Was geschah im März 1999

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1.3.1999, Montag

Die Bundesregierung legt ihren Suchtbericht vor. Danach ist die Zahl der Drogentoten in Deutschland erneut gestiegen. 1998 starben 1674 Menschen an den Folgen ihrer Sucht, 11,5% mehr als 1997. Außerdem stieg die Zahl der Jugendlichen mit Drogenerfahrung. Tabak und Alkohol blieben allerdings Drogen Nummer eins.

Das internationale Abkommen über das Verbot von Anti-Personen-Minen tritt 15 Monate nach seiner Unterzeichnung in Kraft. Die Ende 1997 vereinbarte “Konvention von Ottawa” sieht erstmals ein umfassendes Verbot von Einsatz, Lagerung, Herstellung und Weitergabe aller Arten von Tretminen vor. Mehr als 130 Länder haben den Vertrag unterzeichnet, 65 ratifiziert. Allerdings steht der Beitritt der großen Minenproduzenten USA, Russland und China noch aus.

Die indonesische Polizei tötet in der seit dem 19. Januar 1999 immer wieder von blutigen Unruhen zwischen Christen und Muslimen erschütterten Molukken-Stadt mindestens neun Menschen. Bei den Unruhen hat es bis dahin bis zu 200 Tote gegeben.

2.3.1999, Dienstag

In Uganda werden acht Touristen von ruandischen Hutu-Rebellen getötet. Bei den Opfern handelt es sich um vier Briten, zwei Amerikaner und zwei Neuseeländer. Die Rebellen hatte am 28. Februar zunächst 31 Urlauber im Bwindi-Nationalpark an der Grenze zu Kongo entführt.

Der mutmaßliche Reemtsma-Entführer Thomas Drach soll an Deutschland ausgeliefert werden, beschließt das Bundesgericht in der argentinischen Hauptstadt, wo Drach seit seiner Festnahme am 28. März 1998 inhaftiert ist. Zuvor soll jedoch das laufende Verfahrens wegen eines Passvergehens abgeschlossen sein. Der 38-Jährige gilt als Kopf der Bande, die den Industriellen Jan Philipp Reemtsma 1996 entführte. Nach Zahlung eines Rekord-Lösegelds von 30 Mio. DM kam Reemtsma nach 33 Tagen Geiselhaft frei.

3.3.1999, Mittwoch

Der Bundestag beschließt die Einführung einer Ökosteuer. Für die erste Stufe des von SPD und Grünen vereinbarten Projekts stimmen 332 Abgeordnete, 299 sind dagegen. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass zum 1. April Benzin und Diesel um sechs Pfennig je Liter teurer werden. Zugleich soll eine neue Stromsteuer von zwei Pfennig je Kilowatt eingeführt werden. Ziel ist es, mit den Einnahmen aus der Ökosteuer die Senkung der Rentenbeiträge um 0,8 Prozentpunkte zu finanzieren.

Bonn: Der Grünen-Politiker Wolfram König wird neuer Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz. Das Bundeskabinett billigt einen entsprechenden Vorschlag von Umweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen). König war von 1994 bis 1998 Umwelt-Staatssekretär in der rot-grünen Koalition in Sachsen-Anhalt.

4.3.1999, Donnerstag

Der Unglückspilot von Cavalese, Richard Ashby, wird von einem Militärgericht im US-Bundesstaat North Carolina von jeglicher Schuld freigesprochen. Er hatte mit seinem Militärjet am 3. Februar 1998 bei einer Tiefflugübung in den Dolomiten (Italien) das Seil einer Gondelbahn durchtrennt. Die Kabine mit 20 Menschen stürzte in die Tiefe. Keiner der Insassen überlebte. Unter den Opfern befanden sich acht Deutsche. Der US-Senat billigt am 23. März für die Angehörigen der 20 Opfer eine Entschädigung von zusammen 40 Mio. US-Dollar.

Der wegen Mordes zum Tode verurteilte Deutsche Walter LaGrand wird im US-Bundesstaat Arizona in der Gaskammer hingerichtet. Zuvor hatte der Oberste Gerichtshof der USA einen neuen Aufschub der Vollstreckung des Urteils aufgehoben. Die deutsche Bundesregierung und internationale Organisationen hatten mehrfach in den USA einen Aufschub mit Hinweis auf die verfassungswidrige Hinrichtungsmethode durch Gas beantragt. Walter LaGrand stirbt eine Woche nach seinem Bruder Karl. Beide hatten 1982 eine Bank überfallen und den Filialleiter getötet.

Gegen die Stimmen der Opposition und ungeachtet der Proteste aus der Wirtschaft setzt die Koalition von SPD und Bündnis 90/Die Grünen ihre Steuerreform im Bundestag durch. Das dreistufige Reformpaket sieht ab dem Jahre 2002 eine Nettoentlastung von 20,5 Mrd. DM vor, die vor allem Arbeitnehmern und Familien zugutekommen soll. Im Gegenzug werden zahlreiche Steuervergünstigungen gestrichen. Ebenfalls verabschiedet wird die Neuregelung der 630-Mark-Jobs. Anstelle der bisherigen Pauschalsteuer von 22% müssen die Arbeitgeber nun Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung zahlen.

5.3.1999, Freitag

Die zwischen bosnischen Serben und Muslimem umstrittene nordbosnische Stadt wird “neutrales Gebiet”. Die internationale Schiedskommission entscheidet, dass die bei Beginn des bosnischen Bürgerkrieges 1992 von Serben eroberte Stadt und der Bezirk Brcko eine gemeinsame Regierung und Polizei von Muslimen, Serben und Kroaten bekommen sollen. Die Entscheidung war mehrfach verschoben worden. Brcko stand zuletzt unter internationaler Verwaltung. Bei den Bosnien-Friedensverhandlungen in Dayton (USA) 1995 war diese Frage ausgeklammert worden. Das Abkommen drohte an dem Streit zu scheitern.

6.3.1999, Samstag

Die Internationale Tourismusbörse ITB öffnet ihre Tore. Auf der größten Tourismusmesse der Welt können sich bis zum 10. März Fachbesucher und Urlaubsinteressenten über die neuesten Trends auf dem Ferienreisemarkt informieren. Mit fast 7500 Ausstellern aus 190 Ländern und Regionen verzeichnet die zum 33. Mal veranstaltete Messe eine neue Rekordbeteiligung.

7.3.1999, Sonntag

Beim Absturz eines indischen Militärflugzeugs in ein Wohnviertel der Hauptstadt Neu Delhi kommen 22 Menschen ums Leben. Die Maschine des russischen Typs Antonow AN-32 fliegt beim Landeanflug zu tief und prallt gegen einen Wasserturm. Alle 19 Insassen sowie drei Anwohner werden getötet.

Die marktwirtschaftlich orientierten Parteien erreichen bei der Parlamentswahl in Estland die meisten Stimmen. Die drei gemeinsam angetretenen Gruppierungen erreichen 47,1% und damit 53 von 101 Parlamentssitzen. Sie können die bisherige Minderheitsregierung des konservativen Politikers Mart Siiman ablösen. Zum neuen Regierungschef wählt das Parlament am 22. März den konservativen Politiker Mart Laar.

Neuer Präsident El Salvadors wird Francisco Flores, der Bewerber der rechtsgerichteten Arena-Partei. Auf ihn entfallen 51,96% der Stimmen. Sein stärkster Herausforderer, Facundo Guardado von der linksgerichteten Ex-Rebellenbewegung FMLN, erreicht 28,88%, der Sozialdemokraten Rubén Zamora 7,59%. Die Präsidentenwahl war die zweite seit dem Friedensschluss 1992.

Der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider und seine Freiheitliche Partei (FPÖ) werden erstmals stärkste politische Kraft in einem österreichischen Bundesland. Bei der Landtagswahl in Kärnten gewinnt Haiders Partei 42,1% der Stimmen. Am 8. April wählt der Landtag in Klagenfurt Haider zum zweiten Mal nach 1989 zum Landeshauptmann (Ministerpräsidenten) von Kärnten.

8.3.1999, Montag

Beim ersten offiziellen Deutschland-Besuch eines tschechischen Regierungschefs seit 1992 vereinbaren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Ministerpräsident Milos Zeman einen endgültigen Schlussstrich unter die Vergangenheit. Das beiderseitige Verhältnis soll nicht mehr durch rechtliche oder finanzielle Fragen belastet werden. Bei den Sudetendeutschen und der Union lösten die Absprachen heftige Proteste aus.

US-Kampfflugzeuge bombardieren wieder Luftabwehrstellungen im Norden des Irak. Zuvor waren nach Angaben des Pentagon die US-Flugzeuge vom irakischem Zielradar erfasst worden.

9.3.1999, Dienstag

Im Prozess um die Verantwortung für HIV-verseuchte Blutkonserven in Frankreich werden der frühere Ministerpräsident Laurent Fabius und Ex-Sozialministerin Georgina Dufoix freigesprochen. Lediglich den damaligen Gesundheitsstaatssekretär Edmond Hervé befinden die Richter in zwei Fällen für schuldig, verzichten jedoch auf eine Strafe. Die Opfer des Aids-Skandals reagierten empört auf die Urteile. Die drei sozialistischen Politiker waren wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung angeklagt. Durch die Weitergabe von HIV-verseuchten Blutkonserven hatten sich Mitte der achtziger Jahre mehrere tausend Menschen mit dem Aids-Virus infiziert, von denen bereits etwa 600 gestorben sind.

Erstmals seit der Revolution 1979 ist ein iranischer Staatspräsident in einem westlichen Land zu Besuch. Die dreitägige Visite von Präsident Mohammed Chatami gilt als entscheidender Schritt zur Eröffnung eines neuen Kapitels in den Beziehungen Teherans zur Europäischen Union. Chatami trifft am 11. März mit Papst Johannes Paul II. zusammen.

Der designierte nordrhein-westfälische Justizminister Reinhard Rauball tritt eine Woche nach seiner Ernennung zurück. Dem SPD-Politiker droht ein Disziplinarverfahren. Er hatte es 1994 als Notar versäumt, die Übernahme eines Aufsichtsratsmandats der Firma Eurogas beim zuständigen Oberlandesgericht anzumelden. Dazu war er nach der Bundes-Notarordnung verpflichtet. Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) leitet das Justizressort in Personalunion zunächst selbst.

In der saarländischen Landeshauptstadt wird ein Sprengstoffanschlag auf die umstrittene Ausstellung zu Verbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verübt. Die zuvor schon in zahlreichen deutschen Städten gezeigte Ausstellung war wiederholt Anlass für Proteste aus dem rechten politischen Lager.

10.3.1999, Mittwoch

Der österreichische Bombenattentäter Franz Fuchs wird vom Landesgericht Graz zu lebenslanger Haft verurteilt und in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Fuchs werden die Explosion dreier Rohrbomben sowie Planung oder Ausführung von 25 Briefbombenanschlägen zur Last gelegt. Bei den Attentaten waren vier Menschen getötet und 15 zum Teil schwer verletzt worden, darunter der ehemalige Wiener Bürgermeister Helmut Zilk (SPÖ).

Die Banque Nationale de Paris (BNP) bestätigt die von ihr angestrebte Fusion mit zwei anderen Großbanken, der Paribas und der Societe Generale, zur größten Bank der Welt. Die Kreditinstitute weisen jedoch das Übernahmeangebot zurück. Sie reichen am 26. März in Paris Klage ein gegen die Zulassung der Offerte durch den Rat für die Finanzmärkte.

11.3.1999, Donnerstag

Der Energiekonzern RWE und der Schweizer Telekom-Spezialist Ascom haben nach eigenen Angaben ein System entwickelt, das Telefonieren über das Stromnetz möglich macht. Auch die Übertragung anderer Telekommunikationsdienstleistungen, etwa Internet-Dienste, seien damit über die Steckdose möglich. Die Kommunikationstechnologie “Powerline” soll voraussichtlich im Jahr 2000 marktreif sein.

Die Bundesversammlung wählt die Nachfolger der beiden Bundesräte Flavio Cotti (Äußeres) und Arnold Koller (Justiz), die beide der Christlichdemokratischen Volkspartei angehören. Zu neuen Bundesräten werden die CVP-Politiker Ruth Metzler aus dem Halbkanton Appenzell Innerrhoden und Joseph Deiss aus dem Kanton Freiburg gewählt. Sie treten ihr Amt an der Spitze des Justiz- bzw. Außenressorts am 1. Mai an.

SPD und Grüne erzielen eine Einigung im Streit um die Reform des deutschen Staatsbürgerschaftsrechts. Die Grünen stimmen dem bereits zwischen SPD und FDP vereinbarten “Optionsmodell” zu. Danach sollen in Deutschland geborene Ausländerkinder zwar die Doppel-Staatsbürgerschaft erhalten, müssen jedoch spätestens mit 23 Jahren einen der beiden Pässe abgeben. Für ältere und lange in Deutschland lebende Ausländer soll es den Doppel-Passnur in Ausnahmefällen geben.

Oskar Lafontaine tritt überraschend sowohl als Bundesfinanzminister wie auch als SPD-Vorsitzender zurück. Bundeskanzler Gerhard Schröder bedauert Lafontaines Schritt, dem am Vortag ein Streit im Kabinett mit Schröder vorausgegangen war, der die “wirtschaftsunfreundliche Politik” von Lafontaine kritisiert hatte. Lafontaine, der auch sein Bundestagmandat aufgeben will, kündigt den völligen Rückzug aus der Politik an.

12.3.1999, Freitag

Einen Tag nach dem Rücktritt von SPD-Chef und Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine übernimmt Bundeskanzler Gerhard Schröder kommissarisch den Parteivorsitz. Auf einem Sonderparteitag soll Schröder am 12. April zum neuen SPD-Chef gewählt werden, beschließen die Führungsgremien der Sozialdemokraten. Neuer Finanzminister wird der hessische Ministerpräsident Hans Eichel, dessen Amtszeit in Wiesbaden am 7. April endet. Bis dahin leitet Wirtschaftsminister Werner Müller auch das Finanzressort.

Polen, Ungarn und Tschechien werden feierlich in die NATO aufgenommen. Damit wird die Osterweiterung des Bündnisses offiziell vollzogen. Die Außenminister der drei früheren Ostblockstaaten überbringen ihrer US-Kollegin Madeleine Albright im US-Bundesstaat Missouri die Ratifizierungsdokumente. Damit hat der 1949 gegründete Nordatlantikpakts 19 Mitglieder.

Island will nach zehn Jahren Pause den Walfang wieder aufnehmen. Im Jahr 2000 sollen wieder Walfänger in die Gewässer um die Nordatlantik-Insel ausfahren. Island hatte 1991 aus Protest gegen das 1986 in Kraft getretenen Verbots aller kommerziellen Walfänge die Internationale Walfangkommission (IWC) verlassen, ohne aber den eigenen Walfang wieder aufzunehmen.

Der Geiger und Dirigent Yehudi Menuhin stirbt im Alter von 82 Jahren. Der am 22. April 1916 in New York als Kind russisch-jüdischer Eltern geborene Menuhin trat schon mit sieben Jahren auf und wurde international gefeiert. Zehnjährige debütierte er in Europa. Menuhin galt als glänzender Interpret klassischer und moderner Violinwerke.

13.3.1999, Samstag

Bei einem Brandanschlag auf ein Einkaufszentrum werden 13 Menschen getötet und drei schwer verletzt. Die Täter werden im Kreis der kurdischen Separatistenorganisation PKK vermutet.

14.3.1999, Sonntag

Oskar Lafontaine begründet seinen Rückzug aus der Politik mit Problemen in der Regierung. Vor Journalisten sagt der bisherige SPD-Chef, der Grund seines Rücktritts als Bundesfinanzminister sei das – wie er formulierte – “schlechte Mannschaftsspiel” gewesen, das die Regierung in den letzten Monaten geboten habe.

Die Gegner im afghanischen Bürgerkrieg erzielen bei ihren Friedensverhandlungen in der turkmenischen Hauptstadt nach eigenen Angaben Fortschritte. Vertreter der radikalislamischen Taliban und der nördlichen Allianz einigen sich auf die Grundzüge einer künftigen Koalitionsregierung, an der “alle politischen Kräfte des Landes” beteiligt sein sollen.

Bei einem Feuer in einem Elendsviertel der indischen Hauptstadt sterben bis zu 50 Menschen.

15.3.1999, Montag

In einer vom Kurdistan Informations-Zentrum (KIZ) veröffentlichten Erklärung des “Hauptquartiers der Volkbefreiungsarmee Kurdistans” erklärt die Kurdische Arbeiterpartei PKK die gesamte Türkei, auch die Touristenzonen, zum “Kriegsgebiet”.

Eine Verlängerung des steuerfreien Duty-Free-Einkaufs über den 30. Juni 1999 hinaus scheitert im EU-Finanzministerrat. Die Mehrheit der 15 Mitgliedsstaaten lehnt den Vorschlag von Bundeskanzler Gerhard Schröder ab, den Duty-Free-Einkauf im Fähr- und Flugverkehr in der Europäischen Union bis zum 31. Dezember 2001 zu verlängern, zugleich aber die Mehrwertsteuer zu erheben.

Die nordirische Rechtsanwältin Rosemary Nelson erliegt in der Grafschaft Armagh den Folgen eines Autobombenanschlags. Zu dem Anschlag bekennt sich eine Splittergruppe protestantischer Paramilitärs mit dem Namen “Red Hand Defenders”, die sich dem Waffenstillstand paramilitärischer Gruppen in Nordirland nicht angeschlossen hat. In der Stadt Portadown kommt es drei Tage später zu Unruhen.

Mit einer Verfassungsänderung ebnet der seit dem 5. März tagende Chinesische Volkskongress den Weg zu mehr Marktwirtschaft. Zum Abschluss der Plenartagung wird der privaten Wirtschaft eine “wichtige Rolle” zugesprochen. Die marktwirtschaftlichen Theorien des 1997 gestorbenen Wirtschaftsreformers Deng Xiaoping gehen als Leitidee in die Präambel ein.

Bei einem Störfall in einem Recycling-Unternehmen in Duisburg tritt etwa 1 t hochgiftiger, Dioxin-verseuchter Zinkstaub aus. Die Anwohner werden erst drei Tage nach dem Unglück informiert. Betroffen ist ein Gebiet von rund 20 000 m².

16.3.1999, Dienstag

Drei Jahre nach der Entführung des Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma stellt sich der letzte noch flüchtige mutmaßliche Kidnapper freiwillig der Staatsanwaltschaft. Der 32 Jahre alte Pole Piotr L. war in Barcelona entdeckt worden. Gemeinsam mit dem in Argentinien in Untersuchungshaft einsitzenden Thomas Drach hat er nach eigenen Angaben den Millionär verschleppt. Reemtsma war 1996 nach 33 Tagen gegen 30 Mio. DM freigelassen worden. Zwei weitere Komplizen wurden bereits in Hamburg verurteilt.

Unter dem Druck schwerer Vorwürfe tritt erstmals eine Europäische Kommission geschlossen zurück. Am Vortag war in Brüssel ein Untersuchungsbericht unabhängiger Juristen und Rechnungsprüfer veröffentlicht worden, in dem den 20 Kommissaren nachgewiesen wird, die Kontrolle über Finanzen und Verwaltung verloren zu haben. Die EU-Staats- und Regierungschefs ernennen zu Beginn ihres zweitägigen Gipfeltreffens in Berlin über das Reformpaket “Agenda 2000” am 24. März 1999 den früheren italienischen Regierungschef Romano Prodi zum neuen Präsidenten der EU-Kommission.

Das britische Unterhaus billigt mit 340 gegen 132 Stimmen das Gesetz zur Abschaffung des erblichen Sitz- und Stimmrechts im Oberhaus. Am 31. März billigt zwar das Oberhaus das Reformgesetz, kritisiert aber den damit verbundenen Bruch mit einer jahrhundertealten Tradition. Eine Kommission soll bis zum Jahr 2000 Vorschläge für eine neue Gestalt des Unterhauses vorlegen.

17.3.1999, Mittwoch

Beim Viertelfinal-Rückspiel der Champions League unterliegt der 1. FC Kaiserslautern dem FC Bayern München 0:4 (Hinspiel 0:2). Damit stehen die Bayern im Halbfinale gegen Dynamo Kiew.

Das Internationale Olympische Komitee schließt sechs Mitglieder wegen ihrer Verfehlungen im Bestechungsskandal um die Olympiavergabe an Salt Lake City aus. Die Außerordentliche Vollversammlung folgt damit dem Vorschlag von Untersuchungskommission und Exekutivkomitee. Erstmals in der 105-Jährigen IOC-Geschichte werden IOC-Mitglieder per Abstimmung ausgeschlossen. Zum Beginn hatte die Vollversammlung IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch das Vertrauen ausgesprochen. Nur zwei Mitglieder stimmten gegen ihn.

Im Skandal um organisierte Kriminalität in den Reihen der Münchner Polizei werden drei Beamte verhaftet. Sie werden dringend verdächtigt, mit Kokain gehandelt beziehungsweise das Rauschgift erworben zu haben. Die Beamten stehen zudem in dem Verdacht, Schleppern geholfen zu haben, ausländische Prostituierte vor allem aus Osteuropa nach Deutschland einzuschleusen.

Der stellvertretende Fernsehdirektor des Westdeutschen Rundfunks, Michael Schmid-Ospach, wird vom Rundfunkrat zum neuen Intendanten von Radio Bremen gewählt. Schmid-Ospach wird zum 1. Mai Nachfolger von Karl-Heinz Klostermeier.

Die Mitte Januar 1999 im Kosovo-Dorf Racak getöteten etwa 40 Albaner waren nach einem von finnischen Gerichtsmedizinern veröffentlichten Bericht eindeutig unbewaffnete Zivilisten. Die Vorsitzende des Expertenteams vermeidet bei der Vorlage des Berichts allerdings den Begriff “Massaker”.

18.3.1999, Donnerstag

Als einzige der beiden Konfliktparteien unterzeichnen die Kosovo-Albaner den Friedensvertrag, mit dem das Blutvergießen in der Krisenprovinz beendet werden soll. Die serbische Delegation, die sich gegen die Stationierung einer NATO-Friedenstruppe wendet, lehnt trotz der militärischen Bedrohung durch die NATO eine Unterschrift ab. Die zweite Runde der Friedenskonferenz für die südserbische Krisenprovinz Kosovo hatte am 15. März mit dem Eintreffen der Delegationen der Serben und der Kosovo-Albaner in Paris begonnen. Unter Vermittlung der Europäischen Union, der USA und Russlands sollte eine Einigung auf eine weitgehende Autonomielösung erreicht werden. Darüber war bereits vom 6. bis 23. Februar auf Schloss Rambouillet ohne Ergebnis verhandelt worden.

Bundespräsident Roman Herzog überreicht dem zurückgetretenen Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine (SPD) seine Entlassungsurkunde.

19.3.1999, Freitag

In Marl werden zum 35. Mal die Adolf-Grimme-Preise für Fernsehschaffende verliehen. Der Regisseur Jo Baier und der Schauspieler Martin Benrath erhalten den Adolf-Grimme-Preis mit Gold für den ARD-Dreiteiler “Der Laden”.

Mehr als zehn Jahre nach dem Bombenanschlag auf eine Pan Am-Maschine über dem schottischen Lockerbie sollen die mutmaßlichen libyschen Attentäter vor Gericht kommen. Nach Angaben von Südafrikas Präsident Nelson Mandela stimmt die lybische Regierung zu, die beiden Verdächtigen bis zum 6. April den Vereinten Nationen zu übergeben. Sie sollen in den Niederlanden nach schottischem Recht abgeurteilt werden. Im Gegenzug sollten die 1992 gegen Libyen verhängten UN-Sanktionen fortfallen.

Nach der Aussetzung der Kosovo-Friedensgespräche wächst für Jugoslawien die Gefahr eines NATO-Militärschlags. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ordnet den Abzug aller 1400 Beobachter aus der serbischen Provinz Kosovo an. Die USA, Deutschland, Großbritannien und andere Staaten rufen ihre Bürger zum Verlassen Jugoslawiens auf.

Bei einem Bombenanschlag in der Stadt werden mindestens 50 Menschen getötet. Die Bombe mit einer Sprengkraft von etwa 7 kg Kilogramm TNT explodiert am Mittag auf dem Zentralmarkt der Hauptstadt der Teilrepublik Nordossetien.

Nordrhein-Westfalen hat seit Freitag den dritten Justizminister im Jahr 1999. Ministerpräsident Wolfgang Clement stellt im Landtag den Juristen Jochen Dieckmann offiziell der Presse vor. Bislang war Dieckmann Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages in Köln. Er folgt dem am 9. März nach nur zehn Amtstagen überraschend zurückgetretenen Reinhard Rauball und Fritz Behrens, der für kurze Zeit Doppelminister für die Ressorts Innen und Justiz war.

Ungeachtet heftiger Kritik aus der Wirtschaft beschließt der Bundesrat das rot-grüne Steuerpaket und die Neuregelung der 630-Mark-Jobs. Mit den Stimmen der abgewählten hessischen Landesregierung billigt die Länderkammer die Belastung der Verbraucher durch höhere Energiekosten ab 1. April und die gleichzeitige Entlastung bei Lohnsteuer und Lohnnebenkosten. Außerdem erwerben ab dem nächsten Monat auch Mini-Jobber mit einem Verdienst bis 630 Mark Rentenansprüche.

20.3.1999, Samstag

Zeitgleich mit dem Abzug der OSZE-Beobachter startet Serbien im Kosovo eine groß angelegte Offensive gegen die kosovo-albanische Untergrundarmee UÇK. Die Aktion löst in der südserbischen Provinz eine Flüchtlingswelle aus. Tausende Zivilisten verlassen in Panik ihre Dörfer.

Zum Auftakt einer elftägigen Europareise trifft der chinesische Präsident Jiang Zemin in Italien ein. Weitere Stationen sind die Schweiz und Österreich.

Die Mediengruppe von Leo Kirch einigt sich nach monatelangen Verhandlungen mit der italienischen TV-Holding von Silvio Berlusconi auf die Gründung einer neuen europäischen Fernsehallianz. Zugleich erhält Kirch von Berlusconi und dem saudischen Milliardär Prinz Walid eine Finanzspritze in Milliardenhöhe. Der Kirch-Gruppe sollen durch den Einstieg der neuen Gesellschafter rd. 750 Mio DM zufließen.

Dem Schweizer Ballonfahrer Bertrand Piccard und dem Briten Brian Jones gelingt als Ersten eine Erdumrundung im Ballon. Um 10.54 Uhr MEZ passiert der “Breitling Orbiter” über Mauretanien in Westafrika die Ziellinie, den 9. Längengrad West. Günstige Winde hatten die beiden Männer in knapp drei Wochen über vier Kontinente und zwei Weltmeere getrieben. Piccard und Jones brauchten für die 42 810 km genau 19 Tage, eine Stunde und 49 Minuten. Sie landen am 21. März westlich von Luxor in Ägypten.

21.3.1999, Sonntag

Skisprung-Doppelweltmeister Martin Schmitt (Furtwangen) krönt seine erfolgreiche Saison mit dem Weltcup-Gesamtsieg. Dem 21 Jahre alten Schwarzwälder reicht beim Skifliegen in Planica ein dritter Platz. Schmitt ist nach Jens Weißflog (1984) erst der zweite deutsche Weltcup-Gesamtsieger im Skispringen.

Mit sieben Oscars wird die britisch-amerikanische Komödie “Shakespeare in Love” bei der 71. Vergabe der Oscars zum besten Film des Jahres gekürt. Steven Spielberg wird für “Der Soldat James Ryan” (“Saving Private Ryan”) bester Regisseur und landet mit insgesamt fünf goldenen Statuetten auf dem zweiten Platz. Roberto Benignis Film “Das Leben ist schön” (“La vita e bella”) gewinnt den Wettbewerb um den Titel als beste nicht-englischsprachige Produktion. Erstmals in der Oscar-Geschichte wird mit Benigni ein Schauspieler aus einem nicht-englischsprachigen Film zum besten Darsteller gekürt.

Bei den Parlamentswahlen in Finnland behaupten die Sozialdemokraten mit 22,9% trotz Verlusten ihre Stellung als größte Partei im Reichstag knapp vor der Zentrumspartei (22,4%). Sie stellen mit Paavo Lipponen an der Spitze einer Fünf-Parteien-Koalition auch weiterhin den Regierungschef.

22.3.1999, Montag

In der südtürkischen Stadt kommen neun Bundesbürger frei, die am Vortag bei einer Demonstration zum kurdischen Neujahrsfest Newroz festgenommen worden waren. Die türkischen Behörden hatten die Festnahme damit begründet, dass die Deutschen sich an einer nicht genehmigten Demonstration beteiligt hätten.

Die Erpresser des Drogerieunternehmers Schlecker werden vom Landgericht Ulm zu Haftstrafen von jeweils dreizehneinhalb Jahren verurteilt. Die Richter sprechen sie für die Erpressung Schleckers und für sieben weitere Straftaten für schuldig. Die Verurteilten hatten 1987 die 14 und 16 Jahre alten Kinder von Schlecker entführt und für ihre Freilassung 9,6 Mio. DM Lösegeld erhalten.

23.3.1999, Dienstag

In der Hauptstadt Paraguays werden Vizepräsident Luis Maria Argaña und einer seiner Leibwächter bei einem Attentat erschossen. Anhänger Argañas machten Präsident Raul Cubas für das Attentat verantwortlich und fordern seinen Rücktritt. Argaña war ein erklärter Gegner des Präsidenten. Mit einer Einigung auf drastische Förderkürzungen endet das Ministertreffen der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC). Die Erdölminister der zehn OPEC-Länder vereinbaren eine Kürzung der täglichen Erdölproduktion um 1,7 Mio. Barrel (je 159 Liter) auf 22,976 Mio. Barrel. Die Förderbeschränkung gilt ab 1. April 1999 für ein Jahr.

Jugoslawien erklärt den Ausnahmezustand. Dieser Schritt wird mit einer “unmittelbar drohenden Aggression” seitens der NATO begründet, nachdem die Vermittlungsbemühungen im Kosovo-Konflikt gescheitert sind.

NATO-Generalsekretär Javier Solana erteilt den Befehl zum Luftangriff auf Jugoslawien, da es “keine Alternative mehr zum Militäreinsatz” gebe.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) überreicht dem bisherigen Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Jochen Dieckmann, die Ernennungsurkunde als neuer Justizminister. Der 51-Jährige ist in dieser Legislaturperiode nach Fritz Behrens, Reinhard Rauball und Interimsminister Clement bereits der vierte NRW-Justizminister.

Der in Deutschland zu vierjähriger Haft verurteilte US-Nazi Gary Lauck wird in die USA abgeschoben. Lauck war 1996 u.a. wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhaß verurteilt worden.

24.3.1999, Mittwoch

Die britischen Lordrichter entscheiden mit sechs zu eins Stimmen erneut gegen den chilenischen Ex-Diktator Augusto Pinochet, schränken die mögliche Anklage gegen ihn aber wesentlich ein. Pinochet kann auch als ehemaliger Staatschef keinen Schutz vor Strafverfolgung beanspruchen. Allerdings könne er nur für Straftaten seiner Militärjunta nach 1988 in Spanien vor Gericht gestellt werden.

Bei einem Großbrand im Montblanc-Tunnel zwischen Frankreich und Italien kommen mindestens 40 Menschen ums Leben, nachdem ein belgischer Lastwagen in Brand geraten ist.

Nach dem Bundesverfassungsgericht gibt auch das Bundesverwaltungsgericht grünes Licht für die Rechtschreibreforrn. Der 6. Senat hebt ein anderslautendes Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin auf. Die Reform verletze weder die betroffenen Schüler in ihren Grundrechten, noch sei kein spezielles Gesetz zur Einführung der Reform an Schulen notwendig, entscheiden die Richter.

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union nominieren auf ihrem Berliner Sondergipfel den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi als neuen Präsidenten der EU-Kommission.

Die NATO beginnt in den Abendstunden mit den ersten Luftangriffen auf Jugoslawien. Unter den Kampfflugzeugen sind auch vier Tornados der Bundeswehr. Ziel dieser von etwa 100 Marschflugkörpern unterstützten ersten Angriffsphase ist die Bekämpfung jugoslawischer Luftabwehr, Flughäfen, Radaranlagen, Befehlszentren, Fernmeldeeinrichtungen, Kasernen sowie Waffen- und Munitionslager. Knapp drei Stunden nach ihrem Start kehren die ersten Maschinen unversehrt zu ihrer Ausgangsbasis in Norditalien zurück. Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind damit auch deutsche Soldaten an Kampfhandlungen beteiligt.

25.3.1999, Donnerstag

Der als “Kalif von Köln” bekannte türkische Nationalist Metin Kaplan wird verhaftet und zum Bundesgerichtshof gebracht. Der Generalbundesanwalt verdächtigt den 46-Jährigen der Rädelsführerschaft in einer terroristischen Vereinigung. Nach Bekanntwerden der Festnahme kommt es im Kölner Stadtteil Nippes zu gewalttätigen Demonstrationen. Dabei werden mehrere Polizisten verletzt.

Rechtsextremisten haben in Deutschland weiter Zulauf. Das geht aus dem in Bonn vorgestellten Verfassungsschutzbericht 1998 hervor. Danach stieg die Zahl der Mitglieder in rechtsextremistischen Organisationen sowie nichtorganisierter Rechtsextremisten im Vergleich zu 1997 um 11% auf 53 600.

Am Abend wird mit etwa 20 von Schiffen in der Adria abgefeuerten Marschflugkörpern die zweite Angriffswelle eingeleitet. Ihnen folgen NATO-Jets sowie erneut zwei B2-Tarnkappenbomber. Mehr als ein Dutzend vorwiegend militärische Ziele werden angegriffen, darunter der Belgrader Militärflughafen. Nach einer ersten NATO-Bilanz wurden nach zwei Nächten und Tagen bei 400 Einsätzen 50 Militärziele getroffen.

26.3.1999, Freitag

Der als “Dr. Death” bekannte 70 Jahre alte US-Arzt und Sterbehelfer Jack Kevorkian wird von einem Geschworenengericht im Bundesstaat Michigan des Totschlags für schuldig befunden.

Am Nachmittag greifen NATO-Kampfjets erneut das Luftabwehrsystem Jugoslawiens und andere militärische Einrichtungen an. Insgesamt werden 249 Einsätze registriert. Zwei der in den bosnischen Luftraum eingedrungene MIG-29-Kampfflugzeuge der Jugoslawen werden abgeschossen.

Die EU-Staats- und Regierungschefs verabschieden nach rd. 20stündigen Verhandlungen das Reformpaket “Agenda 2000” und legen damit ist die Grundlage für die ab etwa 2002 geplante Erweiterung der EU.

27.3.1999, Samstag

Im Rahmen der NATO-Angriffe auf Jugoslawien büßen die Amerikaner bei Budjanovci etwa 40 km westlich von Belgrad einen Tarnkappenbomber F 117-A ein. Nach jugoslawischen Angaben wurde der Jet abgeschossen. Der Pilot kann in der darauffolgenden Nacht von einer US-Spezialeinheit gerettet.

Der französische Autokonzern Renault wird größter Anteilseigner beim angeschlagenen Automobilbauer Nissan Motor. Dadurch entsteht zugleich der viertgrößte Autohersteller der Welt. Renault übernimmt einen Anteil von 36,8% bei Nissan sowie 22,5% an Nissans Lkw-Tochter Nissan Diesel.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wahrt ihre Chancen für die Teilnahme an der Europameisterschaft 2000. In einem Qualifikationsspiel besiegte die Mannschaft von Teamchef Ribbeck Nordirland mit 3:0.

28.3.1999, Sonntag

In Paraguay tritt Staatspräsident Raul Cubas nach tagelangen schweren Unruhen zurück. Gegen ihn läuft ein Amtsenthebungsverfahren. Das Parlament macht Cubas und dessen politischen Ziehvater und ehemaligen Heereschef Lino Oviedo für den Mord an Vizepräsident Luis Maria Argaña am 23. März mitverantwortlich. Oviedo floh mit seiner Familie nach Argentinien. In Asunción feierten mehr als 150 000 Menschen den Rücktritt von Cubas. Senatspräsident Luis González Macchi als neues Staatsoberhaupt vereidigt.

Mit heftigen Luftangriffen wird die sog. Phase zwei des NATO-Angriffsplans fortgesetzt, um das Vorgehen der Militärs gegen die albanische Bevölkerung zu stoppen. Nach den Worten von Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) sprechen alle Anzeichen dafür, dass im Kosovo ein “Völkermord” begonnen habe.

In Deutschland gilt wieder die Sommerzeit. Um zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit wurden die Uhren um eine Stunde auf drei Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit vorgestellt. Auch in den übrigen Mitgliedsländern der EU und den anderen Nachbarstaaten Deutschlands begann die Sommerzeit. Sie endet am 31. Oktober.

29.3.1999, Montag

In Nordindien kommen bei einem Erdbeben der Stärke 6,8 auf der Richterskala mehr als 100 Menschen ums Leben.

Eine im November 1998 angekündigte Fusion des Viag-Konzerns mit der Schweizer Algroup (Alusuisse-Lonza) wird aufgegeben.

Der älteste Deutsche ist tot. Knapp acht Wochen nach seinen 110. Geburtstag stirbt Wilhelm Schorner.

30.3.1999, Dienstag

Der Tabakkonzern Philip Morris wird von einem Gericht im US-Staat Oregon verurteilt, eine Rekordsumme von 81 Mio. US-Dollar an die Hinterbliebenen eines Rauchers zu zahlen. Der Mann war an Lungenkrebs gestorben, nachdem er über vier Jahrzehnte lang täglich drei Päckchen Zigaretten der Marke Marlboro geraucht hatte. Erst am 11. Februar war Philip Morris in einem anderen Fall zu 51,5 Mio. US-Dollar Schadenersatz verurteilt worden.

Eine fast einwöchige Staatskrise in Paraguay endet mit der Flucht der beiden Hauptakteure ins Exil. Ex-Präsident Raul Cubas landet in einem Flugzeug der brasilianischen Luftwaffe in Brasilien. Schon am Vortag hatte Argentinien dem ehemaligen Heereschef Lino Oviedo politisches Asyl gewährt. Beide werden in ihrer Heimat für den Mord an Vizepräsident Luis Maria Argaña am 23. März verantwortlich gemacht.

Die NATO lehnt einen Verhandlungsvorschlag des russischen Ministerpräsidenten Jewgeni Primakow zur Beendigung der Luftangriffe auf Jugoslawien ab. Primakow hatte in Belgrad mit dem jugoslawischen Präsidenten Slobodan Miloševic über Wege aus der Krise beraten und anschließend Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Bonn unterrichtet. Milosevic wollte neuen Verhandlungen erst nach einem Stopp der NATO-Luftangriffe zustimmen. Schröder sah darin keine Basis für eine politische Lösung.

Funktionäre der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK haben in Deutschland keinen Asylanspruch. Dagegen büßen PKK-Sympathisanten ihren Abschiebeschutz derzeit nicht ein, wenn sie nur an verbotenen Demonstrationen teilgenommen oder regelmäßig Geld für die Partei gespendet haben. Dies geht aus Grundsatzurteilen des Bundesverwaltungsgerichts hervor.

31.3.1999, Mittwoch

Im Grenzgebiet zwischen dem Kosovo und Mazedonien geraten drei US-Soldaten in die Gewalt der jugoslawischen Armee. Sie waren als Angehörige der UN-Grenzsicherungsmission (Unpredep) nach NATO-Angaben in einem gepanzerten Geländewagen auf Patrouille und befanden sich eindeutig auf mazedonischem Boden, als sie in einen Hinterhalt gerieten. Sie konnten noch einen Notruf funken. Nach Darstellung im serbischen Staatsfernsehen sollen sie sich dagegen auf der jugoslawische Grenzseite befunden haben.

Das Landgericht Hamburg untersagt in einer Einstweiligen Verfügung die Veröffentlichung der neuen Arzneimittelrechtlinien im Bundesanzeiger. Die geplante Streichung von 22 Medikamentengruppen aus der Erstattung durch die Krankenkassen tritt damit zunächst nicht in Kraft. Verbraucher können somit eine Reihe von Medikamenten zumindest vorerst weiter auf Krankenkassenkosten bekommen, obwohl sie sie ursprünglich ab 1. April selbst bezahlen sollten.

In einem Qualifikationsspiel zur Fußball- Europameisterschaft 2000 besiegt Deutschland Finnland 2:0. Titelverteidiger Deutschland setzte sich damit erstmals an die Tabellenspitze der Qualifikationsgruppe 3.