Was geschah im März 1907

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Wetterstationen März 1907

1.3.1907, Freitag

Der preußische Kultusminister Konrad von Studt bezeichnet den nationalpolnischen Schulstreik in den preußischen Ostgebieten als weitgehend beendet – dank der “loyalen Haltung der Geistlichkeit”.

In Berlin wird die erste deutsche Konferenz zur Förderung der Arbeiterinneninteressen eröffnet. Auf der zweitägigen Veranstaltung sprechen u.a. Alice Salomon, Helene Simon, Anita Augspurg, Else Lüders und Lili Braun.

Das Pariser Leichenschauhaus soll aus Gründen der Moral für die Öffentlichkeit geschlossen werden.

Die britische Midland-Eisenbahn wirbt mit einer Neuerung, die den Gipfel des Komforts darstellen soll: Ein Coupé für Hochzeitsreisende. Es hat zwei Sitze und ist völlig abgeschlossen.

König Alfons XIII. von Spanien annulliert die Ziviltrauung für alle Fälle, in denen die Eheschließenden Angaben über ihr religiöses Bekenntnis verweigern. Dieser Schritt gilt als Wende im spanischen Kulturkampf nach der Machtübernahme der Konservativen unter Antonio Maura y Montaner am 24. Januar. Die Bischöfe hatten eine Ehe, die ohne Angabe der Religion geschlossen wird, als “Konkubinat” bezeichnet.

Die Voranschläge für Schiffsneubauten der britischen Marine unter der Regierung Henry Campbell-Bannerman (liberal) belaufen sich auf 8,1 Mio. Pfund Sterling (165,5 Mio. Mark). Das sind 12% weniger als im Vorjahr. In der Wochenschrift “The Nation” bezeichnet Campbell-Bannerman die britische Seemacht als eine “nicht aggressive”.

2.3.1907, Samstag

Die Pariser Tageszeitung “Le Temps”, die als Sprachrohr des französischen Außenministeriums gilt, polemisiert gegen die Abrüstungsvorschläge des britischen Premierministers Henry Campbell-Bannerman. “Pazifisten sind Naive oder bezahlte Klatscher”, meint das von André Tardieu geleitete Blatt.

Bei einer Haussuchung in der polytechnischen Hochschule in Petersburg (Leningrad) entdeckt die Polizei ein großes Bombenlager antizaristischer Revolutionäre.

3.3.1907, Sonntag

Die Truppen des nicaraguanischen Diktators José Santos Zelaya erobern den Ort El Corpus in Honduras und marschieren gegen die Hauptstadt Tegucigalpa.

4.3.1907, Montag

Der britische Kriegsminister Richard Burdon Haldane legt im Unterhaus in London das Gesetz über die Schaffung einer “Territorialarmee” vor. Vorschlägen, anstelle einer Territorialarmee aus Berufssoldaten ein Freiwilligensystem einzuführen, erteilt Haldane eine Absage.

In Hamburg treten wegen Streitigkeiten um die Nachtarbeitsregelung mehrere tausend Schauerleute in den Ausstand. Die Reeder reagieren mit der Einstellung von 2000 britischen Arbeitswilligen. Der Streik endet am 22. April mit einer neuen Vereinbarung über die Schichtarbeit.

Großherzog Adolf Friedrich V. von Mecklenburg-Strelitz und Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin kündigen in annähernd gleichlautenden Reden eine Verfassungsrevision in ihren Staaten an, da die alten Verfassungen “den berechtigten Anforderungen der neueren Zeit” nicht mehr genügten.

Die spanische Presse bezeichnet die derzeitige Auswanderungswelle als “Flucht” aus Spanien. Täglich wird aus sämtlichen Häfen des Landes die Abreise von Hunderten von Arbeiterfamilien überwiegend in die USA gemeldet.

5.3.1907, Dienstag

Im Taurischen Palais in Petersburg (Leningrad) wird die zweite Reichsduma eröffnet, die sog. Duma des Volkszorns. Die stärksten Parteien sind die sozialistischen Trudowiki (104 Abgeordnete), die konstitutionell-demokratischen Kadetten (98) und die Sozialdemokraten (65).

Der Parteitag des bayerischen Zentrums in München nimmt einstimmig eine Resolution an, in der die Begünstigung der Sozialdemokraten bei den Reichstagswahlen als rein politisch-taktisches Vorgehen bezeichnet wird. Die zur Zeit gefährlichsten politischen Gegner seien die Liberalen.

6.3.1907, Mittwoch

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. hebt durch eine Ordre den Kriegszustand in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika zum 31. März auf und beendet damit den Hottentottenkrieg.

Der deutsche Außenminister Heinrich Leonhard von Tschirschky und Bögendorff bezeichnet einen Krieg als unvermeidlich, wenn das Deutsche Reich seine “Weltstellung behaupten” wolle.

Die belgische Abgeordnetenkammer in Brüssel setzt die Arbeitszeit für die Bergleute im Nordrevier einschließlich Ein- und Ausfahrt auf zehn Stunden fest, die Arbeitszeit der Hauer darf nicht mehr als acht Stunden betragen.

7.3.1907, Donnerstag

Eine Börsenpanik an der Wall Street markiert den Beginn einer Weltwirtschaftskrise, die Mitte des Jahres auch Europa erreicht.

8.3.1907, Freitag

Das britische Unterhaus in London vertagt einen Antrag auf Einführung des Frauenstimmrechts auf unbestimmte Zeit. Damit gilt dieser Antrag, den keine Partei einheitlich unterstützt hatte als erledigt.

Die preußische Regierung unter Ministerpräsident Bernhard Fürst von Bülow schlägt die Erhöhung des Mindestwitwengeldes von 216 auf 288 Mark jährlich vor. Die Obergrenze für Beamtenwitwenpensionen soll von 3000 auf 5000 Mark erhöht werden. Ein Arbeiter verdient rund 900 Mark jährlich.

In Paris treten die Arbeiter der Elektrizitätswerke in den Streik. Das Fehlen des Stroms zwingt viele Unternehmen, den Betrieb einzustellen.

9.3.1907, Samstag

Das Folketing, die dänische Abgeordnetenkammer in Kopenhagen, verabschiedet das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung. Die tägliche Unterstützung für Arbeitslose liegt künftig zwischen 50 Öre (0,56 Mark) und zwei Kronen (2,25 Mark).

10.3.1907, Sonntag

Der deutsche Staatssekretär des Innern, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner, kündigt im Reichstag in Berlin die Fortführung der staatlichen Sozialgesetzgebung an. Als eines der Hauptziele nennt er die Einführung des zehnstündigen Arbeitstags für Frauen.

Nach Russland beginnt auch Japan mit dem Rückzug seiner Truppen aus der Mandschurei. Das Stammland des chinesischen Kaiserhauses war während des Boxeraufstands 1900 besetzt worden. 15 000 Japaner sollen als Bewachung für die Eisenbahnlinie in der Mandschurei stationiert bleiben.

11.3.1907, Montag

Der bulgarische Ministerpräsident Dmitri Petkow wird in Sofia von einem entlassenen Beamten auf offener Straße erschossen.

Die französische Abgeordnetenkammer in Paris spricht der Regierung Georges Clemenceau wegen ihres Verhaltens beim Elektrizitätsarbeiterstreik (8.- 10. 3.) mit 378 zu 68 Stimmen das Vertrauen aus. Clemenceau hatte als “Streikbrecher” Soldaten eingesetzt.

12.3.1907, Dienstag

Der Deutsche Reichstag in Berlin nimmt mit den Stimmen des Hottentottenblocks den Nachtragshaushalt für den Krieg in der Kolonie Südwestafrika an. Am 13. Dezember 1906 hatte der Reichstag mit der Stimmenmehrheit von SPD und Zentrum den Nachtragshaushalt abgelehnt und war daraufhin aufgelöst worden.

Eine Pulverexplosion zerstört das französische Panzerschiff “Iéna”, mehr als 100 Marinesoldaten kommen dabei ums Leben.

13.3.1907, Mittwoch

Das britische Unterhaus in London verabschiedet mit 252 zu 83 Stimmen eine Absichtserklärung, dass die unter dem Namen “Coercion Act” bekannten Ausnahmegesetze gegen Irland baldmöglichst aufgehoben werden sollen.

14.3.1907, Donnerstag

Die deutschen Börsen erleben einen “schwarzen Donnerstag”. Es ist der größte Kurseinbruch seit sieben Jahren.

US-Präsident Theodore Roosevelt (Republikaner) schließt mit Ermächtigung des Kongresses alle japanischen Kulis aus dem Gebiet der Vereinigten Staaten aus.

Beim Festmahl des Deutschen Landwirtschaftsrats in Berlin spricht sich Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow für eine Schutzzollpolitik ohne Abstriche aus und bringt sein Wirtschaftsprogramm auf die Formel: “Schutz der nationalen Arbeit, Schutz unserer Produktion, Schutz und Fürsorge insbesondere für die Landwirtschaft.”

Der preußische Kultusminister Konrad von Studt verteidigt das Verhalten der Regierung gegenüber dem polnischen Schulstreik in den Ostgebieten. Misshandlungen von streikenden Kindern seien nicht vorgekommen, “Züchtigungen” aber seien unvermeidlich.

15.3.1907, Freitag

In Leipzig erscheint erstmals die illustrierte Monatszeitschrift “Die Athletik”. Sie propagiert volkstümlichen Sport und will den Arbeitersport in Deutschland fördern.

Bei einer Schlagwetterexplosion auf der Grube Klein-Rosseln bei Forbach im Reichsland Elsass-Lothringen kommen 80 Bergleute ums Leben.

Bei den finnischen Landtagswahlen haben erstmals in der Geschichte Frauen bei der Wahl eines Landesparlaments aktives und passives Wahlrecht. Stärkste Fraktion im ersten Einkammerparlament des Landes werden die Sozialdemokraten (80 Mandate) vor den konservativen Altfinnen (58 Mandate). Von den 19 gewählten Frauen gehören neun der Sozialdemokratischen Partei an.

Vor der ersten Arbeitssitzung der Duma, dem russischen Parlament in Petersburg (Leningrad), stürzt die Decke des Sitzungssaals im Taurischen Palais ein.

16.3.1907, Samstag

In Glasgow läuft der britische Dreadnought “Indomitable”, das derzeit größte Kriegsschiff der Welt, vom Stapel.

Zentrum, Konservative und Polen lehnen mit geringer Mehrheit im preußischen Abgeordnetenhaus in Berlin einen Antrag der Freikonservativen, Nationalliberalen und Freisinnigen ab, die übliche geistliche Schulaufsicht durch eine “fachmännische” zu ersetzen.

In der Gerhardgrube bei St. Johann in Preußen reißt ein Förderseil. 22 Bergleute kommen dabei ums Leben.

Der Filmunternehmer Karl Fischer eröffnet das erste feste Lichtspieltheater in Zürich.

Das 64. Ruderrennen zwischen den Studenten-Achtern von Oxford und Cambridge gewinnt das Boot aus Cambridge.

17.3.1907, Sonntag

Horden aufständischer rumänischer Bauern umzingeln die Distrikthauptstadt Jassy im Nordosten des Landes. Sie werden vom Militär zurückgetrieben.

18.3.1907, Montag

Zum 59. Jahrestag der Revolution von 1848 erscheinen in der liberalen deutschen Presse Aufrufe, “der Männer dankbar zu gedenken, die vor bald zwei Menschenaltern mit Einsetzung ihres Lebens auch in Preußen der Freiheit eine Gasse gebahnt haben und aus deren Blut die Saat der preußischen Verfassung aufgegangen ist”.

Die Wiener Anwaltskammer streicht den Namen des Rechtsanwalts Nemeczek aus der Liste der Anwälte. Mehrere Zeugen hatten bestätigt, dass Nemeczek Zigarrenstummel von der Straße, von Fluren usw. aufzulesen pflegt. Die Anwaltskammer bezeichnet das als “Verletzung der Standesehre”.

Kaiser Wilhelm II. investiert Prinz Eitel Friedrich von Preußen als Herrenmeister des evangelischen Johanniterordens.

19.3.1907, Dienstag

Der russische Ministerpräsident Pjotr A. Stolypin verliest vor der zweiten Duma, die nach dem Einsturz der Decke des Taurischen Palais im großen Adelssaal in Petersburg (Leningrad) tagt, sein Regierungsprogramm. Darin kündigt er u.a. die Abschaffung der administrativen Verbannung sowie die Einführung einer Invaliden- und Krankenversicherung für die Arbeiter an.

Marokkaner ermorden in Marrakesch den französischen Arzt Mauchamp durch Steinwürfe und Dolchstiche und belagern die Häuser weiterer Europäer der britische Vizekonsul gibt mehrere Schüsse auf die Angreifer ab. Die Untat führt zu einer militärischen Strafaktion Frankreichs in Marokko.

Gisela Gräfin Bülow von Dennewitz hält in Berlin vor dem Bund für Mutterschutz einen Vortrag über “Die Schutzbedürftigkeit des Weibes und seine Beschützer”.

20.3.1907, Mittwoch

Das Konditionenkartell der österreichischen Banken tritt in Kraft. An den Absprachen über die Konditionen, die der Kundschaft eingeräumt werden sollen, beteiligen sich sämtliche Wiener und alle bedeutenden Provinzbanken sowie mehrere private Bankhäuser.

In der deutschen Presse mehren sich Meldungen, nach denen freikonservative Politiker den Rücktritt des Staatssekretärs des Innern, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner, fordern, da ihnen sein “sozialpolitischer Eifer” zu weit gehe. Der Innenminister kann sich noch bis zum 24. Juni halten.

21.3.1907, Donnerstag

Der deutsche Botschafter in London, Paul Graf von Wolff-Metternich zur Gracht, bezeichnet die deutsche Flottenrüstung als Hauptgrund für die politischen Spannungen zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien.

Die britische Regierung lehnt den Bau eines Kanaltunnels zwischen Frankreich und Großbritannien aus Sicherheitsgründen ab.

Ein weites Echo löst der mecklenburgische Gesandte und Bundesratsbevollmächtigte in Berlin, Joachim Freiherr von Brandenstein, mit einer polemischen Bemerkung gegen die ärgerliche Überfüllung der 1. Zugklasse mit höheren Eisenbahnbeamten, Reichstagsabgeordneten und ähnlichen “Proleten” aus, die das Recht der Freifahrt 1. Klasse nur auf Kosten der Steuerzahler besäßen.

22.3.1907, Freitag

In der britischen Maschinenindustrie wird die Revision des Abkommens von 1898 zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern unterzeichnet. Die Höchstzahl von Überstunden wird pro Monat von 40 auf 32 Stunden reduziert. Die Unternehmer verpflichten sich, die Arbeit von Arbeitern, die durch “Änderung der Arbeitsmethoden” freiwerden, zu sichern.

Der norwegische Holmenkollensieger Karl Hovelsen fährt im Central Park in Chicago auf Skiern eine Wasserrutschbahn hinab. Der Zirkus Barnum & Bailey engagiert ihn daraufhin für eine Sensationsnummer, in der er auf Skiern über Elefanten springt.

Das britische Unterhaus in London lehnt mit 150 zu 118 Stimmen die Einführung des metrischen Maß- und Gewichtssystems ab.

23.3.1907, Samstag

Truppen des nicaraguanischen Diktators José Santos Zelaya erobern während des Moskitoküstenkriegs mehrere Städte an der Nordküste von Honduras und besetzen die frühere Hauptstadt Comayagua im Zentrum des Landes.

Durch einen Grenzvertrag mit dem Königreich Siam (Thailand) vergrößert Frankreich sein Kolonialgebiet Kotschinchina um rund 20 000 km².

24.3.1907, Sonntag

Bei der Einweihung des neuen Frauenasyls in der Kolbergerstraße in Berlin gibt der SPD-Reichstagsabgeordnete Paul Singer der Hoffnung Ausdruck, “dass die Asylisten ungenannt und ungekannt diese Stätte der Ärmsten der Armen betreten und verlassen mögen wie auch die Stätte selbst nicht eine Stätte Arbeitsscheuer und Verbrecher, sondern eine Zufluchtsstätte der Unglücklichen sein werde”.

25.3.1907, Montag

Marguerite Durand eröffnet in Paris den ersten Frauengewerkschaftskongress. Zentrale Themen der dreitägigen Veranstaltung sind Lohnfragen, eine Mutterschaftsversicherung und der Wöchnerinnenschutz für alle berufstätigen Frauen.

Die Berliner Polizeibehörde hebt eine geheime polnische Religionsschule aus. Der Unterricht wurde von einem geprüften Lehrer in der Privatwohnung eines polnischen Schuhmachermeisters erteilt und erfreute sich regen Zulaufs. Das Königliche Provinzial- Schulkollegium lässt dem Schuhmacher ein Strafmandat zugehen.

Der französische Chemiker Marcelin Berthelot und seine Frau werden im Panthéon in Paris beigesetzt. Den Särgen folgen Tausende von Menschen, darunter auch der französische Staatspräsident Armand Fallière. Marcelin Berthelot gilt als einer der “Väter” der synthetischen organischen Chemie.

26.3.1907, Dienstag

Demeter Sturdza, der Führer der rumänischen Altliberalen, übernimmt zum viertenmal das Amt des Ministerpräsidenten. Sein Vorgänger Gheorghe Cantacuzino war wegen der Bauernunruhen zurückgetreten.

27.3.1907, Mittwoch

Der französische Ministerpräsident Georges Clemenceau verteidigt vor dem Abgeordnetenhaus in Paris die Versetzung des Generals Bailloud, der öffentlich eine kriegerische Rede gegen das Deutsche Reich gehalten hatte. Clemenceau betont, es stehe keinem General zu, “einen Krieg anzukündigen gegen ein bestimmtes Volk wegen eines bestimmten Zweckes, das ist Sache des Parlaments”.

In Moskau wird der frühere konstitutionell-demokratische Duma-Abgeordnete Gregor Jollos, Chefredakteur der “Ruskija Wjedomosti”, von einem Mitglied der rechtsradikalen Terrororganisation “Verband des russischen Volkes” ermordet. Auf das Konto dieser Gruppierung ging auch der Mord an dem konstitutionell-demokratischen Duma-Abgeordneten Michail Herzenstein im Jahr 1906.

28.3.1907, Donnerstag

Während der agrarisch-antisemitischen Unruhen in Rumänien verweigern immer mehr Soldaten den Gehorsam und schließen sich den plündernden Bauern an. Im Verlauf der Kämpfe bei Bragadier sterben 200 Menschen.

Die russische Anarchistin Tatjana Leontjewa, die 1906 in der Schweiz einen Kurgast erschossen hatte – in dem Glauben, es sei der frühere russische Innenminister Iwan N. Durnowo – wird in Thun zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt.

29.3.1907, Freitag

Die französischen Truppen unter General Hubert Luyautey ziehen ohne Schwertstreich in die nordostmarokkanische Stadt Oujda ein.

30.3.1907, Samstag

Die französischen Flugzeugkonstrukteure Gabriel und Charles Voisin fliegen in Billancourt mit einem Doppeldecker über 60 m weit.

31.3.1907, Sonntag

Der Krieg in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika geht offiziell zu Ende. Oberst Berthold von Deimling wird nach der Niederschlagung des Hottentotten-Aufstands seines Amtes enthoben und zum Generalmajor befördert.

US-amerikanische Truppen landen während des Moskitoküstenkriegs in Honduras. Die Intervention dient nach Angaben der Regierung in Washington in erster Linie dem “Schutze amerikanischen Eigentums”.

Der deutsche Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow trifft während seines Riviera-Urlaubs in Rapallo mit dem italienischen Außenminister Tommaso Tittoni zusammen. Zentrales Thema der mehr als zweistündigen Unterredung ist der Dreibund zwischen dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn und Italien. Rom gilt immer mehr als Unsicherheitsfaktor in diesem Bündnis.