Was geschah im Juni 1935

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Wetterstationen Juni 1935

1.6.1935, Samstag

In einer Rede vor 20 000 NSDAP-Funktionären in Erfurt bezeichnet Reichsinnenminister Wilhelm Frick das Verhältnis zwischen Kirche und Staat als die “unangenehmste und schwerwiegendste innenpolitische Frage überhaupt”.

Auf Veranlassung des deutschen Propagandaministers Joseph Goebbels wird die am 2. Juni erscheinende Ausgabe des Berliner satirischen Wochenblattes “Kladderadatsch” beschlagnahmt. Die Zeitung bringt auf ihrem Titelblatt eine ganzseitige Karikatur des italienischen Duce und Ministerpräsidenten Benito Mussolini.

Das im Moskauer Exil agierende Zentralkomitee der KPD schlägt dem Prager Exilvorstand der SPD vor, gemeinsame Hilfskomitees zur Unterstützung der Opfer des faschistischen Terrors zu gründen. Die KPD beginnt sich von der bislang gültigen Parteilinie zu lösen, nach der jede Zusammenarbeit mit “bürgerlichen” Parteien einschließlich der SPD abgelehnt wurde, deren Politik die KPD in der Endphase der Weimarer Republik als “Sozialfaschismus” diffamierte.

Führer und Reichskanzler Adolf Hitler ernennt den Beauftragten für Abrüstungsfragen, Joachim von Ribbentrop, zum außerordentlichen bevollmächtigten Botschafter in besonderer Mission. In dieser Eigenschaft führt Ribbentrop die deutsch-britischen Flottenverhandlungen.

2.6.1935, Sonntag

Die Gestapo beschlagnahmt die Sammelbeträge, die während der Gottesdienste der Bekennenden Kirchen in Hessen gespendet wurden.

Die Münchnerin Gisela Mauermayer verbessert in Ulm den Weltrekord im Diskuswerfen von 43,79 m auf 44,34 m.

In Montevideo wird ein Attentat auf den diktatorisch regierenden Staatspräsidenten von Uruguay, Gabriel Terra, verübt. Terra überlebt leicht verletzt und überwältigt selbst den Attentäter, einen 60-Jährigen Juristen.

3.6.1935, Montag

Zwischen dem Deutschen Reich und den USA wird in Washington ein Handelsabkommen unterzeichnet, nach dem die bisherige Meistbegünstigung – die gegenseitige Gewährung von anderen Handelspartnern eingeräumten Vorteilen – in Zukunft wegfällt.

Der 17 000 Mitglieder zählende Reichsbund deutscher evangelischer Pfarrer protestiert in einem Schreiben an Innenminister Wilhelm Frick gegen die fortdauernde Verhaftung von Pfarrern und ihre Behandlung in den Konzentrationslagern Dachau und Sachsenhausen.

Der bayerische Innenminister Adolf Wagner verurteilt die jüngsten antisemitischen Ausschreitungen am 25. Mai in München. Derartige Aktionen gefährdeten die Staatsautorität und das Ansehen Deutschlands in der Welt.

Die britische Zeitung “Manchester Guardian” veröffentlicht Zensuranweisungen des Propagandaministers Joseph Goebbels an die deutsche Presse, die z. B. über ein deutsch-rumänisches Abkommen schweigen muss, weil daraus ein deutscher Benzinmangel erkennbar würde.

Der französische Passagierdampfer “Normandie”, das derzeit größte Schiff der Welt, legt auf seiner Jungfernfahrt die Strecke Southampton- New York in Rekordzeit mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 29,68 Seemeilen pro Stunde (54,97 km/h) zurück. Damit gewinnt sie die symbolische Trophäe für die schnellste Nordatlantiküberquerung, das “Blaue Band”, und löst die deutsche “Bremen” ab.

Durch Überschwemmungen nach einem heftigen Wolkenbruch kommen in der Nähe von Mexico City über 400 Menschen ums Leben. Allein 200 sterben in einer Kirche, die von den Wassermassen unterspült wird und zusammenstürzt.

4.6.1935, Dienstag

Nur wenige Tage im Amt, tritt der französische Ministerpräsident Fernand Bouisson nach einer finanzpolitischen Abstimmungsniederlage wieder zurück. Am 7. Juni übernimmt der bisherige Außenminister Pierre Laval den Posten. Er beginnt eine rigorose Deflationspolitik, die den Wirtschaftsaufschwung behindert und soziale Unruhen zur Folge hat.

In einem Rundschreiben bietet der Reichsverband der deutschen Zeitungsverleger (Fachverband der Reichspressekammer) seinen Landesverbänden einen Fragenkatalog für die Überprüfung konfessioneller Zeitungen an, um eine Handhabe gegen die Blätter zu bekommen.

5.6.1935, Mittwoch

Das britische Parlament in London beschließt mit dem Indien-Gesetz eine neue Verfassung für die britische Kolonie Indien. Darin ist zwar eine begrenzte Selbstverwaltung vorgesehen, der koloniale Status des Landes bleibt jedoch erhalten. Die ausschlaggebende Exekutivgewalt liegt auch weiterhin beim britischen Vizekönig.

Eine Presseanweisung des Propagandaministeriums schreibt den deutschen Zeitungen vor, keine Notiz vom morgigen 60. Geburtstag des im Exil lebenden deutschen Schriftstellers Thomas Mann zu nehmen.

Im Duncker Verlag, Weimar, erscheint die ironisch-witzige Gedichtsammlung “Ein Mensch” des deutschen Schriftstellers Eugen Roth.

6.6.1935, Donnerstag

In Hamburg wird der prominente Kommunistenführer Fritz “Fiete” Schulze hingerichtet. Das hanseatische Oberlandesgericht hatte ihn wegen Hochverrats und Mordes im Vorfeld der nationalsozialistischen “Machtergreifung” 1933 verurteilt.

In Düsseldorf beginnt die Reichstagung der “NS-Kulturgemeinde” (bis 11. 6.). Hauptredner ist der NS-Ideologe Alfred Rosenberg, der die staatlichen Institutionen der Kunstpolitik (Propagandaministerium, Reichskulturkammer) scharf angreift.

7.6.1935, Freitag

Der deutsche Film “Der Himmel auf Erden” (Regie: E. W. Emo) wird in Berlin uraufgeführt. In der Hauptrolle spielt Heinz Rühmann, in Nebenrollen sind u.a. Hans Moser und Theo Lingen zu sehen.

Nach dem Rücktritt des britischen Premierministers James Ramsay MacDonald (Labour Party) bildet der Konservative Stanley Baldwin ein neues Kabinett.

Der Berliner Polizeipräsident gibt eine Liste von 41 meist jüdischen Personen bekannt, deren Einbürgerungen ins Deutsche Reich aus der Zeit vor 1933 rückgängig gemacht werden.

8.6.1935, Samstag

Der Reichsanzeiger veröffentlicht die vierte Ausbürgerungsliste. Neben anderen wird dem Schriftsteller Bertolt Brecht und dem ehemaligen Reichsfinanzminister Rudolf Hilferding die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen.

9.6.1935, Sonntag

Am Düsseldorfer Opernhaus wird Ludwig Mauricks Oper “Die Heimfahrt des Jörg Tilman” uraufgeführt.

Helen Stephens (USA) läuft in Kansas City mit 11,6 sec einen inoffiziellen Weltrekord über 100 m. Den offiziellen Rekord hält weiterhin die Polin Stanislawa Walasiewiczowna mit 11,7 sec (aufgestellt am 26. 8. 1934 in Warschau).

10.6.1935, Montag

Die chinesische Regierung willigt in Nanking in ein japanisches Ultimatum ein, das u.a. den Abzug chinesischer Truppen aus dem Nordosten Chinas und die Einsetzung von japanfreundlichen Regierungsbeamten fordert.

In New York wird “Alcoholics Anonymous”, eine Selbsthilfeorganisation Alkoholabhängiger, gegründet.

11.6.1935, Dienstag

Propagandaminister Joseph Goebbels schreibt in einem Erlass vor, ausländische Filme gegebenenfalls auch dann in Deutschland aufzuführen, wenn jüdische Schauspieler mitwirken. Ein totales Verbot solcher Filme würde – so Goebbels – den Export deutscher Filme und damit ein wichtiges Mittel nationaler Werbung stören.

Die Regierung der USA erkennt die Regierung des liberianischen Präsidenten Edwin Barclay offiziell an, nachdem dieser zugesagt hat, Zwangsarbeit und Sklaverei in dem westafrikanischen Staat abzuschaffen.

12.6.1935, Mittwoch

Durch die Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens in Buenos Aires beenden Bolivien und Paraguay ihren drei Jahre dauernden Grenzkrieg um das Gebiet des Gran Chaco.

13.6.1935, Donnerstag

Führende Mitarbeiter des deutschen Rundfunks der Weimarer Zeit werden in Berlin wegen Korruption zu Geld- und Gefängnisstrafen verurteilt. Zu ihnen gehört auch Hans Bredow, der “Vater” des deutschen Rundfunks.

Durch einen Punktsieg gegen den bisherigen Champion, den US-Amerikaner Max Baer, wird dessen Landsmann James J. Braddock in New York sensationell Boxweltmeister im Schwergewicht.

Die Gestapo verhaftet den Betriebsleiter und die gesamte Belegschaft einer Duisburger Brotfabrik wegen des Verdachts “staatsfeindlicher Betätigung”.

In einer Presseanweisung verbietet das Propagandaministerium den deutschen Zeitungen, ausländische Presseberichte über die Freilassung Ernst Torglers aufzugreifen. Der ehemalige kommunistische Reichstagsabgeordnete war im Februar 1933 als Reichstagsbrandstifter inhaftiert worden und auch nach seinem Freispruch in Haft geblieben. Ende Mai 1935 wurde er überraschend aus dem Gefängnis Berlin-Plötzensee entlassen.

Durch eine Explosion in einer Sprengstoffabrik in Wittenberg (Sachsen) werden 60 Menschen getötet.

14.6.1935, Freitag

Die italienischen Behörden verbieten den Verkauf der US-amerikanischen Tageszeitung “New York Times” in Italien. Die Zeitung hatte sich wiederholt kritisch über den italienischen Aufmarsch an der Grenze zu Abessinien geäußert.

Eine durch Berlin fahrende Kolonne von 60 Autos wirbt unter dem Motto “Wir fahren nur mit heimischen Treibstoffen” für die Verwendung von Holzgas statt Benzin.

In Schanghai werden 18 Kommunisten, die von nationalchinesischen Truppen gefangengenommen worden waren, hingerichtet. Die chinesische Kuomintang-Regierung (Nationale Volkspartei Chinas) führt einen Vernichtungsfeldzug gegen die Kommunisten – angeführt durch Mao Zedong -, die sich dem seit Herbst 1934 durch den sog. Langen Marsch zu entziehen suchen.

15.6.1935, Samstag

Der italienische Ministerrat in Rom beschließt ein Gesetz über die Einführung eines “faschistischen Samstags”. Demnach soll die Arbeitsruhe am Samstagnachmittag den Beschäftigten nicht zur freien Verfügung stehen, sondern zur körperlichen und geistigen Ertüchtigung und Weiterbildung genutzt werden.

16.6.1935, Sonntag

Die Spanische Reitschule in Wien feiert ihr 200-Jähriges Bestehen mit einem großen Galaabend.

Mit der Aufführung von Richard Wagners “Lohengrin” wird in Hamburg die zweite Reichstheaterwoche eröffnet.

Vertreter der illegalen Berliner SPD und der Bezirksvorstand der kommunistischen “Roten Hilfe” schließen ein Abkommen “zur gemeinsamen Hilfe für die Opfer des faschistischen Terrors”. Wegen Auseinandersetzungen wird das Abkommen im Januar 1936 wieder aufgehoben.

Auf dem deutschen Handwerkstag in Frankfurt am Main wird Frankfurt zur “Stadt des deutschen Handwerks” ernannt.

17.6.1935, Montag

Nach Angaben der Sowjetunion steht das Deutsche Reich an erster Stelle der russischen Handelspartner, gefolgt von Großbritannien, dem Iran und den USA.

Unter verstärktem Polizeiaufgebot wird in Wien und Umgebung der St.-Adolf-Tag gefeiert. Die Polizei will verhindern, dass der Tag als Anlass zu nationalsozialistischen Kundgebungen genommen wird.

Im 65. Stockwerk der New Yorker Rockefellerstiftung wird das höchstgelegene Nachtlokal der Welt, “Die Stratosphäre” eröffnet.

18.6.1935, Dienstag

In London unterzeichnen der britische Außenminister Sir Samuel Hoare und der deutsche Sonderbeauftragte Joachim von Ribbentrop das deutsch-britische Flottenabkommen.

Der ehemalige sowjetische Volkskommissar für Verteidigung Leo Trotzki trifft in Oslo ein. Norwegen ist der dritte Staat, in dem der 1929 aus der UdSSR ausgewiesene führende kommunistische Theoretiker Asyl findet.

Eine vom Reichsbahnzentralamt München entwickelte elektrische Schnellzuglokomotive erzielt mit 2:17 h einen neuen Rekord auf der Strecke München- Stuttgart. Die alte Fahrzeit betrug dreieinhalb Stunden.

Ein Denkmal für das “unbekannte Kriegspferd” wird im Hof der Franz-Joseph-Kavallerie-Kaserne in Budapest enthüllt.

19.6.1935, Mittwoch

Nach amtlichen Angaben sind in Ceylon in den vergangenen sieben Monaten 81 404 Menschen der Malaria zum Opfer gefallen.

20.6.1935, Donnerstag

Der F.A. Brockhaus-Verlag bringt den “Sprach-Brockhaus”, das erste bebilderte vollständige Wörterbuch der deutschen Sprache, heraus.

Die 1933 emigrierten deutschen Nobelpreisträger Thomas Mann und Albert Einstein erhalten die Ehrendoktorwürde der Harvard-Universität in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts).

Der Wissenschaftler Alexis Carrel und der amerikanische Ozeanflieger und Techniker Charles A. Lindbergh geben die gemeinsame Entwicklung einer Kammer für die Aufbewahrung und Erhaltung lebender Organe bekannt.

Für den Monat Juli ordnet Propagandaminister Joseph Goebbels eine absolute Versammlungsruhe an. Außerdem dürfen in den Monaten Juli bis September keine Sammlungen durchgeführt werden. Goebbels will mit diesen Anordnungen der Ermüdung der Bevölkerung durch ständige Aktionen dieser Art entgegenwirken.

21.6.1935, Freitag

In Paris beginnt der “Internationale Schriftstellerkongress für die Verteidigung der Kultur”. Die Hauptreferenten sind Aldous Huxley, André Gide und Heinrich Mann.

In Köln wird die große Sommerausstellung “Arbeit und Erholung” eröffnet, die bis zum 14. Juli dauert.

22.6.1935, Samstag

Ein Gericht in Memmingen verurteilt Pius Degenhart zu zwei Monaten Haft, weil Degenhart sich geweigert hatte, eine Ausgabe der nationalsozialistischen Zeitung “Der Stürmer” zu kaufen.

23.6.1935, Sonntag

Reichsjugendführer Baldur von Schirach beendet mit einer Rede in Lübeck die Veranstaltungen der seit 1933 zum dritten Mal begangenen “Sonnwend”-Feierlichkeiten im Deutschen Reich.

1000 geladene Gäste und 350 Kinder nehmen am Würstchenfest des Wiener Metzgers Leopold Lahner teil. Lahner feiert den 130. Geburtstag des “Wiener Würstchens”, das sein Urgroßvater Georg Lahner eingeführt hat.

Im Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft in Köln schlägt Vorjahressieger Schalke 04 den VfB Stuttgart 6:4.

Der deutsche Rennfahrer Rudolf Caracciola gewinnt den Großen Preis von Frankreich in Montlhéry vor Manfred von Brauchitsch, beide auf Mercedes Benz.

24.6.1935, Montag

Reichserziehungsminister Bernhard Rust ordnet die offizielle Zwangsemeritierung des Bonner Professors für evangelische Theologie, Karl Barth, an.

In der Dresdener Staatsoper wird die Oper “Die schweigsame Frau” von Richard Strauss uraufgeführt. Die Nationalsozialisten lassen die Oper nach drei Aufführungen verbieten, da das Libretto von dem jüdischen Dichter Stefan Zweig stammt.

Wegen “homosexueller Vergehen” wird der deutsche Mittel- und Langstreckenläufer Otto Peltzer von einem Berliner Gericht zu 18 Monaten Haft verurteilt.

Bei einem der schwersten Flugzeugunglücke in der südamerikanischen Flugverkehrsgeschichte in Medellín, Kolumbien, sterben 20 Menschen. Unter den Opfern befindet sich auch der weltberühmte argentinische Tangosänger Carlos Gardel.

25.6.1935, Dienstag

ln Rüsselsheim verlässt der 50 000. Opelwagen der diesjährigen Produktion das Werk. Mit 17,7% der Produktion erreicht die Exportquote ihren bisherigen Höchststand.

Bei einem Unwetter in Großbritannien werden vier Menschen durch Blitzschlag getötet, mehrere Personen erleiden schwere Brandverletzungen.

26.6.1935, Mittwoch

Das “Reichsarbeitsdienstgesetz” tritt in Kraft. Es verpflichtet alle 18- bis 25-Jährigen Deutschen zu einem halbjährigen Arbeitsdienst.

Das Reichskabinett verabschiedet das “Luftschutzgesetz”, mit dem das staatliche Luftschutzsystem begründet wird. Die Luftverteidigung fällt künftig in den Zuständigkeitsbereich des Reichsministers für Luftfahrt, der die Polizei und alle offiziellen staatlichen und kommunalen Organe zur Luftverteidigung heranziehen kann.

27.6.1935, Donnerstag

Bei dem Unfall eines Lastkraftwagens, der eine Anzahl von Chlorgasbehältern transportierte, erleiden in Rom mehr als 200 Personen Gasvergiftungen.

Ein Erdbeben in Süddeutschland richtet beträchtlichen Sachschaden an.

Bei einem Fußball-Länderspiel in Oslo trennen sich die deutsche und die norwegische Mannschaft unentschieden 1:1.

28.6.1935, Freitag

Der Leiter des Presse- und Kulturamtes der Reichsmusikkammer (RMK), Friedrich Mahling, wird seines Amtes enthoben. Als Schriftleiter einer Zeitung hat er den Abdruck eines Inserats des sowjetischen Reisebüros “Intourist” zugelassen.

Wolkenbruchartige Regenfälle führen in der Umgebung der japanischen Städte Kioto und Osaka zu ausgedehnten Überschwemmungen. Flüsse treten über die Ufer, Brücken werden von den Fluten weggerissen und ganze Stadtteile von den Wassermassen verwüstet. Etwa 100 Menschen ertrinken.

Die belgische Regierung erlässt ein Gesetz, das Hotel- und Restaurantbesitzern vorschreibt, ihre Preise kenntlich zu machen. Hierfür werden vier Preiskategorien für Hotels festgelegt. Am Eingang eines Hotels ist eine Tafel mit der jeweiligen Kategorie anzubringen.

Das Reichsgesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses wird durch ein neues Reichsgesetz ergänzt. Danach ist bei Schwangerschaftsabbruch die soziale Indikation grundsätzlich ausgeschlossen.

29.6.1935, Samstag

Die Studienordnung des agrarwissenschaftlichen Studiums wird geändert. An Stelle eines erwerbswirtschaftlichen Studiums werden die bevölkerungs-, kultur- und wirtschaftspolitischen Aufgaben der Landwirtschaft betont. Die bisher selbständigen landwirtschaftlichen Hochschulen Berlin und Bonn werden den Universitäten eingegliedert.

In einer Rede auf dem Berliner Gautag sämtlicher nationalsozialistischer Organisationen richtet Propagandaminister Joseph Goebbels heftige Angriffe gegen die Juden: Das Judentum versuche wieder, sich breit zu machen und manche bürgerlichen Intellektuellen wollten ihnen dabei helfen.

Der italienische Duce und Ministerpräsident Benito Mussolini stellt wegen der von Italien provozierten Grenzstreitigkeiten mit Abessinien 30 neue Divisionen auf.

Die Münchnerin Gisela Mauermayer stellt den vierten Weltrekord im Diskuswerfen innerhalb des Monats Juni auf. In Jena schleudert sie die Scheibe 46,10 m weit.

30.6.1935, Sonntag

In einem Brief an einen Freund schreibt der evangelische Theologe Karl Barth, die Bekennende Kirche müsse die Fiktion aufgeben, “als ob sie es in ihrem heutigen Staat mit einem Rechtsstaat im Sinne von 13 zu tun habe”. Dieser Bekenntnisbrief des von den Nationalsozialisten entlassenen Professors gilt als bedeutendes theologisches Dokument der Zeit. Barth hat inzwischen den Ruf an die Universität Basel angenommen.

W. Printen auf Sturmvogel gewinnt das Deutsche Derby in Hamburg.

In einem Fußball-Länderspiel gegen Schweden verliert die deutsche Mannschaft in Stockholm 1:3.