Was geschah im November 1919

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Wetterstationen November 1919

1.11.1919, Samstag

Die Essener und die Berliner Richtung der wirtschaftsfriedlichen Gewerkschaften schließen sich zum Deutschen Arbeiterbund zusammen; diese sog. Gelben Gewerkschaften lehnen Streik als Mittel des Arbeitskampfes ab und propagieren eine Interessengemeinschaft von Arbeitern und Unternehmern.

Die deutsche Reichsregierung unter Gustav Bauer (MSPD) verfügt die Einstellung des Personenzugverkehrs in der Zeit vom 5. bis zum 15. November. Durch diese Maßnahme sollen die Kohlen- und Kartoffeltransporte gesteigert werden.

In Berlin wird die Gläserne Kette gebildet, ein Rundbriefwechsel moderner Architekten.

US-Zeitungen berichten, dass die noch verwendbaren Schiffe der deutschen Kriegsflotte, die sich am 21. Juni im britischen Scapa Flow selbst versenkt hat, Frankreich zugewiesen werden. Die Selbstversenkung sei nur möglich gewesen, weil die britische Marine ihre Kontrollpflicht nur ungenügend erfüllt habe.

3.11.1919, Montag

Nach einer amtlichen Mitteilung aus Bern hat der schweizerische Bundesrat die Forderung der Alliierten abgelehnt, sich der Blockade Sowjetrusslands anzuschließen.

Die Alliierten fordern in einer Note an das Deutsche Reich die Unterzeichnung eines Protokolls, in dem alle Verpflichtungen aufgelistet sind, denen das Deutsche Reich gemäß dem Friedensvertrag von Versailles nachkommen muss, die es aber bisher noch nicht erfüllt hat.

Nach Mitteilung der schweizerischen Gesandtschaft in Tokio stehen die Verhandlungen mit der japanischen Regierung über die Heimbeförderung der deutschen Kriegsgefangenen vor dem Abschluss. Spätestens im Januar sollen die ersten Transportschiffe, die von der Gesandtschaft gechartert wurden, mit deutschen Gefangenen Japan verlassen.

Der spanische Arbeitgeberverband Federación Patronal Española beginnt mit der Aussperrung der seit Wochen streikenden Arbeiter in Barcelona.

Admiral David Earl Beatty übernimmt das Amt des Ersten Seelords der britischen Admiralität als Nachfolger von Admiral Rosslyn Wemyss.

In London beginnt eine vom Rat zur Bekämpfung des Hungers einberufene viertägige internationale Wirtschaftskonferenz, an der auch Vertreter aus dem Deutschen Reich teilnehmen. Der Kongress sieht im Versailler Friedensvertrag eine Bedrohung für die gesamte zivilisierte Welt.

4.11.1919, Dienstag

Die Belegschaften mehrerer Ruhrgebietszechen beschließen in Dortmund, die Reichsregierung zu drastischen Maßnahmen gegen Wucherer und Schieber aufzufordern. Die für Schwerarbeiter bestimmten Lebensmittelrationen gelangen zum größten Teil auf den Schwarzmarkt und nicht zu den vorgesehenen Empfängern.

Der seit sieben Wochen andauernde Streik der Berliner Metallarbeiter droht zu eskalieren. Eine Versammlung KPD- und USPD-naher Arbeiter- und Betriebsräte und Betriebsfunktionäre aller Industriebereiche beschließt einstimmig, den Generalstreik auszurufen, falls das von der Generalversammlung der Metallarbeiter den Arbeitgebern gestellt Ultimatum abgelehnt wird.

Der deutsche parlamentarische Untersuchungsausschuss über die Friedensmöglichkeiten während des Ersten Weltkriegs vernimmt in Berlin Arthur Zimmermann, den ehemaligen Staatssekretär im Auswärtigen Amt.

Mit Ausnahme der USPD verabschieden alle Parteien des Bayerischen Landtags in München einen Aufruf, in dem die Bevölkerung aufgefordert wird, den Schwierigkeiten des kommenden Winters “mit erhöhtem Gemeinsinn” entgegenzutreten.

Die bayerische Regierung unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann (MSPD) hebt den 1914 über das links- und rechtsrheinische Bayern verhängten Kriegszustand zum 1. Dezember 1919 auf.

5.11.1919, Mittwoch

Der alliierte Oberste Rat bestimmt Paris zum Sitz der ersten Zusammenkunft des Vollzugsausschusses des Völkerbunds.

Der finnische Staatspräsident Kaarlo Juho Ståhlberg unterzeichnet in Helsingfors (Helsinki) den Gesetzesvorschlag über die Regelung der Amtssprache. Danach dürfen die Beamten diejenige Sprache benutzen, die von der Bevölkerungsmehrheit in ihrem Amtsbezirk gesprochen wird.

Die kommunistische Zeitung “Freiheit” in Berlin druckt einen Aufruf zum Generalstreik, der aber nicht befolgt wird.

6.11.1919, Donnerstag

Der Hamburger Senat lässt der Bürgerschaft den Entwurf einer endgültigen Verfassung zugehen. Bislang ist nur eine Notverfassung in Kraft.

Die österreichische Konstituierende Nationalversammlung in Wien verabschiedet die sog. Friedensamnestie. Sie gilt für alle politischen Straftaten, die zwischen der Beendigung des Ersten Weltkriegs und dem 25. Oktober 1919 begangen wurden und mit denen keine gemeinen Verbrechen verbunden waren.

In der Kathedrale von Luxemburg wird die Vermählung von Großherzogin Charlotte mit Prinz Felix von Bourbon-Parma vollzogen.

7.11.1919, Freitag

Das deutsche Reichskolonialministerium wird aufgelöst, da das Deutsche Reich seinen Kolonialbesitz durch den Versailler Friedensvertrag abgeben musste.

Die alliierte Kommission für das Baltikum trifft in Berlin ein. Sie reist am 11. November weiter.

In München beginnen die Feiern zum ersten Jahrestag der Revolution im Deutschen Reich, die bis zum 9. November gehen. Am 7. November 1918 hatte der USPD-Politiker Kurt Eisner den Freien Volksstaat Bayern ausgerufen.

Die deutsche Reichsregierung unter Gustav Bauer (MSPD) appelliert an die französische Regierung, die deutschen Kriegsgefangenen zu entlassen.

Die tschechoslowakische Nationalversammlung in Prag ratifiziert die Friedensverträge von Versailles und Saint-Germain-en-Laye. Am 10. November unterzeichnet Staatspräsident Tomás Garrigue Masaryk die Ratifikationsurkunde.

Die Alliierten lockern die Ostseesperre für deutsche Leichter, die nun entlang der Küste zwischen den deutschen Häfen verkehren dürfen.

8.11.1919, Samstag

Beim traditionellen Lord-Mayor-Bankett in der Londoner Guildhall betont der britische Premierminister David Lloyd George in einer Rede, dass kein Friede mit Sowjetrussland möglich sei, solange nicht auch in Russland der Friede eingekehrt sei; die zivilisierte Welt könne ein chaotisches Russland nicht dulden, doch seien die Bolschewiki nicht durch Waffengewalt zu besiegen.

Durch Erlass des deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert (MSPD) wird das Reichskommissariat zur Ausführung von Aufbauarbeiten in den zerstörten Gebieten mit Sitz in Berlin errichtet.

Der deutsche Reichsrat in Berlin nimmt den Entwurf einer Verordnung über Sondergerichte gegen Schleichhandel und Preistreiberei an.

In Berlin wird ein deutsch-tschechoslowakischer Kohlenvertrag unterzeichnet.

9.11.1919, Sonntag

In Bern stirbt der mehrmalige schweizerische Bundespräsident Eduard Müller (1899, 1907 und 1913).Der freisinnige Politiker wurde am 12. November 1848 in Dresden geboren. Seine Hauptleistungen sind die Vereinheitlichung des Straf- und Zivilrechts sowie die Neuordnung des Militärwesens.

In Oberschlesien finden Gemeinderatswahlen statt.

In Berlin wird ein deutsch-polnisches Abkommen unterzeichnet, nach dem deutsche Beamte in den an Polen abzutretenden Gebieten vorläufig in ihren Ämtern belassen werden.

Das Zweite Pariser Kriegsgericht verurteilt den Hauptmann Jacques Sadoul wegen Fahnenflucht und Einvernehmen mit dem Feind zum Tod bei gleichzeitiger Degradierung. Sadoul, der sich 1918 im Auftrag der französischen Regierung in Sowjetrussland aufhielt, hatte dem Befehl zur Rückkehr nicht entsprochen und sich in sowjetische Dienste gestellt.

Im Deutschen Reich finden Feiern zum ersten Jahrestag der Gründung der Republik statt.

10.11.1919, Montag

Victor Berger, der einzige Sozialist im US-Repräsentantenhaus, wird aus der Volksvertretung der Vereinigten Staaten ausgeschlossen.

Am 160. Geburtstag von Friedrich von Schiller nimmt die Weimarer Freie Volksbühne mit einer Inszenierung von Schillers Schauspiel “Wilhelm Tell” den Betrieb auf.

11.11.1919, Dienstag

Um 11.11 Uhr stehen im ganzen britischen Empire für zwei Minuten die Räder still. Mit diesen Schweigeminuten wird der Unterzeichnung des Waffenstillstands vor einem Jahr und der Beendigung des Ersten Weltkriegs gedacht.

Der französische Staatspräsident Raymond Poincaré und seine Frau treffen zu einem Besuch des britischen Königspaares in London ein.

12.11.1919, Mittwoch

Der österreichische Nationalfeiertag zur Erinnerung an die Ausrufung der Republik vor einem Jahr verläuft ohne nennenswerte Zwischenfälle.

Der Brite Reginald Tower wird provisorischer Verwalter von Danzig.

Das seit 1868 bestehende päpstliche Verbot für die Bewohner des Kirchenstaats, an politischen Wahlen teilzunehmen, wird aufgehoben.

13.11.1919, Donnerstag

Die rumänischen Truppen räumen nach Aufforderung durch die Alliierten die ungarische Hauptstadt Budapest.

Der Reichsverband für deutsche Jugendherbergen wird gegründet; in ihm schließen sich rund 1000 Jugendherbergen zusammen.

14.11.1919, Freitag

Die Eroberung von Kingisepp durch Sowjettruppen markiert den Zusammenbruch der antibolschewistischen Armee Nikolai N. Judenitschs.

Die ersten Verbände der ungarischen Nationalarmee unter Miklós Horthy ziehen in Budapest ein, wo das Standrecht proklamiert wird. Am 16. November findet die feierliche Begrüßung Horthys durch Ministerpräsident Stephan Friedrich statt.

Der Chemiker Alfred Werner stirbt im Alter von 52 Jahren in Zürich. Der schweizerische Wissenschaftler begründete die Stereochemie anorganischer Verbindungen und wurde 1913 mit dem Chemienobelpreis ausgezeichnet.

In Wien beginnt der Parteitag der Christlich Sozialen Partei (CP). Hauptthema der Beratungen ist die künftige Politik nach der empfindlichen Wahlniederlage der Partei im Februar.

In Stockholm werden nachträglich die Nobelpreise für das Jahr 1918 verliehen.

Die deutsche Zollgrenze im Westen, die nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg aufgehoben wurde, wird wieder hergestellt.

16.11.1919, Sonntag

In Frankreich finden die Wahlen zur Abgeordnetenkammer statt. Der Nationale Block ist der Wahlsieger, während die Linksparteien erhebliche Stimmenverluste zu verzeichnen haben.

Bei den Parlamentswahlen in Italien erringen die Sozialisten 156 und die Klerikalen 101 Mandate.

Gewinner der Parlamentswahlen in Belgien sind die Sozialisten mit einem Zuwachs von 30 auf 70 Mandate. Die seit 1884 bestehende absolute Mehrheit der Klerikalen, die nur noch 73 Abgeordnete stellen, ist gebrochen.

Die deutsche Delegation für die Internationale Arbeiterkonferenz reist nach Washington ab. Sie wird bereits am folgenden Tag zurückgerufen, als klar wird, dass sie die Konferenz wegen Schwierigkeiten mit Pässen und Schiffspassagen nicht rechtzeitig erreichen kann.

17.11.1919, Montag

Die Berliner Nachrichtenagentur Wolffs Telegraphen-Bureau (WTB) meldet aus Karlsruhe, dass sich Frankreich nach langen Verhandlungen bereit erklärt hat, Einrichtungsgegenstände u.a. von Deutschen im ehemaligen Reichsland Elsass-Lothringen freizugeben.

Aus Protest gegen die britische Einflussnahme auf die Erarbeitung der neuen Verfassung Ägyptens erklärt Ministerpräsident Muhammad Said Pascha seinen Rücktritt.

18.11.1919, Dienstag

Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und General Erich Ludendorff werden in Berlin vom parlamentarischen Untersuchungsausschuss über die Friedensmöglichkeiten während des Ersten Weltkriegs vernommen.

Der tschechoslowakische Ministerpräsident Wlastimil Tusar erklärt in der Nationalversammlung in Prag, die Regierung denke nicht daran, die noch in Sibirien befindlichen 50 000 tschechoslowakischen Legionäre gegen Sowjetrussland kämpfen zu lassen. Die Soldaten sollen so schnell wie möglich über Wladiwostok nach Hause befördert werden.

Auf Druck der Alliierten tritt der ungarische Ministerpräsident Stephan Friedrich, der von Erzherzog Joseph von Österreich zum Ministerpräsidenten ernannt worden war, zurück. Friedrich beauftragt Kultusminister Karl Huszár mit der Bildung eines “Konzentrationskabinetts”.

Der Senat der Vereinigten Staaten in Washington ratifiziert den Versailler Vertrag nicht. Die USA werden dem Völkerbund nicht beitreten.

19.11.1919, Mittwoch

Der schweizerische Nationalrat in Bern beschließt den Beitritt der Schweiz zum Völkerbund.

Der deutsche Zentrumspolitiker Adolf Gröber stirbt im Reichstag in Berlin nach einem Schlaganfall.

Der oldenburgische Ministerpräsident Theodor Tantzen (DDP) teilt dem Landtag mit, dass die Verwaltung von Birkenfeld, das seine Unabhängigkeit von Oldenburg erklärt hatte, dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz ohne staatsrechtliche Änderungen übertragen wird.

Die ungarische Regierung erlässt eine Verordnung über die Gleichberechtigung aller Bürger des ungarischen Staates: “Die Zugehörigkeit zu irgendeiner nationalen Minderheit darf weder Vorteile noch Nachteile zur Folge haben.”.

20.11.1919, Donnerstag

Der deutsche Reichsrat in Berlin erhält eine neue Geschäftsordnung. Der Reichsrat vertritt u.a. die deutschen Länder in der Reichsgesetzgebung.

In Berlin beginnt der Gründungskongress der Kommunistischen Jugendinternationale innerhalb der (Moskauer) Kommunistischen Internationale. Das Exekutivkomitee der Jugendinternationale soll bis 1921 von dem Deutschen Wilhelm Münzenberg geleitet werden.

21.11.1919, Freitag

L’Osservatore Romano”, die Tageszeitung des Vatikans, meldet, dass Papst Benedikt XV. beschlossen hat, in Japan eine apostolische Vertretung einzurichten. Zum ersten Legaten ist Gumasoni Biondi, der bisherige apostolische Vertreter in Ostindien, ernannt worden.

In Berlin findet eine vorbereitende Sitzung zur Gründung des Reichskohlenrats statt. Das Gremium, das paritätisch mit Vertretern der Bergbauunternehmer und der Gewerkschaften besetzt ist, soll sozialpolitische Beratungsaufgaben wahrnehmen.

Otto Hörsing (MSPD), der Reichs- und Staatskommissar für Schlesien und Westposen, erklärt seinen Rücktritt, nachdem das preußische Ministerium des Innern seinen Antrag auf Aufhebung des Belagerungszustands in Oberschlesien abgelehnt hat.

22.11.1919, Samstag

In Berlin wird ein Kreditabkommen zwischen den dänischen und schwedischen Gewerkschaften und dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB) geschlossen. Der ADGB erhält einen Kredit von fünf Millionen dänischen Kronen.

Die Berliner Nachrichtenagentur Wolffs Telegraphen-Bureau (WTB) teilt mit, dass Preußen seine Gesandtschaften in München, Dresden, Stuttgart, Karlsruhe, Darmstadt, Hamburg, Oldenburg und Weimar bis zum 31. März 1920 auflösen wird.

Der französische Staatspräsident Raymond Poincaré eröffnet die Universität Strasbourg (Straßburg) neu.

Das Drama “Der tote Tag” von Ernst Barlach wird im Leipziger Schauspielhaus uraufgeführt.

23.11.1919, Sonntag

Der Totensonntag wird im Deutschen Reich als Trauertag für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs begangen.

Das italienische Kriegsministerium in Rom ordnet die Schleifung des römischen Festungsgürtels an.

24.11.1919, Montag

Der am 18. November auf Druck der Alliierten zurückgetretene ungarische Ministerpräsident Stephan Friedrich übergibt die Regierungsgewalt dem neuen Ministerpräsidenten Karl Huszár, der ein Koalitionskabinett unter Beteiligung der Sozialisten bildet. Die Mehrheit der Regierungsmitglieder gehört dem christlichnationalen Block an.

25.11.1919, Dienstag

Die Fraktion der USPD in der Deutschen Nationalversammlung in Berlin wählt als Nachfolger von Hugo Haase, der an den Folgen eines Attentats starb, Alfred Henke und Friedrich Geyer zu Vorsitzenden.

Laut einer amtlichen Meldung der Münchner “Korrespondenz Hoffmann” hat sich Papst Bendikt XV. nachdrücklich bei der französischen Regierung dafür verwendet, die Heimbeförderung der deutschen Kriegsgefangenen bis zum kommenden Weihnachtsfest zu erwirken.

26.11.1919, Mittwoch

Die Fraktion des Zentrums in der Deutschen Nationalversammlung in Berlin wählt Karl Trimborn zum Vorsitzenden als Nachfolger des am 19. November verstorbenen Adolf Gröber.

27.11.1919, Donnerstag

In Neuilly-sur-Seine bei Paris wird der Friedensvertrag zwischen Bulgarien und den Siegermächten des Ersten Weltkriegs unterzeichnet.

Die Deutsche Nationalversammlung in Berlin nimmt einstimmig ein Hilfsprogramm für die Hungernden in Deutschösterreich an. Die deutschen Mehlrationen werden zu diesem Zweck für vier Wochen um insgesamt 200 g pro Verbraucher gekürzt. Die Deutschen erhalten einen Monat lang 1700 statt 1750 g Mehl wöchentlich.

Die Deutsche Nationalversammlung in Berlin verabschiedet die Reichsabgabenordnung (Erzbergersche Finanzreform).

28.11.1919, Freitag

Die britische Regierung verbietet allen Organisationen der irischen Partei Sinn Féin. Die radikal nationalistische Partei kämpft seit 1905 für die Unabhängigkeit Irlands, das unter britischer Vorherrschaft steht.

Gegen die Stimmen von MSPD und USPD lehnt die preußische Landesversammlung in Berlin den Antrag der USPD ab, den 9. November zum gesetzlichen Feiertag zu erklären und den Bußtag als gesetzlichen Feiertag aufzuheben.

Der spanische Außenminister Salvador Bermúdez de Castro y O’Lawlor erklärt in Madrid, sein Land könne keine freundschaftlichen Beziehungen zu Sowjetrussland unterhalten, das durch die Erstürmung der spanischen Botschaft in Petrograd (Leningrad) ebenfalls keine freundliche Haltung gezeigt habe.

Bei einer Ersatzwahl zum britischen Unterhaus wird in Plymouth die konservative Kandidatin Nancy Witcher Astor gewählt. Sie ist die erste weibliche Abgeordnete im britischen Unterhaus.

Das Große Schauspielhaus in Berlin wird mit der “Orestie” von Aischylos in der Inszenierung Max Reinhardts eröffnet.

29.11.1919, Samstag

Der Vorstand der MSPD fordert die deutschen Arbeiter auf, in die Einwohnerwehren einzutreten.

30.11.1919, Sonntag

Die Einwohner des Freistaats Coburg sprechen sich mit der Mehrheit von 26 102 zu 3466 Stimmen für den Anschluss Coburgs an Bayern aus.

In Leipzig wird der außerordentliche Parteitag der USPD eröffnet. Auf der bis zum 6. Dezember dauernden Veranstaltung wird ein Aktionsprogramm auf der Grundlage des Klassenkampfes und des Rätesystems verabschiedet.

In München wird die Bayerische Königspartei gegründet. Sie fordert die Wiederherstellung eines freien selbständigen Königreichs Bayern mit einem freien Volkskönig an der Spitze.

Baden, Württemberg und Hessen vereinbaren die Kanalisierung des Neckar.