Was geschah im November 1913

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Wetterstationen November 1913

1.11.1913, Samstag

Mit einem zweiten Gutachten – das erste stammt vom 27. Oktober 1913 – diagnostizieren fünf deutsche Ärzte bei dem bayerischen König Otto das “Endstadium einer langdauernden psychischen Erkrankung”. Damit legitimieren sie die Thronbesteigung durch den bisherigen Prinzregenten Ludwig.

In den letzten vier Monaten ist nach offiziellen Angaben die Zahl der Arbeitslosen im Deutschen Reich um 30 000 angestiegen. Derzeit werden 443 000 Arbeitslose gezählt bei 276 000 offenen Stellen.

Vor mehreren 10 000 Zuschauern zeigt der französische Kunstflieger Adolphe Pégoud auf der Großen Bult in Hannover seine Flugkunststücke. Unter anderem wohnt Prinz Waldemar von Preußen den Vorführungen bei.

In der Galerie der vom Berliner Schriftsteller und Kunstkritiker Herwarth Walden (eigentlich Georg Levin) 1910 begründeten expressionistischen Kulturzeitschrift “Der Sturm” endet mit dem Ersten deutschen Herbstsalon eine am 20. September begonnene Ausstellung, die mit Bildern von Franz Marc, August Macke, Wassily Kandinsky, Robert Delaunay und anderen einen Querschnitt zeitgenössischer Malerei bietet.

2.11.1913, Sonntag

In Verniers besiegt die Fußballnationalmannschaft Belgiens in einem Länderspiel die Schweiz 2:0.

3.11.1913, Montag

Der Geschäftsträger der US-amerikanischen Regierung in Mexiko, Nelson O’Shaughnessy, fordert den mexikanischen Präsidenten Victoriano Huerta ultimativ auf, seine Präsidentschaft niederzulegen. Die US-amerikanische Regierung lehnt die Anerkennung der am 26. Oktober in Mexiko durchgeführten Parlamentswahlen ab.

Zwei bisher unbekannte Gedichte des deutschen Lyrikers Friedrich Rückert (1788- 1866) werden im oberfränkischen Schloss Tambach aufgefunden. Die Gedichte stehen in einem Studentenalmanach mit dem Titel “Freundschaftsbuch des studienbeflissenen Studiosus Hermann Wrede – Oberlausingen”.

4.11.1913, Dienstag

Eine Versammlung von über 6000 Geschäftsleuten in der Stadt Belfast (Ulster) verkündet die Verweigerung sämtlicher Steuern für den Fall eines Inkrafttretens des noch im britischen Parlament zur Beratung anstehenden Home-rule-Gesetzes zur begrenzten Selbstverwaltung des britisch beherrschten Irlands.

Ein von dem norwegischen Polarforscher Roald Amundsen geplanter Vortrag in seiner Heimatsprache wird in Flensburg vom Regierungspräsidenten Schleswigs ohne Angabe von Gründen verboten. Seit längerem versucht die preußische Regierung, in dem seit 1866 von Preußen beherrschten Schleswig eine kulturelle Hegemonie der deutschsprachigen Bevölkerung gegenüber der dänischen Minderheit durchzusetzen.

5.11.1913, Mittwoch

Anlässlich eines in Potsdam beginnenden, zweitägigen offiziellen Besuches des belgischen Königs Albert versuchen der deutsche Kaiser Wilhelm II. und der preußische Generalstabschef Helmuth von Moltke den belgischen Monarchen zu einer deutschfreundlichen Haltung bei einem etwaigen Krieg des Deutschen Reiches gegen den Nachbarstaat Frankreich zu bewegen.

Nach einer Änderung der bayerischen Landesverfassung – die eine Absetzung des rechtmäßigen, aber für psychisch gestört erklärten bayerischen Königs Otto erlaubt – übernimmt Prinzregent Ludwig als Ludwig III. in München die bayrische Königswürde.

Der chinesische Präsident Yüan Shih-k’ai erklärt die oppositionelle Kuomintang-Partei für staatsgefährdend und ordnet ihre Auflösung an. Gleichzeitig verlieren sämtliche Parlamentsabgeordneten der Kuomintang ihr Mandat. Yüan Shih-k’ai will mit seiner – von militärischen Vorkehrungen unterstützten – diktatorischen Maßnahme sicherstellen, dass im chinesischen Parlament ein ihm genehmer Verfassungsentwurf verabschiedet wird.

Angesichts des wachsenden Interesses an Reisen in fremde Länder veröffentlicht die “Vossische Zeitung” in Berlin einen Artikel mit nützlichen Ratschlägen für Überseereisen.

6.11.1913, Donnerstag

Das Bekanntwerden von diskriminierenden Äußerungen deutscher Offiziere gegenüber der elsässischen Bevölkerung in der Garnisonsstadt Zabern führt zu heftigen öffentlichen Protestkundgebungen. Die als “Zabern-Affäre” bekannten Vorfälle lösen im Deutschen Reich die schwerste innenpolitische Krise seit 1908 aus.

Der indische Freiheitskämpfer Mohandas Karamchand Gandhi überschreitet mit mehr als 2200 Anhängern trotz eines Verbotes die Grenze zwischen der Südafrikanischen Union und Transvaal. Er protestiert damit gegen die anhaltende Rassendiskriminierungspolitik der von Weißen gebildeten südafrikanischen Regierung gegenüber den indischen Einwanderern.

7.11.1913, Freitag

In Prag beschließen 2000 Studenten der tschechischen Technischen Hochschule einen sechstägigen Vorlesungsboykott, um damit gegen den baulichen Zustand des Universitätsgebäudes – unter anderem stürzte die Decke eines Hörsaales ein – zu protestieren. Nach der Versammlung veranstalten die Studenten vor der Hochschule eine Kundgebung, bei der drei Teilnehmer von der Polizei verhaftet werden.

8.11.1913, Samstag

Der neue bayrische König Ludwig III. leistet seinen Eid auf die bayrische Landesverfassung ab. Gleichzeitig erfolgt die Vereidigung des Militärs auf den neuen Herrscher, der bisher als Prinzregent amtierte.

In Stockholm enden die sechstägigen Hallentennisweltmeisterschaften der Herren mit dem Sieg des Neuseeländers Anthony F. Wilding, der das Finale gegen den französischen Spieler Maurice Germot in vier Sätzen 5:7, 6:2, 6:3 und 6:1 gewinnt.

In der Regie von Eugen Kilian wird das als Fragment hinterlassene, 1836/37 entstandene Drama “Woyzeck” des Schriftstellers Georg Büchner im Münchener Residenztheater uraufgeführt. Die Hauptrolle in der von der Theaterkritik gelobten Premiere spielt Albert Steinrück.

Zwei Angestellte der Firma Friedrich Krupp AG werden im Rahmen der Untersuchung von Manipulationen bei Rüstungslieferungen wegen Beamtenbestechung sowie Beihilfe zur Beamtenbestechung zu vier Monaten Gefängnis bzw. 1200 Mark Geldstrafe verurteilt.

9.11.1913, Sonntag

Die von 2000 Teilnehmern besuchte eintägige Hauptversammlung des Verbandes deutscher Juden in Hamburg weist auf die Missachtung von verfassungsmäßigen Grundsätzen bei der Behandlung von Juden im Deutschen Reich hin und fordert angesichts des wachsenden Rassismus die Gleichberechtigung aller Staatsbürger.

Auf dem Fort Spitzberg (Festung Silberberg) bei Breslau (heute Wroclaw) wird ein vom deutschen Kaiser Wilhelm II. gestiftetes Erholungsheim für die paramilitärische, halbstaatliche Jugendorganisation Jungdeutschlandbund feierlich eingeweiht.

10.11.1913, Montag

Nachdem sein am 18. Oktober 1913 an die deutsche Regierung gerichteter Vorschlag eines Moratoriums im Flottenbau ohne Reaktion blieb, kündigt der britische Erste Lord der Admiralität, Winston Churchill, in der britischen Hauptstadt London für das Jahr 1914 weitere Rüstungsmaßnahmen der britischen Marine an.

11.11.1913, Dienstag

In einer amtlichen Feststellung zur Zabern-Affäre wird der Vorfall von den deutschen Behörden in Straßburg heruntergespielt. Das der Beschimpfung der elsässischen Bevölkerung dienende Wort “Wackes” wird in dem Bericht als Beschreibung streitlustiger Personen interpretiert.

12.11.1913, Mittwoch

Russische Behörden sehen sich im von Russland beherrschten Gebiet um die polnische Stadt Lodz einer oppositionellen Bewegung gegenüber, die Wehrpflichtige durch Verstümmelung der rechten Hand für den Wehrdienst in der russischen Armee untauglich macht.

Durch ein Erdbeben wird die peruanische Stadt Abancay in der Provinz Apurimac völlig zerstört. 200 Menschen kommen dabei ums Leben.

13.11.1913, Donnerstag

Nach den guten Erfahrungen mit dem Hamburger Elbtunnel plant die Stadt Düsseldorf eine Untertunnelung des Rheins, um den wachsenden Verkehr bewältigen zu können. Der Tunnelbau stellt sich mit einem Kostenvoranschlag von viereinhalb Millionen Mark erheblich billiger dar als der Bau einer neuen Rheinbrücke.

Die britische Regierung lässt den wegen Anstiftung zum Aufruhr zu einer siebenmonatigen Gefängnisstrafe verurteilten Dubliner Arbeiterführer James Larkin wieder frei, nachdem seine Verhaftung am 1. September 1913 zu großer Erbitterung unter den britischen Arbeitern (und zu starken Stimmenverlusten der in London regierenden Liberalen bei Nachwahlen) führte. 3000 irische Arbeiter bereiten Larkin nach seiner Freilassung in der Dubliner Freiheitshalle einen begeisterten Empfang.

14.11.1913, Freitag

Vor dem Leipziger Reichsgericht wird der Mechaniker Leo Erny wegen Verrats militärischer Geheimnisse an Frankreich zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt.

15.11.1913, Samstag

In Anwesenheit des französischen Präsidenten Raymond Poincaré feiert in Paris das Institut Pasteur sein 25-Jähriges Jubiläum. Es trägt seit seiner Gründung durch den französischen Chemiker und Mikrobiologen Louis Pasteur entscheidend zur Weiterentwicklung der bakteriologischen Forschung bei.

In Düsseldorf wird für die Rheinprovinz eine Polizeiverordnung erlassen, derzufolge Jugendliche nach 20 Uhr zu Vorstellungen in Kinematographentheatern nicht zugelassen sind. Vor 20 Uhr dürfen sie nur in Vorführungen, die als Familienvorstellungen angekündigt sind. Die Verordnung tritt am 1. Januar 1914 in Kraft.

Nach einer Zählung der Berliner Gewerkschaftskommission gibt es derzeit in der Reichshauptstadt 25 038 arbeitslose Gewerkschaftsmitglieder. Den größten Anteil stellen dabei die Metallarbeiter mit 5122 Arbeitslosen.

In Mexiko tritt das am 26. Oktober 1713 unter massiver Manipulation des diktatorisch regierenden mexikanischen Präsidenten Victoriano Huerta gewählte mexikanische Parlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Die Einberufung des Parlaments führt zu wachsenden Spannungen mit den USA, die eine auf Huertas Absetzung zielende Politik betreiben.

Das griechische Kriegsministerium weist seine in Makedonien stationierten Armeekorps an, keinen Urlaub mehr zu bewilligen, da mit der Demobilisierung unverzüglich begonnen wird. Sie soll spätestens in 45 Tagen abgeschlossen sein.

16.11.1913, Sonntag

Auf der konstituierenden Sitzung der Internationalen Gesellschaft für Sexualforschung in Berlin – die neue Organisation strebt fächerübergreifende Untersuchungen zu sozialen Aspekten der Sexualität an – kritisiert deren Vorsitzender, der deutsche Volkswirtschaftler Julius Wolf, die hemmende Wirkung moralischer Tabus auf sexualwissenschaftliche Forschungen.

17.11.1913, Montag

Der russische Ministerpräsident Wladimir N. Kokowzew trifft am ersten Tag seines dreitägigen Besuches im Deutschen Reich in Berlin mit dem deutschen Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg zu einer 75minütigen Unterredung über die Politik der europäischen Großmächte zusammen.

Der chinesische Ministerrat beschließt – nach dem am 5. November erfolgten Verbot der oppositionellen Kuomintang-Partei – auf Veranlassung des mit diktatorischen Mitteln regierenden chinesischen Präsidenten Yüan Shih-k’ai die Auflösung des Parlaments. Neuwahlen werden für den 15. März 1914 angesetzt.

Vertreter von 16 Staaten beteiligen sich an einer in Bern beginnenden, viertägigen Internationalen Konferenz für Weltnaturschutz.

18.11.1913, Dienstag

Mit 333 gegen 225 Stimmen nimmt das französische Parlament ein Wahlrechtsreformgesetz an. Danach sind künftig Neuwahlen in einem Wahlkreis erforderlich, wenn mindestens zwei Drittel seiner Abgeordneten durch Tod oder Rücktritt nicht mehr zur Verfügung stehen.

Das griechische Marineministerium legt ein neues Flottenbauprogramm vor, das zwei Schlachtschiffe, zwei Panzerschiffe, 25 Torpedobootzerstörer, sechs Unterseeboote und außerdem 20 Wasserflugzeuge umfasst.

19.11.1913, Mittwoch

Ein von Damaszierer-Gehilfen durchgeführter Streik in der Solinger Waffen- und Messerindustrie richtet sich gegen die Weigerung der Unternehmer, über einen von den Arbeitern vorgeschlagenen neuen Lohntarif zu verhandeln.

20.11.1913, Donnerstag

Die französische Abgeordnetenkammer in Paris bewilligt 30 000 Francs (24 000 Mark) für die Bildung einer Luftschifffahrtsabteilung im Kriegsministerium.

In Berlin finden zwölf Agitationsveranstaltungen für den Austritt aus der evangelischen Landeskirche statt. Bei den stark besuchten Versammlungen werden insgesamt 4209 Kirchenaustrittserklärungen abgegeben.

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. verbietet den Offizieren des deutschen Militärs, in Uniform Tango zu tanzen. Der aus Südamerika stammende, auch in Europa populäre Paartanz wird im Deutschen Reich häufig wegen seiner vermeintlichen Unsittlichkeit kritisiert.

21.11.1913, Freitag

Die achte Zivilkammer des Essener Landgerichts weist eine Klage von 253 Bergleuten gegen deutsche Bergwerksunternehmer auf Schadensersatz in Höhe von 58 000 Mark ab. Die Arbeiter klagten, nachdem die Unternehmer sie wegen angeblichen Vertragsbruches auf eine “schwarze Liste” setzten und ihnen damit die weitere berufliche Zukunft in Bergwerken unmöglich machten.

Das Vermögen der Landesversicherungsanstalt Berlin als ein Träger der Sozialversicherung erreicht eine Summe von über 100 Millionen Mark. Im Jahr 1912 hat die Anstalt über dreieinhalb Millionen Mark für Heilmaßnahmen ausgegeben.

Die Londoner Operndirektion kündigt für die Zeit vom 2. Februar bis zum 8. März 1914 ein Festival mit deutschen Opern in der Covent-Garden-Oper an. Eröffnet wird die Reihe der Vorstellungen mit Richard Wagners Oper “Parsifal”, es sollen dann u.a. die Wagner-Opern “Tristan und Isolde”, “Die Meistersinger” und “Walküre” folgen.

22.11.1913, Samstag

Zehn Angehörige der fünften Kompanie des Infanterieregimentes Nr. 99 im elsässischen Zabern werden unter der Anschuldigung verhaftet, geheime Informationen über die Zabern-Affäre vom 6. November an die Presse weitergegeben zu haben.

23.11.1913, Sonntag

Bei einem Aufstand im Bergwerksgebiet der südafrikanischen Stadt Pretoria tötet die dortige Polizei durch Einsatz von Schusswaffen drei schwarze Arbeiter und verletzt 22, acht davon schwer.

Die britische Gesandtschaft in Mexiko protestiert gegen die steuerliche Benachteiligung der britischen Pearson Oil Company gegenüber US-amerikanischen Gesellschaften. Seit mehreren Jahren kämpfen britische und US-amerikanische Firmen um die wirtschaftliche Ausbeutung der bedeutenden mexikanischen Erdölquellen.

In einem Fußball-Länderspiel vor 7000 Zuschauern in Antwerpen gelingt der belgischen Mannschaft mit 6:2 Toren im dritten Spiel gegen das Deutsche Reich der dritte Sieg.

24.11.1913, Montag

Für fünfeinhalb Millionen Mark kauft das Berliner Verlagshaus Ullstein & Co. die bisher im Familienbesitz befindliche Berliner Tageszeitung “Vossische Zeitung”. Die Übernahme erfolgt mit Wirkung vom 1. Januar 1914.

In dem seit 1890 von der British South Africa Company des britischen Politikers Cecil Rhodes besetzten Rhodesien kommt es zu Protestversammlungen gegen den geplanten Anschluss an die Südafrikanische Union. Die Teilnehmer weisen auf die bestehenden Antipathien gegen die in Südafrika vorherrschende Burenpolitik und Burensprache hin.

Die Verkehrsvereine in Ludwigshafen und Mannheim initiieren nach einem Bericht der “Frankfurter Zeitung” eine Werbeaktion für den Bau eines Rheintunnels statt einer Rheinbrücke. Sie weisen dabei auf die positiven Erfahrungen mit dem 1911 in Betrieb genommenen Hamburger Elbtunnel hin.

25.11.1913, Dienstag

Nach einer von irischen Unabhängigkeitskämpfern durchgeführten Rekrutierungsaktion melden sich 100 000 Freiwillige, die für Irlands Autonomie eintreten wollen. Die Aktion richtet sich gegen die Drohung der protestantischen, von nordirischen Geschäftsleuten und Unternehmern finanzierten Ulster Volunteer Force, mit gewalttätigen Mitteln gegen das Inkrafttreten des Home-rule-Gesetzes zur begrenzten Selbstverwaltung Irlands vorzugehen.

26.11.1913, Mittwoch

Mit der Verschleppung von zwei Zaberner Bürgern durch deutsche Offiziere beginnt in der elsässischen Stadt eine Reihe von willkürlichen Gewaltmaßnahmen des dort stationierten deutschen Militärs, die erst am 1. Dezember auf Anordnung der deutschen Regierung enden.

In Petersburg verbietet der russische Reichsrat den Gebrauch der polnischen Sprache in den Stadtverwaltungssitzungen innerhalb der von Russland beherrschten polnischen Gebiete.

27.11.1913, Donnerstag

Gewaltsame Zusammenstöße zwischen deutschen und italienischen Studenten ereignen sich in der österreichischen Stadt Graz, als erstere die Italiener am Betreten der Universität zu hindern versuchen. Die österreichische Polizei verhaftet sechs deutsche und fünfzehn italienische Studenten.

28.11.1913, Freitag

Der Gemeinderat von Zabern protestiert in einem Telegramm an den deutschen Kaiser Wilhelm II., Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg und Kriegsminister Erich von Falkenhayn gegen die Verhaftungen von elsässischen Bürgern durch Militärpatrouillen. Im deutschen Reichstag äußert sich Falkenhayn anlässlich einer parlamentarischen Anfrage zu den Vorfällen in Zabern, wobei er deren Bedeutung herunterspielt.

29.11.1913, Samstag

In einem Experiment versucht die britische Tageszeitung “Daily Mail” von London aus, ihr Berliner Redaktionsbüro über direkte Sprechkontakte zu erreichen. Die über Dover, Ostende und Köln verlaufende Verbindung ist allerdings nur in London störungsfrei, während die Berliner Redaktion über technische Probleme klagt.

30.11.1913, Sonntag

Mit dem Eintreffen des preußischen Kriegsministers Erich von Falkenhayn beginnen in Donaueschingen – dem derzeitigen Aufenthaltsort des deutschen Kaisers Wilhelm II. – sechstägige Beratungen über die politische Behandlung der Zabern-Affäre, an denen auch der deutsche Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg und verschiedene ranghohe Militärs teilnehmen.

Eine von der Sozialdemokratischen Partei im elsässischen Mühlhausen (heute Mulhouse) einberufene Versammlung mit über 3000 Teilnehmern protestiert gegen die Übergriffe der deutschen Militärverwaltung gegen die elsässische Bevölkerung in Zabern. In einer Resolution fordern die Versammlungsteilnehmer, sich gegen die “Militärdiktatur” notfalls auch durch Streiks zu wehren.

Mit den ersten Arbeiten zu dem von Mack Sennett in den USA produzierten, am 2. Februar 1914 uraufgeführten Stummfilm “Making a Living” beginnt der britische Filmkünstler Charles Spencer Chaplin (bekannt als Charlie Chaplin) seine Filmkarriere.