Was geschah im Juni 1959

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1.6.1959, Montag

Die Bemühungen um die Lösung des Deutschlandproblems werden mit stillschweigender Billigung aller Beteiligten von der Tagesordnung der Genfer Außenministerkonferenz gestrichen. Behandelt wird nur noch die Berlin-Frage.

Die britische Kronkolonie Singapur erhält als Staat im britischen Commonwealth die Selbstverwaltung.

In einer feierlichen Sitzung verabschiedet die tunesische Nationalversammlung in Tunis die erste Verfassung Tunesiens.

Der nicaraguanische Präsident Luis Anastasio Somoza Debayle verhängt den Belagerungszustand über das Land. Er begründet die Maßnahme mit wachsenden oppositionellen Aktivitäten gegen seine diktatorische Regierung.

Franzosen, die ins Ausland reisen wollen, können wieder Devisen bei französischen Banken kaufen. Die Höchstgrenze ist auf umgerechnet 420 DM pro Kopf festgesetzt worden.

In der Schweiz wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften auf 60 km/h festgesetzt.

Der US-amerikanische Rock ‘n’ Roll-Sänger Elvis Presley wird zum Unteroffizier befördert. Er ist bei einer US-Einheit im hessischen Friedberg stationiert.

2.6.1959, Dienstag

Der Westberliner Senat beschließt die Umbenennung einer Straße im Tiergarten in “John-Foster-Dulles-Allee”. Damit soll der am 24. Mai verstorbene US-Außenminister wegen seines Eintretens für Berlin besonders geehrt werden.

Das Hauptquartier der US-Einheiten in Berlin (West) ordnet an, dass weibliche Angehörige der US-Garnison künftig in der Öffentlichkeit keine Blue Jeans, Shorts oder enganliegenden Badeanzüge mehr tragen dürfen.

3.6.1959, Mittwoch

Mit einem 2:0 über den französischen Titelträger Stade Reims gewinnt Real Madrid in Stuttgart zum vierten Mal hintereinander den Fußball-Europapokal der Landesmeister.

Die letzte große Toulouse-Lautrec-Sammlung wird in Paris für umgerechnet 770 000 DM versteigert.

Die Westmächte empfehlen der Bundesrepublik in Genf, die Wahl des Bundespräsidenten am 1. Juli nicht in Berlin (West) abzuhalten.

In Berlin (Ost) findet eine internationale Pressekonferenz über den “Agentensumpf Westberlin” statt.

In Indonesien wird der Ausnahmezustand ausgerufen, nachdem Präsident Achmed Sukarno am Vortag in der Verfassunggebenden Versammlung mit seinem Versuch gescheitert war, die autoritäre Verfassung von 1945 wieder in Kraft zu setzen.

4.6.1959, Donnerstag

Überraschend tritt Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) wieder von der Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten zurück.

5.6.1959, Freitag

Die syrisch-jordanische Grenze wird auf Veranlassung Syriens (Vereinigte Arabische Republik) geschlossen. Es handelt sich dabei um eine Vergeltung für die Weigerung Jordaniens, syrische Bauern ihre auf jordanischem Gebiet liegenden Felder bearbeiten zu lassen.

Mit 86,04 m gelingt dem US-Offizier Albert Cantello in Compton (USA) ein Weltrekord im Speerwerfen. Er übertrifft damit die 1956 von dem Norweger Egil Danielsen aufgestellte Bestmarke um 33 cm.

6.6.1959, Samstag

In Karlsruhe wird die Badische Volkspartei gegründet, deren wichtigstes Ziel die Wiederherstellung des Landes Baden und damit die Auflösung des Bundeslandes Baden-Württemberg ist.

7.6.1959, Sonntag

Den 42. Giro d’Italia gewinnt der Luxemburger Charly Gaul. Hans (“Hennes”) Junkermann aus Krefeld, der einzige bundesdeutsche Teilnehmer des Radrennens, belegt den elften Platz.

Der Brite Stirling Moss geht mit einem Aston Martin zum dritten Mal beim Internationalen 1000-km-Rennen des ADAC auf dem Nürburgring als Sieger hervor.

Zum fünften Jahrestag der Gründung der Eurovision wird unter bundesdeutscher Leitung eine Sendung mit dem Titel “Spaziergang durch Europa” in zehn Ländern gleichzeitig ausgestrahlt.

8.6.1959, Montag

Das US-amerikanische Postministerium in Washington gibt die erste Postzustellung durch einen ferngelenkten Flugkörper bekannt. Das Lenkgeschoss vom Typ “Regulus” beförderte von einem Unterseeboot etwa 3000 Briefe nach dem Marinestützpunkt Mayport in Florida.

Der US-amerikanische Pianist Liberace (mit vollem Namen Wladziu Valentino Liberace) verklagt William Connor, den Starkolumnisten der britischen Tageszeitung “Daily Mirror”, wegen Beleidigung und Geschäftsschädigung. Connor hatte den Sänger u.a. als “affektierten, girrenden, parfümierten Haufen Mutterliebe” bezeichnet.

In Budapest (Ungarn) verbessert der 27-Jährige Joszef Szecsenyi den Europarekord im Diskuswerfen auf 58,33 m.

9.6.1959, Dienstag

Auf der konstituierenden Sitzung des neugewählten österreichischen Nationalrates wird der bisherige Außenminister Leopold Figl (Österreichische Volkspartei) einstimmig zum Parlamentspräsidenten gewählt.

Über den Wunsch Frankreichs, in der NATO (Nordatlantisches Verteidigungsbündnis) eine größere Rolle zu spielen, kommt es zu einem offenen Konflikt zwischen den westlichen Großmächten. Frankreich weigert sich, Atomwaffen auf französischem Boden zu lagern, sofern die “Grande Nation” nicht auch die Kontrolle über diese Waffen erhält.

In Groton (USA) läuft das erste Atom-Unterseeboot mit Polaris-Atomraketen vom Stapel.

10.6.1959, Mittwoch

Rund 92,5% der in einer CDU-Umfrage in Hamburg erfassten Bürger halten die Entscheidung Konrad Adenauers (CDU), Bundeskanzler zu bleiben, für falsch.

Auf der Genfer Konferenz überrascht der sowjetische Außenminister Andrei A. Gromyko seine westlichen Kollegen mit einem neuen Berlin-Ultimatum. Hierin wird u.a. gefordert, dass die Bundesrepublik und die DDR innerhalb eines Jahres über einen Friedensvertrag und über die Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden Staaten verhandeln.

Bundespräsident Theodor Heuss überreicht in Bonn dem Präsidenten des Europäischen Parlamentes, Robert Schumann, in Anerkennung seiner Verdienste um die europäische Zusammenarbeit das Große Bundesverdienstkreuz.

Arbeiterkolonnen beginnen in Berlin (Ost) mit dem Abriß des “Führerbunkers”. Adolf Hitler hatte hier 1945 wenige Tage vor Kriegsende Selbstmord begangen.

11.6.1959, Donnerstag

Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle empfängt in Paris den Regierenden Bürgermeister von Berlin (West), Willy Brandt (SPD). Brandt bekundet erneut das Vertrauen der Westberliner Bevölkerung in die Sicherheitsgarantien der Westmächte.

Die sowjetische Parteizeitung “Prawda” veröffentlicht einen Beschluss des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, wonach der ursprüngliche Siebenjahresplan auf sechs Jahre verkürzt wird. Schon 1964 sollen die USA wirtschaftlich eingeholt werden.

Die von der französischen Regierung unter Ministerpräsident Michel Debré geplanten Maßnahmen, die eine Verschmelzung der Kolonie Algerien mit der Verwaltung im Mutterland fördern sollen, werden von der Nationalversammlung in Paris mit überwältigender Mehrheit gebilligt.

Wegen Mordes an sieben Juden im polnischen Getto Tschenstochau verurteilt das Hanauer Schwurgericht den ehemaligen Polizeiwachtmeister Wilhelm Unkelbach zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe.

12.6.1959, Freitag

Mit den Stimmen der Koalitionsparteien CDU/CSU und DP (Deutsche Partei) verabschiedet der Bundestag den Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1959/60.

13.6.1959, Samstag

Der Parteivorstand der SPD leitet in Bonn ein Parteiordnungsverfahren gegen den früheren Bundesvorsitzenden des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes Oswald Hüller ein, weil dieser Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR sowie eine Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens gefordert hatte.

Bei den seit Tagen andauernden Demonstrationen gegen die kommunistische Regierung des südindischen Bundesstaates Kerala kommt es zu blutigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten.

14.6.1959, Sonntag

Mehr als 500 Menschen gedenken im Großen Haus der Städtischen Bühne in Frankfurt am Main der 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordeten Anne Frank. Die durch ihr veröffentlichtes Tagebuch mit Aufzeichnungen über ihr erschütterndes Schicksal unter deutscher Besatzung in Amsterdam (1942 bis 1944) bekannte Jüdin wäre am 12. Juni 30 Jahre alt geworden.

In Düsseldorf wird die Oper “Die tödlichen Wünsche” von Giselher Klebe uraufgeführt. Die Inszenierung findet begeisterte Aufnahme beim Publikum.

Nach Hamburg und München zeigt nun auch Paris die große Chagall-Retrospektive. Die Ausstellung im Musée des Arts Décoratifs, einer Abteilung des Palais du Louvre, dauert bis zum 30. September.

Einen Weltrekord im Diskuswerfen stellt in Warschau der polnische Europameister Edmund Piatkowski auf. Mit einer Weite von 59,91 m überbietet er die bisherige Bestleistung des US-Amerikaners Fortune Gordien um 64 cm.

15.6.1959, Montag

Nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) von der Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten nominieren CDU und CSU Landwirtschaftsminister Heinrich Lübke (CDU) als neuen Kandidaten.

Die Regierungsbildung in Österreich führt zu einer Krise in der Österreichischen Volkspartei. Bundeskanzler Julius Raab (ÖVP), der dem Koalitionspartner SPÖ (Sozialistische Partei Österreichs) den Posten des Finanzministers angeboten hatte, kann sich mit diesem Vorhaben in den eigenen Reihen nicht durchsetzen.

16.6.1959, Dienstag

Zwei MIG-Düsenjäger unbekannter Herkunft greifen über internationalen Gewässern etwa 136 km vor der nordkoreanischen Küstenstadt Wonsan ein US-amerikanisches Marine-Patrouillenflugzeug an. Dabei wird ein US-Besatzungsmitglied schwer verletzt.

N’Garta Tombalbaye wird Premierminister der Republik Tschad, die seit 1958 ein autonomer Staat innerhalb der Französischen Gemeinschaft ist.

17.6.1959, Mittwoch

In zahlreichen Feierstunden und Kundgebungen wird in der Bundesrepublik und Berlin (West) der Opfer des Aufstandes gedacht, mit dem sich am 17. Juni 1953 die Bevölkerung der DDR gegen ihre Regierung erhoben hatte.

Der 76-Jährige Eamon de Valera, der insgesamt 21 Jahre lang irischer Ministerpräsident war, wird zum Staatspräsidenten der Republik Irland gewählt.

18.6.1959, Donnerstag

Bundespräsident Theodor Heuss weiht in Berlin (West) Schloss Bellevue als seinen zweiten Amtssitz ein.

Die schwarze Bevölkerung der südafrikanischen Stadt Durban erhebt sich gegen die weiße Regierungsmacht. Die Polizei geht mit Tränengas gegen demonstrierende Frauen vor.

Im Interesse eines beschleunigten Straßenbaus stellt das Bundeskabinett acht Milliarden DM zur Verfügung.

Ein von der Opposition gegen den spanischen Diktator Francisco Franco Bahamonde angekündigter Generalstreik endet mit dem erwarteten Misserfolg. Der Grund für das Scheitern ist in erster Linie die Uneinigkeit der Franco-Gegner.

19.6.1959, Freitag

Eine scharfe Auseinandersetzung zwischen Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard (CDU) bestimmt das tagespolitische Geschehen in der Bundesrepublik. In einem Interview mit der New York Times hatte Adenauer angedeutet, dass er Erhard nicht für einen geeigneten Nachfolger in seinem Amt halte.

Nach 25 Jahren gibt es wieder einen deutschen Sieg bei der Tour de Suisse. Der Krefelder Hans (“Hennes”) Junkermann gewinnt das internationale Radrennen in 37:57:24 h.

20.6.1959, Samstag

Ein sowjetisches Flugzeug vom Typ TU 114 fliegt in viereinhalb Stunden von Moskau nach Paris, um dem Pariser Luftsalon einen Eindruck der sowjetischen Entwicklung im Flugzeugbau zu vermitteln. Das Flugzeug fasst 225 Passagiere und erreicht eine Geschwindigkeit von 800 km/h.

In der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt wird die Kieler Woche eröffnet, die 1959 auf eine 77-Jährige Tradition zurückblicken kann. Im Mittelpunkt der Festwoche stehen die internationalen Segelregatten.

Bei einem Busunglück in der Nähe von Lauffen in Baden-Württemberg kommen 45 Passagiere ums Leben. Der Linienbus war auf einem Bahnübergang, dessen Schranken nicht vollständig herabgelassen waren, von einem Zug erfasst und 400 m mitgeschleift worden.

Nach erfolgreichem Start in Österreich kommt Lou van Burg auch ins bundesdeutsche Fernsehen. “Onkel Lou” präsentiert “Jede Sekunde ein Schilling” und hat damit auf Anhieb Erfolg bei den Fernsehzuschauern.

In Großbritannien sind 100 000 Drucker im Ausstand, so dass über 1000 Wochenzeitungen und 85 Tageszeitungen ihr Erscheinen einstellen müssen. Die Drucker fordern eine 10%ige Lohnerhöhung und die Einführung der 40-Stunden-Woche.

Nach sechswöchigen Verhandlungen, die keine merkliche Annäherung zwischen West und Ost gebracht haben, vertagen die Außenminister der USA, Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion ihre Genfer Deutschlandkonferenz. Die Gespräche sollen am 13. Juli fortgesetzt werden.

21.6.1959, Sonntag

Der Zentralrat der Juden in Deutschland verfolgt mit wachsender Besorgnis ein Wiederaufleben antisemitischer Erscheinungen in der Bundesrepublik und die Rückkehr ehemaliger Nationalsozialisten in Schlüsselstellungen. Dies wird in einer Entschließung auf der Jahressitzung des Rats in Düsseldorf festgestellt.

In Wien wird Deutschland durch einen 14:11-Endspielsieg gegen Rumänien erneut Weltmeister im Feldhandball.

Fritz Walter, der langjährige Kapitän der deutschen Fußballnationalelf, beendet seine sportliche Laufbahn mit einem Abschiedsspiel gegen Racing Paris.

Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans (Frankreich) gewinnt das britisch-US-amerikanische Team Roy Salvadori/Carrol Shelby auf Aston-Martin.

Mit einem sensationellen Sieg der sowjetischen Springreitermannschaft endet der “Preis der Nationen” in Paris. Die deutschen Reiter plazieren sich an zweiter Stelle, die USA werden Dritter.

22.6.1959, Montag

Aufgrund der lang andauernden Hitze und Trockenheit kommt es in der Lüneburger Heide, am Steinhuder Meer und im Oldenburgischen zu Wald- und Moorbränden.

Die argentinischen Streitkräfte erzwingen den Rücktritt der Regierung. Sie beschuldigen Staatspräsident Arturo Frondizi, Kommunisten und Anhänger des ehemaligen argentinischen Präsidenten Juan Domingo Perón in die Regierung aufgenommen zu haben.

23.6.1959, Dienstag

Der in Deutschland geborene Atomphysiker Klaus Fuchs wird aus der britischen Haftanstalt Wakefield vorzeitig entlassen. Wegen des Verrats britischer Atomgeheimnisse an die Sowjetunion war der ehemalige KPD-Funktionär und spätere britische Staatsbürger 1950 zu einer Gefängnisstrafe von 14 Jahren verurteilt worden.

In den Kinos der Bundesrepublik läuft die Filmsatire “Mein Onkel” des französischen Regisseurs Jacques Tati an.

24.6.1959, Mittwoch

Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier (CDU) entscheidet, dass die Berliner Mitglieder der Bundesversammlung zur Wahl des neuen Bundespräsidenten volles Stimmrecht haben.

25.6.1959, Donnerstag

Während eines Staatsbesuches in Italien wirbt der französische Präsident Charles de Gaulle für eine Mittelmeer-Allianz zwischen Frankreich, Italien, Marokko und Tunesien. Ziel soll u.a. die Minderung der Spannungen zwischen Israel und den arabischen Ländern sein.

Bei den Göttinger Händel-Festspielen wird zum ersten Mal ein Oratorium des deutschen Komponisten, das 1745 entstandene Werk “Belsazar”, in einer Kirche szenisch aufgeführt.

In Mülhausen (Frankreich) startet die 46. Tour de France. Das berühmteste und schwerste Radrennen der Welt dauert dreieinhalb Wochen und geht über 4363 km.

26.6.1959, Freitag

Nach dem Bundestag verabschiedet nun auch der Bundesrat die Gesetze zur wirtschaftlichen Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik.

An der St. Lambert-Schleuse in der Nähe von Montreal (Kanada) eröffnet Königin Elisabeth II. von Großbritannien und Nordirland den St. Lorenz-Seeweg.

In New York schlägt der Schwede Ingemar Johannson überraschend den Boxweltmeister Floyd Patterson.

27.6.1959, Samstag

Die Sowjetunion protestiert gegen die Abhaltung der Bundespräsidentenwahl am 1. Juli in Berlin (West). Dies sei eine Provokation und verstoße gegen den Vier-Mächte-Status der Stadt.

Als Spitzenorganisation der christlichen Gewerkschaften wird in Mainz der Christliche Gewerkschaftsbund Deutschlands (CGB) gegründet.

28.6.1959, Sonntag

Auf ihrem Parteitag in Zürich beschließen die schweizerischen Sozialdemokraten ein neues Parteiprogramm, in dem keinerlei marxistische Standpunkte mehr vertreten werden. Der Begriff des “Klassenkampfes” ist nicht mehr enthalten. Kein Wirtschaftszweig wird für eine Verstaatlichung empfohlen.

Mit dem Bundesfilmpreis 1959 werden auf den IX. Internationalen Filmfestspielen in Berlin die Schauspieler O. W. Fischer, Hildegard Knef, Robert Graf und Fritz Schmiedel ausgezeichnet.

Mit einem 5:3-Sieg nach Verlängerung über die Offenbacher Kickers wird Eintracht Frankfurt vor 75 000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion Deutscher Fußballmeister.

29.6.1959, Montag

Der Erste stellvertretende sowjetische Ministerpräsident Frol R. Koslow eröffnet in New York eine Ausstellung, in der die Sowjetunion einen Querschnitt aus Kultur, Wissenschaft und Technik zeigt.

Studenten und Universitätsassistenten aus der Bundesrepublik, der DDR und dem Ausland treffen sich in Lindau am Bodensee, um sich in persönlichem Kontakt mit zwölf Nobelpreisträgern über den neuesten Stand der naturwissenschaftlichen Forschung zu orientieren.

Papst Johannes XXIII. erlässt seine erste Enzyklika (Ad Petri Cathedram), die gewissermaßen als sein Regierungsprogramm angesehen werden kann. Das Oberhaupt der katholischen Kirche warnt die Staatsmänner vor sinnloser Aufrüstung und ruft die nichtkatholischen Christen in das “eigene und gemeinsame Vaterhaus” zurück.

30.6.1959, Dienstag

Im Namen von 56 Millionen Mitgliedern aus 97 Ländern tritt der Internationale Bund Freier Gewerkschaften in Berlin (West) für die Sicherung des Weltfriedens und der Freiheit ein. Der Westberliner Bevölkerung wird jede denkbare Unterstützung zugesagt.

Der Minister für Gesamtdeutsche Fragen, Ernst Lemmer (CDU), teilt in Bonn mit, dass in den ersten sechs Monaten des Jahres 74 377 Menschen aus der DDR in die Bundesrepublik geflüchtet sind.

Bei der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung sind erstmals seit 1949 mehr offene Stellen als Arbeitslose registriert. 255 395 Erwerbslosen stehen 319 455 nicht besetzte Arbeitsplätze gegenüber.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Familien- und Jugendfragen ist der Zigarettenverbrauch in der Bundesrepublik im ersten Halbjahr 1959 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 7% gestiegen.