Was geschah im Juni 1943

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1.6.1943, Dienstag

Die Rote Armee greift erneut den von deutschen Truppen gehaltenen Kuban-Brückenkopf an.

Die Ernennung von General Mario Roatta zum Generalstabschef des italienischen Heeres verschärft die schon länger bestehenden Spannungen zwischen den Militärführungen des Deutschen Reichs und Italiens.

Zwölf chinesische Divisionen treten zu einer Großoffensive gegen die Japaner am Jangtsekiang an.

In der Slowakei wird das Wehrpflichtalter von 20 auf 19 Jahre herabgesetzt.

Die sog. Mob-Banken (Heeres-Rüstungskredit AG, Banken der deutschen Luftfahrt und Deutsche Industriebank) stellen neue Kredite zur Finanzierung von Rüstungsanlagen im Deutschen Reich zur Verfügung.

Wegen Papierknappheit tritt im Deutschen Reich ein weitgehendes Verbot der Versendung von Werbedrucksachen und der unaufgeforderten Verteilung von Werbegaben in Kraft.

Reichspropagandaminister Joseph Goebbels beauftragt den Regisseur Veit Harlan mit der Produktion des Durchhaltefilms “Kolberg”.

2.6.1943, Mittwoch

Im Platterhof auf dem Obersalzberg nimmt Führer und Reichskanzler Adolf Hitler an einer Zusammenkunft führender Männer der deutschen Rüstungsindustrie teil, bei der über die weitere Steigerung der Produktion gesprochen wird.

In Hangö (Finnland) findet eine militärische Feier anlässlich des Eintreffens des finnischen Freiwilligenbataillons der Waffen-SS im Lande statt.

Der Gedichtband “Das ewige Dasein” von Hermann Kasack erscheint im Suhrkamp-Verlag.

3.6.1943, Donnerstag

Die deutsche Luftwaffe beginnt in der Nacht zum 4. Juni mit einer Reihe von Angriffen auf das sowjetische Panzerwerk in Gorki. Bei dem ersten Angriff erreichen 149 Flugzeuge ihr Ziel; fünf werden abgeschossen.

Die Kriegsmarine des Deutschen Reichs meldet bis zum Herbst 1944 einen Personalbedarf von 272 726 Mann an.

Die Generäle Charles de Gaulle und Henri-Honoré Giraud bilden in Algier ein Komitee für die nationale Befreiung Frankreichs.

Zur Entlastung der Eisenbahnen werden Ferienreisen über die Pfingstfeiertage vom 11. bis zum 16. Juni im Deutschen Reich verboten.

In Kassel werden zwei Wahrsagerinnen wegen Zersetzung der Wehrkraft der “Heimatfront” zu jeweils mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt.

In Paris wird das Drama “Les Mouches” (“Die Fliegen”) von Jean-Paul Sartre uraufgeführt.

4.6.1943, Freitag

Der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete, Alfred Rosenberg, gibt eine “Deklaration über das bäuerliche Eigentumsrecht im Osten” heraus, durch die das den einheimischen Bauern zur Nutzung überlassene Land in deren Eigentum übergeht.

In Argentinien kommt es zu einem Militärputsch, in dessen Verlauf Präsident Ramón S. Castillo gestürzt wird.

5.6.1943, Samstag

US-Bomber fliegen einen schweren Luftangriff auf den italienischen Hafen La Spezia, bei dem drei italienische Schlachtschiffe beschädigt werden.

Von den Niederlanden aus werden 1266 Kinder unter 16 Jahren ins Konzentrationslager Sobibór deportiert und bei ihrer Ankunft vergast.

Auf einer Großkundgebung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei im Berliner Sportpalast hält der Reichsminister für Bewaffnung und Munition, Albert Speer, eine Rede zum derzeitigen Stand der Rüstungsproduktion.

In der Sowjetunion wird eine zweite Kriegsanleihe in Höhe von 12 Milliarden Rubel aufgelegt. Die Anleihe ist bereits am 10. Juni um 8,12 Milliarden Rubel überzeichnet.

Das deutsche Reichswohnungskommissariat regt einen Einheitstyp für Kriegswohnungen an.

6.6.1943, Sonntag

Die Alliierten verstärken ihre Angriffe auf die italienische Mittelmeerinsel Pantelleria.

Arturo Rawson wird als Nachfolger von Ramón S. Castillo neuer argentinischer Staatspräsident, jedoch schon zwei Tage später durch Pedro Pablo Ramirez abgelöst.

7.6.1943, Montag

Das deutsche Flottenbauprogramm für 1943 wird endgültig festgelegt, es umfasst u.a. den Bau von acht Zerstörern, 100 Minensuchbooten und 480 U-Booten.

SS-Brigadeführer Carl Clauberg teilt Reichsführer SS Heinrich Himmler mit, dass er durch Menschenversuche eine Methode zur nichtoperativen Sterilisation von Frauen entwickelt habe.

Zu seinem 100. Geburtstag wird der deutsche Schriftsteller Johann Christian Friedrich Hölderlin von den Nationalsozialisten als “Dichter der letzten Opferbereitschaft” gerühmt.

8.6.1943, Dienstag

Großadmiral Karl Dönitz legt eine Denkschrift vor, in der er die deutschen Misserfolge im U-Boot-Krieg als Folge der alliierten Luftherrschaft im Atlantik bezeichnet.

Die italienische Mittelmeerinsel Pantelleria lehnt eine Aufforderung der Alliierten zur Kapitulation ab.

9.6.1943, Mittwoch

Die deutsche Luftwaffe greift in der Nacht zum 10. Juni mit 109 von 132 gestarteten Bombern das sowjetische Gummikombinat Jaroslawl an.

Die Alliierten geben den Abschluss ihrer Vorbereitungen für eine Invasion Italiens bekannt.

Das Präsidium der Kommunistischen Internationale (Komintern) gibt die Zustimmung aller kommunistischen Parteien zur Auflösung der Komintern bekannt.

10.6.1943, Donnerstag

Die Alliierten beginnen mit ihrer auf der Konferenz von Casablanca beschlossenen kombinierten Bomberoffensive mit Tagesangriffen der US-Luftflotte und Nachtbombardements durch britische Flugzeuge.

Die Alliierten setzen die Bekämpfung der deutschen Jägerstützpunkte und – werke an die Spitze der Prioritätenliste ihrer Luftkriegführung.

Das Oberkommando der Wehrmacht meldet den Abschluss einer Aktion gegen Partisanen im mittleren Abschnitt der Ostfront demnach wurden 3152 Widerstandskämpfer getötet.

Die Vereinigten Staaten unterbreiten allen mit ihnen verbündeten Staaten den Vorschlag, ein Amt der Vereinten Nationen für den Wiederaufbau nach dem Krieg einzurichten.

Laut den geheimen Lageberichten des Sicherheitsdienstes der Schutzstaffel (SS) suchen deutsche Frauen zunehmend privaten Kontakt zu ausländischen Zwangsarbeitern.

Der Film “Die kluge Marianne” unter der Regie von Hans Thimig mit Paula Wessely u.a. wird in Wien uraufgeführt.

11.6.1943, Freitag

Die Alliierten nehmen die italienische Mittelmeerinsel Pantelleria ein.

Ein Bombenangriff auf Düsseldorf in der Nacht zum 12. Juni macht 120 000 Menschen obdachlos.

Reichsführer SS Heinrich Himmler ordnet die Liquidierung aller polnischen Juden-Ghettos an.

Der deutsche Ingenieur Henning Schreyer meldet ein Patent für ein vollelektronisches Speicher- und Rechenwerk unter Verwendung von Glimmröhren an; infolge des Krieges fehlen ihm allerdings die Mittel zur Realisierung seiner Idee.

12.6.1943, Samstag

Die Alliierten erobern die Mittelmeerinsel Lampedusa zwischen Tunesien und Sizilien.

Britische Flugzeuge werfen 1507 t Bomben auf Bochum und richten schwere Schäden in den Industrie- und Wohnvierteln der Stadt an.

Unter der Leitung von Fritz Weidlich nimmt das Orchester der Deutschen Philharmonischen Gesellschaft in Preßburg seine Tätigkeit auf.

In der Nacht zum 14. Juni greifen deutsche Jagdbomber die britische Stadt Grimsby an.

In seiner Pfingstansprache vor 25 000 Arbeitern auf dem Petersplatz in Rom wendet sich Papst Pius XII. gegen einen revolutionären Umsturz der Gesellschaft und spricht sich für eine harmonische Weiterentwicklung aus.

14.6.1943, Montag

In der Nacht zum 15. Juni greifen 165 britische Bomber bei 17 Verlusten Oberhausen an; 1000 Wohnhäuser werden zerstört, 25 Industrieanlagen und 5000 Wohnhäuser beschädigt.

Die faschistische Partei Italiens fasst in einer Denkschrift ihr Kampfprogramm für den “Endsieg” zusammen.

In Estland, Lettland und Litauen findet ein “Trauertag zum Gedenken an die Opfer der bolschewistischen Gewaltherrschaft” statt.

Bei einem Länderspiel in Stockholm unterliegt die Fußballnationalmannschaft der Schweiz vor 35 000 Zuschauern dem Team von Schweden 0:1.

15.6.1943, Dienstag

Die britische Labour Party lehnt es ab, die Mitglieder der kommunistischen Partei Großbritanniens in ihren Reihen aufzunehmen.

Die deutsche Arado “Ar 234”, der erste Strahlbomber der Welt, startet zu ihrem ersten Probeflug.

Die Schulen des Deutschen Reiches können in Zukunft geschlossen verlegt werden, wenn die Luftkriegsgefahr einen geregelten Unterrichtsbetrieb nicht mehr zuläßt.

Im Deutschen Reich wird ein Aufruf zur Sammlung gebrauchter wissenschaftlicher Literatur erlassen, um den eklatanten Mangel an Fachbüchern für die Studenten zu beheben.

16.6.1943, Mittwoch

Führer und Reichskanzler Adolf Hitler entschließt sich endgültig zur Durchführung des Unternehmens “Zitadelle”, des deutschen Angriffs auf die sowjetischen Kräfte im Raum Kursk.

In der Nacht zum 17. Juni greifen britische Bomber Köln an.

Über der Salomoninsel Guadalcanal liefern sich US-amerikanische und japanische Verbände eine Luftschlacht.

Die schwedische Tageszeitung “Nya Dagligt Allehanda” berichtet über geheime deutsch-sowjetische Friedensverhandlungen bei Stockholm.

17.6.1943, Donnerstag

Die am 15. Mai begonnene Operation “Schwarz” der Achsenmächte gegen Partisanen in Montenegro wird abgeschlossen; 5697 Tote werden gezählt, doch belaufen sich die Gesamtverluste vermutlich auf 12 000 Mann.

Im Westen Venezuelas treten zahlreiche Zuflüsse des Orinoko über die Ufer und verursachen eine schwere Hochwasserkatastrophe.

18.6.1943, Freitag

Die süditalienischen Provinzen Kalabrien, Apulien und Lukanien werden zum Kriegsgebiet erklärt.

Reichspropagandaminister Joseph Goebbels besucht die vom Bombenkrieg besonders schwer heimgesuchten Städte Düsseldorf und Wuppertal.

Feldmarschall Sir Archibald Percival Wavell wird zum Vizekönig von Indien ernannt.

Der indische Nationalistenführer Subhas Chandra Bose, der am 7. Februar an Bord eines deutschen U-Bootes Kiel verlassen hatte, trifft in Japan ein.

Die Produktion im Klöcknerwerk Georgsmarienhütte wird durch Sabotage für fünf Stunden lahmgelegt.

19.6.1943, Samstag

In einem Brief an Adolf Hitler versucht Generalgouverneur Hans Frank, diesen für eine mildere Besatzungspolitik in Polen zu gewinnen.

In Italien wird die Arbeitsdienstpflicht eingeführt; ab 1. Juli unterliegen ihr alle Männer der Jahrgänge 1907 bis 1925 und alle Frauen der Jahrgänge 1919 bis 1925.

Schwere Regenfälle führen in Nordschweden zu den schlimmsten Überschwemmungen seit über fünf Jahren.

20.6.1943, Sonntag

Großadmiral Karl Dönitz und der Reichsminister für Bewaffnung und Munition, Albert Speer einigen sich über die Kompetenzen bei der Durchführung des deutschen Marinebauprogramms.

Die Militärbefehlshaber in Belgien und Nordfrankreich untersagen alle nicht unbedingt notwendigen Hoch- und Tiefbauarbeiten.

In Detroit im US-Bundesstaat Michigan kommt es zu Rassenunruhen zwischen Weißen und Schwarzen; bei den Auseinandersetzungen kommen 34 Menschen ums Leben.

Ein Erdbeben in der Türkei fordert 346 Menschenleben.

In Nürnberg wird die Oper “Signor Formica” des NS-Dichters Hans Grimm uraufgeführt.

21.6.1943, Montag

Adolf Hitler ordnet die Bildung eines zentralen Standgerichts der deutschen Wehrmacht an.

US-amerikanische Bomber greifen die süditalienische Stadt Neapel an.

In der Nacht zum 22. Juni wird Krefeld von den Briten bombardiert. Dies ist der erste Angriff der Royal Air Force nach der sog. Weberschiffchen-Taktik, wonach die Flugzeuge nach dem Angriff zum Auftanken nach Nordafrika fliegen, um auf dem Rückflug weitere Gebiete zu bombardieren.

Reichsführer SS Heinrich Himmler befiehlt die Liquidierung aller jüdischen Ghettos in den besetzten sowjetischen Gebieten.

In der Nacht zum 23. Juni werfen britische Flugzeuge 1643 t Bomben auf Mülheim an der Ruhr und Oberhausen.

Bei den Wahlen zum irischen Parlament stellt die Partei von Ministerpräsident Eamon de Valera (Fianna Fáil) erneut die stärkste Fraktion.

Die finnische Regierung beschließt die Umsiedlung von rund 10 000 Finnen aus dem östlich von Estland gelegenen Ingermanland in ihre Heimat.

Zum zweiten Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion beginnt in Moskau eine Ausstellung mit von der Roten Armee erbeuteten Waffen.

23.6.1943, Mittwoch

Albert Hoffmann, bisher stellvertretender Gauleiter, wird neuer Gauleiter der NSDAP von Westfalen-Süd.

General Sir Claude John Eyre Auchinleck wird als Nachfolger von Sir Archibald Percival Wavell neuer britischer Oberbefehlshaber in Indien.

Der US-amerikanische Präsident Franklin Delano Roosevelt erklärt seine Absicht, die Wehrdienstpflicht bis zum 65. Lebensjahr heraufzusetzen, um Streikführer eventuell zum Militär einziehen zu können.

25.6.1943, Freitag

Der Beginn der deutschen Offensive im Raum Kursk (“Zitadelle”) wird auf den 5. Juli festgesetzt.

Nach einem Aufstand wird das Ghetto Tschenstochau vernichtet.

In der Nacht zum 26. Juni greifen britische Bomber Gelsenkirchen an.

Führer und Reichskanzler Adolf Hitler erlässt eine Verordnung über die Versorgung für die ehemaligen Angehörigen der Polizei und des Sicherheitsdienstes der Schutzstaffel und ihre Hinterbliebenen; der Erlass tritt rückwirkend zum 26. August 1939 in Kraft.

Der US-amerikanische Kongress nimmt ein Antistreikgesetz an, durch das alle Streiks in Regierungsbetrieben (d. h. in allen kriegswichtigen Betrieben) verboten werden.

Der Film “Romanze in Moll” wird in Berlin uraufgeführt. Unter der Regie von Helmut Käutner spielen u.a. Marianne Hoppe, Paul Dahlke, Ferdinand Marian, Siegfried Breuer und Elisabeth Flickenschildt die Hauptrollen.

26.6.1943, Samstag

Der Reichsminister für Bewaffnung und Munition, Albert Speer, übernimmt die Kontrolle über die Marinerüstung und lenkt nun die gesamte deutsche Rüstungsproduktion bis auf die Luftwaffenrüstung.

Reichskanzleichef Hans Heinrich Lammers fordert die deutschen Reichsbehörden zur konsequenteren Handhabung der Bezeichnung “Führer” auf.

Die Jagdzielfernrohre der deutschen Jägerschaft werden für den Einsatz in der Wehrmacht eingezogen.

Joseph Goebbels eröffnet die siebte Große Deutsche Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst in München. 1141 Werke von 660 Künstlern sind zu sehen.

27.6.1943, Sonntag

Die Presse im Deutschen Reich beschwört den Widerstandswillen der Bevölkerung: “An dem durch einen unbändigen Haß gestählten Willen der westdeutschen Gebiete wird der britische Terror zerbrechen.”