Was geschah im Juni 1939

  • < 1938
  • 6.1939
  • 1940 >

1.6.1939, Donnerstag

Der jugoslawische Prinzregent Paul Karadordevic und seine Frau, Prinzessin Olga von Jugoslawien, treffen zu einem fünftägigen Besuch in Berlin ein.

Im Bereich der Oberpostdirektion Köln werden für zunächst vier Wochen 3070 hilfsdienstpflichtige Frauen zum Briefzustelldienst eingezogen.

Durch Inkrafttreten der Verordnung über die Ausübung der Reisevermittlung vom 8. Mai 1939 wird Juden im Altreich der Betrieb von Reisebüros verboten.

Bei einer Beteiligung von 96% werden in Rumänien die Kandidaten der Einheitsliste für die nach der Verfassung vom Februar 1938 vorgesehene ständische Volksvertretung gewählt.

Vor Liverpool sinkt das britische Unterseeboot “Thetis”.

In Genf wird die Prado-Ausstellung eröffnet. Gezeigt werden 710 Werke, die aus dem Prado in Madrid ausgelagert wurden und über zwei Stationen in Spanien nach Genf gelangt sind.

Eine der größten Sammlungen zeitgenössischer Kunst, die in eine Stiftung umgewandelte Sammlung des US-amerikanischen Millionärs Solomon R. Guggenheim, wird in New York der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die UdSSR übergibt Großbritannien und Frankreich Vorschläge für einen Beistandspakt. Verlangt werden u.a. Garantien für Finnland, Estland und Lettland.

Die Wiederbefestigung der Alandinseln (7. 1.) scheitert am Protest der Sowjetunion. Das Deutsche Reich hatte am 2. Mai zugestimmt.

3.6.1939, Samstag

Eine Verordnung des Reichskommissars für die Preisbildung, Josef Wagner, sieht bei Übertretung der Preisbildungsvorschriften Haft- oder Geldstrafen in unbeschränkter Höhe vor.

Durch die neue Verfassung von Albanien, dessen Staatsoberhaupt König Viktor Emanuel III. von Italien ist, soll die Krone des Königreiches Albanien im Hause Savoyen erblich sein. Der König wird in Albanien durch einen Luogotenente (Statthalter) vertreten. Das Amt übernimmt Francesco Jacomini di San Savino.

In Großbritannien beginnt die Registrierung von Wehrdienstpflichtigen.

4.6.1939, Sonntag

Auf dem ersten Großdeutschen Reichskriegertag in Kassel (2.- 5. 6.) versichert Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, man sei auf die “Einkreisungspolitik” der Westmächte besser vorbereitet als das Kaiserreich im Weltkrieg 1914- 1918: “Bethmann-Hollwegs gibt es in der deutschen Staatsführung heute nicht mehr.”

Die Schweiz billigt bei einer Volksabstimmung eine Vorlage über Landesverteidigung und Arbeitsbeschaffung mit 455 622 gegen 199 540 Volks- und 166/2 gegen 3 Standesstimmen. Damit verbunden ist ein Kredit von 415 Millionen Franken (rund 234 Millionen Reichsmark).

Zum Vorsitzenden des Komitees für Angelegenheiten der Kinematographie, das direkt dem Ministerrat der UdSSR untersteht, wird Iwan G. Bolschakow berufen.

Mit der Oper “Giulio Cesare” von Georg Friedrich Händel beginnt in Wien die sechste Reichstheaterfestwoche.

Durch ein 1:0 (O:0) in Berlin über den Berliner HC wird Sachsenhausen Frankfurt Deutscher Hockeymeister.

In Warschau endet eine Begegnung der Fußball-Nationalmannschaften Polens und der Schweiz 1:1.

5.6.1939, Montag

Laut Essener “National-Zeitung” ist die reichsdeutsche Bekleidungsindustrie “von Juden völlig frei”. Im April war die vollständige Ausschaltung von Juden aus dem Handwerk bekanntgegeben worden.

In Neapel treffen auf neun Schiffen rund 20 000 italienische Spanienkämpfer ein.

Auf der sechsten Jahrestagung der Reichstheaterkammer in Wien erklärt Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, es gebe nur eine deutsche, aber nicht eine nationalsozialistische Kunst.

Der im März 1938 aus Österreich in die Schweiz emigrierte deutsche Autor Carl Zuckmayer kommt nach New York.

7.6.1939, Mittwoch

In Berlin werden die Nichtangriffspakte zwischen dem Deutschen Reich und Estland und Lettland unterzeichnet.

Durch Führer-Erlass werden für die Städte Düsseldorf, Köln und Weimar besondere städtebauliche Maßnahmen befohlen.

Ein Führer-Erlass gewährt unter bestimmten Umständen Straffreiheit für politische Vergehen auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei.

8.6.1939, Donnerstag

Als Vergeltung für die Ermordung eines deutschen Polizeibeamten stellt eine Verordnung die Stadt Kladno im Reichsprotektorat Böhmen und Mähren unter Ausnahmerecht.

Der britische König Georg VI. und Königin Elisabeth treffen zu einem viertägigen Besuch in Washington ein.

Belgiens Ministerpräsident Hubert Graf Pierlot betont vor der Kammer in Brüssel die Neutralität seines Landes.

9.6.1939, Freitag

Auf der Tagung des Deutschen Auslandsinstituts in Stuttgart erhebt Franz Ritter von Epp, Vorsitzender des Reichskolonialbundes, erneut Anspruch auf Rückgabe der deutschen Kolonien.

In Ratibor (Oberschlesien) wird das Polnische Volkshaus, Sitz der polnischen Minderheitenorganisationen, beschlagnahmt. In den Wochen zuvor war es in Oberschlesien bereits zu Übergriffen gegen die polnische Minderheit gekommen.

Der frühere jugoslawische Ministerpräsident Milan Stojadinovic wird aus der Führung der von ihm 1935 gegründeten Jugoslawischen Radikalen Partei ausgeschlossen. Der neue Ministerpräsident Dragi Cvetkovi c betreibt eine Verständigung des slowenischen mit dem bisher benachteiligten kroatischen Volksteil.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wählt Garmisch-Partenkirchen statt Sankt Moritz zum Ort der Olympischen Winterspiele 1940. 1944 sollen Cortina d’Ampezzo (Winter) und London (Sommer) die Spiele ausrichten.

10.6.1939, Samstag

Viktor Lutze, der Stabschef der Sturmabteilung (SA), beendet einen zweitägigen Besuch in Danzig.

Der Wiener Volksgerichtshof verurteilt sieben Mitglieder der Revolutionären Sozialisten Österreichs zu Gefängnis und Zuchthaus zwischen 18 und 30 Monaten.

Im Reichsgesetzblatt erscheint das auf den 25. März datierte Gesetz über die Schaffung der Technischen Nothilfe als Körperschaft des Öffentlichen Rechts.

In Basel wird der Neubau der 1460 gegründeten Universität eingeweiht.

Aus Anlass des ersten Tags der Marine paradieren in Rom Marinetruppen.

11.6.1939, Sonntag

Vor 10 000 Arbeitern in Trier würdigt Fritz Todt, Reichsbeauftragter für den Straßenbau, den Bau des Westwalls.

Der Komponist Richard Strauss feiert seinen 75. Geburtstag.

12.6.1939, Montag

Die Dekanate der evangelischen Kirche von Württemberg werden von der Kirchenleitung über die behördliche Ersetzung des Religions- durch den Weltanschauungsunterricht in den Schulen informiert und um Stellungnahme gebeten.

Das Wachregiment Berlin heißt fortan Infanterieregiment Großdeutschland.

Im Auftrag seiner Regierung bietet der britische Botschafter Neville Meyrick Henderson der Reichsregierung u.a. Gespräche über Rüstungsfragen sowie über die deutschen Kolonialforderungen an.

Der Schweizer Nationalrat lädt den Bundesrat ein, die Wiederaufnahme der seit 1918 unterbrochenen Beziehungen zur UdSSR erneut zu prüfen.

Japanische Truppen blockieren das britisch-französische Konzessionsgebiet im chinesischen Tientsin.

Die Sowjetunion und China unterzeichnen ein Abkommen über finanzielle und technische Hilfe.

Ein unbekannter Täter stiehlt das Gemälde “L’Indifférent” des französischen Malers Antoine Watteau aus dem Louvre in Paris.

14.6.1939, Mittwoch

Bei einer Kundgebung auf dem Berliner Gaustudententag im Sportpalast erklärt Reichspropagandaminister Joseph Goebbels: “Der Platz des geistigen Arbeiters ist mitten in der Gemeinschaft.”

In der Freien Stadt Danzig treffen 20 neue polnische Zollinspektoren ein.

William Strang, Leiter der Mitteleuropaabteilung im Foreign Office, trifft zu Verhandlungen in Moskau ein.

In London beginnen Gespräche mit polnischen und türkischen Militärmissionen.

In Buenos Aires läuft die “Monte Olivia” der Hamburg-Südamerika-Linie ein. An Bord befinden sich 78 deutschen Juden mit Visa für Paraguay.

Der sowjetische Geschäftsträger Georgi Astachow spricht in Berlin mit dem bulgarischen Gesandten Parvan Draganow über den Gedanken eines deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes. Wie von Astachow erhofft, benachrichtigt Draganow das deutsche Auswärtige Amt.

Frankreich und Großbritannien übermitteln der UdSSR ihre Bereitschaft zum Abschluss eines Beistandspaktes.

Vor der Küste Indochinas sinkt das französische Unterseeboot “Phénix”.

Der Monatsbericht der Wehrwirtschaftsinspektion XIII (Nürnberg) meldet eine “tiefgreifende Missstimmung in Arbeiterkreisen über die zum Teil übermäßige Anspannung der Arbeitskräfte. Die Folge sind u.a. in der Rüstungsindustrie wiederholte Sabotageversuche.

Im Ufa-Palast am Zoo in Berlin hat der dokumentarische Film “Im Kampf gegen den Weltfeind” über den Einsatz der Legion Condor in Spanien Premiere (Regie Karl Ritter, Text Werner Beumelburg).

16.6.1939, Freitag

Die Sowjetunion und China schließen einen Handelsvertrag unter Einschluss einer Meistbegünstigungsklausel.

In Luzern beginnt das 26-tägige Eidgenössische Schützenfest 1939.

Als erster deutscher Motorradfahrer gewinnt Georg Meier (BMW) die Tourist Trophy auf der Insel Man.

In Helsinki läuft der Finne Taisto Mäki die 5000 m in der Weltrekordzeit von 14:08,8 min. Den alten Rekord lief der Finne Lauri Lehtinen 1932 mit 14:17,0 min.

17.6.1939, Samstag

Bei einer Kundgebung in Danzig erklärt Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, das Deutsche Reich sei an der Seite Danzigs.

Das Reichspropagandaministerium erlässt die Presseweisung: “Über volksdeutsche Flüchtlinge aus Polen sollen nicht nur keine Zahlen, es sollen auch keine Berichte aus Flüchtlingslagern gebracht werden, was aber nicht ausschließt, dass man sich Material für später zurücklegt.”

Führer und Reichskanzler Adolf Hitler empfängt auf dem Obersalzberg Khalil al Hud, den Sonderbotschafter von König Saud Ibn Abd Al Asis von Saudi-Arabien.

Bei den Internationalen Tennismeisterschaften von Frankreich in Paris gehen die Einzeltitel an Donald McNeill (USA) und Simone Mathieu (Frankreich).

18.6.1939, Sonntag

Durch ein jüdisches Bombenattentat auf den Gemüsemarkt von Haifa werden 18 Araber getötet und 24 verletzt.

Durch ein 9:0 (4:0) über Admira Wien im Berliner Olympia-Stadion wird Schalke 04 vor 100 000 Zuschauern zum vierten Mal Deutscher Fußballmeister.

Beim Autorennen 24 Stunden von Le Mans gewinnen die Franzosen Jean Pierre Wimille/Pierre Veyron auf Bugatti.

19.6.1939, Montag

Reichsjugendführer Baldur von Schirach ordnet für den Sommer 1939 den Ernteeinsatz der deutschen Jugend an.

Das Slowakische Pressebüro dementiert eine Meldung der britischen Nachrichtenagentur Associated Press über den Aufmarsch von 20 000 deutschen Soldaten bei Sillein und ihr Vorrücken gegen die polnische Grenze.

20.6.1939, Dienstag

In Berlin wird ein deutsch-italienisches Abkommen über die sozialrechtliche Gleichstellung der Staatsbürger beider Länder unterzeichnet.

Zum Abschluss einer zweitägigen Sitzung des Intergouvernementalen Komitees für die Flüchtlingshilfe in London wird bekannt, dass sich von den 150 000 jüdischen Flüchtlingen aus dem Deutschen Reich 52 000 in Großbritannien, 30 000 in Frankreich, 25 000 in Polen, 12 000 in Belgien, 10 000 in der Schweiz und 5000 in skandinavischen Ländern aufhalten.

Erich Warsitz gelingt der erste erfolgreiche Flug mit dem von Ernst Heinkel konstruierten Raketenflugzeug He 176.

21.6.1939, Mittwoch

Bei einer NS-Sonnwendfeier auf dem Berliner Reichssportfeld greift Reichspropagandaminister Joseph Goebbels Großbritannien und Frankreich an.

Reichsprotektor Konstantin Freiherr von Neurath verfügt die “Entjudung” der Wirtschaft im Reichsprotektorat.

Das Reichsministerium des Innern erlässt Richtlinien über den Aufenthalt von Juden in Bädern und Kurorten. Juden dürfen nur in Hotels absteigen, in denen das weibliche Personal nicht unter 45 Jahren alt ist, sie müssen besondere Trink- und Badestunden beachten und dürfen die Kuranlagen nicht benutzen.

In Dresden wird die Ausstellung “Warum wir Kolonien brauchen” eröffnet. Sie soll bis zum 10. September dauern.

Das ungarische Parlament billigt die Erweiterung des Reichstages durch 26 Vertreter aus dem 1938 angegliederten Oberland und zehn Vertreter aus der im März 1939 annektierten Karpato-Ukraine.

Eine Farman 2210 “Ville de Dakar” der Air France absolviert die 400. Atlantiküberquerung auf der Route Dakar- Natal.

Die Sowjetunion lehnt die ihr am Vortag übermittelten neuen britisch-französischen Vorschläge für einen Beistandspakt ab, weil die baltischen Staaten nicht ausdrücklich in die Garantien einbezogen worden seien.

Nach siebenwöchiger Rundreise durch Kanada, die USA und Neufundland kehren König Georg VI. und Königin Elisabeth nach London zurück.

Vor 30 000 Zuschauern im Osloer Ulleval-Stadion besiegt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im ersten Spiel ihrer Nordlandreise Norwegen 4:0 (1:0).

23.6.1939, Freitag

Das Deutsche Reich und Italien vereinbaren die Übersiedlung der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols.

Fritz Todt, Generalinspekteur für das Straßenwesen, erklärt auf dem ersten Großdeutschen Baugewerbetag in Wien, die Materialbeschaffung werde durch die mangelhafte Kohlenversorgung behindert. 1939 würden mit rund acht Millionen Ziegeln 25% weniger erzeugt als 1938.

Bei ihrer Polen-Berichterstattung wird die deutsche Presse angewiesen: “Es ist so, dass die Sache leicht am Kochen gehalten werden muss.”

In Paris unterzeichnen Frankreich und die Türkei eine Erklärung über gegenseitige Hilfeleistung.

In Frankfurt am Main findet die Hauptversammlung der IG Farbenindustrie statt. Die Bilanz für 1938 weist einen Reingewinn von 55,18 Millionen Reichsmark (RM) aus. Die Investitionen beliefen sich auf 273 Millionen RM.

Auf der Strecke Hamburg- Berlin erreicht ein neuer Schnelltriebwagen der Deutschen Reichsbahn 215 km/h.

24.6.1939, Samstag

Reichsprotektor Konstantin Freiherr von Neurath befiehlt in Böhmen und Mähren die Überprüfung aller nach dem 15. September 1935 mit Juden abgewickelten Geschäfte.

Eine Presseweisung des Reichspropagandaministeriums verbietet Berichte über “die Auflösung evangelischer Organisationen in Württemberg”.

Zum Tag des Deutschen Volkstums 1939 beginnt eine zweitägige Reichsstraßensammlung.

Der Nürnberger Radprofi Georg Umbenhauer gewinnt die Deutschlandrundfahrt über 5013 km.

SS-Hauptsturmführer Waldemar Fegelein auf Nordrud bleibt als einziger von 37 Startern fehlerlos und gewinnt das Deutsche Springderby in Hamburg.

25.6.1939, Sonntag

Auf einer Kundgebung der Sturmabteilung (SA) in Beuthen (Oberschlesien) werden drei angebliche polnische Deserteure durch die Straßen geführt. Es wird jedoch bald bekannt, dass es sich in Wahrheit um SA-Männer gehandelt hat.

In Kopenhagen gewinnt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vor 35 000 Zuschauern gegen Dänemark 2:0 (1:0).

Bei 71. Deutschen Galoppderby auf der Rennbahn in Hamburg-Horn siegt Jockey Gerhard Streit auf Wehr Dich (Gestüt Schlenderhan). Für den Sieg zahlt der Totalisator 34:10.