Was geschah im Juni 1923

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Wetterstationen Juni 1923

1.6.1923, Freitag

Die Eisenbahntarife im Personenverkehr steigen im Deutschen Reich um 100% und im Güterverkehr um 50%.

Durch das Reichsmieterschutzgesetz wird das Kündigungsrecht des Vermieters stark eingeschränkt. Das Gesetz steht im Zusammenhang mit dem seit Kriegsende herrschenden Wohnungsmangel. Nur noch in Ausnahmefällen ist durch gerichtliche Klage die Kündigung möglich.

Der Dollarkurs ist auf 74 750 Mark (pro US-Dollar) gestiegen.

Von der französischen Besatzungsbehörde im Ruhrgebiet wird das “Düsseldorfer Tageblatt” verboten – kein Ausnahmefall in den besetzten Gebieten. Die Betriebsräume der Zeitung werden besetzt.

Nach dem Erlass der Interalliierten Rheinlandkommissionen dürfen in dem besetzten Gebiet Kohlen- und Kokstransporte nur noch mit einem besonderen Erlaubnisschein durchgeführt werden, sonst werden sie beschlagnahmt.

2.6.1923, Samstag

Wegen Sabotageakten an Eisenbahn- und Telegrafenlinien wird der Stadt Duisburg von der französischen Besatzungsbehörde eine Buße von 100 Millionen Mark auferlegt. Am Vortag sind in Mettmann rund 100 Millionen Mark beschlagnahmt worden, weil die Stadt eine derartige Bußgeldzahlung nicht erbracht hat.

Im österreichischen Nationalrat beschuldigt der frühere Außenminister Ottokar Theobald Graf Czernin von und zu Chudenitz den Sozialdemokraten Karl Renner des Landesverrats, weil er im März 1919 als Staatskanzler versucht habe, eine britische Besetzung Österreichs herbeizuführen. Nach einer Erklärung Renners am 4. Juni wird Ottokar Theobald Graf Czernin von und zu Chudenitz zur Zurücknahme seiner Verleumdung aufgefordert.

Das polnische Parlament (Sejm) spricht der neuen Regierung unter Wincenty Witos gegen die Stimmen der Minderheiten das Vertrauen aus. Die antideutsche Haltung Polens schlägt sich in dem scharfen Vorgehen gegen die deutsche Minderheit nieder: Ausweisungen zahlreicher Deutscher und Verbot deutscher Zeitungen in Polen.

Seit dem Beginn der Ruhrbesetzung (11. 1.) sind bisher 4558 Eisenbahner (mit 11 151 Angehörigen) aus ihren Wohnungen vertrieben und ausgewiesen worden. Von den 564 verhafteten Reichsbahnbeamten sind bereits 104 verurteilt worden.

Ein Pfund Erdbeeren kostet “nur” noch 8000 bis 10 000 Mark, nachdem zu Beginn der Saison die einzelne Frucht für 500 bis 600 Mark verkauft wurde.

Georg Kaisers “Gilles und Jeanne” wird im Alten Theater in Leipzig uraufgeführt.

3.6.1923, Sonntag

Fast täglich treffen in Köln Transporte mit aus dem besetzten Ruhrgebiet ausgewiesenen Eisenbahnern ein. Auch aus anderen Orten werden Massenausweisungen gemeldet.

2:1 gewinnt die deutsche Nationalmannschaft das Fußball-Länderspiel in Basel gegen die Schweiz.

Die Schweizer Volksabstimmung lehnt mit 356 910 gegen 258 422 Stimmen die Änderung der Alkoholgesetzgebung ab, die auf die Einschränkung des Schnapskonsums und der Obstbrennerei abzielt. Damit haben sich die Schweizer Bürger gegen das Votum aller Parteien und der Presse entschieden.

4.6.1923, Montag

Vor dem Münchner Volksgericht beginnt der sog. Fuchs-Machhaus-Prozess. Gegen den Schriftsteller und Theaterdirektor Georg Fuchs (Hugo Machhaus hatte am 4. 5. in der Untersuchungshaft Selbstmord begangen) wird wegen Hochverrats verhandelt. Fuchs und andere Mittelsmänner sollen von dem französischen Agenten Augustin Richert hohe Summen zur Weitergabe an rechtsradikale Verbände erhalten haben, um diese zu einem separatistischen Rechtsputsch zu bewegen.

Wegen eines Tollwutfalls wird über einige Berliner Bezirke eine Hundesperre verhängt. Hundebesitzer dürfen ihre Hunde nur noch mit Maulkorb und an der Leine ausführen.

5.6.1923, Dienstag

In einem Bericht der Londoner Zeitung “Daily News” wird die Lage der Arbeiter im Ruhrgebiet als trostlos bezeichnet. Wegen der rasanten Preissteigerung könnten die Arbeiter auch mit vor wenigen Tagen erhöhten Löhnen den Lebensunterhalt ihrer Familien nicht bestreiten.

Der Arbeitgeberverband der Nordwestlichen Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller und die deutsche Reichsregierung schließen ein Lohnsicherungsabkommen.

Zu einem Publikumserfolg wird die Operette “Die Tugendprinzessin” von Georg Okonkowski und Rudolph Schanzer bei der Premiere im Berliner Künstlertheater.

6.6.1923, Mittwoch

Da die Preise den Löhnen und Gehältern davonlaufen, wächst unter den Arbeitern die Bereitschaft zur Radikalisierung. In Leipzig kommt es zu von Kommunisten und radikalen Sozialisten hervorgerufenen Teuerungsunruhen, wobei sieben Menschen getötet und über 100 verletzt werden. In Oberschlesien bricht ein Bergarbeiterstreik aus, der bis zum 16. Juni andauert.

Der französische Ministerpräsident Raymond Poincaré und sein belgischer Kollege Georges Theunis halten nach einer Unterredung in Brüssel an den früheren Beschlüssen zur Ruhrbesetzung fest. Voraussetzung jeder Beratung über die Reparationsfrage sei die Aufgabe des passiven Widerstands der Deutschen.

7.6.1923, Donnerstag

In einem Memorandum an die Alliierten macht die Reichsregierung über die Note vom 2. Mai hinausgehende Zugeständnisse bezüglich der Reparationsfrage. So bietet sie Pfänder für die Reparationszahlungen (Zoll- und Steuereinnahmen u.a.) an.

Deutschvölkische Studenten in München fordern Studienbeschränkungen für jüdische Studenten und Dozenten.

Der deutsche Reichstag debattiert über die Inflation. Heftige Angriffe richtet der Abgeordnete Siegfried Aufhäuser (SPD) gegen die Regierung, die nicht genügend gegen die besonders die Arbeiter belastende Inflation tue. Die Stützungsaktion der Reichsbank sei durch Devisenspekulationen führender Wirtschaftskreise sabotiert worden.

Sachsen beginnt mit dem Verkauf der verbliebenen Kupfermünzen zu ihrem Metallwert. Ein-Pfennig-Stücke kosten mindestens sieben Mark, Zwei-Pfennig-Stücke mindestens 12 Mark.

8.6.1923, Freitag

Britische Pressestimmen betonen, dass mit den neuen deutschen Reparationsvorschlägen (Memorandum vom 7. 6.) ein ehrliches und annehmbares Angebot vorliege.

Helene Lange erhält die Ehrendoktorwürde der Staatswissenschaften der Universität Tübingen.

Arnold Schönbergs Gurre-Lieder für Soli, Chor und Orchester werden von den Berliner Philharmonikern erstaufgeführt.

9.6.1923, Samstag

Durch einen Militärputsch wird die bulgarische Regierung unter Alexandar Stamboliski gestürzt. Während die meisten Minister verhaftet werden, gelingt Stamboliski die Flucht in seinen Heimatort Slawowiza, wo er am 14. Juni ermordet wird. Alexandar Zankow bildet eine neue Regierung.

Als unzeitgemäß lehnt der US-amerikanische Präsident Warren G. Harding den Vorschlag einiger Senatoren ab, eine internationale Konferenz zur Abschaffung von Giftgasen und Unterseebooten einzuberufen.

10.6.1923, Sonntag

Im Berliner Grunewald-Stadion wird der HSV durch den 3:0-Sieg über Union Oberschöneweide Deutscher Fußballmeister. Die Zuschauerzahl erreicht die Rekordhöhe von 64 000.

Der Italiener Costante Girardengo wird Sieger des Giro d’Italia (Start am 23. 5.).

Anlass zu patriotischen Kundgebungen gibt die Überführung der Leiche Albert Leo Schlageters in seinen Geburtsort Schönau (Baden). Schlageter wurde am 26. Mai wegen Sabotage von den Franzosen hingerichtet. In München findet eine Schlageter-Gedächtnisfeier der NSDAP und der vaterländischen Verbände statt.

Zwei französische Feldwebel werden in Dortmund von Franzosen ermordet. Die Besatzungsbehörde verhängt den Belagerungszustand über die Stadt. In der Nacht erschießen Patrouillen willkürlich sechs Deutsche und plündern die Leichen aus. Zahlreiche Dortmunder werden verhaftet und misshandelt.

11.6.1923, Montag

Reichskanzler Wilhelm Cuno besucht Hessen und Baden (bis 12. 6.).

Der Dollarkurs steigt. Ein US-Dollar ist derzeit 83 000 Mark wert.

12.6.1923, Dienstag

Der oberschlesische Bergarbeiterstreik (seit 6. 6.) hat sich derartig ausgeweitet und verschärft, dass die Presse von einem Generalstreik spricht. Mit dem Streik soll eine der inflatorischen Preissteigerung entsprechende Lohnerhöhung erreicht werden.

13.6.1923, Mittwoch

Gemäß der Verfügung der Interalliierten Rheinlandkommission sind die Waren, die aus dem unbesetzten Deutschen Reich in das besetzte Gebiet transportiert werden, zollpflichtig.

Im Zusammenhang mit der Verhaftung von 30 Deutschvölkischen wird in Magdeburg ein rechtsradikaler Geheimbund aufgedeckt, zu dem auch Reichswehrsoldaten gehören sollen.

Ein US-Dollar ist derzeit mit 100 000 Mark notiert.

14.6.1923, Donnerstag

Les Noces”, russische Tanzszenen von Igor Strawinsky, werden im Pariser Théâtre Gaieté Lyrique von dem weltberühmten Ensemble “Ballets Russes” uraufgeführt.

Der Film “Der rote Reiter” mit Fern Andra in der Hauptrolle wird im Berliner Marmorhaus uraufgeführt.

Unter der Führung des Generals Ts’ao K’un kommt es in China zu einem Staatsstreich. Präsident Li Yüan-hung flieht nach seinem erzwungenen Rücktritt aus Peking.

Die Reform des Ehescheidungsgesetzes passiert das britische Unterhaus mit 231 gegen 26 Stimmen. Für beide Eheleute genügt als Scheidungsgrund nunmehr Ehebruch. Bisher musste die Ehefrau zudem Misshandlungen nachweisen.

Der gesamte deutsche Eisenbahnverkehr im besetzten Ruhrgebiet kommt zum Stillstand, nachdem die Franzosen die Bahnhöfe im Dortmunder und Bochumer Raum besetzt haben. Zweck dieser wie auch anderer Maßnahmen (13. 6.) der Besatzungsmacht ist die Isolierung des Okkupationsgebiets.

15.6.1923, Freitag

Die deutsche Reichsregierung lässt fast allen europäischen Regierungen und der US-amerikanischen Regierung eine Protestnote wegen der Morde an sechs Deutschen in Dortmund (10. 6.) überreichen.

Im sozialdemokratischen Zentralorgan “Vorwärts” wird die deutsche Reichsregierung aufgefordert, aktiv und energisch auf die sofortige Anpassung der Löhne und Gehälter an die Preisentwicklung hinzuwirken. Sowohl in der Privatwirtschaft als auch im öffentlichen Dienst sei dies unbedingt notwendig.

Vor der französischen Kammer sagt Ministerpräsident Raymond Poincaré zur Ruhrpolitik, die deutsche Regierung ermutige Mord- und Sabotageakte und provoziere Frankreich mit lächerlichen Vorschlägen. Deshalb sei man gezwungen, den Druck des Besatzungsregimes zu verstärken und zu verlängern.

Derzeit kostet im besetzten Ruhrgebiet ein Liter Milch 1200 Mark.

16.6.1923, Samstag

In einer öffentlichen Rede in Niederplanitz attackiert der sächsische Ministerpräsident Erich Zeigner (SPD) die Reichsregierung. Zugleich wirft Zeigner der Reichswehr Unzuverlässigkeit und der Großindustrie Korruption vor.

Fünf Zechendirektoren werden vom französischen Kriegsgericht in Werden wegen ihrer Weigerung, Kohlen an Frankreich zu liefern, zu hohen Haft- und Geldstrafen verurteilt.

17.6.1923, Sonntag

Die dänische Fußball-Nationalmannschaft besiegt ihre Gäste aus der Schweiz 3:2 beim Länderspiel in Kopenhagen.

In Donaueschingen wird Paul Hindemiths “Das Marienleben”, ein Liederzyklus nach der Dichtung Rainer Maria Rilkes, uraufgeführt.

Nach heftigen Erdbeben kommt es zu einem schweren Ausbruch des im Nordosten Siziliens gelegenen Vulkans Ätna, der mehrere Tage andauert. Die von dem Lavastrom bedrohte Ortschaft Linguaglossa muss in aller Eile evakuiert werden.

Durch Senatspräsident Heinrich Sahm wird der Danziger Flughafen feierlich eingeweiht. Danzig ist ein wichtiger Knotenpunkt für den Flugverkehr nach Osten.

Die “Albert Ballin”, das neue Flaggschiff der Hapag, wird in Hamburg in Dienst gestellt und läuft am 4. Juli zur Jungfernfahrt nach New York aus.

Die Berliner Staatsoper zeigt die deutsche Erstaufführung der Märchenoper “Der goldene Hahn” von Nikolai A. Rimski-Korsakow.

19.6.1923, Dienstag

Der Reichstag in Berlin ratifiziert das Abkommen zur Ausdehnung des Rapallovertrags (16.4. 1922), der nur mit der Russischen Sowjetrepublik abgeschlossen worden war, auf die übrigen Sowjetrepubliken. Im Rapallovertrag ist u.a. der Verzicht auf Reparationen festgelegt.

Für die deutschen Beamten wird der allgemeine Teuerungszuschlag von 2900% auf 6000% erhöht.

Wegen angeblichen Terrors der Protelarischen Hundertschaften (sozialistisch-kommunistische Kampfverbände) gegen bürgerliche Richtungen in Sachsen sucht eine Delegation des Verbandes sächsischer Industrieller bei der Reichsregierung um Schutz des Reichs nach.

Reichskanzler Wilhelm Cuno berät mit führenden Vertretern der Banken die durch den Marksturz verursachte Währungskatastrophe.

20.6.1923, Mittwoch

Vor der Komintern (Kommunistische Internationale) hält Karl Radek, sowjetisches Präsidiumsmitglied der Komintern, in Moskau eine Rede zum Tod von Albert Leo Schlageter, in der er eine völkisch-kommunistische Einheitsfront propagiert.

In Britisch-Indien wird eine fanatische Sikh-Sekte zur ungesetzlichen Vereinigung erklärt. Die Militärpolizei verhaftet 180 der 800 Sektenmitglieder.

Der US-Dollar ist an der Börse derzeit mit 131 000 Mark notiert.

Während der mehrtägigen Debatte im Preußischen Landtag (seit 18. 6.) ist Innenminister Carl Severing (SPD) scharfen Angriffen der Deutschnationalen ausgesetzt. Der Tod Albert Leo Schlageters, der am 26. Mai von den Franzosen wegen Sabotage hingerichtet wurde, erregt die Gemüter, weil Verrat von deutscher Seite vermutet wird.

Das bisher größte Schiff des Norddeutschen Lloyd, die “München” (13 325 BRT), wird in Dienst gestellt.

22.6.1923, Freitag

Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) erlässt eine verschärfte Devisenverordnung, die den Handel mit ausländischen Zahlungsmitteln den amtlichen Berliner Börsennotierungen unterwirft, um Devisenspekulationen Einhalt zu gebieten. In einem Rundschreiben an die Länderregierungen unterstreicht Reichskanzler Wilhelm Cuno (parteilos) die dringende Notwendigkeit dieser Devisenverordnung.

Siegmund Fränkel, Vizepräsident der Handelskammer München, wird am Isartorplatz von Nationalsozialisten überfallen, verprügelt und als “Saujud” beschimpft.

In Berlin wird “Der allmächtige Dollar”, ein Film von Eduard von Winterstein, uraufgeführt.

23.6.1923, Samstag

In Bielefeld erklären die Vertreter aller im Deutschen Gewerkschaftsbund organisierten Verbände aus dem besetzten Ruhrgebiet, der passive Widerstand dürfe erst nach dem Rückzug der Franzosen und Belgier beendet werden.

24.6.1923, Sonntag

Die Interalliierte Rheinlandkommission verfügt die Beschlagnahme sämtlicher Kohlenvorräte im besetzten Ruhr- und Rheingebiet. Damit soll einerseits die deutsche Industrie zum Stillstand gebracht werden und andererseits die französische Wirtschaft beruhigt werden, die Kohlenengpässe befürchtet.

Durch die spektakuläre Veröffentlichung eines französischen Geheimberichts in der britischen Zeitung “The Observer” wird die von den Franzosen betriebene verdeckte Annexionspolitik durch Förderung des rheinischen Separatismus offenkundig. Es handelt sich um den Bericht des Präsidenten der Rheinlandkommission, Paul Tirard, vom 16. April über die Beziehungen zu dem Separatisten Hans Adam Dorten.

25.6.1923, Montag

Vor dem rheinischen Provinziallandtag (bis 28. 6.) erklärt der preußische Innenminister Carl Severing, die von den Franzosen angestrebte Loslösung des Rheinlands vom Deutschen Reich sei absolut indiskutabel.

Der österreichische Gewerkschaftskongress in Wien stellt als Folge der Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit den Rückgang der Mitgliederzahl fest.

26.6.1923, Dienstag

Innerhalb von vier Tagen werden 1500 Eisenbahnerfamilien aus dem besetzen Rheinland ausgewiesen.

Der britische Premierminister Stanley Baldwin teilt dem Unterhaus (London) mit, die Regierung beabsichtige die Luftwaffe für defensive Zwecke erheblich zu vergrößern. In den folgenden zwei Jahren sollen 34 neue Geschwader (je 12 Flugzeuge) gebaut werden.

In Marl und Buer (Gelsenkirchen) werden im Zusammenhang mit dem verschärften Belagerungszustand drei Deutsche erschossen. Vorausgegangen war die Erschießung zweier belgischer Wachtposten durch einen Deutschen in der Nähe von Marl.

27.6.1923, Mittwoch

Papst Pius XI. appelliert an die Gläubigermächte des Deutschen Reichs, die Reparationsfrage im Geist des Christentums noch einmal zu prüfen. Gleichzeitig schlägt er vor, die Besetzung des Ruhrgebiets durch weniger “gehässige Sicherungen” zu ersetzen.

Nach seiner Loyalitätserklärung gegenüber der Sowjetregierung wird der seit 13 Monaten inhaftierte Patriarch Tichon aus der Haft entlassen.

28.6.1923, Donnerstag

Ein Misstrauensantrag der bürgerlichen Parteien gegen den sächsischen Ministerpräsidenten Erich Zeigner (SPD) wird mit 48 gegen 43 Stimmen abgelehnt. Anlass der bürgerlichen Initiative ist die Rede Zeigners (16. 6.), in der er die Großindustrie der Korruption im Ruhrkampf beschuldigt hatte.

Im Frankfurter Schauspielhaus wird August Strindbergs Drama “Die große Landstraße” uraufgeführt.

29.6.1923, Freitag

Vor dem französischen Senat rechtfertigt Ministerpräsident Raymond Poincaré im Hinblick auf den Appell des Papstes Pius XI. (27. 6.) erneut die Ruhrbesetzung. Frankreich werde ein so kostbares Pfand wie das Ruhrgebiet nicht aufgeben, ehe das Deutsche Reich seine Reparationsschuld gezahlt habe.

Als Ballett wird in der Berliner Staatsoper Franz Johannes Weinrichs Legendenspiel “Der Tänzer unserer lieben Frau” aufgeführt.

Das deutsch-schwedische Fußball-Länderspiel in Stockholm endet mit dem 2:1-Sieg der Schweden.

30.6.1923, Samstag

Auf einen belgischen Soldatenzug wird bei der Hochfelder Rheinbrücke ein Bombenattentat verübt. Die Explosion tötet zehn Personen. Franzosen und Belgier machen deutsche Saboteure für den Vorfall verantwortlich und fordern Genugtuung. 20 Duisburger Bürger werden als Geiseln festgenommen.

Im vergangenen Monat war der US-Dollar durchschnittlich 110 000 Mark wert.