Was geschah im Januar 1935

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Wetterstationen Januar 1935

1.1.1935, Dienstag

Im Rahmen der Gleichschaltung und Zentralisierung des Bildungsbereiches wird das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung mit dem Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vereinigt.

In einer Note an den Völkerbund macht Abessinien (Äthiopien) Italien für Zusammenstöße im Grenzgebiet zu Italienisch-Somaliland verantwortlich und bezichtigt es außerdem, Militäroperationen auf abessinischem Gebiet durchzuführen.

Der Vorverkauf für die XI. Olympischen Sommerspiele, die vom 1. bis 16. August 1936 in Berlin stattfinden sollen, läuft im Deutschen Reich an. Es werden sog. Olympia-Pässe verkauft, die zum Besuch aller Veranstaltungen der Spiele berechtigen.

In seiner Neujahrsansprache erklärt Führer und Reichskanzler Adolf Hitler: “Kein Land kann das Bedürfnis nach Frieden tiefer empfinden als Deutschland …”

2.1.1935, Mittwoch

Bei einer Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern der Deutschen Front und Anhängern der Freiheitsfront kommt es in Saarbrücken zu einer Schießerei, bei der drei Personen getötet werden. Die Deutsche Front befürwortet die Wiedereingliederung des Saarlands ins Deutsche Reich, während die Freiheitsfront die Aufrechterhaltung des Status quo erreichen will.

Bei einem Schwimmwettkampf in Miami (US-Bundesstaat Florida) verbessert die Amerikanerin Eleanor Knight den Weltrekord über 500 m Freistil von 7:12,0 min auf 7:08,2 min. Die Amerikanerin Alice Bridges stellt in 6:12,0 min über 400 m Rücken ebenfalls einen Weltrekord auf.

3.1.1935, Donnerstag

Das Reichserziehungsministerium erlässt eine neue Habilitationsordnung. Neben einer Habilitationsschrift ist künftig vom Habilitand und seiner Ehefrau auch der Nachweis arischer Abstammung vorzulegen. Darüber hinaus muss er Dienst in einem nationalsozialistischen Gemeinschaftslager absolvieren.

In der Berliner Oper Unter den Linden findet eine demonstrative Treuekundgebung der Partei-, Staats- und Wehrmachtsführung für Adolf Hitler statt.

Abessinien bittet den Völkerbund um Unterstützung bei den eskalierenden Grenzkonflikten mit Italienisch-Somaliland, die seit Jahresbeginn von seiten der Italiener immer wieder provoziert werden.

Die britische Kolonialregierung in Indien gibt eine Warnung vor Mohandas Karamchand “Mahatma” Gandhi heraus, in der es heißt, Gandhi organisiere insgeheim die Volksmassen, um einen neuen Feldzug des bürgerlichen Widerstands zu eröffnen.

Marie Luise Kaschnitz gewinnt den Lyrik-Wettbewerb der Zeitschrift “Die Dame”.

4.1.1935, Freitag

In Berlin wird Kurt Liebermann, Führungsmitglied der Sozialdemokratischen Partei (SPD), zu sechs Jahren Arbeitsdienst und Verlust seiner Bürgerrechte verurteilt. Der Volksgerichtshof wirft ihm vor, er habe ausländisches “Propagandamaterial” ins Deutsche Reich geschmuggelt und damit Vorbereitungen zum Hochverrat getroffen.

Zum 150. Geburtstag des Märchendichters und Sprachwissenschaftlers Jakob Grimm findet in der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin eine Gedenkfeier statt.

Im Rahmen der Zentralisierung der Rechtsprechung wird in München die bayerische Justizverwaltung dem Reich unterstellt.

In seiner Jahresbotschaft vor dem US-amerikanischen Kongress in Washington kündigt Präsident Franklin D. Roosevelt ein Programm der sozialen Reform an und leitet damit die zweite Phase der Politik des “New Deal” ein.

5.1.1935, Samstag

Vor dem Führerkorps der Deutschen Arbeitsfront in Berlin sagt Reichsorganisationsleiter Robert Ley, die vordringlichste Aufgabe für 1935 sei, alles das wegzuräumen, “was noch an Resten des Vergangenen vorhanden ist”.

In einer Rundverfügung an die Justizbehörden verlangt das Reichsjustizministerium schärfere Urteile bei Hoch- und Landesverrat.

Im Wiener Akademietheater wird Franz Molnárs Schauspiel “Die Zuckerbäckerin” uraufgeführt.

6.1.1935, Sonntag

Der Leiter der Deutschen Arbeitsfront (DAF) Robert Ley ernennt den bisherigen Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages, Theodor von Renteln, zum Stabsleiter der Deutschen Arbeiterfront.

Eine Woche vor der Abstimmung über die Wiedereingliederung des Saarlandes ins Deutsche Reich finden in Saarbrücken Großkundgebungen der Deutschen Front und der Freiheitsfront statt.

Reichspropagandaminister Joseph Goebbels eröffnet im Berliner Reichstagsgebäude die große Saarausstellung. Die Ausstellung soll im Vorfeld der Abstimmung über die Wiedereingliederung des Saarlandes ins Deutsche Reich ein Bild von Land und Volk sowie der Geschichte und den wirtschaftlichen Verhältnissen vermitteln.

Auf der Tsunyi-Konferenz der Kommunistischen Partei Chinas wird Mao Zedong zum Vorsitzenden des Politbüros der KP gewählt.

Bei einem schweren Zugunglück auf der Strecke Leningrad- Moskau sterben 23 Menschen, 79 werden verletzt.

7.1.1935, Montag

Auf Anordnung der Reichsorganisationsleitung der NSDAP wird die Presse der Deutschen Arbeitsfront (DAF) vereinheitlicht. Alle Einzelverlage werden im Zentralverlag der DAF zusammengefasst.

Der Berliner Bildhauer Robert Stieler und die Architekten Walter Bangert und Jürgen Siebrecht erhalten den großen Staatspreis der Akademie der Künste.

Der französische Außenminister Pierre Laval und der italienische Ministerpräsident und Duce Benito Mussolini schließen in Rom ein Abkommen über Kolonialkompensation in Nordafrika.

Die württembergische Justizhoheit geht auf das Reich über. Mit diesem Schritt wird die Zentralisierung im Justizwesen fortgesetzt.

In einem Schreiben an alle Gau-, Kreis- und Ortsgruppenleiter verlangt der Vorsitzende des Reichsbundes der Deutschen Beamten, Hermann Neef, dass jeder Beamte mindestens eine NSDAP-Zeitung regelmäßig beziehen müsse.

8.1.1935, Dienstag

In Großbritannien tritt ein neues Arbeitslosen-Fürsorgesystem in Kraft. Der Staat zahlt künftig allen versicherten und unversicherten Arbeitnehmern, die arbeitslos werden, eine finanzielle Unterstützung auf unbestimmte Zeit.

In Berlin wird eine Wiederaufführung des Charlie-Chaplin-Films “Goldrausch” aus dem Jahr 1925 verboten. Sämtliche Filme des Nichtariers Chaplin fallen von jetzt an unter die Zensur.

Anlässlich des orthodoxen Weihnachtsfestes erlässt der bulgarische König Boris III. eine Strafamnestie. Bei mehreren hundert Zivilgerichtsurteilen wird das Strafmaß herabgesetzt und 80 Urteile, die nach dem “Gesetz zur Sicherung des Staates” verhängt worden waren, werden vollständig aufgehoben.

9.1.1935, Mittwoch

In Berlin werden mehrere französische und britische Zeitungen wegen kritischer Berichterstattung über die Verhältnisse im Saarland konfisziert.

10.1.1935, Donnerstag

Das Deutsche Reich lehnt die Einladung Großbritanniens ab, an der bevorstehenden außerordentlichen Ratstagung des Völkerbundes über das Saargebiet teilzunehmen. Das Deutsche Reich hat den Völkerbund bereits 1933 verlassen.

Auf Antrag der deutschen Studentenschaft sollen zwanzig Mitglieder der Hitlerjugend ohne Abitur zu den Vorlesungen an der Heidelberger Universität zugelassen werden. Bei Bewährung soll nach zwei Semestern die Immatrikulation erfolgen.

11.1.1935, Freitag

Der Schutzverband Deutscher Schriftsteller in Paris veranstaltet einen Diskussionsabend mit dem französischen Schriftsteller und Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs Manès Sperber.

In Berlin wird der deutsche Film “Hermine und die sieben Aufrechten” uraufgeführt. Regie führte Frank Wisbar, die Hauptrolle spielt Heinrich George. Der Film wird als “staatspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll” ausgezeichnet.

Im Auftrag der Reichschrifttumskammer beschlagnahmt die Gestapo die zwei Romane des amerikanischen Schriftstellers Theodore Dreiser, “Eine amerikanische Tragödie” (1925) und “Das Genie” (1915). In der Begründung für die Beschlagnahmung heißt es, in den Werken werden “üble Liebesaffairen” beschrieben. Das menschliche Leben bestehe aber nicht nur aus “Huren und Hurenverhältnissen”.

Einem Bericht des Völkerbundrates zufolge haben Deutsche in der ehemaligen Kolonie Südwestafrika die Hakenkreuzfahne eingeführt und befürworten den Wiederanschluss des Gebietes an das Deutsche Reich.

12.1.1935, Samstag

Die Reichswirtschaftskammer übernimmt das Vermögen des Deutschen Industrie- und Handelstages, der Selbstverwaltungsorganisation gewerblicher Unternehmer im Deutschen Reich.

Zahlreiche deutsche Zeitungen loben zum 42. Geburtstag des Propagandaautors Alfred Rosenberg dessen Werk “Der Mythus des 20. Jahrhunderts” und reihen es neben Hitlers “Mein Kampf” in die “ersten Bücher der Nation” ein.

13.1.1935, Sonntag

Bei der Abstimmung im Saargebiet über die Wiedereingliederung in das Deutsche Reich stimmen 90,5% der Wähler für Deutschland, 9% für den Status quo und 0,4% für Frankreich.

14.1.1935, Montag

Zur Förderung der Eheschließungen erhöht Reichsfinanzminister Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk das durchschnittliche Ehestandsdarlehen von 500 auf 600 Reichsmark.

Reichsorganisationsleiter Robert Ley ordnet an, dass aktive politische Leiter keine Aufsichtsratsmandate in Wirtschaftsunternehmen innehaben dürfen.

Der deutsche Film “Oberwachtmeister Schwenke” wird in Berlin uraufgeführt. Unter der Regie von Carl Froelich spielen Gustav Fröhlich, Marianne Hoppe, Emmy Sonnemann und Harald Paulsen die Hauptrollen.

15.1.1935, Dienstag

Reichserziehungsminister Bernhard Rust dehnt den Erlass über “Vererbungslehre und Rassenkunde in den Schulen” vom 13. September 1933, der bisher nur in Preußen gültig war, auf das ganze Deutsche Reich aus. Der Schüler soll lernen, dass “die wichtigste Eigenschaft seines Volkes die Rasse ist”.

Die Deutsche Hanni Hölzner verbessert in Kopenhagen den Weltrekord im 100-m-Brustschwimmen um eine Zehntelsekunde auf 1:24,5 Minuten.

In Berlin wird der Film “Die klugen Frauen”, eine deutsch-französische Koproduktion unter der Regie von Jacques Feyder, uraufgeführt.

16.1.1935, Mittwoch

Als Konsequenz der Wiederangliederung des Saargebietes ans Deutsche Reich wird eine Zollgrenze zwischen Frankreich und dem Saarland errichtet.

In der Mailänder Scala wird die Oper “Nerone” von Pietro Mascagni unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt.

17.1.1935, Donnerstag

Der Völkerbund beschließt einstimmig die Wiedervereinigung des Saarlandes mit dem Deutschen Reich.

Die spanische Regierung in Madrid hebt den im Oktober letzten Jahres verhängten Kriegszustand in Teilen des Landes auf.

Die hohen sowjetischen Parteifunktionäre Grigori J. Sinowjew und Lew B. Kamenew werden in Leningrad zu Haftstrafen verurteilt. Ihnen wird vorgeworfen, die Ermordung des Leningrader Parteisekretärs Sergei M. Kirow angestiftet zu haben.

18.1.1935, Freitag

Reichserziehungsminister Bernhard Rust erlässt eine Verordnung zur Neuregelung des Jurastudiums. Danach sollen in den ersten beiden Semestern die “völkischen Grundlagen der Wissenschaft” erlernt werden.

Der ehemalige britische Ministerpräsident David Lloyd George schlägt für die Wirtschaft seines Landes einen “New Deal” nach US-amerikanischem Muster vor. Durch den Bau von Verkehrswegen und eine Reihe weiterer Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen soll die hohe Arbeitslosenzahl von 2,3 Mio. verringert werden.

Gold- und Silberbarren aus 55 Eisenbahnwaggons werden im britischen Southampton auf das US-amerikanische Schiff “Manhattan” verladen und in die USA gebracht. Die Ausfuhr großer Goldmengen ist die Reaktion auf Kurssteigerungen des Dollar Anfang vergangener Woche.

Die peruanische Hauptstadt Lima feiert ihren 400. Geburtstag. Die 300 000-Einwohner-Stadt wurde 1535 von dem spanischen Eroberer Francisco Pizarro gegründet.

Auf einer Veranstaltung deutscher Emigranten in Paris stellt der deutsche Schriftsteller Bodo Uhse, der seit 1933 im Exil lebt, die Werke der Autoren Oskar Maria Graf und Klaus Mann vor.

19.1.1935, Samstag

Die Kommunistische Internationale weist ihre deutsche Sektion, die KPD, an, der SPD eine Einheitsfrontpolitik vorzuschlagen.

20.1.1935, Sonntag

Der Bischof von Münster, Clemens August Kardinal Graf von Galen, predigt gegen das “Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses”.

Zwischen Barcelona und der Mittelmeerinsel Mallorca wird eine regelmäßige Flugverbindung eröffnet.

21.1.1935, Montag

Bei einem Grubenunglück im serbischen Kohlebergwerk Avranica kommen 30 Bergleute ums Leben.

22.1.1935, Dienstag

Die Sowjetunion verkauft in Tokio die Ostchinabahn an Japan. Die quer durch den japanischen Satellitenstaat Mandschukuo führende Bahnlinie war seit Ende des Ersten Weltkrieges immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen zwischen der Sowjetunion und Japan.

Nach Angaben des französischen Innenministeriums sind nach der Eingliederung des Saargebietes ins Deutsche Reich 2600 Personen aus dem Saarland nach Frankreich eingewandert. Sie fürchten deutsche Repressionen.

Infolge der stark angewachsenen Zahl jüdischer Einwanderer steigt die Arbeitslosigkeit in Palästina, besonders in Jerusalem und Jaffa. Wegen der gleichzeitig zunehmenden Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern wird in Großbritannien die Forderung nach Einwanderungsbeschränkungen laut.

In Haifa werden die Verladeeinrichtungen einer neugebauten Ölpipeline eröffnet. Sie beginnt in den Ölfeldern von Kirkuk (Irak) und führt zum Mittelmeerhafen Haifa.

In New York wird eine Ausstellung mit Werken des surrealistischen Malers Salvador Dalí eröffnet.

23.1.1935, Mittwoch

Die Bevölkerung Leningrads hat sich seit 1931 um zwei Mio., diejenige Moskaus um eine Mio. vergrößert. Moskau hat nunmehr 3,6 Mio. Einwohner. Grund für den schnellen Zuwachs ist vor allem die extreme Landflucht in der Sowjetunion.

Japanische und mandschurische Truppen greifen chinesische Stellungen in der Provinz Chahar an, die im Nordosten Chinas liegt und an den japanischen Satellitenstaat Mandschukuo grenzt.

24.1.1935, Donnerstag

US-Präsident Franklin D. Roosevelt stellt in einer Sonderbotschaft vor dem Kongress in Washington einen 20-Jahres-Plan vor. Danach sollen u.a. 100 Mrd. US-Dollar (248 Mrd. RM) für die Nutzbarmachung natürlicher Resourcen investiert werden.

In Richmond (US-Bundesstaat Virginia) kommt erstmals probeweise Dosenbier auf den Markt.

25.1.1935, Freitag

Durch Überschwemmungen im Oberlauf des Mississippi werden 18 000 Menschen in den USA obdachlos. Im Nordwesten des Landes sind zehn Städte, u.a. Vancouver, nach Erdrutschen von der Außenwelt abgeschnitten.

Die Hagia Sophia in Istanbul – ehemals Krönungskirche der oströmischen Kaiser – wird nach der Freilegung byzantinischer Fresken als Museum eröffnet.

26.1.1935, Samstag

4000 Gäste aus aller Welt nehmen am ersten Wiener Opernball nach dem Ersten Weltkrieg teil.

Alle Werke des jüdischen Schriftstellers Heinrich Eduard Jacob werden im Deutschen Reich verboten.

27.1.1935, Sonntag

Der preußische Ministerpräsident Hermann Göring trifft zu einem viertägigen Staatsbesuch in Warschau ein, wo er mit der Regierung Polens erfolglos über ein deutsch-polnisches Militärbündnis gegen die UdSSR verhandelt.

Bei einem Lohnstreik in den chinesischen Fuschun-Kohlegruben in der Nähe der Stadt Mukden erschießt die Polizei 86 Arbeiter. 60 weitere werden verwundet und über 500 verhaftet.

In einem Fußballländerspiel in Stuttgart schlägt Deutschland die Schweiz 4:0.

Kanada wird durch einen 4:2-Sieg über die Schweiz in Davos Eishockeyweltmeister.

28.1.1935, Montag

Der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw M. Molotow betont vor dem 7. Sowjetkongress, er lege trotz der deutschen Herrenvolkideologie Wert auf gute Beziehungen zwischen der UdSSR und dem Deutschen Reich.

Der US-amerikanische Pilot Wiley Post stellt mit 15 240 m einen Höhenweltrekord für Flugzeuge auf.

Unwetter in Süd- und Südwesteuropa machen den Betrieb der internationalen Zugverbindungen zwischen Westeuropa und Vorderasien zeitweise unmöglich. Die Bahndämme des Simplon- und des Orientexpresses sind in Bulgarien durch Hochwasser unterspült.

383 Juden, die zwischen 1918 und 1933 die preußische Staatsangehörigkeit erworben hatten, werden aus Preußen und gleichzeitig aus dem Deutschen Reich ausgebürgert.

Der Gouverneur des US-Bundesstaats Louisiana, O. K. Allen, ruft Bundestruppen in die Stadt Baton Rouge, um Straßenkämpfe und die Besetzung öffentlicher Gebäude zu beenden. Streitpunkt sind die radikal-sozialen Reformpläne des Senators Huey Long, der u.a. eine maximale Einkommensgrenze für jeden Bürger fordert.

29.1.1935, Dienstag

Der US-amerikanische Senat lehnt in Washington den Beitritt der USA zum internationalen Gerichtshof in Den Haag ab. Die Entscheidung bedeutet eine schwere Niederlage für Präsident Franklin D. Roosevelt, der ein stärkeres Engagement der USA in Fragen europäischer Politik befürwortet.

30.1.1935, Mittwoch

Die deutsche Regierung erlässt eine neue Gemeindeordnung, die der NSDAP unmittelbaren Einfluss auf die kommunalen Verwaltungen verschafft. Gleichzeitig ergeht ein neues Reichsstatthaltergesetz, das die Stellung der Statthalter als Aufsichtsorgane der Reichsregierung über die Länder modifiziert.

Hjalmar Schacht wird nach dem Rücktritt seines Vorgängers Kurt Schmitt neuer Reichswirtschaftsminister.

31.1.1935, Donnerstag

Der stellvertretende sowjetische Kriegsminister, Michail N. Tuchatschewski, gibt bekannt, dass die Rote Armee in den letzten vier Monaten von 600 000 auf 940 000 Mann verstärkt und auch die sonstige Rüstung erheblich ausgeweitet worden sei. Als Begründung führt Tuchatschewski an, dass mit einem Krieg der kapitalistischen Staaten gegen die UdSSR gerechnet werden müsse.

Die französischen Studenten boykottieren einen Tag lang sämtliche Lehrveranstaltungen. Damit protestieren sie gegen die Beschäftigung ausländischer Akademiker – besonders Ärzte – in Frankreich und die entsprechende Stellenverknappung für Franzosen.

Die zwei Mio. Einwohner zählende Hauptstadt Argentiniens, Buenos Aires, feiert ihren 400. Geburtstag.