Was geschah im Juni 1908

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Wetterstationen Juni 1908

1.6.1908, Montag

In Paris beginnt ein dreitägiger internationaler Kongress der Baumwollspinner und -fabrikanten. Während der Tagung unter dem Vorsitz des französischen Handelsministers Jean Cruppi wird das Ziel betont, die Baumwollkultur auf die ganze Erde auszudehnen.

Die aus der Secession ausgeschiedene Gruppe um den österreichischen Maler Gustav Klimt eröffnet in Wien die “Kunstschau 1908”.

Infolge eines Orkans kentert auf dem Amurfluss eine Barke, auf der sich arretierte Chinesen befinden. Sechs Mann der russischen Bewachungsmannschaft und 83 Chinesen ertrinken.

Der ungarische Kultusminister Albert Graf Apponyi legt dem Reichstag in Budapest ein Gesetz vor, wonach der Volksschulunterricht in Ungarn zukünftig unentgeltlich sein soll. Dabei spricht er die Hoffnung aus, dass der Schulbesuch durch diese Erleichterung bedeutend zunehmen werde.

2.6.1908, Dienstag

Der spanische Ministerrat in Madrid setzt das Dekret über die Aufhebung der Verfassungsgarantien für Barcelona außer Kraft. Es war nach Bombenattentaten zu Weihnachten 1907 erlassen worden, hatte sich aber als wirkungslos erwiesen.

In Konstantinopel (Istanbul) werden zwischen der Bagdadbahn-Gesellschaft und der türkischen Regierung Verträge über den Weiterbau der Bagdadbahn unterzeichnet.

3.6.1908, Mittwoch

Durch ein Dekret des finnischen Senats in Helsinki wird die polizeiliche Aufsicht und Reglementierung der Prostitution für Finnland abgeschafft.

Aus Protest gegen die Schließung der Innsbrucker Universität beginnt an allen österreichischen Universitäten (in Wien am 4. Juni) ein Streik der Studenten. Die Sperrung wird mit den wiederholten Zusammenstößen zwischen klerikalen und liberalen Studenten begründet.

4.6.1908, Donnerstag

Im britischen Unterhaus in London kommt es zu einer lebhaften Debatte über den bevorstehenden Besuch von König Eduard VII. beim russischen Zaren Nikolaus II.

In Budapest beginnt unter dem Vorsitz des Prinzen Alfons von Bourbon ein internationaler Antiduell-Kongress, der bis zum 6. Juni dauert.

Scharen von Kurden plündern die Umgebung der persischen Stadt Urmia. Es herrschen anarchistische Zustände. Große Teile der persischen Truppen desertieren.

In London wird eine Bewegung gegen das Frauenstimmrecht, die “National Women’s Anti-Suffrage Association”, gegründet. Die neue Vereinigung lehnt die militanten Methoden von Suffragetten wie Emmeline Pankhurst ab.

In Paris wird der Leichnam des Schriftstellers Emile Zola ins Pantheon überführt. Dabei verwundet ein Rechtsradikaler Alfred Dreyfus.

5.6.1908, Freitag

Der preußische Kultusminister Ludwig Holle gibt in Berlin bekannt, dass er die Habilitation von Frauen als Privatdozentinnen an den preußischen Universitäten aus grundsätzlichen Erwägungen ablehne.

König Eduard VII. von Großbritannien tritt von London aus seine Reise nach Russland an. Über das bevorstehende Treffen mit dem Zaren schreibt die russische Zeitung “Rossija” in bezug auf Deutschland: “Die durch den Besuch König Eduards bestätigte Annäherung zwischen Russland und England bedeutet nicht eine Verletzung unserer uralten freundschaftlichen Beziehungen zu unseren Nachbarn”.

6.6.1908, Samstag

Die russische Reichsduma (Parlament) in Petersburg (1924- 1991 Leningrad) lehnt mit 194 gegen 78 Stimmen einen Kredit von 11 Mio. Rubel (35,5 Mio. Mark) zum Bau neuer Schlachtschiffe ab. An den Neuaufbau der Flotte könne erst nach einer Reorganisation des Marineministeriums gegangen werden betont der Führer der Oktobristen, Alexandr I. Gutschkow. Der russische Staatshaushalt leidet immer noch an den Folgen des verlorenen Kriegs gegen Japan 1905.

Durch eine Explosion in einer Zelluloidfabrik in Wien-Ottakring kommen 18 Menschen ums Leben.

7.6.1908, Sonntag

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wendet sich auf seinem 13. Bundestag in Berlin gegen ein generelles Spielverbot an Sonntagen und gegen eine geplante Vergnügungssteuer für DFB-Veranstaltungen.

Viktoria 89 Berlin wird durch einen 3:1-Sieg über die Stuttgarter Kickers in Berlin Deutscher Fußballmeister.

Die Wahlen zur Sobranje, dem bulgarischen Parlament in Sofia, enden mit einem überwältigenden Erfolg der regierenden Demokratischen Partei unter Ministerpräsident Alexandr Malinow. Die Demokraten gewinnen 170 der 204 Parlamentssitze.

Abd Al Hafis zieht unter dem Jubel der Bevölkerung in Fès ein, von wo die Rebellion gegen seinen Bruder Abd Al Asis im Januar ausgegangen ist. Mit Ausnahme von Casablanca sind bereits alle größeren Städte auf seiner Seite.

Deutschland verliert ein Fußball-Länderspiel gegen Österreich in Wien 2:3.

8.6.1908, Montag

Auf Befehl von Schah Mohammad Ali, der sich außerhalb der Stadt aufhält, werden in Teheran zahlreiche bekannte Persönlichkeiten verhaftet. Mit dieser Festnahme angeblicher Verschwörer beginnt der persische Herrscher seinen Putsch zur Ausschaltung des Parlaments.

9.6.1908, Dienstag

Der britische König Eduard VII. und der russische Zar Nikolaus II. treffen auf der Reede von Reval (Tallinn) in Estland zusammen. Der Besuch Eduards dauert drei Tage.

In Berlin erfolgt der Start zur ersten Prinz-Heinrich-Fahrt für Automobile. Die Fahrt führt über Kiel, Hamburg Köln und Trier nach Frankfurt, wo sie am 17. Juni endet. Sieger wird Fritz Erle-Mannheim auf einem Benz-Wagen.

10.6.1908, Mittwoch

Das australische Parlament in Melbourne verabschiedet ein Gesetz über die Einführung einer staatlichen Unterstützung für Invalide und Alte. Damit ist Australien mit seiner Sozialgesetzgebung vielen europäischen Staaten voraus.

In Paris tagt ein internationaler Bergarbeiterkongress. Ein Antrag der deutschen Teilnehmer, die Beschäftigung von Kindern unter 14 Jahren im Bergbau zu verbieten, wird angenommen. Außerdem soll nach dem Willen der Kongressteilnehmer die Frauenarbeit in Kohlenbergwerken verboten werden. Die Veranstaltung endet am 12. Juni.

In Berlin wird das Märkische Museum eröffnet. Es wurde nach Plänen des deutschen Architekten Ludwig Hoffmann errichtet.

11.6.1908, Donnerstag

Alle französischen Truppen in Marokko kehren von ihren Expeditionen ins Landesinnere nach Casablanca zurück.

12.6.1908, Freitag

Der britische Dampfer “Lusitania” der Cunard Line stellt für die Fahrt von Queenstown nach New York erneut einen Rekord auf. Für die Strecke von 5300 km braucht er 4 Tage, 20 Stunden und 7 Minuten.

Anlässlich des 60-Jährigen Thronjubiläums des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. findet auf der Wiener Ringstraße ein Huldigungsfestzug statt.

13.6.1908, Samstag

Eine Demonstration von 10 000 Frauenrechtlerinnen in London verläuft ohne Zwischenfälle. Die Frauen ziehen vom Embankment bis zur Albert Hall, wo sie eine Veranstaltung für das Stimmrecht abhalten.

Eine 2000 Mann starke Truppe des marokkanischen Sultans Abd Al Asis in Alkassar kündigt diesem die Gefolgschaft und erkennt Abd Al Hafis als neuen Herrscher an. Wer sich widersetzt, wie der Führer der Truppe, wird gefangengenommen und zu Abd Al Hafis nach Fès geschickt.

Der Vizekönig der chinesischen Provinz Kanton zahlt für die Beschlagnahmung des Dampfers “Tatsu Maru” an den japanischen Reeder eine Entschädigung von umgerechnet 872 000 Mark. Damit endet der Konflikt zwischen China und Japan.

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. bestätigt in Berlin den Spruch eines Ehrengerichts, der dem preußischen Major Bernhard Graf von Hohenau den Offizierstitel entzieht und ihn aus der Armee ausstößt. Hohenau war während der Harden-Prozesse unter den Verdacht geraten, homosexuelle Beziehungen zu Untergebenen unterhalten zu haben. Wilhelm II. erlässt zudem eine Kabinettsordre, die alle Generäle anweist, Soldaten, die sich “homosexueller Verfehlungen” schuldig machen, streng zu bestrafen.

Der kanadische Boxweltmeister aller Klassen, Tommy Burns, schlägt den Australier Bill Squires in Paris in der achten Runde k. o.

14.6.1908, Sonntag

In Danzig findet die 8. Hauptversammlung des Deutschen Flottenvereins statt. Zum neuen Präsidenten wird Großadmiral Hans von Köster gewählt. Er soll das Ansehen der größten Vereinigung im Deutschen Reich wiederherstellen, das unter inneren Streitigkeiten schwer gelitten hat.

In der französischen Afrikakolonie Mauretanien brechen Unruhen aus. In der Nähe der Stadt El Moinan (80 km von Tidjikja) findet ein Gefecht zwischen französischen Soldaten und 30 Mauren statt. Dabei werden der Kommandant der französischen Truppe und ein Sergeant getötet. Die aufständische Bewegung gegen die Besatzungstruppen greift immer mehr um sich.

15.6.1908, Montag

Die “Dortmunder Zeitung”” zitiert die Ansprache Kaiser Wilhelms II. an die 2. Garde-Infanterie-Brigade vom 29. Mai.

In Friedrichshafen am Bodensee wird das neue Zeppelin-Luftschiff “LZ 4” fertiggestellt. Es ist mit zwei Gondeln, die 18 Personen aufnehmen können, ausgestattet.

16.6.1908, Dienstag

Trotz des Dreiklassenwahlrechts enden die preußischen Landtagswahlen mit einem Erfolg der Sozialdemokraten. Sie erringen sieben Mandate.

Vor der Küste der japanischen Hafenstadt Kagoschima sinken in einem Taifun 50 Fischerboote. 350 Menschen kommen ums Leben.

In Chicago beginnt ein dreitägiger Nationalkonvent der Republikanischen Partei. US-Präsident Theodore Roosevelt bekräftigt vor seinen Parteifreunden die 1904 gemachte Aussage, kein zweites Mal für das Amt des Präsidenten kandidieren zu wollen.

Die russische Reichsduma (Parlament) in Petersburg (1924- 1991 Leningrad) beschließt die Verlegung eines zweiten Gleises der Transsibirischen Eisenbahn. Laut Kostenvoranschlag werden für dieses Projekt 127 Mio. Rubel (410 Mio. Mark) benötigt.

17.6.1908, Mittwoch

An der Westküste von Sumatra (Indonesien) brechen wegen einer geplanten Steuer Unruhen aus. Bei Kämpfen zwischen den Einheimischen und niederländischen Kolonialtruppen werden 90 Menschen getötet.

Der “Diamantenerzeuger” Henri Lemoine ist aus Paris geflohen. Er hätte heute dem Untersuchungsrichter einen künstlich hergestellten, 900karätigen Diamanten abliefern sollen. In einem Kuvert, das in einem Londoner Safe verwahrt war, wird Lemoines “Rezept für die Diamantenproduktion” gefunden: “Man nimmt Kohle, kristallisiert dieselbe und setzt sie genügender Pression aus, dann hat man den Diamanten.” Nach Lemoine wird international gefahndet.

Der katholisch-konservative Anton Schobinger wird als Nachfolger von Joseph Zemp in Bern zum Schweizer Bundesrat gewählt.

18.6.1908, Donnerstag

Der republikanische Nationalkonvent in Chicago wählt Kriegsminister William Howard Taft zum Präsidentschaftskandidaten. Als Kandidat für die Vizepräsidentschaft wird James S. Sherman nominiert.

Der serbische Ministerpräsident Nikola Pasic gibt König Peter I. seinen Rücktritt bekannt.

In Indianapolis, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Indiana, beginnt ein dreitägiges Sängerfest des Nordamerikanischen Sängerbundes. Am ersten Konzert nehmen 87 Gesangvereine aus 27 Städten und 2000 Kinder teil.

19.6.1908, Freitag

Der bisher friedlich verlaufene Agrarstreik in der italienischen Provinz Parma wird radikaler. Im Bahnhof der gleichnamigen Provinzhauptstadt trifft ein Zug mit 500 Ersatzlandarbeitern ein, die von Streikenden angegriffen werden. Als die Polizei einschreitet kommt es zu Schlägereien. Die blutigen Zusammenstöße setzen sich auch am nächsten Tag fort.

20.6.1908, Samstag

Die Gesamtanlage des Ruhrorter Hafens ist fertiggestellt. Der größte Flusshafen Europas umfasst eine Wasserfläche von 155 ha und Lagerplätze (einschließlich Industriegelände) von 143 ha. Das Umschlagsufer ist 40 km lang.

In London beginnt ein einwöchiger Pananglikanischer Kongress, an dem Geistliche aus allen Teilen des britischen Reiches teilnehmen.

21.6.1908, Sonntag

Im Londoner Hydepark versammeln sich 250 000 Menschen, um für das Frauenstimmrecht zu demonstrieren.

Im sog. Bialystoker Pogromprozess in Petersburg (1924- 1991 Leningrad) werden die Urteile verkündet. Von 29 Angeklagten werden 15 freigesprochen, die anderen zu sechs Monaten bis drei Jahren Gefängnis verurteilt. 1906 war es in der weißrussischen (heute polnischen) Stadt Bialystok zu einem geplanten Judenpogrom gekommen, bei dem 75 Juden ermordet worden waren.

Im US-amerikanischen Bundesstaat Texas werden bei Hemphill sechs Schwarze gelyncht, die wegen Mordes an einem Weißen verhaftet worden waren. Eine aufgebrachte Schar Weißer stürmt das Gefängnis und tötet die Verhafteten. Bei der Verfolgung von anderen Schwarzen werden drei weitere Menschen erschossen.

Die kleine Tiroler Ortschaft Zirl in der Nähe von Innsbruck wird durch ein Feuer fast ganz zerstört. 164 Häuser werden eingeäschert, die meisten Familien obdachlos. Acht Personen finden in den Flammen den Tod.

An der Münchner Hofoper findet eine Jubiläumsaufführung von Richard Wagners Oper “Die Meistersinger von Nürnberg” unter der Leitung von Hans Richter statt. Vor 40 Jahren wurde die Oper hier uraufgeführt. Richter half damals bei der Einstudierung.

22.6.1908, Montag

In Hamburg beginnt unter dem Vorsitz von Karl Legien der VI. Deutsche Gewerkschaftskongress.

Der Studentenstreik an den österreichischen Universitäten wird eingestellt, da sich der Kirchenrechtsprofessor Ludwig Wahrmund mit seiner Versetzung von der Innsbrucker an die Prager Universität einverstanden erklärt hat.

23.6.1908, Dienstag

Der Prinz von Wales weiht in London den sog. Rotherhithe-Tunnel unter der Themse ein. Der etwa 2 km lange Tunnel verbindet Rotherhithe mit Shepney.

Der Schah von Persien, Mohammad Ali, lässt das Parlamentsgebäude in Teheran durch ein Kosakenregiment beschießen.

24.6.1908, Mittwoch

Die USA brechen die diplomatischen Beziehungen zu Venezuela ab. Washington begründet diesen Schritt damit, dass Venezuela verabsäumt habe, für die amerikanischen Verluste während der Revolte 1899 die geforderten und von einem Schiedsgericht bestätigten Reparationen zu zahlen.

In Deutsch-Südwestafrika wird der Bau der Eisenbahnstrecke zwischen Keetmanshoop und Lüderitzbucht vollendet.

Die ungarische Regierung entzieht der Münchner satirischen Zeitschrift “Simplicissimus” das Recht auf Postbeförderung. Der Grund für diese Maßnahme ist eine Karikatur der Ungarn und des ungarischen Handelsministers Franz von Kossuth anlässlich des Kaiserhuldigungsfestzuges auf der Wiener Ringstraße am 12. Juni.

Der spanische Transatlantik-Dampfer “Larache” fährt in der Nähe von La Coruña im Nebel auf eine Klippe und sinkt sofort. 151 Menschen kommen ums Leben.

25.6.1908, Donnerstag

Zu Ehren des deutschen Kaisers findet in Hamburg ein Fest auf der Alster statt. In seiner Dankesrede spricht Wilhelm II. die Hoffnung aus, der Hamburger Handel möge sich “unter dem Schutze eines ehrenhaft bewahrten Friedens”, für den die Armee und die Marine bürgten, positiv weiterentwickeln.

Die Robert-Koch-Stiftung zur Bekämpfung der Tuberkulose in Berlin erhält die landesherrliche Genehmigung. Die Stiftung wird von dem Bakteriologen Robert Koch selbst geleitet und verfügt über ein Startkapital von 900 000 Mark.

Bei Lüderitzbucht im Süden der Kolonie Deutsch-Südwestafrika wird ein Diamantenfeld von 15 km Ausdehnung erschlossen. Es liegt jeweils zur Hälfte auf Regierungsgebiet und auf Land der deutschen Kolonialgesellschaft.

26.6.1908, Freitag

Ein berittener Trupp von 200 Revolutionären greift die mexikanische Stadt Viesca an und zerstört die Telegraphenmasten und die Eisenbahnschienen.

In Köln endet eine Konferenz einer ministeriellen Kommission, die den baulichen Zustand des Kölner Doms untersucht hat. Angesichts herabstürzender kleinerer und größerer Mauerteile sowie kostbaren Stucks wird dringend die Renovierung des Doms empfohlen.

In Berlin wird der preußische Landtag eröffnet. Bevor das “Hoch!” auf den König ausgebracht wird, verlassen die neugewählten sozialdemokratischen Abgeordneten demonstrativ den Saal.

27.6.1908, Samstag

In Barcelona explodiert wieder eine Bombe, die einen Menschen schwer, einen zweiten leicht verletzt. Der Anschlag von Anarchisten erfolgt während eines historischen Reiterumzugs.

Der russische Reichsrat in Petersburg (1924- 1991 Leningrad) genehmigt mit 113 gegen 35 Stimmen die Kredite für den Bau von vier Kriegsschiffen, den die Reichsduma am 6. Juni dieses Jahres abgelehnt hat.

28.6.1908, Sonntag

Der persische Schah Mohammad Ali ernennt den russischen Oberst der Kosakenbrigade Liakhow zum Generalissimus der aktiven Armee mit diktatorischen Vollmachten.

Die Radsternfahrt Wien- Berlin endet mit dem Sieg des Rennfahrers Hans Ludwig aus Sossenheim. Er legt die 600 km lange Strecke in 28:16:12 h zurück.

29.6.1908, Montag

In Berlin beginnt der Meineidsprozess gegen den ehemaligen Vertrauten von Kaiser Wilhelm II., Philipp Fürst zu Eulenburg und Hertefeld. Eulenburg wird in einem Krankenwagen in das Gerichtsgebäude gebracht. Der Prozess wird schließlich am 16. Juli wegen der schweren Krankheit Eulenburgs ergebnislos abgebrochen.

30.6.1908, Dienstag

Aus Kopenhagen und anderen skandinavischen und osteuropäischen Städten wird eine unerklärliche Lichterscheinung am östlichen Horizont gemeldet. Sie stammt von einer gewaltigen Explosion, die sich im Tunguska-Gebiet in Zentralsibirien ereignet hat.

In den Berliner Sport-Club werden ab sofort auch Frauen aufgenommen.

Mit 37 Jahren ist Charlotte Sterry die bisher älteste Siegerin des Tennisturniers in Wimbledon. Die Britin schlägt Agatha Morton in zwei Sätzen. In fünf Sätzen gewinnt Arthur W. Gore am 1. Juli das Endspiel im Herren-Einzel gegen Herbert Roper-Barrett.