Was geschah im Juni 1954

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1.6.1954, Dienstag

Die Bundesregierung spricht sich gegen Berlin (West) als Ort für die Wahl des zweiten Bundespräsidenten am 16. Juli aus. Das Kabinett macht u.a. rechtliche und politische Bedenken geltend.

Der Sender Freies Berlin (SFB) nimmt seinen Betrieb auf; die neue Rundfunkanstalt war am 5. November 1953 vom Berliner Abgeordnetenhaus per Gesetz gegründet worden.

Nach Angaben des Polizeipräsidiums von Berlin (West) haben im Mai 258 DDR-Volkspolizisten im Westsektor der Stadt um politisches Asyl nachgesucht.

Großbritannien verhängt den Ausnahmezustand über die Provinz Buganda im britischen Protektorat Uganda (Ostafrika), nachdem der Uganda National Congress zum Boykott britischer Waren aufgerufen hatte.

Der Tscheche Emil Zatopek bleibt in Brüssel als erster Läufer über 10 000 m unter 29 Minuten.

2.6.1954, Mittwoch

Heinrich Brüning, deutscher Reichskanzler von 1930- 32, wendet sich in Düsseldorf gegen eine “dogmatische” Westbindung der bundesdeutschen Außenpolitik. In Anlehnung an die Außenpolitik des Deutschen Reichs Mitte der 20er Jahre müsse die Bundesrepublik versuchen, eine “souveräne” Position zwischen Ost und West einzunehmen.

3.6.1954, Donnerstag

Der bundesdeutsche Verband der Automobilindustrie kritisiert das vom Bundeskabinett verabschiedete Straßenentlastungs- und Verkehrsfinanzierungsgesetz, das u.a. eine Einschränkung des LKW-Verkehrs zugunsten des Gütertransports durch die Deutsche Bundesbahn vorsieht.

Eine Frachtmaschine der belgischen Fluggesellschaft Sabena wird über Jugoslawien von MIG-Düsenjägern unbekannter Nationalität beschossen. Ein Besatzungsmitglied kommt ums Leben.

4.6.1954, Freitag

Im japanischen Parlament in Tokio kommt es wegen einer Tagesordnungsfrage zu einer Schlägerei zwischen Vertretern von Opposition und Regierungsfraktion. 34 Abgeordnete werden bei dem Tumult verletzt.

Die USA sichern Frankreich die sofortige Entsendung von Kriegsschiffen und Flugzeugen zu, sollten sowjetische oder chinesische Streitkräfte im Indochina-Konflikt gegen Frankreich eingreifen.

Der ägyptische Archäologe Zakaria Goneim entdeckt südlich von Kairo die unberührte Grabkammer eines Pharaonen. Ihr Alter wird auf 4700 Jahre geschätzt.

Im Haus der Kunst in München wird die Große Kunstausstellung 1954 eröffnet. Bis zum 3. Oktober werden fast 1000 Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Plastik und Grafik gezeigt.

5.6.1954, Samstag

In Washington verspricht US-Präsident Dwight D. Eisenhower dem türkischen Ministerpräsidenten Adnan Menderes verstärkte Militärhilfe für die Mitgliedstaaten des Balkan-Freundschaftsvertrages, dem die Türkei, Griechenland und Jugoslawien angehören.

Die Regierung von Pakistan lässt in der Provinz Ost-Pakistan (Ost-Bengalen) 564 Menschen verhaften. Diese Maßnahme richtet sich gegen Anhänger der Ende Mai abgesetzten Provinzregierung die in Opposition zur Zentralregierung stand.

Bei der Hamburger Howaldts-Werft läuft der größte Tanker der Welt, die “König Saud I.”, vom Stapel.

Im Deutschen Theater in Göttingen wird Erna Weissenborns “Nummer 228 wird aufgerufen” uraufgeführt. Das Stück behandelt das Schicksal deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion.

6.6.1954, Sonntag

In Berlin (Ost) findet das zweite sog. Deutschlandtreffen der DDR-Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ) statt (bis 7.6.). Rund 500 000 Jugendliche aus der DDR und einige Tausend aus der Bundesrepublik nehmen an den Demonstrationen für Frieden und die Einheit Deutschlands teil.

In mehreren Städten der Bundesrepublik treffen sich die Landsmannschaften der aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten Vertriebenen. In München betont ein Vertreter der Sudetendeutschen die Notwendigkeit der Wiedervereinigung Deutschlands.

Mit der Ausstrahlung des Narzissenfestes aus Montreux (Schweiz) startet die Eurovision ihre erste gesamteuropäische Fernsehübertragung, an der die Bundesrepublik, die Niederlande, Großbritannien, Frankreich, Italien, Dänemark, Belgien und die Schweiz beteiligt sind.

7.6.1954, Montag

Frankreich gibt bekannt, dass die kommunistischen Vietminh ihren Truppenaufmarsch gegen das Delta des Roten Flusses (Nord-Vietnam) beendet haben. Für die Verteidigung gegen die erwartete kommunistische Offensive hat auf französischer Seite General Paul Ely, der neuernannte Hohe Kommissar für Indochina, den Oberbefehl.

In Südtunesien rücken französische Truppen gegen Verbände tunesischer Nationalisten vor, die in den vergangenen Wochen Terroranschläge auf französische Siedler verübt haben.

8.6.1954, Dienstag

Nach Angaben von Bundesvertriebenenminister Theodor Oberländer leben in der Bundesrepublik noch rund 350 000 Menschen in Auswanderer- und Durchgangslagern.

Der ehemalige Außenminister der DDR, Georg Dertinger, wird in Berlin (Ost) wegen “Verschwörung zum Sturz der DDR” zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Die US-amerikanische Botschaft in Moskau erteilt erstmals Visa für die Einreise in die USA an sowjetische Bürger. Vierzehn Schachspieler aus der UdSSR dürfen die Vereinigten Staaten besuchen.

9.6.1954, Mittwoch

Der ausenpolitische Ausschuss der französischen Nationalversammlung spricht sich gegen den Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) aus und fordert die Nationalversammlung auf, das Vertragswerk nicht zu ratifizieren.

10.6.1954, Donnerstag

Über die mexikanische Provinz Sonora wird der Ausnahmezustand verhängt. Anlass ist der Versuch von etwa 2000 Demonstranten, acht Untersuchungshäftlinge aus dem Gefängnis von Cananea zu befreien. Die inhaftierten landlosen Bauern hatten das Gelände einer US-amerikanischen Firma besetzt.

In Simbach am Inn wird ein neues Wasserkraftwerk eingeweiht. Die als Gemeinschaftsprojekt von Österreich und Bayern gebaute Staustufe hat 120 Millionen DM gekostet und wird jährlich eine halbe Milliarde Kilowattstunden Strom liefern.

Die Sterblichkeit bei Lungenentzündung ist in Deutschland seit 1934 um fast 25% gesunken. Dies belegen Statistiken, die auf dem dritten Kongress für ärztliche Fortbildung in Berlin (West) vorgelegt werden.

11.6.1954, Freitag

Parteiausschuss und Parteivorstand der SPD geben den Verzicht auf einen eigenen Kandidaten für die Wahl des Bundespräsidenten am 16. Juli bekannt. Den sozialdemokratischen Vertretern in der Bundesversammlung wird empfohlen, für Theodor Heuss (FDP) zu stimmen.

Vertreter der bundesrepublikanischen Lebensmittelbranche kritisieren die vom Bundesministerium des Inneren geplante Hygieneverordnung. Danach sollen in allen Betrieben, die Lebensmittel herstellen oder verkaufen, u.a. Textilhandtücher durch Papierhandtücher oder Heißlufttrockner ersetzt werden.

Der im Kriegsverbrecher-Gefängnis in Spandau (West-Berlin) einsitzende frühere Reichswirtschaftsminister Walther Funk soll in einem britischen Militärgefängnis operiert werden. Es ist das erste Mal, dass sich die vier Besatzungsmächte darauf einigen, schwerkranke Kriegsverbrecher außerhalb des Gefängnisses behandeln zu lassen.

Der bundesdeutsche Mittelgewichtsboxer Gustav “Bubi” Scholz besiegt in Berlin (West) den Belgier Emile Delmine durch K. o. in der vierten Runde.

12.6.1954, Samstag

Die französische Nationalversammlung versagt der Koalitionsregierung unter Ministerpräsident Joseph Laniel das Vertrauen in der Frage des Indochina-Konfliktes. Laniel reicht daraufhin den Rücktritt seiner Regierung ein.

13.6.1954, Sonntag

Vor 250 000 Zuschauern verkündet Papst Pius XII. in Rom fünf Heiligsprechungen. In der fast 2000-Jährigen Geschichte der Römisch-Katholischen Kirche ist dies das erste Mal, dass fünf Selige an einem Tag heiliggesprochen werden.

Sieger des diesjährigen 24-Stunden-Rennens von Le Mans (Frankreich) werden der Argentinier José Froilan Gonzales und der Franzose Maurice Trintignant auf Ferrari.

Den Giro d’Italia 1954 gewinnt der Schweizer Carlo Clerici. Die schwierige Radrundfahrt endet nach 4322 km in Mailand.

Die Ankündigung der Bundesregierung einen “Koordinierungsausschuss für Verlautbarungen der Bundesregierung” unter der Leitung des CDU-Bundestagsabgeordneten Otto Lenz einzurichten, wird allgemein heftig kritisiert.

14.6.1954, Montag

In Bad Neuenahr wird das “Kuratorium Unteilbares Deutschland” gegründet. Namhafte Vertreter aller bundesdeutschen Parteien und zahlreicher anderer Institutionen wollen darin für die “Wiedervereinigung aller Deutschen” zusammenarbeiten.

In Hamburg wird eine Ladung schweizerischer Flakmunition auf dem bundesdeutschen Hapag-Dampfer “Coburg” beschlagnahmt. Die für die Streitkräfte Guatemalas bestimmte Munition wird auf Antrag der US-amerikanischen Hochkommission in Deutschland von den bundesdeutschen Behörden eingezogen.

In den USA wird die größte Luftschutzübung in Friedenszeiten durchgeführt. Bei einem fiktiven Angriff von 400 Bombern wird in 41 Großstädten Luftalarm ausgelöst und die Straßen von Passanten geräumt.

15.6.1954, Dienstag

Bundestagspräsident Hermann Ehlers (FDP) gibt bekannt, dass er die Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten für den 17. Juli nach Berlin (West) einlädt. Damit setzt er sich über außenpolitische und rechtliche Bedenken der CDU gegen Berlin als Wahlort hinweg.

Die britische Schauspielerin Simone Silva muss die USA innerhalb von 60 Tagen verlassen, weil sie sich bei den Filmfestspielen von Cannes mit nacktem Busen fotografieren ließ.

16.6.1954, Mittwoch

Ngô Dinh Diêm wird zum neuen Ministerpräsidenten Vietnams berufen. Die von Frankreich unterstützte autonome Republik kontrolliert den Süden des Landes.

In der nicaraguanischen Hauptstadt Managua wird der diktatorisch regierende Präsident, Anastasio Somoza Garcia, bei einem Attentat leicht verletzt.

17.6.1954, Donnerstag

In der Bundesrepublik Deutschland wird der Tag der Deutschen Einheit im Gedenken an den Volksaufstand in der DDR 1953 erstmals als gesetzlicher Feiertag begangen.

Der Österreicher Rupert Hollaus gewinnt bei der Tourist-Trophy auf der britischen Insel Isle of Man den Lauf der 125-ccm-Klasse auf NSU.

Im ersten Spiel der bundesdeutschen Nationalelf bei der Fußball-Weltmeisterschaft in der Schweiz besiegt die deutsche Auswahl in Bern die Türkei 4:1.

Israel und die Sowjetunion einigen sich darauf, ihre Gesandtschaften in Moskau und Tel Aviv zu Botschaften zu erheben.

Die Landesregierung von Schleswig-Holstein verbietet den für den 24. bis 26. Juni in Lübeck geplanten “Europäischen Kongress der nationalen Kräfte”. Nach Ansicht der Regierung handelt es sich bei der Veranstalterorganisation der sog. Europäischen Verbindungssteile, um eine neofaschistische Gruppe, deren Tätigkeit gegen die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik gerichtet sei.

18.6.1954, Freitag

Der radikalsozialistische Politiker Pierre Mendès-France wird neuer Ministerpräsident Frankreichs.

Der Exilguatemalteke Oberst Carlos Castillo Armas dringt von Honduras aus mit 4000 Mann nach Guatemala ein, um die Regierung unter Präsident Jacobo Arbenz Guzmán zu stürzen.

In Recklinghausen werden die 8. Ruhrfestspiele mit der Aufführung von Henrik Ibsens Drama “Peer Gynt” eröffnet.

In New York verteidigt Rocky Marciano Weltmeister im Schwergewicht, erfolgreich seinen Titel. Vor 40 000 Zuschauern besiegt er seinen Herausforderer Ezzard Charles in fünfzehn Runden klar nach Punkten.

19.6.1954, Samstag

Bei den Genfer Verhandlungen über Indochina kommt es zu einer ersten Annäherung der Verhandlungsteilnehmer: Die Westmächte sowie die Vertreter des Ostblocks und der betroffenen Staaten beschließen, dass die Verhandlungen über Laos und Kambodscha in Genf oder in Indochina von den Oberkommandos der Vietminh bzw. der französischen Truppen vor Ort fortgeführt werden sollen.

In Berlin (West) werden das Auditorium Maximum und die Bibliothek der Freien Universität eingeweiht. Der neue Universitätstrakt im Villenvorort Dahlem wurde mit Spenden aus der US-amerikanischen Henry-Ford-Stiftung errichtet.

20.6.1954, Sonntag

In Düsseldorf fordert Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) die Wiederherstellung der bundesrepublikanischen Souveränität unabhängig davon, ob der Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) ratifiziert werde oder nicht.

In Baden-Baden wird die 19-Jährige Bremerin Regina Ernst zur Miss Germany 1954 gewählt.

In Madrid gewinnt der Deutsche Hans Günter Winkler auf Halla die Weltmeisterschaft der Springreiter.

21.6.1954, Montag

Die USA warnen die Bundesrepublik vor einer Ostorientierung in der Außenpolitik. Die Regierung in Washington fürchtet, die Bundesrepublik wolle eine neutrale Position in Europa durch Annäherung an den Osten anstreben. Hintergrund der Warnung ist u.a. der Vorschlag des FDP-Politikers Karl Georg Pfleiderer, die Bundesrepublik solle diplomatische Beziehungen zur Sowjetunion aufnehmen.

In München treffen die Mitglieder des sog. Kersten-Ausschusses des US-amerikanischen Kongresses ein. Die sieben Abgeordneten sollen unter Führung des republikanischen Abgeordneten Charles J. Kersten das Vordringen der Sowjetunion in den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen untersuchen.

Kommunistische Streitkräfte des Vietminh stürmen ein französisches Kriegsgefangenenlager bei Saigon und befreien 500 Gefangene.

Der Australier John Landy läuft in Turku (Finnland) Weltrekord über eine Meile. Mit 3:57,9 min unterbietet er den bisherigen Weltrekord des Briten Roger Bannister um 1,5 sec.

22.6.1954, Dienstag

Die argentinische Regierung beschließt, dass die Parlamentsabgeordneten an Sitzungstagen Gratismahlzeiten im Parlamentsrestaurant erhalten sollen. Zahlreichen Abgeordneten entstünden durch den Aufenthalt in der Landeshauptstadt Buenos Aires Ausgaben, die durch ihre Diäten nicht abgedeckt seien.

Der Senat für Kriegsopferversorgung des Landessozialgerichts von Rheinland-Pfalz spricht in Mainz einer Kriegerwitwe die gesetzlich vorgeschriebene Hinterbliebenenrente zu. Der Ehemann der Klägerin war 1941 als Feldpostsachbearbeiter wegen Unterschlagung zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Nach Einschätzung des Gerichts war die Tat nicht so schwerwiegend, dass eine Aberkennung des Versorgungsanspruches zu rechtfertigen sei.

23.6.1954, Mittwoch

In Luxemburg beraten die Außenminister der drei Beneluxstaaten Niederlande, Belgien und Luxemburg über eine mögliche Ersatzlösung, falls die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) scheitern sollte.

Kwame Nkrumah, Führer der nationalistischen Convention People’s Party (CPP), bildet in der britischen Kolonie Goldküste (Ghana) die erste schwarze Regierung.

24.6.1954, Donnerstag

Bundesinnenminister Gerhard Schröder (CDU) verspricht vor dem Bundestag, für alle in der sog. Aktion Vulkan schuldlos Verhafteten nach Abschluss der Ermittlungen Ehrenerklärungen abzugeben. Im April 1953 waren 39 Personen unter dem Verdacht der Ostspionage festgenommen worden, der sich in fast allen Fällen als haltlos erwies.

Im Düsseldorfer Rheinstadion beginnt der US-amerikanische Prediger Billy Graham seinen “Feldzug für die Erweckung zum Glauben” durch die Bundesrepublik.

25.6.1954, Freitag

Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Reinhold Maier (FDP) wirft Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) vor, die Entwicklung der Bundesrepublik von der Demokratie zur Herrschaft einiger weniger voranzutreiben.

In Washington beginnen Beratungen zwischen Großbritannien und den USA über die voneinander abweichenden Sicherheitskonzeptionen beider Länder für den südostasiatischen Raum.

Beim Ulster-Grand-Prix in Belfast (Nord-Irland) gibt es in der 250-ccm-Klasse einen dreifachen Sieg für NSU. Der zweifache Weltmeister Werner Haas gewinnt vor Alfred Baltisberger und Hermann Paul Müller.

26.6.1954, Samstag

Eine viermotorige britische Verkehrsmaschine vom Typ York stürzt im Luftkorridor zwischen Hamburg und Berlin bei Kyritz in der DDR ab und brennt völlig aus. Drei Besatzungsmitglieder kommen bei dem Unglück ums Leben.

Zehn amerikanische Länder, darunter die USA, fordern anlässlich der Invasion Guatemalas durch die sog. Befreiungsarmee unter Oberst Carlos Castillo Armas die Einberufung einer interamerikanischen Friedenskonferenz.

In 10 000 Wahllokalen beginnt in der DDR eine dreitägige Volksbefragung zum Thema “Friedensvertrag oder EVG?”. Die zu erwartende Ablehnung der geplanten westlichen Verteidigungsgemeinschaft soll die offizielle politische Linie der DDR-Regierung in dieser Frage unterstützen. Nach dem am 28. Juni bekanntgegebenen Ergebnis sprechen sich 93% der rund 13 Millionen Stimmberechtigten gegen die EVG aus.

27.6.1954, Sonntag

Der Oberbefehlshaber der in Europa stationierten US-Luftstreitkräfte, General John Tunner, ordnet an, dass alle Soldaten ab 1. Juli Unterricht in den Sprachen ihres Stationierungslandes erhalten, die rund 80 000 Angehörigen der US-Armee sollen so die Sprachbarrieren überwinden, die sie bisher von der einheimischen Bevölkerung trennen.

Bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen verliert die bisherige Regierungskoalition unter Ministerpräsident Karl Arnold (CDU) ihre Mehrheit. CDU und Zentrum erhalten nur noch 99 von 200 Mandaten.

28.6.1954, Montag

Indiens Ministerpräsident Jawaharlal Nehru und der chinesische Ministerpräsident Zhou Enlai sprechen sich für eine politische Lösung in Indochina aus, durch die freie, demokratische und geeinte Staaten in der Region geschaffen werden.

Nach Angaben der italienischen Botschaft in Neu-Delhi hat nur ein Mitglied der vierköpfigen italienischen Expedition, die den 7132 m hohen Himalaja-Berg Api besteigen wollte, überlebt. Die anderen drei Expeditionsteilnehmer erfroren bei dem Versuch, bis zum Berggipfel vorzudringen.

29.6.1954, Dienstag

Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt Walter Hallstein äußert sich in Bonn zur Zahl der Deutschen in der französischen Fremdenlegion und zum Vorgehen der Regierung gegen Werber der Fremdenlegion in der Bundesrepublik.

In Moskau wird ein sowjetisch-französisches Abkommen über die Errichtung einer regelmäßigen Flugverbindung zwischen Moskau und Paris unterzeichnet.

In Den Haag beginnen Geheimverhandlungen zwischen der niederländischen und der indonesischen Regierung über die Auflösung der zwischen beiden Staaten bestehenden Union.

30.6.1954, Mittwoch

In Bonn trifft der griechische Ministerpräsident Marschall Alexandros Papagos ein. Es ist der erste offizielle Staatsbesuch eines griechischen Regierungschefs in der Bundesrepublik.

In West-Berlin gehen die Vierten Internationalen Filmfestspiele zu Ende.

Über Nordamerika und Teilen Europas wird eine Sonnenfinsternis beobachtet.