Was geschah im Juni 1922

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Wetterstationen Juni 1922

1.6.1922, Donnerstag

Der Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen Presse verabschiedet eine Entschließung über die Unterdrückung der Pressefreiheit in den besetzten Gebieten, worin er gegen die Einflussnahme der Besatzungsbehörden protestiert.

Seit dem Monat Juni des Vorjahres ist die zirkulierende Geldmenge des Deutschen Reiches von 84,9 auf 180,8 Mrd. Mark gestiegen. Für einen US-Dollar erhält man z. Z. 273 Mark.

Im Dresdner Ausstellungspalast wird die erste “Jahresschau Deutscher Arbeit” als Ausstellung von Glas- und Keramikindustrie unter dem Titel “Deutsche Erden” eröffnet.

In einem Bericht über die bürgerkriegsähnlichen Zustände in Irland vor dem britischen Unterhaus in London betont Großbritanniens Kolonialminister Winston Churchill den Ernst der Lage auf der Nachbarinsel.

Die “Frankfurter Zeitung” veröffentlicht einen Bericht über die Berufschancen von Frauen in den USA. Demnach besteht dort ein Überangebot an Arbeitskräften in den üblichen Berufen für weibliche Arbeitnehmer. Die Zeitung warnt damit die “auswanderungslustigen deutschen Frauen” vor allzugroßen Illusionen.

2.6.1922, Freitag

Der Landtag von Oldenburg beschließt die Aufhebung der Standesvorrechte des herzoglichen Hauses von Oldenburg.

50 000 faschistische Schwarzhemden erzwingen in Bologna unter Benito Mussolinis Führung den Rücktritt des linksorientierten Präfekten.

Der polnische Graf Joseph Sokolowski meldet von seinem derzeitigen Aufenthaltsort auf dem Dampfer “France” den Abschluss eines Abkommens mit dem US-amerikanischen Drogensyndikat über den Import von Sprudel aus Bad Nauheim in die Vereinigten Staaten im Wert von etwa 1,5 Mio. US-Dollar (rund 450 Mio. Mark)

3.6.1922, Samstag

Das mit der 52. Jahresversammlung des Allgemeinen Deutschen Musikvereins verbundene zwei Wochen dauernde Tonkünstlerfest beginnt in Düsseldorf.

An der Pariser Oper werden Igor Strawinskis Werke “Mavra”” und “Renard” uraufgeführt.

Als letzte Vorstellung des vom Frankfurter Schauspielhaus veranstalteten “Zyklus moderner Dramen” wird der erste Teil der Trilogie “Nach Damaskus” von August Strindberg aufgeführt.

4.6.1922, Sonntag

Auf Philipp Scheidemann (MSPD), Oberbürgermeister von Kassel und erster Präsident der deutschen Republik (13.2.1919- 20.6.1919), verübt ein Angehöriger der rechtsextremen Organisation Consul ein Säureattentat.

5.6.1922, Montag

In Moskau wird ein Bulletin veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass Wladimir I. Lenin schwer erkrankt sei und völlige Ruhe brauche.

Das Hessische Landestheater in Darmstadt bringt “Stürme” von Fritz von Unruh zur Uraufführung.

Auf dem zu Pfingsten in Paris stattfindenden Parteitag der französischen Sozialisten kritisiert der Großteil der Delegierten die Außenpolitik von Raymond Poincaré. Er bekämpfe die deutschen Pazifisten ebenso wie die Alldeutschen und provoziere die wirtschaftliche Isolation Frankreichs.

6.6.1922, Dienstag

Auf einer Tagung des Zweckverbandes nordwestdeutscher Wirtschaftsvertretungen in Hamburg betont Hugo Stinnes in bezug auf die angedrohten französischen Sanktionen, eine Besetzung des Ruhrgebiets würde den Franzosen keinen Gewinn bringen, sondern lediglich Kosten verursachen.

In Helsingfors (Helsinki) unterzeichnen Finnland und Sowjetrussland einen Vertrag, in dem sich beide Staaten gegenseitig die Unverletzbarkeit ihrer Grenzen garantieren.

Die Delegierten des polnischen Parlaments (Sejm) richten heftige Angriffe gegen die Regierung von Anton Ponikowski wegen des russisch-deutschen Vertrages. Ponikowski reicht daraufhin seine Demission ein. Zum neuen Ministerpräsidenten ernennt Staatspräsident Jósef Pilsudski am 25. Juni Artur Sliwinski.

7.6.1922, Mittwoch

Im US-amerikanischen Bundesstaat Ohio werden erstmals Schädlinge aus der Luft bekämpft. Von einem Luftschiff aus werden von Raupen befallene Bäume mit Bleiarsenat bestäubt.

Von Berlin aus werden erstmals drahtlos Bilder in die USA telegrafiert.

8.6.1922, Donnerstag

Wegen ihrer Zugehörigkeit zu einem deutschen Offiziersbund werden 17 ehemalige deutsche Offiziere in Wiesbaden von dem Kriegsgericht der französischen Rheinarmee zu Gefängnis und zu Geldstrafen verurteilt.

Nach harten Kämpfen mit irischen Freiheitskämpfern besetzen britische Truppen die Stadt und das Fort Bellenk in Nordirland.

In Belgrad werden die rumänische Prinzessin Marjola und Alexander I., König der Serben, Kroaten und Slowenen, getraut.

9.6.1922, Freitag

Die deutsche Regierung veröffentlicht in einer Denkschrift die bisherigen Kosten für die Besatzungstruppen. Demnach musste das Deutsche Reich seit dem Waffenstillstand von 1918 bis zum 31. März 1922 5,5 Mrd. Goldmark und 14 Mrd. Papiermark aufwenden.

In Moskau beginnt der schon seit einigen Monaten verschobene Prozess gegen rechtsgerichtete Sozialrevolutionäre vor dem Revolutionstribunal.

10.6.1922, Samstag

In Paris endet die am 24. Mai begonnene Tagung des internationalen Anleiheausschusses ohne ein Ergebnis. Frankreich war zu keiner Begrenzung der deutschen Verpflichtungen bereit, so dass keine Grundlagen für mögliche Anleihen geschaffen wurden.

11.6.1922, Sonntag

Anlässlich einer in Königsberg stattfindenden Parade zu Ehren des ehemaligen Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg veranstalten linksorientierte Kräfte eine Gegendemonstration. Es kommt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen eine Person getötet wird.

Auf einer von der Regierung veranlassten Beratung der vier Bergarbeiterverbände in Bochum lehnen die Teilnehmer ein Abkommen über Sonderschichten ab. Sie sehen darin eine faktische Erhöhung der Arbeitszeit.

Drei zur Abstimmung gelangte Volksbegehren werden von den Schweizern abgelehnt: 1. Die Forderung nach Einschränkung der Einbürgerung von Ausländern, 2. die Forderung nach Ausweisung gefährlicher Ausländer, 3. die Forderung nach dem Recht für Beamte, in den Nationalrat gewählt werden zu können.

Bei einer Volksbefragung in dem tschechischen Hultschiner Ländchen spricht sich die Mehrheit der dortigen Bevölkerung für den Anschluss an das Deutsche Reich aus.

Auf der im vergangenen Jahr eröffneten Automobilrennstrecke in Berlin, der Avus, finden die ersten offiziellen Rennen dieses Jahres für Fahrräder mit Hilfsmotor, Motorräder und Rennwagen statt.

12.6.1922, Montag

In München demonstrieren mehrere vaterländische Verbände gegen den Besuch des sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert in der bayerischen Hauptstadt. Die konservativen Verbände werfen dem sozialdemokratischen Politiker vor, durch seine Antikriegspolitik im Jahr 1918 Verrat an Deutschland verübt zu haben. Diese Vorwürfe sind Ursache für einen langwierigen Gerichtsprozess, den Ebert in den kommenden zwei Jahren führen muss.

Wegen Beleidigung des Reichspräsidenten Friedrich Ebert (MSPD) wird Joseph Smeets, ein Führer der rheinischen Separatistenbewegung, von einem Kölner Gericht zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt.

Nach einer Augenoperation stirbt Wolfgang Kapp, Initiator des Kapp-Putsches von 1920, in Untersuchungshaft.

Bei den Wahlen zur ungarischen Nationalversammlung können die bürgerlichen Parteien ihre Mehrheit behaupten.

13.6.1922, Dienstag

Das Offenburger Schwurgericht spricht den wegen Beihilfe zum Mord angeklagten Herbert Killinger frei. Killinger hatte den Mördern des Zentrums-Politikers Matthias Erzberger (der Mord geschah am 26.8.1921) zwar Hilfestellungen geleistet, jedoch kann ihm nicht nachgewiesen werden, dass er wissentlich Beistand gewährte.

Frankreich gewährt Österreich einen Kredit über 55 Mio. Francs (rund 148 Mrd. Mark) und spricht sich gleichzeitig entschieden gegen eine Vereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich aus.

Die Regierung des Freistaates Irland veröffentlicht den Entwurf für eine Verfassung des Landes, worin der Dominion-Status von Irland innerhalb des britischen Commonwealth anerkannt wird.

Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei in Österreich erklärt gegenüber Bundeskanzler Ignaz Seipel, für die Reaktionen der Arbeiterschaft auf die galoppierende Inflation keinerlei Verantwortung mehr übernehmen zu können.

14.6.1922, Mittwoch

Der deutsche Reichstag genehmigt in zweiter Lesung das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz, wodurch u.a. die Rechte der staatlichen Jugendhilfe gegenüber den erziehenden Eltern festgelegt sind.

Der Verein deutscher Motorfahrzeugindustrieller beschließt, die diesjährige Berliner Autoausstellung wegen des langen Streiks der süddeutschen Metallarbeiter abzusagen.

15.6.1922, Donnerstag

Die Hamburger Bürgerschaft genehmigt einstimmig die Senatsvorlage zum Ausbau des Hamburger Hafens. Als erste Rate für die Arbeiten müssen 150 Mio. Mark zur Verfügung gestellt werden.

Die Teilnehmer der internationalen Sachverständigenkonferenz von Den Haag, die am 26. Juni beginnt, treffen im Veranstaltungsort zu einer Vorkonferenz zusammen. Das Deutsche Reich wird wegen des mit Sowjetrussland vereinbarten Vertrages von Rapallo ausgeschlossen.

In Innsbruck beginnt die erste Tagung (bis 18.6.) der christlichen Bergarbeiter-Internationale. In der Organisation sind zwölf Länder vertreten, darunter auch das Deutsche Reich. Thema der Konferenz ist u.a. der Achtstundentag.

16.6.1922, Freitag

In London treffen der französische Ministerpräsident Raymond Poincaré und sein britischer Kollege David Lloyd George zu einem inoffiziellen Gespräch zusammen. Thema der Unterredung ist u.a. die Haltung Frankreichs in der Reparationsfrage.

Beim Ausdocken im Hamburger Hafen kentert der brasilianische Dampfer “Avaré”. 37 Menschen ertrinken im überfluteten Teil des Schiffes.

Die Wahlen im Freistaat Irland enden mit einer Mehrheit für die Vertreter der gemäßigten Richtung (92 Parlamentssitze). Die radikale Sinn-Féin-Bewegung erhält 36 Sitze.

17.6.1922, Samstag

Im Berliner Gewerkschaftshaus wird mit Unterstützung des Gewerkschaftsbundes und des Afa-Bundes (Angestelltengewerkschaft) eine Volksfilmbühne gegründet, deren Ziele denen der Volksbühnenbewegung ähnlich sind.

In Saltburn erreicht der britische Rennfahrer Malcolm Campbell am Steuer des Sunbeam einen neuen Geschwindigkeitsrekord mit 216,87 km/h. Allerdings verweigert die internationale Motorsportbehörde in Paris die Anerkennung dieser Leistung als offiziellen Weltrekord, da die Zeit von Hand und nicht mit den vorgeschriebenen elektrischen Meßeinrichtungen genommen wurde.

Im Wettbewerb um das schönste Automobil im Rahmen des Automobil- und Motorradturniers von Bad Homburg siegt ein Opel-Sportwagen mit einer Karosserie der Kruckwerke.

18.6.1922, Sonntag

Während einer Wettkampftournee auf Honolulu schlägt der US-Amerikaner Johnny Weissmuller den Olympiasieger im Rückenschwimmen, Warren P. Kealoha, über 100 Yards mit 1:04,8 min und unterbietet damit den bisherigen Weltrekord von Kealoha um 1,6 sec.

Im ersten offiziellen Länderkampf besiegt die Staffel des Deutschen Amateur-Boxverbands in Wiesbaden die Schweizer Mannschaft 12:8.

In Berlin beginnen die Deutschen Kampfspiele. Die sportliche Großveranstaltung endet am 2. Juli.

Das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft endet nach Verlängerung zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem HSV in Berlin 2:2. Der Termin für das Wiederholungsspiel wird auf den 6. August festgelegt.

Auf dem Bremer Friedhof wird ein Denkmal für die Gefallenen der Novemberrevolution von 1918 enthüllt.

Auf dem bis zum folgenden Tag in Leipzig stattfindenden internationalen Gewerkschaftskongress sprechen sich die Delegierten für die Beibehaltung des gesetzlichen Achtstundentages im Deutschen Reich aus.

In Leipzig gründet sich der Allgemeine Deutsche Beamtenbund als Alternative zum Deutschen Beamtenbund. Die Gründung ist die Folge von Auseinandersetzungen über die Teilnahme von Beamten am Eisenbahnerstreik im Februar. Die Mitglieder des neuen Bundes waren mit der positiven Haltung der bisherigen Organisation zu dem Ausstand nicht einverstanden.

Bei dem Volksbegehren in Sachsen sprechen sich die erforderlichen 30% der Stimmberechtigten für die Einführung des Volksentscheids als eine Form demokratischer Mitbestimmung in ihrem Land aus.

19.6.1922, Montag

Die “Berliner Illustrirte Zeitung” berichtet über ein neues Vorhaben des norwegischen Polarforschers Roald Amundsen. Amundsen plant, den Nordpol zu überfliegen.

20.6.1922, Dienstag

Die Reichsregierung beschließt die Erhöhung der Beamtenbezüge um etwa 20%.

Der ungarische Reichsverweser Miklós Horthy eröffnet die nach den Wahlen vom 12. Juni neugebildete Nationalversammlung, in der die bürgerlichen Parteien über die Mehrheit verfügen.

Polnische Truppen besetzen die oberschlesische Stadt Kattowitz (Katowice). Der Einzug ist eine Folge des Oberschlesienabkommens, in dem Kattowitz polnischer Oberhoheit zugesprochen wurde.

In Rio de Janeiro landen die beiden portugiesischen Flieger Gago Coutinho und Cacadura Cabrel, nachdem sie auf dem Luftweg den Atlantik überquert hatten. Dieser Flug dient der Vorbereitung einer geplanten Fluglinie über den Atlantik.

21.6.1922, Mittwoch

Der deutsche Reichstag vertagt die Diskussion über ein neues Reichsschulgesetz, da keine Einigung über die Bekenntnisschule erzielt wurde.

Großbritannien beschließt, auf die Einfuhr eines großen Teils deutscher Waren künftig einen Importzoll von 33,3% zu erheben, da die deutschen Produkte durch eine andauernde Abwertung der deutschen Mark billig auf den Markt kommen und so eine immer stärkere Konkurrenz für die einheimischen Hersteller bedeuten.

Auf dem Flugplatz der Deutschen Luftreederei in Staaken landet eine Maschine der Deutsch-Russischen Luftfahrtgesellschaft nach einem Nonstopflug aus Moskau.

22.6.1922, Donnerstag

Die spanische Regierung beschließt, die militärischen Aktionen im Norden Marokkos abzubrechen.

Auf seinem Landsitz bei London wird Feldmarschall Sir Henry Wilson von irischen Extremisten ermordet.

In seiner Rede vor dem Unterhaus in London erläutert der britische Premierminister David Lloyd George die gegenwärtige Schuldenlage und stellt fest, dass alle europäischen Staaten gegenüber den USA finanzielle Verpflichtungen haben.

Im preußischen Landtag in Berlin wendet sich Preußens Ministerpräsident Otto Braun (MSPD) gegen die im Versailler Vertrag behauptete Alleinschuld des Deutschen Reichs am Ausbruch des Weltkrieges.

Der Kongress der Zweiten Internationale in London beschließt den Abbruch der Beziehungen zur Dritten kommunistischen Internationale wegen des Moskauer Prozesses gegen die Sozialrevolutionäre.

23.6.1922, Freitag

Der Fachausschuss des deutschen Reichstages lehnt den Antrag auf Getreideumlage ab, da eine Erhöhung der Preise die unausweichliche Folge wäre.

24.6.1922, Samstag

Auf der Fahrt von seiner Villa in Berlin ins Auswärtige Amt wird Außenminister Walther Rathenau (DDP) von Angehörigen der rechtsextremen Organisation Consul erschossen.

In Österreich beginnt ein Generalstreik im gesamten staatlichen Verkehrswesen, der bis 29. Juni andauert. Hauptziel des Ausstandes ist eine rasche Änderung der Finanz- und Wirtschaftspolitik des Landes und damit verbunden ein Ende der Inflation.

Der Tausch”, ein Drama von Paul Claudel, wird im Schauspielhaus von Frankfurt am Main uraufgeführt.

25.6.1922, Sonntag

Reichskanzler Joseph Wirth (Zentrum) übernimmt zusätzlich das Amt des ermordeten Außenministers Walther Rathenau (DDP).

Bei den Landtagswahlen im Saargebiet erlangen die deutschen Parteien 28 und die Kommunisten zwei Sitze. Die frankophilen Parteien können keinen Landtagssitz erringen.

Beim 54. Deutschen Galopp-Derby in Hamburg-Horn gewinnt das Pferd Hausfreund mit Jockei W. Tarras.

26.6.1922, Montag

In Den Haag beginnt die Sachverständigenkonferenz, die sog. Haager Konferenz. Hauptthema der Zusammenkunft, die ohne Vertreter des Deutschen Reiches stattfindet, ist die Regelung der Schuldenzahlungen Sowjetrusslands an die Alliierten. Sie stammen noch aus der Zarenzeit vor und während des Weltkriegs.

Reichspräsident Friedrich Ebert (MSPD) erlässt bereits zwei Tage nach der Ermordung von Reichsminister Walther Rathenau die Notverordnung zum Schutz der Republik.

27.6.1922, Dienstag

In Berlin finden die Beisetzungsfeierlichkeiten für den ermordeten Außenminister des Deutschen Reiches, Walther Rathenau (DDP), statt.

In der US-amerikanischen Zeitung “Evening Standard” schreibt der Zeitungsverleger Randolph Hearst, Frankreich sei eine Bedrohung für den Weltfrieden; Grundgedanken und Ziele des Vertrags von Versailles müssten geändert werden.

In einer Note an den Völkerbundsrat begründet der Vatikan seine ablehnende Haltung gegenüber dem britischen Palästina-Mandat.

28.6.1922, Mittwoch

Der Reichstag genehmigt gegen die Stimmen der Abgeordneten von KPD und USPD den Gesetzentwurf über die Arbeitszeit im Bergbau unter Tage, der den Arbeitgebern in der Festlegung von Überstunden viel Freiraum läßt.

Auf der Jahrestagung der Labour Party in London wenden sich die Delegierten dagegen, das Deutsche Reich als den allein Schuldigen am Ausbruch des Weltkrieges zu sehen.

Die französische Regierung legt dem Parlament in Paris den Finanzbericht vor, in dem u.a. betont wird, dass Frankreichs Wirtschaft auf die ungekürzten Reparationszahlungen des Deutschen Reichs angewiesen sei.

29.6.1922, Donnerstag

Bei Frankfurt am Main wird der Student Ernst Werner Techow verhaftet, der am Attentat auf Walther Rathenau beteiligt war.

Bei Zusammenstößen mit französischen Besatzungstruppen werden in der oberschlesischen Stadt Hindenburg (Zabrze) 20 Menschen getötet. Anlass waren Aktionen deutscher Jugendlicher gegen die alliierten Soldaten.

30.6.1922, Freitag

Im Großen Schauspielhaus in Berlin wird das Stück “Maschinenstürmer” des Schriftstellers Ernst Toller uraufgeführt.