Was geschah im Mai 1935

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1.5.1935, Mittwoch

Innerhalb der Reichsrundfunkkammer wird die “Fernsehgemeinschaft” gegründet, Eugen Hadamovsky wird zum Reichssendeleiter ernannt. In einem Telegramm an Hitler verspricht der Leiter der Rundfunkabteilung im Propagandaministerium Horst Dreßler-Andreß, “dieses neue revolutionäre Mittel der Volksaufklärung und Propaganda mit nationalsozialistischer Tatkraft und opferfreudiger Hingabe als Ihr Instrument auszubauen”.

In einer Erklärung zum “Tag der Arbeit” sagt Führer und Reichskanzler Adolf Hitler in Berlin vor mehr als 100 000 Arbeitern: “Was wir wollen, liegt klar vor uns: Nicht Krieg, nicht Unfrieden… denn wir wissen alle, dass die große Arbeit nur gelingen kann in einer Zeit des Friedens.” Propagandaminister Joseph Goebbels fordert die Arbeiter auf, “sich wie ein Mann” hinter die Politik Adolf Hitlers zu stellen.

Während eines Festaktes der Reichskulturkammer in der Berliner Staatsoper wird der Nationalpreis für Film an die Regisseurin Leni Riefenstahl für ihr Werk “Triumph des Willens” verliehen. Der Film über den Reichsparteitag 1934 in Nürnberg verherrlicht eindrucksvoll das politische Ritual dieser Massenveranstaltung.

2.5.1935, Donnerstag

Bei einem Frühstück des Vereins der ausländischen Presse lobt der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring, die deutsche Luftwaffe als die modernste der Welt. Sie verfüge über kein altes Flugzeug und keinen alten Motor, sie werde immer so stark sein, wie die augenblickliche Konstellation für oder gegen den Frieden sei.

Der französische Außenminister Pierre Laval und der sowjetische Botschafter in Frankreich W. Potemkin unterzeichnen in Paris den französisch-sowjetischen Beistandspakt. Der Vertrag sieht gegenseitige Hilfe für solche Fälle vor, in denen eine der vertragschließenden Parteien “einer Drohung oder Angriffsgefahr durch einen europäischen Staat ausgesetzt ist”.

Auf den Philippinen wird ein bewaffneter Aufstand Einheimischer von Regierungstruppen und Truppen der USA niedergeschlagen. Seit dem spanisch-amerikanischen Krieg im Jahre 1898 haben die USA das Protektorat über die Philippinen. Die Aufständischen fordern die sofortige Proklamierung der Unabhängigkeit der Inselgruppe.

3.5.1935, Freitag

Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht legt seine Denkschrift zur Rüstungsfinanzierung vor. Darin heißt es, dass die Durchführung des Rüstungsprogramms nach Tempo und Ausmaß die Aufgabe der deutschen Politik sei und alles andere diesem Zwecke untergeordnet werden müsse.

Im Warschauer Vorort Grochow schießen unbekannte Täter während des Unterrichts durch die Fenster einer jüdischen landwirtschaftlichen Schule. Eine Schülerin wird tödlich verletzt. Zur gleichen Zeit explodiert auf dem Schulhof eine Bombe, die großen Sachschaden anrichtet.

4.5.1935, Samstag

Der NSDAP-Gauleiter Saarpfalz, Josef Bürckel, veröffentlicht in Berlin eine Anordnung, in der es heißt, es sei unanständig, von Juden Geld zu nehmen. Er weist alle politischen Dienststellen an, die von Juden gezahlten Spenden zur Beseitigung der “Elendwohnungen” unverzüglich zurückzuzahlen.

5.5.1935, Sonntag

Alle katholischen Kirchenblätter in Preußen werden wegen der Veröffentlichung eines Hirtenbriefes, in dem die deutschen Bischöfe für die Bekenntnisschule eintreten, beschlagnahmt. Unter dem Titel “An die Dunkelmänner unserer Zeit” richtet der “Beauftragte des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Schulung und Erziehung der NSDAP”, Alfred Rosenberg, eine aggressive und polemische Replik an die Bischöfe.

Das Militärgericht in Athen verurteilt den früheren griechischen Ministerpräsidenten Eleftherios Weniselos, der sich im Pariser Exil befindet, in Abwesenheit zum Tode. Weniselos war Anführer der im März dieses Jahres gescheiterten Militärrevolte.

6.5.1935, Montag

Bei einem Empfang deutscher Pilger im Vatikan klagt Papst Pius XI. die Kirchenpolitik der Nationalsozialisten an: “Man will im Rahmen eines sog. positiven Christentums Deutschland dem christlichen Glauben entfremden und das Volk einem barbarischen Heidentum zuführen.”

In einem feierlichen Akt begeht das britische Königshaus das 25. Regierungsjubiläum von König Georg V. An den Feierlichkeiten in London nehmen neben der königlichen Familie die höchsten Staatswürdenträger, die Premierminister der Dominions sowie eine Reihe indischer Fürsten teil.

7.5.1935, Dienstag

Zum zehnten Jahrestag der Eröffnung des Deutschen Museums wird in München eine große Kongresshalle eröffnet, die den Museumskomplex erweitert.

8.5.1935, Mittwoch

Bei einem schweren Fährbootunglück an der ungarisch-rumänischen Grenze ertrinken 20 Menschen. Das Boot war infolge des reißenden Hochwassers gekentert.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft schlägt in einem Länderspiel in Dortmund die Mannschaft Irlands 3:1.

9.5.1935, Donnerstag

Der US-amerikanische Spielfilm “Der große Verräter” unter der Regie von John Ford wird uraufgeführt.

In Nürnberg findet die erste Kundgebung der “Antijüdischen Weltliga” statt. Es spricht der Leiter des “Zentralkomitees zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze”, Julius Streicher.

Das “Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften” vom 18. Dezember 1926 wird durch die “Anordnung der Reichsschrifttumskammer über schädliches und unerwünschtes Schrifttum” ersetzt. Diese Anordnung enthält eine Liste solcher Bücher und Schriften, “die das nationalsozialistische Kulturwollen” gefährden.

Die gesetzgebende Versammlung von Haiti beschließt in Port-au-Prince eine neue Verfassung.

10.5.1935, Freitag

Auf Anordnung von Propagandaminister Joseph Goebbels werden in Berlin die beiden Kabaretts “Tingeltangel” und “Katakombe” geschlossen. In der Begründung heißt es, in den Darbietungen der beiden Kabaretts seien wiederholt Einrichtungen des Deutschen Reichs lächerlich gemacht worden.

Die Reichsbahn gibt die elektrifizierte Gesamtstrecke Augsburg- Nürnberg für den Verkehr frei.

Thomas Stearns Eliots Drama “Mord im Dom” wird beim “Canterbury Festival of Music and Drama” uraufgeführt.

11.5.1935, Samstag

In einer Mitteilung des Reichsgesundheitsamtes in Berlin heißt es, dass bereits 730 staatliche und kommunale Gesundheitsämter im ganzen Reichsgebiet eingerichtet worden seien. Ihre Aufgabe bestehe vornehmlich in der Eheberatung unter dem Gesichtspunkt der Erb- und Rassenpflege.

In Düsseldorf wird die vom Berliner Institut für Deutsche Wirtschaftspropaganda in Zusammenarbeit mit der NS-Frauenschaft und dem Deutschen Frauenwerk veranstaltete Reichsausstellung “Frau und Volk” eröffnet. Reichsinnenminister Wilhelm Frick hält die Eröffnungsrede zum Thema “Die Frauenarbeit und die Verantwortung der deutschen Frau als Erhalterin der Art und als Hüterin der Familie”. Die Ausstellung dauert bis zum 12. Juni.

Zur weiteren Gleichschaltung der Presse wird die studentische Presse in der Fachgruppe “Studenten-Zeitschriften” im Reichsverband der deutschen Zeitschriftenverleger zusammengefasst.

12.5.1935, Sonntag

In Hamm kommt es zu einer Demonstration der Hitlerjugend gegen den Paderborner Erzbischof Kaspar Klein. Der Erzbischof wird von den Jugendlichen als “Devisenschieber” beschimpft. Die Polizei muss eingreifen, um Ausschreitungen zu verhindern.

In einem Länderspiel in Köln unterliegt die deutsche Fußballelf Spanien 1:2.

Der deutsche Rennfahrer Rudolf Caracciola gewinnt auf Mercedes-Benz in neuer Rekordzeit den Großen Preis von Tripolis vor drei Italienern.

Anlässlich des Besuchs des Schriftstellers Bertolt Brecht in Moskau findet im “Klub ausländischer Arbeiter” ein Brecht-Abend statt. Brecht selbst liest aus seinen Werken “Lied vom Klassenfeind” und “An die Kämpfer in den Konzentrationslagern”.

In Warschau stirbt 68jährig der polnische Politiker Marschall Josef Klemens Pilsudski.

In einer Radioansprache zum Muttertag sagt die Leiterin der NS-Frauenschaft, Gertrud Scholtz-Klink, dass jede gesunde Mutter “Hüterin, Hegerin und ureigenste Treuhänderin des Nationalsozialismus” sein müsste, weil seine tiefsten Forderungen sich mit ihren inneren Mutterforderungen deckten.

13.5.1935, Montag

Die Fluggesellschaft Pan American Airways eröffnet den regelmäßigen Flugverkehr über den Stillen Ozean von San Francisco nach Pearl Harbor (Hawaii).

Bei einem schweren Grubenunglück in der chinesischen Stadt Tezetschwan ertrinken 400 Arbeiter.

14.5.1935, Dienstag

Die Eisenbahn- und Straßenbrücke über den Kleinen Belt zwischen der Insel Fünen und der Halbinsel Jütland, Dänemark, wird für den Straßenverkehr freigegeben.

Der Terra-Film “Wunder des Fliegens” wird in München uraufgeführt. Unter der Regie von Heinz Paul spielt Ernst Udet die Hauptrolle. Der Film wird als “staatspolitisch wertvoll” und “volksbildend” ausgezeichnet.

15.5.1935, Mittwoch

In Moskau wird die neue Untergrundbahn für den öffentlichen Betrieb freigegeben. In seiner Ansprache dankt der sowjetische Parteichef Josef W. Stalin den Männern und Frauen, die geholfen haben, das neue Verkehrsmittel in Rekordzeit fertigzustellen.

In Dresden werden 23 Mitglieder der Wachmannschaft des Konzentrationslagers Hohenstein wegen Misshandlungen von Gefangenen zu Gefängnisstrafen verurteilt. Adolf Hitler begnadigt sie im November.

Der Begründer der modernen Sexualwissenschaft und frühere Leiter des “Instituts für Sexualwissenschaft” in Berlin Magnus Hirschfeld, begeht in Nizza Selbstmord.

16.5.1935, Donnerstag

Der französische Staatspräsident Albert Lebrun eröffnet in Paris die größte Ausstellung italienischer Kunst, die bislang in Frankreich zu sehen war. Die Eröffnungsfeierlichkeiten in Anwesenheit von Benito Mussolinis Schwiegersohn, Galeazzo Ciano, werden zu einer Demonstration französisch-italienischer Freundschaft.

Zwischen der Sowjetunion und der Tschechoslowakei wird in Prag ein Beistandspakt unterzeichnet. Gegenseitige Hilfe bei Angriff durch einen dritten Staat soll aber nur dann geleistet werden, wenn auch Frankreich das Opfer des Angriffs unterstützt.

17.5.1935, Freitag

Im ersten einer Reihe sog. Devisenprozesse gegen katholische Ordensmitglieder wird die Ordensschwester Wernera Wiedenhöfer von einem Berliner Gericht zu fünf Jahren Zuchthaus, ebensolangem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und zu 140 000 RM Geldstrafe verurteilt.

18.5.1935, Samstag

Die deutsche Reichsregierung beschließt die Änderung des Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetzes aus dem Jahr 1913. Ein Anspruch auf Einbürgerung wie ihn das alte Gesetz in vielen Fällen vorsah, besteht nun nicht mehr. Einen solchen Anspruch hatten z. B. geschiedene Ehefrauen eines Ausländers, die zur Zeit ihrer Eheschließung Deutsche waren.

Der Deutsche Caritasverband führt seine jährliche reichsweite Straßen- und Haussammlung durch. Dabei kommt es in München zu organisierten Störungen durch nationalsozialistische Gruppen, die Sammler und Spender belästigen und grob beleidigen.

Beim Absturz des größten Landflugzeuges der Welt, der in der Sowjetunion gebauten “Maxim Gorki”, kommen in der Nähe von Moskau alle 48 Insassen ums Leben.

19.5.1935, Sonntag

Thomas Edward Lawrence, in aller Welt bekannt als “Lawrence von Arabien”, stirbt nach einem Verkehrsunfall in Großbritannien.

Erstmals seit 960 Jahren fällt im Mai in Paris Schnee. Auch in anderen Teilen Frankreichs herrscht winterliches Wetter. Durch Schneestürme in der westlichen Sahara in Nordafrika erfrieren zahlreiche Schafherden.

Das Deutsche Reich nimmt einen 500-Millionen-Mark-Kredit bei verschiedenen deutschen Versicherungsgesellschaften auf. Die Aktion steht im Zusammenhang mit einer Reihe weiterer “interner” Kreditaufnahmen, die insbesondere die enormen Kosten der Aufrüstung ohne Auslandsverschuldung finanzieren sollen.

Bei den Wahlen zum tschechoslowakischen Abgeordnetenhaus und Senat wird die Sudetendeutsche Partei (SdP) von Konrad Henlein überraschend stärkste Fraktion im Parlament. Henleins nationalsozialistisch geprägte Partei fordert den Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich.

Adolf Hitler eröffnet bei Darmstadt das erste Teilstück der Reichsautobahn zwischen Frankfurt am Main und Heidelberg. Zur Zeit sind insgesamt 1500 km Autobahnen im Bau.

20.5.1935, Montag

Die deutschen Behörden weisen M. Eduard Behrens, Berliner Korrespondent der Basler “National-Zeitung”, aus dem Deutschen Reich aus. Dem Schweizer wird feindselige Berichterstattung über das NS-Regime vorgeworfen.

21.5.1935, Dienstag

In einer Rede vor dem Reichstag in Berlin legt Führer und Reichskanzler Adolf Hitler in 13 Punkten Deutschlands Einstellung zu Fragen der internationalen Politik dar. Er betont den Friedenswillen der deutschen Regierung.

Das neue deutsche Wehrgesetz wird veröffentlicht. Neben der allgemeinen Wehrpflicht verfügt es im ersten Artikel dass “jeder deutsche Mann und jede deutsche Frau zur Dienstleistung für das Vaterland verpflichtet” sind. Um die Wehrpflicht zu erfüllen, ist die Ableistung eines Arbeitsdienstes notwendig. Das Gesetz benennt Hitler als obersten Befehlshaber der Wehrmacht.

Hitler ernennt Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht zum “Generalbevollmächtigten für die Kriegswirtschaft”.

22.5.1935, Mittwoch

Der stellvertretende britische Premierminister Stanley Baldwin kündigt im Unterhaus in London an, dass die Luftstreitkräfte Großbritanniens innerhalb der nächsten zwei Jahre verdreifacht werden.

US-Präsident Franklin D. Roosevelt legt sein Veto gegen eine Gesetzesvorlage ein, die die Barauszahlung von 1,6 Mrd. US-Dollar an US-amerikanische Veteranen des Ersten Weltkrieges vorsieht und den Kongress in Washington bereits passiert hat. Roosevelt befürchtet einen inflationären Effekt der Auszahlungen. Das sog. Bonus-Gesetz fällt daraufhin.

Am Frankfurter Opernhaus wird Werner Egks Oper “Die Zaubergeige” uraufgeführt.

23.5.1935, Donnerstag

William Green, der Vorsitzende des US-amerikanischen Gewerkschaftsbundes “American Federation of Labor” (AFL) droht bei einer Massenveranstaltung vor 20 000 Menschen im New Yorker Madison Square Garden mit einem Generalstreik, falls der “National Industrial Recovery Act” (NIRA) nicht verlängert wird. Die 1935 fällige Verlängerung des NIRA, eines Herzstücks des “New Deal” wird von Präsident Roosevelt befürwortet, vom Senat abgelehnt.

Auf einer Feierstunde des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller in Paris sprechen u.a. André Malraux, Gustav Regler und Wieland Herzfelde. Anlass ist der 50. Geburtstag des im Exil lebenden deutschen Journalisten Egon Erwin Kisch im April.

24.5.1935, Freitag

Papst Pius XI. wendet sich in einer Ansprache gegen Sterilisierungen. Sollte die Sterilisationspraxis, wie sie im Deutschen Reich gehandhabt werde, von anderen Ländern übernommen werden, habe dies “unabsehbares Leid für die Menschheit” zur Folge.

In Paris werden Luftschutzübungen mit allgemeiner Verdunkelung veranstaltet. Währenddessen überprüfen französische Piloten über der Stadt die Wirksamkeit der Maßnahmen.

Die “Reichsstelle für Tiere und tierische Erzeugnisse” startet im Deutschen Reich die Aktion “Fleisch im eigenen Saft”. Sie soll den Verkauf von Rind- und Schweinefleischkonserven stimulieren, um von saisonalen Versorgungs- und Preisschwankungen und von Fleischimporten unabhängiger zu werden.

Kronprinz Friedrich von Dänemark heiratet in Stockholm Prinzessin Ingrid von Schweden.

25.5.1935, Samstag

Bei antisemitischen Ausschreitungen in München zwingen Trupps nichtuniformierter junger Leute jüdische Geschäftsinhaber, ihre Läden zu schließen. Die Anführer erklären, der Sabbat sei ein jüdischer Feiertag und Juden seien daher nicht berechtigt, zu arbeiten. Die umstehende Bevölkerung bleibt passiv.

Die “Gesellschaft der alten Bolschewiki” löst sich ebenso wie wenig später die “Gesellschaft ehemaliger politischer Gefangener und Verschickter” in der Sowjetunion auf, wie es heißt, “auf eigenen Wunsch”. In den Organisationen waren Veteranen der Oktoberrevolution zusammengeschlossen. Sie sind dem Stalin-Regime suspekt und fallen in der Folge großenteils stalinistischen “Säuberungen” zum Opfer.

Der US-amerikanische Leichtathlet James Cleveland “Jesse” Owens stellt in Ann Arbor im US-Bundesstaat Michigan innerhalb von 45 Minuten vier Weltrekorde auf. Owens überspringt u.a. mit 8,13 m als erster die 8-m-Marke im Weitsprung.

26.5.1935, Sonntag

In einem Fußball-Länderspiel in Dresden schlägt Deutschland die Tschechoslowakei 2:1.

Vor 150 000 Zuschauern gewinnt der Italiener Luigi Fagioli (Mercedes) in Berlin das Avusrennen. Der Deutsche Hans Stuck (Auto-Union) wird Vierter.

27.5.1935, Montag

Der Oberste Gerichtshof der USA erklärt in Washington den “National Industrial Recovery Act” (NIRA) für gesetzeswidrig.

Die türkische Nationalversammlung beschließt in Ankara ein Gesetz, wonach in Zukunft anstelle des Freitags – des moslemischen Feiertages – der Sonntag in der Türkei als wöchentlicher Ruhetag eingeführt wird.

28.5.1935, Dienstag

Ein Erlass des preußischen Innenministeriums ermächtigt die Polizei in Preußen, vorbestrafte “unverbesserliche Berufsverbrecher” als präventive Maßnahme in “Erziehungslagern” festzuhalten, ohne dass ein konkretes Verbrechen begangen wurde.

Die Bank von Frankreich erhöht zum drittenmal innerhalb von fünf Tagen den Diskontsatz, diesmal ungewöhnlich stark von 4% auf 6%. Dadurch soll der massive Goldabfluss aus Frankreich – allein am 27. Mai im Wert von 1,3 Mrd. Franc – gestoppt werden, der die Stabilität der Währung bedroht.

29.5.1935, Mittwoch

In einer Rede vor dem Nationalrat in Wien wirft der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg der deutschen Politik Einmischung in österreichische Angelegenheiten vor und verlangt von Hitler, Österreich als gleichberechtigten Staat zu behandeln.

Zu blutigen Zusammenstößen zwischen schwarzen Bergarbeitern und Regierungstruppen kommt es in den Minen Nord-Rhodesiens. Sechs Arbeiter werden erschossen.

30.5.1935, Donnerstag

Ein Erdbeben zerstört die Stadt Quetta im Nordwesten Indiens (Britisch-Belutschistan). 40 000 Menschen kommen ums Leben.

31.5.1935, Freitag

Der französische Ministerpräsident Pierre Etienne Flandin tritt in Paris als Ministerpräsident zurück. Das Parlament hatte seiner Regierung weitgehende gesetzgeberische Vollmachten zur Beseitigung der Finanzkrise des Landes verwehrt. Nachfolger Flandins wird Fernand Bouisson.

Eine Anweisung der Reichsmusikkammer hebt den Boykott gegen den Komponisten Eduard Künnecke auf, der wegen der Heirat Künneckes mit einer jüdischen Frau verhängt worden war. Grund für die Aufhebung des Boykotts ist die große Popularität des Komponisten in der Bevölkerung.