Was geschah im Juni 1986

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1.6.1986, Sonntag

Die konservative Regierungskoalition von Ecuador unter Präsident León Febres Cordero verliert bei Parlamentswahlen in Ecuador ihre Mehrheit; Febres bildet daraufhin am 6. Juni sein Kabinett um.

2.6.1986, Montag

Die Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und FDP einigen sich auf die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, der die Geschäftspraktiken des gewerkschaftseigenen Wohnungsbauunternehmens “Neue Heimat” untersuchen soll.

Den 69. Giro d’Italia gewinnt in Meran der italienische Radsportler Roberto Visentini.

In der französischen Nationalversammlung scheitert der dritte Misstrauensantrag der Sozialisten gegen die Regierung Chirac. Gemäß den Bestimmungen der Verfassung ist damit zugleich der Nachtragshaushalt der Regierung angenommen.

Die norwegische Statoil-Energie-Gesellschaft vereinbart mit sechs europäischen Importeuren die Lieferung von 450 Mrd. Kubikmetern Erdgas im Wert von rd. 150 Mrd. DM. Die Lieferungen sollen 1993 beginnen.

3.6.1986, Dienstag

In Südkorea protestieren 265 Professoren von 23 Universitäten des Landes gegen die andauernden Menschenrechtsverletzungen in ihrer Heimat, gegen die Unterdrückung der Pressefreiheit und das Vorgehen der Regierung, die jede Kritik als staatsfeindlich und prokommunistisch abstempelt.

4.6.1986, Mittwoch

Nach einer Entscheidung des Großen Senats des deutschen Bundessozialgerichts wird die Zeit des in der DDR geleisteten Grundwehrdienstes als versicherungspflichtige Tätigkeit im Sinne des Rentengesetzes angerechnet.

5.6.1986, Donnerstag

In Hamburg wird bekannt, dass am 22. Mai wegen eines Defektes das Kernkraftwerk Krümmel abgeschaltet werden musste. Am darauffolgenden Tag wird das Kernkraftwerk Grundremmingen für mehrere Stunden außer Betrieb gesetzt. Am 25. und 30. Juni schaltet sich das Kernkraftwerk Brunsbüttel wegen verschiedener Störungen vorübergehend ab.

Der für die umstrittenen Polizeieinsätze bei Demonstrationen gegen die geplante atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf verantwortliche Polizeichef von Niederbayern und der Oberpfalz, Hermann Friker, wird ohne Angabe von Gründen von seinem Posten enthoben.

Der US-amerikanische Kongress billigt ein von Präsident Ronald Reagan gewünschtes Waffengeschäft mit Saudi-Arabien. Im Wert von rd. 265 Mio. US-Dollar (rd. 620 Mio. DM) erhält Saudi-Arabien Raketen aus den USA.

6.6.1986, Freitag

Der bisherige Frankfurter Oberbürgermeister Walter Wallmann (CDU) wird als erster Bundesminister für Umwelt Naturschutz und Reaktorsicherheit vereidigt. Bisher war Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann (CSU) für Umweltangelegenheiten zuständig. Die Kompetenzen von Bundesgesundheitsministerin Rita Süssmuth (CDU) werden um den Bereich Frauenfragen erweitert.

Jürgen Schult (DDR) stellt in Neubrandenburg mit 74,08 m einen Weltrekord im Diskuswerfen auf. Er verbessert die bisherige Weltbestmarke um 2,22 m.

7.6.1986, Samstag

Fast 100 000 Menschen, die meisten davon in Brokdorf und Wackersdorf, demonstrieren in der Bundesrepublik gegen die Kernenergie. Von den nach Wackersdorf angereisten 30 000 Kundgebungsteilnehmern werden 48 festgenommen.

Als Nachfolgerin der im Januar verstorbenen Helga Wex wird Bundesfamilienministerin Rita Süssmuth zur Vorsitzenden der CDU-Frauenvereinigung gewählt.

In der Villa Hügel in Essen wird die Ausstellung “Barock in Dresden” eröffnet. Bis zum 2. November sind die 659 Leihgaben aus der DDR zu sehen. Die Ausstellung zieht mehr als 320 000 Besucher an.

In Berlin (West) vergibt Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann (CSU) die Bundesfilmpreise, u.a. wird der Film “Rosa Luxemburg” der Regisseurin Margarethe von Trotta mit den Filmband in Gold ausgezeichnet.

8.6.1986, Sonntag

Die DDR-Regierung nimmt die zum 26. Mai verfügte Anordnung, dass an den Kontrollstellen zwischen West- und Ostberlin auch für Diplomaten Pässe vorgeschrieben sind, nach heftigen Protesten der Westalliierten zurück.

Bei der Wahl zur Volkskammer der DDR stimmen 99,94% für die Einheitsliste der Nationalen Front. Als zehnte Fraktion ist die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) neu im Parlament vertreten. Die Wahlbeteiligung beträgt 99,74%.

Bei einer Demonstration in Hamburg werden rd. 800 Kernkraftgegner von der Polizei bis zu 13 Stunden lang eingekesselt.

Aus der Stichwahl des österreichischen Präsidenten geht der konservative Kandidat Kurt Waldheim als Sieger hervor. Auf ihn entfallen 53,9% der Stimmen, auf seinen Gegenkandidaten, den Sozialdemokraten Kurt Steyrer, 46,1%.

9.6.1986, Montag

Der österreichische Bundeskanzler Fred Sinowatz (SPÖ) tritt wegen des schlechten Abschneidens des SPÖ-Präsidentschaftskandidaten Kurt Steyrer zurück. Am 16. Juni wird Franz Vranitzky (SPÖ) als neuer Bundeskanzler vereidigt. Er setzt die Koalition mit der rechtsliberalen FPÖ zunächst fort.

Nach einem in Washington veröffentlichten Untersuchungsbericht wäre das “Challenger”-Unglück am 28. Januar zu verhindern gewesen, falls die US-Raumfahrtbehörde NASA die bekannten Risiken besser berücksichtigt hätte.

10.6.1986, Dienstag

Der von Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann (CSU) vorgelegte Verfassungsschutzbericht 1985 weist einen Anstieg linksextremistisch motivierter Gewalttaten aus.

Die acht am 17. Mai in Nicaragua von “Contras” entführten bundesdeutschen Aufbauhelfer werden freigelassen. Um die Freilassung hatte sich vor allem der SPD-Politiker Hans-Jürgen Wischnewski bemüht.

11.6.1986, Mittwoch

Die Hamburgische Bürgerschaft billigt die Aufnahme des Umweltschutzes als Staatsziel in die Präambel der Landesverfassung der Freien und Hansestadt.

Auf der nach zweitägiger Dauer zu Ende gehenden Tagung des Politischen Ausschusses des Warschauer Pakts in Budapest legt die östliche Verteidigungsgemeinschaft einen neuen Abrüstungsvorschlag vor. Gleichzeitig mit einer Reduzierung der konventionellen Rüstung und einem Abbau der beiderseitigen Landstreitkräfte zwischen Atlantik und Ural um rd. 1 Mio. Mann sollen Atomraketen mit einer Reichweite bis 1000 km abgebaut werden.

12.6.1986, Donnerstag

Nach 36 Jahren Unterbrechung erklärt die Volksrepublik Polen ihren Beitritt zum Internationalen Währungsfonds. Der Beitritt Polens zur Weltbank wird zum 27. Juli wirksam.

Die Umweltminister der EG-Staaten einigen sich in Luxemburg auf weitere Verschärfungen der Vorschriften für die Lagerung und Verarbeitung von giftigen und gefährlichen Stoffen.

Über ganz Südafrika wird nach Rassenauseinandersetzungen der Ausnahmezustand verhängt. Anlass ist der zehnte Jahrestag der Unruhen von Soweto (16.06.1976).

Das bayerische Umweltministerium erteilt die Erlaubnis zum Abbruch des Kernkraftwerks Niederaichbach bei Landshut. Es wird dies weltweit der erste Abbruch eines Kernkraftwerks sein.

Der Generalsekretär der chinesischen KP, Hu Yaobang, trifft im Rahmen seiner Europareise zu einem viertägigen Besuch in der Bundesrepublik ein.

13.6.1986, Freitag

Anlässlich des 100. Todestages des legendären Bayernkönigs Ludwig II., der auf geheimnisvolle Weise im Starnberger See ertrank, finden in Bayern Gedenkfeiern und ein Feuerwerk auf dem Starnberger See statt. Auch das Fernsehen erinnert in zahlreichen Sendungen an Ludwig II.

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko verliert die deutsche Nationalelf nach einem 1:1 zum Auftakt gegen Uruguay und einem 2:1 über Schottland das letzte Vorrundenspiel der Gruppe E in Queretaro gegen Dänemark mit 0:2 und zieht als Zweiter hinter Dänemark in das Achtelfinale ein.

14.6.1986, Samstag

Die Polizeigewerkschaft teilt mit, dass rd. 100 Polizeibeamte nach den schweren Ausschreitungen in Wackersdorf den Dienst quittiert haben. Das bayerische Innenministerium dementiert die Meldung.

15.6.1986, Sonntag

Bei den Landtagswahlen in Niedersachsen verliert die CDU zwar die absolute Mehrheit. Ernst Albrecht bleibt jedoch Ministerpräsident. Er bildet eine Koalition mit der FDP.

Über 20 000 Menschen aus der Bundesrepublik, Luxemburg und Frankreich demonstrieren in mehreren Städten gegen das umstrittene französische Kernkraftwerk Cattenom, das im Herbst 1986 in Betrieb genommen werden soll.

16.6.1986, Montag

Die am 8. Juni gewählte Volkskammer bestätigt formell die DDR-Führung. Erich Honecker wird wieder zum Vorsitzenden des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates gewählt, Willi Stoph erneut (zum sechsten Mal) mit der Aufgabe des Ministerpräsidenten betraut.

17.6.1986, Dienstag

Wegen der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise in Mexiko wird Finanzminister Jesus Silva Herzog entlassen und durch den bisherigen Chef der Entwicklungsbank, Gustavo Petricciolli, ersetzt. Mexiko gehört zu den am meisten verschuldeten Ländern.

Ex-Außenminister Walter Scheel fordert in einer Rede vor dem Bundestag zum “Tag der Deutschen Einheit” zur Fortsetzung der Entspannungspolitik auf.

18.6.1986, Mittwoch

Der Deutsche Bundestag beschließt mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP ein neues Abfallgesetz. Es gibt der Vermeidung und Verwertung von Abfall den Vorrang vor der Abfallbeseitigung.

Wolfgang Rihm wird für seine Oper “Die Hamletmaschine” nach dem Bühnenstück des DDR-Dramatikers Heiner Müller der mit 75 000 DM dotierte Rolf-Liebermann-Preis zugesprochen.

Beim Zusammenstoß eines zweimotorigen Flugzeugs und eines Hubschraubers über dem Grand Canyon im US-Bundesstaat Arizona kommen 25 Menschen ums Leben.

19.6.1986, Donnerstag

Bei der Niederschlagung von Meutereien in drei Gefängnissen der peruanischen Hauptstadt Lima und der Hafenstadt Callao kommen nach offiziellen Angaben 159 Häftlinge ums Leben, inoffiziell wird eine Zahl von über 300 Toten bekannt.

Bei einem Unfall mit seinem Motorrad in Grasse (Frankreich) kommt der populäre Komiker Coluche (eigtl. Michel Colucci) im Alter von 41 Jahren ums Leben. Er hatte 1985 in Frankreich sog. Restaurants des Herzens einrichten lassen, in denen Arme unentgeltlich beköstigt werden.

20.6.1986, Freitag

Unter dem Motto “Bayern vorn” steht der 50. Parteitag der CSU in Nürnberg. In einer Resolution wird der Ausstieg aus der Kernenergie ohne entsprechenden Ersatz als “unverantwortlich” bezeichnet.

Von einem Attentatsversuch wird die Eröffnung des Kongresses der Sozialistischen Internationale (SI) in Lima (Peru) überschattet, des ersten in Lateinamerika (bis 23. 6.). Der SPD-Vorsitzende Willy Brandt wird als SI-Vorsitzender bestätigt. Er ist seit 1976 Präsident der Sozialistischen Internationale und seit 1977 auch Präsident der Unabhängigen Kommission für Internationale Entwicklungsfragen (Nord-Süd-Kommission).

21.6.1986, Samstag

In Gösgen (Schweiz) demonstrieren rd. 30 000 Menschen gegen die Kernkraft. Gösgen, Standort eines Kernkraftwerks, war bereits im Sommer 1977 Ziel von – teilweise gewalttätigen – Kundgebungen von Gegnern der Atomenergie.

Aus Gründen des Umweltschutzes lehnt Ungarn als erstes Ostblockland zum 1. September 1986 die bisher aus Devisengründen akzeptierte Übernahme von Müll aus westlichen Ländern ab.

Heike Drechsler (DDR) stellt in Tallinn/UdSSR mit 7,45 m einen neuen Weitsprung-Weltrekord auf. Sie verbessert ihre eigene Bestmarke um 1 cm.

22.6.1986, Sonntag

Bei den Parlamentswahlen in Spanien bleibt die regierende Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE) von Ministerpräsident Felipe González trotz Stimmenverlusten die stärkste Partei. González kann weiterhin mit absoluter Mehrheit regieren.

In Berlin (West) beginnt der 49. Internationale PEN-Kongress (bis 26. 6.). Er steht unter dem Thema “Zeitgeschichte im Spiegel zeitgenössischer Literatur”.

23.6.1986, Montag

Zum Nachfolger des wegen Auseinandersetzungen mit seinen Mitarbeitern vorzeitig ausgeschiedenen SFB-Intendanten Lothar Loewe wird der bisherige Justitiar des WDR, Günter Herrmann, gewählt.

In einem Brief an US-Präsident Ronald Reagan erklärt sich der sowjetische Parteichef Michail Gorbatschow zu einem neuen Gipfeltreffen über Fragen der Rüstungskontrolle noch im Jahr 1986 bereit.

Pablo Morales (USA) schwimmt in Orlando mit 52,84 sec einen neuen Weltrekord über 100 m Delphin.

24.6.1986, Dienstag

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe stellt fest, dass der Länderfinanzausgleich in seiner bisherigen Form teilweise verfassungswidrig ist. Eine Neuregelung soll bis zum 1. Januar 1988 erfolgen.

Das Ermittlungsverfahren gegen Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling und zwei ehemalige Berliner Senatoren im Zusammenhang mit der Batteriefabrik “Sonnenschein” wird eingestellt.

25.6.1986, Mittwoch

Im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft schlägt die deutsche Elf durch Tore von Andreas Brehme und Rudi Völler Frankreich 2:0 und qualifiziert sich damit zum fünften Mal für ein Endspiel. Gegner ist Argentinien. Zuvor hatte sich die DFB-Auswahl im Achtelfinale mit 1:0 gegen Marokko und im Viertelfinale mit 4:1 nach Elfmeterschießen (0:0 nach Verlängerung) gegen den Gastgeber Mexiko durchgesetzt.

DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker trifft zu einem dreitägigen Besuch in Schweden ein. Vertreter beider Länder unterzeichnen im Rahmen dieses offiziellen Besuchs Verträge zum Ausbau des Handels und zu Rechtsfragen.

26.6.1986, Donnerstag

Das US-amerikanische Repräsentantenhaus bewilligt US-Präsident Ronald Reagan die geforderten 100 Mio. Dollar (234 Mio. DM) für die militärische Unterstützung der “Contras”, die gegen die linksgerichtete Regierung Nicaraguas kämpfen.

In einer Volksabstimmung in der Republik Irland sprechen sich 63,5% der an dem Referendum teilnehmenden Bürger gegen die von Regierung und Parlament vorgeschlagene Aufhebung des Scheidungsverbots aus.

Acht Tote und 40 Verletzte fordert ein Angriff der maoistischen Untergrundorganisation “Leuchtender Pfad” auf einen Urlauberzug zu der Inka-Ruinenstadt Machu Picchu.

27.6.1986, Freitag

Der Deutsche Bundestag billigt Ausnahmen im Ladenschlussgesetz für Fährbahnhöfe, Flughäfen und Bahnhofspassagen in Städten mit mehr als 200 000 Einwohnern. Dort kann fortan bis 22 Uhr eingekauft werden.

Die Staats- und Regierungschefs der EG einigen sich auf dem am 26. Juni in Den Haag eröffneten Gipfeltreffen darauf, zunächst keine wirtschaftlichen Sanktionen gegen Südafrika zu verhängen.

Der italienische sozialistische Ministerpräsident Bettino Craxi zieht die Konsequenzen aus mehreren Abstimmungsniederlagen seiner Regierung im Parlament und erklärt seinen Rücktritt. Craxi gelingt bis zum 1. August eine neuerliche Regierungsbildung.

Der Internationale Gerichtshof in Den Haag stellt in einem Urteil fest, dass die USA durch die Verminung von Häfen in Nicaragua 1984 und durch die Unterstützung der antisandinistischen “Contra”-Rebellen gegen internationale Verpflichtungen und bilaterale Abkommen verstoßen haben. Die Aufforderung des Gerichts, Nicaragua für die entstandenen Verluste zu entschädigen, wird von den USA nicht akzeptiert.

28.6.1986, Samstag

Zum Abschluss des seit dem 25. Juni tagenden 13. Parteitags des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens wird durch eine Änderung des Parteistatuts die Position des Zentralkomitees der Bundespartei gegenüber den Gliedparteien gestärkt.

Michael Groß (Offenbach) stellt in Hannover mit 1:56,24 min einen Weltrekord über 200 m Delphin auf.

Das italienische Gesundheitsministerium setzt die Grenzwerte für bestimmte Schadstoffe im Trinkwasser auf das Zehnfache herauf, nachdem Ende Mai öffentliche Brunnen in der Provinz Bergamo mit Pflanzenschutzmitteln verseucht worden waren, so dass etwa 250 000 Menschen mit Wassertanklastzügen versorgt werden mussten.

Das bayerische Innenministerium verhängt ein Einreiseverbot gegen 322 österreichische Kernkraftgegner, die gegen die geplante atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf demonstrieren wollen.

29.6.1986, Sonntag

In Warschau beginnt der X. Parteitag der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei. Auf der bis zum 3. Juli dauernden Parteitagung wird ein Fünfjahresplan verabschiedet, der ein Sparprogramm zur Modernisierung der polnischen Wirtschaft vorsieht. Als Parteichef wird Staatspräsident General Wojciech Jaruzelski bestätigt, der die Aufnahme von mehreren seiner Gefolgsleute – u.a. Innenminister Czeslaw Kiszczak – in das Politbüro, das höchste Führungsgremium, durchsetzen kann.

In Venedig wird die Kunst-Biennale eröffnet (bis 29. 9.). Die Veranstaltung ist mit mehr als 2500 Werken von über 600 Künstlern aus 42 Ländern und mehr als 30 000 m² Ausstellungsfläche die weltweit größte Kunstschau. Kritiker stellen allerdings fest, dass sich ein einheitlicher Trend nicht feststellen lässt und Mittelmaß das Bild der Ausstellung bestimmt.

Führende Wissenschaftler äußern auf einer Tagung in San Diego (USA) Beunruhigung darüber, dass das Loch im schützenden Ozonschild über der Erde immer größer wird. Langfristig sind weltweit Klimaveränderungen zu erwarten.

Durch ein 3:2 im Finale gegen die Bundesrepublik wird Argentinien in Mexiko-Stadt Fußballweltmeister. Am Vortag hatte sich Frankreich an gleicher Stelle durch ein 4:2 nach Verlängerung über Belgien den dritten Platz gesichert.

30.6.1986, Montag

Karl-Heinz Hoffmann, der Gründer der rechtsextremistischen Wehrsportgruppe, wird in Nürnberg wegen Geldfälschung, Freiheitsberaubung, Nötigung und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Fünf US-Ölfirmen beenden auf Anweisung der US-Regierung in Washington ihre Tätigkeit in Libyen. Sie müssen dort Anlagebeteiligungen im Buchwert von 1 Mrd. US-Dollar (2,345 Mrd. DM) zurücklassen.

Der Oberste Gerichtshof der USA fällt mit fünf gegen vier Stimmen ein Urteil zum Sexualstrafrecht, das als erster großer Rückschlag seit 60 Jahren allmählicher Liberalisierung bewertet wird. Es lehnt die Klage eines Homosexuellen aus Georgia ab, das noch in 24 Einzelstaaten und dem District of Columbia geltende Verbot der sog. widernatürlichen Unzucht für ungültig zu erklären.

Chroniknet