Was geschah im Juni 1913

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Wetterstationen Juni 1913

1.6.1913, Sonntag

Bei einem Treffen in Zaribrod an der bulgarisch-serbischen Grenze vereinbaren der serbische Ministerpräsident Nikola Pašic und der bulgarische Ministerpräsident Iwan E. Geschow, eine Konferenz der vier Balkanstaaten Bulgarien, Griechenland, Montenegro und Serbien zu initiieren, um die Gebietsstreitigkeiten zu erörtern.

In Düsseldorf beginnt eine dreitägige Delegiertenkonferenz des Reichsverbandes der deutschen Presse. In einer Resolution verwahren sich die Delegierten gegen die Forderung aus Kreisen des deutschen Militärs, keine Nachrichten über militärische Ereignisse in Zeitungen und Zeitschriften zu veröffentlichen.

Bei einer Segelpartie auf der Dahme – einem rund 100 km langen linken Nebenfluss der Spree – ertrinken sechs Personen, als ein mit elf Personen überladenes Boot kentert.

In einer Zeit von 2:23,6 min gewinnt der dreijährige Fuchshengst Csardas aus dem Gestüt Oppenheim den mit 100 000 Mark dotierten Großen Preis von Hamburg.

In München wird die Internationale Kunstausstellung mit einem feierlichen Festakt von Prinzregent Ludwig von Bayern als Schirmherrn eröffnet. Die Ausstellung zeigt bis zum 31. Oktober etwa 3600 Objekte europäischer Künstler aus den Bereichen Malerei, Graphik, Bildhauerei und Architektur.

Beim traditionellen, über 25 km führenden Großstaffellauf Potsdam- Berlin siegt der favorisierte Berliner Sportclub in 1:02:43 h vor dem Sportclub Charlottenburg, der für die Strecke 1:03:66,6 h benötigt.

2.6.1913, Montag

Der französische Allgemeine Arbeiterverband veranstaltet in Marseille, Rennes, Bordeaux, Lyon und Toulon Kundgebungen gegen die Einführung der dreijährigen Wehrdienstzeit.

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. nimmt auf dem Tempelhofer Feld die diesjährige Frühjahrsparade der Berliner Garnison ab. Wegen der großen Hitze findet sie mit verkürztem Programm statt.

Ein Diner in New York endet mit einer Pockenimpfung. Während eines Essens beim ehemaligen Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Berlin, Charlemagne Tower, stellt ein Arzt bei einem seiner Diener eine Pockenerkrankung fest. Nach US-amerikanischem Gesetz ist die gesamte Dinergesellschaft zu einer sofortigen Impfung verpflichtet, die auch unverzüglich durchgeführt wird.

3.6.1913, Dienstag

Im Rahmen der preußischen Landtagswahlen finden die Wahlen zum Abgeordnetenhaus statt. Die am 17. Mai nach dem Dreiklassenwahlrecht bestimmten Wahlmänner bewirken bei der Mandatsverteilung eine geringfügige Verschiebung zugunsten der liberalen Parteien und der Sozialdemokraten auf Kosten der konservativen Parteien.

Der Budapester Gerichtshof spricht den oppositionellen Abgeordneten Zoltan Desy von der Anklage der Beleidigung des ungarischen Ministerpräsidenten Ladislaus von Lukács frei. Desy hatte ihn der privaten Vorteilnahme im Amt während seiner Amtszeit als ungarischer Finanzminister von 1910 bis 1912 bezichtigt.

Die Mongolei erhält von der russischen Regierung einen Kredit von zwei Millionen Rubel (4 296 000 Mark) zinsfrei auf 20 Jahre bei jährlicher Tilgung. Der Kredit darf – kontrolliert vom russischen Konsulat in der mongolischen Hauptstadt Urga (heute Ulan-Bator) – nur für den Ausbau der inneren Verwaltung verwendet werden.

In Berlin werden Straßen und Plätze anlässlich des 25-Jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers am 15. Juni geschmückt. Jede Straße und jeder Platz erhält einen speziellen Grundfarbton. So wird Unter den Linden gold-schwarz-weiß geschmückt, die Leipziger Straße in den Stadtfarben der Hauptstadt weiß-rot.

4.6.1913, Mittwoch

Eine zweitägige Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft beginnt in Breslau. Ihre Beschlüsse zielen auf eine durchgreifende Einflussnahme in den vom Deutschen Reich beherrschten ostafrikanischen Gebieten.

In Paris findet eine bis zum 20. Juni dauernde Tagung der Internationalen Finanzkommission statt. Sie regelt entsprechend dem Londoner Präliminarfrieden vom 30. Mai die infolge des Ersten Balkankrieges entstandenen finanziellen Fragen.

5.6.1913, Donnerstag

Aufgrund der vom Budapester Gerichtshof am 3. Juni verworfenen Beleidigungsklage gegen den oppositionellen Abgeordneten Zoltan Desy demissioniert das Kabinett des ungarischen Ministerpräsidenten Ladislaus von Lukács.

Bei einer Motorexplosion in einer chemischen Fabrik nahe der schweizerischen Stadt Wallenstein werden drei Arbeiter getötet, zwei weitere tragen schwere Verletzungen davon.

6.6.1913, Freitag

In Kassel beginnt die 15. Mitgliederversammlung des Deutschen Vereins für Volkshygiene. Sie dauert bis zum 9. Juni und behandelt unter anderem Themen wie die Verhütung von Desinfektionen in der chirurgischen Praxis und die Hygiene an Lehranstalten.

Die Berliner Künstlervereinigung Sezession bricht auseinander, als während einer außerordentlichen Generalversammlung der Vorstand sowie ein Teil der Mitglieder austreten. Anlass ist der Vorwurf anderer Mitglieder gegenüber dem Präsidenten der Sezession, Paul Cassirer, sein Amt mit seinen Interessen als Kunsthändler verquickt zu haben.

7.6.1913, Samstag

Der österreichisch-ungarische Kaiser Franz Joseph beauftragt den bisherigen Präsidenten des ungarischen Abgeordnetenhauses, István Graf Tisza, mit der Bildung eines neuen ungarischen Kabinetts.

8.6.1913, Sonntag

Der in Leipzig tagende Verband deutscher Fischhändler fordert Maßnahmen zur Unterstützung des inländischen Fischhandels, unter anderem Frachtermäßigung für Süßwasserfische, Kennzeichnung des Inhalts von Marinaden und gleiche Regelung der Sonntags-Arbeitszeit wie im Fleischergewerbe.

Ein Großfeuer in Long Island City im US-amerikanischen Staat New York zerstört mehrere Fabriken, einen Holzhof und ein Lagerhaus. Der Schaden beträgt 952 000 US-Dollar (vier Millionen Mark).

In Berlin wird in Anwesenheit des deutschen Kaisers Wilhelm II. das für die Olympischen Spiele 1916 konzipierte Deutsche Stadion eingeweiht. An der Massenfeier nehmen 30 000 deutsche Turner und Sportler sowie insgesamt 35 000 Zuschauer teil.

Im Anschluss an die Einweihung des Deutschen Stadions in Berlin gewinnt auf dem dortigen Rasenplatz die Fußballauswahl des westdeutschen Landesverbandes durch 5:3 über die Mannschaft des Verbandes Berliner Ballspielvereine den Kronprinzenpokal (heute Amateurländerpokal).

Vor 20 000 Zuschauern – unter ihnen der deutsche Kaiser Wilhelm II. – siegt auf der Regattastrecke in Berlin-Grünau der Mainzer Ruderverein im Kaiservierer, dem bedeutendsten Rennen der klassischen Kaiserregatta, vor dem Berliner Ruderverein.

9.6.1913, Montag

Die Londoner Friedenskonferenz der europäischen Großmächte vereinbart auf ihrer abschließenden Sitzung, nach dem Ende des Ersten Balkankrieges am 30. Mai die Regelung eines endgültigen Friedensvertrages den Regierungen des Osmanischen Reiches sowie den vier Balkanbund-Staaten Bulgarien, Griechenland, Montenegro und Serbien anheimzustellen.

Der deutsche Luftschiffkonstrukteur Ferdinand Graf Zeppelin landet mit seinem Luftschiff “Sachsen” zu einem Besuch in Wien. Zuvor führt er über dem Wiener Schloss Schönbrunn ein 20minütiges Flugmanöver durch, um dem österreichisch-ungarischen Kaiser Franz Joseph zu huldigen.

Der Berliner Karl Weitling läuft in seiner Heimatstadt einen deutschen Rekord auf der 400-m-Hürden-Strecke in 1:00,4 min.

10.6.1913, Dienstag

In Budapest stellt István Graf Tisza sein im Auftrag des österreichisch-ungarischen Kaisers Franz Joseph formiertes Kabinett vor. Neuer Innenminister wird Johann Sandor, neuer Minister am Wiener Hoflager Baron Emmerich Chillany.

Die 1746 gegründete Universität von Princeton im US-amerikanischen Staat New York ernennt den deutschen Botschafter in Washington, Johann Heinrich Graf von Bernstorff zum Ehrendoktor der juristischen Fakultät.

Der österreichisch-ungarische Kaiser Franz Joseph überreicht dem 74-Jährigen deutschen Luftschifffahrtspionier Ferdinand Graf Zeppelin das selten verliehene Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft.

Die “Frankfurter Zeitung” stellt in einem Bericht die erste deutsche Blindengenossenschaft in Heilbronn vor. Die auf Anregung des Ulmer Kaufmanns Ludwig Siegel gegründete Selbsthilfeorganisation soll vor allem die Benachteiligung blinder Handwerker bei dem Bezug von Rohstoffen und dem Warenvertrieb ausgleichen.

In der Quarantänestation der österreichischen Stadt Triest treten 32 Fälle von Flecktyphus auf. Zwei der Erkrankten sterben; es sind Matrosen des von einer Mittelmeerfahrt zurückgekehrten österreichischen Dampfers “Vorwärts”.

Das britische Kriegsministerium setzt einen Preis von 5000 Pfund (102 000 Mark) für die beste britische Luftschiff-Konstruktion aus.

11.6.1913, Mittwoch

Der neue deutsche Schnelldampfer “Imperator” verlässt Cuxhaven zu seiner ersten großen Fahrt nach Southampton an der englischen Südküste und nach New York, wo er am 19. Juni eintrifft. Die “Imperator” erreicht dabei eine Spitzengeschwindigkeit von 23 sm/h (42,6 km/h).

In der Hauptstadt des Osmanischen Reiches, Konstantinopel (heute Istanbul), wird Großwesir Mahmud Sefket Pascha ermordet. Sultan Muhammad V. ernennt den bisherigen Außenminister Said Halim Pascha vorläufig zum Großwesir.

Ein Aufstand im nordmarokkanischen Rifgebiet richtet sich gegen die spanische Kolonialherrschaft. Bei der Bekämpfung des Aufstandes brennen spanische Truppen die Getreidefelder der einheimischen Bevölkerung nieder.

12.6.1913, Donnerstag

Der preußische Ministerpräsident und deutsche Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg eröffnet den am 3. Juni neugewählten preußischen Landtag.

13.6.1913, Freitag

In der istrischen Hafenstadt Pola (heute Pula) wird ein Helfer im Spionagefall des am 25. Mai 1913 gestorbenen österreichisch-ungarischen Obersten Alfred Redl verhaftet. Der 28-Jährige Maschinenmaat August Birkhoffer, der nach einem Selbstmordversuch im Marinehospital Pola liegt, besitzt wertvolle Marinedokumente sowie an Alfred Redl gerichtete Briefe.

14.6.1913, Samstag

Fürst Heinrich XXVII. von Reuß jüngere Linie verfügt anlässlich des 25-Jährigen Regierungsjubiläums des deutschen Kaisers Wilhelm II. am 15. Juni eine Amnestie, die Geldstrafen und Gefängnisstrafen bis zu sechs Wochen betrifft.

15.6.1913, Sonntag

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. feiert in der eigens zu diesem Anlass festlich geschmückten Hauptstadt Berlin sein 25-Jähriges Regierungsjubiläum. Er wurde nach dem Tod seines Vaters, Kaiser Friedrich III., am 15. Juni 1888 dessen Nachfolger als Herrscher auf dem deutschen Thron.

Unter den 2000 Teilnehmerinnen des vom bürgerlich orientierten Weltbund für das Frauenstimmrecht in Budapest veranstalteten siebten Internationalen Frauenstimmrechtskongresses vom 15. bis 21. Juni kommt es zu Meinungsverschiedenheiten über die unterschiedlichen Aktionsformen in der Frauenstimmrechtsbewegung.

Mit dem Bezug von Räumen in der am 12. Januar eingeweihten Mainzer Stadtbibliothek kann das örtliche Gutenbergmuseum künftig in Ausstellungen das Leben des um 1397 in Mainz geborenen Erfinders des Buchdrucks, Johann Gutenberg sowie die Geschichte der Drucktechnik dokumentieren.

Die seit 1873 bestehende Große Berliner Straßenbahn verzeichnet anlässlich der Feierlichkeiten zum 25-Jährigen Regierungsjubiläum des deutschen Kaisers Wilhelm II. mit 2 108 000 Fahrgästen einen Tagesrekord.

In Wien gewinnt Österreich ein Fußball-Länderspiel gegen Italien 2:0.

16.6.1913, Montag

Im deutschen Reichstag und an der Berliner Universität finden Feiern zum 25-Jährigen Regierungsjubiläum des deutschen Kaisers Wilhelm II. statt, das dieser am Vortag beging.

17.6.1913, Dienstag

Die Ministerpräsidenten der Balkanbund-Staaten Bulgarien, Griechenland, Montenegro und Serbien reisen in die russische Hauptstadt Petersburg (heute Leningrad), um in den Gebietsstreitigkeiten nach Ende des Ersten Balkankrieges die Vermittlung des russischen Zaren Nikolaus II. zu suchen.

Aufgrund eines ablehnenden Urteils des preußischen Kronprinzen und Schirmherrn der Breslauer Jahrhundertausstellung, Friedrich Wilhelm, veranlasst der Breslauer Magistrat die Absetzung des “Festspiels in deutschen Reimen” von Gerhart Hauptmann nach 14 von 18 vorgesehenen Aufführungen. Das am 31. Mai in Breslau in der Inszenierung des Berliner Regisseurs Max Reinhardt uraufgeführte Stück behandelt die Zeit der sog. Befreiungskriege 1813.

18.6.1913, Mittwoch

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. sendet dem mexikanischen Präsidenten Victoriano Huerta ein Handschreiben, in dem er dessen Regierung diplomatisch anerkennt.

Das auf dem Berliner Flugplatz Johannisthal stationierte Reichsmarineluftschiff “L 1” führt über der Ostsee ein nächtliches Manöver durch. Damit verbunden ist eine Wasserlandung bei Swinemünde und die Überprüfung der Funkkontakte mit den Radiostationen.

Der französische Kriegsminister Eugène Etienne weist in Paris mit einer Erklärung in der Abgeordnetenkammer auf die Gefahr eines massierten deutschen Angriffs hin, da gemäß der neuen deutschen Heeresvorlage die deutschen Truppen in kurzer Zeit um 500 000 Mann verstärkt werden.

19.6.1913, Donnerstag

Auf dem Berliner Flugplatz Johannisthal sterben ein Pilot und ein Mechaniker, als sie in 50 m Höhe bei ruhigem Wetter die Funktion der Stabilisatoren bei einem Doppeldecker des Typs “Freytag-Baumann” überprüfen und dabei abstürzen.

Der englische Großgrundbesitzersohn Harold Howitt verübt Selbstmord, indem er sich bei einem Pferderennen in Ascot vor galoppierende Pferde wirft. Nach einer Tagebuchnotiz will er damit auf die Sinnlosigkeit dieser Massenveranstaltung hinweisen, die lediglich die Menschen von der Arbeit abhalte.

20.6.1913, Freitag

Mit einer Ansprache des deutschen Kaisers Wilhelm II. beginnen in Hannover dreitägige Feierlichkeiten anlässlich der Einweihung des Neuen Rathauses in den Maschparkanlagen.

In Australien bildet der Liberale Joseph Cook eine neue Regierung, nachdem der bisherige Premierminister Andrew Fisher (Arbeiterpartei) am 29. April zurückgetreten war.

21.6.1913, Samstag

Der zur Radikalen Linken – einer Abspaltung der Sozialdemokraten – zählende Carl Theodor Zahle wird mit Unterstützung der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion neuer Ministerpräsident des Königreiches Dänemark und löst damit Klaus Berntsen ab.

In der Textilbranche des Raumes Bocholt sperren die Unternehmer 4000 Arbeiter aus, um den Abschluss eines neuen Tarifvertrages zu erzwingen.

22.6.1913, Sonntag

Im Großherzogtum Baden beschließen die sozialdemokratische, die nationalliberale und die fortschrittliche Partei auf ihren jeweiligen Versammlungen ein Bündnis für die Landtagswahlen am 21. Oktober 1913, um eine konservativ-klerikal orientierte Landesregierung zu verhindern.

Der Charlottenburger Leichtathlet Georg Mickler läuft in Hannover vor 4000 Zuschauern einen 1000-Meter-Weltrekord in 2:32,3 sec, und verbessert damit die alte Bestleistung um 0,7 sec. Bei der gleichen Veranstaltung erzielt Robert Pasemann mit 3,69 m einen deutschen Rekord im Stabhochsprung.

In 30:23:16 h gewinnt Paul Thiel aus Breslau die zweitägige, zumeist von strömendem Regen beeinträchtigte Radfernfahrt Wien- Berlin.

23.6.1913, Montag

Nach Auseinandersetzungen über die Gespräche mit Bulgarien in der Balkanfrage tritt der serbische Ministerpräsident Nikola Pašic zurück. Er findet im Kabinett keine Mehrheit für seine Verhandlungsbereitschaft gegenüber Bulgarien.

24.6.1913, Dienstag

Der französische Staatspräsident Raymond Poincaré reist mit Außenminister Stephan Pichon zu einem offiziellen viertägigen Besuch in die britische Hauptstadt London.

Vor dem Gebäude des osmanischen Kriegsministeriums in Konstantinopel (heute Istanbul) werden zwölf wegen des Mordes an Großwesir Mahmud Sefket Pascha am 11. Juni 1913 Angeklagte öffentlich hingerichtet.

Wegen Streitigkeiten um die Grenzziehung in Makedonien und Thrakien kündigen Serbien und Griechenland das Bündnis mit Bulgarien auf. Damit existiert der Balkanbund nicht mehr.

25.6.1913, Mittwoch

Nach einer Entscheidung des deutschen Kriegsministeriums wird das Gelände “Der Forst” bei Kassel als neuer militärischer Flugstützpunkt hergerichtet.

26.6.1913, Donnerstag

Die Hamburger Bürgerschaft billigt einen Antrag des Senats auf Errichtung einer Schiffbau-Versuchsanstalt in Hamburg. Das 1915 fertiggestellte Projekt wird durch die von Werften und Reedereien gegründete, private Hamburgische Schiffsbauversuchsanstalt GmbH betrieben.

27.6.1913, Freitag

Die im Verlauf des Ersten Balkankrieges neutrale rumänische Regierung unter Ministerpräsident Titu Liviu Maiorescu trifft militärische Vorkehrungen, um für den Fall eines erneuten Kriegsausbruches ihre Interessen vertreten zu können.

28.6.1913, Samstag

Mit einem Volksfest wird im schweizerischen Brig (Berner Alpen) die Lötschbergbahn mit dem Lötschbergtunnel eingeweiht. Der erste Zug durchfährt den 14,6 km langen neuen Tunnel nach Coppenstein (Kanton Wallis) mit 800 geladenen Gästen in 14 Minuten.

Das norwegische Parlament (Storting) billigt eine Vereinbarung mit der britischen Firma Marconi Wireless Telegraph Company Ltd. zur Errichtung einer drahtlosen Telegrafieleitung zwischen Norwegen und den USA. Gleichzeitig stellt das Storting 2 000 000 Kronen (2 250 000 Mark) für den Bau einer drahtlosen Telegrafiestation bei Stavanger zur Verfügung.

29.6.1913, Sonntag

Der Zweite Balkankrieg beginnt, als Bulgarien das auf einen Krieg ebenfalls vorbereitete Serbien angreift, um die Gebietsverteilung nach Abschluss des Londoner Präliminarfriedens vom 30. Mai 1913 in seinem Sinn zu korrigieren.

Durch einen einstimmigen Beschluss des norwegischen Parlaments (Storting) erhalten Frauen das volle Wahlrecht. Bisher war es an die Zahlung direkter Steuern gebunden.

30.6.1913, Montag

Der deutsche Reichstag nimmt das Wehrgesetz und die Deckungsvorlage in dritter Lesung mit den Stimmen der bürgerlichkonservativen Parteien an. Die Wehrvorlage sieht eine Erhöhung der Friedensstärke des Heeres bis zum 31. Oktober 1915 auf 816 000 Soldaten vor. In der Deckungsvorlage für diese bisher umfangreichste Aufrüstung seit 1871 wird eine Vermögensabgabe und eine Vermögenszuwachssteuer erhoben.

In Kopenhagen stellt der dänische Physiker Niels Bohr die Ausarbeitung eines neuen, nach ihm benannten Atommodells fertig, das auf Grundlage von Theorien des britischen Physikers Ernest Rutherford die Quantenhypothese auf die Gesetzmäßigkeiten des Wasserstoffatoms bezieht.