball-Meisterschaft 3:1 gegen Viktoria 89 Berlin.

3.6.1907, Montag

Die britische Regierung unter Henry Campbell-Bannerman (liberal) zieht ihre Vorlage für eine Verwaltungsreform in Irland zurück, da diese von der irischen Nationalpartei in Dublin als unzureichend abgelehnt worden war. Es war das Ziel der Regierung, den Iren zwar nicht die geforderte Home Rule (Selbstregierung), jedoch weitgehende Selbstverwaltung zuzugestehen.

Die Denkschrift “20 Jahre deutsche Kulturarbeit”, die dem preußischen Landtag in Berlin zugeht, fasst die Tätigkeit der Ansiedlungskommission in Posen und Westpreußen zusammen und stellt fest, “dass die Siedlungstätigkeit des Staates große wirtschaftliche und politische Erfolge erreicht hat”.

4.6.1907, Dienstag

Fremden- und christenfeindliche Aufrührer in der chinesischen Provinz Szetschuan zerstören die Missionsstation Kaigsien.

In München wird die “Engelmacherin” Babette Seiler, in deren “Kinderheim” innerhalb von acht Wochen acht von zwölf abgegebenen Kindern gestorben waren, zu sechs Monaten Gefängnis, vier Wochen Haft und 70 Mark Geldstrafe verurteilt.

In Freiberg wird eine Arbeiterwitwe und Mutter von fünf Kindern zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, weil sie ihr sechstes, kurz nach dem Tod des Mannes geborenes Kind vergiftet hat. Die Frau konnte kein Geld mehr aufbringen, um das Neugeborene zu versorgen.

5.6.1907, Mittwoch

Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg hält unter Feierlichkeiten seinen Einzug als Regent des Herzogtums Braunschweig.

6.6.1907, Donnerstag

Der britische Staatssekretär für Indien, John Viscount Morley, verteidigt vor dem Unterhaus in London die Deportation “politischer Unruhestifter” aus Britisch-Indien.

König Oskar II. von Schweden und Königin Sophie feiern goldene Hochzeit. Oskar hatte 1857 Sophie von Nassau geheiratet.

Vor der tunesischen Küste sprengt der Kapitän eines Schmugglerschiffs sein Boot in die Luft, als es von einer französischen Patrouille verfolgt wird. 61 Menschen finden den Tod.

7.6.1907, Freitag

Die nationalen Auseinandersetzungen in Ungarn werden handfest auch im Parlament ausgetragen: Magyarische Abgeordnete werfen den rumänischen Parlamentarier Vajda wegen seiner antimagyarischen Agitation mit Gewalt aus dem Abgeordnetenhaus hinaus.

In der Londoner Olympic Hall wird die erste “Horse Show” eröffnet. Die 1863 Teilnehmer aus Großbritannien, den USA, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Spanien müssen während der bis zum 12. Juni dauernden Veranstaltung 128 Prüfungen absolvieren.

Der Franzose Duray gewinnt die 545 km lange Automobilfernfahrt Moskau- Petersburg (Leningrad) in 9:21 h.

Das preußische Abgeordnetenhaus in Berlin bewilligt einstimmig eine Teuerungszulage von 100 Mark jährlich für die unteren und die am geringsten besoldeten mittleren Staatsbeamten.

8.6.1907, Samstag

In Dresden beginnt der zehnte Deutsche Handlungsgehilfentag. Auf der dreitägigen Veranstaltung wird u.a. die Einführung des Höchstarbeitstages von neun Stunden bei geteilter Arbeitszeit (mit längerer Pause) und von acht Stunden bei ungeteilter Arbeitszeit gefordert. Außerdem wird die gesetzliche Regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe verlangt.

Der österreichische Kaiser Franz Joseph I. feiert in Budapest das 40-Jährige Jubiläum seiner Krönung als König von Ungarn. Er erlässt eine umfassende Amnestie, die sich namentlich auf Verurteilungen wegen Majestätsbeleidigung erstreckt. Während seiner Rundfahrt durch die Straßen bilden 20 000 Sozialdemokraten Spalier: “Es lebe das allgemeine Wahlrecht! Es lebe der Arbeiterkönig.”

9.6.1907, Sonntag

600 000 Weinbauern beschließen auf einer Massenkundgebung in Montpellier den passiven Widerstand gegen die französische Regierung und die Behörden der Republik.

In Düsseldorf fällt der Startschuss zu einer Ballonfahrt, bei der die Teilnehmer vor der Abfahrt ihr Ziel angeben mussten. Die besten Resultate erzielen der Ballon “Koblenz”, der bei Wesel landet, und der Ballon “Pommern”, der bei Kleve niedergeht.

10.6.1907, Montag

Japan und Frankreich unterzeichnen in Paris einen Vertrag über die Aufrechterhaltung des beiderseitigen Besitzstands im Fernen Osten sowie über die Integrität Chinas.

US-Präsident Theodore Roosevelt regt in einer Rede in Jamestown in Virginia die Einführung einer Arbeiterunfallversicherung an. Die Lasten müssten die Unternehmen tragen, die diese durch Erhöhung der Weltpreise ihrer Erzeugnisse auf das Publikum abwälzen könnten.

Der französische Chemiker Louis Jean Lumière veröffentlicht die ersten Farbfotografien.

In der Voyron-Kaserne in Peking fällt der Startschuss zur 13 000-km-Fernfahrt von Peking nach Paris.

11.6.1907, Dienstag

Sieger der Herkomerkonkurrenz, der größten Etappenfahrt für Automobile im Deutschen Reich, wird Fritz Erle.

Die Fahrt begann am 4. Juni in Dresden und führte über Eisenach, Mannheim, München, Lindau und Augsburg nach Frankfurt am Main.

12.6.1907, Mittwoch

Ein in Petersburg (Leningrad) veröffentlichter Streik-Erlass erinnert daran, dass als berechtigt nur solche Streiks gelten, die einen wirtschaftlichen Hintergrund haben. Mit Gewalt, Drohung oder Boykott verbundene Ausstände seien dagegen verbrecherische Handlungen, ihre Urheber können mit drei Monaten Gefängnis bestraft werden.

13.6.1907, Donnerstag

In Makedonien, das zum Osmanischen Reich gehört, kommt es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen bulgarischen, griechischen und serbischen Nationalisten.

14.6.1907, Freitag

Admiral Alfred von Tirpitz feiert sein zehnjähriges Jubiläum als Staatssekretär des Reichsmarineamts. In dieser Stellung hat Tirpitz das deutsch-britische Flottenwettrüsten forciert und nach der “Risikotheorie” die deutsche Flotte aufgebaut.

Papst Pius X. beglückwünscht in einem Brief den österreichischen katholischen Philosophen und Theologieprofessor Ernst Commer zu seiner Verurteilung der als häretisch bezeichneten Schriften des deutschen Theologen Herman Schell. Im Deutschen Reich erregt dieses Schreiben ungeheures Aufsehen. Deutsche Katholiken hatten dem umstrittenen, 1906 verstorbenen Theologen ein Denkmal errichten wollen.

Der Italiener Felice Nazarro gewinnt das Automobilrennen um den Kaiserpreis im Taunus. Kaiser Wilhelm II. wohnt diesem Rennen persönlich bei.

Louis Botha, der Premierminister der britischen Kolonie Transvaal (Südafrika), kündigt die Ausweisung aller chinesischen Arbeiter an.

Das Storting, das norwegische Parlament in Kristiania (Oslo), verabschiedet mit 96 gegen 25 Stimmen einen Gesetzentwurf, nach dem Frauen auf Reichsebene dasselbe Wahlrecht wie auf Kommunalebene erhalten. Danach dürfen alle Frauen wählen, wenn sie oder ihre Ehemänner Steuern zahlen.

Der russische Ministerpräsident Pjotr A. Stolypin verlangt in einer geheimen Sitzung der Duma, des Parlaments in Petersburg (Leningrad), die Verhaftung von 15 sozialdemokratischen Abgeordneten sowie die Ausschließung der übrigen Sozialdemokraten aus der Duma. Hierfür findet sich jedoch keine Mehrheit.

16.6.1907, Sonntag

Zar Nikolaus II. löst staatsstreichartig die zweite Duma, das gewählte russische Parlament, auf.

17.6.1907, Montag

In Wien tritt der neue Reichsrat zusammen. Zum ersten Mal wurde das Abgeordnetenhaus nach allgemeinem, gleichem und geheimem Wahlrecht gewählt.

Der stellvertretende Schöffe einer pommerschen Gemeinde wird als Beamter entlassen, da er der SPD beigetreten ist. Wie der Disziplinarsenat des Oberverwaltungsgerichts feststellt, gehört der “Angeklagte” einer Partei an, die “umstürzlerische Bestrebungen gegen Monarchie und Gesellschaft” hegt. Dies sei mit dem Beamtenstatus nicht vereinbar.

In Gotha endet die zweitägige Hauptversammlung des Deutschen Privatbeamtenvereins mit der Forderung nach “baldiger Einführung einer staatlichen Pensions- und Hinterbliebenenversorgung für Privatbeamte”.

18.6.1907, Dienstag

Ein Ministerial-Erlass “zur Beschränkung der körperlichen Züchtigung in den Volksschulen” schreibt den preußischen Lehrern vor, künftig über Prügelstrafen Buch zu führen. Hierzu dient ein Formular mit acht Rubriken in die einzutragen sind: Laufende Nummer, Tag der Züchtigung, Name und Alter des Kindes, Begründung der Züchtigung, Angabe der vorher vergeblich angewandten Zuchtmittel, Name der züchtigenden Lehrperson, Bescheinigung des Schulaufsichtsbeamten.

In Nürnberg gründen deutsche, französische, italienische, österreichische, schweizerische und ungarische Unternehmer den Verein europäischer Emaillierwerke. Ziel ist die Aufstellung gemeinsamer Verkaufstarife und die Festsetzung gleichartiger Lieferbedingungen auf den gemeinsamen Ausfuhrmärkten.

19.6.1907, Mittwoch

In Eberswalde bei Frankfurt/Oder wird eine städtische Fleischverkaufsstelle im Schlachthaus eröffnet. Um den Zwischenhandel auszuschalten, unternehmen auch die Landwirte an Rhein und Ruhr in mehreren Städten den Versuch, Fleisch unmittelbar an die Konsumenten abzusetzen.

Französische Weinbauern zerschneiden in Montpellier und Narbonne die Telegraphendrähte und errichten Barrikaden. Das Militär feuert auf die Winzer, die mit ihrer Aktion gegen die Weinpolitik der Regierung protestieren.

20.6.1907, Donnerstag

Französische Winzer stürmen die Präfektur in Perpignan und stecken das Gebäude in Brand. In Agde meutern sechs Kompanien des 17. Infanterieregiments und marschieren nach Béziers, wo sie sich mit den Winzern verbünden.

In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon kommt es bei einer Kundgebung gegen das diktatorische Regime des Ministerpräsidenten João Franco zu blutigen Zusammenstößen mit Militär und Polizei. Zahlreiche Oppositionelle werden verhaftet.

Das Schöffengericht in Berlin verurteilt den Zentrumsabgeordneten Matthias Erzberger zu einer Woche Gefängnis wegen Beleidigung des früheren Gouverneurs der Kolonie Deutsch-Neuguinea, Rudolf von Bennigsen.

Die Schweizerische Nationalbank wird eröffnet.

Der schweizerische Aeronaut Eduard Spelterini überfährt zum dritten Mal die Alpen in einem Ballon. In Andermatt steigt er mit dem Ballon “Augusta” auf und landet nach siebenstündiger Fahrt südlich von Bergamo.

21.6.1907, Freitag

Die französische Abgeordnetenkammer in Paris spricht mit 327 gegen 223 Stimmen der Regierung Georges Clemenceau das Vertrauen aus. Sozialistische Abgeordnete hatten die Regierung wegen des Militäreinsatzes gegen demonstrierende Winzer scharf kritisiert.

22.6.1907, Samstag

Die revolutionäre Bewegung in Portugal, die sich gegen die Diktatur von Ministerpräsident João Franco richtet, breitet sich auf alle Industriestädte des Landes aus.

23.6.1907, Sonntag

In der Nähe des Guts Hajde Boyzeriny bei Budapest geht in der Nacht ein Ballon nieder, der seine Gondel verloren hat. Als sich der Gutsbesitzer und das Dienstpersonal mit offenem Licht nähern, explodiert der Ballon, fünf Menschen werden getötet, sechs schwer verletzt. Am nächsten Morgen findet die Polizei in der Umgebung des zerstörten Guts die Balloninsassen, drei Franzosen, die aus unbekannten Gründen aus der Gondel gestürzt und zerschellt waren.

In Heidelberg endet die zweitägige Gründungsversammlung des “Nationalvereins für das liberale Deutschland”. Die Mitglieder sind überzeugt, dass die Mitwirkung bei der Lösung der Arbeiterfrage gegenwärtig die vordringlichste Aufgabe des Liberalismus ist.

Der Dorfwirt Albert Marcellin, Führer der aufständischen französischen Winzer, trifft in Paris zu einer Unterredung mit Ministerpräsident Georges Clemenceau zusammen.

24.6.1907, Montag

US-Präsident Theodore Roosevelt (Republikaner) unterzeichnet in Washington den Vertrag, der den Vereinigten Staaten die Finanzverwaltung der Dominikanischen Republik überträgt.

Der deutsche Staatssekretär des Innern, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner, tritt zurück. Er war wegen seiner sozialpolitischen Ambitionen beim konservativ-liberalen Bülow-Block zunehmend in die Schusslinie geraten. Nachfolger wird der preußische Innenminister Theobald von Bethmann Hollweg, an dessen Stelle der ostpreußische Oberpräsident Friedrich von Moltke tritt.

Der preußische Kultusminister Konrad von Studt tritt zurück. Nachfolger wird Ludwig Holle, der Unterstaatssekretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten. Der Wechsel stärkt auch in Preußen den konservativ-liberalen Bülow-Block.

Kaiser Wilhelm II. besucht in Kiel einen japanischen Kreuzer und beglückwünscht die Offiziere “zu dem Aussehen Ihrer Schiffe und Ihrer vortrefflichen Mannschaften”. Der oberste deutsche Kriegsherr hofft, “dass die japanische und die deutsche Flotte stets als gute Freunde und Kameraden zusammen wirken mögen … zur Erhaltung von Frieden und Ordnung in der Welt”.

Aus Zwickau wird gemeldet, dass auf den Schächten des Brückenbau-Steinkohlenvereins fast 600 Bergleute, das ist ein Drittel der Belegschaft, geschlossen gekündigt haben, um in das Ruhrrevier auszuwandern. Die Lohn- und Arbeitszeitverhältnisse im sächsischen Bergbaurevier zählen zu den rückständigsten in Deutschland.

25.6.1907, Dienstag

Der russische Bolschewik Josef W. Stalin erbeutet bei einem Überfall auf die Reichsbankfiliale in Tiflis 250 000 Rubel.

Das österreichische Abgeordnetenhaus in Wien, in dem die Sozialdemokraten die stärkste Fraktion stellen, wählt den Christlich Sozialen Richard Weiskirchner zum Präsidenten. Zu Vizepräsidenten werden der Tscheche Zaczek und der Pole Starcynski gewählt.

In China gebietet ein kaiserliches Edikt die strenge Durchführung der Anordnung zur Abschaffung des Opiumanbaus und -genusses.

26.6.1907, Mittwoch

Das britische Unterhaus in London nimmt mit 432 gegen 147 Stimmen eine von Premierminister Henry Campbell-Bannerman (liberal) eingebrachte Resolution zur Einschränkung der Oberhaus-Rechte an. Ein Antrag der Labour Party auf Abschaffung des Oberhauses wird abgelehnt.

In Ströbel am Zobten im preußischen Regierungsbezirk Breslau schickt ein Steinbruchbesitzer 200 streikenden Arbeitern, die in werkseigenen Wohnungen leben, die Kündigung. Familien, die sich weigern, der Räumungsaufforderung nachzukommen, werden mitsamt dem Hausrat auf die Straße gesetzt. Die Behörden schreiten nicht ein.

Die italienische Zeitung “Popolo Romano” bezeichnet die zwischen Italien den “Entente-cordiale”-Mächten Frankreich und Großbritannien sowie Spanien getroffenen Abmachungen als Regelungen, eventuelle Konflikte zwischen den Mittelmeermächten zu vermeiden. Sie dürften daher in diplomatischen Kreisen – gemeint sind Italiens Dreibundpartner Deutsches Reich und Österreich-Ungarn – kein Misstrauen erregen.

Das 17. französische Infanterieregiment, das am 20. Juni zu den demonstrierenden Winzern übergelaufen war, wird in Villa Franca auf zwei Kreuzer zwangseingeschifft. Es muss zur Strafe im tunesischen Saffa Dienst tun.

27.6.1907, Donnerstag

Der österreichische Ministerpräsident Max Wladimir Freiherr von Beck stellt im Abgeordnetenhaus in Wien sein Regierungsprogramm vor. Dabei betont er unter dem Beifall aller Fraktionen, dass “der sozialreformatorische Gedanke” Gemeingut aller werden müsse.

Die italienische Abgeordnetenkammer verabschiedet ein Gesetz, nach dem der 100. Geburtstag des italienischen Freiheitskämpfers Giuseppe Garibaldi – er wurde am 4. Juli 1807 in Nizza geboren – zum Nationalfest erklärt wird.

28.6.1907, Freitag

Die Marienburger Privatbank meldet Konkurs an. Ihr Direktor Wölkli hatte rund 4 Mio. Mark unterschlagen. Viele Sparer verlieren ihr Vermögen.

An der Förde in Kiel beginnt die 25. Kieler Woche.

29.6.1907, Samstag

Prinz Tiying Chiyi von Korea trifft in Den Haag ein. Er protestiert gegen die Nichteinladung Koreas zur Haager Friedenskonferenz und gegen die “Vergewaltigung” Koreas durch Japan.

30.6.1907, Sonntag

Die Einwohner des schweizerischen Kantons Genf nehmen mit der knappen Mehrheit von 7656 gegen 6822 Stimmen das Gesetz über die Trennung von Staat und Kirche an.