Was geschah im März 1920

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Wetterstationen März 1920

1.3.1920, Montag

Das Deutsche Reich und Frankreich vereinbaren in Baden-Baden eine gemeinsame Verwaltung der Rheinhäfen Straßburg und Kehl unter einem französischen Hafendirektor. Bis 1918 Hauptstadt des deutschen Reichslandes Elsass-Lothringen, erlebt das jetzt Frankreich angegliederte Straßburg durch Ausbau seines Hafens nach dem Weltkrieg eine neue Blüte als Wirtschafts- und Handelszentrum.

Miklós Horthy, Oberbefehlshaber der ungarischen gegenrevolutionären “Nationalarmee” wird Reichsverweser von Ungarn und erhält beschränkte königliche Rechte.

Im Deutschen Reich tritt eine 100%ige Erhöhung der Eisenbahntarife in Kraft.

2.3.1920, Dienstag

Zur Erfüllung des Versailler Friedensvertrages ordnet die Reichsregierung die Enteignung aller deutschen Handelsschiffe über 1600 BRT an. Damit sollen fällige Zahlungen an die Alliierten gesichert werden.

3.3.1920, Mittwoch

Nach einem jetzt bekanntgewordenen Entwurf der Reichsregierung zur Neuregelung der Kriegsopferversorgung (sog. Reichsversorgungsgesetz) wird die Rente künftig nach dem Grad der Invalidität bemessen.

Der Vorbereitungsausschuss für den Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk tritt im Raum Essen- Gelsenkirchen- Bochum seine erste Besichtigungsreise an. Am 5. März fordern die Ruhrgebiets-Kommunen eine beschleunigte gesetzliche Einführung des Siedlungsverbands.

4.3.1920, Donnerstag

Das norwegische Parlament (Storting) beschließt in Oslo den Beitritt des Landes zum Völkerbund. Gegen die Entscheidung stimmen die Vertreter der Arbeiterpartei und Carl Joachim Hambro als führender Vertreter der Rechten. Vor allem wegen der Aktivitäten des Polarforschers und Diplomaten Frithjof Nansen war Norwegen bislang ein besonders starker Befürworter des Völkerbundgedankens.

In Berlin wird die Kleist-Gesellschaft gegründet. Zu den Vorstandsmitgliedern zählen die Literaten Gerhart Hauptmann und Ricarda Huch sowie der Maler Max Liebermann.

5.3.1920, Freitag

Gegen die Stimmen der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) beschließt die Nationalversammlung ein Gesetz, das die Verfolgung und Bestrafung von Kriegsverbrechen vorsieht.

6.3.1920, Samstag

In Stockholm tritt die linksliberale Regierung von Ministerpräsident Nils Eden zurück. Zuvor war ein radikales Gemeindesteuerprogramm am Widerstand der Liberalen gescheitert. Nachfolger von Eden wird der Sozialdemokrat Hjalmar Branting. Er bildet die weltweit erste sozialdemokratische Staatsregierung, die ohne Umsturz an die Macht kommt.

In einer Note an die polnische Regierung drückt der russische Volkskommissar des Äußeren, Georgi W. Tschitscherin, den Wunsch seiner Regierung nach einem Friedensschluss aus. Am 9. März ersucht Tschitscherin die Regierungen der Alliierten um entsprechende Einflussnahme auf Polen.

In Leipzig endet die diesjährige Frühjahrsmesse.

Zwischen Mitgliedern der französischen Kontrollkommission und deutschen Gästen – unter ihnen Prinz Joachim Albrecht von Preußen – kommt es in einem Berliner Hotel zu Zusammenstößen. Daraufhin entschuldigt sich die Reichsregierung bei den Franzosen. Prinz Joachim Albrecht wird in sog. Schutzhaft genommen.

7.3.1920, Sonntag

In Flensburg kommt es innerhalb der dänischen und der deutschen Bevölkerungsgruppen jeweils zu Kundgebungen und Demonstrationen angesichts der am 14. März bevorstehenden Abstimmung im Grenzgebiet Nordschleswig (südliche Zone).

8.3.1920, Montag

In der Pariser Galerie Barbazanges wird “Musique d’ameublement” (“Musik für Einrichtungsgegenstände”) des französischen Komponisten Erik Satie uraufgeführt.

9.3.1920, Dienstag

Der Akademische Senat der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin spricht sich gegen eine Weiterbeschäftigung des Arztes und Privatdozenten Georg Friedrich Nicolai aus. Als Begründung führt er die Verbreitung pazifistischer Ideen durch Nicolai an sowie die Tatsache, dass dieser sich dem Kriegsdienst entzog.

Im Berliner Ufa-Palast am Zoo findet die Uraufführung des Ernst-Lubitsch-Films “Kohlhiesels Töchter” statt. In den Hauptrollen spielen Henny Porten und Emil Jannings. Vor allem Henny Porten beweist in dem Film, der in Bayern spielt, ihre Fähigkeiten als Komikerin.

10.3.1920, Mittwoch

Der preußische General und Oberbefehlshaber der Truppen im Großraum Berlin, Walther Freiherr von Lüttwitz, fordert Reichspräsident Friedrich Ebert (MSPD) ultimativ auf, den Auflösungsbeschluss für die Freikorps vom 29. Februar zurückzunehmen. Zugleich fordert er eine Neuwahl des Reichstages sowie eine Wahl des Reichspräsidenten durch das Volk.

Im Reichswirtschaftsrat in Berlin wird ein vom Wirtschaftsministerium ausgearbeiteter Plan zum Ausbau der Produktion im Deutschen Reich vorgestellt. Er sieht u.a. die Steigerung der Landwirtschaftsproduktion und Kohleförderung sowie Betriebszusammenlegungen vor. Weiterhin sollen technische Verbesserungen durch Normung und Typisierung von Produkten erzielt werden.

11.3.1920, Donnerstag

Auf Anordnung von Reichswehrminister Gustav Noske (MSPD) wird der Oberbefehlshaber der Truppen im Großraum Berlin, Walther Freiherr von Lüttwitz, von seinem Posten abgesetzt. Er hatte sich der Auflösung von Freikorps widersetzt.

Auf einem außerordentlichen Kongress britischer Gewerkschaften in London wird der Generalstreik als Waffe zur Durchsetzung der Sozialisierung im Bergbau abgelehnt. Statt dessen fordern die Delegierten politische Aktionen. Am 10. März hatte sich der Bergarbeiterverband für einen Streik ausgesprochen.

12.3.1920, Freitag

Mit dem Anmarsch einer von Korvettenkapitän Hermann Ehrhardt geführten und in Döberitz stationierten Marinebrigade auf Berlin beginnt in der Nacht zum 13. März der sog. Kapp-Putsch (bis 17. März).

Im Berliner Erzberger/Helfferich-Prozess wird nach siebenwöchiger Verhandlung das Urteil gesprochen. Der deutschnationale Politiker und frühere Bankier Karl Helfferich wird wegen Beleidigung zu einer geringfügigen Strafe von 300 Mark verurteilt, gilt aber als Prozessgewinner. Nach Verkündung des Urteils erklärt der Zentrumspolitiker und Reichsfinanzminister Matthias Erzberger seinen Rücktritt.

Im Berliner Staatlichen Schauspielhaus wird Frank Wedekinds Drama “Der Marquis von Keith” in der Inszenierung von Leopold Jessner uraufgeführt. In den Hauptrollen spielen Tilla Durieux und Fritz Kortner.

13.3.1920, Samstag

Der 61-Jährige deutsche Jurist und Politiker Wolfgang Kapp erklärt sich in Berlin mit Unterstützung des putschistischen Generals Walther Freiherr von Lüttwitz in Berlin zum Reichskanzler.

MSPD, USPD und freie Gewerkschaften rufen die Arbeiter im Deutschen Reich zum Generalstreik gegen die Putschisten auf. Als sich auch die übrigen Gewerkschaften und die KPD dem Streik anschließen, wird die Gegenregierung isoliert.

Auf der in Paris stattfindenden dritten Tagung des Völkerbundrats wird eine Kommission zur Untersuchung der gegenwärtigen Lage in Sowjetrussland gebildet. Allerdings lehnt die sowjetische Regierung eine Einreise der Kommission mit dem Hinweis auf den schwelenden polnisch-russischen Konflikt ab.

14.3.1920, Sonntag

Alle Parteien des Deutschen Reiches wenden sich gegen den Militärputsch vom 13. März; lediglich einige deutschnationale Politiker unterstützen die Putschisten. Auch außerhalb Berlins findet der Putsch nur wenig Unterstützung. Wolfgang Kapp, der sich am 13. März zum Reichskanzler ausgerufen hatte, scheitert bei der Zusammenstellung einer Kabinettsliste.

In Sachsen-Gotha übernimmt der aus Mitgliedern der USPD und KPD bestehende Vollzugsrat die politische Macht und proklamiert das “revolutionäre Rätesystem” in Sachsen-Gotha. Am Vortag hatte die von der USPD getragene Landesregierung Grabow-Schauder die Übernahme der gesamten öffentlichen Gewalt für ihr Staatsgebiet erklärt. Sachsen-Gotha bildet das Zentrum der mitteldeutschen Auflehnung gegen die Reichsregierung.

In dem sog. Abstimmungsgebiet Nordschleswig (südliche Zone) stimmen bei einem Plebiszit gemäß Versailler Vertrag 81% der Bevölkerung für den Verbleib im Deutschen Reich. Zu diesem Gebiet zählt u.a. Flensburg.

Parallel zum Kapp-Putsch in Berlin fordert in München General Arnold von Möhl die bayerische Landesregierung ultimativ zur Demission auf. Ministerpräsident Johannes Hoffmann (MSPD) tritt daraufhin zurück. Neuer Regierungschef wird am 16. März der rechtsgerichtete Gustav von Kahr.

Gegen den politischen und militärischen Druck rechter Kreise in Bayern rufen die Münchner Gewerkschaften erfolgreich zum Generalstreik auf.

Die deutsche Reichsregierung zieht sich nach Stuttgart zurück.

Trotz des Kapp-Putsches beginnt in Leipzig die Technische Messe. Die bis zum 20. März dauernde Ausstellung ist als “Heerschau der deutschen Technik” konzipiert.

15.3.1920, Montag

Nach verschiedenen Aufrufen von Gewerkschaften und Parteien bricht ein gegen die Putschisten gerichteter Generalstreik im Deutschen Reich aus. An ihm beteiligen sich rund 12 Mio. Beschäftigte.

In Berlin kommt es zur Kontaktaufnahme zwischen den Putschisten um Wolfgang Kapp und General Walther Freiherr von Lüttwitz und Vertretern der deutschen Reichsregierung.

Parallel zum sich ausbreitenden Generalstreik im Deutschen Reich bilden linke Arbeiter im Ruhrgebiet die sog. Rote Ruhrarmee. Sie kämpft mit rund 60 000 Mann sowohl gegen die putschistischen Freikorps und Kapp-Anhänger in der Reichswehr als auch für die Ziele der Novemberrevolution von 1918.

16.3.1920, Dienstag

Alliierte Truppen marschieren in die türkische Hauptstadt Konstantinopel (heute Istanbul) ein und besetzen die Regierungsgebäude. Damit wollen sie die Türkei zum Abschluss eines Friedensvertrages zwingen. Im April kommt es zu Kämpfen zwischen den türkischen Nationalisten und den Truppen der Alliierten.

17.3.1920, Mittwoch

Der Kapp-Putsch vom 13. März scheitert als Wolfgang Kapp seinen Rücktritt als Reichskanzler erklärt und flieht. Anschließend ruft die Nationalversammlung zur Beendigung des Generalstreiks auf. Am 25. März erklärt das Reichsgericht das Vermögen der Putschisten für beschlagnahmt.

Einheiten der Roten Ruhrarmee besiegen das Freikorps Lichtschlag und besetzen Dortmund. Damit gelingt ihnen ein weiterer großer Erfolg im Kampf gegen die Putschisten. Am 19. März zieht sich die Reichswehr aus dem Ruhrgebiet zurück.

18.3.1920, Donnerstag

In Stuttgart debattiert die Nationalversammlung über die politische Lage nach dem Kapp-Putsch. Nach heftiger Kritik tritt Reichswehrminister Gustav Noske (MSPD) am 22. März zurück, er wird am 26. Juni 1920 Oberpräsident von Hannover. An der Sitzung nehmen kaum Abgeordnete der rechten Parteien DNVP und DVP teil.

19.3.1920, Freitag

In Washington lehnt der US-Senat die Ratifikation des Vertrages von Versailles und damit den Beitritt zum Völkerbund ab.

20.3.1920, Samstag

Reichsregierung und Nationalversammlung kehren von Stuttgart nach Berlin zurück. USPD und KPD wenden sich jedoch gegen einen Abbruch des Generalstreiks. Die KPD fordert dessen Fortsetzung bis zur endgültigen Niederlage der “Offiziersclique”.

In Essen wird ein Zentralrat der Arbeiterräte gebildet, die im Ruhrgebiet die Macht übernommen haben. In Mülheim/Ruhr wird eine Kampfleitung der Roten Ruhrarmee eingerichtet.

Die Ermordung des republikanischen Oberbürgermeisters im irischen Cork, Tomás MacCurtain, verschlechtert weiter die britisch-irischen Beziehungen. Bereits zu Beginn des Jahres häuften sich Zusammenstöße zwischen britischen Streitkräften, besonders der Royal Irish Constabulary, und der irischen Unabhängigkeitsbewegung.

21.3.1920, Sonntag

Durch eine Regierungsverordnung wird in Ungarn der Fortbestand des Königtums als Staatsform bekanntgegeben. Zugleich wird die derzeitige Thronvakanz festgestellt.

22.3.1920, Montag

Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB), MSPD und USPD erklären den am 13. März anlässlich des Kapp-Putsches ausgerufenen Generalstreik für beendet. Zuvor war die regierende MSPD durch die Unterzeichnung eines Achtpunkteprogramms teilweise auf Forderungen der Arbeiter eingegangen (u.a. Zurückziehung der Truppen, Umgestaltung der Sicherheitswehr und Bildung einer Arbeiterregierung). Am 23. März stimmen auch die sog. revolutionären Betriebsräte Groß-Berlins mit knapper Mehrheit für eine Unterbrechung des Generalstreiks.

Der deutsche Reichswehrminister Gustav Noske (MSPD) tritt zurück. Sowohl innerhalb der Gewerkschaften als auch in der eigenen Partei ist er wegen seiner militärfreundlichen Politik heftig umstritten. Außerdem ist er in weiten Kreisen der Arbeiterschaft aufgrund seiner brutalen Bekämpfung von Demonstrationen und Aufständen verhaßt.

Reichspräsident Friedrich Ebert (MSPD) beruft gemäß Artikel 48 der Weimarer Reichsverfassung den DDP-Politiker Arnold Paulssen als Reichskommissar mit außerordentlichen Vollmachten für die sieben thüringischen Staaten. Ebert will damit auf den in Thüringen ausgebrochenen Aufstand reagieren. Artikel 48 erlaubt den Eingriff des Reiches in die Rechte der Länder (Reichsexekution). Die Verordnung – bei der sich Ebert auch auf sein Recht zur Diktaturgewalt stützt – wird am 10. April wieder aufgehoben.

23.3.1920, Dienstag

Der KPD-Anhänger Max Hölz befreit im vogtländischen Plauen in einer spektakulären Aktion 23 gefangene Arbeiter aus dem Gefängnis. Der innerhalb der KPD umstrittene Hölz gilt mit seiner “Roten Armee” im Vogtland als Volksheld, da er ärmere Schichten mit lebenswichtigen Gütern versorgt.

Unter Leitung des Reichs- und Staatskommissars für Westfalen, Carl Severing (MSPD), tagen in Bielefeld Regierungs-, Partei- und Gewerkschaftsvertreter sowie Vertreter lokaler Behörden, um Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ruhe im Ruhrgebiet zu erörtern. Die Reichswehr spricht sich gegen solche Verhandlungen aus. Die Rote Ruhrarmee und Vollzugsräte kontrollieren inzwischen fast das gesamte Ruhrgebiet.

In Bukarest löst General Alexandru Averescu den bisherigen Ministerpräsidenten Alexandru Vajda-Voevod ab, der eine politisch gemäßigte Koalitionsregierung führte. Der populäre Averescu – bisher Innenminister – erringt mit der von ihm neugegründeten Volkspartei bei Parlamentswahlen im Mai einen überwältigenden Sieg.

24.3.1920, Mittwoch

Im sog. Bielefelder Abkommen vereinbaren Reichsregierung und Aufständische im Ruhrgebiet einen Waffenstillstand und die Übernahme des Berliner Achtpunkteprogramms vom 22. März. Im Gegenzug sollen die ordentlichen Verwaltungsbehörden wieder eingesetzt werden und die Arbeiter ihre Waffen innerhalb einer bestimmten Frist der Reichswehr übergeben.

25.3.1920, Donnerstag

In Budapest bildet Alexander Simonyi-Semedan als Nachfolger von Ministerpräsident Karl Huszár (bis 1. März) eine neue Regierung, bleibt allerdings nur für drei Monate im Amt.

Die Reichsregierung ersucht Frankreich um Erlaubnis für den Einsatz der Reichswehr gegen die Rote Ruhrarmee. Das Aufstandsgebiet gehört teilweise zu der entmilitarisierten 50.-km-Zone östlich des Rheins.

In Berlin treten Reichsregierung und preußische Staatsregierung (beide MSPD-geführt) zurück. Am 24. März hatte es der sozialdemokratische Gewerkschaftsführer Carl Legien abgelehnt, Kanzler einer Koalitionsregierung aus MSPD, DDP und Zentrum zu werden.

26.3.1920, Freitag

Der MSPD-Politiker Hermann Müller wird im Anschluss an den Kapp-Putsch mit der Bildung einer neuen Reichsregierung beauftragt. Am 27. März nimmt ein MSPD/Zentrum/ DDP-Koalitionskabinett seine Arbeit auf. Auch in Preußen kommt es zu einer Regierungsneubildung unter Ministerpräsident Otto Braun (MSPD).

Gegen die führenden Personen des Kapp-Putsches vom 13. März wird Haftbefehl erlassen. Allerdings können sich Wolfgang Kapp und Walther Freiherr von Lüttwitz einer Verhaftung durch Flucht entziehen.

Im Wiener Burgtheater wird Arthur Schnitzlers Drama “Die Schwestern oder Casanova in Spa” uraufgeführt.

27.3.1920, Samstag

Der neugewählte albanische Nationalrat tritt in Tirana zusammen. Er bestätigt die am 28. Januar 1920 in Lushnjë gebildete Gegenregierung unter Ministerpräsident Suleyman Bey Delvino und beschließt eine vorläufige Verfassung. Während die Durazzo-Regierung unter Staatspräsident Turchan Pascha allmählich Auflösungserscheinungen zeigt, gelingt der Regierung in Tirana mit dem Abzug französischer Truppen am 11. März und 21. Juni 1920 ein diplomatischer Erfolg.

28.3.1920, Sonntag

Die Reichsregierung lehnt weitere Verhandlungen mit den aufständischen Arbeitern im Ruhrgebiet ab und fordert ultimativ ein Ende des Aufstands. Die Reichswehr verlangt zusätzlich Waffenabgabe, Gefangenenauslieferung und Auflösung der Vollzugsräte bis zum 31. März.

Bei den Wahlen zum bulgarischen Parlament (Sobranje) gewinnt vor allem der Bauernbund Stimmen hinzu und erreicht 110 Mandate (+24). Die Kommunisten verbessern sich um vier auf 50 Mandate, während die Sozialisten an Stimmen verlieren. Nach diesen Verlusten verlassen die Sozialisten die Regierung des Ministerpräsidenten und Bauernführers Alexandar Stamboliski.

Im Berliner Großen Schauspielhaus wird das Drama “Der weiße Heiland” von Gerhart Hauptmann uraufgeführt. Unter der Regie von Karl Heinz Martin spielen Alexander Moissi und Emil Jannings in den Hauptrollen. Mit dieser Aufführung findet erstmals seit längerer Zeit wieder ein Hauptmann-Stück Anerkennung bei der Theaterkritik.

29.3.1920, Montag

Im Londoner Unterhaus findet die zweite Lesung des “Government of Ireland Act” statt. Mit dem auch als “Home Rule” bekannten Gesetzentwurf will der britische Premierminister David Lloyd George den Forderungen der irischen Nationalisten nach vollständiger Unabhängigkeit entgegenwirken.

Als Folge des Kapp-Putsches entlässt bzw. beurlaubt Reichswehrminister Otto Geßler (DDP) mehrere Generäle, u.a. den früheren Chef der deutschen Kolonialtruppen in Ostafrika, Paul von Lettow-Vorbeck.

Die Reichsregierung erteilt der Reichswehr alle Vollmachten, ab 30. März den Aufstand im Ruhrgebiet mit militärischen Mitteln zu beenden. Nach einer Vermittlung von Gewerkschaftsfunktionären zwischen Reichsregierung und Zentralrat der Arbeiterräte gibt das Kabinett am 30. März den Aufständischen eine Frist bis zum 2. April.

In Wien wird die Graphische Sammlung Albertina neu eröffnet. Sie gilt als bedeutendste Sammlung von Druckgrafiken auf der Welt.

30.3.1920, Dienstag

Gegen die Stimmen der rechtsnationalen DNVP spricht die Nationalversammlung in Berlin der Reichsregierung ihr Vertrauen aus.

Mit der Verabschiedung des Reichslandessteuergesetzes durch die Nationalversammlung wird die Steuerhoheit der Länder weitgehend beseitigt.

31.3.1920, Mittwoch

Auf einer Konferenz in Münster bestätigen Vertreter der Parteien und Vollzugsräte im Ruhrgebiet das Bielefelder Abkommen vom 24. März und setzen den Termin für die Waffenübergabe auf den 2. April fest.