Was geschah im März 1972

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1.3.1972, Mittwoch

Der Deutsche Bundestag verabschiedet in dritter Lesung das Krankenhausfinanzierungsgesetz. Danach tragen Bund und Länder die Kosten für den Neubau, die Instandhaltung und die Modernisierung von Krankenhäusern die für 1972 auf 2,1 Mrd. DM beziffert werden. Patienten und Krankenversicherungen kommen künftig nur für Pflege und Behandlung auf. Damit soll die Finanzierung der Krankenhäuser, die derzeit ein jährliches Defizit von über einer Milliarde DM haben, langfristig gesichert werden.

Die österreichische Luftfahrtgesellschaft AUA und die skandinavische Luftverkehrsgesellschaft SAS erhalten Landerechte für den Flughafen Tegel in Berlin (West). Bisher verkehrten hier nur die Gesellschaften der Westmächte, PanAm, BEA und Air France.

Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) begründet vor dem Bundestag das Einreiseverbot für den belgischen Ökonomen Ernest Mandel mit dessen revolutionären Aktivitäten.

2.3.1972, Donnerstag

In der nordirischen Hauptstadt Belfast werden zwei Jugendliche die als Mitglieder der verbotenen Irisch-Republikanischen Armee (IRA) verdächtigt wurden, von britischen Soldaten in einem Feuergefecht getötet. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer durch die Unruhen in Nordirland in den letzten zweieinhalb Jahren auf 256, darunter 50 im Jahr 1972.

Die US-amerikanische Raumsonde Pioneer 10 startet ins All. Sie soll in etwa 21 Monaten den Jupiter erreichen und anschließend das Sonnensystem verlassen. Für den Fall, das sie auf eine extraterrestrische Zivilisation stößt, befindet sich an Bord eine Tafel mit einer Botschaft von der Erde. Die Symbole zeigen eine Frau und einen Mann, kosmische Strahlungswellen, das Wasserstoffatom und das Sonnensystem mit der Erde als Herkunftsplaneten der Sonde.

Der Deutsche Bundestag verabschiedet eine Änderung des Grundgesetzes, dessen Art. 74 um besondere Gesetzgebungskompetenzen des Bundes für den Umweltschutz – bisher Sache der Bundesländer – ergänzt wird.

Eine von den “Stuttgarter Nachrichten” veröffentlichte Äußerung des FDP-Bundestagsabgeordneten Knut Freiherr von Kühlmann-Stumm zu den Ostverträgen sorgt in Bonn für weitere Spekulationen darüber, ob die Bundesregierung noch über eine Mehrheit für die bevorstehende Ratifizierung der Verträge verfügt. Die knappen Mehrheitsverhältnisse der SPD/FDP-Koalition, so Kühlmann-Stumm, beeinflussten seine skeptische Haltung zu den Verträgen von Moskau und Warschau nicht.

Bei einer Fahndungsaktion nach Mitgliedern der Baader-Meinhof-Gruppe in Augsburg wird eine Terroristin festgenommen, während ein weiterer Terrorist von einem Beamten der Sonderkommission des bayerischen Landeskriminalamts erschossen wird. Am selben Tag werden in Hamburg zwei Angehörige der Roten Armee Fraktion (RAF) nach einem Schusswechsel mit der Polizei festgenommen. Ein in diesem Zusammenhang schwer verletzter Polizist stirbt am 22. März.

Die drei Bischöfe der Heiligen Synode der griechisch-orthodoxen Kirche Zyperns fordern in Nikosia Erzbischof Makarios III. zum Rücktritt von seinem politischen Amt (als Präsident) auf. Makarios weist diese im Zusammenhang mit den Spannungen zwischen Griechenland und Zypern erhobene Forderung zurück.

3.3.1972, Freitag

Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien, Herbert Hupka, der am 29. Februar aus der SPD ausgetreten war, wird in die CDU/CSU-Bundestagsfraktion aufgenommen. Am 2. März ist auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Franz Seume aus der SPD ausgetreten, der später in die CDU/CSU-Fraktion als Gast eintritt. Beide Abgeordneten begründen ihren Schritt mit der Ablehnung der Ostverträge.

4.3.1972, Samstag

Die Moskauer “Prawda” veröffentlicht einen Kommentar zum bisherigen Verlauf der Ratifizierungsdebatte zu den Ostverträgen im Deutschen Bundestag. Darin wird vor einer Nichtratifizierung gewarnt, die “der BRD den ernstesten und vielleicht auch nicht wiedergutzumachenden Schaden verursachen” würde.

In Leipzig wird Volker Brauns Bühnenstück “Die Kipper” in einer Inszenierung von Gotthard Müller uraufgeführt.

5.3.1972, Sonntag

Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) kommt zu einem offiziellen Besuch in den Iran (bis 8. 3.). Bei seinen Gesprächen mit hochrangigen iranischen Politikern geht es vor allem um die Sicherung der deutschen Ölversorgung.

Der Ministerpräsident von Bangladesch, Mujibur Rahman, beendet seinen fünftägigen Freundschaftsbesuch in der Sowjetunion, in dessen Verlauf ein Abkommen über die wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern beim Aufbau industrieller und anderer Projekte in Bangladesch unterzeichnet worden ist.

Bei einem dreitägigen Eisschnelllauf-Meeting in Inzell beendet Olympiasieger Erhard Keller seine sportliche Karriere mit drei Weltrekorden: 500 m/38,0 sec (gemeinsam mit Leo Linkovesi, Finnland, und Hasse Börjes, Schweden), 1000 m/1:18,5 min, Sprinter-Vierkampf/155,800 Punkte.

Gewichtheber Rudolf Mang (Bellenberg) drückt in Ulm den Superschwergewichts-Weltrekord auf 230,5 kg.

6.3.1972, Montag

Die Charterfluggesellschaft Calair meldet wegen Überschuldung und Unterbeschäftigung in Frankfurt am Main Konkurs an. Bis September 1972 müssen weitere vier bundesdeutsche Charterfluggesellschaften den Betrieb einstellen.

7.3.1972, Dienstag

Die Wirtschafts- und Finanzminister der EG-Länder einigen sich in Brüssel auf wichtige Grundsätze für die Startphase der Wirtschafts- und Währungsunion. Dazu gehören eine engere Zusammenarbeit in der Wirtschafts- und Konjunkturpolitik und die Verringerung der Wechselkursbandbreiten zwischen den EG-Währungen.

8.3.1972, Mittwoch

Nach fast sechsjährigem Einsatz in Vietnam kehrt das Hospitalschiff “Helgoland” in seinen Heimathafen Hamburg zurück. Das von der schwedischen Stena Line gekaufte Schiff soll zum Fährschiff für die Ostsee umgebaut werden.

9.3.1972, Donnerstag

Die Volkskammer der DDR verabschiedet ein Gesetz über die Fristenlösung bei Schwangerschaftsunterbrechungen. Danach ist die Abtreibung innerhalb der ersten drei Monate erlaubt. Erstmals in der Geschichte der Volkskammer wird ein Gesetz nicht einstimmig, sondern mit 14 Nein-Stimmen bei acht Enthaltungen verabschiedet.

Bei der Weltmeisterschaft im kanadischen Calgary werden die sowjetischen Eiskunstläufer Irina Rodnina und Alexej Ulanow zum viertenmal Meister im Paarlauf.

10.3.1972, Freitag

Der 1. Sekretär der SED, Erich Honecker, erläutert in einer Rede in Leipzig die DDR-Position zur Entspannungs- und Ostpolitik. U.a. sagt Honecker, die Ratifizierung der Ostverträge werde eine Entwicklung ermöglichen, die zu “einem friedlichen Nebeneinander zwischen der DDR und der BRD führt”.

11.3.1972, Samstag

Der in Suresnes unter Vorsitz von Generalsekretär François Mitterrand tagende Parteikonvent der Sozialistischen Partei Frankreichs (SFIO) verabschiedet ein neues Parteiprogramm, auf dessen Grundlage eine Union mit den anderen Linksparteien in die Wege geleitet werden soll. Die Sozialisten streben ein gemeinsames Regierungsprogramm vor allem mit der Kommunistischen Partei Frankreichs (KPF) an.

Mit dem Satelliten TD-1A startet die europäische Weltraumorganisation ESRO das bisher größte Raumfahrzeug Westeuropas.

Bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften im kanadischen Calgary werden die Eistanz-Europameister Angelika und Erich Buck (Ravensburg) wie im Vorjahr Zweite hinter Ludmilla Pachomova/Alexander Gorschkow aus der UdSSR.

12.3.1972, Sonntag

Der Rat der Arabischen Liga stellt einzelnen arabischen Staaten frei, die 1965 abgebrochenen diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland wiederaufzunehmen.

Die Mannschaft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes gewinnt bei den zweitägigen Hallen-Europameisterschaften im französischen Grenoble sechs Titel.

13.3.1972, Montag

Vor einem New Yorker Gericht gibt der Schriftsteller Clifford M. Irving die Fälschung der angeblichen Autobiographie des US-Milliardärs Howard Hughes zu, die er zuvor renommierten US-Verlagen verkauft hatte.

14.3.1972, Dienstag

Der italienische Verleger Giangiacomo Feltrinelli wird bei einem Anschlagsversuch auf einen Hochleitungsmast einer Überlandleitung nahe Segrate bei Mailand durch eine Bombenexplosion getötet.

Die neue “Empfangsanlage West” des Frankfurter Rhein-Main-Flughafens wird feierlich eröffnet. Der neue Terminal ist für die Abfertigung von 30 Mio. Passagieren jährlich ausgelegt.

15.3.1972, Mittwoch

König Hussein II. von Jordanien veröffentlicht einen Zwölf-Punkte-Plan zur Lösung des Palästina-Problems. Darin schlägt er die Bildung eines Vereinigten Arabischen Königreichs aus dem 1967 von Israel besetzten Westjordanland und dem Königreich Jordanien vor.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilt ein früheres Mitglied der Baader-Meinhof-Gruppe zu viereinhalb Jahren Haft.

Bundesbildungsminister Hans Leussink (parteilos) tritt zurück. Vor der Presse erklärte Leussink, er gebe sein Ministeramt “aus persönlichen Gründen” auf, nicht wegen angeblicher Differenzen mit linken Gruppierungen innerhalb der SPD. Das Amt übernimmt Klaus von Dohnanyi (SPD).

16.3.1972, Donnerstag

Die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir weist den Nahost-Friedensplan von Jordaniens König Hussein II. vor der Knesseth (Parlament) in Jerusalem zurück. Das von Hussein vorgeschlagene Projekt eines föderativen Vereinigten Arabischen Königreichs könne nicht als Grundlage für einen Frieden mit Israel dienen.

Durch einen Erfolg im abschließenden schweren Bergzeitfahren fährt der fast 36 Jahre alte Radprofi Raymond Poulidor beim Etappenrennen Paris- Nizza noch zum Gesamtsieg mit nur sechs Sekunden Vorsprung vor Eddy Merckx (Belgien).

17.3.1972, Freitag

Zum neuen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) wird Enrico Berlinguer vom Parteitag in Mailand (seit 13. 3.) gewählt.

Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Ratifizierung der Ostverträge warnt Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) auf einer Pressekonferenz in Stuttgart vor einer “Vereinsamung Deutschlands” im Fall eines Scheiterns der Ostverträge. In einer isolierten Bundesrepublik würde das politische Leben “eiskalt” werden.

Der Deutsche Fußballbund (DFB) sperrt Spieler des FC Schalke 04 wegen Bestechungsverdachts von der Nationalelf aus.

18.3.1972, Samstag

Vor dem FDP-Bundeshauptausschuss wirft Bundesaußenminister Walter Scheel (FDP) der CDU/CSU-Opposition im Zusammenhang mit der bevorstehenden Ratifizierung der Ostverträge vor, sie führe eine Kampagne der Angst und Illusionen. Zugleich startet der Bund der Vertriebenen (BDV) in mehreren Städten des Bundesgebiets eine Welle von Protestaktionen gegen die Ostverträge.

Die US-amerikanische Atomenergiebehörde registriert den 13. Kernwaffentest der VR China in der Atmosphäre auf dem Versuchsgelände Lop Nor.

19.3.1972, Sonntag

Im Zentrum der nordirischen Hauptstadt Belfast kommt es zur bisher schwersten Bombenexplosion, bei der sechs Personen getötet und 147 verletzt werden. Am 21. März zerstört eine weitere IRA-Bombe den größten Teil der Eisenbahnstation von Belfast. 70 Personen im benachbarten Europa-Hotel werden dabei verletzt.

Mit der Unterzeichnung eines Vertrags über “Freundschaft, Zusammenarbeit und Frieden” zwischen Indien und Bangladesch endet der dreitägige offizielle Besuch der indischen Ministerpräsidentin Indira Gandhi in Dacca. Der Vertrag sieht u.a. sofortige Konsultationen bei einem Angriff oder einer Angriffsdrohung gegen eines der Länder vor.

20.3.1972, Montag

KPdSU-Chef Leonid I. Breschnew erkennt in einer Rede auf dem 15. Gewerkschaftskongress in Moskau erstmals die Existenz der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft als eine Realität an. Damit reagiert Breschnew auf entsprechende Forderungen der CDU/CSU-Opposition im Zusammenhang mit der bevorstehenden Ratifizierung der Ostverträge.

Der am 3. März zum Präsidenten der Bundesanstalt für Bodenforschung in Hannover ernannte Eberhard Machens wird auf eigenen Wunsch von Bundeswirtschafts- und -finanzminister Karl Schiller (SPD) bis auf weiteres beurlaubt. Gegen die Besetzung des Präsidentenpostens mit dem Schiller-Schwager Machens hatte es erhebliche Widerstände gegeben. Auch der Vorwurf der Vetternwirtschaft wurde gegen Schiller erhoben.

21.3.1972, Dienstag

Der Vizekönig von Griechenland, Jeorjios Zoitakis, wird abgesetzt. Zuvor hatte die Junta Zoitakis mangelnde Zusammenarbeit vorgeworfen, weil dieser einen Ausbau der Sicherheitskräfte abgelehnt hatte. Das Amt des Vizekönigs wird zusätzlich von Ministerpräsident Georgios Papadopoulos übernommen.

22.3.1972, Mittwoch

Im Verlauf seines Besuchs in den USA (seit 18. 3.) trifft der türkische Ministerpräsident Nihat Erim auch mit US-Präsident Richard M. Nixon zusammen. Die US-Hilfe für das NATO-Land Türkei wird auf insgesamt 115 Mio. US-Dollar (rd. 368 Mio. DM) erhöht. Davon entfallen 60 Mio. US-Dollar (rd. 192 Mio. DM) auf die Militärhilfe zur Modernisierung der türkischen Armee. 55 Mio. US-Dollar (rd. 176 Mio. DM) sind als Wirtschaftshilfe bestimmt.

Der US-Senat in Washington billigt einen Zusatzartikel zur Verfassung der USA, der die Gleichberechtigung der Frau gewährleistet.

23.3.1972, Donnerstag

Der Präsident von Uganda, Idi Amin Dada, weist sämtliche israelischen Militärberater aus. Am 27. März wird die israelische Botschaft aufgefordert, Maßnahmen für die sofortige Ausreise aller israelischen Staatsbürger zu treffen. Mit der Schließung der israelischen Botschaft am 30. März bricht Idi Amin dann die Beziehungen zu Israel vollständig ab. Hintergrund dieses Vorgehens ist ein Finanzhilfeangebot Libyens für den hochverschuldeten Staat, das an den Abbruch der Beziehungen mit Israel geknüpft ist.

24.3.1972, Freitag

Infolge der lang anhaltenden Trockenheit hat der Rhein nicht einmal mehr die Hälfte seines normalen Wasserstands. Der berühmte Rheinfall von Schaffhausen ist fast völlig trockengelegt.

Im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg wird Hartmut Langes “Trotzki in Coyoacan” uraufgeführt. Regie führt Heinz Engels.

Bei einer teilweise dramatisch verlaufenden Tagung in Brüssel (seit 20. 3.) einigen sich die Landwirtschaftsminister der EG auf eine Reform der Agrarstrukturen und auf neue Agrarpreise. Bundeslandwirtschaftsminister Josef Ertl (FDP) beziffert die durchschnittliche Erhöhung der Erzeugerpreise auf 7,8%. Die Schätzungen über die Erhöhung der Verbraucherpreise schwanken zwischen 0,3 und 1,0%.

Der britische Premier Edward Heath gibt im Unterhaus in London die Übernahme der direkten Regierungsgewalt in Nordirland bekannt. William Whitelaw wird zum Sonderminister für Nordirland ernannt.

25.3.1972, Samstag

In El Salvador scheitert ein Putschversuch des bei den Wahlen am 25. Februar unterlegenen Präsidentschaftskandidaten José Napoleon Duarte und des Generals José Alberto Medrano gegen Präsident Fidel Sánchez Hernández. Der Präsident wurde einige Stunden von den Putschisten gefangengehalten, bevor er von regierungstreuen Truppen befreit werden konnte.

26.3.1972, Sonntag

Der Schweizer Walter Steiner wird in Planica/Jugoslawien Weltmeister im Skifliegen.

27.3.1972, Montag

In Helsinki wird die siebte Runde der US-amerikanisch-sowjetischen Gespräche zur Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT) eröffnet.

Vertreter der sudanesischen Regierung und der südsudanesischen Anya-Nya-Bewegung ratifizieren in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ein Friedensabkommen. Nach 17-Jährigem Bürgerkrieg gewährt Sudans Präsident Dschaffar Muhammad An Numairi den drei rebellischen Südprovinzen damit weitgehende innere Autonomie.

Das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” tritt in der Titelgeschichte “Deutschlands Schulen – Zuviel Freiheit?” den in letzter Zeit immer wieder publizierten Alarmmeldungen über zunehmende Gewalttätigkeiten an bundesdeutschen Schulen entgegen. Jedoch macht auch “Der Spiegel” einen Autoritätsverfall in der Lehrerschaft aus.

28.3.1972, Dienstag

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Karl Wienand, weist vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Klärung der Affäre um die Konkurs gegangene Charterfluggesellschaft Paninternational Vorwürfe im Zusammenhang mit dieser Affäre zurück. Wienand soll seinen Einfluss zugunsten der Gesellschaft geltend gemacht haben, damit diese trotz bestehender Sicherheitsbedenken eine Fluglizenz erhielt.

In Hannover wird Pockenalarm ausgelöst, nachdem ein aus Jugoslawien in die Bundesrepublik eingereister Bauarbeiter an der Seuche erkrankt ist. 165 Kontaktpersonen des Jugoslawen werden unter Quarantäne gestellt, um eine Ausbreitung der ansteckenden Krankheit zu verhindern.

29.3.1972, Mittwoch

Die USA, die Sowjetunion und Großbritannien sowie ein Reihe weiterer Länder unterzeichnen in Washington, Moskau und London die Konvention über Haftung für Schäden, die durch Objekte der Weltraumforschung verursacht werden.

Die DDR setzt die im Dezember 1971 mit der Bundesrepublik Deutschland bzw. mit dem Westberliner Senat vereinbarten Bestimmungen für den Grenzverkehr zwischen Berlin (West) und Berlin (Ost) und den Transitverkehr zwischen der Bundesrepublik und Berlin (West) für die Osterfeiertage in Kraft (bis 5. 4.).

Nach Angaben der Oberpostdirektion Hannover bestehen derzeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR über den Knotenpunkt Hannover insgesamt 92 halbautomatische Telefonleitungen für beide Richtungen.

In Budapest endet das Fußball-Länderspiel Ungarn-Deutschland 0:2.

30.3.1972, Donnerstag

Im Vietnamkrieg beginnt eine Großoffensive der nordvietnamesischen Streitkräfte und der Vietcong-Guerillas gegen Südvietnam, in deren Verlauf die kommunistischen Streitkräfte über den 17. Breitengrad nach Süden vorrücken.

Nach seinem Umzug von Darmstadt nach Berlin (West) beginnt das Bauhaus-Archiv seine Ausstellungstätigkeit mit einer Werkschau von László Moholy-Nagy (18. 2. – 30. 3.). Der Künstler war in den 20er Jahren am Bauhaus tätig.

31.3.1972, Freitag

US-Präsident Richard M. Nixon unterzeichnet eine Gesetzesvorlage für die Weiterfinanzierung der beiden in München ansässigen Sender Radio Free Europe und Radio Liberty bis zum Ende des laufenden Haushaltsjahrs am 30. Juni. Die Finanzierung der Sender, die ihre Programme in osteuropäischen Staaten ausstrahlen, ist umstritten.