Was geschah im November 1925

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Wetterstationen November 1925

1.11.1925, Sonntag

In einer öffentlichen Erklärung verteidigt die deutsche Reichsregierung ihre Locarno-Politik gegen die Angriffe der rechten Parteien.

Auf der Schachtanlage I/II der Zeche “Holland” in Essen kommt es zu einer Schlagwetterexplosion, bei der 17 Bergleute getötet werden.

Im Rheingau ist für dieses Jahr die allgemeine Weinlese beendet. Obwohl die Winzer über die Auswirkungen der Rebschädlinge klagen und das Trauben- und Mostgeschäft schlecht geht, nehmen die Erzeuger an, dass die Weine des Jahres 1925 die Qualität der vergangenen vier Jahre übertreffen werden.

2.11.1925, Montag

Der Nationalrat der sozialistischen Partei Frankreichs spricht sich mit einer großen Mehrheit gegen die Politik des Ministerpräsidenten Paul Painlevé aus.

Der sowjetische Schriftsteller Maxim Gorki, der sich z. Z. aus Gesundheitsgründen in dem italienischen Ort Loretto aufhält, protestiert gegen die Durchsuchung seines Hauses von seiten der italienischen Polizei.

Unter dem Titel “Spießer-Spiegel” erscheinen 60 Zeichnungen des Künstlers George Grosz in Berlin.

3.11.1925, Dienstag

In einer Rundfunkrede erläutert Außenminister Gustav Stresemann (DVP) die Ergebnisse der Konferenz von Locarno im Oktober.

Im Anschluss an die Regierungserklärung des französischen Ministerpräsidenten Paul Painlevé wird ein Vertrauensvotum mit 221 gegen 189 Stimmen vom Parlament angenommen. 166 Abgeordnete, meist Sozialisten, enthalten sich der Stimme.

Berlin erhält eine neue Bauordnung, die u.a. die Errichtung von sog. Mietskasernen für die Zukunft untersagt.

Die ungarische Nationalversammlung spricht sich für die neue ungarische Währungseinheit, den Pengö, aus, sie löst die Papierkronen ab. Ein Pengö sind 12 500 Papierkronen.

4.11.1925, Mittwoch

Bei der Verteidigung der Stadt Damaskus gegen die aufständischen Drusen kommen auch französische Bombenflugzeuge zum Einsatz.

Von Viktor Ottmann erscheint das Buch “Paul von Hindenburg – des Deutschen Reiches treuer Eckart”.

5.11.1925, Donnerstag

Wegen eines Attentatversuchs auf den italienischen Ministerpräsident Benito Mussolini werden in Italien die sozialistischen Parteien aufgelöst.

Gegen die aggressive französische Politik in Syrien sprechen sich die konservativen Abgeordneten des französischen Parlaments aus.

Die nationalistische Partei der US-amerikanischen Kolonie Philippinen bringt im Parlament einen Antrag zur Durchführung einer Volksabstimmung über die Unabhängigkeit der Inseln ein.

Die “Frankfurter Zeitung” berichtet über Monopolpläne in der Tabakindustrie.

Die “Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents” veröffentlicht einen Arbeitsbericht.

6.11.1925, Freitag

Die Botschafterkonferenz in Paris beantwortet die deutsche Note vom 23. Oktober über die Entwaffnungsfrage. Einige Tage darauf, am 14. November, werden der deutschen Regierung Erleichterungen für die besetzten Gebiete in Aussicht gestellt.

Zwischen der Schweiz und Deutschland kommt es zum Abschluss eines provisorischen Handelsvertrages.

Im Berliner Kino “Alhambra” wird der Film “Der Trödler von Amsterdam” mit Werner Krauss uraufgeführt.

Zur Erleichterung des Personenverkehrs wurde eine direkte Schlafwagenverbindung zwischen Köln und der türkischen Stadt Konstantinopel (Istanbul) eingerichtet.

7.11.1925, Samstag

Zum Nachfolger des am 31. Oktober verstorbenen sowjetischen Volkskommissars für Heer und Flotte, Michail W. Frunse, wird Kliment J. Woroschilow in Moskau ernannt.

Im zweiten Wahlgang bestätigt das lettische Parlament den bisherigen Staatspräsidenten Janis Tschakste für drei Jahre in seinem Amt.

Eine Delegation junger deutscher Arbeiter beginnt eine Reise in die Sowjetunion (bis 20. Dezember).

Der Vertrauensmann der Kleiststiftung in Berlin, Paul Fechter, gibt die diesjährige Verleihung des Kleist-Preises an den Schriftsteller Carl Zuckmayer für dessen Stück “Der fröhliche Weinberg” bekannt.

Eine internationale Kunstausstellung, in der erstmals nach dem Weltkrieg auch deutsche Exponate zu sehen sind, wird in der Royal Academy London eröffnet.

Unter dem Jubel Tausender Zuschauer landet der Pilot de Pinedo sechseinhalb Monate nach seinem Start wieder in Rom. Er hat einen 55 000 km langen Flug rund um die Welt in einem Wasserflugzeug hinter sich.

8.11.1925, Sonntag

Anlässlich des Jahrestages der deutschen Revolution vom 9. November 1918 spricht der Dramatiker Ernst Toller im Großen Schauspielhaus Berlin über die “Deutsche Revolution”.

9.11.1925, Montag

Nach dem Rücktritt mehrerer Minister wird in der griechischen Hauptstadt Athen ein neues Kabinett gebildet.

Von den jubelnden Bewohnern wird in Brüssel das belgische Königspaar empfangen, das von seiner Silber-Hochzeitsreise aus Indien zurückkehrt.

Im Blauen Saal des Moskauer Gewerkschaftshauses wird der Internationale Schachkongress, verbunden mit einem Turnier, eröffnet.

10.11.1925, Dienstag

In Brüssel beginnt die bis zum 13. November dauernde internationale Konferenz kommunistischer Parlamentarier. Sie diskutieren über die Auswirkungen der Verträge von Locarno, in denen sie ein imperialistisches Komplott gegen die UdSSR sehen.

Nach Ablehnung des sozialistischen Steuervorschlages durch den französischen Finanzausschuss kommt es in Paris zum Bruch zwischen den Sozialisten und der Regierung.

11.11.1925, Mittwoch

Im “Verein Berliner Kaufleute und Industrieller” spricht Reichskanzler Hans Luther zur Locarno-Politik – eine Rede, die national und international große Beachtung findet.

Reichspräsident Paul von Hindenburg stattet in den folgenden zwei Tagen den Landesregierungen in Stuttgart, Karlsruhe, Darmstadt und Frankfurt am Main seinen Staatsbesuch ab.

Die zuständigen staatlichen Instanzen erteilen der Stadt Frankfurt am Main die Genehmigung, bei US-Banken eine Anleihe in Höhe von vier Millionen US-Dollar aufzunehmen.

In Den Haag stimmt die zweite Kammer mit 52 gegen 42 Stimmen einem Antrag zu, die niederländische Botschaft beim Vatikan aufzugeben. Infolgedessen treten vier katholische Minister zurück.

Der nach dem deutschen Minnesänger Walther von der Vogelweide benannte Waltherplatz in Bozen (Südtirol) wird von den italienischen Behörden in “König-Viktor-Emanuel-Platz” umbenannt.

12.11.1925, Donnerstag

In Madrid versuchen mehrere Generale der Armee, in Spanien die Republik auszurufen. Der Militärputsch wird jedoch sehr schnell niedergeschlagen.

Wegen des auf ihn versuchten Attentats sagt der italienische Ministerpräsident Benito Mussolini die Reise nach London zur Unterzeichnung des Locarno-Paktes ab.

Die neue griechische Regierung verbietet ab sofort das Tragen von vor ihrem Amtsantritt vergebenen griechischen Orden.

Mit 60 Mann Besatzung sinkt ein britisches U-Boot. Die Rettungsmaßnahmen, an denen auch deutsche Taucher beteiligt sind, bleiben erfolglos.

Wegen der nach Peking übergreifenden Bürgerkriegskämpfe reist der Chef der chinesischen Zentralregierung, Tuang Tschi-jui, überraschend nach Tientsin, um dort in den ausländischen Niederlassungen Schutz zu suchen.

13.11.1925, Freitag

Polens Ministerpräsident Wladyslaw Grabski tritt wegen der mangelnden Zustimmung gegenüber seinem Finanzprogramm zurück.

In der Pariser Galerie “Pierre” wird die erste große Kollektivausstellung der Surrealisten eröffnet (bis 25.11.)

14.11.1925, Samstag

Auf der an diesem Wochenende stattfindenden Kulturtagung der Deutschen Volkspartei kritisieren die Delegierten u.a. die Form der Verträge zwischen Staat und Kirche.

In Rom genehmigt der italienische Ministerrat einen neuen Gesetzentwurf, der die Befugnisse des Ministerpräsidenten entscheidend erweitert.

Der mexikanische Kongress beschließt ein Gesetz, das Ausländern Grundbesitz in Grenz- und Küstengebieten des Landes verweigert. Betroffen sind davon vor allem US-Amerikaner.

Als dritter Nordatlantik-Schnelldampfer der Hamburg-Amerika-Linie läuft die “Hamburg” auf der Werft Blohm & Voss vom Stapel.

Auf seiner Rückreise von den USA nach Moskau trifft der sowjetische Schriftsteller Wladimir W. Majakowski zu einem Zwischenaufenthalt in Berlin ein.

15.11.1925, Sonntag

In Berlin findet ein zweitägiger Parteitag der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) statt.

Bei den Parlamentswahlen in Australien erringen die Nationale Partei 35 Sitze, die Arbeiterpartei 27 sowie die Landespartei 12 Sitze. Premierminister Stanley M. Bruce wird wiedergewählt.

16.11.1925, Montag

In Kassel eröffnet die Zentrumspartei ihren vierten Reichsparteitag.

Der am 14. November in Budapest begonnene Prozess gegen den Kommunisten Mátyás Rákosi wird vom Stadtgericht an ein ordentliches Gericht zur Weiterverhandlung überwiesen.

Großen Applaus erhält der im Berliner Ufa-Palast am Zoo uraufgeführte Film “Varieté” mit Emil Jannings.

17.11.1925, Dienstag

Die Mehrheit des sächsischen Landtages spricht sich gegen eine von der Kirche beeinflusste Schule aus.

Die US-amerikanische Morgan-Bank und der italienische Staat schließen in Washington ein Abkommen über eine Anleihe für Italien in einer Höhe von 100 Millionen US-Dollar.

In Berlin endet der Prozess gegen die Gräfin Bothmer aus Potsdam, der einige Wochen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich gezogen hat. Die Gräfin wird wegen Diebstahls in vier Fällen zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

18.11.1925, Mittwoch

In Madrid unterzeichnen Deutschland und Spanien einen provisorischen Handelsvertrag. Dadurch wird der deutsch-spanische Zollkrieg eingestellt.

Mit einer Rede des Ministerpräsidenten und Duce Benito Mussolini wird in Rom das italienische Parlament eröffnet. Am selben Tag veröffentlicht das Parlament einen Gesetzentwurf über die künftigen Rechte der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände.

Der Vorsitzende der Agrarpartei, Stjepan Radi c, übernimmt im jugoslawischen Kabinett das Amt des Unterrichtsministers.

19.11.1925, Donnerstag

Der österreichische Nationalrat in Wien genehmigt einen Gesetzentwurf über die Kranken-, Unfall-, Invaliden- und Arbeitslosenversicherung der österreichischen Arbeitnehmer.

Im österreichischen Tirol kommt es mehrfach zu Kundgebungen gegen die faschistische Entwicklung in Südtirol und die Diskriminierung der dortigen deutschen Bevölkerung. Von der Regierung in Wien wird verlangt, dass sie in Rom dagegen Einspruch erhebt.

Als ein kommunistischer Abgeordneter im italienischen Parlament die Regierung Mussolini kritisiert, werden die Kommunisten von faschistischen Abgeordneten brutal zusammengeschlagen.

20.11.1925, Freitag

In Anwesenheit des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg findet in Berlin eine Gedächtnisfeier für den Piloten Manfred von Richthofen statt.

Die in Peking stattfindende internationale Zollkonferenz nimmt eine Entschließung an, wonach China künftig gestattet wird, seine Zolltarife autonom festzusetzen.

In den frühen Morgenstunden werfen irische Republikaner eine Bombe in ein Dubliner Lichtspielhaus, wo z. Z. ein britischer Film auf dem Programm steht.

Auf Schloss Sandringham in Norfolk stirbt die britische Königinmutter Alexandra kurz vor ihrem 81. Geburtstag; sie wird in London beigesetzt.

In der Mannheimer Kunsthalle beginnt eine Bauausstellung, die einen Überblick über das Schaffen der Architekten der letzten 15 Jahre gibt.

21.11.1925, Samstag

Von Gesprächen mit sowjetischen Regierungsvertretern und Wissenschaftlern kehrt eine Delegation der Sternwarte von Frankfurt am Main zurück. In Leningrad kam man überein, Forschungsprogramme gemeinsam durchzuführen.

Amelie Beese-Boutard, die erste deutsche Motorfliegerin, stirbt im Alter von 39 Jahren in Berlin.

Die in Berlin erscheinende Zeitschrift “Licht-Bild-Bühne” veröffentlicht die Ergebnisse einer Umfrage unter US-amerikanischen Kinobesuchern. Danach geht die Mehrheit nur in eine Vorführung, um ihren Lieblingsstar zu sehen.

22.11.1925, Sonntag

Am letzten Tag der Finanzdebatte im französischen Parlament (seit 18. November) tritt das Kabinett zurück.

Nach den Parlamentswahlen in der Tschechoslowakei am 15. und 22. November bleiben die bisherigen Koalitionsparteien an der Regierung.

Die französischen Truppen umgeben Beirut mit Schützengräben und Stacheldrahtzäunen, da sie größere Kämpfe mit den aufständischen Drusen erwarten.

Im Hamburger Hafen kehren die Mitglieder des Zirkus Sarrasani von ihrer Südamerikatournee zurück.

23.11.1925, Montag

Nach 42-tägiger Verhandlung verurteilt ein Moskauer Gericht zwölf Angeklagte wegen Unterschlagungen im Leningrader Kriegshafen zum Tode.

Der Film “Go West” von Buster Keaton wird in den USA uraufgeführt.

24.11.1925, Dienstag

Von etwa tausend Menschen wird die Malerin und Grafikerin Clara Zetkin auf dem Schlesischen Bahnhof in Berlin begrüßt. Sie kehrt von einem zweijährigen Aufenthalt in Moskau zurück.

Von Sigmund Freud, Arzt und Psychoanalytiker, erscheinen erstmals die “Kleinen Beiträge zur Traumlehre”.

An zwei Tagen gastiert der junge russische Komponist Igor Strawinsky im Großen Saalbau von Frankfurt am Main.

25.11.1925, Mittwoch

Die kommunistische Fraktion im Deutschen Reichstag bringt im Parlament einen Antrag auf Fürstenenteignung ein.

In das badische Parlament zieht die neue Regierungskoalition von Demokraten, Zentrum und Sozialdemokraten ein.

Das persische Parlament überträgt dem neuen Herrscher des Landes, Resa Khan, die erbliche Würde als Schah.

Der französische Schriftsteller Henry Barbusse muss seinen gegenwärtigen Aufenthaltsort Bukarest verlassen, da er von faschistischen rumänischen Gruppen angegriffen wurde. Barbusse war nach Rumänien zur Beobachtung eines Prozesses gegen Kommunisten gereist.

Anlässlich der Wiedereröffnung der Eisbahn im Berliner Sportpalast treffen die Eishockeymannschaften des SC Riessersee und des Berliner Schlittschuhclubs aufeinander. Der gastgebende Deutsche Meister gewinnt 4:1.

26.11.1925, Donnerstag

Ein von der spanischen Regierung genehmigter Gesetzentwurf verbietet jede Tätigkeit von Arbeiterorganisationen sowie Streiks in Spanien.

Prajadhipok, Bruder des verstorbenen Königs Wajirawudh, wird unter dem Namen Rama VII. König von Siam.

Nach sechsjähriger Tätigkeit gibt der Komponist und Dirigent Max von Schillings das Amt des Intendanten an der Staatsoper in Berlin ab.

Für eine Million Reichsmark erwerben die Staatlichen Museen Berlin die Statue einer attischen Göttin.

In Berlin hat der Film “Halbseide” mit Hans Albers Premiere.

Auf dem Berliner Messegelände beginnt die diesjährige Deutsche Autoausstellung. Sie ist bis zum 6. Dezember für das Publikum geöffnet.

Durch den am 25. November einsetzenden Schneesturm in West- und Südwestdeutschland kommt es zu erheblichen Behinderungen im Straßenverkehr. Auch der Funkverkehr ist teilweise für mehrere Stunden gestört.

27.11.1925, Freitag

Nach einer fünf Tage dauernden Debatte billigt der Deutsche Reichstag mit 300 gegen 174 Stimmen die Verträge von Locarno und ermächtigt die Regierung zum Eintritt in den Völkerbund. Der Reichsrat bestätigt tags darauf diese Entscheidung.

In London scheitern deutsch-britische Gespräche über einen Handelsvertrag.

Die Regierung der Freien Stadt Danzig beantragt beim Völkerbund die Verlegung eines polnischen Munitionslagers von der Westerplatte nach Gdingen.

Die Berliner Volksbühne führt das Revolutionsstück “Der befreite Don Quichotte” von Anatoli Lunatscharsky, dem sowjetischen Volkskommissar für das Bildungswesen, auf.

40jährig stirbt in Grasse der französische Maler Roger de La Fresnaye.

28.11.1925, Samstag

In Paris bildet der bisherige Außenminister Aristide Briand ein neues Kabinett. Briand behält sein Amt im Ministerium für Äußeres bei.

Vertreter der beiden deutschen Luftverkehrskonzerne Junkers und Aero-Lloyd treffen in Berlin zu Gesprächen über eine Fusionierung zusammen.