Was geschah im Mai 1929

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Wetterstationen Mai 1929

1.5.1929, Mittwoch

Aufmärsche und Tänze von Arbeitersportlern bestimmen das Bild der Maifeiern in der österreichischen Hauptstadt Wien.

Die Berliner Polizei geht gewaltsam gegen Demonstranten vor, die sich über das Demonstrationsverbot zum Tag der Arbeit hinweggesetzt haben.

Der schweizerische Maler und Grafiker Edouard Vallet stirbt 63jährig in Genf.

Bei einem Zusammenstoß zwischen dem österreichischen sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbund und den rechtsgerichteten Heimwehren in Kapfenberg (Steiermark) werden 19 Personen verletzt.

Erstmals ermöglicht die Deutsche Lufthansa AG ihren Passagieren, einen Rückflugschein mit 10% Ermäßigung zu benutzen.

2.5.1929, Donnerstag

Bei einem Tornado, der über den mittleren Westen der USA hinwegfegt, werden etwa 100 Menschen getötet.

Während einer Reichstagssitzung in Berlin beschuldigt der kommunistische Abgeordnete Wilhelm Pieck die Berliner Polizei und ihren Präsidenten Karl Zörgiebel des Arbeitermordes und ruft damit einen Tumult im Parlament hervor. Die KPD-Fraktion singt stehend die Internationale und verlässt anschließend den Plenarsaal.

3.5.1929, Freitag

Aufgrund der Ereignisse vom 1. Mai in Berlin beschließt die preußische Regierung ein Verbot des kommunistisch orientierten Rotfrontkämpferbundes.

Die Inszenierung des Stücks “König Johann” durch den Intendanten des Berliner Staatstheaters, Leopold Jessner, beeindruckt die Kritik durch ihre Schlichtheit. Die Titelrolle in dem Drama von William Shakespeare spielt Rudolf Forster.

4.5.1929, Samstag

Einen Monat nach dem Rücktritt des österreichischen Bundeskanzlers Ignaz Seipel (Christlichsoziale Partei) bildet Ernst Streer Ritter von Streeruwitz eine neue Regierung, der die Christlich Sozialen, die Großdeutschen und der Landbund angehören.

Die deutsche Delegation auf der Pariser Sachverständigenkonferenz billigt unter Vorbehalt die Vorschläge des US-amerikanischen Vorsitzenden Owen D. Young. Sie sehen Reparationszahlungen des Deutschen Reichs für die Dauer von 58 Jahren vor.

5.5.1929, Sonntag

Nicht in Wien, sondern in Dresden findet die Uraufführung des Stücks “Die Unüberwindlichen” von Karl Kraus statt. Aufgrund einer einstweiligen Verfügung des österreichischen Millionärs Camillo Castiglioni, der sich in dem Schlüsselstück dargestellt sieht, wird der dritte Akt bei der Premiere nicht gespielt.

Sieger des Automobil-Langstreckenrennens von Targa Florio ist der Franzose Albert Divo auf Bugatti mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 74,366 km/h.

Die Schweiz unterliegt in einem Fußball-Länderspiel in Lausanne der Auswahl der Tschechoslowakei 1:4.

Ein Fußball-Länderspiel zwischen Österreich und Ungarn in Wien endet 2:2.

6.5.1929, Montag

Der Berliner Polizeipräsident Karl Zörgiebel hebt den am 3. Mai über die Bezirke Neukölln und Wedding verhängten Ausnahmezustand auf.

Nach längeren Verhandlungen wird ein britisch-ägyptisches Nilabkommen unterzeichnet, das Großbritannien den Aus- und Neubau einiger Staudämme am Nil überträgt.

Ein Attentat auf den litauischen Diktator Augustin Voldemaras in Kowno schlägt fehl.

Zur Verbesserung der finanziellen Situation des Deutschen Reichs beschließt das Kabinett einen Gesetzentwurf über eine Inlandsanleihe in Höhe von 500 Millionen Reichsmark. Der Entwurf wird am 15. Mai vom Reichstag in dritter Lesung angenommen und am 16. Mai auch vom Reichsrat gebilligt.

7.5.1929, Dienstag

Die Regierungskrise in Thüringen kann beigelegt werden. Der neuen Regierung gehören die bisherigen Koalitionsparteien, der Landbund, die DVP, die DDP und die Wirtschaftspartei an.

Der Landtag von Mecklenburg-Schwerin fasst den einstimmigen Beschluss, sich aufzulösen.

Das von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften errichtete Harnack-Haus in Berlin wird seiner Bestimmung übergeben.

8.5.1929, Mittwoch

Der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann bekräftigt bei den Bestattungsfeierlichkeiten in Berlin die Solidarität seiner Partei mit den Opfern der Ereignisse vom 1. Mai.

Zum Präsidenten des Obersten Zentralrats von China wird der Kuomintang-Führer Chiang Kai-shek gewählt.

Auf dem Jahresbankett des Vereins der Ausländischen Presse in Berlin bekräftigt Reichsaußenminister Gustav Stresemann die Position, wonach eine endgültige Reparationslösung mit der Räumung der noch besetzten Zonen des Rheinlands zu koppeln sei.

9.5.1929, Donnerstag

Bischara Bey al-Churi übernimmt als Nachfolger von Habib Pascha as-Sad das Amt des libanesischen Ministerpräsidenten. Der von Arabern bewohnte Libanon steht als Völkerbundsmandat unter französischer Verwaltung, hat jedoch eine eigene Regierung.

10.5.1929, Freitag

Das in Preußen bestehende Verbot des kommunistischen Rotfrontkämpferbundes wird auf Vorschlag des sozialdemokratischen Reichsinnenministers Carl Severing bis zum 15. Mai auf das gesamte Reichsgebiet ausgedehnt.

Reichsaußenminister Gustav Stresemann konferiert in Berlin mit Maxim M. Litwinow, dem stellvertretenden sowjetischen Volkskommissar des Äußeren, über bilaterale Fragen.

Mit der Thronrede des britischen Königs Georg V. wird das Unterhaus in London aufgelöst. Neuwahlen sind für den 30. Mai angesetzt.

Eine Konferenz der Innenminister der Länder in Berlin befasst sich mit den Berliner Unruhen vom 1. Mai. Das in Preußen bestehende Verbot des kommunistischen Rotfrontkämpferbundes wird auf Vorschlag des sozialdemokratischen Reichsinnenministers Carl Severing bis zum 15. Mai auf das gesamte Reichsgebiet ausgedehnt.

11.5.1929, Samstag

Die litauische Polizei nimmt 60 Angehörige der sozialistischen Studentenorganisation Ausra fest, weil sie vermutet, dass die Attentäter, die am 6. Mai einen Anschlag auf den litauischen Diktator Augustin Voldemaras unternommen haben, aus dieser Organisation stammen. Ein Ausra-Angehöriger hat bereits vor der Polizei ein Geständnis abgelegt.

Ein 17-Jähriger Gymnasiast wird in Wien des Meuchelmordes an seinen Eltern für schuldig befunden und zu zehn Jahren Kerker – der höchsten nach dem Jugendgesetz zulässigen Strafe – verurteilt.

12.5.1929, Sonntag

Bei den Landtagswahlen in Sachsen erhalten die Nationalsozialisten fünf von 96 Mandaten. Stärkste Fraktion bleibt die SPD, die ihre Mandatszahl von 31 auf 33 steigern kann.

Aufmärsche der rechtsgerichteten Heimwehren und des sozialdemokratisch orientierten Republikanischen Schutzbundes in Wien verlaufen ohne die von den Behörden befürchteten Zwischenfälle.

Die Schweizer lehnen entsprechend der Empfehlung der Bundesversammlung zwei Volksinitiativen ab. Zum einen sollte den Kantonen und Gemeinden das Recht zum Verbot von Branntweinherstellung und -verkauf eingeräumt werden, zum anderen sollten die gesamten Einnahmen aus dem Benzinzoll den Kantonen für den Straßenbau zur Verfügung gestellt werden.

Der ungarische Boxer Hudra Wasser stirbt während eines Kampfes gegen Mirko Anderschitz in Wien an einer Herzlähmung.

Ein in der Reichshauptstadt ausgetragenes Fußballspiel zwischen Mannschaften aus Berlin und Paris endet 5:0 für die Gastgeber.

13.5.1929, Montag

Das italienische Protektorat Albanien und das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (später Jugoslawien) schließen einen Handelsvertrag auf der Grundlage der Meistbegünstigung sowie ein Rechtshilfeabkommen ab.

14.5.1929, Dienstag

Journalisten und SPD-Funktionäre, die eine finanzielle Unterstützung der Nationalsozialisten durch die italienischen Faschisten im Reichstagswahlkampf 1928 behauptet hatten, werden in München zu Geldstrafen zwischen 800 und 1000 Reichsmark wegen übler Nachrede verurteilt.

Die am 24. März gewählte faschistische italienische Abgeordnetenkammer billigt die Lateranverträge mit dem Vatikan.

In einem Brief an den Berliner Magistrat erklärt der Physiker Albert Einstein seinen Verzicht auf eine ihm zugedachte Ehrengabe der Stadt. Vorausgegangen war eine Reihe peinlicher Pannen.

15.5.1929, Mittwoch

Die I.G. Farbenindustrie gibt bekannt, dass sie ihren Aktionären wie im Vorjahr eine Dividende von 12% zahlen wird.

Bei einer Explosionskatastrophe in einem Krankenhaus in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio sterben 93 Menschen, 200 werden verletzt.

16.5.1929, Donnerstag

Mit großer Mehrheit nimmt der Reichstag ein Gesetz zur finanziellen Unterstützung der ostpreußischen Landwirte an.

In Ankara wird ein deutsch-türkischer Schiedsgerichtsvertrag unterzeichnet, mit dem sich beide Staaten verpflichten, bilaterale Konflikte auf friedlichem Wege zu lösen. Am 28. Mai folgen ein Konsularvertrag und ein Rechtshilfeabkommen.

Die ersten, später “Oscar” genannten “Academy Awards” werden in Hollywood verliehen. Als bester Schauspieler wird Emil Jannings, als beste Schauspielerin Janet Gaynor ausgezeichnet. Den Preis als bester Film erhält “Flügel” (Wings) von William A. Wellman.

17.5.1929, Freitag

Das Luftschiff LZ 127 “Graf Zeppelin” muss wegen eines Motorschadens einen Atlantikflug abbrechen und in der Nähe von Toulon (Frankreich) notlanden.

In der estländischen Hauptstadt Reval wird ein Handelsvertrag zwischen Estland und der Sowjetunion unterzeichnet.

Der Rotfrontkämpferbund legt beim Reichsgericht erfolglos Beschwerde gegen das Verbot der Organisation ein.

Auf Beschluss des Roheisenverbandes werden die Preise für Roheisen im Deutschen Reich um vier Reichsmark pro Tonne angehoben.

18.5.1929, Samstag

Der sozialdemokratische deutsche Politiker Adolf Braun stirbt im Alter von 67 Jahren in Berlin.

Veranstaltungsort des Europäischen Landstreicherkongresses, zu dem die deutsche Bruderschaft der Vagabunden geladen hat, ist Stuttgart. Es sprechen u.a. der Arbeiterschriftsteller Heinrich Liersch und der Kulturphilosoph Theodor Lessing.

19.5.1929, Sonntag

Die sozialdemokratische Kampforganisation Reichsbanner hält ihre Republikanertagung 1929 in Eisenach ab (bis 20. 5.)

In Moskau wird der fünfte Rätekongress der Sowjetunion eröffnet (bis 28. 5.). Als erster Redner bekennt sich Alexei I. Rykow zur Fortsetzung der Friedenspolitik der UdSSR. Rykow hat als “Rechtsabweichler” erst kürzlich sein Amt als Vorsitzender des Rats der Volkskommissare für die russische Sowjetrepublik niederlegen müssen.

Der US-amerikanische Großindustrielle William Crapo Durant rät den deutschen Unternehmern in einem Zeitungsinterview, die Löhne der Arbeiter kräftig anzuheben und so die Kaufkraft zu steigern.

Auf der Weltausstellung in Barcelona erregt der von dem Architekten Ludwig Mies van der Rohe gestaltete deutsche Pavillion Aufsehen.

20.5.1929, Montag

Die Fédération Internationale de Football Association (FIFA) vergibt auf einem Kongress in Barcelona die erste Fußball-Weltmeisterschaft, die 1930 ausgetragen werden soll, an den zweimaligen Olympiasieger Uruguay. Konkurrierende Länder hatten zuvor ihre Kandidatur zurückgezogen.

Plutarco Elías Calles, der ehemalige Präsident von Mexiko, der nach dem Aufstandsversuch vom 3. März vorübergehend das Kriegsministerium übernommen hatte, legt dieses Amt nieder und erklärt seinen endgültigen Abschied von der aktiven Politik.

21.5.1929, Dienstag

Die Friedenskonferenz deutscher und polnischer Katholiken, die in Berlin eröffnet wird (bis 24. 5.), steht im Zeichen der Versöhnung.

Auf einer Tagung der Völkerbundligen in Madrid fordert die argentinische Delegation die Streichung der Monroedoktrin aus dem Völkerbundpakt. Die USA begründen mit der seit 1852 gebräuchlichen Bezeichnung für ihre außenpolitische Leitlinie, die ursprünglich auf eine politische Trennung von Alter und Neuer Welt zielte, zunehmend ihren Hegemonialanspruch über die lateinamerikanischen Staaten des Kontinents.

150 000 Rumänen begehen im Beisein von König Michael I. auf der Karlsburg das zehnjährige Bestehen ihres Staates.

Die japanischen Besatzungstruppen räumen die chinesische Stadt Tsingtau und ziehen sich aus der Provinz Schantung zurück.

22.5.1929, Mittwoch

Im Mittelpunkt des Kongresses der Kleinen Entente (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, Rumänien und Tschechoslowakei), der nach dreitägiger Dauer in Belgrad zu Ende geht, standen Probleme der nationalen Minderheiten und des Ausbaus der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Verbündeten.

Die alliierten Gläubiger des Deutschen Reichs legen auf der Pariser Sachverständigenkonferenz einen eigenen Vorschlag für die Modalitäten der deutschen Reparationszahlungen vor, der über den Plan des US-Amerikaners Owen D. Young vom 4. Mai hinausgeht. Es kommt daraufhin erneut zu Unstimmigkeiten zwischen den Konferenzteilnehmern.

Auf einer Veranstaltung während der Berliner Festwochen (19. 5.- 23. 6.) dirigiert Arturo Toscanini im Rahmen eines Gastspiels der Mailänder Scala die Giuseppe-Verdi-Oper “Falstaff”. Toscaninis Auftritte in Berlin sind die letzten mit dem berühmten Opernensemble, dessen Leitung er 1921 übernommen hat.

23.5.1929, Donnerstag

Albert Vögler, neben Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht der zweite deutsche Vertreter auf der Pariser Sachverständigenkonferenz zur Neuregelung der Reparationsfrage, tritt aus Protest gegen den alliierten Vorschlag vom Vortag von seinem Amt zurück. Am 24. Mai lehnt die deutsche Delegation den Vorschlag der Siegermächte offiziell ab.

Angehörige der schleswig-holsteinischen Bauernprotestbewegung unternehmen einen Dynamitanschlag auf das Landratsamt von Itzehoe.

Der afghanische König Aman Ullah Khan begibt sich nach einer Niederlage im Bürgerkrieg ins Exil nach Indien.

Bei den Parlamentswahlen in Nordirland behaupten die Unionisten mit 34 von 48 Mandaten ihre führende Position.

Der chinesische General Feng Yu-hsiang wird vom Zentralexekutivausschuss der Kuomintang wegen Hochverrats seiner Ämter enthoben. Feng hatte gegen den Kuomintangführer Chiang Kai-shek gemeutert.

24.5.1929, Freitag

Ein sechsjähriges Kind, das im Streit einen Spielkameraden mit dem herumliegenden Revolver seines Vaters erschossen hat, wird vom Schwurgericht Painsville im US-Bundesstaat Kentucky wegen Totschlags zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.

Bei der Beratung der Lateranverträge im italienischen Senat in Rom kritisiert der Philosoph Benedetto Croce, dass der italienische Staat vom Grundsatz der Nichteinmischung in religiöse Dinge abgerückt sei und die Erziehung den Jesuiten ausgeliefert habe.

Die deutsche Reichsregierung beschließt, das Gesetz zum Schutz der Republik um drei Jahre zu verlängern. Allerdings scheitert dieser Vorstoß schließlich, da ein entsprechender Gesetzentwurf nicht die erforderliche Reichstagsmehrheit erhält.

25.5.1929, Samstag

Die Reichskolonialtagung in Hannover bekräftigt den Anspruch des Deutschen Reichs auf eine “Rohstoffbasis in Übersee”.

Der Lohnkonflikt bei der Deutschen Reichsbahn wird durch einen Schiedsspruch beendet.

26.5.1929, Sonntag

Bei den Parlamentswahlen in Belgien können die Regierungsparteien (Katholiken und Liberale) ihre Position geringfügig ausbauen.

Mit der Annahme im römischen Senat (316 gegen 6 Stimmen) sind die Lateranverträge des italienischen Staates mit dem Vatikan ratifiziert.

Das Land Kärnten veranstaltet in Klagenfurt eine Anschlusskundgebung, zu der alle großen Parteien des Deutschen Reichs Vertreter entsandt haben.

Der deutsche Pilot Willi Neunhofer stellt in einer Junkers W 33 mit 12 739 Metern einen Höhenflugweltrekord auf.

Der Eindecker “Fort Worth” landet nach einem Dauerflug von 172,5 Stunden – mit Auftanken in der Luft – wohlbehalten in Fort Worth (Texas). Damit ist der Dauerflug-Weltrekord der “Question Mark” gebrochen.

27.5.1929, Montag

Die Übernahme von 40% der Aktien der deutschen Ford Motor Company AG Berlin durch die I.G. Farbenindustrie wird in Berlin offiziell bekanntgegeben.

28.5.1929, Dienstag

In Berlin wird der Prozess gegen den Schwerindustriellen Hugo Stinnes jr. eröffnet, der verdächtig ist, das Deutsche Reich durch einen Kriegsanleihe-Betrug um zwei Millionen Reichsmark geschädigt zu haben.

Clärenore Stinnes, die Tochter von Hugo Stinnes, beendet eine zweijährige Autofahrt rund um die Welt.

Das US-Repräsentantenhaus in Washington verabschiedet gegen die Stimmen der Demokraten ein Zolltarifgesetz, das eine Reihe von Zollerhöhungen vorsieht. Die Demokraten wenden sich vor allem gegen eine Klausel, die den Präsidenten ermächtigt, die Zölle um bis zu 50% heraufzusetzen.

Um die Bedeutung von Nanking als neue chinesische Hauptstadt zu betonen, lässt die Kuomintang-Regierung die Leiche des ersten Präsidenten der chinesischen Republik, Sun Yat-sen, von Peking nach Nanking überführen.

29.5.1929, Mittwoch

Die alliierten Gläubiger des Deutschen Reichs ziehen auf der Pariser Sachverständigenkonferenz ihren Vorschlag vom 22. Mai zu den deutschen Reparationszahlungen offiziell zurück.

In Berlin wird der Grundstein für das Funkhaus gelegt.

30.5.1929, Donnerstag

Der frühere langjährige Reichsarbeitsminister Heinrich Brauns (Zentrum) wird in Genf von der 12. Internationalen Arbeitskonferenz zum Präsidenten gewählt. Brauns spricht sich für die Schaffung eines kollektiven Arbeitsrechts aus, da im modernen Betrieb einheitliche Arbeitsbedingungen gegeben sein müssten.

Bei den britischen Unterhauswahlen erleiden die regierenden Konservativen eine schwere Niederlage.

Im diktatorisch regierten Venezuela übernimmt Juan Bautista Pérez als Nachfolger von Juan Vicente Gómez das Amt des Präsidenten.

Am Memorial Day spricht US-Präsident Herbert Clark Hoover auf dem Soldatenfriedhof Arlington in Washington. Er bekennt sich zu einem Abbau der Rüstungen als Mittel der Friedenssicherung.

Das sowjetische Innenministerium fordert die Exekutivkomitees der einzelnen Sowjetrepubliken auf, ein Verbot aller Glücksspiele zu erlassen, die nicht von der Regierung zugelassen sind.

Der US-Amerikaner Bryan Keech gewinnt auf Miller mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 157,047 km/h das 500-Meilen-Rennen von Indianapolis.

31.5.1929, Freitag

Auf dem SPD-Parteitag in Magdeburg (seit 26. 5.) legt die Parteispitze ein Bekenntnis zum Parlamentarismus ab und erklärt sich bereit, zugunsten des Erhalts einer regierungsfähigen Mehrheit eigene Parteipositionen zurückzustellen.

Die Reichsregierung in Berlin beauftragt das Reichsarbeitsministerium, ein Sofortprogramm zur Verbesserung der finanziellen Situation der Arbeitslosenversicherungsanstalt, die sich aus ihren Einnahmen nicht mehr finanzieren kann, ausarbeiten zu lassen.