Was geschah im März 1923

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Wetterstationen März 1923

1.3.1923, Donnerstag

Mit der Régie des Chemins de Fer des Territoires Occupés richten die Franzosen eine eigene Instanz zur Kontrolle des Eisenbahnverkehrs in den besetzten Gebieten ein.

Die Rheinlandkommission untersagt allen deutschen Regierungsmitgliedern wie allen Beamten die Einreise in das besetzte Rheinland, sofern sie nicht die entsprechende Erlaubnis der Besatzungsbehörde haben.

Thomas Manns “Von der Republik” erscheint im Fischer Verlag (Berlin) in sechster Auflage.

Im Deutschen Reich ist für den Autoverkehr in Ortschaften ab sofort eine Geschwindigkeit von 30 km/h (bisher 15 km/h) erlaubt.

2.3.1923, Freitag

Bei der Rheinlandkommission geht ein deutscher Protest gegen die Einschränkung der Pressefreiheit im besetzten Rheingebiet ein. Über 100 Zeitungen seien bereits verboten, heißt es in der Note.

Die Operette “Madame Pompadour” von Leo Fall wird in Wien uraufgeführt. Mit “Madame Pompadour” übertrifft Fall seine bisherigen Erfolge.

Die “Berliner Illustrirte Zeitung” stellt “Tutanchamun-Tänze” vor, die der Begeisterung über die Entdeckung des Pharaonengrabes in Ägypten (5.11. 1922) Ausdruck verleihen.

Den Vorschlag der norwegischen Regierung, eine neue Volksabstimmung über das Alkoholverbot durchzuführen, lehnt das Parlament in Christiania (heute Oslo) mit großer Mehrheit ab. Diese Niederlage führt am 5. März zur Bildung einer neuen Regierung.

3.3.1923, Samstag

Reichspräsident Friedrich Ebert erlässt die Verordnung über Spionage, welche die verräterische Zusammenarbeit Deutscher mit den französischen und belgischen Besatzungsbehörden unter schwere Zuchthausstrafen stellt.

Vom Deutschen Eisenbahnerverband werden die Eisenbahner der besetzten Gebiete aufgerufen, trotz der angedrohten Todesstrafe (26. 2.) an der Dienstverweigerung festzuhalten.

Französische Truppen besetzen die großen Eisenbahnwerkstätten von Darmstadt und die Mannheimer und Karlsruher Hafenanlagen. Dies sei, so die französische Note, eine Vergeltungsmaßnahme für die deutsche Sabotage am Rhein-Herne-Kanal, wodurch dieser gesperrt worden ist.

Mit 49 gegen 42 Stimmen verwirft der US-amerikanische Senat in Washington den Vorschlag des Präsidenten Warren G. Harding, die Vereinigten Staaten sollten sich am Internationalen Gerichtshof (Den Haag) beteiligen.

4.3.1923, Sonntag

Bei Nachwahlen in zwei Londoner Bezirken unterliegen die Kandidaten der regierenden Konservativen Partei ihren Gegnern. Das eine Mandat gewinnt ein Liberaler, das andere der Kandidat der Labour Party.

Bei einem nächtlichen Einbruch in die deutsche Botschaft in Rom wird ein deutscher Attaché im Kampf mit den Einbrechern verletzt. Akten und Chiffren gehen nicht verloren. Zwei der Einbrecher werden festgenommen. Die ungenügende polizeiliche Bewachung der Botschaft hat nach deutscher Ansicht den Einbruch ermöglicht.

5.3.1923, Montag

Als Maßnahme gegen die deutschen Sabotageakte gegen den Eisenbahnbetrieb in den besetzten Gebieten, die zahlreiche Zugunfälle verursachen, gehen die Franzosen dazu über, verhaftete Reichsbahnbeamte als Geiseln auf den Lokomotiven mitzuführen.

Ein US-Dollar ist derzeit an der Börse 22 767,5 Mark wert.

6.3.1923, Dienstag

Reichskanzler Wilhelm Cuno protestiert in seiner Reichstagsrede erneut gegen die Gewaltmaßnahmen der Besatzungsmächte im besetzten Rheinland und Ruhrgebiet. Die vorbehaltlose Räumung des Ruhrgebiets sei die Voraussetzung für Verhandlungen mit Frankreich. Bis dahin werde der passive Widerstand fortgesetzt.

Der Kohlen- und Kokstransport nach Frankreich hat sich nach deutschen Angaben in den ersten beiden Monaten der Ruhrbesetzung drastisch verringert. Statt der in diesem Zeitraum sonst gelieferten 2,1 Millionen Tonnen konnten nur 74 000 Tonnen (= 3,5%) abtransportiert werden. Der Rückgang ist durch den passiven Widerstand und die Sabotage an Schienen- und Wasserwegen verursacht worden.

Johnny Weissmuller (USA) stellt in Newhaven mit 4:57,0 min einen Weltrekord über 400 m Freistil auf. Damit ist erstmals die fünf-Minuten-Schallmauer durchbrochen.

7.3.1923, Mittwoch

Von der türkischen Nationalversammlung in Angora (heute Ankara) wird der von den Alliierten in Lausanne unterbreitete Friedensvertragsentwurf abgelehnt. Der Wiederaufnahme der Verhandlungen stimmen die Abgeordneten unter der Bedingung zu, dass der türkische Anspruch auf das Mosul-Gebiet anerkannt werde.

Reichspräsident Friedrich Ebert besucht die Leipziger Frühjahrsmesse, die zwar mit 155 000 Besuchern einen Rekord, aber sehr schwache Geschäftsabschlüsse zu verzeichnen hat. Ebert wohnt auch der feierlichen Eröffnung des “Weltflughafens” Leipzig bei.

Mit einer Verordnung zur Regelung des Pressewesens in den besetzten Gebieten verschärft die französische Regierung die Zensur deutscher Zeitungen.

8.3.1923, Donnerstag

Schärfsten Protest erhebt die deutsche Reichsregierung in gleichlautenden Noten an Paris, London und Brüssel gegen die Verordnung der Rheinlandkommission (26. 2.), die deutschen Eisenbahnern schwerste Strafen bei Widerstand gegen die Besatzungsbehörden androht.

Mit der Errichtung weiterer Zollposten haben die Franzosen das von ihnen besetzte Gebiet mit einer von Emmerich bis zur Schweizer Grenze durchgehenden Zollgrenze vom unbesetzten Deutschen Reich getrennt.

Die französische Kammer in Paris debattiert über die Marinevorlage, die einen erheblichen Ausbau der Seestreitkräfte vorsieht.

9.3.1923, Freitag

Der bayerische Landtag (München) stimmt mit 92 gegen 26 Stimmen (SPD/KPD) einer Abfindung des bayerischen Königshauses der Wittelsbacher zu. Der letzte regierende Wittelsbacher, König Ludwig III., dankte am 8. November 1918 ab.

Im britischen Unterhaus wird das Verteidigungsbudget beraten, das wegen der französischen Luftüberlegenheit erhebliche Mittel für die Vergrößerung der britischen Luftwaffe bereitstellt.

Wladimir I. Lenin, sowjetischer Regierungschef, erleidet seinen dritten Schlaganfall.

10.3.1923, Samstag

Die chinesische Regierung informiert die japanische Regierung über ihren Entschluss, den chinesisch-japanischen Vertrag vom 25. Mai 1915 außer Kraft zu setzen. Das damals militärisch schwache China hatte mit dem Vertrag die japanischen “21 Forderungen” akzeptieren müssen.

Alfred Rosenberg, nationalsozialistischer Publizist und Politiker, wird Hauptschriftleiter des NSDAP-Organs “Völkischer Beobachter”.

11.3.1923, Sonntag

In Buer (Gelsenkirchen) werden zwei französische Offiziere erschossen. Die französischen Behörden verhängen sofort den Ausnahmezustand. Der Bürgermeister wird verhaftet, und die Bevölkerung ist den Misshandlungen der Franzosen ausgesetzt. Am 12. März stellt sich heraus, dass französische Soldaten die Offiziere getötet haben.

Der italienische Ministerrat nimmt das Gesetz über die Durchführung des Achtstundentags an. Danach darf ein normaler Arbeitstag der Arbeiter und Angestellten aller privaten Betriebe und des öffentlichen Dienstes acht Stunden täglich oder 48 Stunden wöchentlich an effektiver Arbeitszeit nicht überschreiten.

Großbritannien und Frankreich schließen ein Abkommen über den Eisenbahnverkehr durch das von den Briten aufgrund des Versailler Vertrags (1919) seit 1920 besetzte Rheingebiet (Kölner Zone). Das Abkommen begrenzt den französischen Zugverkehr durch die britische Zone, der Frankreich und das besetzte Ruhrgebiet verbindet, auf zehn Züge pro Tag.

Das schweizerisch-ungarische Fußball-Länderspiel in Lausanne endet 1:6.

12.3.1923, Montag

Der Reichstag (Berlin) genehmigt den Regierungsantrag, US-Dollarschatzanweisungen (Staatsanleihen) auszugeben. Bis zum 24. März können diese Schatzanweisungen des Deutschen Reichs gezeichnet werden. Die Reichsregierung reagiert mit dieser Maßnahme auf die finanzielle Misere des Reichs.

Die österreichische Regierung bringt eine neue Wahlordnung für die Wahlen zum Nationalrat ein. Die Gesetzesvorlage sieht eine Verminderung der Mandatszahl von 183 auf 165 vor.

Ein Zyklon von ungewöhnlicher Heftigkeit sucht die USA heim. In Tennessee werden 50 Häuser zerstört, wobei 20 Personen getötet und 75 verletzt werden.

13.3.1923, Dienstag

In Marburg diskutiert der Religionsphilosoph Martin Buber mit dem Philosophen Paul Natorp über sein gerade im Insel Verlag (Leipzig) erschienenes Buch “Ich und Du”.

14.3.1923, Mittwoch

Mit knapper Mehrheit verabschiedet der Reichstag (Berlin) die Novelle zum Gesetz über die Wohnungsbauabgabe bis zum 31. Dezember 1924 auf 1500% des Nutzungswerts festgelegt.

Der Staatsgerichtshof in Leipzig bestätigt die in den meisten norddeutschen Ländern verfügte Auflösung der verfassungsfeindlichen NSDAP. Die bayrische Regierung dagegen lehnt ein Verbot der Partei Adolf Hitlers ab.

15.3.1923, Donnerstag

Reichsverkehrsminister Wilhelm Groener teilt mit, bisher seien im besetzten Ruhrgebiet 142 Eisenbahner verhaftet, 73 ausgewiesen und 52 schwer misshandelt worden.

Die Souveränität Polens über das Wilnagebiet, auf das auch Litauen Anspruch erhebt, wird vom alliierten Botschafterrat anerkannt. Auch weiterhin kommt es zu offenen Zusammenstößen an der polnisch-litauischen Grenze.

Ein Sabotageakt, für den Gruppen des aktiven Widerstands im besetzten Ruhrgebiet verantwortlich sind, unterbricht den Eisenbahnverkehr auf der Strecke Dortmund- Duisburg bei Kalkum für einige Tage.

16.3.1923, Freitag

Bisher sind im besetzten Rhein- und Ruhrgebiet 445 Zeitungen verboten worden. Die Dauer der Verbote bewegt sich zwischen drei Tagen und drei Monaten.

Der französische Senat stimmt mit 268 gegen 4 Stimmen für das Militärgesetz, das die 18monatige Dienstzeit einführt.

Hugo Hofmannsthals Drama “Der Unbestechliche” wird im Wiener Raimund-Theater uraufgeführt. Die Hauptrolle spielt der Komiker Max Pallenberg.

Das Klavier-Konzert Es-Dur op. 31 von Hans Pfitzner wird durch den Pianisten Walter Gieseking uraufgeführt.

17.3.1923, Samstag

In Köln wird auf den rheinischen Separatistenführer Joseph Smeets ein Attentat verübt. Smeets wird lebensgefährlich verletzt, kann jedoch gerettet werden. Hinter dem Anschlag stehen vermutlich Gruppen des aktiven Widerstands gegen die französische Besatzungsmacht, die den Separatismus fördert.

Bevollmächtigte der sowjetischen Regierung und der Firma Fried. Krupp unterzeichnen in Berlin einen Vertrag über Landkonzessionen, die der deutschen Firma erteilt werden.

Eine hochoffiziöse Meldung der Nachrichtenagentur Reuter zur Ruhrbesetzung bestreitet jede britische Interventionsabsicht. Es sei die Aufgabe der deutschen Reichsregierung, direkt mit den Besatzungsmächten Frankreich und Belgien zu verhandeln.

18.3.1923, Sonntag

In Hamm findet eine Besprechung zwischen Reichspräsident Friedrich Ebert und den Gewerkschaften sowie den Arbeitgeberverbänden des Ruhrgebiets statt. Ebert spricht Arbeitern und Unternehmern den Dank für den von ihnen geleisteten passiven Widerstand gegen die französische und belgische Besetzung des Ruhrgebiets aus.

Olympia”, ein Drama von Ernst Weiß, wird im Charlottenburger Renaissance-Theater (Junge Bühne) in Berlin uraufgeführt. Regie führt Karl-Heinz Martin, die Titelrolle spielt Agnes Straub.

Das Wiesbadener Staatstheater wird durch ein Feuer vollständig zerstört. Als Brandursache wird eine Explosion der defekten Gasleitung vermutet. Da das Feuer erst nach der Vorstellung ausbricht, werden Menschenleben nicht gefährdet. Allerdings entsteht erheblicher Sachschaden.

In Frankfurt am Main beginnt der Kongress der Kommunistischen Internationale (bis 20. 3.).

Ein französischer Soldat wird in der Nacht im Essener Hauptbahnhof erschossen. Die Besatzungsbehörde verhaftet einige Essener Bankdirektoren als Geiseln. Der Buchdruckereibesitzer Karl Schulte wird von einem französischen Soldaten erschossen, obwohl er als Täter nicht in Frage kommt.

19.3.1923, Montag

Im New Yorker Garrick Theatre wird das von dem US-amerikanischen Schriftsteller Elmer Rice verfasste Drama “Die Rechenmaschine” (“The Adding Machine”) uraufgeführt.

20.3.1923, Dienstag

Der Deutsche Reichstag verabschiedet den Notetat. Das Defizit für 1922 beträgt 7,1 Billionen Mark.

Vom bayerischen Innenminister Franz Schweyer wird der Antrag der SPD und DDP (Deutsche Demokratische Partei), die nationalsozialistischen Sturmtrupps und -abteilungen aufzulösen, abgelehnt. SPD und DDP begründen ihren Antrag mit den Schlägereien zwischen den Sturmtrupps der NSDAP und anderer Parteien in Ingolstadt und Immenstadt.

21.3.1923, Mittwoch

Mit 49 Stimmen gegen 46 Stimmen der bürgerlichen Parteien wählt der sächsische Landtag den bisherigen Justizminister Erich Zeigner (SPD) zum Ministerpräsidenten. Zeigner bildet ein sozialistisches Kabinett, in das später Kommunisten eintreten.

22.3.1923, Donnerstag

Der preußische Innenminister Carl Severing (SPD) verfügt das Verbot und die Auflösung der Deutschvölkischen Freiheitspartei (DVFP), die in enger Verbindung mit der verbotenen NSDAP steht. Nach Auskunft Severings plante die Partei einen nationalen Putsch.

Der Physiker Albert Einstein tritt aus der Völkerbundskommission für intellektuelle Zusammenarbeit aus. Zur Begründung sagt Einstein, der Völkerbund erfülle seine Aufgabe, die Sicherung des Weltfriedens, nicht.

Reichskanzler Wilhelm Cuno wird bei der bayerischen Staatsregierung in München offiziell empfangen. In den während seiner Süddeutschlandreise bis 23. März gehaltenen Reden bekräftigt Cuno den Willen zum passiven Widerstand im Ruhrgebiet und wiederholt sein schroffes “Nein” gegenüber Verhandlungen mit Frankreich vor einer Räumung des Ruhrgebiets.

23.3.1923, Freitag

In Sevilla wird “Meister Pedros Puppenspiel”, ein Marionettenspiel nach Miguel de Cervantes’ Roman “Don Quijote”, uraufgeführt (konzertant). Das von Manuel de Falla komponierte Stück findet großen Anklang.

Herbert Heinrich (Leipzig) stellt in Magdeburg mit 5:26,6 min den deutschen Rekord über 400 m Freistil auf. Am folgenden Tag gelingt Heinrich über 200 m Freistil ein weiterer deutscher Rekord (2:26,8 min).

24.3.1923, Samstag

Reichsschatzminister Heinrich Albert legt dem Reichstag eine Denkschrift über die Kosten der alliierten Rheinlandbesetzung vor, für die das Deutsche Reich laut Bestimmungen des Versailler Vertrags (1919) vom 20. Januar 1920 an aufzukommen hat. Bis Ende des Jahres 1922 seien 4,5 Milliarden Goldmark gezahlt worden.

In Kiel wird in Anwesenheit des preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun (SPD) der 75. Gedenktag der schleswig-holsteinischen Erhebung gegen Dänemark gefeiert.

Fritz Kortner spielt am Berliner Staatlichen Schauspielhaus die Titelrolle in Henrik Ibsens Drama “John Gabriel Borkmann”.

25.3.1923, Sonntag

In Santiago de Chile beginnt der Panamerikanische Kongress (bis 3. 5.), an dem alle nord-, mittel- und südamerikanischen Staaten außer Mexiko, Bolivien und Peru teilnehmen. Der Kongress soll u.a. einer Verständigung über die Frage der Seeabrüstung, den amerikanischen Völkerbund und die Monroe-Doktrin dienen. Am 3. Mai unterzeichnen die Kongressteilnehmer den sog. Gondra-Vertrag.

26.3.1923, Montag

Hohe katholische Geistliche werden in Moskau zum Tode verurteilt, weil sie sich weigerten, Kirchengut an den Staat abzutreten. Später werden die aufsehenerregenden Todesurteile in Gefängnisstrafen umgewandelt.

Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) und der Allgemeine freie Angestelltenbund (AfA) gründen die Deutsche Kapitalverwertungsgesellschaft mbH, dessen Aufsichtsratsvorsitzender Theodor Leipart, der Leiter des ADGB, wird.

27.3.1923, Dienstag

Vor dem Finanzausschuss der französischen Kammer gibt Ministerpräsident Raymond Poincaré zu, dass die wirtschaftlichen Ergebnisse der Ruhrbesetzung bisher unbedeutend seien. Um das Ausbeutungsprogramm verwirklichen zu können, müsse die Besetzung verlängert und stabilisiert werden.

28.3.1923, Mittwoch

Während der Ruhrdebatte im britischen Unterhaus fordert James Ramsey MacDonald (Labour Party) die britische Regierung auf, gegen die französische Ruhrpolitik vorzugehen. Der britische Premierminister Andrew Bonar Law nimmt wegen Erkrankung nicht an der Parlamentsdebatte teil.

Die Sowjetregierung stellt das Autorenrecht unter das Staatsmonopol. Auch die Autoren, deren Autorenrechte bereits vor der Oktoberrevolution (1917) erloschen waren, sind von dieser Maßnahme betroffen.

29.3.1923, Donnerstag

Aufgrund von Vereinbarungen zwischen der US-amerikanischen und japanischen Regierung wird das Lansing-Ishii-Abkommen vom 2. November 1917 aufgehoben. In dem Abkommen hatten die USA die japanischen Sonderinteressen in China anerkannt.

30.3.1923, Freitag

Ludwig Wolffs Film “Der Absturz – Ein Drama aus dem Künstlerleben” wird in Düsseldorf uraufgeführt. Asta Nielsen in der Hauptrolle spielt virtuos eine alternde Sängerin.

31.3.1923, Samstag

Zu einem schweren Zwischenfall kommt es in den Essener Krupp-Werken. Mit Maschinengewehrfeuer gehen französische Soldaten gegen die Arbeiter vor, die gegen die Beschlagnahme von werkseigenen Pkw demonstrieren, wobei 13 Arbeiter getötet werden.

Für den März beträgt der Durchschnittswert eines US-Dollars 21 200 Mark.

In Berlin werden der dritte und vierte Teil des Films “Fridericus Rex” mit den Titeln “Sanssouci” und “Schicksalswende” uraufgeführt. Die Hauptrolle spielt Otto Gebühr.