Was geschah im Juni 1972

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1.6.1972, Donnerstag

In Frankfurt am Main werden drei führende Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe festgenommen. Es handelt sich dabei um Andreas Baader, Holger Meins und Jan-Carl Raspe.

Als zweites Bantu-Heimatland in Südafrika erhält Tswanaland unter dem Namen Bophuthatswana die Selbstregierung.

Irak verstaatlicht alle Anlagen der Iraq Petroleum Company (IPC), an der mehrere westliche Mineralölkonzerne (BP, Shell u.a.) beteiligt sind. Am folgenden Tag gibt Syrien die Verstaatlichung aller IPC-Anlagen in Syrien bekannt, die für den Transport irakischen Öls benutzt werden.

Nach Mitteilung des israelischen Ministers für die Eingliederung Eingewanderter, Shimon Peres, vor der Knesseth (Parlament) in Jerusalem sind seit 1967 insgesamt 185 000 Personen nach Israel eingewandert, davon allein 1971 42 000. Für 1972 erwartet Peres rd. 60 000 Einwanderer, vorwiegend aus der Sowjetunion.

2.6.1972, Freitag

Der französische Staatspräsident Georges Pompidou erklärt in einer Rede in Paris, er werde die geplante EG-Gipfelkonferenz im Oktober nicht einberufen, wenn nicht substantielle Ergebnisse zu erwarten seien.

3.6.1972, Samstag

Die Außenminister der vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs unterzeichnen in Berlin (West) das Schlussprotokoll zum Viermächte-Berlin-Abkommen vom 3. September 1971, das damit zugleich mit den entsprechenden Ergänzungsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR bzw. zwischen Berlin (West) und der DDR in Kraft tritt. Auch der Moskauer Vertrag und der Warschauer Vertrag treten in Kraft.

4.6.1972, Sonntag

Die schwarze Bürgerrechtskämpferin Angela Y. Davis wird von einem kalifornischen Gericht freigesprochen.

Der am 28. Mai verstorbene frühere britische König Eduard VIII., Herzog von Windsor, wird in Windsor Park feierlich beigesetzt.

5.6.1972, Montag

Mit einem eindringlichen Appell von UN-Generalsekretär Kurt Waldheim für eine verstärkte internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes beginnt in Stockholm die erste Umweltschutz-Konferenz der Vereinten Nationen (bis 16. 6.).

Die CDU fordert Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) wegen der Finanzkrise, der Lage der inneren Sicherheit und der fehlenden Regierungsmehrheit im Bundestag erneut zum Rücktritt auf.

Bei seinem USA-Besuch anlässlich des 25. Jahrestag der Verkündung des Marshallplanes gibt Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) in der Harvard University in Boston die Gründung einer Deutschen Marshall-Gedächtnisstiftung in den Vereinigten Staaten bekannt. Sie soll der Förderung US-amerikanisch-europäischer Studien dienen. Aufgrund des Marshallplans von 1947 erhielt Westeuropa von den USA bis Ende 1951 13 Mrd. US-Dollar als Wiederaufbauhilfe.

6.6.1972, Dienstag

Durch die Ostverträge und das Berlin-Abkommen ist nach den Worten von SED-Chef Erich Honecker ein “neues Verhältnis” zwischen beiden deutschen Staaten möglich geworden. In einem Interview mit der DDR-Nachrichtenagentur ADN sagt Honecker ferner, die DDR gehe an die vereinbarten Verhandlungen mit der Bundesrepublik mit einer “konstruktiven Haltung” heran.

Bei einer Grubenexplosion in der Nähe der westrhodesischen Stadt Wankie werden 468 Bergleute verschüttet.

7.6.1972, Mittwoch

In einem Geschäft in der Hamburger Innenstadt wird Gudrun Ensslin festgenommen, die zum “harten Kern” der Baader-Meinhof-Gruppe gerechnet wird.

8.6.1972, Donnerstag

Die Bundesrepublik Deutschland und Ägypten nehmen die 1965 seitens Ägypten abgebrochenen diplomatischen Beziehungen wieder auf. Ägypten wendet sich im Rahmen einer außenpolitischen Kursänderung wieder dem Westen zu.

Bei der Entführung eines tschechoslowakischen Verkehrsflugzeugs nach Weiden in der Oberpfalz wird der Pilot erschossen, als er sich der Kursänderung widersetzt. An der Entführung sind zehn Tschechoslowaken beteiligt.

In Berlin (Ost) konstituiert sich die im deutsch-deutschen Transitabkommen vom 17. Dezember 1971 vorgesehene gemeinsame Kommission zur Klärung von Schwierigkeiten und Meinungsverschiedenheiten bei der Anwendung und Auslegung des Abkommens.

Der baden-württembergische Landtag wählt den bisherigen Ministerpräsidenten Hans Filbinger (CDU) wieder in dieses Amt.

9.6.1972, Freitag

Eine durch schwere Regenfälle ausgelöste Flutwelle zerstört die Stadt Rapid City im US-Bundesstaat South Dakota. Mehrere tausend Menschen werden vermisst, darunter viele Touristen, die mit Zelten und Wohnwagen in das von der Katastrophe betroffene Berggelände am US-amerikanischen Nationaldenkmal Mount Rushmore gekommen waren.

Anlässlich der bevorstehenden Olympischen Sommerspiele zeigt das Stadtmuseum München die Ausstellung “Bayern – Kunst und Kultur” (bis 15. 10.). 2000 Exponate dokumentieren die Kunst- und Kulturgeschichte Bayerns von der Zeit der Römer bis in die Gegenwart.

Die Bundesregierung beschließt in einer Sondersitzung des Kabinetts zusätzliche Einsparungen im Bundeshaushalt 1972 in Höhe von 1,3 Mrd. DM. Zugleich wird an der bereits ausgewiesenen globalen Minderausgabe von 1,2 Mrd. DM festgehalten. Der Beschluss kommt auf Drängen von Bundeswirtschafts- und -finanzminister Karl Schiller (SPD) zustande.

In Berlin (West) wird eine der Baader-Meinhof-Gruppe angehörende Terroristin festgenommen.

10.6.1972, Samstag

Der jugoslawische Präsident Josip Broz Tito erhält auf einer Reise in die Sowjetunion (seit 5. 6.) hohe Auszeichnungen (u.a. den Lenin-Orden). Beide Seiten unterstreichen in einem Kommuniqué die Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen, aber auch die Möglichkeit unterschiedlicher Wege zum Sozialismus.

11.6.1972, Sonntag

Auf die bundesdeutsche Botschaft in der irischen Hauptstadt Dublin wird ein Bombenanschlag verübt, der erheblichen Sachschaden verursacht. Die Täter werden in IRA-Kreisen vermutet. Am selben Tag kommen bei Feuergefechten in den nordirischen Städten Belfast und Londonderry drei Zivilisten und ein britischer Soldat ums Leben.

Der Belgier Eddy Merckx gewinnt zum drittenmal den Giro d’Italia.

12.6.1972, Montag

Der Bundesausschuss der CDU spricht sich in Berlin (West) für Neuwahlen zum Bundestag aus. Vorher müsse aber Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) “sein Scheitern eingestehen”. Alle im Bundestag vertretenen Parteien befürworten vorgezogene Neuwahlen, jedoch lehnt die CDU/CSU-Opposition das von der Bundesregierung vorgeschlagene “Stillhalteabkommen” zwischen den Parteien bis zur Wahl ab.

Der Verband Deutscher Flugleiter (VDF) appelliert an die Fluglotsen in der Bundesrepublik, ihren seit dem 17. Mai andauernden “Bummelstreik” zu beenden. Zuvor hatte Bundesverkehrsminister Georg Leber (SPD) der vom VDF geforderten Überführung der beamteten Fluglotsen ins Angestelltenverhältnis zugestimmt. Bereits am 26. Juni nehmen die Fluglotsen ihren Bummelstreik wegen ausgebliebener Zusagen der Bundesregierung wieder auf.

13.6.1972, Dienstag

Die Entscheidung über die Einrichtung von selbständigen Bundeswehrhochschulen ist endgültig gefallen. Ein entsprechender Beschluss der Bundesregierung sieht die Umwandlung der Heeresoffiziersschule in Hamburg und der Luftwaffen-Akademie in Neubiberg bei München in Bundeswehrhochschulen vor.

14 deutsche Schriftsteller solidarisieren sich mit Heinrich Böll. Zuvor hatte in einer Bundestagsdebatte ein CDU-Abgeordneter “die Bölls und Brückners” der Wegbereitung und geistigen Mittäterschaft am Terrorismus bezichtigt.

14.6.1972, Mittwoch

Der Bundestag beschließt die Einführung des “Bibliotheksgroschens” für Schriftsteller, deren Werke in Bibliotheken stehen.

In der Endrunde der Fußball-Europameisterschaft trennen sich Belgien und die Bundesrepublik Deutschland in Antwerpen 1:2.

15.6.1972, Donnerstag

Bei seinem Besuch in Paris (seit 12. 6.) erreicht der sowjetische Außenminister Andrei A. Gromyko die volle Zustimmung Frankreichs zur geplanten europäischen Sicherheitskonferenz. Ungeklärt bleibt weiterhin die Frage einer ausgewogenen Truppenreduzierung in Europa.

Im Zeichen der innerafrikanischen Aussöhnung und einer harten antiisraelischen Haltung im Nahostkonflikt geht die 9. Gipfelkonferenz der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) in der marokkanischen Hauptstadt Rabat zu Ende (seit 12. 6.).

In Berlin (Ost) beginnt der Meinungsaustausch über den deutsch-deutschen Grundvertrag. Offizielle Verhandlungen werden am 16. August aufgenommen.

Der österreichische Nationalrat stimmt der Einführung der Mehrwertsteuer zu. Seit Jahresbeginn war diese Maßnahme von Politikern und in der Öffentlichkeit heftig diskutiert worden.

In einer Privatwohnung in Hannover wird Ulrike Meinhof, die als ideologischer Kopf der Baader-Meinhof-Gruppe gilt, verhaftet.

Annelie Ehrhardt (DDR) läuft in Potsdam Weltrekord über 100 m Hürden in 12,5 sec.

16.6.1972, Freitag

Bei einem schweren Eisenbahnunglück im Tunnel von Vierzy, rd. 80 km nördlich von Paris, kommen 108 Personen ums Leben, 88 werden teilweise schwer verletzt.

17.6.1972, Samstag

Vor dem Hintergrund einer außenpolitischen Kursänderung kommt es in Japan zu einem Regierungswechsel. Ministerpräsident Eisaku Sato gibt seinen Rücktritt bekannt. Sein Nachfolger ist Kakuei Tanaka.

Fünf Männer werden bei einem Einbruch in das Wahlkampfhauptquartier der Demokratischen Partei im “Watergate-Hotel” in Washington ertappt und festgenommen. Wie sich im Zuge der polizeilichen Ermittlungen herausstellt, handelt es sich um Helfershelfer des Komitees für die Wiederwahl des Präsidenten. Immer mehr Mitarbeiter von US-Präsident Richard M. Nixon – und schließlich dieser selbst – geraten ins Zwielicht des Watergate-Skandals.

18.6.1972, Sonntag

Kurz nach dem Start vom Londoner Flughafen Heathrow stürzt eine britische Verkehrsmaschine vom Typ Trident ab. Sämtliche 118 Insassen kommen dabei ums Leben. Es wird vermutet, dass der Pilot das dritte Triebwerk zu stark gedrosselt haben könnte, um den Lärmpegel der startenden Maschine möglichst niedrig zu halten.

Die Bundesrepublik Deutschland wird durch ein 3:0 über die UdSSR in Brüssel Fußball-Europameister.

19.6.1972, Montag

Königin Juliana der Niederlande kommt in Begleitung von Prinz Bernhard und Außenminister Norbert Schmelzer zu einem offiziellen Besuch nach Frankreich (bis 23. 6.). Im Mittelpunkt der Gespräche mit dem französischen Staatspräsidenten Georges Pompidou steht der EG-Gipfel im Oktober.

Der Oberste Gerichtshof im US-Bundesstaat Kalifornien bestätigt das am 21. März 1969 gegen den Mörder von Senator Robert F. Kennedy, Sirhan Bishara Sirhan, ergangene Todesurteil, wandelt es aber in eine lebenslange Freiheitsstrafe um. Damit trägt das Gericht der Abschaffung der Todesstrafe in Kalifornien Anfang 1972 Rechnung.

Laut Spruch des Obersten Gerichtshofs der USA ist die Überwachung von Telefongesprächen von US-Bürgern rechtswidrig, sofern diese nicht von einem Gericht angeordnet sind.

Wie in Karlsruhe bekannt wird, hat die Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit dem bei Ulrike Meinhof gefundenen Kassiber von Gudrun Ensslin ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das Verfahren richtet sich u.a. gegen den von der Verteidigung Gudrun Ensslins ausgeschlossenen Rechtsanwalt Otto Schily.

Ein 24stündiger Warnstreik der Verkehrspiloten aus 45 Ländern richtet sich gegen die wachsende Zahl von Flugzeugentführungen und die unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen.

Der Regensturm “Agnes” richtet in den folgenden zehn Tagen schwere Verwüstungen an der US-amerikanischen Ostküste an. Mindestens 110 Personen fallen dem Unwetter zum Opfer.

20.6.1972, Dienstag

Der Vorstand der Österreichischen Industrieverwaltungs-AG, einer Holding-Gesellschaft für die verstaatlichte Industrie, beschließt die Fusion der Stahlindustrie. Nach dem Beschluss sollen die Österreichisch-Alpine-Montangesellschaft und die Vereinigten Österreichischen Eisen- und Stahlwerke (VÖEST) mit Wirkung zum 1. Januar 1973 verschmolzen werden.

21.6.1972, Mittwoch

Israelische Truppen greifen mit Unterstützung der Luftwaffe mutmaßliche palästinensische Stellungen im Süden des Libanon an. Fünf syrische Generalstabsoffiziere und ein libanesischer Abwehroffizier werden gefangengenommen. Damit reagieren die Israelis auf einen Raketenüberfall auf den Ort Kiryat Shmona an der Grenze zum Libanon.

Der Deutsche Bundestag billigt den geplanten Beitritt Dänemarks, Irlands Norwegens und Großbritanniens zur Europäischen Gemeinschaft.

Die Polizei der Bundesländer soll um 15 000 Mann verstärkt werden. Dies sieht ein von Bund und Ländern vorgelegtes Programm zur “inneren Sicherheit” vor.

22.6.1972, Donnerstag

US-Präsident Richard M. Nixon dementiert Behauptungen der Presse, es gebe Verbindungen zwischen dem Watergate-Einbruch und dem Weißen Haus.

Der Deutsche Bundestag beschließt das Außensteuergesetz, durch das ungerechtfertigte Steuervorteile bei Verlegung des Wohnsitzes in das steuergünstige Ausland beseitigt werden sollen.

23.6.1972, Freitag

In der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden wird eine große Hans-Makart-Ausstellung eröffnet (bis 17. 9.).

Durch Beschluss des Deutschen Bundestags wird die Wehrdienstzeit von bisher 18 auf 15 Monate verkürzt.

Die britische Regierung gibt den Pfund-Kurs frei, um einen Schwund der Währungsreserven zu vermeiden. Zugleich wird die Londoner Devisenbörse bis zum 27. Juni geschlossen und eine Devisenkontrolle bei Investitionen im Sterling-Gebiet eingeführt. Die Pfund-Krise führt zu einer Schwäche des US-Dollars.

24.6.1972, Samstag

Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) teilt dem Parteirat mit, er strebe gemeinsam mit Außenminister Walter Scheel (FDP) für November 1972 Neuwahlen an. Damit soll die im Bundestag durch mehrere Parteiwechsler herbeigeführte Pattsituation beendet werden.

Im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses Hamburg wird das Drama “Stallerhof” von Franz Xaver Kroetz unter der Regie von Ulrich Heising uraufgeführt. Mit ihrer Verkörperung der weiblichen Hauptrolle, einer debilen Bauerntochter, gelingt der Schauspielerin Eva Mattes der Durchbruch.

Bei einem Leichtathletik-Länderkampf in Augsburg verbessert Faina Melnik (UdSSR) ihren eigenen, drei Wochen alten Diskus-Weltrekord um sechs Zentimeter auf 65,48 m.

25.6.1972, Sonntag

Trotz zahlreicher Proteste im In- und Ausland beginnt Frankreich mit einer neuen Kernwaffenversuchsserie über dem Pazifikatoll von Mururoa.

Bei der Terroristen-Fahndung wird ein britischer Handelsvertreter, ein angeblicher Kontaktmann der Baader-Meinhof-Gruppe, von Polizisten erschossen.

Ingrid Matthäus wird zur Bundesvorsitzenden der Deutschen Jungdemokraten (DJD) gewählt. Damit übernimmt erstmals eine Frau die Führung einer großen politischen Jugendorganisation in der Bundesrepublik Deutschland.

Auf der Grundlage der durch den Warschauer Vertrag geschaffenen internationalen Rechtslage (Anerkennung der Oder-Neiße-Linie) wandelt Papst Paul VI. die früheren deutschen Diözesen Stettin, Köslin/Kolberg, Landsberg a. d. Warthe, Oppeln, Danzig und Allenstein in polnische Bistümer um.

Der Leichtathletik-Länderkampf gegen die UdSSR geht zu Ende (seit 24. 6.).

26.6.1972, Montag

In Nordirland beginnt ein Waffenstillstand zwischen den katholischen und protestantischen Bürgerkriegsgegnern der jedoch bereits am 9. Juli von der IRA wieder aufgekündigt wird.

Die SPD-Fraktion im Bundestag wird sich der Stimme enthalten, wenn Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) zur Herbeiführung von Neuwahlen die Vertrauensfrage stellen wird. Dies kündigt der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, Hans Apel, in einem Interview an.

27.6.1972, Dienstag

In der Nacht vom 26. zum 27. Juni unterzeichnen der Erste Sekretär der Sozialistischen Partei, François Mitterrand, und der Generalsekretär der Kommunistischen Partei, Georges Marchais, in Paris eine gemeinsame Wahlplattform für die 1973 anstehenden Parlamentswahlen.

KPdSU-Chef Leonid I. Breschnew sichert Kubas Ministerpräsident Fidel Castro bei dessen dritten Moskau-Besuch (26. 6. – 5. 7.) die volle Unterstützung der Sowjetunion zu. Zugleich weist aber Breschnew das Interesse an einer permanenten Konfrontation mit den USA von sich. Castro lässt sich auf die Formel von der “friedlichen Koexistenz” ein.

28.6.1972, Mittwoch

Bayern München wird Deutscher Fußballmeister. Die Mannschaft schlägt den Tabellenzweiten Schalke 04 am letzten Bundesliga-Spieltag 5:1.

29.6.1972, Donnerstag

Mit einem Appell gegen den US-Interventionismus und gegen die Unterdrückung sozialdemokratischer Parteien in kommunistisch regierten Ländern endet der XXI. Kongress der Sozialistischen Internationale in Wien (seit 26. 6.). Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) bezeichnete die Politik der aktiven Friedenssicherung und der Koexistenz zwischen Ost und West als “einzige Überlebenschance”.

Der Oberste Gerichtshof der USA erklärt die Todesstrafe für verfassungswidrig.

Die Bundesregierung beschließt Beschränkungen des freien Devisenverkehrs zur Abwehr inflationsfördernder Devisenzuflüsse und zur Stützung des europäischen Wechselkursgefüges. Damit setzt sich Bundesbankchef Karl Klasen gegen Bundeswirtschafts- und -finanzminister Karl Schiller (SPD) durch.

30.6.1972, Freitag

Die documenta 5 in Kassel wird eröffnet (bis 8. 10.). Sie steht unter dem Thema “Befragung der Realität – Bildwelten heute”.

Die bisher in Berlin (West) erscheinenden Zeitungen “Telegraf” und “Nachtdepesche” werden eingestellt.

Chroniknet