Was geschah im Mai 1968

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1.5.1968, Mittwoch

Knochenfunde an der Pazifikküste des US-amerikanischen Bundesstaates Washington ergeben, dass es schon vor 11 000 bis 13 000 Jahren Menschen in Amerika gegeben hat. Die bisher ältesten Funde in Mexiko waren auf etwa 10 000 Jahre datiert worden.

Statt der früher üblichen Militärparade zum 1. Mai findet in Prag ein Demonstrationsmarsch von mehreren hunderttausend Menschen statt, auf dem die freiwillig erschienenen Teilnehmer die Fortsetzung der politischen Liberalisierung in der CSSR fordern.

2.5.1968, Donnerstag

Josef Stingl (CDU) tritt als Nachfolger von Anton Sabel (CDU) sein neues Amt als Präsident der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung an.

Israel feiert in Jerusalem den 20. Jahrestag seiner Staatsgründung mit der bisher größten Militärparade des Landes. Es werden auch Waffen gezeigt, die im Sechstagekrieg vom Juni 1967 erbeutet wurden.

Die in den USA sehr populäre Folksängerin Judy Collins startet eine Tournee durch Europa.

3.5.1968, Freitag

Wegen Mordes und Beihilfe zum Mord an mindestens 30 000 Juden und Polen während des Zweiten Weltkrieges verurteilt das Schwurgericht Münster im bisher längsten NS-Prozess (Beginn: 18.4.1966) drei Angeklagte zu lebenslänglichem Zuchthaus und verhängt acht Freiheitsstrafen zwischen viereinhalb und neun Jahren.

Nach blutigen Auseinandersetzungen zwischen demonstrierenden Studenten und der Polizei wird die Sorbonne, die Universität von Paris, erstmals in ihrer Geschichte geschlossen.

In mehreren Großstädten der USA beginnt ein sog. “Marsch der armen Leute auf Washington”.

Dem 69-Jährigen britischen Bildhauer Henry Moore wird der mit 100 000 Gulden (über 110 000 DM) dotierte “Erasmus-Preis 1968” in Arnheim durch Prinz Bernhard der Niederlande überreicht.

Die Schwetzinger Festspiele werden im Schlosstheater mit der Oper “Il Conte Ory” von Gioacchino Rossini eröffnet. Sie dauern bis zum 25. Mai.

4.5.1968, Samstag

In Stuttgart wird die Ausstellung “50 Jahre Bauhaus” im Beisein des Bauhausgründers, des Architekten und Künstlers Walter Gropius, eröffnet.

Die 26-Jährige Soul- und Gospelsängerin Aretha Franklin gibt zwei bis auf den letzten Platz ausverkaufte Konzerte in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

In Essen wird die Sozialistische Deutsche Arbeiter-Jugend (SDAJ) gegründet. Der politische Jugendverband soll junge Kommunisten aus der Bundesrepublik organisieren.

5.5.1968, Sonntag

Vietcong-Verbände greifen insgesamt 116 Städte und Militäranlagen in Südvietnam an. In Saigon fallen der Erste Sekretär der bundesdeutschen Botschaft, Hasso Rüdt von Collenberg, und vier ausländische Journalisten der neuen Angriffswelle zum Opfer.

Der Brite Vic Elford gewinnt auf Porsche 907 die Targa Florio. Das älteste europäische Autorennen auf öffentlichen Straßen wird auf einem Rundkurs in der Nähe von Palermo (Sizilien) ausgetragen.

6.5.1968, Montag

Eine Demonstration gegen die Schließung der Sorbonne und der philosophischen Fakultät in Nanterre endet im Pariser Studentenviertel Quartier Latin mit einer Straßenschlacht.

Spanien schließt die Landgrenze zu Gibraltar. Lediglich die etwa 6000 Spanier, die in der britischen Kronkolonie arbeiten, dürfen täglich überwechseln.

In Artlenburg (Niedersachsen) beginnen im Beisein von Bundesverkehrsminister Georg Leber (SPD) die Bauarbeiten für den Elbe-Seitenkanal, der die Niederelbe und den Mittellandkanal verbinden soll.

7.5.1968, Dienstag

Nach 415 Tagen auf See läuft der 27-Jährige Wilfried Erdmann aus Büchen mit seiner Jolle “Kathena” in den Helgoländer Hafen ein. Als erster Deutscher hat er allein die Welt umsegelt.

Das Zweite Deutsche Fernsehen strahlt die letzte Folge der britischen Kriminalserie “Mit Schirm, Charme und Melone” aus.

Unbekannte plündern in Schleswig-Holstein drei Seeadlerhorste. Von den letzten sechs in der Bundesrepublik lebenden Seeadlerpaaren, die alle im nördlichsten Bundesland nisten, brütet jetzt lediglich noch ein einziges.

8.5.1968, Mittwoch

Die 22. Ruhrfestspiele in Recklinghausen werden mit “Troilus und Cressida” von William Shakespeare in der Regie von Heinrich Koch eröffnet (Hauptrollen: Gerhard Seid, Christine Wodetzki).

Der US-amerikanische Autor William Styron erhält für seinen Roman “Die Bekenntnisse des Nat Turner” die bedeutendste Literaturauszeichnung der USA, den Pulitzer-Preis. Der Roman behandelt eine historische Sklavenrevolte im Jahre 1831, die von dem schwarzen Prediger Nat Turner angeführt wurde.

Etwa 6000 Ingenieurstudenten blockieren für Stunden den Innenstadtverkehr von Düsseldorf. Sie fordern eine Reform ihrer Ausbildung und die Umwandlung ihrer Ausbildungsstätten in anerkannte Fachhochschulen.

9.5.1968, Donnerstag

Vietcong-Verbände starten einen Großangriff auf Saigon. Nordvietnam versucht, durch militärische Erfolge seine Verhandlungsposition bei den am 13. Mai in Paris beginnenden Gesprächen mit den USA zur Beendigung des Vietnamkrieges zu verbessern.

Im Werk Sindelfingen läuft der zweimillionste Mercedes-Benz-Personenwagen seit Wiederaufnahme der Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1946 vom Band.

In Wiesbaden wird der Grundstein zur Deutschen Klinik für Diagnostik gelegt. Das Krankenhaus folgt dem Beispiel der berühmten Mayo-Klinik in Rochester (USA) und erarbeitet mit Spezialisten aus 40 Disziplinen Diagnosen für die behandelnden Ärzte. Die Klinik ist die erste ihrer Art im Bundesgebiet.

Der Trend zum Markennamen bei Bananen hält an. Ein Verbund von Hamburger Firmen bringt die Marke “Onkel Tuca” auf den deutschen Markt.

10.5.1968, Freitag

Vor dem Hamburger Landgericht unterliegt der Springer-Konzern gegen die Hamburger Wochenzeitung “Die Zeit”. Nach Meinung des Gerichts ist die von der “Zeit” erhobene Behauptung zulässig, dass Springer-Zeitungen die Wahrheit verfälschen.

Während einer Studentendemonstration im Pariser Quartier Latin kommt es zu stundenlangen blutigen Straßen- und Barrikadenkämpfen mit der schwerbewaffneten Polizei.

Ein Taifun mit Windgeschwindigkeiten bis zu 210 km/h verwüstet die Südwestküste Birmas und fordert über 1000 Menschenleben.

11.5.1968, Samstag

Mit einem friedlichen Sternmarsch nach Bonn und einer Kundgebung in Dortmund protestieren zwischen 30 000 und 80 000 Demonstranten gegen die geplante Verabschiedung einer bundesdeutschen Notstandsverfassung.

Peter Handkes Schauspiel “Kaspar” wird in Frankfurt am Main und in Oberhausen uraufgeführt.

12.5.1968, Sonntag

Im Londoner “Empire Pool”-Club betreten die “Rolling Stones” unangekündigt die Bühne und spielen zum ersten Mal öffentlich ihren späteren Hit “Jumpin’ Jack Flash”. Die Single kommt am 24. Mai auf den Markt.

Nach Konsultationen mit den Parteichefs der DDR, Polens, Ungarns und Bulgariens in Moskau sieht die sowjetische Führung von wirtschaftlichen und politischen Sanktionen gegen die CSSR vorerst ab. Es halten sich jedoch Gerüchte über militärische Interventionspläne der UdSSR.

13.5.1968, Montag

Mit einem Generalstreik protestieren in Frankreich die Arbeitnehmer gegen das brutale Vorgehen der Polizei gegen demonstrierende Studenten.

In Paris beginnen erstmals offizielle Gespräche zur Beendigung des Vietnamkriegs zwischen den USA und Nordvietnam.

14.5.1968, Dienstag

In allen Universitätsstädten der Bundesrepublik fordern Medizinstudenten mit Demonstrationsmärschen und Tausenden von Telegrammen an die Ministerpräsidenten der Länder bessere Ausbildungsmöglichkeiten und eine höhere Entlohnung für Medizinalassistenten.

Auf dem deutschen Markt werden erstmals Scheibenwischer mit Intervall-Schaltern angeboten, die das Ein- und Ausschalten der Scheibenwischer automatisch regulieren.

15.5.1968, Mittwoch

Wegen der zweiten Lesung der Notstandsgesetze im Bundestag boykottieren Tausende von Studenten und Schülern im ganzen Bundesgebiet ihre Universitätsvorlesungen bzw. ihren Unterricht. Sie folgen damit einem Aufruf des Verbandes Deutscher Studentenschaften.

Das Kohleanpassungsgesetz tritt in Kraft. Es sieht Maßnahmen zur Sanierung des bundesdeutschen Steinkohlenbergbaus vor und soll durch die Förderung von Unternehmenskonzentration zu neuen Investitionen in Bergbaugebieten, besonders aber im Ruhrgebiet, führen.

Die schwedische Reichsbank stiftet aus Anlass ihres 300-Jährigen Bestehens den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, der erstmals 1969 verliehen werden soll.

Das ZDF sendet eine zweistündige Fernsehfassung des Dramas “Der Tod des Handlungsreisenden” von Arthur Miller.

16.5.1968, Donnerstag

In Frankreich besetzen streikende Arbeiter sämtliche Produktionsstätten der staatlichen Renault-Werke. Auch in anderen Wirtschaftsbereichen beginnen wilde Streiks.

Hausfrau” ist dann eine Berufsbezeichnung, wenn eine Ehefrau ihre Arbeitszeit zum überwiegenden Teil der Versorgung von Ehemann und Kindern widmet. Dies stellt das Amtsgericht Augsburg in einem Urteil fest.

Bei Kämpfen im zentralen Hochland Vietnams erleiden die US-amerikanischen Truppen hohe Verluste. Mit den 562 Gefallenen der zweiten Maiwoche haben die USA seit dem 1. Januar 1961 22 951 Soldaten verloren. Auf seiten der Vietcong und Nordvietnams sollen etwa 432 000 Soldaten gefallen sein.

17.5.1968, Freitag

Der Bundestag verabschiedet die 20. Novelle zum Lastenausgleichsgesetz. Sie sieht neue Hilfen für Heimatvertriebene in Höhe von 1,5 Milliarden DM vor.

Esro II”, der erste europäische Satellit wird in Vandenberg (Kalifornien) gestartet und von einer US-amerikanischen “Scout”-Rakete in seine Umlaufbahn gebracht.

Die größte Gewerkschaft der USA, die United Automobile Workers (UAW), wird aus dem Dachverband der US-Gewerkschaften ausgeschlossen. Die Gewerkschaft der Automobilarbeiter hatte sich geweigert, weiterhin Beiträge an den Dachverband AFL-CIO zu zahlen.

18.5.1968, Samstag

Die Filmfestspiele von Cannes (Frankreich) werden vorzeitig abgebrochen, weil französische Filmregisseure, Produzenten und Kritiker aus Solidarität mit den protestierenden Arbeitern und Studenten die Vorführhalle des Festivals besetzen.

In ganz Deutschland ist es für die Jahreszeit ungewöhnlich kalt. Im Hochsauerland sinken die Temperaturen auf minus 2 auf dem Brocken, dem mit 1142 m höchsten Berg des Harzes, schneit es seit einer Woche ununterbrochen.

19.5.1968, Sonntag

Der Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) lehnt in Düsseldorf einen Generalstreik zur Verhinderung der Notstandsgesetze ab. Dieser Entscheidung schließt sich die Deutsche Angestelltengewerkschaft (DAG) am 21. Mai an.

Im Krieg um die nigerianische Ostregion Biafra erobern Truppen der Zentralregierung in Lagos den strategisch wichtigen Hafen Port Harcourt.

Aus Protest gegen die Friedensverhandlungen zwischen Nordvietnam und den USA in Paris tritt die südvietnamesische Regierung unter Ministerpräsident Nguyên Van Loc zurück, die erst ein halbes Jahr im Amt war.

20.5.1968, Montag

Die Tarifpartner der Metallindustrie stimmen in Bad Nauheim einem Einigungsvorschlag der Schlichtungskommission zu, der eine gestaffelte Lohnerhöhung um 7% vorsieht. Außerdem enthält der neue Tarifvertrag erstmals eine Schutzklausel gegen Rationalisierungsmaßnahmen der Arbeitgeber.

Durch den größten Streik seit 30 Jahren ist das wirtschaftliche Leben in Frankreich fast völlig gelähmt. Mehr als sieben Millionen Arbeitnehmer befinden sich im Ausstand.

21.5.1968, Dienstag

Mit knapper Mehrheit sichert sich die britische Labour-Regierung die Zustimmung des Londoner Unterhauses zu ihrer Gesetzesvorlage über Lohn- und Preiskontrollen während der kommenden 18 Monate.

Brian Jones, Gitarrist der Rockgruppe “The Rolling Stones”, wird in der britischen Hauptstadt London wegen Marihuanabesitzes verhaftet.

22.5.1968, Mittwoch

Die Pressekommission der Bundesregierung stellt in einem Gutachten fest, dass der Springer-Konzern die Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik gefährdet.

Im französischen Parlament scheitert ein Misstrauensantrag der oppositionellen Linksparteien gegen die gaullistische Regierung nur knapp. An der notwendigen absoluten Mehrheit von 243 Stimmen fehlen nur 11.

Nach Angaben des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums sind in den letzten zwei Jahren 282 US-Soldaten aus politischen Gründen ins Ausland desertiert. Insgesamt sind etwa 500 GIs fahnenflüchtig.

In der Schweiz wird zum ersten Mal eine Frau Bürgermeisterin. Die Lehrerin Lise Girardet übernimmt für ein Jahr die Führung der Stadt Genf.

23.5.1968, Donnerstag

In Kampala, der Hauptstadt Ugandas, beginnen Friedensverhandlungen zur Beendigung des seit Fast einem Jahr andauernden Bürgerkriegs in Nigeria zwischen Vertretern der Zentralregierung in Lagos und den Rebellen der Ostregion Biafra.

Der italienische Fußballclub AC Mailand gewinnt den Europacup der Pokalsieger durch einen 2:0-Sieg über den Hamburger SV im Feijenoord-Stadion von Rotterdam (Niederlande).

24.5.1968, Freitag

Nach einer Umfrage des Allensbacher Institutes für Demoskopie glauben 17% der Frauen in der Bundesrepublik, eine Frau könne ohne Mann abends nicht ausgehen.

Die Bundesregierung beschließt die Pflicht zur Offenlegung der Bilanzen auch für Großunternehmen, die keine Aktiengesellschaften sind.

Nach einer Schätzung des Deutschen Philologenverbandes werden 1970 in der Bundesrepublik rund 90 000 Lehrer fehlen und nur drei Viertel der notwendigen Planstellen besetzt sein.

25.5.1968, Samstag

Ein Schachturnier internationaler Großmeister in Büsum gewinnt sensationell der 19-Jährige Robert Hübner aus Porz. Nur wenige Spieler vor ihm haben im gleichen Alter einen derartigen Wettbewerb als Sieger beendet.

Der 1. FC Nürnberg mit Trainer Max Merkel wird Deutscher Fußballmeister 1968. Dies ist der neunte Titelgewinn für den Verein.

26.5.1968, Sonntag

Einem Untersuchungsbericht des Internationalen Roten Kreuzes (IRK) zufolge sind in Griechenland 2423 Menschen aus politischen Motiven inhaftiert. Der Mittelmeerstaat ist seit dem Putsch vom 21. Juni 1967 eine Militärdiktatur.

Auf den Straßen Islands wird der Rechtsverkehr eingeführt. In Europa fahren somit nur noch Briten und Iren links.

Mit 2 sec Vorsprung gewinnt Graham Hill (GB) in einem Ford Lotus den 26. Großen Preis von Monaco in Monte Carlo und baut damit seine Führung in der Gesamtwertung der Formel-I-Weltmeisterschaft weiter aus.

27.5.1968, Montag

Die drei Westmächte Großbritannien, Frankreich und die USA verzichten in gleichlautenden Erklärungen auf ihre Vorbehaltsrechte für den Notstand, falls der Bundestag die Notstandsverfassung verabschiedet. Für Berlin (West) gelten die alliierten Rechte jedoch weiterhin.

Die französische Regierung unter Ministerpräsident Georges Pompidou und die Arbeitgeberverbände geben der Streikbewegung nach und akzeptieren die meisten Forderungen der Gewerkschaften nach sozialen Reformen, Lohnerhöhungen und einer Modernisierung des Bildungssystems. Dennoch halten Studentendemonstrationen und Streiks an.

In Alsdorf beginnt vor dem Aachener Landgericht der Contergan-Prozess um das gleichnamige Arzneimittel der Firma Chemie Grünenthal.

28.5.1968, Dienstag

Die Arbeitsgemeinschaft der Bundesländer zur Reinhaltung des Rheins weist in einer in Bonn vorgelegten Denkschrift darauf hin, dass sich die Wasserqualität des Rheins seit 1949 ständig verschlechtert hat.

Der mit 20 000 DM dotierte Kulturpreis des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) wird in Recklinghausen dem Maler und Graphiker Helmut Andreas Paul (HAP) Grieshaber verliehen.

Das Aktionskomitee Demokratie im Notstand, dem bekannte Künstler, Schriftsteller und Professoren angehören, veranstaltet im Großen Sendesaal des Hessischen Rundfunks in Frankfurt am Main eine Protestkundgebung gegen die Notstandsverfassung.

29.5.1968, Mittwoch

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York verhängt über Rhodesien ein totales Handelsembargo, um die Regierung des afrikanischen Staates zur Aufgabe ihrer Politik der Rassendiskriminierung zu zwingen.

Die Suche nach dem seit dem 21. Mai verschollenen Atom-Unterseeboot “Scorpion” der US-Marine im Atlantik bleibt ergebnislos.

Manchester United gewinnt im Londoner Wembley-Stadion mit einem 4:1-Sieg über Benfica Lissabon in der Verlängerung den Europapokal der Fußball-Landesmeister.

30.5.1968, Donnerstag

Mit 384 gegen 100 Stimmen bei einer Enthaltung billigt der Bundestag trotz heftiger Proteste der Öffentlichkeit die Notstandsverfassung.

Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle löst die Nationalversammlung auf und kündigt Neuwahlen an, die Ende Juni stattfinden werden.

Mit Zweidrittel-Mehrheit wird der ehemalige Parteichef und Staatspräsident der CSSR, Antonín Novotný, aus dem Zentralkomitee der KPC ausgeschlossen. Damit verliert er seine letzte politische Funktion. Seine Mitgliedschaft in der Partei ruht.

31.5.1968, Freitag

Der 67-Jährige britische Pressemagnat Cecil King wird in London vom Aufsichtsrat des britischen Zeitungs- und Zeitschriftenkonzerns International Publishing Corporation entlassen, weil er in dem Massenblatt “Daily Mirror” am 10. Mai den Rücktritt von Premierminister Harold Wilson gefordert hatte.

Sowjetische Truppen rücken zu “Stabsmanövern” in die CSSR ein. Nach den ständigen Beratungen der Sowjetunion mit den Staats- und Parteiführungen der Warschauer-Pakt-Staaten seit dem 8. Mai zeichnet sich damit die Möglichkeit einer militärischen Intervention der UdSSR in der CSSR ab.

Die algerische Regierung verstaatlicht die letzten Privatbanken. Bereits am 1. November 1967 hatte sie den Zahlungsverkehr mit dem Ausland zum Monopol der algerischen Staatsbanken erklärt.