Was geschah im Juni 1933

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Wetterstationen Juni 1933

1.6.1933, Donnerstag

Die Staatsanwaltschaft des Landgerichts München II erhebt gegen den Leiter des KZ Dachau, SS-Hauptsturmführer Hilmar Wäckerle, und zwei Untergebene Anklage wegen der Begünstigung des Mordes am Schutzhäftling Sebastian Nefzger. Der Münchner Polizeipräsident Heinrich Himmler ersetzt Wäckerle durch SS-Standartenführer Theodor Eicke.

Der Dirigent Otto Klemperer verliert aufgrund seiner jüdischen Herkunft die Leitung der Staatskapelle Berlin. Klemperer emigriert daraufhin in die USA und wird Leiter des Los Angeles Philharmonic Orchestra. Am 9. Juni wird Wilhelm Furtwängler auf fünf Jahre als Erster Staatskapellmeister an die Staatsoper verpflichtet.

Die deutsche Reichsregierung erlässt ein “Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit”.

2.6.1933, Freitag

Das Reichsministerium des Innern beruft einen Rat für Rassenpolitik. Das Ziel sind Maßnahmen zur Hebung der Geburtenzahl und gegen die “Rassenmischung und Entartung der deutschen Familie”.

Durch Verfügung der NSDAP-Parteileitung erhalten die Amtsleiter der Partei die Bezeichnung Reichsleiter und bilden die 16köpfige Reichsleitung der NSDAP.

3.6.1933, Samstag

In Passau beginnt die bis zum 5. Juni dauernde Tagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland, die wegen des Konflikts mit Österreich nicht – wie geplant – in Klagenfurt stattfinden kann.

4.6.1933, Sonntag

Das mit 30 000 Reichsmark und einem Ehrenpreis dotierte Deutsche Traber-Derby über 3200 m in Berlin-Ruhleben gewinnt Hans Frömming mit dem in Gelsenkirchen beheimateten Hengst “Xifra”.

5.6.1933, Montag

Im Vatikan unterzeichnet Bundeskanzler Engelbert Dollfuß ein Konkordat zwischen Österreich und dem Heiligen Stuhl.

Der italienische Dirigent Arturo Toscanini sagt in einem Telegramm an Winifred Wagner seine Mitwirkung an den Bayreuther Festspielen ab. Er begründet seine Entscheidung mit der Verfolgung jüdischer Künstler, indem er von den sein “Gefühl als Künstler und Mensch verletzenden Geschehnissen”” spricht.

In Paris enden die am 21. Mai eröffneten Internationalen Tennismeisterschaften von Frankreich. In den Einzelfinals siegen der Australier Jack Crawford 8:6, 6:1, 6:3 über Henri Cochet (Frankreich) und die Britin Margaret Scriven 6:2, 4:6, 6:4 über Simone Mathieu (Frankreich).

6.6.1933, Dienstag

Der afghanische Gesandte in Berlin, Muhammad Aziz Khan, wird auf offener Straße von einem Landsmann, dem Studenten Sayed Kamd, erschossen. Die Tat ist politisch motiviert.

Die Deutsche Reichsbank erklärt angesichts der starken Verluste von Gold und Devisen ab dem 1. Juli 1933 ein Transfermoratorium.

Der frühere griechische Ministerpräsident Eleftherios Weniselos entgeht in der Nähe von Athen einem Mordanschlag.

Im Pleyel-Saal in Paris endet ein am 4. Juni eröffneter Antifaschistischer Arbeiterkongress. Die über 3000 Delegierten, meist Angehörige kommunistischer Organisationen, billigen die Herausgabe der Wochenzeitung “Antifaschistische Front”.

In Genf endet die am 22. Mai eröffnete 73. Tagung des Völkerbundrates. Der Rat nimmt Kenntnis von der Lösung des Streits um die kolumbianische Stadt Leticia, die am 23. Juni von Peru geräumt wird.

7.6.1933, Mittwoch

Nach Überquerung des Südatlantik und einem Zwischenstopp auf dem Dampfer “Westfalen” wassert das Flugboot Dornier Wal D 2069 “Monsun” vor Natal (Brasilien).

Im Theatre des Champs-Elysees in Paris wird das Ballett mit Gesang “Die sieben Todsünden der Kleinbürger” von Kurt Weill und dem Text von Bertolt Brecht uraufgeführt. In den Hauptrollen sind Lotte Lenya und Tilly Losch zu sehen. Die Choreographie stammt von Georges Balanchine, die Ausstattung von Caspar Neher.

Auf der 31. Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Wien (7. bis 9. 6.) garantieren die deutschen IOC-Mitglieder die Teilnahme von Juden an den Sommerspielen 1936 in Berlin. Das IOC akzeptiert Garmisch-Partenkirchen als Austragungsort der Winterspiele 1936.

8.6.1933, Donnerstag

Im New Yorker Yankee-Stadion verliert der deutsche Ex-Weltmeister Max Schmeling gegen den US-Amerikaner Max Baer in einem Ausscheidungskampf um die Schwergewichts-Weltmeisterschaft durch technischen K. o. in der 10. Runde.

Die tschechoslowakische Abgeordnetenkammer billigt in Prag ein bis zum 15. November 1933 befristetes Gesetz, das der Regierung und dem Staatspräsidenten das Gesetzgebungsrecht einräumt. Hintergrund sind die Wirtschaftskrise und die Autonomie-Bestrebungen der Sudetendeutschen.

Im Anschluss an die Fuldaer Bischofskonferenz (31. 5.-1. 6.) veröffentlichen die katholischen Oberhirten der deutschen Diözesen einen gemeinsamen Hirtenbrief, in dem sie den Wert der katholischen Jugendarbeit unterstreichen und vor dem Missbrauch staatlicher Autorität warnen.

Die SPD-Fraktion des preußischen Landtags erklärt, dass sie nur eine Parteiführung – die in Berlin – anerkenne und äußert die Hoffnung auf eine baldige ungestörte Parteiarbeit. Hintergrund ist der Streit zwischen der Prager Auslandsleitung der Partei und dem Berliner Vorstand.

In Magdeburg endet eine am 6. Juni eröffnete Tagung sämtlicher deutscher Lehrer- und Erzieherverbände, die den Anschluss an den Nationalsozialistischen Lehrerbund beschließt. Ihm gehören nun rund 380 000 Mitglieder an.

9.6.1933, Freitag

Gegen die Stimmen der SPD-Fraktion billigt der badische Landtag in Karlsruhe ein Ermächtigungsgesetz nach dem Vorbild des Reiches und folgt damit dem Beispiel Württembergs vom Vortag.

Bei einer Schwurgerichtsverhandlung des Berliner Landgerichts II werden erstmals in Deutschland Teile des Prozesses zur Ausstrahlung im Rundfunk auf Wachsplatten aufgenommen. Verhandelt wird gegen vier Mitglieder des Roten Frontkämpferbundes wegen Mordes an einem SA-Mann. Die Aufzeichnung erfolgt auf Weisung des Reichspropagandaministeriums.

10.6.1933, Samstag

In Berlin nehmen 73 von 120 Abgeordneten an der letzten Sitzung der SPD-Reichstagsfraktion teil.

Der Magdeburger Oberbürgermeister Ernst Reuter (SPD) wird wegen seiner Tätigkeit als Sowjet-Kommissar im Wolga-Gebiet erneut in Schutzhaft genommen. Die erste Verhaftung hatte im März stattgefunden. Am selben Tag werden mit Peter Graßmann, Theodor Leipart und Oswald Schumann die letzten noch inhaftierten Führer des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes entlassen.

11.6.1933, Sonntag

Der Gesellentag der katholischen Kolpingvereine in München wird nach SA-Überfällen abgebrochen.

Im Endspiel um die Deutsche Fußball-Meisterschaft schlägt Fortuna Düsseldorf vor 53 000 Zuschauern in Köln den FC Schalke 04 mit 3:0 (1:0).

Die österreichische Fußball-Nationalelf besiegt Belgien in Wien 4:0 (3:0).

In Berlin unterliegt das deutsche Tennisteam im Davis-Cup gegen Japan 1:4. Den einzigen Punkt holt Gottfried von Cramm gegen Ryosuki Nunoi.

Beim Großen Automobilpreis von Frankreich in Monthlery über 500 km siegt der Italiener Giuseppe Campari auf Alfa Romeo.

12.6.1933, Montag

In London wird die Weltwirtschaftskonferenz eröffnet. Sie endet ohne Einigung auf ein Konjunkturprogramm am 27. Juli, nachdem die USA eine Stützung des Dollar abgelehnt hatten.

Das Reichsgesetz gegen Verrat an der deutschen Volkswirtschaft führt eine Anzeigepflicht für vermögenssteuerpflichtige Werte ein, die einen Betrag von 1000 Reichsmark (bei Lagerung im Ausland) oder 200 RM (im Inland) übersteigen.

13.6.1933, Dienstag

Nach dem Abbruch des durch SA-Krawalle gestörten Gesellentages in München gilt in Bayern ein unbefristetes Demonstrationsverbot.

Der Philosoph Eduard Spranger, der am 25. April wegen der Entfernung missliebiger Hochschullehrer beim Kultusministerium seinen Rücktritt von der Professur für Philosophie und Pädagogik an der Berliner Universität eingereicht hatte, zieht sein Gesuch zurück.

14.6.1933, Mittwoch

Großbritannien zahlt an die USA zehn Mio. US-Dollar (rund 40 Mio. Reichsmark) anstelle der fälligen 75,9 Mio. US-Dollar durch Überweisung von Silber und erkennt damit die Fortdauer der Kriegsschulden an. Frankreich lehnt wie Polen und Belgien eine Zahlung ab.

In Cherbourg läuft der Passagierdampfer “Bremen” des Norddeutschen Lloyd ein, der auf der Überfahrt von New York seinen eigenen Geschwindigkeitsrekord um zwei Stunden auf vier Tage, 17 Stunden und 43 Minuten verbessert hat.

Im Berliner Ufa-Palast hat der Film “SA-Mann Brandt” von Franz Seitz mit Heinz Klingenberg, Otto Wernicke und Elise Aulinger in den Hauptrollen Premiere.

15.6.1933, Donnerstag

Reichskanzler Adolf Hitler ernennt aufgrund des Reichsgesetzes vom 19. Mai die ersten zwölf Treuhänder der Arbeit, die an Stelle der Tarifparteien die Lohn- und Arbeitsbedingungen festlegen sollen. Es sind frühere Angehörige der Arbeitsverwaltung, ehemalige Angestellte der Großindustrie oder NSDAP-Funktionäre wie der Bremer Bürgermeister Richard Marckert (Wirtschaftsgebiet Niedersachsen).

In Wien endet ein am 26. Mai begonnener Pianistenwettbewerb, an dem 252 Künstler teilnehmen, mit dem Sieg des erst 17-Jährigen Karlrobert Kreiten aus Bonn. Den zweiten Platz erkennt die von dem Dirigenten Clemens Krauss geleitete Jury dem Rumänen Dinu Lipatti zu.

16.6.1933, Freitag

In einem Brief an die Reichsregierung erklärt der jüdische Theaterregisseur Max Reinhardt, dass er sich nur schweren Herzens vom Deutschen Theater trenne.

In Hot Springs (US-Bundesstaat Arkansas) wird der Gangster Frank Nash verhaftet. Nash und vier seiner Bewacher sterben am folgenden Tag in Kansas City (US-Bundesstaat Missouri) bei einem Befreiungsversuch.

Unter dem Titel “Blick in die Zeit” erscheint ein von Andreas Gayk (SPD) herausgegebener Pressedienst legal im Deutschen Reich. Das Blatt informiert bis August 1935 über Ereignisse im In-und Ausland.

Der Kongress der USA beendet seine am 9. März begonnene Sitzungsperiode und vertagt sich bis Anfang 1934. Während dieser ersten Amtswochen von Präsident Franklin D. Roosevelt wurden zahlreiche Maßnahmen zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit beschlossen.

Die Große Strafkammer des Landgerichts I in Berlin verurteilt den früheren Landrat und Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung, Günther Gereke (Christliches Landvolk), wegen Veruntreuung von Verbandsgeldern zu 30 Monaten Gefängnis und 100 000 Reichsmark Geldstrafe.

Eine Volkszählung im Deutschen Reich ergibt eine Bevölkerung von 65 218 461 Menschen. Um die Zahl der Obdachlosen zu ermitteln, führt die Polizei in vielen Großstädten Razzien durch.

Die aufgrund des Berufsbeamtengesetzes vom 7. April beurlaubten Hochschullehrer Hans Kelsen (Staatsrecht) und Emil Lederer (Volkswirtschaft) erhalten einen Ruf an die Universität Belgrad.

17.6.1933, Samstag

NSDAP-Reichsjugendführer Baldur von Schirach wird zum Jugendführer des Deutschen Reiches ernannt.

Als erster Staatsgast von Reichskanzler Adolf Hitler trifft der ungarische Ministerpräsident Gyula Gömbös von Jákfa zu einem Besuch in Berlin ein.

Nach fünfwöchiger Dauer endet die Wellenkonferenz in Luzern mit der Einigung von 35 europäischen Staaten auf eine Konvention zur Festlegung von Rundfunkfrequenzen. Diese tritt am 15. Januar 1934 in Kraft und billigt dem Deutschen Reich insgesamt 14 Rundfunkfrequenzen zu.

18.6.1933, Sonntag

In Karlsbad erscheint die erste Ausgabe der Wochenzeitung “Neuer Vorwärts” der Prager Exil-SPD (Sopade).

Als Reaktion auf das Verbot von 66 Presseorganen aus der Tschechoslowakei im Deutschen Reich untersagt das Innenministerium in Prag die Einfuhr von 98 deutschen Zeitungen und Zeitschriften.

Das 24-Stunden-Rennen in Le Mans gewinnt das Team Tazio Nuvolari/Raymond Sommer (Italien/Frankreich) auf Alfa Romeo.

19.6.1933, Montag

Robert Ley, der Führer der Deutscher Arbeitsfront, verlässt mit der deutschen Delegation die 17. Tagung der Internationalen Arbeitskonferenz in Genf, wo er wegen der Auflösung der freien Gewerkschaften heftig angegriffen worden war.

Unter Hinweis auf die politische Lage sagt der Österreichische Fußball-Verband das für den 25. Juni in Frankfurt am Main geplante Spiel gegen Deutschland ab.

Der Reichsverband der Deutschen Industrie (RDI) und die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände bilden den Reichsstand der deutschen Industrie und erfüllen die Forderung der NSDAP nach Schaffung einer berufsständischen Wirtschaftsordnung.

Die österreichische Regierung verbietet die NSDAP und den mit ihr verbundenen Steirischen Heimatschutz. In Krems (Niederösterreich) fordert am selben Tag ein Bombenanschlag auf eine Gruppe christlichdeutscher Turner, die als Hilfspolizisten vereidigt worden waren, einen Toten und 29 Verletzte.

Der zunächst nach Österreich emigrierte frühere Staatspräsident Württembergs, Eugen Bolz (Zentrum), wird in Stuttgart verhaftet und auf der Festung Asperg in Schutzhaft gehalten.

Eine Reichskonferenz der Inlands-SPD wählt in Berlin einen Parteivorstand und grenzt sich gegenüber der Auslandsleitung in Prag ab.

20.6.1933, Dienstag

Der Danziger Volkstag wählt Hermann Rauschning (NSDAP) zum Senatspräsidenten. Er bildet einen Senat aus NSDAP und Zentrum.

Unter Leitung von Wilhelm Sollmann (SPD) erscheint im Verlag der “Volksstimme” in Saarbrücken erstmals die “Deutsche Freiheit”, die einzige SPD-Tageszeitung.

21.6.1933, Mittwoch

Mit einer Großrazzia von SA-Leuten beginnt die “Köpenicker Blutwoche” (bis 26. 6.), bei der 91 NS-Gegner ermordet werden. 21 von ihnen werden in Säcke genäht und ins Wasser geworfen, die übrigen verschwinden spurlos.

Der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, wird in die NSDAP und ihre Unterorganisationen eingegliedert.

Bei einer reichsweiten Polizeiaktion werden die Deutschnationalen Kampfringe wegen angeblicher Unterwanderung durch Marxisten aufgelöst. Die Kampfringe sind eine deutschnationale Konkurrenzorganisation zur SA.

22.6.1933, Donnerstag

Reichsinnenminister Wilhelm Frick (NSDAP) verbietet die SPD und erklärt den Ausschluss ihrer Mandatsträger aus den Volksvertretungen.

Theodor Adrian von Renteln (NSDAP) wird Leiter des Deutschen Industrie- und Handelstages.

Robert Ley, Leiter der Deutschen Arbeitsfront (DAF), fordert die Säuberung aller Betriebsräte von Oppositionellen. Außer der DAF dürfe es bis auf Fortbildungseinrichtungen keine Berufsvertretungen mehr geben: “Alle übrigen Vereine, auch sogenannte katholische und evangelische Arbeitervereine, sind als Staatsfeinde zu betrachten.”

23.6.1933, Freitag

Nachdem bereits am 21. Juni der frühere preußische Oberpräsident für Niederschlesien, Hermann Lüdemann (SPD), in das KZ Breslau-Dürrgoy überführt wurde, nimmt die Polizei in Berlin den früheren Reichstagspräsidenten Paul Löbe (SPD), in Frankfurt am Main den früheren hessischen Landesminister Wilhelm Leuschner (SPD) und in Karlsruhe den Reichstagsabgeordneten Joseph Ersing (Zentrum) fest.

24.6.1933, Samstag

Um das Bewusstsein der deutschen Bevölkerung für eine Bedrohung durch Luftangriffe zu verschärfen, lanciert das Berliner Conti-Nachrichten-Büro eine Falschmeldung über Flugblattabwürfe fremder Flieger auf Berlin.

Der Gesamtverband der Christlichen Gewerkschaften wird von der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation übernommen.

Als Reaktion auf die Ernennung eines Staatskommissars für die evangelischen Landeskirchen im preußischen Kultusministerium verzichtet der am 27. Mai zum Reichsbischof designierte Friedrich von Bodelschwingh auf seine Berufung.

Sieger beim 24. Deutschen Spring-Derby in Hamburg-Klein Flottbek wird Oberleutnant Harald Momm auf “Baccarat”.

25.6.1933, Sonntag

Die Reichstags- und Landtagsabgeordneten der Bayerischen Volkspartei sowie zahlreiche Mitglieder der SPD werden in allen Teilen des Reiches in Schutzhaft genommen. Am 21. Juni waren wegen angeblicher Kontakte mit den Christlich Sozialen in Österreich viele BVP-Büros durchsucht worden.

Sieger im 65. Deutschen Galopp-Derby in Hamburg-Horn wird “Alchimist” aus dem Gestüt Graditz. Der Toto zahlt 14:10 für den Sieg.

26.6.1933, Montag

Wie auch andere evangelische Geistliche in Preußen wird Otto Dibelius, Generalsuperintendent der Kurmark, im Rahmen einer Säuberung der preußischen Kirchenverwaltung beurlaubt.

Alfred Hugenberg (Deutschnationale Front) reicht seine Demission als Reichswirtschafts- und Ernährungsminister ein.

27.6.1933, Dienstag

Drei Vertreter der Deutschnationalen Front (vormals Deutschnationale Volkspartei) – Friedrich von Winterfeld, Axel Freiherr von Freytagh-Loringhoven und Ernst Poensgen – sowie Reichskanzler Adolf Hitler unterzeichnen ein Abkommen über die “ehrenvolle” Selbstauflösung ihrer Partei.

Eduard Stadtler (NSDAP) wird politischer Leiter sämtlicher im Berliner Ullstein-Verlag erscheinenden Publikationen.

28.6.1933, Mittwoch

Die Reichsführung der linksliberalen Deutschen Staatspartei (früher Deutsche Demokratische Partei) erklärt die Auflösung ihrer Organisation.

Reichsinnenminister Wilhelm Frick (NSDAP) ordnet die Auflösung und das Verbot des Arbeiter-Radio-Bundes Deutschland an.

Zum 1. Juli werden der Zentralverband der Angestellten und der Gewerkschaftsbund der Angestellten aufgelöst und ihre Mitglieder in den Deutschen Handlungsgehilfenverband integriert, ein Teil der Deutschen Arbeitsfront.

29.6.1933, Donnerstag

Als Nachfolger Alfred Hugenbergs werden Kurt Schmitt (parteilos), der Generaldirektor der Allianz Versicherungs AG, und Richard Walther Darre (NSDAP) zum Reichswirtschafts- bzw. Reichsernährungsminister ernannt.

Der Hauptausschuss der Abrüstungskonferenz in Genf beschließt seine Vertagung bis zum 16. Oktober.

Durch einen K. o.-Sieg in der 6. Runde über Titelverteidiger Jack Sharkey wird der 26-Jährige Italiener Primo Carnera in New York Box-Weltmeister aller Klassen.

30.6.1933, Freitag

Ein Reichsgesetz zur Änderung des Beamtenrechts ermöglicht u.a. die Entlassung von Beamtinnen, sofern deren Ehegatte Beamter auf Lebenszeit ist sowie eine Dienstentfernung von Reichsbeamten arischer Herkunft, die mit Nichtariern verheiratet sind.