Was geschah im Mai 1900

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Wetterstationen Mai 1900

1.5.1900, Dienstag

Puerto Rico wird von den USA als Kolonie unter die Verwaltung eines Gouverneurs gestellt.

In den Industrieländern finden die Veranstaltungen anlässlich des 1. Mai, des Demonstrations- und Feiertags der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung, statt.

Das belgische Kabinett unter dem klerikalen Ministerpräsidenten Paul Graf de Smet de Nayer kündigt seinen Rücktritt an für den Fall, dass die Abgeordnetenkammer die am 26. März vom Heeresausschuss – auf Antrag eines Klerikalen – beschlossene Verkürzung der aktiven Dienstzeit von 28 auf 15 Monate annimmt.

Der französische Staatspräsident Emile Loubet eröffnet auf der Pariser Weltausstellung die Abteilung der schönen Künste.

Die Bregenzer internationale Schifffahrts- und Hafenordnung für den Bodensee wird durch mehrere Gesetze ergänzt. Sie betreffen u.a. die Belastung und Untersuchung der auf dem Bodensee verkehrenden Schiffe, die Verhütung von Unfällen in Häfen und auf der Fahrt und die Beförderung gefährlicher Stoffe.

2.5.1900, Mittwoch

Die Zweite Kammer des Großherzogtums Baden in Karlsruhe fordert die Regierung mit 28 gegen 18 Stimmen auf im Bundesrat gegen das umstrittene Sittlichkeitsgesetz (Lex Heinze) zu stimmen.

Bei einer Explosion im Kohlenbergwerk von Schofield im US-Bundesstaat Utah kommen mehr als 200 Menschen ums Leben.

Die Zweite Kammer des Königreichs Württemberg in Stuttgart bewilligt 7 820 000 Mark zur Beschaffung von Fahrbetriebsmaterial für Eisenbahnen. Davon können 1,25 Millionen Mark von den laufenden Einnahmen bestritten werden, der Rest muss durch Anleihen gedeckt werden.

3.5.1900, Donnerstag

Das US-Repräsentantenhaus in Washington beschließt ein Gesetz, nach dem den USA der Schutz des Nicaragua-Kanals übertragen wird.

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. unterrichtet den Vizekönig von Indien, Gilbert John Murray Kynymmond Elliot, Graf von Minto, telegrafisch davon, dass er Befehl gegeben hat, die Ende April in Berliner Finanzkreisen gesammelten 400 000 Mark für das notleidende Indien nach Kalkutta zu senden.

4.5.1900, Freitag

Der österreichische Kaiser Franz Joseph trifft anlässlich der Feier der Großjährigkeitserklärung des deutschen Kronprinzen Wilhelm zu einem dreitägigen Besuch in Berlin ein.

5.5.1900, Samstag

Der russische Zar Nikolaus II. ordnet die Bildung eines russisch-finnländischen Komitees an, das die Zolltarife im russischen Großfürstentum Finnland denen Russlands angleichen soll.

Eine Versammlung von Mitgliedern des Ingenieur-, des Realschulmänner- und des Schulreformvereins sowie des Vereins für lateinloses höheres Schulwesen verabschiedet in Berlin Forderungen zur Schulpolitik. So soll mit dem Abschluss an allen neunklassigen höheren Schulen – Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealschulen – die gleiche Berechtigung zum wissenschaftlichen Studium und zu höheren Laufbahnen verbunden sein. Ferner sollen die höheren Schulen einen “gemeinsamen Unterbau” erhalten, der die ersten drei Klassen umfasst.

In Berlin wird die erste Große Kunstausstellung des neuen Jahrhunderts im Beisein des preußischen Kultusministers Konrad Studt eröffnet. Hier wird die offizielle Kunst des Wilhelminischen Deutschland ausgestellt.

In den bulgarischen Bezirken Schumgard und Resgrad wird nach Bauernunruhen das Standrecht proklamiert. Die Bauern wehren sich gegen die Einführung eines Naturalzehnten.

Nach von schweren Unruhen begleiteten Kundgebungen in Barcelona gegen Steuererhöhungen wird der Belagerungszustand über die Stadt verhängt.

6.5.1900, Sonntag

Der Mündigkeitserklärung des deutschen Kronprinzen Wilhelm in Berlin wohnen außer dem österreichischen Kaiser Franz Joseph Vertreter aller deutschen und europäischen Höfe bei.

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. stellt den Kronprinzen Wilhelm à la suite des Grenadierregiments Nr. 1 Kronprinz.

In rund 34 000 Gemeinden der Republik Frankreich werden neue Gemeinderäte gewählt. Gewinner sind die Republikaner, die 24 832 Gemeinderäte stellen, 1004 mehr als bisher.

7.5.1900, Montag

Der Deutsche Reichstag in Berlin genehmigt die Vorlage über die Subventionierung der Afrika-Postdampfer. Gleichzeitig ergehen zwei Resolutionen, in denen Reichskanzler Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst aufgefordert wird, dahin zu wirken, dass die Fahrtgeschwindigkeit der Dampfer erhöht wird und landwirtschaftliche Produkte aus dem Ausland von der Einfuhr durch subventionierte Dampfer ausgeschlossen werden, wenn sie mit deutschen Landwirtschaftsprodukten in Konkurrenz treten können.

8.5.1900, Dienstag

Die österreichische Regierung legt dem Abgeordnetenhaus in Wien drei Gesetzentwürfe über die Sprachenverhältnisse bei den landesfürstlichen Behörden in Böhmen und in Mähren sowie über die Errichtung von Kreisregierungen in Böhmen vor. Die Tschechen lehnen die Gesetzentwürfe ab.

9.5.1900, Mittwoch

Mit einer Festrede des Malers Max Liebermann wird in Berlin die zweite Kunstausstellung der Berliner Secession eröffnet.

11.5.1900, Freitag

Die Schwergewichts-Boxweltmeisterschaft in Coney Island in den USA gewinnt der US-Amerikaner James J. Jeffries gegen seinen Landsmann James J. Corbett durch ein K. o. in der 23. Runde.

In Wien kommt es zu schweren Studentenunruhen. Der Rektor der Universität erlässt daraufhin ein allgemeines Verbot des Farbentragens. Als das Verbot nicht befolgt wird, legt er einen Tag später sein Amt nieder.

12.5.1900, Samstag

Feldmarschall Frederick Sleigh Roberts, der Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte in Südafrika während des Burenkriegs, besetzt Kroonstad.

Das Deutsche Buchgewerbehaus in Leipzig wird eröffnet.

13.5.1900, Sonntag

Eine Delegation von Mohammedanern aus Bosnien ersucht in Pest (Budapest) vergeblich um eine Audienz beim österreichischen Kaiser Franz Joseph. Die Abgeordneten wollen Beschwerden über den österreichisch-ungarischen Finanzminister Benjamin von Kállay vorbringen.

Gewaltige Eruptionen des Vesuv lösen eine Panik im Gebiet des Golfs von Neapel aus.

14.5.1900, Montag

Der bayerische Außenminister und Ministerratsvorsitzende Friedrich August Ernst Gustav Christoph Krafft Freiherr von Crailsheim berichtet im bayerischen Landtag in München über die Verhandlungen der süddeutschen Bahnverwaltungen. Bayern würde einer Verbilligung der Bahntarife trotz eines Einnahmeausfalls in Millionenhöhe zustimmen, doch sei fraglich, ob sich die anderen süddeutschen Staaten beteiligten.

In Stuttgart wird die Gesellschaft zur Förderung der deutschen Ansiedelungen in Palästina m.b.H. gegründet.

15.5.1900, Dienstag

Die italienische Abgeordnetenkammer tritt nach mehrwöchiger Pause in Rom zusammen. Die linke Opposition erklärt, dass sie sich der am 3. April beschlossenen Änderung der Parlamentsgeschäftsordnung gegebenenfalls mit Gewalt widersetzen werde.

Die spanische Regierung erlässt ein Dekret, in dem das Verbot der Handelskammern angedroht wird für den Fall, dass diese weiter zur Steuerverweigerung aufrufen.

16.5.1900, Mittwoch

Der Deutsche Reichstag in Berlin bewilligt 865 300 Mark für die Vermehrung der Schutztruppe in Kamerun und 252 000 Mark für die neu einzusetzende deutsche Verwaltung in Samoa.

Das preußische Abgeordnetenhaus in Berlin berät über den Kontraktbruch ländlicher Arbeiter. Die Konservativen fordern ein Gesetz, das den Kontraktbruch auch von Arbeitnehmern unter Strafe stellt. Für kontraktbrüchige Arbeitgeber existiert bereits ein entsprechendes Gesetz.

Eine von 6000 Menschen besuchte Versammlung der Angestellten der Berliner Straßenbahnen fordert in einer Resolution eine Lohnerhöhung sowie andere Verbesserungen ihrer wirtschaftlichen Lage.

17.5.1900, Donnerstag

Die österreichische Regierung legt dem Reichsrat in Wien ein Gesetz über die Arbeitsdauer der Bergarbeiter vor. Danach soll die Schichtdauer acht Stunden nicht überschreiten. In Ausnahmefällen ist eine Schichtdauer von zehn Stunden möglich.

18.5.1900, Freitag

Die Meißener Kirchenkonferenz verabschiedet einstimmig eine Resolution, in der die Landessynode ersucht wird, beim Kirchenregiment den Zusammenschluss der deutschen evangelischen Landeskirchen in die Wege zu leiten. Die Notwendigkeit eines solchen Zusammenschlusses wird mit der zunehmenden Machtentfaltung der römisch-katholischen Kirche im Deutschen Reich begründet.

König Umberto I. von Italien löst wegen fortdauernder Obstruktion, d. h. Störung des Parlamentsbetriebs, das Parlament auf. Neuwahlen finden am 3. Juni statt.

Großbritannien und das Königreich Tonga unterzeichnen einen Vertrag, nach dem Tonga mit fremden Mächten keine Verträge abschließen darf, an Großbritannien Plätze für Kohlenstationen und Schiffswerften verpachtet und sich unter den Schutz Großbritanniens stellt, aber das Recht behält, die innere Verwaltung nach eigenem Ermessen zu ordnen.

In China kommt es erneut zu schweren Ausschreitungen der christen- und fremdenfeindlichen Geheimgesellschaft der Boxer. 73 Menschen werden ermordet.

19.5.1900, Samstag

Das Fahrpersonal der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft proklamiert den allgemeinen Ausstand, der sofort in Kraft tritt. Die Direktion der Gesellschaft lehnt die von den Streikenden vorgeschlagene Anrufung einer schiedsrichterlichen Entscheidung durch das Gewerbegericht ab.

Mehrere namhafte deutsche Professoren geben eine öffentliche Erklärung gegen das umstrittene Sittlichkeitsgesetz Lex Heinze heraus.

Prinz Ludwig von Bayern hält auf der Hauptversammlung des Vereins für Hebung der Flus- und Kanalschifffahrt im bayerischen Straubing eine vielbeachtete und – kommentierte Rede über die Stellung Bayerns zum Deutschen Reich.

Das preußische Abgeordnetenhaus in Berlin genehmigt in zweiter Beratung die Vorlage über die Warenhaussteuer. Diese Steuer soll ab einem Umsatz von 300 000 Mark jährlich erhoben werden.

Während des Streiks der Berliner Straßenbahnangestellten kommt es zu Tumulten und Zusammenstößen mit der Polizei.

Die Schweizer verwerfen bei einer allgemeinen Volksabstimmung das Gesetz über die Einführung der obligatorischen Unfall- und Krankenversicherung..

Bei Übungen der belgischen Bürgergarden in Gent kommt es zu Gehorsamsverweigerungen und blutigen Schlägereien, weil ein Teil der Garden ein französisches statt flämisches Kommando verlangt.

21.5.1900, Montag

Im Deutschen Reich tritt das Gesetz über die Patentanwälte in Kraft. – Im deutschen Reichspatentamt in Berlin werden 1900 zwei neue Anmeldeabteilungen eingerichtet.

Der britische Unterstaatssekretär John Brodrick weist im Unterhaus in London auf die Gefahren hin, die eine Erweiterung des russischen Einflusses in Korea birgt.

22.5.1900, Dienstag

Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Freisinnigen nimmt der Deutsche Reichstag in Berlin das umstrittene Sittlichkeitsgesetz Lex Heinze in einer Kompromissfassung an.

Die französische Abgeordnetenkammer in Paris fordert die Regierung auf, die Wiederaufnahme des Dreyfus-Prozesses zu verhindern.

Die niederländische Zweite Kammer in Den Haag genehmigt die Kredite zur Einführung des 6,5-Millimeter-Gewehrs.

US-Präsident William McKinley und US-Außenminister John Milton Hay empfangen in Washington eine am 16. Mai in den USA eingetroffene und von der Bevölkerung begeistert empfangene Burendelegation in nicht offizieller Audienz.

23.5.1900, Mittwoch

Das britische Unterhaus in London beschließt mit 248 zu 129 Stimmen das passive Wahlrecht für Frauen bei den Londoner Gemeinderatswahlen.

Der Deutsche Reichstag in Berlin genehmigt in dritter Beratung mit 163 zu 123 Stimmen das Gesetz über die Fleischbeschau.

Der Deutsche Reichstag in Berlin genehmigt in dritter Beratung die Gewerbeordnungs-Novelle.

25.5.1900, Freitag

Die Bayerische Abgeordnetenkammer in München fordert die Staatsregierung auf, im Bundesrat künftig auf die Einführung eines Gerste- und Haferzolls in Höhe der Weizen- und Roggenzölle zu wirken.

Die österreichische Delegation berät in Pest die auswärtige Lage. Die Tschechen protestieren gegen die Reise von Kaiser Franz Joseph nach Berlin, durch die das Ansehen Österreich-Ungarns geschwächt worden sei.

26.5.1900, Samstag

Im Deutschen Reich finden Feiern anlässlich des 200. Geburtstags des evangelischen Theologen und Liederdichters Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und Pottendorf statt. Der Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine wurde am 26. Mai 1700 in Dresden geboren.

27.5.1900, Sonntag

Prinz Ludwig von Bayern hält in Nördlingen auf der Wanderversammlung bayerischer Landwirte eine bayerisch-national gefärbte Rede, die auch im Ausland stark beachtet wird.

Prinz Rupprecht von Bayern setzt sich in einer Delegiertenversammlung des Bayerischen Flottenvereins für die Annahme der Flottenvorlage ein.

Verlierer bei den belgischen Parlamentswahlen, die erstmals nach dem Proportionalsystem durchgeführt wurden, sind die Klerikalen. Sie behalten zwar die absolute Mehrheit, diese schrumpft jedoch von 72 auf 18 Mandate.

28.5.1900, Montag

Die Aufnahme in den russischen Adel wird durch ein Gesetz erschwert. Während bisher der Wladimirorden vierter Klasse den erblichen Adel verlieh, wird man nun nur durch die Verleihung des persönlichen Adels in den erblichen Adelsstand aufgenommen.

In Europa, Nordafrika und Nordamerika, kann eine totale Sonnenfinsternis beobachtet werden.

Agenor Maria Adam Graf Goluchowski, der österreichisch-ungarische Minister des k. u. k. Hauses und des Äußeren, äußert in Pest (Budapest), der 1882 abgeschlossene Dreibund zwischen Österreich-Ungarn, dem Deutschen Reich und Russland sei auch nach fast 20 Jahren ein Friedensbund par excellence.

Der schwedische Kronprinz Gustav, der in Vertretung des schwedisch-norwegischen Königs Oskar II. die Regierungsgeschäfte in Norwegen führt, verweigert dem norwegischen Gesetz über die Konsulatsabgaben die Zustimmung. Der Fall entwickelt sich zu einem Unionskonflikt zwischen Schweden und Norwegen.

Mitglieder der christen- und fremdenfeindlichen Geheimgesellschaft der Boxer zerstören die Eisenbahnlinien südlich von Peking und brennen die Bahnstation Liuliho nieder. Der Zugverkehr zwischen Peking und Tientsin wird unterbrochen.

Großbritannien proklamiert in Bloemfontein, der Hauptstadt des Oranjefreistaats, die Vereinigung des Oranjefreistaats mit Großbritannien. Die neue Kolonie erhält den Namen Orange River Colony.

29.5.1900, Dienstag

Paulus “Ohm” Krüger, Präsident der Südafrikanischen Republik (Transvaal), verlegt den Regierungssitz während des Burenkriegs von Pretoria nach Watervalboven.

Der französische Kriegsminister Gaston Alexandre Auguste Marquis de Galliffet tritt zurück, nachdem Indiskretionen eines Offiziers im Kriegsministerium im Zusammenhang mit der Dreyfus-Affäre bekanntgeworden sind. Zum Nachfolger wird am selben Tag Louis André ernannt.

Die spanische Königin-Regentin Maria de las Mercedes empfängt in Madrid Vertreter des Handels, die gegen die am 1. April in Kraft getretenen Steuergesetze protestieren.

30.5.1900, Mittwoch

Der deutsche Kronprinz Wilhelm tritt zum aktiven Dienst in das erste Garderegiment zu Fuß in Potsdam ein.

31.5.1900, Donnerstag

Die seit 12. Mai in Pest (Budapest) tagende Sitzung der österreichischen und der ungarischen Delegation wird beendet, nachdem der gemeinsame Haushalt für 1901 gebilligt und dem Minister des k. u. k. Hauses und des Äußeren, Agenor Maria Adam Graf Goluchowski, das Vertrauen ausgesprochen worden ist.

Feldmarschall Frederick Sleigh Roberts, britischer Oberbefehlshaber in Südafrika, besetzt ohne größere Kämpfe die Stadt Johannesburg in der Südafrikanischen Republik.

Das Schauspiel “Wie die Blätter” von Giuseppe Giacosa wird im Teatro Manzoni in Mailand uraufgeführt.

Preußen feiert den 150. Geburtstag des Staatsmanns Karl August Fürst von Hardenberg. Der preußische Reformer wurde am 31. Mai 1750 in Essenrode bei Braunschweig geboren.