Was geschah im Mai 1966

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1.5.1966, Sonntag

Altbundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) trifft zu einem sechstägigen Besuch in Israel ein. Bei einer Tischrede von Ministerpräsident Levi Eschkol kommt es zu einem Eklat.

Bei strahlendem Sonnenschein finden in den meisten Städten der Bundesrepublik und in West-Berlin Kundgebungen zum Maifeiertag statt. Vor dem Berliner Reichstagsgebäude erklärt Bundespräsident Heinrich Lübke im Hinblick auf das anhaltend konfliktgeladene Verhältnis zur DDR, die westdeutsche Demokratie müsse sich “der Herausforderung durch ein Regime stellen, das im Volk kein Vertrauen hat”. Der DGB-Vorsitzende Ludwig Rosenberg betont im Anschluss, es sei die Pflicht der Bundesrepublik, “Gedanken zu entwickeln, die auf friedlichem Wege die Wiedervereinigung herbeiführen” könnten.

2.5.1966, Montag

US-Verteidigungsminister Robert McNamara erklärt vor dem verteidigungspolitischen Ausschuss des US-Senats, Washington beabsichtige keine formelle Kriegserklärung gegen Nordvietnam. Präsident Lyndon B. Johnson könne die “kommunistische Aggression” kraft seiner verfassungsmäßigen Ermächtigung bekämpfen. In der sog. Tonking-Golf-Resolution war Johnson 1964 vom Kongress bevollmächtigt worden, in Südostasien “alle notwendigen Schritte, einschließlich des Gebrauchs bewaffneter Macht”, zu unternehmen.

Das Kuratorium der New Yorker Columbia-Universität vergibt den diesjährigen Pulitzer-Preis für Literatur an die Schriftstellerin Katherine Anne Porter für den Kurzgeschichtenband “Die gesammelten Stories”. Der Preis für das beste Sachbuch geht an Arthur Schlesinger für seine Biografie “Eintausend Tage – John F. Kennedy im Weißen Haus”.

Die US-amerikanische Gesangstruppe “Sing Out 66” wird zum Beginn einer Tournee durch die Bundesrepublik von Kanzler Ludwig Erhard (CDU) empfangen.

Schwere Regenfälle verursachen bei Vratsa im Nordwesten Bulgariens einen Dammbruch, bei dem 50 Menschen ums Leben kommen.

Bei Dörpstedt (Kreis Rendsburg) stürzt der 52. Starfighter seit Einführung dieses Flugzeugtyps 1961 ab. Der Pilot erliegt seinen Verletzungen.

3.5.1966, Dienstag

An der Universität Rom kommt es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen faschistischen und antifaschistischen Studenten.

Die Londoner Tageszeitung “Times” bringt erstmals Nachrichten auf der ersten Seite. Seit ihrer Gründung 1785 waren dort bisher Kleinanzeigen erschienen.

4.5.1966, Mittwoch

Die Führungsspitze der Kommunistischen Partei Chinas tritt in Peking zusammen. Der Parteivorsitzende Mao Zedong, der sich monatelang nach Shanghai zurückgezogen hatte, leitet auf der dreiwöchigen Zusammenkunft die “Große Proletarische Kulturrevolution” ein, mit der er sein politisches Erbe sichern will.

Bei einem Fußball-Länderspiel gegen Irland gewinnt die bundesdeutsche Elf in Dublin 4:0.

5.5.1966, Donnerstag

Die Fiat-Werke in Turin schließen mit der UdSSR ein Abkommen über den Bau eines Automobilwerks in der Ukraine, das 1970 den Betrieb aufnehmen soll.

Als erste deutsche Mannschaft gewinnt Borussia Dortmund in Glasgow den Europacup der Pokalsieger durch einen 2:1-Sieg gegen den FC Liverpool.

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden teilt mit, dass die Zahl der Eheschließungen in der Bundesrepublik zurückgeht. Während 1962 noch 531 000 Paare heirateten, registrierten die Standesämter 1965 nur noch 506 000.

Nach Öffnung der Bonifatius-Grabkammer im Fuldaer Dom ergibt eine medizinische Analyse die Echtheit der Gebeine des Heiligen, der 794 in Friesland von Heiden ermordet wurde.

Der somalische Ministerpräsident Abdirizak Hadji Hussein Hassan trifft zu einem zweiwöchigen Besuch in der Bundesrepublik ein. Auf Einladung von Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier (CDU) nimmt Hassan an der “Dritten deutschen Afrika-Woche” teil und kommt anschließend zu offiziellen Gesprächen mit Vertretern der Bundesregierung zusammen.

6.5.1966, Freitag

Aus Protest gegen das Vorgehen der Polizei gegen etwa 1000 Studenten, die anlässlich des Israel-Besuchs von Altbundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) protestierten, beschließen die Studenten der Jerusalemer Universität einen dreitägigen Vorlesungsstreik.

Der Haushaltsausschuss des Bundestags schließt seine Beratungen über den Etat 1966 ab. Beim ordentlichen Etat sind vorerst Kürzungen in Höhe von 242 Mio. DM ebenso vorgesehen wie eine Verringerung der Anleihen des Bundes um 687 Mio. DM auf 443 Mio. DM.

In der Hamburger Universität wird das vierte Institut für die Geschichte der deutschen Juden in der Bundesrepublik eröffnet.

7.5.1966, Samstag

In Belfast gewinnt die deutsche Fußballnationalmannschaft ein Länderspiel gegen Nordirland 2:0.

8.5.1966, Sonntag

Nach 17-tägiger Verhandlungsdauer verurteilt das West-Berliner Schwurgericht den Obersturmbannführer des SS-Einsatzkommandos 9 Wilhelm Wiebens, wegen gemeinschaftlichen Mordes in zwei Fällen zu lebenslänglichem Zuchthaus. Zwei weitere Angeklagte erhalten Zuchthausstrafen von sechs und fünf Jahren, einer wird freigesprochen. Die Kommandomitglieder werden beschuldigt, zwischen 1941 und 1943 in von deutschen Truppen besetzten Gebieten der UdSSR die Erschießung von jüdischen Gefangenen befohlen oder selbst ausgeführt zu haben.

Mit einem Sieg für Porsche endet die 50. Targa Florio auf Sizilien, das älteste Autorennen der Welt. In 7:16:32,3 h steuerten der Belgier Willy Mairesse und sein Schweizer Beifahrer Hubert Müller den Rennwagen zum Sieg.

In der Wiener Stadthalle wird der Film “Mohn ist auch eine Blume” uraufgeführt, in dem zahlreiche Stars für eine symbolische Gage von 1 US-Dollar mitwirken. Der Ertrag soll der Jugendhilfe der UNO zukommen.

9.5.1966, Montag

In Rheinsberg wird das erste Atomkraftwerk der DDR in Betrieb genommen.

Die Volksrepublik China gibt die Zündung ihrer dritten Atombombe in Zentralasien bekannt. Die amtliche Nachrichtenagentur Xin Hua bestätigt, die Explosion habe erstmals thermo-nukleares Material enthalten.

10.5.1966, Dienstag

Bei einem Tageseinsatz im Rahmen der zehntägigen NATO-Übung “Wooden Walls” kollidieren zwei bundesdeutsche Starfighter westlich der niederländischen Insel Vlieland und stürzen in die Nordsee. Die Piloten kommen ums Leben.

Der sowjetische Parteichef Leonid I. Breschnew trifft zu Gesprächen mit seinem rumänischen Amtskollegen Nicolae Ceausescu in Bukarest ein. Der Besuch wurde vorher nicht bei den übrigen Regierungen des Ostblocks angekündigt.

Auf einer Südafrika-Reise verteidigt der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß die Apartheidpolitik der Regierung in Pretoria.

Der sowjetische Ministerpräsident Alexei N. Kossygin trifft zu einem siebentägigen Aufenthalt in Ägypten ein. Es ist die erste Reise des Regierungschefs in ein nichtkommunistisches Land seit dem Sturz von Nikita S. Chruschtschow im Oktober 1964. Ägypten erhofft sich von den Konsultationen weitere Kredite. Die Hilfe aus Moskau beläuft sich derzeit auf 800 Mio. Rubel (3,5 Mrd. DM) für den Assuan-Staudamm und andere Entwicklungsprojekte sowie etwa 1 Mrd. Rubel (4,45 Mrd. DM) Militärhilfe.

11.5.1966, Mittwoch

Zum sechsten Mal gewinnt Real Madrid den Europacup der Landesmeister. Die spanische Elf besiegt Partizan Belgrad in Brüssel 2:1.

Bei einem Erdbeben in Taschkent werden 100 000 Menschen obdachlos.

12.5.1966, Donnerstag

Um die alliierten Hauptquartiere auf französischem Boden nach dem Ausscheiden Frankreichs aus der NATO am 1. Juli nicht funktionsunfähig zu machen, erklärt sich die Pariser Regierung offiziell bereit, ihr technisches Personal bis zum 1. Oktober dort zu belassen. Die Stabsoffiziere hingegen verlassen zum angegebenen Zeitpunkt ihre Posten.

13.5.1966, Freitag

Nach heftigen Debatten stimmt der DGB-Kongress in Berlin in einer Kampfabstimmung mit 251 von 431 Stimmen gegen die von der Bundesregierung geplante Notstandsgesetzgebung.

In Johannesburg demonstrieren 3000 Hochschüler gegen die Verhängung einer fünfjährigen Bannverfügung gegen den Vorsitzenden der Studentenvereinigung Ian Robertson.

14.5.1966, Samstag

An zahlreichen US-amerikanischen Universitäten werden freiwillige Intelligenztests durchgeführt, mit denen Verteidigungsminister Robert McNamara die Rekrutierung von Soldaten für den Einsatz in Vietnam vereinfachen will.

Der Schweizer Bundesgerichtshof erteilt die Genehmigung zur Auslieferung des von den Wuppertaler Behörden gesuchten früheren SS-Sturmbandführers Erhard Kröger. Kröger, der Ende 1965 in Zürich verhaftet wurde, wird des Mordes an Juden in den ukrainischen Städten Lemberg und Winniza sowie in mehreren Konzentrationslagern bezichtigt.

Mit 5,32 m stellt der US-Amerikaner Bob Seagren in Fresno (US-Bundesstaat Kalifornien) einen Weltrekord im Stabhochsprung auf.

15.5.1966, Sonntag

Nach Angaben des Psychiaters Efren E. Ramirez leben derzeit 30 000 Suchtkranke in New York City. Bürgermeister John Lindsay ernannte Ramirez im März zum Koordinator für Narkotikafragen.

In der Hamburger Untersuchungshaftanstalt kommt es zu einem Aufruhr zahlreicher Häftlinge, der von der Polizei durch den Einsatz von Tränengas niedergeschlagen wird. Die Protestaktion steht im Zusammenhang mit dem Ende Januar publik gewordenen Fall eines nervenkranken Insassen, der an den Folgen einer Embolie starb, die durch Schläge verursacht wurde. Die Untersuchung des Vorfalls wird von einem Sonderausschuss des Senats geführt.

In Anwesenheit von 10 000 Vertriebenen legt Altbundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) in der Nähe des Grenzdurchgangslagers Friedland den Grundstein für eine Gedächtnisstätte zur Erinnerung an das Schicksal von Kriegsgefangenen, Verschollenen und Vertriebenen.

16.5.1966, Montag

An der DDR-Grenze bei Trettenborn (Harz) wird beim Fluchtversuch eines jungen Paares eine 20-Jährige Frau von Grenzposten erschossen. Der Mann erreicht bundesdeutsches Gebiet. Beide hatten wegen eines früheren Fluchtversuchs in der DDR eine Haftstrafe verbüßt.

Ein Disziplinarsenat der österreichischen Hochschulen versetzt den Wiener Professor Taras Borodajkewycz, der an der Hochschule für Welthandel lehrt, in den Ruhestand. Er hat sich wiederholt in Vorlesungen seiner nationalsozialistischen Vergangenheit gerühmt. Im Vorjahr war es zu Demonstrationen für und gegen den Verbleib von Borodajkewycz gekommen, in deren Verlauf ein Rentner von einem neonazistischen Jugendlichen erschlagen wurde.

In Großbritannien treten 15 000 Seeleute in einen unbefristeten Streik, um ihre Forderungen nach einer 17%igen Lohnerhöhung und der sofortigen Einführung der 40-Stunden-Woche durchzusetzen.

Im französischen St. Amand-les-Eaux wird von Delegationen aus Andernach und Dimona der erste Partnerschaftsvertrag zwischen einer deutschen und einer israelischen Stadt unterzeichnet.

17.5.1966, Dienstag

Der rumänische Außenhandelsminister Gheorghe Cioara trifft zu einem achttägigen Besuch in der Bundesrepublik ein. Er betont, sein Land sei nicht nur an der Ausweitung des Warenverkehrs sowie des Tourismus interessiert, sondern strebe auch eine Normalisierung der beiderseitigen Beziehungen an.

Im größten Warnstreik seit 13 Jahren legen in Frankreich 2,5 Mio. Angestellte des öffentlichen Dienstes ihre Arbeit für 24 Stunden nieder. Sie fordern Lohnerhöhungen sowie die Einführung der 40-Stunden-Woche.

An der katholischen Universität in Löwen kommt es zu schweren Ausschreitungen, als flämische Studenten gegen den Beschluss der belgischen Bischofskonferenz demonstrieren, den französischsprachigen Fakultäten weiterhin in der Stadt Heimatrecht zu gewähren. Bis die Polizei einschreitet, zerschlagen die Protestierenden Schaufenster von französischen Geschäften und Banken und werfen Steine gegen Wohnungen von Professoren, die sich für die Beibehaltung der Einheit ausgesprochen haben.

18.5.1966, Mittwoch

Die USA schließen mit Indien in Neu-Delhi ein Abkommen über die Lieferung von angereichertem Uran im Wert von 100 Mio. US-Dollar (400 Mio. DM). Es handelt sich dabei um den ersten Verkauf von Atombrennstoff an ein asiatisches Land. Die indische Regierung muss sich verpflichten, das Uran ausschließlich für friedliche Zwecke zu nutzen.

Im Rhein bei Duisburg wird ein weißer Wal gesichtet, der erst nach vier Wochen den Weg zurück in die Nordsee findet. Mehrere Versuche, das Tier zu fangen, schlagen fehl.

19.5.1966, Donnerstag

Die katholischen Bischöfe in der Bundesrepublik geben zum Himmelfahrtsfest bekannt, sie hätten aus der “Misereor”-Kollekte einen neuen Soforthilfe-Fonds von 5 Mio. DM zur Linderung des Hungers in Indien bereitgestellt. Das “Misereor”-Werk hat in diesem Jahr bereits 11,4 Mio. DM an Hilfsmitteln für Indien aufgebracht. Die evangelische Aktion “Brot für die Welt” finanziert derzeit Kinderspeisungen in 1300 indischen Orten, wobei an mindestens 50 000 Kinder täglich eine warme Mahlzeit ausgegeben wird.

20.5.1966, Freitag

In West-Berlin wird die Deutsch-Israelische Gesellschaft gegründet. Präsident der Gesellschaft ist der Bundestagsabgeordnete Gerhard Jahn (SPD), Vizepräsident u.a. der Berliner CDU-Abgeordnete Ernst Benda. In der Gründungsrede äußert der Regierende Bürgermeister von West-Berlin Willy Brandt, die Ansicht, die jungen Deutschen seien “frei von subjektiver Schuld und objektiver Verantwortung für das, was zwischen Deutschland und Israel” stehe.

Mit großer Mehrheit sprechen sich die Delegierten der 19. Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf gegen eine direkte Hilfe der Vereinten Nationen bei einem weltweiten Programm zur Geburtenkontrolle aus. Die Vertreter von katholischen Ländern äußern moralische Bedenken, mehrere Staaten der Dritten Welt halten eine stärkere Finanzhilfe für wichtiger.

Das höchste Gebäude Londons, ein 177,5 m hoher Postturm, wird für die Öffentlichkeit freigegeben.

Bei den Filmfestspielen in Cannes werden die diesjährigen Preisträger der “Goldenen Palme” ausgezeichnet, u.a. der Regisseur Claude Lelouch für seinen Film “Ein Mann und eine Frau”.

21.5.1966, Samstag

Im Ruhrgebiet kommt es zu zahlreichen Protestaktionen von Bergarbeitern gegen die Energiepolitik der Bundesregierung und der Düsseldorfer Landesregierung. Insgesamt müssen an diesem Wochenende 70 000 Kumpel von 25 Schachtanlagen eine Feierschicht einlegen.

Durch einen K. o.-Sieg in der sechsten Runde verteidigt Box-Weltmeister Cassius Clay in London seinen Titel im Schwergewicht gegen den Briten Henry Cooper.

22.5.1966, Sonntag

Der Schotte Jackie Stewart gewinnt auf BRM den Großen Preis von Monaco.

Auf Initiative des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) demonstrieren mehrere tausend Studenten und Angehörige linksgerichteter Jugendorganisationen auf dem Frankfurter Römerberg gegen die Intervention der USA in Vietnam. Alle im Bundestag vertretenen Parteien haben die Teilnahme an einer vorher stattfindenden Diskussion in der Frankfurter Universität abgelehnt.

Die dreitägigen Verhandlungen von Bundeskanzler Ludwig Erhard (CDU) mit der britischen Regierung über die von London geforderte Neuregelung des sog. Devisenausgleichs, der die Kosten für die Rheinarmee decken soll, enden ergebnislos.

23.5.1966, Montag

Nach Einsetzung eines neuen Rektors beenden die Studenten der Universität von Mexico City einen zweimonatigen Streik. Sie protestierten gegen die Zwangsexmatrikulation von zwei Kommilitonen, denen kommunistische Propaganda zur Last gelegt wurde.

24.5.1966, Dienstag

Das Lüneburger Schwurgericht verurteilt den 72-Jährigen Polizeihauptmann a. D. Paul Degenhardt zu lebenslänglichem Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Er wird des Mordes an fast 50 Juden im polnischen Tschenstochau während des Zweiten Weltkriegs für schuldig befunden.

In einem Interview mit der Stockholmer Zeitung “Dagens Nyheter” äußert der chinesische Außenminister Tschen Ji, sein Land werde sich im Falle eines bewaffneten Konflikts mit den USA auf dem vietnamesischen Kriegschauplatz nicht auf die Hilfe der UdSSR verlassen. Moskau strebe genau wie die USA die Weltherrschaft an.

25.5.1966, Mittwoch

Bundesverteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel (CDU) gibt dem Bundestag bekannt, dass er Ermittlungsverfahren wegen Bestechung gegen Mitglieder seines Ministeriums eingeleitet habe.

Der König von Buganda, Edward F. Mutesa, wird von Ugandas Staatspräsident Milton Obote mit militärischen Mitteln zur Abdankung gezwungen. Buganda ist Teil der Föderation Uganda. Mutesa emigriert ins britische Exil.

Das südafrikanische Informationsministerium in Pretoria gibt bekannt, dass ausländische Journalisten, die den US-amerikanischen Senator Robert F. Kennedy auf seiner viertägigen Südafrikareise Anfang Juli begleiten wollen, keine Einreiseerlaubnis erhalten werden. Der Senator ist entschiedener Gegner der Rassentrennung.

Bei einem bewaffneten Überfall auf einen Geldtransport erbeuten zwei Banditen in London 98 000 Pfund (fast 1,1 Mio. DM). Die Täter entkommen.

26.5.1966, Donnerstag

Britisch-Guyana erhält seine Unabhängigkeit von Großbritannien und wird als neues Mitglied in den Commonwealth aufgenommen.

In Dortmund wird der Grundstein für eine neue Universität gelegt.

Nach zweimonatigen Verhandlungen kommen SED und SPD überein, ihren geplanten Redneraustausch am 14. Juli in Karl-Marx-Stadt und am 21. Juli in Hannover stattfinden zu lassen.

27.5.1966, Freitag

In dritter Lesung stimmt der Bundestag dem Bundeshaushalt 1966 zu. Dieser sieht Ausgaben in Höhe von 68,9 Mrd. DM vor.

In Jakarta geht die neue Regierung unter General Kemusu Suharto mit Waffengewalt gegen demonstrierende Studenten vor. Diese fordern die sofortige Einberufung des provisorischen Volkskongresses, dem höchsten Legislativorgan in Indonesien. Während Suharto Staatspräsident Achmed Sukarno formal in seinem Amt belassen will, fordern die Studenten ein öffentliches Gerichtsverfahren gegen den weitgehend entmachteten Staatschef.

Das Drama “Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats” von Peter Weiss wird von New Yorker Theaterkritikern zum besten Werk der Broadway-Saison 1965/66 gewählt. Der “New York Drama Critics Award” ist mit 1000 US-Dollar (4000 DM) dotiert.

28.5.1966, Samstag

Der TSV 1860 München wird erstmals in seiner Vereinsgeschichte Deutscher Fußballmeister.

29.5.1966, Sonntag

US-Verteidigungsminister Robert McNamara dementiert, seinen bundesdeutschen Amtskollegen Kai-Uwe von Hassel (CDU) als “einen Mann von mittlerer Intelligenz und begrenzter Auffassungsgabe” bezeichnet zu haben. Das Hamburger Nachrichten-Magazin “Der Spiegel” hatte diese Äußerung verbreitet.

30.5.1966, Montag

Aus Protest gegen die Militärregierung in Saigon verbrennen sich in Hue vier oppositionelle Buddhisten. 42 weitere Mitglieder der Religionsgemeinschaft drohen, auf gleiche Weise in den Tod zu gehen, um das Saigoner Militärregime zu Friedensverhandlungen mit Nordvietnam zu zwingen.

Die sowjetische Raumsonde “Luna 10” beendet nach 460 Mondumkreisungen zur Erde ihr Projekt. Der Flugkörper hat eine Strecke von insgesamt 7 Mio. km zurückgelegt und übermittelte 219mal Daten über die Oberflächenstruktur des Erdtrabanten zur Heimatstation.

31.5.1966, Dienstag

In der brasilianischen Provinz Pernambuco kommen bei Überschwemmungen 73 Menschen ums Leben, etwa 10 000 Einwohner werden obdachlos. In dem Gebiet sind wochenlang schwere Regenfälle niedergegangen.