Was geschah im November 1909

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Wetterstationen November 1909

1.11.1909, Montag

Bei einer Flugveranstaltung in St. Etienne (Frankreich) kommt es zu schweren Ausschreitungen unter den Zuschauern, nachdem sämtliche Startversuche der Piloten gescheitert sind. Die aufgebrachte Menge verlangt ihr Eintrittsgeld zurück und demoliert die Einrichtungen. Erst der Einsatz von Kavallerieeinheiten der französischen Armee kann die Ruhe wieder herstellen.

Die türkische Regierung erlässt in Konstantinopel (Istanbul) eine Verordnung, mit der die Dienstpflicht in der Armee auch auf Christen und Juden, die auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches leben, ausgedehnt wird.

Auf der gerade fertiggestellten “Cerdogne”-Strecke in Südfrankreich stürzt ein Eisenbahnzug bei Schnelligkeitstestfahrten von einer 80 m hohen Brücke über den Tetfluss in eine Schlucht. Bei dem Unglück kommen sieben Ingenieure, darunter der Konstrukteur der Brücke, ums Leben.

2.11.1909, Dienstag

In Paris tritt eine Gruppe von Abgeordneten des französischen Parlaments mit der Forderung an die Öffentlichkeit, zur Unterstützung der Armee in einem künftigen europäischen Krieg müsse eine Kolonialarmee von 100 000 Schwarzen aufgestellt werden.

Die internationale Bagdadbahngesellschaft kündigt den Bau einer 840 km langen Eisenbahnstrecke von Bagdad (Irak) über die Bergketten des Taurus und Amanus nach Aleppo (Syrien) und von dort über den Euphrat nach El Helyf an.

Im Berliner Königlichen Schauspielhaus kommt es im Beisein des Kaiserpaares zu der postumen Uraufführung des Schauspiels “Der Deutsche König” des 1908 verstorbenen Dramatikers Ernst von Wildenbruch.

Bei einer Flugvorführung in Hamburg fängt der Motor eines französischen “Voisin”-Doppeldeckers in 80 m Höhe Feuer und setzt die Leinwandbespannung des Flugzeuges in Brand. Der 22-Jährige Pilot rettet sich aus etwa sechs Metern Höhe durch einen Sprung aus der brennenden Maschine.

Schwere Stürme und anhaltende Regenfälle richten in weiten Teilen Spaniens verheerende Schäden an. Die Provinz Katalonien ist nach dem Einsturz von Eisenbahnbrücken und der Überflutung der meisten Straßen praktisch von der Außenwelt abgeschnitten.

3.11.1909, Mittwoch

In Berlin wird eine Statistik über die Geburtenraten in Europa veröffentlicht. Danach liegt das Deutsche Reich über die letzten zehn Jahre hinter den Niederlanden und Irland an dritter Stelle vor Schottland und Italien.

Unter starkem Publikumsandrang wird in Paris der Sensationsprozess gegen Meg Steinheil eröffnet. Der Angeklagten wird die Ermordung ihrer Mutter und ihres Ehemannes vorgeworfen. Der Prozess endet am 14. November mit einem Freispruch.

An der Grenze zwischen Persien und dem Kaukasus kommt es zu einer Erhebung gegen Sultan Ahmad Mirsa. Die Aufständischen, die mehrere Städte erobern und zahlreiche Regierungseinrichtungen plündern, fordern die Wiedereinsetzung des am 16. Juli gestürzten Schah Mohammad Ali. Die Unruhen werden nach wenigen Tagen mit Hilfe russischer Streitkräfte von Regierungstruppen niedergeschlagen.

Die Anführer eines niedergeschlagenen griechischen Marineputsches werden in Athen von der Polizei verhaftet.

Die tschechischen Abgeordneten im Wiener Reichsrat formulieren in Prag eine Protestresolution gegen eine neue Sprachenverordnung, die die Minderheiten in der Donaumonarchie benachteiligt. Zugleich demonstrieren mehrere tausend tschechische Nationalisten in der Prager Altstadt für eine größere Autonomie der böhmischen Länder innerhalb der österreich-ungarischen Monarchie.

4.11.1909, Donnerstag

Im Deutschen Theater in Berlin wird die Komödie “Major Barbara” des englischen Dramatikers George Bernard Shaw in deutscher Erstaufführung gezeigt.

5.11.1909, Freitag

Bei den Parlamentswahlen in Norwegen haben Frauen erstmals das aktive und passive Wahlrecht. Die linksgerichteten Parteien erleiden eine schwere Niederlage.

In Neuguinea wird ein deutscher Forschungsreisender von Angehörigen des Urwaldstammes Laewomba ermordet.

In München gründet sich der “Verein Naturschutzpark”. Ziel der Organisation ist die Schaffung und Verwaltung von zunächst drei abgeschlossenen Naturparks in den Alpen, den deutschen Mittelgebirgen und in der norddeutschen Tiefebene zum Schutz seltener Tier- und Pflanzenarten in Deutschland.

6.11.1909, Samstag

Die bayerische Abgeordnetenkammer beschließt in München mit 130 gegen 20 Stimmen die Einführung einer allgemeinen progressiven Einkommensteuer sowie einer Gewerbesteuer.

Eine Sitzung des Stadtparlaments von Ballelonga (Italien) über die Frage der Anschaffung von Laternenmasten führt rasch zu Handgreiflichkeiten der Abgeordneten und endet mit dem Einsatz von Dolchen und Revolverschüssen. Beim Eintreffen der Polizei sind der Bürgermeister und die unverwundeten Mitglieder seiner Partei geflohen.

In Hamburg wird die Oper “Izeyl” des französischen Komponisten Eugen d’Albert uraufgeführt.

7.11.1909, Sonntag

Ein schweizerischer Staatsbürger, der in Mülhausen (Elsass) die Kapelle eines Hotels zum Spielen der französischen Nationalhymne Marseillaise animiert hatte, wird wegen dieses Vorfalls von den deutschen Behörden als “lästiger Ausländer” ausgewiesen.

Nach der Disqualifikation von zwei Pferden durch die Jury bei einer Galopprennveranstaltung in Wien kommt es zu Ausschreitungen des Publikums, das sich durch den Richterspruch betrogen fühlt. Selbst anrückende berittene Polizeieinheiten müssen sich vor einem Steinhagel zurückziehen. Die noch ausstehenden Rennen werden abgesagt.

Zwischen New York und St. Louis wird erstmals in den USA ein 24-Stunden-Service der Eisenbahn in Betrieb genommen. Fahrgäste können alle zwei Stunden einen Zug in beide Richtungen besteigen.

8.11.1909, Montag

In den australischen Steinkohlegruben bei Newcastle treten mehr als 16 000 Bergleute für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen in den Streik. Wegen des eintretenden Kohlemangels sind Tausende von Industriearbeitern in Neu-Süd-Wales ohne Arbeit.

Auf der britischen Brookland-Rennstrecke fährt der französische Autorennfahrer Victor Héméry mit einem “Blitzen-Benz” erstmals in der Geschichte der mit einem Verbrennungsmotor ausgerüsteten Automobile schneller als 200 km/h.

Nach der Aufbringung eines Schiffes von Rumschmugglern in der Karibik bedient sich die Besatzung des honduranischen Kanonenbootes “Tatumbla” an den konfiszierten Waren und wird im Vollrausch von den Schmugglern ins Meer geworfen. Diese bringen daraufhin das Kanonenboot zum Sinken, womit die honduranische Marine ihr einziges Schiff verloren hat.

9.11.1909, Dienstag

Angehörige der japanischen Besatzungsmacht verüben in der Ortschaft Utsunomiya einen Anschlag auf koreanische Militärbevollmächtigte. Die Täter geben als Motiv Rache für die Ermordung des Generalresidenten des japanischen Protektorats, Fürst Hirobumi Ito, durch koreanische Nationalisten an.

Ein Hurrikan verwüstet die Karibikinsel Jamaika. Meterhohe Flutwellen vernichten die Bananenernte und zerstören Eisenbahnlinien und Straßenverbindungen. Mehr als 50 Inselbewohner kommen in den Fluten ums Leben. Bereits 1907 war Jamaika von einer Sturm- und Brandkatastrophe heimgesucht worden.

10.11.1909, Mittwoch

Aus Anlass des 150. Geburtstages des deutschen Dichters Friedrich von Schiller werden im ganzen Land Gedenkveranstaltungen abgehalten und festliche Aufführungen seiner Werke gezeigt.

Die Ortschaft Oruro in Bolivien wird bei der Explosion einer Dynamitfabrik völlig zerstört. Über 50 Menschen werden unter den Trümmern begraben.

11.11.1909, Donnerstag

In Dresden wird der erstmals nicht nach dem Dreiklassenwahlrecht bestimmte sächsische Landtag, in dem die SPD über 25 statt bisher ein Mandat verfügt, feierlich eröffnet.

In London findet die Uraufführung der Oper “Pierrot and Pierette” des englischen Komponisten Joseph Holbrooke statt.

12.11.1909, Freitag

Die ungarische “Unabhängigkeitspartei” spaltet sich in Budapest in einen gemäßigten und einen radikalen Flügel.

Im Theater an der Wien wird die Operette in drei Akten “Der Graf von Luxemburg” des österreichischen Komponisten Franz Lehár mit großem Erfolg uraufgeführt.

Eine aufgebrachte Menge von mehreren tausend Menschen lyncht in Cairo (US-Bundesstaat Illinois) einen der Vergewaltigung und des Mordes angeklagten Schwarzen. Der Mann wird an einer Laterne erhängt und von den Umstehenden mit Kugeln förmlich durchsiebt. Die Leiche wird anschließend verbrannt. Der Mob stürmt danach das Gefängnis und sägt die Gitterstäbe der Zelle eines Frauenmörders durch, der danach gleichfalls ermordet wird.

13.11.1909, Samstag

Das Deutsche Reich und die Schweiz schließen in Bern einen neuen “Niederlassungsvertrag”, der u.a. die Ansiedlung von Deutschen in der Eidgenossenschaft erleichtert. So verzichten die schweizerischen Behörden künftig auf die Vorlage eines Leumundszeugnisses.

Indische Nationalisten verüben in Allahabad einen Sprengstoffanschlag auf den Wagen von Vizekönig Lord Gilbert John Elliot Minto. Während Minto unverletzt bleibt, werden ein Passant und ein Offizier der britischen Kolonialtruppen schwer verletzt.

14.11.1909, Sonntag

In Berlin führt der Erfinder Richard Scherl ein Modell seines “Einschienenwagens” vor, der nach seinen Vorstellungen die herkömmliche Straßenbahn als Nahverkehrsmittel in den Städten ersetzen soll.

US-Präsident William H. Taft gibt die Entscheidung bekannt, auf der Pazifikinsel Oahu (Hawaii) einen Marinestützpunkt bei dem Fischerhafen Pearl Harbor einzurichten. Die neue Basis soll die strategische Position der USA im Südpazifik verbessern.

In der belgischen Hauptstadt Brüssel findet eine Konferenz über die Kontrolle internationaler Waffenlieferungen nach Afrika statt.

15.11.1909, Montag

In der Kohlengrube “St. Paul” bei Cherry (US-Bundesstaat Illinois) bricht nach einer Unachtsamkeit eines Bergarbeiters ein Brand aus, der eine Schlagwetterexplosion auslöst. 40 der unter Tage eingeschlossenen Kumpel sterben durch Feuer oder Rauch, ebenso 13 Mann der Rettungsmannschaften. In den vergangen fünf Jahren sind in den USA 2494 Bergleute tödlich verunglückt.

Die Tragödie “Die Stadt” (The City) des US-amerikanischen Dramatikers Clyde Fitch wird im Hyperion-Theater in New Haven (US-Bundesstaat Connecticut) uraufgeführt.

Der französische Dampfer “La Seyne”, der auf der Fahrt von Singapur nach Batavia ist, kollidiert mit dem britischen Schiff “Ouda” und sinkt nach wenigen Minuten. Die “Ouda” kann 61 Menschen aus Seenot retten, 93 weitere, darunter der Kapitän der “La Seyne”, gehen mit ihrem Schiff unter.

In Kassel findet die Uraufführung des “Tongemäldes” “Auf dem Feld der Ehre” des Braunschweiger Hofkapellmeisters Max Clarus statt.

16.11.1909, Dienstag

Der portugiesische König Manuel II wird im Rahmen seiner Europareise im Londoner Buckingham Palast vom britischen König Eduard VII. mit allen Ehren empfangen.

In Frankfurt a. M. wird die “Deutsche Luftschifffahrt Aktiengesellschaft” (Delag) mit einem Stammkapital von drei Millionen Mark gegründet. Es handelt sich um die erste Fluggesellschaft der Welt.

Nach über sechswöchigem Arbeitskampf nehmen die Mansfelder Bergleute die Arbeit wieder auf, ohne dass sie ihre Forderungen nach höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen durchsetzen konnten. Gegen die Streikenden wurden von der Landesregierung auch Militäreinheiten eingesetzt.

In Leipzig wird der Grundstein für das Hauptgebäude des im Ausbau befindlichen Zentralbahnhofes gelegt, der nach seiner Fertigstellung im Jahr 1915 der größte Kopfbahnhof Europas ist.

17.11.1909, Mittwoch

In der Londoner “Olympia-Hall” findet eine internationale Automobilausstellung statt. Bei den neuen Modellen zeichnet sich der Trend zu Sechs-Zylinder-Motoren, einer stromlinienförmigen Karosserie und zu kleineren, billigeren Wagen ab.

Ungewöhnlich früh einsetzende heftige Schneefälle führen in weiten Teilen Deutschlands zur Unterbrechung des Eisenbahnverkehrs und der Telegraphenverbindungen.

König Manuel II. von Portugal trifft zu einem Staatsbesuch auf Schloss Windsor mit der englischen Königsfamilie zusammen. Die Monarchen kündigen Manuels Verlobung mit der englischen Prinzessin Alexandra von Fife, einer Enkelin König Eduard VII. an.

Der französische Sozialist Jean Jaurès fordert in Paris die Eingliederung Elsass-Lothringens in den französischen Staatsverband mit friedlichen Mitteln.

18.11.1909, Donnerstag

Die USA entsenden zwei Kriegsschiffe nach Nicaragua, um die gegen Staatschef José Santos Zelaya rebellierenden Militärs zu unterstützen. Die Regierung in Washington begründet die Intervention offiziell mit der Hinrichtung zweier auf Seiten der Putschisten kämpfenden US-Amerikaner.

Während einer Audienz für französische Pilger protestiert Papst Pius X. im Vatikan in scharfen Worten gegen die staatlichen Zwangsmaßnahmen gegen französische Geistliche, welche die konfessionslosen Schulen in Frankreich bekämpfen.

Durch ein Dekret des russischen Zaren Nikolaus II. wird der finnische Landtag aufgelöst. Zuvor hatte das Gremium einen finnischen Beitrag zum russischen Militäretat in Höhe von umgerechnet 20 Mio. Mark abgelehnt.

Auf der Kanarischen Insel Teneriffa bricht der Vulkan Pik aus, der seit 300 Jahren als erloschen galt. Die Bevölkerung muss evakuiert werden.

19.11.1909, Freitag

Beim Umzug des französischen Kolonialministeriums in Paris werden Dokumente gefunden, die den Anspruch Frankreichs auf die inzwischen von Mexiko reklamierte Karibikinsel Clipperton belegen. Die Insel war 1888 von Frankreich besetzt worden, danach jedoch in Vergessenheit geraten.

20.11.1909, Samstag

Die “Chicago Tribune” veröffentlicht eine Statistik, nach der in der American-Football-Saison 1909 in den USA 26 Spieler auf dem Spielfeld starben und 70 schwer verletzt wurden.

21.11.1909, Sonntag

Die argentinische Regierung in Buenos Aires verhängt über das ganze Land den Belagerungszustand, nachdem auf einen Polizeipräsidenten ein Bombenanschlag verübt wurde.

22.11.1909, Montag

In New York wird mit einem Stammkapital von einer Million US-Dollar ein Unternehmen gegründet, das die Auswertung der Patente der Flugpioniere Orville und Wilbur Wright übernimmt. Ein Werk zur Konstruktion und zum Bau von Flugmaschinen wird in der Heimatstadt der Brüder Wright, Canton (US-Bundesstaat Ohio), gebaut.

23.11.1909, Dienstag

Der chinesische Regierungschef Prinz Tschun, der für den dreijährigen Kaiser Pu’I die Staatsgeschäfte leitet, ernennt den Mandschu Chenkueilung zum Gouverneur der Provinz Tschili.

Das belgische Parlament billigt ein Gesetz zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht.

24.11.1909, Mittwoch

Der russische Zar Nikolaus II. ernennt General Franz Albert Seyn zum neuen Generalgouverneur von Finnland. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger gilt General Seyn als ein strikter Gegner der finnischen Autonomiebestrebungen.

Nach dem Bombenanschlag eines Anarchisten auf ein deutsches Geschäft in São Paulo (Brasilien) brennt ein ganzes Stadtviertel nieder.

25.11.1909, Donnerstag

Die argentinische Regierung vergibt in Buenos Aires Aufträge für den Bau von zwölf neuen Zerstörern an drei verschiedene Werften in Europa. Vier der 900 BRT großen Kriegsschiffe werden in England, vier in Frankreich und vier auf deutschen Werften gebaut, damit die Vorzüge der führenden Kriegsschiffkonstrukteure für Anschlussaufträge verglichen werden können.

26.11.1909, Freitag

Bei Fiume in den italienischen Alpen stürzen zwei Berliner Ballonfahrer mit ihrem nicht lenkbaren Ballon tödlich ab, nachdem sie vom Sturm ins Gebirge getrieben wurden.

Auf dem Bahnhof von Spokane (US-Bundesstaat Washington) prallt ein Expresszug gegen eine kreuzende Rangierlok und brennt aus. Bei dem Unglück werden fünf Menschen getötet und über 50 z.T. schwer verletzt.

27.11.1909, Samstag

Der russische Schriftsteller Maxim Gorki wird wegen angeblichen “bourgeoisen Hedonismus” aus der revolutionären Arbeiterpartei Russlands ausgeschlossen.

28.11.1909, Sonntag

Am Dresdner Hoftheater findet die deutsche Erstaufführung der Komödie “Wenn der junge Wein blüht” von Børnstjerne Børnson statt.

Der österreichische Oberleutnant Adolf Hofrichter wird in Linz unter Mordverdacht verhaftet. Er ist angeklagt, an mehrere seiner vorgesetzten Offiziere Päckchen mit vergifteten Oblaten geschickt zu haben. Ein Offizier starb nach dem Genuss der tödlichen Präsente. Als Motiv wird der gekränkte Ehrgeiz des Offiziers vermutet, dessen Dienstauffassung von seinen Vorgesetzten nicht geteilt wurde. Die Giftmorde hatten in der Öffentlichkeit für großes Aufsehen gesorgt.

Anlässlich seiner ersten USA-Reise bringt der russische Komponist und Pianist Sergei Rachmaninow sein Klavierkonzert Nr. 3 in d-Moll, op. 63, das sogenannte Elefantenkonzert, zur Uraufführung. Solist des New Yorker Konzerts ist der Komponist selbst.

29.11.1909, Montag

Die Gebirgsbahn zwischen der norwegischen Hauptstadt Kristiania (Oslo) und Bergen wird dem Verkehr übergeben.

Die US-Armee beginnt Tests mit einem eigens zur Abwehr von Luftschiffen entwickelten Geschütz. Von 100 Schuss, die auf einen in 160 m Höhe unbeweglich stehenden Fesselballon abgegeben werden, trifft kein einziger.

Zum ersten Mal dürfen sich weibliche Studenten an der Berliner Universität an Wahlen zum studentischen Direktorium beteiligen. Neben 500 weiblichen Studentinnen sind 5000 männliche Kommilitonen an der Universität immatrikuliert.

In Berlin wird die Operette “Der Müller von Sanssouci” von C. Berg und R. Goepfart uraufgeführt.

30.11.1909, Dienstag

Im Weißen Saal des Hohenzollern-Schlosses in Berlin eröffnet Kaiser Wilhelm II. die neue Sitzungsperiode des Reichstags mit einer Thronrede, die u.a. wegen friedfertiger Äußerungen gegenüber Frankreich in bezug auf Marokko im Ausland ein positives Echo findet.

Das britische Oberhaus in London lehnt den vom Unterhaus bereits gebilligten Haushaltsentwurf ab, was zur Auflösung des Parlaments und Neuwahlen führt.