Was geschah im Juni 1914

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Wetterstationen Juni 1914

1.6.1914, Montag

Die US-amerikanischen Besatzungstruppen in Mexiko beschlagnahmen ein deutsches Schiff, das Waffen für die mexikanischen Regierungstruppen geladen hat. Die zunächst wegen illegaler Anlandung verhängte Geldbuße von zwei Millionen Mark wird nach längeren Verhandlungen aufgehoben und das Schiff freigegeben. Die Waffen stammen aus US-Rüstungsfirmen.

Das am 10. Mai neugewählte französische Parlament tritt in Paris erstmals zusammen. Gleichzeitig kündigt Ministerpräsident Gaston Doumergue seinen Rücktritt für den 4. Juni an und löst damit eine bis zum 16. Juni anhaltende Regierungskrise in Frankreich aus.

Infolge der unsicheren politischen Lage in Europa kommt es an der Börse von Petersburg (heute Leningrad) zu einem Kurssturz. Betroffen sind vor allem Bank- und Erdölaktien. Die russische Regierung stellt 100 000 Rubel (216 000 Mark) für den Ankauf sog. notleidender Werte bereit.

2.6.1914, Dienstag

In Mexiko-Stadt kündigt der mexikanische Präsident Victoriano Huerta entsprechend dem Ergebnis der Konferenz von Niagara Falls seinen Rücktritt an. Zur Voraussetzung macht er jedoch eine “Normalisierung” der innenpolitischen Situation.

3.6.1914, Mittwoch

Im Deutschen Reich wird ein Gesetz gegen den Verrat militärischer Geheimnisse erlassen. Die als Reichsgesetzblatt 195 veröffentliche Regelung sieht erweiterte und verschärfte Strafbestimmungen bei Geheimnisverrat vor.

Im britischen Oxford verleiht die dortige Universität dem deutschen Botschafter in Großbritannien, Karl Max Fürst von Lichnowsky, den Titel eines Ehrendoktors der bürgerlichen Rechte. Lichnowsky tritt für eine deutsch-britische Verständigung ein.

In Den Haag beschließt die Zweite Kammer des niederländischen Parlaments die Einführung einer allgemeinen Einkommenssteuer sowie einer ergänzenden Vermögensabgabe.

Die russische Heeresverwaltung verbietet ab sofort Ausländern das Überfliegen der russischen Westgrenze in ihrer gesamten Ausdehnung. Zuvor hatten deutsche Piloten wiederholt den russischen Luftraum verletzt.

Die erste ungekürzte Auslandsaufführung der Oper “Parsifal” von Richard Wagner in deutscher Sprache findet im Pariser Théâtre des Champs Elysées unter der Leitung des österreichischen Dirigenten Felix von Weingartner statt. Sie wird vom Publikum enthusiastisch gefeiert.

Die russische Tänzerin Anna P. Pawlowa beginnt ein achttägiges Berlin-Gastspiel. Die Auftritte der berühmten Ballettkünstlerin finden in der Öffentlichkeit starke Beachtung.

4.6.1914, Donnerstag

Durch den Zusammenschluss der britischen Transportarbeiter-, Kohlenarbeiter- und Eisenbahnergewerkschaften entsteht eine einheitliche gewerkschaftliche Interessenvertretung für insgesamt rund zwei Millionen Werktätige in Großbritannien.

5.6.1914, Freitag

Der Partei- und Reichstagsfraktionsvorsitzende der Nationalliberalen Partei, Ernst Bassermann, stellt in einem Schreiben an seinen Fraktionskollegen Eugen Schiffer fest: “Wir treiben dem Weltkrieg zu.” Die Nationalliberalen unterstützen – als drittstärkste Kraft im deutschen Reichstag – die Regierungspolitik von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg.

Die Delegierten der Deutschen Kolonialgesellschaft verständigen sich auf ihrer Hauptversammlung in Berlin auf den Bau neuer Eisenbahnlinien in den deutschen Kolonialgebieten. Die 1887 gegründete Gesellschaft will den deutschen Kolonialismus auf privater Ebene ausbauen.

In einer diplomatischen Note verkündet die mongolische Regierung in Urga (heute Ulan Bator) den Gesandtschaften der Großmächte in der chinesischen Hauptstadt Peking offiziell die Unabhängigkeit der Äußeren Mongolei. Die Mongolen hatten sich bereits im Jahr 1911 von China gelöst.

Prinz Friedrich Karl von Preußen, Sohn des deutschen Kaisers Wilhelm II., siegt bei einem zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1916 dienenden zweitägigen Offizierswettbewerb im Degenfechten.

6.6.1914, Samstag

Bei seinem ersten Versuch einer Regierungsbildung in Frankreich scheitert der Sozialist René Viviani, als er den sozialistischen Abgeordneten im französischen Parlament eine Zusage zur Abschaffung der dreijährigen Wehrdienstzeit verweigert.

Das Bild “Windsbraut” des österreichischen Malers Oskar Kokoschka ist Höhepunkt einer Ausstellung der Neuen Münchener Sezession.

7.6.1914, Sonntag

Die Erschießung von zwei Teilnehmern einer antimilitaristischen Demonstraton in Ancona durch die italienische Polizei führt zu Protestkundgebungen und einem Generalstreik.

8.6.1914, Montag

In Paris beauftragt der französische Präsident Raymond Poincaré den als politisch rechtsliberal geltenden Senator Pascal Ribot mit der Kabinettsbildung. Die Regierungskrise hält jedoch an: Ribot wird bereits am 12. Juni durch ein Misstrauensvotum von der Parlamentsmehrheit gestürzt.

Als erster Dampfer durchquert die 4000 Bruttoregistertonnen große “Alliance” der Panama Railroad Company den Panamakanal. Der mittelamerikanische Schifffahrtsweg zwischen Atlantischem und Pazifischem Ozean wird am 15. August offiziell eingeweiht.

9.6.1914, Dienstag

In der Berliner “Vossischen Zeitung” erscheinen unter dem Titel “Die Utopie des ewigen Friedens” Auszüge aus einem Buch des preußischen Generalfeldmarschalls Colmar Freiherr von der Goltz. Sie sind ein aufschlussreiches Dokument für die militaristische Gesinnung konservativer Kreise im Deutschen Reich.

In Bremen endet der 55. deutsche Ingenieurstag. Im Mittelpunkt der drei Tage dauernden Beratungen steht die Vereinheitlichung der Normen in der Maschinenindustrie.

10.6.1914, Mittwoch

Zwischen der Schweiz und Großbritannien wird in Bern ein Schiedsgerichtsabkommen unterzeichnet. Es sieht die Schlichtung von Streitfragen zwischen beiden Ländern vor dem Internationalen Schiedsgerichtshof im niederländischen Den Haag vor.

In Hannover wird die in gut zweijähriger Bauzeit fertiggestellte neue Stadthalle eingeweiht.

11.6.1914, Donnerstag

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. reist zu einem sechstägigen Besuch beim österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand auf das böhmische Landgut Konopište. Er wird dabei vom Chef des Reichsmarineamts, Großadmiral Alfred von Tirpitz begleitet. Dem Besuch kommt hohe politische Bedeutung zu, da sich Tirpitz – im Gegensatz zu Franz Ferdinand – für eine militärische Lösung der politischen Probleme Österreich-Ungarns in Südosteuropa ausspricht.

Vor dem britischen Unterhaus in London leugnet Außenminister Sir Edward Grey den Beginn von Verhandlungen über ein britisch-russisches Flottenabkommen. Obwohl über die sog. Tripelentente mit dem zaristischen Russland verbündet, bestehen bisher keine militärischen Absprachen zwischen beiden Staaten.

In der französischen Stadt Lyon beschließt der Internationale Leichtathletikverband die Normung aller Maße und Geräte sowie offizielle Kriterien für die Anerkennung von Weltrekorden. Dadurch wird u.a. die deutsche 4 x 100-m-Staffel nachträglich als Weltrekordhalter bestätigt; sie war im Rahmen der Olympischen Spiele am 8. Juli 1912 in Stockholm eine Zeit von 42,3 sec gelaufen.

12.6.1914, Freitag

Die Spannungen zwischen Griechenland und dem Osmanischen Reich verschärfen sich, als Griechenland mit Chios und Lesbos zwei der vom Osmanischen Reich beanspruchten Ägäischen Inseln besetzt. Die Gefahr eines Krieges wird allerdings durch das Einlenken der osmanischen Regierung gebannt. Zugleich fordert die griechische Regierung in Athen das Osmanische Reich auf, alle Repressionen gegen die griechische Minderheit auf osmanischem Boden einzustellen.

13.6.1914, Samstag

Bei einer Debatte im preußischen Abgeordnetenhaus in Berlin lehnt die Mehrheit der Parlamentarier die sozialdemokratische Forderung nach Aussetzung der laufenden Strafverfahren gegen ihre Abgeordneten, darunter Rosa Luxemburg, ab.

In Paris bildet der Sozialist und frühere Unterrichtsminister René Viviani ein neues Kabinett. Die russische Regierung äußert sich in Petersburg (heute Leningrad) besorgt über die innenpolitische Entwicklung im verbündeten Frankreich. Angesichts sozialistischer Forderungen nach Abschaffung der dreijährigen Wehrdienstzeit sieht sie die Kriegsbereitschaft des Bündnispartners gefährdet.

14.6.1914, Sonntag

Im rumänischen Konstanza trifft der russische Zar Nikolaus II. in Begleitung von Außenminister Sergei D. Sasonow zu einem offiziellen Besuch ein. Die politischen Gespräche zwischen der russischen und rumänischen Regierung gelten als Annäherung Rumäniens an die Staaten der sog. Tripelentente (Russland, Großbritannien, Frankreich).

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) kommt in Paris zu seiner 16. Session zusammen. Zu Beginn der Beratungen wird erstmals offiziell die Olympiafahne gehißt. Entworfen von dem IOC-Initiator und -Präsidenten Pierre Baron de Coubertin, wird sie mit ihren fünf Ringen zum Symbol der olympischen Bewegung.

In einem Freundschaftsspiel unterliegt der deutsche Fußballmeister SpVgg Fürth dem österreichischen Spitzenklub Rapid Wien 1:2.

15.6.1914, Montag

Anlässlich des Besuches des deutschen Kaisers Wilhelm II. auf dem böhmischen Landgut Konopište vom 11. bis 16. Juni fordert der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen dem Dreibund (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Italien) und Rumänien. Obwohl dem Dreibund seit 1883 angegliedert, hat sich Rumänien den Staaten der sog. Tripelentente (Frankreich, Großbritannien, Russland) genähert.

Zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien wird ein Abkommen über den Bau der sog. Bagdadbahn geschlossen. Damit zieht die britische Regierung ihre Bedenken gegen das Eisenbahnprojekt im Osmanischen Reich zurück. Die vor allem von deutschen Kapitalgebern finanzierte Bahnlinie soll auch innerhalb britischer Herrschaftsbereiche verlaufen.

16.6.1914, Dienstag

Nach einer Verordnung der elsass-lothringischen Regierung sollen künftig alle wehrpflichtigen Rekruten ihren Dienst nur noch außerhalb des deutschen Reichslandes ableisten. Im Verlauf der sog. Zabern-Affäre war es zu Querelen zwischen deutschen Offizieren und elsass-lothringischen Wehrpflichtigen gekommen.

Im französischen Parlament in Paris gibt der neue französische Ministerpräsident René Viviani eine Regierungserklärung ab. Dabei lehnt er eine Abschaffung der 1913 eingeführten dreijährigen Wehrdienstzeit ab. Die Abgeordneten sprechen ihm ihr Vertrauen aus, womit die seit dem 4. Juni anhaltende Regierungskrise beendet wird.

Auf einer Konferenz zwischen Vertretern der mexikanischen Aufständischen und einer Delegation der US-Regierung in Buffalo (US-Bundesstaat New York) lehnen die Rebellen das Abkommen von Niagara Falls ab. Aufgrund der innenpolitischen Lage in Mexiko beanspruchen sie das Präsidentenamt für sich.

In der norwegischen Hauptstadt Christiania (heute Oslo) beginnt die sog. Spitzbergen-Konferenz unter Beteiligung von acht europäischen Staaten sowie den USA. Die Delegierten beschäftigen sich mit dem politischen Status der Insel.

17.6.1914, Mittwoch

Mit der Einweihung des Hohenzollernkanals besteht ein durchgehender Grosschifffahrtsweg zwischen Berlin und der Ostsee.

Der Nationalrat der Schweiz in Bern verabschiedet ein Gesetz zur Regelung der Fabrikarbeit. Es schreibt u.a. den Zehnstundentag fest, schränkt die Nacht- und Sonntagsarbeit ein und verbietet sie für Frauen sowie Jugendliche unter 18 Jahren. Vergleichbare Arbeitsschutzgesetze gibt es in anderen Staaten bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts.

Die britische Marine beteiligt sich mit 2,2 Millionen britischer Pfund (44,9 Millionen Mark) an einer britisch-persischen Ölgesellschaft. Nach Angaben des Ersten Lords der Admiralität Winston Churchill, soll der Mitbesitz an Ölfeldern die Versorgung der Flotte von ausländischen Konzernen unabhängig gestalten.

In Petersburg (heute Leningrad) untersagt der russische Kriegsminister Wladimir A. Suchomlinow allen Angehörigen der russischen Armee den Genuss alkoholischer Getränke jeder Art während der Dienstzeit.

18.6.1914, Donnerstag

Bei einem Treffen mit dem französischen Botschafter in Russland, Maurice Paléologue, spricht sich der französische Ministerpräsident René Viviani in Paris ausdrücklich für eine Beibehaltung der 1913 eingeführten dreijährigen Wehrdienstzeit aus. Mit dieser anschließend dem russischen Zaren Nikolaus II. übermittelten Erklärung entspricht Viviani Forderungen des Bündnispartners.

Nach der Fertigstellung der Funkverbindung zwischen den deutschen Kolonien Togo und Südwestafrika verwirklicht die Deutsche Gesellschaft für Telegraphie eine Funkverbindung von Nauen (bei Berlin) nach Südwestafrika über eine Strecke von rund 8200 km.

Der Schweizer Radrennfahrer Oscar Egg stellt mit einer zurückgelegten Strecke von 44,247 km einen Weltrekord im Stundenfahren auf. Seit 1907 konkurriert er mit dem Franzosen Marcel Berthet um den Stundenweltrekord. Letzter Rekordhalter war Berthet mit 43,775 km, gefahren am 20. September 1913.

19.6.1914, Freitag

In Paris bewilligt die französische Abgeordnetenkammer eine Rüstungsanleihe in Höhe von 800 Millionen Francs (640 Millionen Mark). 600 Millionen Francs (480 Millionen Mark) dienen Heer und Flotte, während 200 Millionen Francs (160 Millionen Mark) den Kolonialtruppen in Marokko zur Verfügung gestellt werden sollen.

20.6.1914, Samstag

Zu Beginn seines viertägigen Besuches in Hamburg wohnt der deutsche Kaiser Wilhelm II. dem Stapellauf des 55 000 Bruttoregistertonnen großen Dampfers “Bismarck” bei.

Bei einem Flugunglück in Wien sterben neun Menschen. In 400 m Höhe stößt das Militärluftschiff “Körting” mit einem Flugzeug zusammen und explodiert.

21.6.1914, Sonntag

Die zwölfte Tagung der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten beschäftigt sich bei ihren bis zum 22. Juni dauernden Beratungen in Leipzig u.a. mit den Problemen jugendlicher Prostituierter. Die Delegierten weisen dabei auf die Land-Stadt-Wanderung hin, die nach ihrer Ansicht bei vielen Minderjährigen zu finanziellen Problemen führt und sie in die Prostitution treibt.

In Leipzig beginnt eine zweitägige Delegiertenversammlung des Reichsverbandes der deutschen Presse (sog. Pressetag). Im Mittelpunkt steht die Frage einer nationalen Nachrichtenagentur für die Auslandsberichterstattung.

Die österreichische Schriftstellerin und Friedensnobelpreisträgerin von 1905, Bertha Freifrau von Suttner, stirbt im Alter von 71 Jahren in Wien.

22.6.1914, Montag

In München beginnt der neunte Kongress der freien deutschen Gewerkschaften. Während der bis zum 27. Juni dauernden Beratungen werden vor allem soziale Probleme und Fragen der gewerkschaftlichen Organisation behandelt.

23.6.1914, Dienstag

Ein Geschwader der britischen Flotte trifft anlässlich der Kieler Woche zu einem Besuch im deutschen Marinestützpunkt Kiel ein.

In Frankreich beginnt ein dreitägiger Streik im Postwesen, nachdem den Beschäftigten eine Zulage von 100 Francs jährlich (80 Mark) verweigert worden ist. Der Ausstand endet, als die Regierung eine Berücksichtigung der Forderung bei den Haushaltsberatungen zusichert.

24.6.1914, Mittwoch

Der serbische König Peter I. Karadordevic legt in Belgrad seine Amtspflichten vorübergehend in die Hände von Kronprinz Alexander. Peter I. muss aufgrund einer Krankheit eine Kur antreten.

In der serbischen Hauptstadt Belgrad wird der Abschluss eines Konkordates mit der Römischen Kurie bekanntgegeben. Seit den Balkankriegen 1912/13 hat sich aufgrund von Gebietserweiterungen die Zahl der Katholiken in Serbien vervielfacht.

Unterhändler des mexikanischen Präsidenten Victoriano Huerta und des Rebellenführers Venustiano Carranza vereinbaren die Aufnahme von Verhandlungen. Dadurch soll die innenpolitische Krise beendet und eine provisorische Regierung in der Nachfolge Huertas gebildet werden.

In Holtenau bei Kiel wird der Erweiterungsbau des Kaiser-Wilhelm-Kanals (heute Nord-Ostsee-Kanal) in Anwesenheit des deutschen Kaisers Wilhelm II. in Betrieb genommen.

25.6.1914, Donnerstag

Das Osmanische Reich erteilt in Konstantinopel (heute Istanbul) einer deutsch-britischen Gesellschaft die Konzession zur Ausbeutung von Erdölvorkommen in Mesopotamien. Um die Konzession hatte sich u.a. auch die US-amerikanische Ölfirma Standard Oil Company beworben.

In der niederländischen Hauptstadt Den Haag endet die elftägige dritte internationale Opiumkonferenz. Die beteiligten Staaten vereinbaren die Ratifizierung des 1912 geschlossenen Opiumabkommens (sog. Haager Abkommen). Es sieht ein Verbot des Opiumanbaus und -vertriebs vor.

26.6.1914, Freitag

Im Mittelpunkt der 40. Tagung des Deutschen Ärztebundes in München stehen Vereinbarungen mit den Krankenkassen zur Ausgleichung von Behandlungskosten. Der sog. Ärztetag gilt seit 1873 als zentrales Forum der Ärzteschaft.

27.6.1914, Samstag

Die österreichische Regierung eröffnet in Wien ein Büro zur Anwerbung von Söldnern für Albanien. Die Freiwilligen – bereits am ersten Tag melden sich 2000 Mann – sollen unter dem Kommando der albanischen Regierung den Einfluss Österreich-Ungarns in dem Nachbarstaat Serbiens stärken.

Der farbige US-Amerikaner Jack Johnson verteidigt seinen Titel als Boxweltmeister aller Klassen in Paris durch einen Punktsieg nach 20 Runden gegen Frank Moran. Johnson – erster farbiger Boxweltmeister – ist wegen seiner Hautfarbe seit dem Gewinn des ersten Titels 1908 umstritten.

28.6.1914, Sonntag

Der 19-Jährige bosnische Nationalist Gawrilo Princip verübt in Sarajewo (Bosnien) ein tödliches Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand. Das Ereignis löst aufgrund seiner politischen Brisanz in ganz Europa hektische diplomatische Aktivitäten aus. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. bricht auf die Nachricht aus Sarajewo hin seinen Besuch bei der Kieler Woche ab und kehrt nach Berlin zurück.

Im mit 125 000 Mark dotierten Deutschen Derby auf der Galopprennbahn in Hamburg-Horn siegt Gestüt Oppenheims Ariel mit eineinhalb Längen Vorsprung vor Terminus in der Rekordzeit von 2:33,6 min.

29.6.1914, Montag

Die Zeitungen in den Hauptstädten der europäischen Großmächte verurteilen das Attentat auf den österreichischen Erzherzog Franz Ferdinand vom 28. Juni fast einhellig. Gleichzeitig wird auf die Gefahr eines europäischen Krieges hingewiesen.

Griechenland und das Osmanische Reich vereinbaren die Einsetzung einer Kommission zur Überwachung der Auswanderung griechischer Staatsbürger aus den osmanischen Gebieten. Die griechische Regierung hatte am 12. Juni in scharfer Form in Konstantinopel (heute Istanbul) wegen angeblicher Repressionen gegenüber Griechen protestiert.

30.6.1914, Dienstag

Der Leichnam des am 28. Juni erschossenen österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand wird zunächst nach Triest und am 1. Juli nach Wien überführt. Franz Ferdinand wird am 3. Juli auf Schloss Artstetten (Niederösterreich) beigesetzt.