Was geschah im März 1943

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1.3.1943, Montag

Die deutsche Heeresgruppe Mitte an der Ostfront beginnt mit der Räumung des Frontbogens von Rschew, die zu einer Verkürzung der Front um 230 km führt.

In der Nacht zum 2. März werfen britische Flugzeuge 610 t Bomben auf Berlin; 711 Menschen sterben, 35 000 werden obdachlos, 875 Häuser werden zerstört, 570 schwer beschädigt.

Die USA legen den inoffiziellen Entwurf eines Friedensvertrages mit dem Deutschen Reich vor.

In der sowjetischen Hauptstadt Moskau wird der Bund polnischer Patrioten gegründet; er soll unabhängig von der polnischen Exilregierung in London den Kern einer künftigen kommunistischen Regierung bilden.

Im Elsass und in Lothringen wird der französische Code civil auser Kraft gesetzt; stattdessen werden das Bürgerliche Gesetzbuch und das deutsche Handelsrecht eingeführt.

In Mexiko tritt zum ersten Mal in der Geschichte des Landes die allgemeine Wehrpflicht in Kraft.

Ein Dokumentarfilm über das Berlin der Vorkriegszeit, “Symphonie einer Weltstadt”, wird im Deutschen Reich zugelassen, jedoch aufgrund eines später erlassenen Verbotes nicht uraufgeführt.

2.3.1943, Dienstag

Die deutschen Truppen im Südabschnitt der Ostfront nehmen Slawjansk und Bogoroditschno ein und bilden einen Brückenkopf über den Donez.

In einer Note an die polnische Exilregierung in London stellt die Sowjetunion fest, dass Polen keinen Anspruch auf von ihr besetzte Gebiete habe.

3.3.1943, Mittwoch

Sämtliche ostthrakischen Juden werden von deutschen Stellen festgenommen und fünf Tage später ins Konzentrationslager Treblinka deportiert.

Großbritannien erklärt sich zur Aufnahme von 29 000 jüdischen Kindern in Palästina bereit.

Ein Unglück in einem als Bombenschutzraum genutzten Londoner U-Bahnhof fordert 170 Menschenleben.

Zarah Leander spielt unter der Regie von Rolf Hansen die Hauptrolle in dem Film “Damals”, der in Berlin uraufgeführt wird. Die Musik zu dem Kriminalfilm stammt von Ralph Benatzky und Lothar Brühne.

4.3.1943, Donnerstag

Führer und Reichskanzler Adolf Hitler ermächtigt “den zur Bestätigung eines kriegsgerichtlichen Todesurteils berufenen Befehlshaber zu entscheiden, ob die Strafe durch Erschießen, Enthaupten oder Erhängen vollzogen werden soll”.

In der Bismarcksee im Pazifischen Ozean geht eine dreitägige Schlacht zwischen Japanern und US-Amerikanern zu Ende.

Im Deutschen Reich wird ein Sonderbeauftragter für Energieeinsparung berufen.

Chile wird in das US-amerikanische Leih- und Pachthilfegesetz vom 11. März 1941 einbezogen.

5.3.1943, Freitag

In der Nacht zum 6. März startet die britische Luftwaffe eine Großoffensive gegen das Ruhrgebiet.

Anlässlich der 25-Jahr-Feier der Universum Film AG (Ufa) wird in Berlin der Abenteuerfilm “Münchhausen” mit Hans Albers u.a. uraufgeführt. Regie führte Josef von Baky.

6.3.1943, Samstag

Die deutschen Truppen im Raum westlich von Charkow treten zum Angriff gegen die Rote Armee an und bringen die sowjetische Offensive zum Stehen.

In Tunesien startet die deutsch-italienische Heeresgruppe Afrika eine Offensive gegen die vor der Mareth-Linie aufmarschierte 8. britische Armee.

Der deutsche Sozialdemokrat Kurt Schumacher wird wegen seines schlechten Gesundheitszustandes aus dem Konzentrationslager Dachau entlassen. Die Stadt Hannover wird ihm als Zwangsaufenthalt zugewiesen.

Die Reichsstelle Chemie verbietet die Herstellung von Filmen, Platten und Fotopapier sowie das Entwickeln und Kopieren von Filmen für Fotoamateure im Deutschen Reich.

7.3.1943, Sonntag

In einem Gespräch mit Albert Speer, dem Reichsminister für Bewaffnung und Munition im Führerhauptquartier “Werwolf” bei Winniza, beschwert sich Führer und Reichskanzler Adolf Hitler über den “Mangel an führenden Köpfen” in der deutschen Wehrmacht.

Der sowjetische Partei- und Staatschef Josef W. Stalin wird vom Obersten Sowjet in Moskau zum Marschall ernannt.

8.3.1943, Montag

In der Nacht zum 9. März werfen britische Flugzeuge 782 t Bomben auf Nürnberg.

US-Vizepräsident Henry Agard Wallace warnt vor einem neuen, dritten Weltkrieg.

Der schweizerische Bundespräsident Enrico Celio weist in einer Rede auf die Gefährdung der Neutralität seines Landes hin.

Der Urlaub für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst des Deutschen Reiches wird auf 14 Tage im Jahr herabgesetzt.

9.3.1943, Dienstag

Generaloberst Hans-Jürgen von Arnim wird von Adolf Hitler zum Nachfolger von Generalfeldmarschall Erwin Rommel als Oberbefehlshaber der deutsch-italienischen Heeresgruppe Afrika ernannt.

In Bremen treten verschiedene Behördenleiter zu einer Beratung über die “Leistungssteigerung der ausländischen Arbeitskräfte und Kriegsgefangenen” zusammen.

In Berlin findet eine Konferenz des Widerstandskreises Brüderliche Vereinigung der Kriegsgefangenen statt.

Italien beschließt, alle im Krieg gefallenen Soldaten nach dem Todesdatum ein Jahr lang als lebend zu betrachten, damit die Angehörigen so lange noch die vollen Bezüge erhalten können.

Bei einem Partisanenüberfall auf das deutsche Offizierskasino in der französischen Stadt Lille werden 22 Wehrmachtsangehörige getötet.

Im KZ Lublin-Majdanek wird der deutsche Maler, Grafiker und Bildhauer Otto Freundlich umgebracht.

Generalfeldmarschall Erwin Rommel versucht vergeblich, Adolf Hitler dazu zu bewegen, einer Räumung des größten Teils von Tunesien durch die deutschen Truppen zuzustimmen.

Die Arbeitszeit für Beamten im Deutschen Reich wird auf 53 bzw. 56 Stunden pro Woche heraufgesetzt.

In Rotenburg/Wümme stirbt im Alter von 78 Jahren der deutsche Maler Otto Modersohn.

11.3.1943, Donnerstag

Bei einem britischen Bombenangriff auf Stuttgart in der Nacht zum 12. März kommen 112 Menschen ums Leben; 386 Zivilisten werden verletzt.

Angehörige des Kreises um den jugoslawischen Partisanenführer Josip Broz Tito, darunter Milovan Djilas, nehmen Kontakt zur deutschen Wehrmacht auf, um über einen Gefangenenaustausch zu verhandeln.

12.3.1943, Freitag

An der Ostfront räumt die deutsche Heeresgruppe Mitte die Stadt Wjasma, die von der Roten Armee besetzt wird.

Ein Streik der Turiner Rüstungsarbeiter, mit dem sie für “Frieden und Freiheit” demonstrieren wollen, führt nur zu schwachen Reaktionen der italienischen Behörden.

Das US-amerikanische Leih- und Pachtgesetz vom 11. März 1941 wird um ein weiteres Jahr verlängert.

Das SS-Unternehmen Ostindustrie GmbH wird gegründet. Jüdische Häftlinge sollen dort Zwangsarbeit leisten.

Der Film “Paracelsus” mit Werner Krauss in der Hauptrolle u.a. wird in Salzburg uraufgeführt.

13.3.1943, Samstag

In der Nacht zum 13. März greifen 384 britische Bomber abermals Essen, Bottrop und Duisburg an.

Führer und Reichskanzler Adolf Hitler gibt den ersten Operationsbefehl für das Unternehmen “Zitadelle”, eine deutsche Offensive an der Ostfront im Raum Kursk, heraus.

Ein Sprengstoffattentat des Widerstandskreises in der Heeresgruppe Mitte um Oberst Henning von Tresckow auf Adolf Hitler scheitert.

Das jüdische Ghetto in Krakau wird aufgelöst.

Im US-amerikanischen Boca Grande stirbt 75jährig der Bankier John Pierpont Morgan der Jüngere, Finanzier der Alliierten im Ersten Weltkrieg.

14.3.1943, Sonntag

SS-Truppen nehmen die Stadt Charkow die erst am 16. Februar von der Roten Armee besetzt worden war, wieder ein.

Die mit 5440 kg bislang schwerste Bombe des Krieges zerstört einen Viadukt bei Bielefeld.

15.3.1943, Montag

Nach Gerüchten über eine geplante Flucht des französischen Marschalls Philippe Pétain nach Nordafrika lässt Führer und Reichskanzler Adolf Hitler alle Flugplätze in der Umgebung von Vichy unbrauchbar machen.

Der südafrikanische Ministerpräsident Jan Christiaan Smuts setzt sich in einem Interview für die Entwaffnung der Achsenmächte nach dem Krieg zugleich aber für ihre Gleichstellung mit den Alliierten in anderen Bereichen, z. B. in wirtschaftlicher Hinsicht, ein.

Die Deportation der Juden aus der griechischen Stadt Saloniki beginnt.

Belgien muss 28 000 Metallfacharbeiter für den Arbeitseinsatz im Deutschen Reich stellen; weitere 22 000 müssen die Niederlande aufbringen.

Die neue Arbeitsparole der Deutschen Arbeitsfront lautet: “Keine Stunde Leistungsverlust durch Unfall.”

Laut Anordnung der Reichsstelle Kleidung dürfen bis zum 15. August im Deutschen Reich keine Filzhüte mehr verkauft werden; ausgenommen sind nur Trachtenhüte der einheimischen Bevölkerung.

16.3.1943, Dienstag

Die deutschen Truppen an der Ostfront beenden die Räumung der Region um Rschew, Ghatsk und Wjasma.

Wegen zunehmender Widerstandstätigkeit verhängt das deutsche Besatzungsregime über Savoyen (Frankreich) das Kriegsrecht.

Die von Diktator General Francisco Franco Bahamonde 1942 neugeschaffene Volksvertretung Cortes de España tritt zu ihrer ersten Sitzung zusammen.

Im Deutschen Reich wird eine Verordnung über die Normung von Särgen erlassen; für einen Erdsarg der Kategorie 1 darf höchstens 0,11 Kubikmeter Holz verbraucht werden.

17.3.1943, Mittwoch

In Frankreich wird die Entfernung aller Halbjuden aus dem kulturellen Bereich angeordnet.

Das bulgarische Parlament spricht sich einstimmig gegen die Deportation der Juden des Landes aus.

Im Deutschen Reich wird die Festkraftstoffkarte eingeführt.

Der Film “This Land is mine”” (“Dies ist mein Land”) des französischen Regisseurs Jean Renoir wird uraufgeführt.

Aufgrund von Gerüchten über einen bevorstehenden deutschen Angriff werden alle Stäbe der schweizerischen Heereseinheiten auf ihre Kriegsstandards festgelegt. Dieser “Märzalarm” wird am 27. März wieder aufgehoben.

In Klagenfurt wird der Film “Kohlhiesels Töchter” mit Heli Finkenzeller u.a. uraufgeführt.

Die 8. britische Armee in Südtunesien greift die 1. italienische Armee in der Mareth-Stellung an.

20.3.1943, Samstag

Vom Atlantik wird die größte Geleitzugschlacht des Krieges gemeldet, bei der deutsche U-Boote 140 842 Bruttoregistertonnen an gegnerischen Schiffen versenkt haben.

Gegenüber dem Reichspropagandaminister Joseph Goebbels gibt Adolf Hitler seiner Genugtuung darüber Ausdruck, dass die meisten Berliner Juden bereits deportiert worden sind. Goebbels notiert dazu in seinem Tagebuch: “Jedenfalls werden die Juden die Verlierer dieses Krieges sein, so oder so.”

Die polnische Exilregierung in London berichtet über Morde an Juden im Zuge der Räumung von Ghettos.

In Spanien muss infolge der enormen Treibstoffknappheit der Passagierdienst auf den inländischen Flugrouten eingestellt werden.

21.3.1943, Sonntag

Nach der Einnahme Belgorods klingt die Offensive der deutschen Heeresgruppe Süd an der Ostfront ab.

Ein Attentat von Oberst Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff auf Adolf Hitler schlägt fehl.

In einer langen Rede an das britische Volk setzt sich Premierminister Winston Churchill mit der Ordnung der Welt nach Kriegsende auseinander.

Im Deutschen Reich wird die Schließung von Einzelhandelsgeschäften wegen Urlaub des Personals untersagt.

22.3.1943, Montag

Großadmiral Karl Dönitz ordnet die Erhöhung der monatlichen U-Boot-Produktion für die deutsche Kriegsmarine auf 30 Boote des Typs VII an.

Unter bulgarischer Mithilfe beginnt die Deportation von rund 12 000 Juden aus Thrakien und Makedonien.

Im Konzentrationslager Auschwitz wird ein weiteres Krematorium in Betrieb genommen.

Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Bernhard Rust, erlässt eine Verordnung über den stärkeren Einsatz der deutschen Studenten im “totalen Krieg”.

In Breslau wird der Film “Gefährtin meines Sommers” mit Anna Dammann u.a. uraufgeführt.

23.3.1943, Dienstag

Großadmiral Karl Dönitz fordert die Gleichrangigkeit von U-Boot-Programm und Panzerprogramm. Er einigt sich mit dem Reichsminister für Bewaffnung und Munition, Albert Speer, auf eine zusätzliche monatliche Stahlzuteilung in Höhe von 40 000 t für den deutschen Schiffbau.

Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz, Fritz Sauckel, fordert den verstärkten Einsatz von Frauen im Werksluftschutz.

Aus den Wahlen zum dänischen Parlament gehen die Sozialdemokraten mit 66 von 149 Mandaten als Sieger hervor.

24.3.1943, Mittwoch

In einer Rede vor dem britischen Oberhaus fordert William Temple, der Erzbischof von Canterbury, die Regierung zu Maßnahmen gegen die Judenvernichtung im Deutschen Reich und in den von ihm besetzten Gebieten auf.

In Hessen-Nassau wird ein Aufruf erlassen, den Rüstungsarbeitern Fahrräder zur Verfügung zu stellen, damit sie schneller zur Arbeit kommen.

Das Schauspiel “Das heilige Experiment” des Österreichers Fritz Hochwälder wird in Biel uraufgeführt.

Das Befreiungskomitee des früheren Sowjetgenerals Andrej A. Wlassow, der sich in deutscher Kriegsgefangenschaft befindet, fordert das russische Volk zum Sturz seiner Regierung auf.

Die UdSSR und Japan verlängern das 1928 zwischen beiden Ländern abgeschlossene Fischereiabkommen.

In Berlin stirbt im Alter von 55 Jahren Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten.

26.3.1943, Freitag

Bei den Kommandanteninseln kommt es zu einer schweren Kreuzerschlacht zwischen US-amerikanischen und japanischen Geschwadern.

Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop fordert die finnische Regierung in Helsinki vergeblich auf, eine verbindliche Erklärung darüber abzugeben, dass das Land nicht ohne deutsche Zustimmung Waffenstillstands- oder Friedensverhandlungen mit der Sowjetunion aufnehmen werde.

In einer geheimen Denkschrift an die deutschen Generäle fordert Widerstandskämpfer Carl Friedrich Goerdeler einen Staatsstreich.

In den Vereinigten Staaten wird eine oberste Verwaltungsbehörde für die Produktion und Verteilung von Lebensmitteln eingerichtet.

Die jüdische Lyrikerin Gertrud Kolmar wird aus Berlin deportiert und ist seitdem verschollen.