Was geschah im Januar 1972

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1.1.1972, Samstag

Mit feierlichen Flaggenhissungen tritt in Kairo, Tripolis und Damaskus die Föderation Arabischer Republiken (FAR) der Staaten Ägypten, Libyen und Syrien in Kraft. Ziel der FAR ist u.a. die Befreiung der von Israel im Sechstagekrieg 1967 besetzten arabischen Gebiete.

Zwischen der DDR und Polen wird der paß- und visafreie Reiseverkehr eingeführt.

In Inzell verbessert der 27-Jährige Eisschnellläufer Erhard Keller seinen eigenen 500-m-Weltrekord (14. 3. 1971: 38,42 sec) auf 38,30 sec.

Der indonesische Präsident Kemusu Suharto gibt die Freilassung aller politischen Gefangenen der Kategorie C (Sympathisanten der Kommunisten beim gescheiterten Putschversuch von 1965) bekannt. Weiter in Haft bleiben nach indonesischen Angaben 36 000 politische Gefangene.

2.1.1972, Sonntag

Für Reisen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) entfallen künftig individuelle Gebühren für Visa und Straßenbenutzung. Die Änderung erfolgt aufgrund deutsch-deutschen Transitabkommens von 1971.

3.1.1972, Montag

Maltas Premierminister Dominic Mintoff setzt Großbritannien für den Abzug der auf der Mittelmeerinsel stationierten britischen Soldaten ein Ultimatum bis zum 15. Januar. Die Malta-Krise wird schließlich durch Verhandlungen beigelegt.

Der Vorsitzende der CDU, Rainer Barzel, veröffentlicht einen Stufenplan für menschliche Erleichterungen im geteilten Deutschland. Anlass dafür ist die bevorstehende Debatte über die Ratifizierung der Ostverträge. Laut Barzel sind die Ostverträge mit Polen und der Sowjetunion “unvollständig”, weil sie den “Kern der Probleme, die Lage der Deutschen in Deutschland” weder regeln noch lösen.

Die 17-Jährige Juliane Koepcke wird als einzige Überlebende eines Flugzeugabsturzes am 24. Dezember 1971 im Norden Perus gerettet.

4.1.1972, Dienstag

Die Reichstagswahlen in Finnland führen zu keinen nennenswerten Verschiebungen. Die Sozialdemokraten verbessern ihren Stimmenanteil um 2,4% und bleiben mit 25,8% stärkste Fraktion.

Der österreichische Diplomat und Politiker Kurt Waldheim tritt sein Amt als UN-Generalsekretär an.

5.1.1972, Mittwoch

US-Präsident Richard M. Nixon gibt in seinem Sommersitz in San Clemente/Kalifornien die Konstruktion eines wiederverwendbaren Raumtransporters (Space shuttle) für Raumflüge bekannt. Mit dem Space shuttle, das ab 1978 für bemannte Flüge zur Verfügung stehen soll, würden sich laut Nixon die Kosten der Weltraumfahrt erheblich senken lassen.

Der sowjetische Schriftsteller Wladimir Bukowski wird von einem Moskauer Gericht wegen “Untergrabung und Schwächung der sowjetischen Macht” zu zwölf Jahren Freiheitsentzug verurteilt.

6.1.1972, Donnerstag

Der norwegische Skispringer Ingolf Mork gewinnt die deutsch-österreichische Vierschanzen-Tournee.

Die Volksrepublik China führt im Testgebiet von Lop Nor den 13. Kernwaffentest durch. Zweck derartiger Versuche ist nach einer Erklärung der chinesischen Regierung die “Brechung des Kernwaffenmonopols und der Kernwaffenerpressung durch die beiden Supermächte”. Nach Ansicht der US-Atomenergie-Kommission entwickelt China forciert Kernsprengköpfe für Kurz- und Mittelstreckenraketen.

7.1.1972, Freitag

Eine Düsenmaschine der spanischen Luftverkehrsgesellschaft Iberia rast beim Anflug auf den Flughafen der Mittelmeerinsel Ibiza gegen einen Berg. Keiner der 104 Menschen an Bord überlebt die Absturzkatastrophe.

8.1.1972, Samstag

Als erstes rein kommerziell betriebenes atomares Großkraftwerk in der Bundesrepublik Deutschland nimmt das Kernkraftwerk Stadersand den Betrieb auf.

Beim Eisschnelllauf-Meeting in Davos verbessert der Finne Leo Linkovesi den erst eine Woche alten Weltrekord von Erhard Keller über 500 m auf 38,0 sec. Die 16-Jährige Ann Henning (USA) schafft Bestzeiten über 500 (42,5 sec) und 1000 m (1:27,3 min).

9.1.1972, Sonntag

Die britischen Bergarbeiter treten in den Ausstand, um erhebliche Lohnerhöhungen durchzusetzen. Der bis zum 25. Februar andauernde Streik stürzt das Land ins Wirtschaftschaos.

Die Familie eines geflüchteten DDR-Bürgers wird vom Bundesgrenzschutz von Bord des in Kiel-Holtenau liegenden DDR-Motorschiffs “Eichsfeld” geholt, auf dem sie als blinde Passagiere mitgefahren waren. Zuvor war der Familienvater von der “Eichsfeld” geflohen und hatte um politisches Asyl gebeten. Die Bundesgrenzschutzbeamten holen seine Frau und sein Kind unter Einsatz von körperlicher Gewalt und gegen den Widerstand der Schiffsleitung von der “Eichsfeld”.

Im Hafen von Hongkong brennt das Passagierschiff “Queen Elizabeth” nach Ausbruch eines Großbrandes vollständig aus.

10.1.1972, Montag

Nach seiner Rückkehr aus pakistanischer Haft erklärt Bengalenführer Scheich Mujibur Rahman in der Hauptstadt von Bangladesch, Dacca, alle Verbindungen des Landes mit Pakistan seien endgültig abgebrochen.

Der Hamburger Oberstaatsanwalt Günther von Below, der in eine Justizaffäre verwickelt ist, begeht in seiner Wohnung Selbstmord.

Im Hamburger Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” greift der Schriftsteller Heinrich Böll die “Bild”-Berichterstattung über die Baader-Meinhof-Gruppe vehement an. Daraufhin gerät der Schriftsteller selbst ins Kreuzfeuer der Kritik.

Der Präsident des Deutschen Städtetages, der Bremer Bürgermeister Hans Koschnick, fordert Sofortmaßnahmen zur Linderung der Finanznot der Städte. Anderenfalls seien die Kommunen nicht in der Lage, ihren wachsenden Aufgaben gerecht zu werden. u.a. fordert Koschnick die Erhöhung des Einkommensteueranteils von 14% auf zunächst 16% und langfristig auf 18%.

Die sowjetische Regierung gibt bekannt, dass die Nachrichtenagentur TASS in den Rang eines Staatskomitees beim Ministerrat erhoben worden sei. Der jeweilige Chefredakteur (derzeit: Leonid M. Samjatin) erhält dadurch Ministerrang.

Zaires Präsident Sésé Séko Mobutu fordert laut Reuter die Bevölkerung seines Landes auf, europäische Namen abzulegen und sich Namen in der eigenen Sprache zu geben. Im Hintergrund steht die Afrikanisierungspolitik, die Zaire und andere afrikanische Staaten betreiben.

11.1.1972, Dienstag

Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) legt der Öffentlichkeit den Jahresbericht 1969/70 des Bundesamtes für Verfassungsschutz vor. Nach Aussage Genschers stellt der Rechts- und Linksradikalismus in der Bundesrepublik noch keine akute Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung dar.

Von unbekannten Tätern wird Martin Schongauers Gemälde “Maria im Rosenhag” aus dem Martins-Münster in Colmar gestohlen.

12.1.1972, Mittwoch

Unter einer neuen provisorischen Verfassung übernimmt Scheich Mujibur Rahman das Amt des ersten Ministerpräsidenten von Bangladesch.

Die Ford-Werke AG (Köln) erhöht die Preise für einen Teil ihrer Modelle um durchschnittlich 3,3%. Am 16. Januar erhöht auch das Volkswagenwerk (Wolfsburg) die Preise um durchschnittlich 4,5%. Diese vierte Preiserhöhung für Automobile innerhalb von drei Jahren wird mit steigenden Kosten beim Material- und Personalaufwand begründet.

13.1.1972, Donnerstag

US-Präsident Richard M. Nixon kündigt weitere Truppenabzüge aus Vietnam an. Innerhalb der kommenden drei Monate sollen insgesamt 70 000 US-Soldaten aus Vietnam abgezogen werden.

In Ghana putschen Armee-Einheiten unter Oberst Ignatius Koti Akyeampong gegen Präsident Edward Akufo-Addo und die bisherige Regierung unter Ministerpräsident Kofi Abrefa Busia. Ursache des unblutigen Putsches sind wirtschaftliche Schwierigkeiten der Regierung unter Busia, der sich z. Z. in London aufhält. Akyeampong übernimmt das Präsidentenamt.

Eine fünfstündige bundesweite Großfahndung nach Angehörigen der Baader-Meinhof-Gruppe endet ohne Erfolg. Tausende von Polizeibeamten haben an Autobahnen und in Großstädten Kontrollen durchgeführt.

14.1.1972, Freitag

Für die 230 000 Arbeiter und Angestellten der nordrhein-westfälischen Metallindustrie wird ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen. Vorgesehen ist eine sechsprozentige Lohn- und Gehaltserhöhung. Damit ist ein drohender Streik der Metallarbeiter abgewendet.

Nach über 100-Jährigem Bestehen hört der Dortmunder Hoesch-Konzern auf, ein deutsches Unternehmen zu sein. Hoesch fusioniert mit dem niederländischen Stahl-Konzern Hoogovens in Ijmuiden.

Die Geschwister Angelika und Erich Buck aus Ravensburg gewinnen in Göteborg die Eistanz-Europameisterschaft knapp vor den Titelverteidigern, dem sowjetischen Ehepaar Ludmilla Pachomowa/Alexander Gorschkow.

15.1.1972, Samstag

Nach traditionellem Ritual proklamiert der dänische Ministerpräsident Jens Otto Krag Kronprinzessin Margarete in Kopenhagen zur Königin von Dänemark.

Der Rechtsausschuss des Bundestags lehnt einen Entschließungsantrag des Bundeslands Bayern, in dem die Verfassungsmäßigkeit der Ostverträge bezweifelt wird, mit 7:4 Stimmen ab. Nach Auffassung Bayerns sind die Ostverträge verfassungswidrig, weil sie gegen das Wiedervereinigungsgebot verstoßen.

16.1.1972, Sonntag

Der ägyptische Präsident Muhammad Anwar As Sadat ernennt den bisherigen Stellvertretenden Ministerpräsidenten Aziz Sidky zum neuen Regierungschef. Das Amt hatte bisher Mahmud Fausi inne. Mit dieser Regierungsumbildung will Sadat nach Ansicht von Beobachtern neue diplomatische Bemühungen im Nahost-Konflikt vorbereiten, die zu echten Verhandlungen führen könnten.

Bei der Eiskunstlauf-Europameisterschaft in Göteborg (seit 13. 1.) erringen die sowjetischen Eiskunstläufer Irina Rodnina und Alexei Ulanow zum viertenmal den Meistertitel.

17.1.1972, Montag

Regierungssprecher Conrad Ahlers kündigt in Bonn Kreditaufnahmen durch den Bund zum Ausgleich des Haushaltsdefizits an. Zugleich warnt Ahlers davor, die Finanzlage des Bundes zu dramatisieren. An Steuererhöhungen denke die Bundesregierung nicht.

Bei einer Anhörung vor dem sozialpolitischen Ausschuss des Bundestags sprechen sich alle Sachverständigen für die Einführung der flexiblen Altersgrenze aus.

Der österreichische Ministerrat billigt den Gesetzentwurf zur Einführung der Mehrwertsteuer. Nach monatelangen Kontroversen wird das Gesetz am 15. Juni vom Nationalrat angenommen.

18.1.1972, Dienstag

Beim traditionellen Neujahrsempfang für das Diplomatische Korps in der Bonner Beethovenhalle betont Bundespräsident Gustav Heinemann, das Streben nach Versöhnung und Ausgleich mit allen Nachbarn der Bundesrepublik könne kein Verzicht darauf sein, “die Einheit der deutschen Nation zu wahren”. Heinemann begrüßt wie in den beiden letzten Jahren auch 20 nicht prominente Bürger.

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen beginnt vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf der Prozess gegen einen früheren Angehörigen der Baader-Meinhof-Gruppe.

19.1.1972, Mittwoch

Die baskische Untergrundorganisation ETA entführt im baskischen Ort Abadiano den Fabrikdirektor Lorenzo Zabala. Die ETA fordert die Wiedereinstellung von 183 Arbeitern der Fabrik Zabalas, der in der Nacht zum 23. Januar wieder freigelassen wird.

Ein neues Betriebsverfassungsgesetz das nun in Kraft tritt, gibt den bundesdeutschen Arbeitnehmern größere Mitbestimmungsrechte.

20.1.1972, Donnerstag

US-Präsident Richard M. Nixon verliest vor beiden Häusern des Kongresses in Washington seine Botschaft über die Lage der Nation. Darin stellt er u.a. ein baldiges Ende des US-Engagements in Vietnam in Aussicht.

Die internationalen Ölgesellschaften gewähren den sechs der OPEC (Organisation of Petroleum Exporting Countries) angehörenden Staaten am Persischen Golf, nämlich Abu Dhabi, Iran, Irak, Kuwait, Katar und Saudi-Arabien, eine Preiserhöhung um 8,49% auf den Referenzpreis für Rohöl. Die Preiserhöhung soll die Verluste durch die Abwertung des US-Dollars ausgleichen.

Peter Brückner, Ordinarius für Psychologie an der Technischen Universität Hannover, wird vom Dienst suspendiert. Gegen Brückner, der Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe in seiner Wohnung beherbergt haben soll, wird wegen der Unterstützung einer kriminellen Vereinigung ermittelt.

In Berlin (Ost) werden die Verhandlungen über einen allgemeinen deutsch-deutschen Verkehrsvertrag wiederaufgenommen. Für die Bundesrepublik Deutschland verhandelt Staatssekretär Egon Bahr vom Bundeskanzleramt, Vertreter der DDR ist Michael Kohl, Staatssekretär beim Ministerrat.

21.1.1972, Freitag

Der österreichische Nationalrat billigt eine Regierungsvorlage über die Errichtung eines Bundesministeriums für Gesundheit und Umweltschutz.

22.1.1972, Samstag

In Brüssel unterzeichnen Großbritannien, Irland, Norwegen und Dänemark Verträge über den Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft (EG). Die Verträge sollen nach der Ratifizierung durch die Beitrittsanwärter am 1. Januar 1973 in Kraft treten.

23.1.1972, Sonntag

Die ersten richtigen Schneefälle des Jahres verursachen vor allem in Süddeutschland erhebliche Verkehrsprobleme. Auf den bundesdeutschen Autobahnen ereignen sich bei Schneematsch, Glatteis und Nebel zahlreiche Unfälle.

24.1.1972, Montag

US-Präsident Richard M. Nixon unterbreitet dem Kongress in Washington ein neues Rekordbudget für das Haushaltsjahr 1973. Es sieht Einnahmen in Höhe von 220,8 Mrd. US-Dollar (rd. 707 Mrd. DM) und Ausgaben in Höhe von 246,3 Mrd. US-Dollar (fast 790 Mrd. DM) vor. Zugleich gibt Nixon das enorme Defizit des laufenden Haushaltsjahrs bekannt. Mit voraussichtlich 38,8 Mrd. US-Dollar (rd. 124 Mrd. DM) ist es das größte Defizit seit dem Zweiten Weltkrieg.

Bei seinem viertägigen offiziellen Besuch im Iran (21.- 24. 1.) unterzeichnet der französische Wirtschafts- und Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing ein Abkommen über die Gründung einer gemischten Regierungskommission für Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Ein von Oppositionsführer Harold Wilson (Labour Party) im britischen Unterhaus in London gegen die konservative Regierung unter Edward Heath eingebrachter Tadelsantrag wegen der derzeitigen Arbeitslosigkeit in Großbritannien wird abgelehnt. Die Arbeitslosigkeit hat mit 1 023 582 arbeitlos gemeldeten Personen einen Rekordstand erreicht.

Der Bundesvorstand der SPD wählt Holger Börner, SPD-Abgeordneter des Bundestags und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrs- und Postminister, einstimmig zum neuen Bundesgeschäftsführer der Partei. Börner löst Hans-Jürgen Wischnewski ab, der seit 1968 SPD-Bundesgeschäftsführer war.

Die Führungsgremien der CDU beschließen einstimmig, die Ostverträge (Warschauer und Moskauer Vertrag) im Bundestag abzulehnen.

25.1.1972, Dienstag

US-Präsident Richard M. Nixon gibt in einer Fernsehansprache überraschend einen gemeinsamen US-amerikanisch-südvietnamesischen Plan (sog. Acht-Punkte-Plan) zur Beilegung des Vietnamkriegs bekannt. Zugleich bestätigt Nixon Geheimverhandlungen, die sein Sicherheitsberater Henry A. Kissinger seit August 1969 in Paris mit Vertretern Nordvietnams geführt hat.

In Japan wird die Nachricht von der “Gefangennahme” des letzten Soldaten der kaiserlich-japanischen Armee auf der Pazifik-Insel Guam mit Überraschung aufgenommen. Der 58-Jährige Unteroffizier Shoichi Yokoi, der nach eigenen Angaben nie daran gedacht hat, sich zu ergeben, hatte seit dem Zweiten Weltkrieg ein entbehrungsreiches Robinson-Leben geführt.

26.1.1972, Mittwoch

Nordvietnams Regierung lehnt den am Vortag veröffentlichten gemeinsamen Friedensplan der USA und Südvietnams in Hanoi ab. Am folgenden Tag erklärt Nordvietnams Unterhändler in Paris, Xuan Thuy, den bereits 1971 von der Nationalen Befreiungsfront Südvietnams vorgelegten Sieben-Punkte-Plan zur Grundlage weiterer Verhandlungen.

Von einem Gericht in Bonn werden die beiden Hauptangeklagten im sog. Schneemord-Prozess zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Sie hatten einen Mann überfallen und unbekleidet an einen Baum gefesselt. Obwohl dieser sich befreien und zur nächsten Straße schleppen konnte, erfror er am Straßenrand, weil Vorbeifahrende nicht anhielten.

27.1.1972, Donnerstag

US-Präsident Richard M. Nixon ernennt Peter G. Peterson zum Nachfolger des zuvor zurückgetretenen Handelsministers Maurice H. Stans. Stans wird Finanzmanager der Wahlkampagne Nixons für dessen Präsidentschaftskandidatur.

28.1.1972, Freitag

Sieben Mitglieder der Terrororganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) werden in der Republik Irland verhaftet. Zuvor hatten sie sich nahe der Grenze zu Nordirland mit britischen Soldaten auf der anderen Seite ein Feuergefecht geliefert.

Der sowjetische Außenminister Andrei A. Gromyko beendet seinen offiziellen Besuch in Japan (seit 23. 1.). In einem gemeinsamen Kommuniqué betonen beide Seiten die Bedeutung des Abschlusses eines Friedensvertrags zwischen beiden Ländern, über den noch in diesem Jahr Gespräche aufgenommen werden sollen.

Die in Bonn unter Vorsitz von Bundeskanzler Willy Brandt tagenden Regierungschefs der Bundesländer beschließen “Grundsätze über die Mitgliedschaft von Beamten in extremen Organisationen”.

Der Italiener Sandro Munari gewinnt mit Beifahrer Mario Manucci auf einem Lancia die 41. Rallye Monte Carlo vor dem französischen Porsche-Fahrer Gerald Larrousse. Von 264 Startern erreichen nur 24 das Ziel.

29.1.1972, Samstag

An der Grenze zwischen Peru und Bolivien wird der aus Deutschland stammende Klaus Altmann, der mit dem früheren Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, identisch sein soll, festgenommen.

30.1.1972, Sonntag

Im nordirischen Londonderry eröffnen britische Soldaten das Feuer auf eine verbotene Demonstration katholischer Bürgerrechtler. Dabei kommen 13 Zivilisten ums Leben, 16 werden verletzt.

Der pakistanische Präsident Zulfikar Ali-Khan Bhutto gibt angesichts der bevorstehenden Anerkennung Bangladeschs durch Australien, Neuseeland und Großbritannien den sofortigen Austritt Pakistans aus dem Commonwealth bekannt.

31.1.1972, Montag

Das Internationale Olympische Komitee schließt den österreichischen Skirennläufer Karl Schranz wegen Verstoßes gegen das Amateur-Statut von den Olympischen Winterspielen in Sapporo aus.