Was geschah im November 1901

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Wetterstationen November 1901

1.11.1901, Freitag

An der Universität von Innsbruck stören deutschnationale Studenten Vorlesungen der juristischen Fakultät, die in italienischer Sprache abgehalten werden. Die Vorlesungen müssen für längere Zeit unterbrochen werden. Am 7. November äußert sich der österreichische Unterrichtsminister Wilhelm August Ritter von Hartel zu den Vorfällen. Ihm zufolge entsprechen die Vorlesungen auf italienisch einem Bedürfnis der örtlichen Studentenschaft und sollen zugleich die Errichtung einer eigenen italienischen Fakultät vorbereiten.

In der polnischen Presse Oberschlesiens wird verstärkt über die Haltung gegenüber der katholischen Zentrums-Partei diskutiert. Vorausgegangen war die Aufforderung eines Posener Blattes an die katholischen Polen, sich vom Zentrum zu lösen und “nationalpolnische” Standpunkte zu vertreten. Demgegenüber sprechen sich andere Blätter gegen eine Trennung aus. Bereits im Oktober kam es im Ruhrgebiet zu einem Konflikt mit dem Zentrum, als dortige Polen die Aufstellung eigener Kandidaten bei Wahlen vorschlugen.

Prinzregent Luitpold von Bayern bildet eine aus Künstlern und Beamten bestehende Kommission. Das Gremium soll bei Entwurf und Ausführung staatlicher Monumentalbauten beratend tätig werden.

In Bern beschließt die Aktionärsversammlung der Schweizer Nordostbahn den Verkauf ihres Bahnnetzes an den Staat. Der Zugbetrieb wird ab 1. Januar 1902 in staatlicher Regie durchgeführt. Die Nordostbahn bedient u.a. Zürich, Luzern und Winterthur. In einer Volksabstimmung stimmten die Schweizer am 20. Februar 1898 der Übernahme verschiedener privater Bahnlinien durch den Staat grundsätzlich zu.

Nach Angaben des russischen Finanzministers Sergei J. Witte ist die Transsibirische Eisenbahn in wichtigen Teilstücken fertiggestellt. Im Jahr 1902 wird der Betrieb von Moskau über Irkutsk bis zur Mandschurei aufgenommen. Der Ausbau der Linie bis Wladiwostok wird 1916 beendet. Begonnen haben die Arbeiten an der “Transsib” im Jahr 1891, sie haben u.a. der russischen Eisen- und Stahlindustrie zu einem vorübergehenden Aufschwung verholfen.

2.11.1901, Samstag

In Wien beginnt der zweite Gesamtparteitag der österreichischen Sozialdemokraten, deren Führer Victor Adler ist. Auf dem Treffen wird das sog. Wiener Programm verabschiedet.

3.11.1901, Sonntag

In Frankreich wird die Absetzung des Bürgermeisters in der zentralfranzösischen Stadt Bourges durch die Regierung bekannt. Nach offizieller Darstellung soll der Politiker junge Rekruten zur “Unbotmäßigkeit” beim Militär aufgefordert haben.

Drei Tage, nachdem er den Stundenweltrekord an Piet Dickentman verlor, kontert der Münchener Dauerfahrer Thaddeus Robl: Auf der Radrennbahn im Pariser Prinzenpark-Stadion fährt er im Windschatten eines Motor-Tandems 65,742 km/h – um 121 Meter besser als der Niederländer am 31. Oktober in Leipzig.

4.11.1901, Montag

In Posen (heute Poznan) beginnt ein Prozess gegen 13 polnische Bürger wegen angeblicher “Geheimbündelei”. Sie werden am 9. November zu Gefängnisstrafen zwischen zwei Wochen und vier Monaten verurteilt.

Nach Angaben des britischen Schatzkanzlers Michael Hicks-Beach machen die enormen Kosten des Burenkrieges weitere Steuererhöhungen in Großbritannien unvermeidlich.

In Steglitz (heute zu Berlin) wird der “Wandervogel – Ausschuss für Schülerfahrten e.V.” u.a. durch den Studenten Karl Fischer gegründet. Das Datum markiert den Beginn der deutschen Jugendbewegung.

5.11.1901, Dienstag

Das nach der Levante ausgelaufene französische Flottengeschwader besetzt die osmanische Hafenstadt Mytilini (Insel Lesbos).

Zwischen dem Bundesstaat Württemberg und der Reichspostverwaltung wird ein Abkommen über die Einführung gemeinsamer Briefmarken abgeschlossen. Württemberg verfügt – ebenso wie Bayern – innerhalb des Reiches über eine selbständige Postverwaltung.

6.11.1901, Mittwoch

Die portugiesische Regierung unter Ministerpräsident Ernst Rudolf Hintze-Ribeiro verzeichnet bei den Wahlen zur Cortes (Parlament) in Lissabon eine große Mehrheit.

7.11.1901, Donnerstag

Papst Leo XIII. empfängt in Rom eine Gruppe von 80 englischen Pilgern. In einer Ansprache fordert er alle Engländer zum Studium des Katholizismus auf, um so zur Wiedervereinigung der Kirchen beizutragen. In England herrscht die “Church of England” (auch als anglikanische Kirche bezeichnet), die sich in der Tradition alt-kirchlicher und mittelalterlicher Glaubensformen sieht.

8.11.1901, Freitag

Der österreichische Unterrichtsminister Wilhelm August Ritter von Hartel erklärt auf einer Orthographie-Konferenz in Wien sein Einverständnis mit den Beschlüssen der Rechtschreibkonferenz vom 17. Juni.

In einem Schreiben teilt der preußische Kultusminister Konrad Studt dem Börsenverein deutscher Buchhändler mit, dass ein Termin für die Einführung der neuen Rechtschreibregeln noch nicht feststeht. Daher bleiben bis auf weiteres Lehrbücher unbeanstandet, denen die bisherigen Regeln zugrundeliegen.

Auf einer Sitzung des US-amerikanischen Kabinetts unter Leitung von Präsident Theodore Roosevelt wird der sog. Hay-Pauncefote-Vertrag zum Panama-Kanal gebilligt.

Herzog George Frederick Ernest Albert von Cornwall und York – als Sohn Edwards VII. britischer Thronfolger – wird zum Prince of Wales ernannt. Nach dem Tod seines älteren Bruders Albert seit 1892 Thronfolger, wird er als Georg V. 1910 britischer König.

9.11.1901, Samstag

Sultan Abd Al Hamid II. (Osmanisches Reich) erklärt sich bereit, die französischen Forderungen anzunehmen; ein entsprechendes Abkommen wird am 12. November veröffentlicht. Der französisch-osmanische Konflikt ist mit diesem Schritt beigelegt. Am 10. November verlassen die französischen Besatzungsschiffe unter Admiral Henri Caillard Mytilini.

Einem Bericht der offiziösen “Norddeutschen Allgemeinen Zeitung” zufolge hat sich die britische Regierung zu Schadenersatzzahlungen an deutsche Staatsbürger in Südafrika verpflichtet. Bei einer Höhe von 30 000 Pfund (rund 612 000 Mark) sollen sie Schäden ausgleichen, die als Folge des Burenkrieges entstanden sind.

Die Berliner Presse widmet ihre Aufmerksamkeit mehreren Gastspielen ausländischer Bühnenstars. So gastieren die französische Schauspielerin Réjane (eigtl. Gabrielle-Charlotte Réju) sowie die US-amerikanische Sängerin und Tänzerin Loie Fuller (eigtl. Marie Louise Fuller) mit ihrem berühmten Serpentinentanz in der Hauptstadt. Der portugiesische Bariton Francisco d’Andrade tritt im Theater des Westens in Mozarts “Don Juan” auf.

In Elberfeld (heute zu Wuppertal) wird die romantische Oper “Die Rose vom Liebesgarten” des deutschen Komponisten Hans Pfitzner uraufgeführt. Das Textbuch schrieb James Grun.

10.11.1901, Sonntag

Nach dem Tod von Großwesir Chalil Risaat Pascha wird der bisherige osmanische Justizminister Abdul Rahman Pascha mit der Leitung des Großwesirats beauftragt. Am 18. November wird Said Pascha zum neuen Großwesir (svw. Ministerpräsident; Regierungschef) im Osmanischen Reich ernannt.

11.11.1901, Montag

Im südlichen US-amerikanischen Bundesstaat Alabama wird eine neue Verfassung beschlossen. Sie schränkt die politischen Rechte des schwarzen Bevölkerungsteils drastisch ein.

Paul Graf von Hatzfeldt-Wildenburg scheidet wegen gesundheitlicher Probleme aus seinem Amt als deutscher Botschafter in London aus. Der Diplomat stirbt am 22. November.

12.11.1901, Dienstag

Der Zolltarifentwurf wird vom deutschen Bundesrat in Berlin gebilligt, nachdem die Ausschüsse einzelne Änderungen vorgenommen haben.

13.11.1901, Mittwoch

Die europäischen Grosmächte Russland, Frankreich, Großbritannien und Italien beschließen als Schutzmächte Kretas, den griechischen Prinzen Georg für weitere drei Jahre in seinem Amt als Hochkommissar der Insel zu belassen.

Die osmanische Regierung kommt einer Reihe von Forderungen Österreich-Ungarns nach. Sie betreffen private Interessen österreichisch-ungarischer Staatsbürger. Zugleich sagt die “Hohe Pforte” in Konstantinopel (heute Istanbul) zu, kein Zündholzmonopol ohne Zustimmung Österreich-Ungarns zu erteilen.

Die sog. Arbeitskommission der französischen Abgeordnetenkammer trifft in Paris mit Vertretern des nationalen Bergarbeiterverbandes zusammen. Hauptthema der Unterredungen ist die Herabsetzung der Arbeitszeit für Bergarbeiter.

In München billigt die bayerische Abgeordnetenkammer einen Gesetzentwurf, der die Bereitstellung billigen Wohnraums für Beschäftigte bei der Staatsbahn beinhaltet. Zu diesem Zweck werden vom Parlament insgesamt 4,5 Mio. Mark bewilligt.

14.11.1901, Donnerstag

In einer Thronrede anlässlich der Eröffnung des sächsischen Landtags fordert König Albert von Sachsen einen nachhaltigen Schutz der Landwirtschaft. Zugleich geht Albert auf die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in dem Land ein. Der Staatshaushalt für 1902/03 kann nur durch einen Gesamtzuschlag zur Einkommensteuer ausgeglichen werden.

Vor der Strafkammer in Gnesen (Gniezno; Provinz Posen) beginnt der Prozess gegen 24 Einwohner der polnischen Stadt Wreschen (Wrzesnia). Sie hatten im Rahmen des sog. Wreschener Schulkonflikts gegen die Politik der preußischen Behörden protestiert. Die nach Abschluss der Verhandlung verhängten drakonischen Strafen stoßen auf heftige Empörung und führen verbreitet zu Unruhen.

15.11.1901, Freitag

James J. Jeffries (USA), Box-Weltmeister aller Klassen, verteidigt in San Francisco seinen Titel gegen seinen Landsmann Gus Ruhlin durch K. o. in der fünften Runde.

In Ostpreußen wird der Königsberger Seekanal eröffnet. Die seit 1894 errichtete 42 km lange Wasserstraße im Frischen Haff verbindet Königsberg (heute Kaliningrad) mit seinem Vorhafen Pillau (Baltisk).

16.11.1901, Samstag

In Berlin treffen Vertreter deutscher Reedereien und der Reichsregierung zusammen. Thema der Unterredung ist der US-amerikanische Einfluss auf deutsche Reedereien.

Die Bremer Reederei Norddeutscher Lloyd eröffnet eine neue Dampferlinie von Bremen nach West-Indien.

In Barcelona wird der Rektor der örtlichen Universität seines Amtes enthoben. Er übte massive Kritik an dem autoritären Vorgehen der Regierung gegenüber demonstrierenden Studenten. Die Entlassung führt zu großer Erregung unter der Studentenschaft.

Bei anhaltend schweren Stürmen sinken vor der britischen Küste 33 Schiffe dabei kommen 187 Personen ums Leben.

17.11.1901, Sonntag

Der bekannte deutsche Historiker Theodor Mommsen veröffentlicht eine Polemik gegen die Besetzung akademischer Lehrstühle nach konfessionellen Gesichtspunkten. Im Hintergrund der Streitschrift steht der sog. Fall Spahn.

In der österreichischen Hauptstadt Wien spricht sich das Professorenkollegium der Hochschule für Bodenkultur einstimmig für die Zulassung von Frauen zum Studium aus.

18.11.1901, Montag

In Washington wird zwischen den USA und Großbritannien ein neuer Panamakanal-Vertrag unterzeichnet. Der sog. Hay-Pauncefote-Vertrag hebt die britischen Rechte am Bau eines Schifffahrt-Kanals durch den Isthmus von Panama auf.

Durch einen K. o.-Sieg in der fünften Runde über Jim “Rube” Ferns holt sich Joe Walcott die Box-Weltmeisterschaft im Weltergewicht.

Die Deutsche Schiffsbautechnische Gesellschaft hält ihre Jahresversammlung ab. In Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. steht vor allem die Entwicklung von Kriegsschiffen im Mittelpunkt.

In Rom einigen sich Italien und Großbritannien in zehntägigen Verhandlungen (bis 28. 11.) über die koloniale Grenzziehung in Eritrea und im östlichen Sudan.

19.11.1901, Dienstag

Deutsche Kolonialtruppen unterdrücken in Nordkamerun gewaltsam einen Aufstand der einheimischen Fulbe. Damit dehnt die deutsche Kolonialmacht ihr Herrschaftsgebiet weit in das Hinterland von Kamerun aus.

Der US-amerikanische Außenminister John Hay äußert sich in New York zu Grundzügen der US-Außen- und Handelspolitik. Er fordert von den anderen Großmächten eine “Politik der offenen Tür” auf den östlichen Märkten, z. B. in China. Außerdem erklärt er die sog. Monroe-Doktrin nach wie vor zur Grundlage der Außenpolitik. Die Doktrin sieht u.a. die Zurückdrängung europäischen Einflusses auf dem amerikanischen Kontinent vor.

Lobbyisten von Industrie und Handel in den USA agitieren im Parlament für eine Schutzzollpolitik der Regierung. Eine Senkung der Zölle sollte nur dort praktiziert werden, wo die Interessen einheimischer Produzenten nicht betroffen sind.

20.11.1901, Mittwoch

Der Verwaltungsrat des Internationalen Schiedsgerichtshofes in Den Haag sieht sich zu einer Intervention im Burenkrieg nicht in der Lage. Vertreter der Buren hatten einen entsprechenden Antrag gestellt.

In Brüssel verwirft die belgische Abgeordnetenkammer mit 83 gegen 64 Stimmen einen Antrag auf Abschaffung der sog. Stellvertretung im Militärdienst. Belgische Wehrpflichtige können sich gegen Stellung eines Ersatzmannes von ihrem Militärdienst entbinden lassen.

Die Zweite Kammer des hessischen Parlaments in Darmstadt debattiert über die Anstellung jüdischer Richter. Die Abgeordneten fordern eine gleichberechtigte Behandlung aller Konfessionen. In der Zweiten Kammer, die indirekt und nach ungleichem Wahlrecht gewählt wird, sind die Nationalliberalen stärkste Partei.

21.11.1901, Donnerstag

In der griechischen Hauptstadt Athen kommt es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Studenten und dem Militär, bei denen zehn Demonstranten getötet und 20 verletzt werden. Anlass der Unruhen ist der Widerstand der Studenten gegen eine Übersetzung des Neuen Testaments in das Neugriechische.

Mit dem Sieg der Mannschaft Walthour/MacEachern (USA) endet im Madison Square Garden das New Yorker Sechstagerennen.

In Dresden wird mit “Feuersnot” die zweite Oper des Komponisten Richard Strauss uraufgeführt. Das Libretto stammt von Ernst von Wolzogen.

22.11.1901, Freitag

In der nordvenezolanischen Hafenstadt Puerto Cabello wird der Kriegsminister Venezuelas, Ramon Guerra, festgenommen. Er wird beschuldigt, eine Verschwörung gegen Staatspräsident Cipriano Castro geplant zu haben.

In Berlin wird das Stück “Alt-Heidelberg” des deutschen Schriftstellers Wilhelm Meyer-Förster uraufgeführt. Das sentimentale Rührstück – eine Bearbeitung des Romans “Karl Heinrich” vom gleichen Verfasser – entwickelt sich in der Folgezeit zu einem großen Publikumserfolg.

23.11.1901, Samstag

Der preußische Innenminister Hans Freiherr von Hammerstein-Loxten bestätigt die Entscheidung des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg und späteren Reichskanzlers Theobald von Bethmann-Hollweg, die Wiederwahl Gustav Kauffmanns zum Bürgermeister von Berlin dem deutschen Kaiser Wilhelm II. nicht mehr zur Bestätigung vorzulegen. Kauffmann verzichtet schließlich auf das Amt.

24.11.1901, Sonntag

Auf dem Pariser Montmartre-Friedhof wird ein Heinrich-Heine-Denkmal enthüllt. Der jüdische Schriftsteller Max Nordau (eigtl. M. Simon Südfeld) hält eine Gedächtnisrede. Im Deutschen Reich gibt es kein öffentliches Denkmal für den sozialkritischen deutschen Dichter.

Zum Abschluss der Automobil-Saison gewinnt der italienische Fiat-Fahrer Felice Nazarro das 300-km-Rennen von Turin nach Bologna.

25.11.1901, Montag

Unter Vorsitz von Alexander Zaimis wird in Griechenland ein neues Kabinett gebildet. Im Hintergrund der Regierungsumbildung stehen die Studentenunruhen in Athen vom 21. November.

In Paris endet eine siebentägige Debatte der französischen Abgeordnetenkammer zur Chinapolitik. Sozialistische Parlamentarier weisen auf Berichte über Plünderungen durch französische Missionare in China hin. Zugleich werden in der französischen Presse Geheimberichte über Plünderungsaktionen veröffentlicht. Diese wurden – den Informationen zufolge – von Soldaten der Besatzungstruppen auf Veranlassung von Missionaren durchgeführt.

26.11.1901, Dienstag

Neue Spannungen entstehen zwischen Frankreich und dem Osmanischen Reich, als die osmanische Regierung dem französischen Kriegsschiff “Mouette” die Durchfahrt durch die Dardanellen verweigert. Durch das rasche Einlenken des osmanischen Sultans Abd Al Hamid II. wird der Konflikt entschärft.

27.11.1901, Mittwoch

Der deutsche Reichstag in Berlin wählt den deutsch-konservativen Politiker Udo Graf zu Stolberg-Wernigerode als Nachfolger seines Parteifreundes Arnold Woldemar von Frege zum ersten Vizepräsidenten. Stolberg-Wernigerode zählt zu den Mitbegründern der Deutsch-konservativen Partei und ist Mitglied des preußischen Herrenhauses auf Lebenszeit. Von 1891 bis 1895 war er Oberpräsident der preußischen Provinz Ostpreußen.

Aufgrund einer Anfrage des Fraktionsvorsitzenden der Nationalliberalen, Ernst Bassermann, debattiert der Reichstag über die Duellfrage. Abgeordnete der Zentrums-Partei und der Sozialdemokraten fordern ein Duellverbot.

28.11.1901, Donnerstag

Der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand trifft zu einem Besuch von Kaiser Wilhelm II. in Berlin ein. Der katholische Franz Ferdinand steht politisch den Christlich Sozialen nahe.

Young Corbett II wird Box-Weltmeister im Federgewicht. Er schlägt Titelverteidiger Terry McGovern in der zweiten Runde K. o.

29.11.1901, Freitag

Karl Hermann Wolf, einer der Führer der österreichischen Alldeutschen, legt sein Reichsratsmandat nieder. Ein Konflikt zwischen Wolf und Georg Schönerer führt zur Krise und späteren Spaltung der Alldeutschen.

30.11.1901, Samstag

Im österreich-ungarischen Landesteil Galizien kommt es zu antideutschen Protestkundgebungen polnischer Studenten. Dabei ereignen sich vor dem deutschen Konsulat in Lemberg (Lwow) heftige Auseinandersetzungen. Zugleich veröffentlicht die galizische Kaufmannschaft einen Aufruf, der zum Abbruch der Handelsbeziehungen mit dem Deutschen Reich auffordert. Im Hintergrund der Proteste steht der Wreschener Schulkonflikt. Galizien ist meist von Polen besiedelt.

In den russischen Städten Petersburg (heute Leningrad), Moskau und Charkow kommt es zu verstärkten Protesten oppositioneller Studenten. Als sich in Charkow Arbeiter mit den Studenten solidarisieren, setzt die Regierung Militäreinheiten gegen die Demonstranten ein.