Was geschah im März 2000

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1.3.2000, Mittwoch

Jerusalem: Die Friedenspolitik des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak erleidet im Parlament eine schwere Niederlage: Eine Mehrheit von 60 Parlamentariern, darunter auch 27 Vertreter von Baraks Regierungskoalition, billigte einen Gesetzentwurf der Likud-Opposition. Er verschärft erheblich die Anforderungen an ein Friedensreferendum mit Syrien. Künftig soll die Mehrheit aller Stimmberechtigten erforderlich sein und nicht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Im Parlament werden allerdings drei weitere Lesungen benötigt, um das Gesetz zu verabschieden.

Maputo: Die Flutkatastrophe in Mosambik nimmt immer größere Ausmaße an. Nach Angaben von Präsident Joaquim Chissano ist bereits rd. 1 Mio. Menschen obdachlos. Ganze Landstriche haben sich in Wasserwüsten verwandelt.

Köln: Auf dem Privatsender RTL II startet die Ausstrahlung der umstrittene Fernseh-Sendung “Big Brother”. Die zehn Kandidaten beziehen das 153 Quadratmeter große, von der Außenwelt abgeschlossene Haus. Darin müssen sie 100 Tage zubringen und werden in allen Lebenslagen rund um die Uhr von Kameras beobachtet. Wer das Haus nach einem Zuschauervotum als letzter verlassen darf, erhält 250 000 DM.

2.3.2000, Donnerstag

London: Nach 16 Monaten Hausarrest in Großbritannien kann der 84-Jährige Ex-Diktator Augusto Pinochet in seine Heimat zurückkehren. Wegen seines angeblich schlechten Gesundheitszustands hatte der britische Innenminister Jack Straw eine Auslieferung an Spanien abgelehnt, wo ihm wegen Folter und anderer Verbrechen während seiner Militärherrschaft (1973-1990) der Prozess gemacht werden sollte.

Washington: Bei der ersten Probeabstimmung für den neuen Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds erreicht der deutsche Kandidat Caio Koch-Weser zwar die meisten Stimmen, aber nicht die absolute Mehrheit. Für das Amt hatten auch der kommissarische IWF-Direktor Stanley Fischer aus den USA und der Japaner Eisuke Sakakibara kandidiert.

Wien: Begleitet von massiven Protesten gegen die Regierungsbeteiligung der rechtspopulistischen FPÖ und in in Abwesenheit ausländischer Prominenz feiert die Wiener High Society den Opernball.

Auckland: Die neuseeländische Yacht “Black Magic” verteidigt den America’s Cup gegen den italienischen Herausforderer “Prada Challenge”. Mit 5:0 gewinnt das Team New Zealand wie 1995 ohne eine Niederlage die begehrte Trophäe.

3.3.2000, Freitag

Wiesbaden: Die Gültigkeit der letzten Landtagswahl in Hessen im Februar 1999 wird wegen der Finanzaffäre der CDU erneut überprüft. Dies beschließt das hessische Wahlprüfungsgericht. Das fünfköpfige Gremium hatte sich mit der Frage befasst, ob das Wahlergebnis durch die sog. schwarzen Konten der Hessen-CDU beeinflusst sein könnte.

Den Haag: Das UNO-Kriegsverbrechertribunal verurteilt den kroatischen General Tihomir Blaskic wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen im Bosnienkonflikt zu 45 Jahren Haft. Das Gericht macht den Befehlshaber bosnisch-kroatischer Streitkräfte für die Vertreibung und Ermordung von unbewaffneten muslimischen Zivilisten verantwortlich. Als eines der schlimmsten Verbrechen unter Blaskics Befehlsgewalt nannte die Anklage ein Massaker von 116 muslimischen Zivilisten in dem Dorf Ahmici im Jahr 1993.

4.3.2000, Samstag

Rotenburg an der Fulda: Die hessischen Liberalen stellen sich mit knapper Mehrheit hinter CDU-Ministerpräsident Roland Koch. Auf einem Sonderparteitag entscheiden sich 184 der 300 Delegierten für eine Fortsetzung der Regierungskoalition in Wiesbaden. Vergeblich hatte der FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Gerhardt für ein Ende der Koalition mit Koch plädiert.

Beira: Die ersten drei von insgesamt sieben Hubschraubern des Bundesgrenzschutzes und der Bundeswehr treffen im Hochwassergebiet in Mosambik ein. Ihre Aufgabe ist die Versorgung und Rettung von Hochwasseropfern am Save-Fluss.

Stuttgart: Bei der 0:2-Niederlage des FC Bayern München beim VfB Stuttgart verabschiedet sich Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus aus der Fußball-Bundesliga. Seit 1979 bestritt er 464 Punktspiele und schoss 121 Tore.

5.3.2000, Sonntag

Berlin: Grünen-Vorstandssprecherin Gunda Röstel kündigt an, bei der nächsten Wahl zum Bundesvorstand weder als Sprecherin noch für eine andere Position zu kandidieren. Ihre Sprecherkollegin Antje Radcke will hingegen erneut antreten. Als mögliche Kandidaten gelten auch Renate Künast, die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, sowie der Fraktionsvorsitzende im baden-württembergischen Landtag, Fritz Kuhn.

Hamburg: Nach seinem schlechten Ergebnis bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein erklärt der frühere Bundesverteidigungsminister Volker Rühe in einem Zeitungsinterview, er stehe als Kandidat für den CDU-Parteivorsitz “definitiv nicht zur Verfügung”.

Jerusalem: Das israelische Kabinett beschließt einstimmig, die eigenen Truppen bis Juli 2000 aus der “Sicherheitszone” im Südlibanon abzuziehen. Damit würde die 18 Jahre dauernde Besetzung beendet. Der Rückzug soll notfalls auch ohne vorheriges Friedensabkommen mit Libanon und Syrien vollzogen werden.

Peking: Mit einer Kampfansage an die im Staatsapparat weit verbreitete Korruption eröffnet Chinas Ministerpräsident Zhu Rongji die zehntägige Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses. Zhu fordert harte Strafen für die Verantwortlichen. Kurz zuvor war der Vizepräsident des Volkskongresses, Cheng Kejie, wegen Korruptionsverdachtes seines Amtes enthoben worden. China wird seine Militärausgaben im Jahr 2000 um 12,7% auf umgerechnet rd. 29 Mrd. DM erhöhen.

Lahti: Der deutsche Skispringer Martin Schmitt gewinnt zum zweiten Mal hintereinander den Weltcup. Der Schwarzwälder erreicht in Finnland seinen elften Saisonerfolg und ist bei drei noch ausstehenden Springen nicht mehr einzuholen.

Nagano: Bei den Einzelstrecken-Weltmeisterschaften der Eisschnellläufer in Japan Nagano gewinnt im Rennen über 1500 m Claudia Pechstein (Berlin) vor ihrer Mannschaftskameradin Anni Friesinger (Inzell) die insgesamt fünfte Goldmedaille für die deutsche Mannschaft.

6.3.2000, Montag

Berlin: Die CDU reicht beim Verwaltungsgericht Klage gegen die von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) verhängte Rückforderung in Höhe von 41 Mio. DM Staatszuschüsse ein. Mit der Klage ist die Zahlung zunächst ausgesetzt.

Teheran: Bundesaußenminister Joschka Fischer ruft zum Auftakt seines Iran-Besuchs dazu auf, die seit Jahren durch das sog. Mykonos-Urteil und den Fall Hofer schwer belasteten Beziehungen zwischen beiden Ländern zu verbessern. Mit Fischer besucht erstmals seit neun Jahren ein deutscher Außenminister den Iran.

Belgrad: Die serbische Regierung erhöht den Druck auf den regimekritischen Belgrader Fernsehsender Studio B. Nach einer Entscheidung des Ministeriums für Fernmeldewesen muss der Sender binnen acht Tagen umgerechnet über 2 Mio. DM als Gebühr für die Nutzung staatlicher Frequenzen zahlen. Zuvor hatten Unbekannte die Sendeanlage überfallen, einen Wachmann und einen Techniker verletzt und den Sendebetrieb zeitweise unterbrochen.

7.3.2000, Dienstag

Berlin: Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) kündigt an, er wolle der EU den Präsidenten der Osteuropabank in London, Horst Köhler, als neuen Bewerber für den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) vorschlagen. Köhler soll anstelle von Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser kandidieren. Er hatte auf die Bewerbung angesichts der Ablehnung der USA verzichtet.

Washington: Bei den Vorwahlen in den USA fällt am “Superdienstag” die Vorentscheidung zugunsten von Vizepräsident Al Gore bei den Demokraten und des texanischen Governeurs George W. Bush jr. bei den Republikanern. Die beiden Spitzenreiter gewinnen die Vorwahlen in den großen Bundesstaaten Kalifornien, New York und Ohio sowie in einer Reihe kleinerer US-Staaten. Damit steht so gut wie fest, dass Gore und Bush am 7. November die Wahlen um die Nachfolge von US-Präsident Bill Clinton bestreiten werden.

8.3.2000, Mittwoch

Passau: Die politischen Skandale der vergangenen Wochen prägen den traditionellen Politischen Aschermittwoch in Bayern. Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber kündigt an, die Union werde sich wieder stärker in die Politik der Bundesregierung einmischen. Die ruhigen Zeiten für Bundeskanzler Gerhard Schröder gingen zu Ende. Seine fast dreistündige Rede endet mit der Botschaft: “Nach dem Aschermittwoch ziehen wir das Büßerhemd aus und den Kampfanzug wieder an.”

Brcko: Die strategisch wichtige Stadt im Nordosten Bosniens wird zum neutralen Bezirk erklärt. Der internationale Verwalter für Brcko, Robert Farrand, übergibt die Verwaltung an Vertreter der Serben, Muslime und Kroaten. Auch US-Außenministerin Madeleine Albright nimmt an der Zeremonie teil. Ein endgültiger Schiedsspruch über das unter den ethnischen Gruppen umstrittene Gebiet war mehrfach verschoben worden. Zuletzt stand Brcko unter internationaler Verwaltung.

München: Für Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, der zu den New York Metro Stars wechselt, ist das 4:1 des FC Bayern München gegen Real Madrid das letzte Pflichtspiel für die Bayern. Matthäus verlässt kurz vor Schluss unter dem tosenden Applaus der 59 000 Zuschauer den Platz. Bayern ist mit diesem Ergebnis vorzeitig für das Viertelfinale der Champions League qualifiziert.

9.3.2000, Donnerstag

Frankfurt am Main: Die Deutsche Bank und die Dresdner Bank streben ihren Zusammenschluss zum 1. Juli 2000 an. Die beiden Geldinstitute wollen ihre Geschäftsaktivitäten unter dem Namen Deutsche Bank AG – Die Beraterbank zusammenführen. Der neue Konzern wird mit einer Bilanzsumme von 2,5 Bio. DM zur größten Bank der Welt. 16 000 der weltweit 140 000 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden; 800 von 2500 Filialen sollen geschlossen und das Massenkundengeschäft für nicht vermögende Privatkunden und kleine Firmenkunden soll in der Bank 24 gebündelt werden, an der die Allianz Versicherung eine maßgebliche Beteiligung übernimmt.

Berlin: Altbundeskanzler Helmut Kohl will in Kürze 6,3 Mio. DM an die CDU überweisen, um den von ihm verursachten Schaden für die Partei wieder gut zu machen. Größter Einzelspender ist der Münchner Medienmogul Leo Kirch mit 1 Mio. DM; 700 000 Mark stammen aus Kohls Privatvermögen. Zu den weiteren Spendern gehören u.a. Prominente wie Michael Holm, Uschi Glas, Dieter Thomas Heck und Heiner Lauterbach. Die SPD wirft Kohl vor, er wolle sich mit Geld vom Gesetzesbruch freikaufen. Vorbehalte gibt es aber auch in seiner eigenen Partei.

Berlin: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Christa Nickels (Grüne) legt den Suchtbericht 1999 vor. An den Folgen des Konsums von Heroin, Kokain und anderer harter Rauschmittel starben 1812 Menschen. Das waren 138 Tote mehr als im Jahr zuvor, was einer Steigerung um 8,2 Prozent entspricht.

Marl: Einer der renommierten Adolf-Grimme-Fernsehpreise geht erstmals in seiner Geschichte an zwei Fußball-Moderatoren: Ex-Nationalspieler Günter Netzer und ARD-Journalist Gerhard Delling werden damit für ihre Kommentare und Analysen von Fußball-Länderspielen ausgezeichnet. Die insgesamt 14 Preise sind undotiert. Die Preisverleihung erfolgt am 17. März in Marl.

10.3.2000, Freitag

Wiesbaden: Wegen persönlicher Verstrickung in den Finanzskandal seiner Partei wird der hessische CDU-Generalsekretär Herbert Müller entlassen. Er soll dem Vernehmen nach im Dezember 1999 insgesamt 50 000 DM aus unklaren Quellen falsch deklariert und in das offizielle Rechenwerk der Partei eingeschleust haben.

München: Als bislang einziges Bundesland führt Bayern bei der Einbürgerung von Ausländern neben einem mündlichen auch einen schriftlichen Sprachtest ein.

Berlin: Die Museumsinsel in der deutschen Hauptstadt ist offiziell in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen worden. Publikumsmagnet ist das Pergamon-Museum mit dem gleichnamigen Altar.

11.3.2000, Samstag

Bochum: SPD-Generalsekretär Franz Müntefehring wird für weitere zwei Jahre in seinem Amt als Vorsitzender der nordrhein-westfälischen SPD bestätigt. Er erhält bei der Wiederwahl auf dem Landesparteitag 285 von 286 Stimmen.

St. Petersburg: Beim ersten Treffen mit einem westlichen Regierungschef seit seiner Amtsübernahme sagt Russlands Präsident Wladimir Putin eine Überprüfung der Menschenrechtslage in Tschetschenien zu. Russland sei in dieser Frage zur Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen bereit, sagt Putin nach einer Unterredung mit dem britischen Premierminister Tony Blair.

Krasnodon: Bei einer schweren Grubenexplosion im Barakowa-Bergwerk im ostukrainischen Kohlerevier Donbass werden 81 Arbeiter getötet. Das Unglück in 664 m Tiefe war durch einen defekten Schneidbrenner ausgelöst worden. Die Grubenexplosion war die schwerste im Land seit 20 Jahren.

12.3.2000, Sonntag

Rom: Als erster Papst der Kirchengeschichte legt Johannes Paul II. ein umfassendes Schuldbekenntnis (“Mea Culpa”) zu den Sünden der Kirche ab. Im Petersdom beklagt er die Verantwortung von Christen für Kirchenspaltungen und die Anwendung von Gewalt bei der Verkündigung des Evangeliums.

Madrid: Bei den Parlamentswahlen in Spanien gewinnt Ministerpräsident José María Aznar mit seiner konservativen Volkspartei (PP) mit einem Stimmenanteil von 44,5% 183 (1996: 156) der insgesamt 350 Sitze und damit die absolute Mehrheit. Die Sozialisten (PSOE) erzielen mit 34,1% ihr schlechtestes Ergebnis seit 20 Jahren und sind nur noch mit 125 (141) Abgeordneten im Parlament vertreten.

San Salvador: In EL Salvador gewinnt die 1992 in eine politische Partei umgewandelte linksgerichtete frühere Guerillabewegung FMLN die Parlaments- und Bürgermeisterwahlen. Sie erhält im neuen Kongress 31 von 84 Sitzen. Die rechtsgerichtete Regierungspartei ARENA erhält lediglich 29 Mandate.

Nowogrosnenski: In einem Dorf rd. 50 km östlich von Grosny nehmen russische Truppen mit Salman Radujew einer der meistgesuchten Anführer der tschetschenischen Rebellen gefangen. Radujew werden Geiselnahmen, Bombenanschläge und ein Attentatsversuch auf den georgischen Präsidenten Eduard Schewardnadse angelastet.

Pozega: Die serbische Polizei legt gewaltsam den von Oppositionsparteien verwalteten regimekritischen Rundfunk- und Fernsehsender in der 110 km südlich von Belgrad gelegenen Stadt lahm. Auch in anderen Städten werden unabhängige Sender mundtot gemacht.

Melbourne: Ferrari-Pilot Michael Schumacher gewinnt den Großen Preis von Australien, das Auftaktrennen der Formel-1-Saison 2000. Seine schärfsten Konkurrenten Mika Häkkinen und David Coulthard (beide McLaren-Mercedes) scheiden wegen technischer Probleme aus.

13.3.2000, Montag

Frankfurt am Main: Mit einem Kurssprung wird die Aktie der Siemens-Tochter Infineon erstmals an der Börse gehandelt. Das Papier des Chipherstellers notiert nach Börseneröffnung bei 70,20 Euro. Der Ausgabepreis hatte 35 Euro betragen. Auf Kritik stößt die Zuteilung der 174 Mio. Aktien: Wegen der 33-fachen Überzeichnung waren die meisten Kleinanleger leer ausgegangen.

Hanoi: Erstmals seit dem Ende des Vietnam-Krieges 1975 trifft mit William Cohen ein US-Verteidigungsminister zu einem Besuch in dem asiatischen Land ein. Thema seiner Gespräche mit seinem Kollegen General Pham Van Tra ist u.a. das Schicksal der noch etwa 2000 in Vietnam vermissten US-Soldaten. Im Vietnamkrieg starben etwa 58 000 US-Soldaten und etwa 3 Mio. Vietnamesen.

Turin: Durch eine Allianz zwischen General Motors (GM) aus den USA und der italienischen Fiat entsteht durch eine Überkreuzbeteiligung ein neuer Auto-Gigant. GM, schon bisher Weltmarktführer, steigt mit zunächst 20% der Anteile bei Fiat ein und gibt dem italienischen Partner im Gegenzug GM-Aktien im Wert von 2,4 Mrd. US-Dollar. Fiat wird dann künftig zu 5,1% an GM beteiligt sein. Für die übrigen 80% an Fiat hat General Motors ein Vorkaufsrecht.

14.3.2000, Dienstag

Karlsruhe: Die unterschiedlichen Renten für west- und ostdeutsche Kriegsversehrte sind nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts verfassungswidrig. Die Grundrenten für die 60 000 Kriegsopfer aus der früheren DDR müssen somit rückwirkend zum 1. Januar 1999 um 13% auf Westniveau angehoben werden. Der jährliche Mehraufwand für die Bundeskasse wird mit 40 Mio DM veranschlagt.

Austin: US-Vizepräsident Al Gore und der republikanische Gouverneur George W. Bush sichern sich endgültig ihre Kandidaturen für die Präsidentenwahl am 7. November. Bei den Vorwahlen in sechs südlichen Bundesstaaten erreichen sie die notwendige Zahl der Delegiertenstimmen. Ihre innerparteilichen Rivalen, Bill Bradley und John McCain, waren bereits nach deutlichen Niederlagen in 16 Bundesstaaten am ersten “Superdienstag” eine Woche zuvor aus dem Wahlkampf ausgestiegen.

15.3.2000, Mittwoch

Jerusalem: Israel und die Palästinenser einigen sich nach langem Streit auf einen Truppenabzug aus weiteren 6,1% des Westjordanlandes. Der Abzugsplan betrifft zwei Dörfer nahe Jerusalem und Gebiete rund um Hebron.

Straßburg: Nach vierjährigem Tauziehen vollzieht das Europaparlament die Abkehr vom 1973 festgelegten Reinheitsgebot für Schokolade. Künftig darf in der EU Schokolade außer Kakaobutter auch tropische Fremdfette wie Palmöl enthalten. Der Anteil dieser Pflanzenfette soll höchstens 5% des Gesamtgewichts der Schokolade ausmachen. In den Benelux-Ländern, Deutschland, Italien und Frankreich wird Schokolade bis dahin nur mit der hochwertigen und teureren Kakaobutter hergestellt.

Paris: Die im sog. Pariser Club vereinten Gläubigerländer gewähren dem von einer Hochwasser-Katastrophe heimgesuchten südafrikanischen Land Mosambik eine Stundung aller seiner Schuldenzahlungen. Diese Entscheidung soll bis zu einer endgültigen Regelung über einen Schulden-Erlass für die ärmsten Länder der Welt gelten. Bei den Überschwemmungen in Mosambik durch heftige Regenfälle im Februar starben nach offiziellen Angaben bisher mindestens 500 Menschen.

Kosovska Mitrovica: In der zwischen beiden Volksgruppen geteilten Stadt im Norden des Kosovo kommt es zu neuen Zusammenstößen zwischen serbischen Bewohnern und der Schutztruppe KFOR. Mehrere hundert Serben protestieren gegen die Schaffung einer “Sicherheitszone” im Norden der Stadt. Bei Auseinandersetzungen mit französischen KFOR- Soldaten, welche die Zone zuvor abgeriegelt hatten, werden mindestens 15 Serben verletzt.

16.3.2000, Donnerstag

Berlin: Der frühere CDU-Finanzberater Horst Weyrauch verweigert vor dem Spenden-Untersuchungsausschuss des Bundestages die Aussage. Der Ausschuss lädt ihn für den 23. März erneut vor. Die Hintergründe des früheren sog. Anderkonten-Systems der CDU bleiben somit weiter im Dunkeln. Nach Angaben der CDU bleibt die Herkunft von 9,4 Mio. DM, die zwischen 1989 und 1992 in das Rechenwerk der Partei geflossen sind, weiterhin unklar.

München: Nach erheblichen Verlusten trennt sich der BMW-Konzern von seiner britischen Tochter Rover. Der Aufsichtsrat stimmt dem Verkauf der Marken Rover und MG an den britischen Finanzinvestor Alchemy Partners zu. Das Engagement bei Rover hat dem deutschen Automobilhersteller nach eigenen Angaben allein im Jahr 1999 einen Verlust von 2,4 Mrd. DM eingebracht. Die britische Regierung zeigt sich über den Entschluss verärgert.

Brannenburg: In einem Internat in Oberbayern schießt ein 16-Jähriger Schüler dem Heimleiter in den Kopf und richtet anschließend die Waffe gegen sich selbst. Schwer verletzt liegen beide auf der Intensivstation. Der Schüler war einen Tag zuvor nach positivem Drogentest von der Schule verwiesen worden.

Frankfurt am Main: Die Europäische Zentralbank hebt wegen wachsender Inflationsrisiken aufgrund der anhaltenden Euro-Schwäche zum zweiten Mal innerhalb von sechs Wochen die Zinsen an. Sie beschließt, den Geldmarktzins von 3,25 auf 3,5% anzuheben.

17.3.2000, Freitag

Berlin: Eine Kommission unter Leitung von Altbundespräsident Roman Herzog empfiehlt der CDU als Konsequenz aus der Spendenaffäre eine umfassende Reform ihres Finanzwesens. So sollen u.a. die Höhe der Barspenden begrenzt und Konten nur noch im Inland geführt werden. Am selben Tag erhebt die Staatsanwaltschaft Augsburg, deren Ermittlungen die Affäre ins Rollen gebracht hatten, Anklage gegen den früheren CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep und den Waffenhändler Karlheinz Schreiber. Es geht um millionenschwere Schmiergeldgeschäfte im Zusammenhang mit Rüstungslieferungen ins Ausland.

Berlin: In einer Feierstunde würdigt der Bundestag die ersten freien Wahlen zur DDR-Volkskammer zehn Jahre zuvor. Erstmals seit Bekanntwerden der CDU-Parteispendenaffäre und damit nach viermonatiger Abwesenheit nimmt auch Altbundeskanzler Helmut Kohl wieder an einer Parlamentssitzung teil.

Bonn: Britisches Rindfleisch kann wieder in Deutschland verkauft werden. Der Bundesrat stimmt mit 39 gegen 30 Stimmen einer Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums zu, das seit 1996 bestehende Importverbot wieder aufzuheben. Deutschland folgt damit EU-Recht. Zum Schutz der Verbraucher vor möglichen Risiken wegen der Übertragbarkeit der Rinderkrankheit BSE soll das britische Rindfleisch mit einem sechseckigen Aufdruck “XEL” oder der Aufschrift “Britisches XEL-Rindfleisch” gekennzeichnet werden.

Washington: Die USA wollen die seit 1995 bestehenden Wirtschaftssanktionen gegen den Iran lockern. Außenministerin Madeleine Albright kündigt an, Produkte wie Teppiche und Nahrungsmittel dürften künftig wieder eingeführt werden. Mit dieser Geste reagierte die US-Regierung auf den Sieg der Reformer bei den iranischen Parlamentswahlen.

Oslo: Der neue norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg stellt sein Kabinett vor. Ihm gehören acht Frauen und elf Männer an. Der 41-Jährige Sozialdemokrat Stoltenberg löst den Christdemokraten Kjell Magne Bondevik ab. Er war am 9. März mit seiner Mitte-Links-Regierung nach einer Abstimmungsniederlage im Parlament zurückgetreten.

Kanungu: Beim größten Massensuizid einer Sekte nach 1978 haben sich im Südwesten von Uganda bis zu 535 Menschen im religiösen Wahn verbrannt. Die Anhänger der “Bewegung für die Wiedereinsetzung der Zehn Gebote Gottes” hatten sich in einer Kirche versammelt und angezündet. Die Polizei entdeckt in den folgenden zwei Wochen mehrere Massengräber mit insgesamt rund 400 Leichen vermutlich ermordeter Angehöriger der Sekte. Der Sektengründer und selbst ernannte “Prophet” Joseph Kibweteere soll die Verbrennung gegen den Willen der meisten seiner Anhänger initiiert haben.

München: Nach der verlustreichen Tochter Rover verkauft BMW jetzt auch die erfolgreiche Sparte Land Rover. Der US-Konzern Ford will dafür rd. 6 Mrd. DM zahlen.

18.3.2000, Samstag

Bielefeld: Ottmar Schreiner ist neuer Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD (AFA). Der ehemalige Bundesgeschäftsführer der Partei setzte sich deutlich gegen den Parlamentarischen Staatssekretär im Arbeitsministerium, Gerd Andres, durch. Der 54-Jährige Schreiner ist Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden Rudolf Dressler, der im Sommer als Botschafter nach Israel geht.

Taipeh: Ungeachtet des Säbelrasselns aus Peking wird Chen Shui-bian zum neuen Präsidenten von Taiwan gewählt. Der Angehörige der oppositionellen Demokratischen Fortschrittspartei (UPP) erreicht 39,3% der Stimmen. Mit seinem Wahlsieg stellt die seit 1949 regierende Kuomintang-Partei (KMT) erstmals nicht mehr den Präsidenten. Chen ruft zu Dialog und mehr Kontakten mit China auf, lehnt aber Pekings Konzept “ein Land, zwei Systeme” für eine Wiedervereinigung wie mit Hongkong und Macao ausdrücklich ab.

San Remo: Telekom-Profi Erik Zabel gewinnt zum dritten Mal in seiner Karriere nach 1997 und 1998 das klassische Rad-Rennen Mailand – San Remo.

19.3.2000, Sonntag

Karlsruhe: Zum Abschluss ihres dreitägigen Parteitages beschließen Bündnis 90/Die Grünen nach dem Scheitern der Strukturreform lediglich eine abgespeckte Reform ihrer Parteistruktur. Der Bundesvorstand hat künftig sechs statt fünf Mitglieder, der Parteirat wird von bisher 30 auf 16 Mitglieder verkleinert. Die von der Parteispitze geplante Lockerung der Trennung von Amt und Mandat fand nicht die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit. Anstelle des bisher verlangten sofortigen Ausstiegs aus der Atomenergie fordern die Delegierten nun eine Begrenzung der Gesamtlaufzeit der Atomkraftwerke auf 30 Jahre.

Dakar: Der liberale Politiker Abdoulaye Wade wird neuer Staatschef des westafrikanischen Staates Senegal. Der 73-Jährige Liberale setzt sich bei den Präsidentenwahlen in einer Stichwahl mit 58,49% der Stirnmen gegen den Sozialisten Abdou Diouf durch, der 41,51% erreicht. Diouf war seit 1981 im Amt.

Neu Delhi: US-Präsident Bill Clinton trifft zum Auftakt seiner Südasienreise in Indien ein. Es ist der erste Besuch eines US-Präsidenten in der Region seit 22 Jahren. Clinton will vor allem für ein Ende des atomaren Wettrüstens zwischen Indien und Pakistan werben. Außer nach Indien reist Clinten auch zu Kurzbesuchen nach Bangladesch und Pakistan.

Hannover: EU-Kommissionspräsident Romano Prodi und Bundeswirtschaftsminister Werner Müller eröffnen die Hannover Messe. Auf der weltgrößten Industrieschau zeigen 7250 Aussteller aus 65 Ländern Hochtechnologie von Robotern und anderen vollautomatisierten Maschinen über moderne Förderanlagen bis hin zu alternativen Energietechnologien.

Bormio: Mit Hermann Maier und Renate Götschl sichern sich zwei Österreicher den Gesamtsieg im alpinen Ski-Weltcup.

20.3.2000, Montag

Berlin: Der CDU-Parteivorstand nominiert einstimmig die 45-Jährige bisherige Generalsekretärin Angela Merkel zur Parteivorsitzenden. Gewählt wird die Nachfolgerin von Wolfgang Schäuble auf dem am 9. April in Essen beginnenden Bundesparteitag.

Köln: Das Amtsgericht Köln verurteilt den früheren Kölner Oberstadtdirektor Klaus Heugel (SPD) wegen illegaler Aktiengeschäfte zu 37 500 DM Geldstrafe. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Heugel bei Börsengeschäften durch Insiderwissen einen illegalen Gewinn von 15 000 DM erzielt hatte. Heugel war kurz vor der Kommunalwahl im September 1999 als Oberstadtdirektor und Kandidat für das Oberbürgermeisteramt zuruckgetreten.

Amman: Papst Johannes Paul II. beginnt eine einwöchige Pilgerfahrt durch das Heilige Land. Seine 91. Auslandsreise führt das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche u.a. nach Bethlehem, Nazareth und Jerusalem.

Brüssel: Knapp zehn Monate nach dem Ende des Kosovo-Krieges setzen die EU-Außenminister das Verbot von Flügen von und nach Jugoslawien für zunächst sechs Monate aus.

21.3.2000, Dienstag

Neu Delhi: Die USA und Indien vereinbaren beim Staatsbesuch von US-Präsident Bill Clinton ungeachtet starker Differenzen über die indische Nuklearpolitik eine gemeinsame Erklärung über die Grundsätze der Zusammenarbeit im 21. Jahrhundert. Clinton und Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee vereinbaren u.a. auch eine Zusammenarbeit gegen die Weiterverbreitung nuklearer Waffen. Überschattet wird der insgesamt fünftätige Staatsbesuch von einem Massaker im indischen Teil Kaschmirs. Dort waren 40 Angehörige der religiösen Minderheit der Sikhs von einer bewaffneten Bande ermordet worden.

Jerusalem: Israel beginnt mit dem weiteren Truppenabzug aus dem besetzten Westjordanland. Israelische Offiziere übergeben die Kontrolle über 6,1% des Territoriums an Einheiten der palästinensischen Sicherheitskräfte. Damit erstrecken sich die Autonomiegebiete jetzt über eine Fläche von mehr als 40%.

Taipeh: Das Parlament von Taiwan hebt das seit über 50 Jahren bestehende Handelsverbot mit der Volksrepublik China auf. Direkte Handelsverbindungen sollen umgehend zwischen den Inseln Kinmen, Matsu und Penghu, die unmittelbar vor der chinesischen Küste liegen, und dem chinesischen Festland aufgenommen werden.

Brüssel: Die EU-Kommission billigt die Bildung von Europas größtem Raumfahrtunternehmen Astrium unter Beteiligung der deutschen DASA. Der neue Raumfahrtriese wird etwa 8000 Mitarbeiter haben. An dem Gemeinschaftsunternehmen Astrium ist neben der DaimlerChrysler Aerospace AG (DASA/München) die britisch-französische Matra Marconi Space (MMS/Den Haag) beteiligt. Hinter MMS steht die französische Aerospatiale Matra und die britische Marconi Electronic Systems. Die Billigung von Astrium ebnet den Weg für den geplanten Zusammenschluss von Aerospatiale Matra, CASA und der Dasa zum größten Luft- und Raumfahrtkonzern Europas, der EADS.

Genf: Die Nato gibt erstmals offiziell zu, im Kosovo-Krieg Geschosse mit abgereichertem Uran verwendet zu haben, wodurch die Durchschlagskraft der Geschosse erhöht wird. Nach Angaben von NATO-Generalsekretär George Robertson hätten US-Kampfflugzeuge rd. 31 000 derartiger Geschosse gegen die jugoslawische Armee eingesetzt.

Paris: Mit Lesungen, Ausstellungen, Diskussionen und Festen wird in zahlreichen Ländern der erste “Welttag der Poesie” gefeiert, den die UNO-Kulturorganisation UNESCO ausgerufen hatte.

22.3.2000, Mittwoch

Bad Wildungen: Die chemische Industrie schließt die erste Tarifvereinbarung des Jahres 2000 ab. In Westdeutschland erhalten die Beschäftigten ab 1 Juni 2000 2,2% mehr Lohn. Für das Jahr 2001 wird eine Steigerung von 2,0% beschlossen. Der Vertrag hat eine Laufzeit von 21 Monaten.

Lagos: Bei der Explosion einer Ölpipeline im Südosten Nigerias kommen mindestens 50 Menschen ums Leben. Nach Angaben des staatlichen Fernsehens hatten sie offenbar versucht, aus einer undichten Pipeline Benzin abzuzapfen. Im Oktober 1998 hatte ein ähnliches Unglück in Nigeria mindestens 700 Todesopfer gefordert. Die Polizei meldet die Festnahme von 28 Verdächtigen.

Den Haag: Minister aus 130 Ländern verpflichten sich auf dem Weltwasserforum zur Sicherung der weltweiten Wasservorräte. Jeder Mensch müsse Zugang zu sauberem Wasser zu annehmbaren Kosten haben, heißt es in der Erklärung der Minister, die zum Abschluss der Konferenz verabschiedet wird.

Frankfurt am Main: Die Dresdner Bank bestätigt Pläne, sich im Zuge der geplanten Fusion mit der Deutschen Bank von knapp 4 Mio. Privatkunden zu trennen, die weniger als 200 000 DM angelegt haben. Sie sollen an die Bank 24 verwiesen werden, ebenso wie Geschäftskunden mit einem Jahresumsatz unter 5 Mio. DM. Die Bank 24 soll das Kleinkundengeschäft von Deutscher und Dresdner Bank vereinen.

23.3.2000, Donnerstag

Berlin: Mit Hinweis auf laufende Ermittlungen verweigern der ehemalige CDU-Finanzberater Horst Weyrauch und der frühere CDU-Verwaltungschef Hans Terlinden die Aussage vor dem Untersuchungsausschuss zur CDU-Spendenaffäre. Sie werden deshalb mit einem Ordnungsgeld in Höhe von 1000 DM belegt. Weyrauch schwieg bereits zum zweiten Mal. Der Ausschuss drohte Terlinden für den Fall erneuter Aussageverweigerung am 6. April Beugehaft an. Als einziger aussagebereiter Zeuge belastet Terlindens Vorgänger im Amt, Rüdiger May, Altbundeskanzler Helmut Kohl schwer. Ein Arbeitsverhältnis sei nach einem Streit um die Verbuchung von 800 000 DM unbekannter Herkunft auf Wunsch Kohls aufgelöst worden.

Berlin: Nach nur viermonatiger Amtszeit tritt überraschend die Berliner Kultursenatorin Christa Thoben zurück. Die CDU-Politikerin erklärt zur Begründung, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln seien die Aufgaben nicht zu beherrschen. Zu ihrem Nachfolger wird am 13. April Christoph Stölzl gewählt, zuletzt Feuilleton-Leiter und stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung “Die Welt” und früher Direktor des Deutschen Historischen Museums.

Berlin: In der Frage der Entschädigung für NS-Zwangsarbeiter wird der letzte Streitpunkt, die Verteilung der Summe von 10 Mrd. DM, beigelegt. Noch in diesem Jahr sollen die überlebenden Opfer des NS-Regimes finanzielle Entschädigung bekommen.

Washington: Als erster Deutscher wird der Finanzexperte Horst Köhler zum Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds (IWF) gewählt. Der bisherige Leiter der Osteuropabank wird damit Nachfolger des Franzosen Michel Camdessus, der im Februar 2000 nach 13 Jahren an der Spitze des IWF ausgeschieden war. Seither war der Posten vakant. Der erste Kandidat der EU, der Deutsche Caio Koch-Weser, war am Widerstand der USA gescheitert.

Büdelsdorf: Das französische Telekommunikationsunternehmen France Télécom steigt für umgerechnet 7,53 Mrd. DM bei der norddeutschen Telefongesellschaft MobilCom ein und erhält 28,5% der Aktien. Hauptaktionär bleibt der Gründer und Vorstandsvorsitzende des drittgrößten privaten Telefonanbieters in Deutschland, Gerhard Schmid.

24.3.2000, Freitag

Lissabon: Mit einer Internet- und Bildungsoffensive will die Europäsche Union in den kommenden zehn Jahren die Wirtschaft ankurbeln und mehr Arbeitsplätze schaffen. Das von den 15 Staats- und Regierungschefs auf einem Sondergipfel in der portugiesischen Hauptstadt beschlossene Maßnahmenpaket sieht u.a. vor, Telefonkosten zu senken, alle Schulen in der EU mit Internetanschlüssen auszustatten und für bessere Ausbildung in der Informationstechnik zu sorgen.

Schwerin: Im sog. Gartenschläger-Prozess spricht das Schweriner Landgericht drei ehemalige Angehörige eines Stasi-Sondertrupps aus Mangel an ausreichenden Beweisen vom Vorwurf frei, in der Nacht zum 1. Mai 1976 dem westdeutschen DDR-Regimegegner Michael Gartenschläger aufgelauert und an der innerdeutschen Grenze ermordet zu haben. Gartenschläger hatte versucht, eine Selbstschussanlage abzubauen und war dabei erschossen worden.

Pristina: NATO-Generalsekretär George Robertson fordert ein Jahr nach dem Beginn des Kosovo-Krieges verstärkte Anstrengungen für eine friedliche Zukunft der Krisenprovinz. Bei einem Besuch in der Kosovo-Hauptstadt kündigte er zugleich ein hartes Vorgehen der Friedenstruppe KFOR gegen Extremisten an.

Köln: Ein Spitzengespräch zwischen Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und dem Bahn-Gewerkschaftsvorsitzenden Norbert Hansen bringt eine vorläufige Einigung. Die Bahn bleibt bei ihrem Ziel, bis zum Jahr 2004 eine Ergebnisverbesserung von 8,4 Mrd. DM zu erreichen. Bei der angestrebten Senkung der Personalkosten soll der Personalabbau sozialverträglich erfolgen. Die Details des Sparkonzeptes sollen in den kommenden zwei Monaten verhandelt werden.

25.3.2000, Samstag

München: Der frühere CDU-Vorsitzende und Altbundeskanzler Helmut Kohl räumt in einem Interview ein, auch zwischen 1989 und 1992 Barspenden für seine Partei angenommen zu haben. Bisher hatte Kohl lediglich zugegeben, zwischen 1993 und 1998 Spenden von 2,1 Mio. DM entgegengenommen und nicht deklariert zu haben.

Islamabad: Zum Abschluss seiner Südasien-Reise ruft US-Präsident Bill Clinton bei seinem fünfstündigen Aufenthalt in Pakistan das Land zur Rückkehr zur Demokratie auf. Bei Gesprächen mit Militärmachthaber Pervez Musharraf gab es laut USA-Angaben keine Einigung zu strittigen Punkten wie einem Zeitplan für allgemeine Wahlen, einer Drosselung der Atomrüstung und dem Konflikt mit Indien um Kaschmir.

Los Angeles: Madonna und Sylvester Stallone werden von Kritikern zu den “schlechtesten Schauspielern des Jahrhunderts” gekürt. Am Vorabend der Oscar-Vergabe wird ihnen in Abwesenheit eine “Goldene Himbeere” verliehen.

26.3.2000, Sonntag

Berlin: In Deutschland und vielen anderen Ländern Europas beginnt die Sommerzeit. Um 2 Uhr werden die Uhren auf drei Uhr vorgestellt. Die Sommerzeit endet am 29. Oktober.

Moskau: Übergangspräsident Wladimir Putin wird gleich im ersten Wahlgang zum neuen Präsidenten Russlands gewählt. Er erhält 52,94% der Stimmen. Für seinen schärfsten Widersacher, den Kommunistenchef Gennadi Sjuganow, werden bei der vorgezogenen Präsidentenwahl 29,21% der Stimmen abgegeben. Putins Vorgänger Boris Jelzin war am Silvestertag 1999 vorfristig zurückgetreten.

Jerusalem: Mit einem Besuch der Klagemauer und einem Gebet in der Grabeskirche beendet Papst Johannes Paul II. seine insgesamt siebentägige Pilgerfahrt durch das Heilige Land.

Genf: Ohne eine Verabredung über die Wiederaufnahme der im Januar ausgesetzten Friedensgespräche zwischen Isräl und Syrien endet ein Treffen zwischen US-Präsident Bill Clinton und Syriens Staatschef Hafis el Assad. Syrien will erst an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn Isräl sich zum vollständigen Rückzug von den Golanhöhen verpflichtet.