Was geschah im November 1924

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Wetterstationen November 1924

1.11.1924, Samstag

Per Verordnung hebt Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) die während der Inflation 1923 eingeführte Devisengesetzgebung auf. Zugleich erlässt er eine Verordnung über die Aufnahme von Auslandskrediten durch Länder und Gemeinden des Deutschen Reichs.

Nach seiner Rückkehr in die Reichshauptstadt Berlin eröffnet Theaterregisseur und – intendant Max Reinhardt mit Carlo Goldonis “Der Diener zweier Herren” ein neues Theater, die “Komödie” am Kurfürstendamm. Zur glanzvollen Eröffnung erscheint viel Berliner Prominenz; auch Reichskanzler Wilhelm Marx und Reichsaußenminister Gustav Stresemann sind anwesend.

Im Zsolnay Verlag erscheinen Briefe des 1911 verstorbenen österreichischen Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler. Herausgeberin ist die Witwe des Komponisten Alma Maria Mahler, die nach dem Tod ihres Mannes und einer kurzen Beziehung zu Oskar Kokoschka 1915 den Architekten Walter Gropius geheiratet hat.

Nach dem Wahlsieg der bürgerlichen Parteien verliert Philipp Scheidemann (SPD) sein Amt als Oberbürgermeister von Kassel.

2.11.1924, Sonntag

Die linksliberale Deutsche Demokratische Partei (DDP) tritt auf ihrem außerordentlichen Parteitag in Berlin u.a. für die “entschlossene Aufrechterhaltung und Durchführung einer demokratischen Außenpolitik” ein. Dieser Beschluss richtet sich gegen eine deutschnationale Regierungsbeteiligung.

Der Staatsstreich des “Christlichen Generals” Feng Yü-hsiang, dessen Truppen Peking besetzen, zwingt den bisherigen Präsidenten der Republik China Ts’ao K’un zum Rücktritt.

Ein neuartiger Schiffsantrieb, der sog. Flettner-Rotor, findet nach Abschluss mehrerer Versuchsfahrten großes Interesse in der Fachpresse.

3.11.1924, Montag

Anhaltende Niederschläge führen zu einer Hochwasserkatastrophe vor allem im Rhein-Main-Gebiet. In der Kölner Altstadt werden die Straßen teilweise überflutet. Der Pegel steigt hier acht bis zehn Zentimeter in der Stunde. Auch aus Frankreich und Belgien werden Überschwemmungen gemeldet.

4.11.1924, Dienstag

Am Staatlichen Schauspielhaus in Dresden wird “Intermezzo” von Richard Strauss uraufgeführt. Die Oper bringt dem Komponisten nicht den erhofften Erfolg. Fast mehr noch als an der Uraufführung ist die Öffentlichkeit an der “Strauss-Krise” an der Wiener Staatsoper interessiert.

In Paris stirbt Gabriel Fauré im Alter von 79 Jahren. Das Werk des französischen Komponisten ist von Elementen des Klassizismus und des Impressionismus geprägt.

In Italien kommt es in verschiedenen Orten zu schweren Ausschreitungen der Faschisten gegen demonstrierende Weltkriegsteilnehmer. Der Kongress der italienischen Frontkämpfer hatte am 29. Juli die faschistische Herrschaft indirekt kritisiert.

Mit einem hohen Wahlsieg sichert der Republikaner Calvin Coolidge, der seit dem Tod Warren G. Hardings am 2. August 1923 30. Präsident der USA ist, seiner Partei die Präsidentschaft; Coolidge kann sich mühelos gegen John W. Davis (Demokratische Partei) und Robert Marion La Follette (Progressive Partei) durchsetzen.

5.11.1924, Mittwoch

Bei einem Inspektionsbesuch alliierter Offiziere in der Waffenmeisterei von Ingolstadt kommt es zu einem Zwischenfall. Die Kontrollkommission wird von einer erregten Volksmenge bedrängt und beschimpft.

Der Kaiserpalast in Peking wird von den Truppen des “Christlichen Generals” Feng Yü-hsiang besetzt. Feng lässt dem ehemaligen Kaiser von China Pu Yi nur wenige Stunden Zeit zur Räumung des Palastes. Mit seinem Handstreich gegen den ehemaligen Kaiser will Feng dem auf Peking vorrückenden Chang Tso-lin zuvorkommen, der als Begünstiger der Mandschudynastie gilt.

In Italien werden führende Oppositionszeitungen beschlagnahmt. Um dieser Maßnahme zu entgehen und sie zugleich zu kritisieren, erscheint die Turiner “Stampa” mit unbedruckten Seiten.

Die Sowjetunion erhebt in einer Zirkularnote an alle ausländischen Regierungen Anspruch auf die nördlich von Sibirien liegenden Polarinseln.

6.11.1924, Donnerstag

Nach einer kaum dreimonatigen Regierung unter Ljubomir Davidovic (27. 7.- 15. 10) übernimmt Nikola Pašic, der Führer der serbischen Radikalen, im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Jugoslawien) erneut das Amt des Ministerpräsidenten. Davidovic vertritt als Führer der Demokratischen Partei einen gemäßigten Zentralismus. Seit Jahren ist die Regierungssituation in dem Balkanland äußerst stabil.

Leon Janáceks Oper “Das schlaue Füchslein” wird in Brünn uraufgeführt. Die deutsche Bearbeitung stammt von Max Brod.

Für die von der Hochwasserkatastrophe im Rhein-Main-Gebiet betroffenen Städte kündigt die preußische Regierung Hilfeleistungen an. Derzeit sinkt der Wasserstand langsam wieder ab.

Im Zusammenhang mit separatistischen Unruhen im spanischen Katalonien werden zahlreiche Personen verhaftet. Am 10. November werden zwei an den Unruhen Beteiligte nach einem entsprechenden Kriegsgerichtsurteil in Barcelona standrechtlich erschossen.

Der am 10. Juni abgelöste französische Staatspräsident Alexandre Millerand wendet sich als Vorsitzender der von ihm gegründeten National-Republikanischen Liga mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit. Darin kündigt er dem regierenden Linkskartell den “Kampf bis aufs Messer” an. Der Liga gehören Politiker der Rechtsparteien und konservative Persönlichkeiten an.

Nach dem Rücktritt der britischen Labour-Regierung unter James Ramsey MacDonald am 4. November, dessen Partei bei den Unterhauswahlen am 29. Oktober Verluste erlitten hatte, bildet Stanley Baldwin ein konservatives Kabinett.

In der deutschen Presse kursieren Gerüchte über Putschpläne monarchistischer Kreise in Bayern, an denen besonders Ex-Kronprinz Rupprecht beteiligt sein soll. Der BVP-Regierung nahestehende Blätter wenden sich gegen die “staatsrechtliche Monstrosität eines bayerischen Königs im Reiche [Friedrich] Eberts”.

Das Reichskabinett berät über Reformen, die durch die Reichstagsauflösung blockiert sind; dazu gehört u.a. ein Ende des Personalabbaus in öffentlichen Verwaltungen.

7.11.1924, Freitag

Im Saargebiet wird die Einführung des gesetzlichen Achtstundentags beschlossen. Aufgrund des Versailler Vertrags (1919) wurden die Kohlengruben und das industrielle Ausbeutungsrecht im Saargebiet an Frankreich abgetreten. 1935 soll die Bevölkerung über die politische Zukunft ihres Landes entscheiden.

In Karlsruhe stirbt der Maler Hans Thoma. Der 85-Jährige galt mit seinen Landschaftsgemälden als bedeutender Vertreter der sog. Heimatkunst.

Im Primuspalast in Berlin wird der Film “Gräfin Donelli” von Georg Wilhelm Pabst uraufgeführt. Zu den Hauptdarstellern gehören Henny Porten und Friedrich Kayssler.

Direkt gegenüber vom Repräsentantenhaus in Washington hebt die Prohibitions-Polizei ein geheimes Whisky-Debot aus. Insgesamt werden bei dieser Aktion 1000 Gallonen (rund 4000 l) Whisky beschlagnahmt.

8.11.1924, Samstag

Nach längerer Debatte lehnt der sächsische Landtag Auflösungsanträge der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und der Kommunisten sowie einen kommunistischen Misstrauensantrag ab. Vorerst bleibt die von Max Heldt (SPD) geführte Große Koalition an der Regierung.

Der österreichische Bundeskanzler Ignaz Seipel tritt mit seinem Kabinett zurück. Äußerer Anlass für die Demission ist ein Streik der Eisenbahner. Die anhaltenden Differenzen mit den Bundesländern wegen der Sparpolitik der Bundesregierung sind jedoch der eigentliche Grund.

9.11.1924, Sonntag

Die regierenden Sozialdemokraten gehen mit 15 Mandaten als stärkste Fraktion aus den Landtagswahlen in Anhalt hervor. Die Bürgerliche Volksgemeinschaft gewinnt 14 Sitze.

In der Türkei wird die oppositionelle Fortschrittspartei gegründet, die sich u.a. gegen die Religionspolitik von Präsident Mustafa Kemal Pascha (Kemal Atatürk) richtet.

10.11.1924, Montag

In Berlin werden die am 21. September vertagten deutsch-belgischen Wirtschaftsverhandlungen wiederaufgenommen. Die beiden Länder wollen ihre Wirtschaftsbeziehungen intensivieren.

Die Große Volksoper in Berlin befindet sich in einer schweren Finanzkrise. Derzeit weist die Bilanz ein Minus von 460 000 Goldmark auf. Diskutiert wird u.a. eine Fusion mit dem Deutschen Opernhaus, das ebenfalls mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat.

11.11.1924, Dienstag

Die Landes-SPD in Sachsen spricht der von Max Heldt (SPD) geführten Landesregierung das schärfste Misstrauen aus. Die Koalition mit den bürgerlichen Parteien wird von der linken Parteibasis nicht getragen. Heldt kann sich jedoch auf die Mehrheit der SPD-Landtagsfraktion stützen.

Nach schweren Rassenunruhen in Danville im US-Bundesstaat Kentucky übernehmen Regierungstruppen den Polizeidienst in der Stadt. Den Zusammenstößen war die Ermordung eines Weißen durch einen Schwarzen vorausgegangen.

Überraschend bricht ein Streik bei der Berliner Hoch- und Untergrundbahn aus. Die Streikenden fordern die Wiedereinführung des Achtstundentags.

Eugene O’Neills Drama “Gier unter Ulmen” (“Desire Under the Elms”) wird im Greenwich Village Theatre in New York uraufgeführt. Der US-Dramatiker verarbeitet in dem neuen Stück Erkenntnisse über die Tiefenpsychologie von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung.

12.11.1924, Mittwoch

Der Streik der österreichischen Eisenbahner wird nach fünf Tagen beendet, da die Streik-Forderung nach einer neuen Besoldungsordnung weitgehend bewilligt wurde. Die Bezüge der Eisenbahner werden um 6% erhöht.

13.11.1924, Donnerstag

Nachdem Ungarn die Auslieferung von Heinrich Schulz, einem der beiden Mörder des früheren Reichsjustizministers Matthias Erzberger, an das Deutsche Reich abgelehnt hat, wird dieser von Ungarn über Rumänien in die Türkei abgeschoben.

Der mit Henny Porten, Willy Fritsch, Friedrich Kayssler und Wilhelm Dieterle prominent besetzte Film “Mutter und Kind” nach Friedrich Hebbel hat im Marmorhaus Berlin Premiere.

Im Berliner Ufa-Theater am Kurfürstendamm wird der Stummfilm “Das Wachsfigurenkabinett” von Paul Leni uraufgeführt. Hauptdarsteller sind Emil Jannings und Werner Krauss.

14.11.1924, Freitag

Der Parteitag der rechtsliberalen Deutschen Volkspartei (DVP) in Dortmund verabschiedet einen Aufruf zu den am 7. Dezember bevorstehenden Reichstagswahlen. Kernpunkt des Wahlprogramms ist die “nationale Realpolitik” Gustav Stresemanns. Stresemann ist DVP-Vorsitzender und Reichsaußenminister.

In Berlin wird der Film “Die Schmetterlingsschlacht” nach dem Bühnenstück von Hermann Sudermann uraufgeführt. Die 40-Jährige Asta Nielsen spielt in der Hauptrolle das junge Mädchen Rosa Hergentheim. Regie führt Franz Eckstein.

15.11.1924, Samstag

Zwischen dem bayerischen Staat und der evangelisch-lutherischen Landeskirche rechts des Rheins sowie der vereinigten protestantisch-evangelisch-christlichen Kirche der Pfalz werden Verträge über die kirchlichen Verhältnisse abgeschlossen. Sie lehnen sich sinngemäß an das Konkordat vom 29. März an.

16.11.1924, Sonntag

Mit dem Übergang des Eisenbahnbetriebs von der französisch-belgischen Regie auf die Deutsche Eisenbahngesellschaft wird gemäß dem Londoner Abkommen die letzte Etappe der wirtschaftlichen Räumung der besetzen Gebiete an Rhein und Ruhr vollzogen.

Die Deutsch-Russische Luftverkehrsgesellschaft (Deruluft) richtet gemeinsam mit der niederländischen Gesellschaft KLM eine neue Verbindung Paris- Moskau ein.

17.11.1924, Montag

In Berlin wird ein deutsch-schweizerisches Einfuhrabkommen unterzeichnet, das den Abbau komplizierter Einfuhrgenehmigungen vorsieht. Der Handel zwischen beiden Ländern soll vereinfacht und ausgebaut werden.

Um gegen die für die Landwirtschaft ruiniöse Wasserwirtschaft der Stadt Los Angeles zu protestieren, besetzen etwa 100 Farmer das Stauwerk im Tal des Owen River und öffnen die Fluttore.

18.11.1924, Dienstag

Bei dem von der Nationalsozialistischen Freiheitspartei (NSFP) in Berlin veranstalteten “Deutschen Abend” fordert General a. D. Erich Ludendorff den Kampf gegen “Schwarzrotgelb und gegen den Parlamentarismus”.

Da in Bremen die Bildung einer Regierung mit tragfähiger Mehrheit gescheitert ist, beschließt die Bürgerschaft ihre Selbstauflösung. Neuwahlen werden auf den 7. Dezember festgelegt, den Tag der Reichstagswahlen.

Im Rahmen des in London vereinbarten Rückzugs räumen die französischen Truppen das Gebiet zwischen Königswinter und Honnef.

19.11.1924, Mittwoch

Nach Ansicht der Londoner “Times” ist eine Kompromisslösung zur Räumung der Kölner Zone nicht unwahrscheinlich, obwohl Frankreich Einwendungen gegen die termingerechte Räumung am 10. Januar 1925 erhebe. Die Kölner Zone soll als erstes der seit dem Ende des Weltkriegs von den Alliierten besetzten linksrheinischen Gebiete geräumt werden.

In Kairo wird auf den britischen Oberbefehlshaber der ägyptischen Armee und Generalgouverneur des Sudan, Generalmajor Sir Lee Stack, ein Attentat verübt. Am folgenden Tag erliegt Stack seinen Verletzungen. Britischer Druck führt zum Rücktritt der ägyptischen Regierung unter Sad Saghlul.

20.11.1924, Donnerstag

Nach dem Rücktritt Ignaz Seipels am 8. November bildet Rudolf Ramek (christlichsozial) die neue österreichische Regierung. Diese sog. Länderregierung stützt sich vor allem auf Politiker aus den Ländern. Es ist wie bisher eine christlichsozial-großdeutsche Koalition.

21.11.1924, Freitag

Die konservative britische Regierung unter Stanley Baldwin erklärt den noch von der Labour-Regierung James Ramsey MacDonalds am 8. August mit der Sowjetunion geschlossenen Handelsvertrag für hinfällig. Nach dem Regierungswechsel in London haben sich die Beziehungen zu Moskau verschlechtert.

In Portugal bildet José Domingos dos Santos eine neue Regierung. Dies ist der zweite Kabinettswechsel im Jahr 1924. Ministerpräsident Alfredo Rodrigues Gaspar, der am 28. Juni das Amt übernommen hatte, war am 19. November zurückgetreten, weil sein Kabinett in der Kammer keine Mehrheit hatte.

Der Bildhauer, Graphiker und Dichter Ernst Barlach wird mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet.

In Berlin wird Paul Czinners Stummfilm “Nju – Eine unverstandene Frau” uraufgeführt. Theaterschauspielerin Elisabeth Bergner findet in ihrer ersten großen Filmrolle (Nju) großen Beifall.

22.11.1924, Samstag

In einer scharfen Note an die ägyptische Regierung fordert die Regierung in London im Zusammenhang mit der Ermordung des britischen Oberbefehlshabers der ägyptischen Truppen, Sir Lee Strack, u.a. die Zahlung einer Buße von 500 000 Pfund und die Zurückziehung aller rein ägyptischen Einheiten aus dem Sudan.

Reichskanzler Wilhelm Marx (Zentrum) betont in seiner Wahlkampfrede in der überfüllten Kölner Messehalle besonders die Erleichterungen, die durch die Londoner Vereinbarungen für die besetzten Gebiete an Rhein und Ruhr erreicht worden sind (u.a. wirtschaftliche Räumung).

24.11.1924, Montag

Gegen die antisemitische Wahlpropaganda der Deutschnationalen, die mit dem Schlagwort “Gegen Juden- und Franzosenherrschaft” für die Reichstagswahlen am 7. Dezember agitieren, richtet sich der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Berlin.

Der ägyptische Ministerpräsident Sad Saghlul tritt zurück, als britische Streitkräfte die Zollgebäude von Alexandrien besetzen. Zu den schweren britisch-ägyptischen Spannungen ist es infolge der Ermordung des britischen Oberbefehlshabers der ägyptischen Armee, Generalmajor Sir Lee Stack, gekommen. Ahmad Ziwar Pascha bildet die neue Regierung.

In China löst Tuan Ch’i-jui den bisherigen Präsidenten Ts’ao K’un ab.

Das Luftschiff ZR III, das unter der Bezeichnung LZ 126 als Reparationsluftschiff im Deutschen Reich gebaut und im Oktober mit einem spektakulären Atlantikflug in die USA überführt worden war, wird in Washington auf den Namen “Los Angeles” getauft.

Aufgrund des Washingtoner Abkommens (ratifiziert am 17. 8. 1923), in dem die USA, Großbritannien, Frankreich und Japan eine Begrenzung ihrer Kriegsflotten festgelegt haben, wird das US-Schlachtschiff “Washington” bei Virginia Cap versenkt.

Mit gezielten Werbekampagnen versucht die Sowjetregierung, die Bauern für eine regere Teilnahme am politischen Leben zu gewinnen. Bis zum 1. Oktober konnten durch eine ähnliche Kampagne unter den Arbeitern 241 600 neue Parteimitglieder geworben werden.

In Anhalt bilden die Sozialdemokraten mit der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei eine Koalitionsregierung, die von dem bisherigen Ministerpräsidenten Heinrich Deist (SPD) geführt wird.

26.11.1924, Mittwoch

Nachdem mit sowjetischer Hilfe chinesische und weißrussische Truppen in schweren Kämpfen aus der Mongolei vertrieben worden sind, wird die mongolische Volksrepublik gegründet. Sie ist politisch und wirtschaftlich eng an die Sowjetunion gebunden.

Zu Ehren des zurückgekehrten Luftschiffpiloten Hugo Eckener, der das Wagnis einging, das deutsche Luftschiff ZR III (vorher LZ 126) nach New York zu überführen, findet bei Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) ein Frühstück statt, an dem auch mehrere Kabinettsmitglieder teilnehmen.

27.11.1924, Donnerstag

Im Kommunistenprozess vor dem Revaler Kriegsgericht (Estland) wird das Urteil gegen 149 estnische Kommunisten gesprochen, die der prosowjetischen Spionage und der Vorbereitung eines Putsches beschuldigt werden.

28.11.1924, Freitag

In ihrer Note an Großbritannien weist die Sowjetregierung jede Verantwortung für den sog. Sinowjew-Brief zurück. Der am 24. Oktober in Großbritannien veröffentlichte Brief könne nur als eine Fälschung betrachtet werden.

Der S. Fischer Verlag in Berlin liefert den Roman “Der Zauberberg” von Thomas Mann aus. Bis zum letztmöglichen Tag hat der Autor an dem 1912 begonnenen Bildungs- und Erziehungsroman gearbeitet.

In Frankfurt am Main wird das Schauspiel “Katalaunische Schlacht” des expressionistischen Bühnenavantgardisten Arnolt Bronnen uraufgeführt. Nationale Proteste führen schließlich zur Absetzung des Stücks. Besonders eine Szene – ein deutscher Soldat plündert einen Toten – wird als eine “den vaterländischen Empfindungen hohnsprechende Kränkung” angesehen.

29.11.1924, Samstag

Giacomo Puccini, italienischer Opernkomponist, stirbt im Alter von 65 Jahren in einer Brüsseler Klinik.

30.11.1924, Sonntag

Fast 2000 Industrielle aus dem ganzen Reichsgebiet kommen zum Eisenhüttentag in Düsseldorf, darunter Albert Vögler, Peter Klöckner und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach.