Was geschah im Juni 2002

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1.6.2002, Samstag

Nürnberg: Der 34-jährige Sven Ottke bleibt Boxweltmeister im Supermittelgewicht des Weltverbandes IBF. Er besiegt den US-Amerikaner Thomas Tate einstimmig über zwölf Runden nach Punkten. Ottke gewinnt damit seinen 14. Titelkampf in Folge und bleibt auch in seinem 27. Profikampf ungeschlagen.

Sapporo: Die deutsche Elf startet mit einem 8:0 gegen Saudi-Arabien im ersten Vorrundenspiel der Gruppe E in die Fußball-Weltmeisterschaft. Die Tore im komplett überdachten Stadion erzielen dreimal Miroslav Klose sowie Michael Ballack, Carsten Jancker, Thomas Linke, Oliver Bierhoff und Bernd Schneider.

Moskau: Der frühere unabhängige russische Fernsehsender TV-6 nimmt nach monatelanger Schließung unter dem neuen Namen TVS wieder den Betrieb auf. Dem Sender steht jetzt ein Konsortium Kreml-treuer Funktionäre vor, darunter ist u.a. der frühere russische Regierungschef Jewgeni Primakow.

Berlin: Gut eine Woche nach Bekanntwerden der hohen Nitrofen-Werte im Futterweizen gilt der Skandal um Nitrofen-verseuchtes Ökofuttermittel als aufgeklärt. Nach Angaben von Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) wurde als Quelle für die Verunreinigung eine Lagerhalle in Malchin bei Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) ausgemacht. Die Norddeutsche Saat- und Pflanzgut AG (NSP) hatte Ende 2001 die Lagerhalle gemietet und das Öko-Getreide dort aufbewahrt. Zu DDR-Zeiten diente die Halle als “Lagerstätte der Staatsreserve an Pflanzenschutzmitteln für die drei Nordbezirke”. Von dort aus ging das Getreide an den niedersächsischen Futtermittel-Hersteller GS agri, der bundesweit zahlreiche Bio-Betriebe beliefert.

2.6.2002, Sonntag

Mailand: Mit seinem Sieg beim 85. Giro d’Italia sorgt der 29-jährige Italiener Paolo Savoldelli für den insgesamt 60. italienischen Triumph in der 93-jährigen Geschichte des zweitschwersten Rad-Etappenrennens der Welt. In der Gesamtwertung der von etlichen Dopingfällen überschatteten Rundfahrt hat Savoldelli am Ende einen Vorsprung von 1:41 Min. vor dem US-Amerikaner Tyler Hamilton.

Bern: In der Schweiz spricht sich bei einer Volksabstimmung eine überwältigende Mehrheit der Stimmbürger für die Fristenregelung beim Schwangerschaftsabbruch aus. Bei der Abstimmung, an der sich 40,5% der stimmberechtigten Bevölkerung beteiligen, votieren 72% für die Einführung der Fristenlösung. Nur die katholischen Kantone Wallis und Appenzell Innerrhoden stimmen gegen die Vorlage. Die Fristenregelung sieht bei einem Schwangerschaftsabbruch Straffreiheit in den ersten zwölf Wochen vor, wenn eine Frau eine Notlage geltend machen kann und sich ärztlich beraten lässt. Die bisher geltende Regelung von 1942 erlaubte einen Abbruch nur, wenn die Schwangerschaft Gesundheit oder Wohlergehen der Mutter gefährdete. Die Schweiz ist eines der letzten Länder Europas, das die Fristenregelung einführt.

Berlin: Mit Angriffen auf die Unionsparteien und einer klaren Abgrenzung zur FDP schwört Bundeskanzler Gerhard Schröder die SPD auf die heiße Phase des Wahlkampfs ein. Mit großer Mehrheit verabschieden die rund 520 Delegierten das Wahlprogramm mit dem Motto ” Erneuerung und Zusammenhalt ” . Zentrale Themen sind neben der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit weitere Schritte zur Haushaltskonsolidierung sowie Reformen in der Familien- und Bildungspolitik. Die Koalition mit den Grünen soll fortgesetzt werden.

3.6.2002, Montag

London: Eine knapp vierstündige Show im Garten des Buckingham-Palastes, auf der Größen des britischen Rock und Pop wie Eric Clapton, Paul McCartney, Rod Stewart und Joe Cocker auftreten, zählt zu den Höhepunkten der Feiern zum 50-jährigen Thronjubiläum von Königin Elizabeth II.

Gasa-Stadt: Das höchste palästinensische Gericht ordnet die sofortige Freilassung des Führers der radikalen Organisation “Volksfront zur Befreiung Palästinas”, Achmed Saadat, an. Israel wirft Saadat vor, Drahtzieher des Mords an dem israelischen Tourismusminister Rechawam Seewi im Oktober 2001 zu sein. Saadat gehört zu denjenigen Palästinensern, die Anfang Mai unter internationaler Bewachung in ein Gefängnis in Jericho gebracht wurden. Das seinerzeit unter US-Vermittlung erzielte Abkommen war die Voraussetzung für das Ende der israelischen Blockade von Palästinenserpräsident Jasir Arafat in Ramallah.

Düsseldorf: Gegen den Willen von Parteichef Guido Westerwelle beschließt der Vorstand der NRW-Liberalen, den umstrittenen Deutsch-Syrer Jamal Karsli weiter in der Düsseldorfer Landtagsfraktion mitarbeiten zu lassen. Der nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende Jürgen Möllemann, der sich energisch für einen Verbleib Karslis in der Fraktion eingesetzt hatte, lehnt es abermals ab, sich beim Zentralrat der Juden für seine Äußerungen zu entschuldigen.

4.6.2002, Dienstag

London: Bis zu 1 Mio. Menschen nehmen in der britischen Hauptstadt Anteil an dem Goldenen Thronjubiläum von Königin Elizabeth II. In einer langen Prozession zum Höhepunkt der Festlichkeiten fährt die Queen in einer goldenen Kutsche durch die Straßen Londons und lässt sich von den Schaulustigen bejubeln.

Washington: Ein Ausschuss des amerikanischen Kongresses beginnt mit der Untersuchung von Versäumnissen der Behörden im Vorfeld der Anschläge vom 11. September 2001. US-Präsident George W. Bush räumt ein, dass der Geheimdienst CIA und die Bundespolizei FBI vor den Anschlägen nur unzureichend zusammengearbeitet haben. Er sehe aber keine Hinweise darauf, dass Informationen vorgelegen hätten, mit denen die Terrorangriffe zu verhindern gewesen seien.

Almaty: Die verfeindeten Atommächte Indien und Pakistan bringen mit schweren gegenseitigen Vorwürfen den von Russland initiierten Versöhnungsprozess zum Scheitern. Auf dem Asiengipfel in der kasachischen Stadt macht Indiens Regierungschef Atal Behari Vajpayee in Gegenwart des russischen Präsidenten Wladimir Putin erneut Pakistan für den Terror in Kaschmir verantwortlich. Er betont aber ebenso wie der pakistanische Präsident Pervez Musharraf, von sich aus keinen Krieg beginnen zu wollen.

München: Vor dem Spenden-Untersuchungsausschuss des Bundestages weist Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber Vorwürfe des Waffenlobbyisten KarIheinz Schreiber zurück, die CSU habe sich einer illegalen Finanzpraxis schuldig gemacht und er selbst sei zwischen 1982 und 1992 in illegale Finanzpraktiken der CSU verwickelt gewesen. Vor den aus Berlin nach München angereisten Parlamentariern wirft der CSU-Chef der SPD und den Grünen durchsichtige Wahlkampftricks vor. Seine Vorladung sei eine reine Inszenierung.

5.6.2002, Mittwoch

Ibaraki: Die deutsche Fußball-Nationalelf verpasst die Chance auf einen vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale. Vier Tage nach dem 8:0 gegen Saudi-Arabien muss sich das DFB-Team vor 42 000 Zuschauern im Kashima Soccer Stadium mit einem 1:1 gegen Irland begnügen. Die deutsche Führung durch Miroslav Klose (18. Minute) gleicht Robbie Keane in der Nachspielzeit mit dem verdienten 1:1 aus.

Washington: Bei der Fahndung nach mutmaßlichen Terroristen sind nach Angaben aus Regierungskreisen seit dem 11. September 2001 weltweit mehr als 3000 Verdächtige in Gewahrsam genommen worden. In 90 Ländern außerhalb der USA wurden demnach knapp 2500 Verdächtige festgenommen.

Washington: Ein enger Vertrauter von Osama bin Laden hat nach US-Erkenntnissen wohl die Attentate vom 11. September 2001 detailliert geplant. Bei dem Drahtzieher handele sich nach Angaben aus Kreisen der Ermittler um den Kuwaiti Chalid Scheich Mohammed. Er halte sich derzeit vermutlich in Afghanistan oder Pakistan auf. Er gehört zu den vom FBI meistgesuchten Männern weltweit.

Belfast: Mit Alex Maskey wird erstmals ein Politiker der Sinn Féin, des politischen Flügels der IRA, zum Oberbürgermeister gewählt. Maskey erhält bei den Wahlen im Stadtrat 26 von 51 Stimmen. Dort stellt Sinn Féin mit 14 Abgeordneten die stärkste Fraktion und bekommt bei der Abstimmung die Unterstützung der Labour Party SDLP und der gemäßigten Alliance-Partei.

Megiddo: Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Linienbus im Norden Israels sterben 17 Israelis, 40 Menschen werden zum Teil schwer verletzt. Zu dem Attentat bekennt sich die militante Palästinensergruppe Islamischer Dschihad.

Berlin: Zwischen dem FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle und seinem Stellvertreter Jürgen Möllemann bricht ein offener Machtkampf aus. Westerwelle fordert den nordrhein-westfälischen Parteichef auf, den umstrittenen Abgeordneten Jamal Karsli bis spätestens 10. Juni aus der Landtagsfraktion auszuschließen. Ansonsten könne er mit Möllemann nicht mehr vertrauensvoll zusammenarbeiten. Zur Begründung erklärt Westerwelle, Karsli habe per E-Mail den Brief eines israelischen Journalisten verbreitet, in dem die Politik Israels gegenüber den Palästinensern mit der NS-Judenpolitik verglichen werde. Dies sei ungeheuerlich. Vor der FDP-Zentrale in Berlin demonstrieren rund 1000 Menschen, darunter zahlreiche Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, gegen den Kurs der Partei.

6.6.2002, Donnerstag

Washington: Als Konsequenz aus den Fehlern im Vorfeld des 11. September 2001 plant US-Präsident George Bush eine grundlegende Reform der Sicherheitsbehörden. Bush sagt in einer Fernsehansprache, künftig solle ein neues ” Ministerium für Heimatschutz ” die Arbeit der Geheimdienste koordinieren und Anschläge abwehren. Die neue Behörde soll u.a. für Grenzsicherung und Katastrophenschutz sowie Maßnahmen gegen chemische, biologische und atomare Waffen zuständig sein.

Düsseldorf: Der nordrhein-westfälische FDP-Landesvorsitzende Jürgen Möllemann gibt vor dem Landtag den Rückzug des Ex-Grünen Jamil Karsli aus der Landtagsfraktion bekannt. Zudem entschuldigt er sich bei den Juden für als antisemitisch empfundene Äußerungen, nimmt aber den Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, von seiner Entschuldigung aus. Der Zentralrat zieht nach dieser Äußerung Möllemanns sein Gesprächsangebot wegen Möllemanns “fortgesetzter Strategie der Doppelzüngigkeit” umgehend zurück.

7.6.2002, Freitag

Sapporo: Im Spitzenspiel des Tages bei der Fußball-Weltmeisterschaft siegt England nach hartem Kampf gegen Argentinien mit 1:0. Mit seinem verwandelten Foulelfmeter macht David Beckham (44. Minute) den ersten Sieg der Engländer bei einer WM gegen Argentinien seit 36 Jahren perfekt.

Houston: Nach rund 40-stündigem Flug dockt die am 5. Juni gestartete US-Raumfähre Endeavour problemlos an die Internationale Raumstation ISS an. Drei der sieben Astronauten sollen als neue ISS-Langzeitbesatzung etwa vier Monate im All bleiben.

Troisdorf: Nach 57-jähriger Stationierung auf deutschem Boden verabschieden sich die letzten 2000 der ursprünglich 27 000 belgischen Soldaten aus der Bundesrepublik. An der Abschiedsparade vor Belgiens König Albert II. und Bundespräsident Johannes Rau nehmen 400 Soldaten teil.

Berlin: Trotz zahlreicher offen gebliebener Fragen sehen CDU/CSU im Parteispenden-Untersuchungsausschuss des Bundestages die CDU-Finanzaffäre endgültig als bewältigt an. Bei der Vorstellung des Minderheitenvotums seiner Fraktion zum Abschlussbericht des Ausschusses sagte Unionsobmann Andreas Schmidt, dies gelte auch für die Vorwürfe gegen Altkanzler Helmut Kohl (CDU). Eine Bestechlichkeit der Regierung Kohl habe es nachweislich nicht gegeben.

Berlin: Der Bundestag lehnt eine Änderung des Grundgesetzes zur Einführung von Volksabstimmungen auf Bundesebene ab. Der entsprechende Antrag der Koalitionsparteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen findet nicht die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit. In namentlicher Abstimmung votieren 348 Abgeordnete für den Entwurf, 444 Stimmen wären dafür erforderlich gewesen. Bisher sind Volksentscheide nur auf Landes- und Kommunalebene zulässig.

Berlin: Deutsche Soldaten bleiben ein weiteres Jahr im Kosovo. Der Bundestag verlängerte mit großer Mehrheit den im Juni 1999 gestarteten Bundeswehreinsatz in der internationalen Kfor-Truppe. Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) kündigt zugleich eine Verkleinerung der deutschen Balkan-Truppen um 1000 Soldaten an. In der jugoslawischen Provinz sind derzeit 38 Nationen mit 37 000 Soldaten präsent, die Bundeswehr ist mit 4650 Mann vor Ort.

8.6.2002, Samstag

Memphis: Lennox Lewis verteidigt souverän seine beiden Weltmeistertitel im Schwergewicht nach Version der Weltboxverbände World Boxing Council (WBC) und der International Boxing Federation (IBF). Der 36-jährige Brite bezwingt vor 19 185 Zuschauern in der ausverkauften “Pyramid Arena” die Nummer eins der WBC-Rangliste, den US-Amerikaer Mike Tyson, durch K.o. in der achten Runde. Der 40. Sieg im 43. Profikampf bringt Lewis die Rekordbörse von 17,5 Mio. US-Dollar ein, die gleiche Summe kassiert der – chancenlose – 35-jährige Ex-Weltmeister bei der vierten Niederlage in seinem 53. Kampf. Mit einem geschätzten Umsatz von umgerechnet über 114 Mio. Euro ist es der teuerste Kampf der Boxgeschichte.

Paris: Die US-Amerikanerin Serena Williams gewinnt die French Open. Im Finale bezwingt die 20-Jährige ihre ein Jahr ältere Schwester Venus in zwei Sätzen. Für Serena Williams ist es der zweite Sieg in einem Grand-Slam-Turnier.

Kassel: Bundespräsident Johannes Rau eröffnet die elfte Weltkunstschau Documenta. Bis zum 15. September sind 450 Arbeiten von 118 internationalen Künstlern zu sehen. Bei einem Rundgang würdigt Rau das gesellschaftskritische Konzept von Documenta-Chef Okwui Enwezor. Kunst, die nicht politisch wirken wolle, wäre – so Rau – nicht zeitgenössisch.

Neu Delhi: Die indische Regierung bestätigt den Verlust einer Aufklärungsdrohne über Pakistan. Im Kaschmir-Konflikt liefern sich beide Länder Artillerieduelle, die auf beiden Seiten der Grenze Tote und Verletzte fordern.

Düsseldorf: Gegen die geplanten Studiengebühren in Nordrhein-Westfalen gehen in der Landeshauptstadt mehr als 20 000 Studenten und Eltern auf die Straße. Der Protest richtet sich gegen Pläne der rot-grünen Landesregierung, von 2003 an eine Semestergebühr von 50 Euro einzuführen. Langzeitstudenten sollen künftig 650 Euro zahlen.

9.6.2002, Sonntag

Moskau: Nach der 0:1-Niederlage der russischen Fußball-Nationalmannschaft im WM-Gruppenspiel gegen Japan kommt es auf dem Manezh-Platz in der russischen Hauptstadt, wo sich etwa 8000 Menschen vor einer Großleinwand versammelt hatten, zu schweren Krawallen, die zwei Menschenleben fordern und bei denen etwa 75 Menschen verletzt werden.

Kiel: Die Leverkusener Segelyacht “Illbruck” gewinnt das “Volvo Ocean Race”, das härteste und schwerste Segelrennen der Welt. Nach neun Etappen und 32 700 Seemeilen liegt die “Illbruck” mit 61 Punkten vor der schwedischen “Assa Abloy” (55 Punkte), die als einzige der acht teilnehmenden Yachten beim Start der 250 Seemeilen langen Schlussetappe von Göteborg nach Kiel noch Siegchancen hatte. Das “Volvo Ocean Race”, das aus dem “Whitbread Race” hervorging, wird seit 1973 ausgetragen. Erstmals geht der Gesamtsieg an ein deutsches Boot. Das Rennen begann am 23. September 2001 im englischen Southampton.

Stuttgart: Telekom-Radprofi Erik Zabel feiert zum Abschluss der Deutschland-Tour seinen vierten Etappensieg. Den Gesamtsieg sichert sich der Spanier Igor Gonzalez de Galdeano.

Paris: Im dritten rein spanischen Finale in der Geschichte der French Open feiert Albert Costa zum ersten Mal einen Grand-Slam-Sieg. Mit 6:1, 6:0, 4:6 und 6:3 bezwingt er seinen verletzt ins Spiel gegangenen Landsmann Juan Carlos Ferrero und kann sich über ein Preisgeld von 780 000 Euro freuen.

Montreal: Der viermalige Automobilweltmeister Michael Schumacher siegt beim Großen Preis von Kanada vor David Coulthard (McLaren-Mercedes) und seinem Ferrari-Teamkollegen Rubens Barrichello. Schumacher hat nach seinem sechsten Sieg im achten von 17 Saisonrennen nunmehr 70 Punkte auf seinem Konto. Schumacher gewinnt zum fünften Mal in Kanada und beschert zugleich Ferrari den 150. Grand-Prix-Sieg.

Rom: Bei den Bürgermeister-Stichwahlen in 75 italienischen Städten erringen die Mitte-Links-Parteien einen klaren Sieg. In neun der elf größten Städte setzen sich ihre Kandidaten durch; nur in zwei dieser Kommunen siegt das Mitte-Rechts-Bündnis von Ministerpräsident Silvio Berlusconi.

Sevilla: In der südspanischen Metropole protestieren mehrere zehntausend Menschen gegen eine Reform der Sozialgesetze, mit der die konservative Regierung in Madrid den Bezug von Arbeitslosengeld an strengere Bedingungen knüpfen will.

Algier: Bei neuen Gewalttaten militanter Islamisten werden in Algerien neun Menschen getötet und zahlreiche verletzt. Seit Beginn des Jahres starben damit mehr als 600 Menschen, darunter 150 Angehörige der Sicherheitskräfte.

Paris: Das bürgerliche Bündnis des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac entscheidet die erste Runde der Parlamentswahlen klar für sich. Das Bündnis der konservativen Parteien, die Union pour la Majorité Présidentielle (UMP), erringt gemeinsam mit ihrem liberalen Bündnispartner, der Union pour la Démocratie Française (UDF), 44% der Stimmen. Die oppositionellen Sozialisten (PS) kommen gemeinsam mit den Kommunisten und Grünen auf 36%. Der rechtsextreme Front National (FN) von Jean-Marie Le Pen kann lediglich 12,5% der Stimmen für sich verbuchen. Die Wahlbeteiligung liegt bei 65%.

10.6.2002, Montag

London: 25 Jahre nach seinem Tod stürmt Elvis Presley erneut die Hitparaden. Die von dem niederländischen Discjockey JXL bearbeitete Remix-Version des aus dem Jahr 1968 stammenden Song “A Little Less Conversation” erscheint als Single CD im europäischen Handel und klettert in wenigen Tagen an die Spitze der britischen Charts. Mit seiner 18. Nummer eins überbietet Presley den bisher gemeinsam mit den Beatles gehaltenen Rekord von 17 Spitzenhits.

Rom: Die internationale Gemeinschaft will an ihrem Ziel festhalten, bis 2015 die Zahl der Hungernden von derzeit 800 Mio. Menschen zu halbieren. Dies ist das wichtigste Ziel einer Deklaration über eine “Internationale Allianz gegen den Hunger”, die etwa 180 Teilnehmerstaaten auf dem UN-Welternährungsgipfel verabschieden.

Washington: US-Präsident George W. Bush erklärt nach einem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon, Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung gegenüber den Palästinensern. Einige Stunden vorher war die israelische Armee mit Panzern zum zweiten Mal in vier Tagen in Ramallah eingerückt. Soldaten erschossen vor dem Amtssitz von Palästinenserpräsident Jasir Arafat einen palästinensischen Polizisten.

Washington: US-Justizminister John Ashcroft gibt bekannt, dass die Sicherheitsbehörden am 8. Mai auf dem Chicagoer Flughafen O’Hare ein Mitglied der Terror-Organisation Al-Qaida festgenommen haben. Der Verdächtige – der unter den Namen Abdullah Al Mujahir und Jose Padilla bekannt sei – soll an Plänen gearbeitet haben, eine so genannte schmutzige Bombe im Großraum Washington zu zünden. In solchen Bomben wird Nuklearmaterial mit herkömmlichem Sprengstoff kombiniert.

11.6.2002, Dienstag

Shizuoka: Durch Tore von Marco Bode (50. Minute) und Miroslav Klose (79. Minute) schafft eine 50 Minuten in Unterzahl spielende deutsche Nationalmannschaft mit dem 2:0 gegen die Auswahl Kameruns den Sprung ins Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft. Vor 47 085 Zuschauern verteidigt das Team von Rudi Völler gegen die von Winfried Schäfer trainierten Afrikaner den ersten Platz in der Gruppe E. Auch Irland ist nach dem 3:0 gegen Saudi-Arabien eine Runde weiter. Ohne ein einziges Tor zu schießen scheidet hingegen der amtierende Weltmeister Frankreich bereits in der Vorrunde aus. Auch für die gleichfalls als Favorit gehandelte Mannschaft Argentiniens endet die WM vorzeitig.

Leslie: Auf einem Schloss in der irischen Grafschaft Monaghan geben sich Ex-Beatle Paul McCartney und das frühere Model Heather Mills das Jawort. Für beide ist es die zweite Hochzeit; der von der Queen geadelte Sänger war in erster Ehe mit Linda Eastman verheiratet, die 1998 an Krebs verstarb. Unter den 300 Gästen sind auch der ehemalige Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr und Beatles-Produzent George Martin.

Lübeck: Der britische Thronfolger Prinz Charles erhält zum Beginn seiner zweitägigen Deutschland-Visite den Umweltpreis 2002 der Stiftung “Europäisches Naturerbe”. Prinz Charles wird für seinen “langjährigen Einsatz für den ökologischen Landbau und sein Engagement zur Erhaltung artenreicher Kulturlandschaften” ausgezeichnet. Der Prinz von Wales besitzt schon seit längerem ein eigenes Öko-Gut.

Rabat: Die marokkanische Polizei hat nach Angaben von Regierungsbeamten bereits im Mai drei saudi-arabische Mitglieder des Al-Qaida -Netzwerks verhaftet. Sie sollen terroristische Anschläge auf amerikanische und britische Kriegsschiffe in der Straße von Gibraltar vorbereitet haben.

Kabul: In Afghanistan wird mit eintägiger Verspätung die Große Ratsversammlung Loya Jirga eröffnet. Die etwa 1550 Delegierten aus dem ganzen Land sollen über eine zweite Übergangsregierung für Afghanistan entscheiden, bis in zwei Jahren freie Wahlen stattfinden. Als aussichtsreichster Kandidat für das Präsidentenamt gilt der Chef der gegenwärtigen Interimsregierung, Hamid Karsai. Der ehemalige afghanische König Sahir Schah und der frühere Anführer der Nordallianz Burhanuddin Rabbani, haben auf eine Kandidatur verzichtet.

Brüssel: Die EU-Kommission verzichtet auf ein EU-weites Vermarktungsverbot für deutsche Bio-Produkte. Obwohl immer mehr mit Nitrofen verseuchte Lebens- und Futtermittel gefunden wurden, spricht sich der EU-Lebensmittelausschuss gegen das Verbot aus. Die deutsche Regierung habe alles Notwendige getan, um die Krise in den Griff zu bekommen. Das krebserregende Unkrautvernichtungsmittel Nitrofen ist bereits seit 1988 in Deutschland verboten.

Berlin: Der Parteispenden-Untersuchungsausschuss des Bundestages hat nach Überzeugung seiner rot-grünen Mehrheit zwar keinen Beweis für Regierungskorruption im strafrechtlichen Sinne, wohl aber Belege für “politische Korruption” gefunden. Die Ausschussmitglieder von CDU/CSU, FDP und PDS kommen hingegen zu dem Ergebnis, die zweieinhalb Jahre dauernde Aufklärungsarbeit habe keine solchen Beweise erbracht.

Berlin: Der von der FDP erhoffte Schlussstrich unter die Antisemitismus-Debatte bleibt aus. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, sagt nach einem eineinhalbstündigen Treffen mit der FDP-Spitze, das Problem sei nicht gelöst. Sein Stellvertreter Michel Friedman erklärt, das Engagement der Freien Demokraten gegen Antisemitismus sei nicht glaubwürdig, solange der stellvertretende Parteichef Jürgen Möllemann nicht mit Sanktionen oder Konsequenzen rechnen müsse. Möllemann lehnt es weiterhin ab, sich wegen heftiger Angriffe auf den Zentralrats-Vize Michel Friedman zu entschuldigen.

12.6.2002, Mittwoch

East Rutherford: Mit einem 113:107-Erfolg bei den New Jersey Nets werden die Los Angeles Lakers – das Team von Center Shaquille O’Neal – erneut Titelgewinner in der National Basketball Association (NBA). Das überragende Team der Saison schließt die Best-of-Seven-Serie bereits im vierten Spiel mit einem unaufholbaren 4:0 ab und erkämpft die dritte Meisterschaft in Serie. 1995 hatten zuletzt die Houston Rockets in nur vier Siegen die Meisterschaft entscheiden können.

Denver: Der US-Bundesstaat Colorado wird angesichts der schwersten Waldbrände seiner Geschichte zum Notstandsgebiet erklärt. Dadurch kann u.a. die Nationalgarde zur Bekämpfung des außer Kontrolle geratenen Feuers eingesetzt werden. In ganz Colorado kämpfen mehr als 2000 Feuerwehrleute mit Löschflugzeugen und Hubschraubern gegen die Flammen an. Insgesamt wurden bislang 40 000 ha Fläche zerstört.

München: Nach KirchMedia und KirchPayTV, die bereits im April und Mai Insolvenz beantragt haben, stellt nun auch die Dachgesellschaft des Medienkonzerns von Leo Kirch, die TaurusHolding, sowie KirchBeteiligungen Antrag auf Insolvenz beim Münchner Amtsgericht. Die TaurusHolding gehört einer Stiftung Kirchs, die Taurus hält 73% an KirchMedia und 70% an KirchPayTV. Die Firma KirchBeteiligungen ist vollständig im Besitz der Holding. Damit hat Kirch seinen Einfluss auf die von ihm gegründete Gruppe weitgehend verloren. Zugleich bestätigt die Commerzbank ihre Interesse an einem Konsortium mit der WAZ-Verlagsgruppe in Essen und dem Hollywood-Studio Columbia Tristar, das die KirchMedia übernehmen will.

Herzlia: Bei einem neuen Selbstmordanschlag im Norden Israels reißt der palästinensische Attentäter eine junge Israelin mit in den Tod. 14 weitere Menschen werden verletzt, als der Mann in einem Restaurant einen an seinem Körper befestigten Sprengsatz zündet.

Berlin: Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin entscheidet, dass die CDU 21 Mio. Euro aus der staatlichen Parteienfinanzierung zurückzahlen muss. Die von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) im Februar 2000 verhängte Sanktion sei rechtmäßig, weil die Bundes-CDU in ihrem Rechenschaftsbericht Auslandsvermögen des hessischen Landesverbandes in Höhe von 18 Mio. DM nicht angegeben hatte. Das Gericht urteilt, nach dem Transparenzgebot im Grundgesetz müsse ein Rechenschaftsbericht nicht nur formal, sondern auch inhaltlich richtig sein. Das anders lautende Urteil aus der Vorinstanz bewerten die Richter als rechtswidrig. Das Berliner Verwaltungsgericht hatte 2001 in erster Instanz entschieden, dass die Thierse-Sanktion rechtswidrig sei.

13.6.2002, Donnerstag

Detroit: Mit einem hart erkämpften 3:1 über die Carolina Hurricanes sicher sich die Detroit Red Wings zum dritten Mal seit 1997 den Stanley Cup, den Titel in der National Hockey League (NHL). Das beste Vorrundenteam der nordamerikanischen Eishockeyliga gewinnt die Finalserie mit 4:1-Siegen und holte sich damit zum insgesamt zehnten Mal den Titel. Mit einem Altersdurchschnitt von über 32 Jahren sind die Red Wings das älteste Team, das jemals den Stanley Cup gewinnen konnte.

Rom: Mit einem Appell zur Bekämpfung des Hungers geht der Welternährungsgipfel in der italienischen Hauptstadt zu Ende. Die Zahl der Hungernden müsse bis zum Jahr 2015 von derzeit 800 Mio. auf die Hälfte reduziert werden, heißt es zum Abschluss des Treffens.

Dallas: Die katholischen Bischöfe in den USA entschuldigen sich öffentlich bei den sexuell missbrauchten Opfern pädophiler Priester. Zum Auftakt ihrer mit Spannung erwarteten Frühjahrstagung sagt der amtierende Präsident der Konferenz, Wilton Gregory, was die Bischöfe getan und unterlassen hätten, habe zu dem Missbrauch beigetragen. Die 280 Geistlichen wollen auf der dreitägigen Tagung über Konsequenzen aus Sex-Skandalen um pädophile Priester beraten.

Kabul: Die Große Ratsversammlung Loya Jirga wählt den bisherigen Chef der afghanischen Interimsregierung, Hamid Karsai, mit deutlicher Mehrheit zum Präsidenten. Der 44-jährige Paschtune verzeichnet mit 1295 Stimmen der etwa 1550 Delegierten rund 80% Zustimmung. Die Ärztin Masuda Jallal erhält 171, der Geologieprofessor Mohammad Mahfuz Nadai 89 Stimmen. Karsai ruft die afghanischen Volksgruppen zur Einigkeit auf. Das neue Staatsoberhaupt wird Afghanistan in den folgenden zwei Jahren bis zur Verabschiedung der Verfassung durch eine weitere Loya Jirga und der nächsten Parlamentswahl führen. Die Amtszeit der letzten verfassungsmäßigen Regierung Afghanistans war durch den Sturz des Königs Sahir Schah im Jahr 1973 beendet worden.

Berlin: Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bezeichnet die Bildung als zentrale soziale Frage des 21. Jahrhunderts. In seiner Regierungserklärung zur Bildungspolitik ruft er zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung auf, um Fehlentwicklungen zu stoppen. Alle Schüler und ihre Begabungen müssten unabhängig von ihrer Herkunft oder dem Geldbeutel der Eltern gefördert werden. Der Bundestag beschließt die Einrichtung eines Sachverständigenrates zur Bildungspolitik.

Köln: Im Korruptionsskandal um den Bau einer Kölner Müllverbrennungsanlage werden drei Beschuldigte festgenommen. Dem früheren SPD-Spitzenpolitiker Karl Wienand und dem Viersener Unternehmer Hellmut Trienekens wirft die Staatsanwaltschaft Steuerhinterziehung und Beihilfe zur Bestechlichkeit vor und erlässt noch am selben Tag Haftbefehle. Der als politische Schlüsselfigur im Spendenskandal geltende frühere Fraktionschef der Kölner SPD, Norbert Rüther, wird wegen Steuerhinterziehung in siebenstelliger Höhe am 14. Juni in Untersuchungshaft genommen. Insgesamt sollen beim Bau der Müllverbrennungsanlage Schmiergelder in Höhe von 11,4 Mio. Euro geflossen sein.

14.6.2002, Freitag

Berlin: Die Regisseurin Caroline Link und ihre Familiensaga “Nirgendwo in Afrika” sind die großen Sieger bei der Vergabe des 52. Deutschen Filmpreises. Das Drama einer in den 30er Jahren nach Kenia emigrierte deutsch-jüdische Familie wird mit fünf goldenen Lolas ausgezeichnet, darunter ist der mit 500 000 Euro dotierte Preis für den besten Film und die goldene Lola mit 10 000 Euro für die beste Regie. Silberne Lolas (je 400 000 Euro) gehen an die ostdeutsche Milieustudie “Halbe Treppe” von Andreas Dresen sowie an “Heaven” von Tom Tykwer.

Karatschi: Auf das US-Konsulat in der pakistanischen Stadt wird ein Selbstmordanschlag verübt. Ein mit Sprengstoff beladener Wagen explodiert vor dem Gebäude. Zehn Menschen kommen ums Leben, mehr als 40 werden verletzt. Seit die pakistanische Regierung offen die USA unterstützt und gegen islamische Extremisten vorgeht, häufen sich im Lande derartige Anschläge. So wurden im März 2002 bei einem Überfall auf eine Kirche im Diplomatenviertel fünf Menschen getötet; im Mai kamen bei einem Selbstmordanschlag mit einer Autobombe vor einem Hotel in Karatschi elf Franzosen und zwei Pakistaner ums Leben.

Berlin: Die festen Ladenpreise für Bücher werden in Deutschland nun gesetzlich verankert. Der Bundestag billigt einstimmig ein Gesetz, welches die Buchpreisbindung regelt und gegen kartellrechtliche Bedenken der EU sichert.

Berlin: Der Bundestag verlängert die Mandate für die Einsätze der Bundeswehr in Afghanistan und Mazedonien. Mit großer Mehrheit stimmen die Abgeordneten dafür, dass die deutschen Soldaten im Rahmen der Internationalen Schutztruppe weitere sechs Monate – bis Mitte Dezember – in Afghanistan stationiert bleiben. Zudem ist eine Ausdehnung der Truppenstärke des deutschen Kontingents um 200 Mann auf 1400 Mann vorgesehen. Für Mazedonien beschließen die Parlamentarier eine Verlängerung des Einsatzes im Rahmen der internationalen Friedenstruppe von vier Monaten bis Oktober. 300 der derzeit 520 deutschen Soldaten sollen aus Mazedonien zurückkehren.

Berlin: Der Bundestag verabschiedet mit der Mehrheit von SPD und Grünen ein neues Jugendschutzgesetz. Es regelt erstmals den Umgang Jugendlicher mit den Neuen Medien. Ferner wird die Abgabe von Tabak und Zigaretten an Jugendliche unter 16 Jahre verboten. Zuvor hatte der Bundestag das Waffenrecht verschärft. Die Altersgrenze für den Waffenerwerb wird in der Regel von 18 auf 21 Jahre angehoben. Waffenkäufer müssen zudem bis zum Alter von 25 Jahren ein psychologisches Gutachten vorlegen und so genannte Pump-Guns werden verboten.

15.6.2002, Samstag

Seogwipo: Durch ein Tor des Leverkuseners Oliver Neuville zum 1:0 in der 88. Spielminute gegen Paraguay erreicht die deutsche Nationalmannschaft vor nur 25 176 Zuschauern den Einzug ins WM-Viertelfinale. Das deutsche Team stößt damit zum 14. Mal bei 15 WM-Teilnahmen in die Runde der letzten Acht vor.

London: Nach Paul McCartney, Elton John und Cliff Richard wird nach Angaben des britischen Königshauses nun auch Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger wegen seiner “Verdienste um die Popmusik” zum Ritter geschlagen. Ein Termin für die Verleihungszeremonie im Buckingham-Palast steht noch nicht fest.

Houston: Im Enron-Skandal erklärt ein Schöffengericht in Houston nach zehntägigen Beratungen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen der Justiz-Behinderung für schuldig. Nach Ansicht des Gerichts hat Andersen im Oktober und November 2001 unrechtmäßig Enron-Akten und -dateien manipuliert und vernichtet. Den dafür Verantwortlichen droht nun eine fünfjährige Bewährungsstrafe und eine Geldstrafe bis zu 500 000 US-Dollar. Andersen geriet schon nach dem Enron-Konkurs Anfang Dezember 2001 in Bedrängnis und büßte insgesamt 785 seiner einst 2300 börsennotierten Klienten ein. Mehrere Niederlassungen im Ausland sagten sich von dem im Jahr 1918 gegründeten Mutterkonzern los oder gingen Fusionen mit anderen Firmen ein. Das Strafmaß gegen Andersen soll am 26. August verkündet werden.

Halifax: Die Finanzminister der G-7-Staaten legen ihren Streit über finanzielle Hilfen für verschuldete Entwicklungsländer bei. Künftig sollen 18 bis 21% der Weltbankhilfen als Zuschüsse statt als Darlehen gezahlt werden.

Dugit: Bei einem Feuergefecht im nördlichen Gasastreifen werden zwei Israelis und ein Palästinenser getötet. Nach Darstellung der israelischen Armee hatten die beiden Soldaten nahe der jüdischen Siedlung einen Anschlag mit einer Autobombe vereiteln können. Auf der Suche nach den Hintermännern seien sie in einen Hinterhalt gelockt worden.

Dallas: Die US-Bischöfe beschließen auf einer Konferenz mit 13 Gegenstimmen, alle Priester, die Minderjährige sexuell missbraucht haben, von der Seelsorge auszuschließen. Jedoch sollen diese Priester nicht unbedingt auch aus der katholischen Kirche ausgeschlossen werden. Pädophile Bischöfe dürfen nur vom Papst bestraft werden. Damit zieht die katholische Kirche in den USA die Konsequenz aus zahlreichen Missbrauchsfällen an Kindern, die nach der Verurteilung eines Priesters im März 2002 nach und nach aufgedeckt wurden.

Prag: Aus den zweitägigen Parlamentswahlen in der Tschechischen Republik gehen die regierenden Sozialdemokraten (CSSD) als Sieger hervor. Die mit ihrem neuen Parteivorsitzenden Vladimir Spidla als Spitzenkandidaten antretenden Sozialdemokraten büßen mit 30,2% der Stimmen nur geringfügig gegenüber 1998 ein (32,3%). Die konservativ ausgerichtete Demokratische Bürgerpartei (ODS) unter dem früheren Premier und Parlamentspräsidenten Vaclav Klaus kommt auf 24,5% (1998: 27,7%). Deutlich zulegen können die Kommunisten (KSCM), die ihren Stimmenanteil von 11 auf 18,5% steigern und nun die dritte Kraft im Parlament sind vor dem Zentrumsbündnis aus Christlichdemokraten (KDU-CSL) und der liberalen Freiheitsunion (US) mit 14,3% (1998: 17,5%). Von den 200 Sitzen im Repräsentantenhaus besetzt die CSSD 70 Mandate, die ODS 58 und die KSCM 41. Gemeinsam mit der Zentrumskoalition (31 Sitze) haben die Sozialdemokraten eine Mehrheit von 101 Sitzen.

Berlin: Beim innerdeutschen Schulleistungsvergleich PISA haben Presseberichten zufolge die Unions-regierten Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg am besten abgeschnitten, deutlich vor sozialdemokratisch regierten Ländern wie Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Für den Vergleich hatten die Bundesländer die Leistungen von etwa 50 000 Schülern im Alter von 15 Jahren testen lassen. Schwerpunkte waren das Lese- und Textverständnis sowie die Kenntnisse in Mathematik und Naturwissenschaften. Im internationalen Schulleistungsvergleich hatte Deutschland insgesamt schwach abgeschnitten.

16.6.2002, Sonntag

Long Island: Auf dem Black Course des Bethpage State Park im US-Bundesstaat New York gewinnt der US-amerikanische Golfprofi Eldrick Tiger Woods die 102. US-Open. Zuvor hatte er bereits im April die US-Masters in Augusta gewonnen, was seit Jack Nicklaus 1972 keinem Golfer mehr gelungen war. Woods siegt mit 277 Schlägen vor seinem Landsmann Phil Mickelson (280 Schläge).

Le Mans: Der aus Neuss stammende Audi-Pilot Frank Biela gewinnt mit seinen beiden Kollegen Tom Kristensen (Dänemark) und Emanuele Pirro (Italien) die 70. Auflage des berühmten Langstreckenrennens 24 Stunden von Le Mans. Für Biela und Audi ist es der dritte Sieg in Folge.

Peking: Nach einem durch Brandstiftung verursachten Feuer mit 24 Toten und 13 Verletzten in einem so genannten Internet-Café im Nordwesten der chinesischen Hauptstadt lassen die Behörden alle ähnlichen Einrichtungen vorläufig schließen. Derzeit gibt es rund 2400 Internet-Cafés in Peking, 2200 davon gelten als illegal. In China unterliegen Internet-Cafés einer strikten staatlichen Kontrolle.

Rom: Vor Hunderttausenden von Menschen spricht Papst Johannes Paul II. während einer Messe den italienischen Kapuzinermönch Padre Pio (Francesco Forgione, 1887- 1968) heilig. Padre Pio wird in Italien seit Jahrzehnten verehrt, obwohl er zu Lebzeiten vom Vatikan besonders kritisch beurteilt wurde. Seiner Popularität tat dies jedoch keinen Abbruch. Padre Pio werden viele Wunder zugeschrieben. Es handelt sich um die größte Heiligsprechungs-Zeremonie, die Rom je erlebt hat.

Jerusalem: Israel beginnt mit dem Bau eines mehr als 100 km langen Sicherheitszaunes zum benachbarten palästinensischen Westjordanland. Das fast 70 Mio. Euro teure Schutzgitter soll mit Sensoren, Wachtürmen und Gräben versehen werden, um das Eindringen von Selbstmordattentätern nach Israel zu verhindern.

Paris: Das bürgerliche Lager von Präsident Jacques Chirac erringt bei der zweiten Runde der französischen Parlamentswahlen die absolute Mehrheit. Die Union pour la Majorité Présidentielle erringt 375 der insgesamt 577 Sitze im Parlament und verfügt damit allein über die absolute Mehrheit. Die Union pour la Démocratie Francaise (UDF) erhält 27 Mandate. Die Sozialisten (PS) kommen auf 152 Sitze, die Kommunisten (PC) auf 20 und die Grünen auf drei. Der rechtsradikale Front National (FN) von Jean-Marie Le Pen ist nicht im Parlament vertreten.

17.6.2002, Montag

Alsenborn: Fritz Walter, der Ehrenspielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, stirbt im Alter von 81 Jahren. Er führte 1954 die Nationalelf im Weltmeisterschafts-Endspiel von Bern zum 3:2 über Ungarn. Der Pfälzer schoss 33 Tore in 61 Länderspielen und galt als die rechte Hand von Erfolgstrainer Josef Herberger. Walter wurde 1951 und 1953 Deutscher Fußball-Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern und 1953 als erster deutscher Fußballer mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet.

Berlin: Auf deutschen Baustellen wird zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte flächendeckend gestreikt. Tausende Beschäftigte folgen dem Streikaufruf der IG BAU und legen auf Großbaustellen in Berlin, im Ruhrgebiet und in Norddeutschland die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft verlangt für die rund 950 000 Beschäftigten 4,5% mehr Lohn. Alle Schlichtungsversuche waren vor allem an der Forderung nach einer Angleichung des Mindestlohns in Ostdeutschland gescheitert.

Denver: In Colorado wird eine Mitarbeiterin der Forstbehörde unter dem Vorwurf festgenommen, für den größten Wald- und Buschbrand in der Geschichte des US-Bundesstaates verantwortlich zu sein. Die 38-jährige Frau, die seit mehr als 18 Jahren der US-Forstbehörde angehört, hat nach Angaben der Justizbehörden gestanden, am 8. Juni während einer Patrouille aus Ärger einen Brief ihres von ihr getrennt lebenden Ehemannes verbrannt und so den Ausbruch des Feuers auf einem abgelegenen Campingplatz verursacht zu haben.

Schwerin: Wegen ihrer Beteiligung an den fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen am 24. August 1992 verurteilt das Schweriner Landgericht drei Männer zu Bewährungsstrafen zwischen 12 und 18 Monaten. Die Strafen wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung werden für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Nach Überzeugung des Gerichts waren die zur Tatzeit zwischen 17 und 18 Jahre alten Angeklagten daran beteiligt, Brandsätze auf das Gebäude zu werfen, in dem sich etwa 100 Ausländer und der Rostocker Ausländerbeauftragte Wolfgang Richter aufgehalten hatten.

Karlsruhe: Die rechtsextreme Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) scheitert vor dem Bundesverfassungsgericht mit dem Versuch, weitere Gelder aus der Parteienfinanzierung zu erhalten. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hatte die Zahlungen aus der gesetzlichen Parteienfinanzierung an die NPD Mitte Mai gestoppt, weil die Partei die erforderlichen Bürgschaften nicht aufbringen konnte. Die NPD hatte eine Abschlagszahlung von 111 850 Euro erreichen wollen. Die Karlsruher Richter weisen den Antrag mit der Begründung als unzulässig ab, weil die Partei ihre Ansprüche zunächst vor einem Verwaltungsgericht hätte geltend machen müssen.

Frankfurt am Main: Zum ersten Mal seit der Parteispendenaffäre von 1999 spricht Altbundeskanzler Helmut Kohl wieder auf einem CDU-Parteitag. Die knapp halbstündige Rede des früheren Vorsitzenden zur Europapolitik wird von den etwa 1000 Delegierten mit großem Beifall aufgenommen. In ihrer Grundsatzrede zum Auftakt ihres zweitägigen Parteitages unterstreicht CDU-Chefin Angela Merkel den Regierungsanspruch der CDU nach der Bundestagswahl am 22. September.

18.6.2002, Dienstag

Miami: Ein Gericht verurteilt vier große Tabakkonzerne dazu, einer Frau 5,5 Mio. Dollar Entschädigung zahlen. Die Stewardess Lynn French war 14 Jahre lang auf Raucherflügen im Einsatz, zuletzt für die Fluggesellschaft TWA, und hatte sich durch den Qualm rauchender Passagiere eine chronische Nebenhöhlenentzündung zugezogen. Die Klagen von etwa 3125 weiteren Flugbegleitern gegen Tabakunternehmen stehen noch aus.

Peking: Durch schwere Unwetter und Überschwemmungen sind im Nordwesten Chinas bereits 326 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 300 Bewohner werden noch vermisst. 1998 waren in China mehr als 4000 Menschen bei einer Flutkatastrophe getötet worden. Seitdem hat die Regierung rund 18,8 Mrd. Euro für die Bekämpfung von Hochwasser zur Verfügung gestellt.

Riad: In Saudi-Arabien sind nach offiziellen Angaben schon vor mehreren Monaten sieben mutmaßliche Mitglieder des Terrornetzwerkes Al-Qaida – sechs Saudis und ein Sudanese – festgenommen worden, die in dem Königreich Anschläge geplant haben sollen.

Jerusalem: Bei einem palästinensischen Selbstmordanschlag auf einen Bus im Süden der Stadt werden 17 Israelis und der Attentäter auf der Stelle getötet und 50 Passagiere verletzt. Zwei Opfer sterben später im Krankenhaus. Die Explosion ereignet sich an der Kreuzung einer belebten Hauptverkehrsstraße. In dem Bus, der weitgehend zerstört wurde, fahren gewöhnlich auch viele Schulkinder. Zu der Tat bekennt sich die radikale Hamas-Organisation. Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erekat verurteilt im Namen der Autonomiebehörde den Anschlag. Die israelische Regierung kündigt die Wiederbesetzung autonomer Palästinensergebiete an.

Frankfurt am Main: Auf dem CDU-Parteitag verspricht Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU), den “rot-grünen Spuk” binnen 96 Tagen zu beenden. Zugleich kündigt Stoiber für den Fall eines Wahlsieges umfassende Reformen an. Ziel müsse es sein, die Staatsquote, den Spitzensteuersatz und die Sozialversicherungsbeiträge unter 40% zu drücken.

19.6.2002, Mittwoch

Luxemburg: Die Deutsche Post AG soll nach einer Entscheidung der EU-Kommission wegen Wettbewerbsverletzung 572 Mio. Euro Staatsbeihilfen an den Bund zurückzahlen. Nach Auffassung der EU-Kommission hat die Post von 1994 bis 1998 mit Dumpingpreisen im Paketdienst operiert und die dabei entstandenen Verluste mit Einnahmen aus dem monopolgeschützten Briefgeschäft ausgeglichen. Die Post kündigt eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof an.

Washington: In den USA dürfen nach einer Entscheidung des Obersten US-Gerichts geistig behinderte Straftäter nicht mehr hingerichtet werden. Solche Exekutionen verstießen gegen die Verfassung, die “grausame und ungewöhnliche Strafen” verbiete. Als geistig behindert gelten Erwachsene mit einem Intelligenzquotienten von unter 70. Die Anwälte des wegen Mord an einem US-Soldaten 1996 zum Tode verurteilten Daryl Atkins hatten das Oberste Gericht angerufen, da der Mann nur einen Intelligenzquotienten von 59 habe. Schon vorher waren in 18 der 38 US-Bundesstaaten, in denen die Todesstrafe verhängt wird, Hinrichtungen geistig Behinderter verboten.

Jerusalem: Ein erneuter Selbstmordanschlag an einer Bushaltestelle im Stadtteil French Hill fordert weitere Todesopfer. Nach Polizeiangaben reißt der Attentäter mindestens sieben Israelis mit in den Tod, mehr als 40 Menschen werden verletzt. Zu dem Anschlag bekennen sich die radikal-islamischen Al-Aksa-Brigaden.

Rabat: Die Behörden in Marokko halten nach US-Angaben seit zwei Wochen ein führendes Mitglied der Al-Qaida-Terrorgruppe in Haft. Der gebürtige Saudi Abu Subair el-Haili gilt als enger Vertrauter Osama bin Ladens und soll Kenntnisse über den Aufbau des Terrornetzwerks in Afghanistan sowie über A ufenthaltsorte und Angriffsziele einzelner Zellen der Terrororganisation haben.

Kabul: Der afghanische Interimspremier Hamid Karsai wird als Präsident des Landes vereidigt und stellt der Großen Ratsversammlung Loya Jirga das neue Kabinett vor. Unter den 1700 Delegierten war zuvor heftiger Unmut über fehlendes Mitspracherecht laut geworden. Außenminister bleibt der bereits während der Übergangsregierung amtierende Abdullah Abdullah. Zum neuen Innenminister ernennt Karsai den schon 81-jährigen Paschtunen Tadsch Mohammed Wardak. Insgesamt stellt Karsai 15 Minister vor, die von den Delegierten per Akklamation bestätigt werden.