Was geschah im November 1929

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Wetterstationen November 1929

1.11.1929, Freitag

Der Berliner Oberbürgermeister Gustav Böß (DDP), der am Tag zuvor von einer Reise in die USA zurückgekehrt ist, beantragt gegen sich selbst ein Disziplinarverfahren, um alle Vorwürfe im Zusammenhang mit der Sklarek-Affäre restlos aufklären zu lassen.

Der Jungdeutsche Orden, ein konservativer Verband, fordert die “wahrhaft nationalen und staatsbejahenden Kräfte” zur Neuformierung auf. Die Organisation strebt ein Zusammengehen mit der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) an.

Drei Ulmer Offiziere suchen Kontakt mit den Nationalsozialisten und führen in der Münchner NSDAP-Parteizentrale Gespräche über eine Unterwanderung der Reichswehr.

2.11.1929, Samstag

André Tardieu wird als Nachfolger von Aristide Briand, der am 22. Oktober zurückgetreten ist, französischer Ministerpräsident. Die Radikalsozialisten gehören der neuen Regierung nicht mehr an.

Als Reaktion auf den Aktiensturz an der New Yorker Börse setzt die Deutsche Reichsbank den Diskontsatz von 7,5 auf 7% herab.

3.11.1929, Sonntag

Der Deutsche Industrie- und Handelstag und der Reichsverband der Deutschen Industrie übergeben gemeinsame Leitsätze zur Reform der Haushaltsgesetzgebung der Öffentlichkeit. Als Maßnahme zur Verhinderung von Finanzkrisen schlagen sie vor, dass der Reichstag nicht ohne Zustimmung der Reichsregierung Etaterhöhungen im laufenden Haushaltsjahr beschließen kann.

4.11.1929, Montag

Reichspräsident Paul von Hindenburg äußert sich in einem Brief an einige hohe Offiziere der Reichswehr neutral und abwartend zum Anti-Youngplan-Gesetzentwurf der Rechtsparteien im Reichstag.

Bei den Wahlen zu beiden Kammern des tschechoslowakischen Parlaments (erster Wahlgang am 27.10.) erzielen die Linksparteien Gewinne.

Der spanische Diktator Miguel Primo de Rivera y Orbaneja distanziert sich nach Freisprüchen für aufständische Offiziere von seinen in den Monaten zuvor vage geäußerten Rücktrittsabsichten.

Das Stück “Seltsames Zwischenspiel” des US-amerikanischen Dramatikers Eugene O’Neill wird in Berlin in deutscher Erstaufführung gezeigt. Die Regie führt Heinz Hilpert, die weibliche Hauptrolle spielt Elisabeth Bergner.

In der Reichshauptstadt Berlin wird der Film “Der Günstling von Schönbrunn” des Regisseurs Erich Waschneck uraufgeführt. Er ist als Stummfilm gedreht und nachträglich in einigen Dialogszenen mit Ton unterlegt worden.

74jährig stirbt der deutsche Völkerkundler Karl von den Steinen, der von 1879 bis 1881 eine Forschungsreise rund um die Erde unternahm, in Kronberg im Taunus.

5.11.1929, Dienstag

Der polnische Staatspräsident Ignacy Moscicki ordnet in Reaktion auf die Besetzung des Sejm durch Offiziere die Vertagung der Parlamentseröffnung auf den 5. Dezember an.

In der Fachzeitschrift “Klinische Wochenschau” erscheint unter dem Titel “Die Sondierung des rechten Herzens” ein Artikel, in dem der Chirurg Werner Forßmann über Selbstversuche mit einem Herzkatheter berichtet.

Aus Protest gegen eine anstehende Liberalisierung des Ehescheidungsrechts verlassen die Abgeordneten der katholischen Zentrumspartei eine Sitzung des Rechtsausschusses des Reichstags in Berlin.

6.11.1929, Mittwoch

Max, Prinz von Baden, der letzte Reichskanzler des deutschen Kaiserreichs (3.10. bis 9.11.1918) stirbt im Alter von 62 Jahren in Konstanz.

Zum neuen italienischen Botschafter in Berlin wird Luca Orsini Baroni, der bisher sein Land in der Türkei vertrat, ernannt.

Ein Großflugzeug der Firma Junkers, die G 38 mit 44 m Spannweite, startet in Dessau zu einem erfolgreichen Probeflug. Es ist weltweit die größte Landmaschine.

Beim Absturz eines Verkehrsflugzeugs der Deutschen Lufthansa, das sich auf dem Weg von Croydon (Großbritannien) nach Berlin befand, in der Nähe des Ortes Marden in der Grafschaft Kent kommen sechs Menschen ums Leben. Die Maschine, eine Junkers G 24, hatte im Nebel die Baumkronen gestreift.

7.11.1929, Donnerstag

Der Berliner Oberbürgermeister Gustav Böß (DDP) zieht die Konsequenz aus den Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit der Sklarek-Affäre und tritt von seinem Amt zurück.

Der Generalsekretär der sowjetischen Kommunistischen Partei, Josef W. Stalin, erklärt vor der internationalen Presse in Moskau anlässlich des 12. Jahrestages der Oktoberrevolution: “Wir wollen ein Land von Metall, ein Land der Automobile, ein Land der Traktoren sein.”

8.11.1929, Freitag

Unter dem Verdacht, an einem Fememord beteiligt gewesen zu sein, wird in Berlin der Dramatiker Peter Martin Lampel verhaftet.

Amphitryon 38″, ein Drama von Jean Giraudoux, wird in der Regie von Louis Jovet in Paris uraufgeführt.

Eine Runde aus Regierungsmitgliedern, Mitgliedern des Rechtsausschusses des Reichstags und Vertretern der Regierungsparteien, die unter Vorsitz von Reichskanzler Hermann Müller (SPD) in Berlin zusammenkommt, beschließt, die Reform des Ehescheidungsrechts zu verschieben. Die beiden katholischen Regierungsparteien, Zentrum und Bayerische Volkspartei, hatten Bedenken gegen eine Erleichterung der Scheidung geäußert.

Der deutsche Physiker Albert Einstein wird mit der Ehrendoktorwürde der Pariser Sorbonne ausgezeichnet.

9.11.1929, Samstag

Das Reichskabinett in Berlin beschließt einen Gesetzentwurf über das Zündholzmonopol für den Konzern des schwedischen Großindustriellen Ivar Kreuger.

Auf dem Lord-Mayor-Bankett in der Londoner Guildhall teilt der neue Bürgermeister (Lord Mayor) von London, Sir William Waterlow, mit, dass er die Absicht habe, den britischen Premierminister James Ramsey MacDonald und Schatzkanzler Philip Snowden zu Ehrenbürgern der Stadt London zu ernennen.

Der sowjetische Schriftsteller Sergei M. Tretjakow ist der Verfasser des Dramas “Brülle China”, das in Frankfurt am Main in deutscher Erstaufführung gezeigt wird.

10.11.1929, Sonntag

Bei den Bürgerschaftswahlen in Lübeck erhalten die Nationalsozialisten sechs Mandate und ziehen damit erstmals in die Stadtvertretung ein. Die SPD wird mit 34 Mandaten stärkste Fraktion vor dem hanseatischen Volksbund (29 Sitze)

Das Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion brandmarkt auf einer Tagung in Moskau (bis 17.11.) Missstände in der Agrarpolitik.

Im Studio des Berliner Staatstheaters wird das Stück “Ein Held unserer Tage” von F. J. Vantoch (Pseudonym) uraufgeführt.

11.11.1929, Montag

Bei einer Unterredung in Paris teilt der ehemalige französische Ministerpräsident Aristide Briand dem deutschen Botschafter in Paris, Leopold von Hoesch, offiziell mit, dass Frankreich auch nach dem Regierungswechsel an der Absicht festhalte, bis zum 30. Juni 1930 sämtliche französischen Soldaten aus dem besetzten Rheinland abzuziehen.

Max Reinhardt inszeniert in Berlin das Drama “Vom Teufel geholt” von Knut Hamsun.

Der britische Schatzkanzler, Lord Philip Snowden, teilt der deutschen Botschaft in London offiziell mit, dass mit einer Rückgabe des während des Weltkriegs in Großbritannien beschlagnahmten deutschen Privateigentums nicht zu rechnen sei.

In einer Rede zum Jahrestag des Kriegsendes (11.11.1918) würdigt der Präsident der französischen Abgeordnetenkammer, Ferdinand Buisson, die in letzter Zeit in Deutschland erschienenen Antikriegsromane. Er nennt in diesem Zusammenhang u.a. “Im Westen nichts Neues” von Erich Maria Remarque.

In einer aufsehenerregenden Rede vor dem Verband der Kriegsteilnehmer in Washington fordert US-Präsident Herbert Clark Hoover, Lebensmittelschiffe in künftigen Kriegen wie bisher schon Hospitalschiffe als unverletzlich anzusehen.

Der “Gauleiter” der NSDAP für Berlin-Brandenburg, Joseph Goebbels, erklärt in einem Presseartikel zum Wahlkampf für die preußischen Kommunalwahlen am 17. November: “Wir denken nicht eine Minute daran, irgendwie in der verschuldetsten Stadt Deutschlands [gemeint ist Berlin] etwa mitverantwortlich zu sein oder gar positive Aufbauarbeit zu leisten.”

Julius Curtius (DVP) wird als Nachfolger des am 3. Oktober verstorbenen Gustav Stresemann Reichsaußenminister. Das bisher von ihm verwaltete Reichswirtschaftsministerium übernimmt sein Parteikollege Paul Moldenhauer, der dem rechten Flügel der DVP zugeordnet wird.

12.11.1929, Dienstag

In Österreich wird der Staatsfeiertag zum Gedenken an die Gründung der Republik Deutsch-Österreich (1918) festlich begangen. Die Wiener Arbeiterschaft veranstaltet eine von den Sozialdemokraten organisierte Großkundgebung, bei der ein Arbeiter von Heimwehrmännern bei einer Auseinandersetzung erschossen wird. In Graz und Innsbruck finden Aufmärsche der rechtsgerichteten Heimwehren statt.

Das Nobelpreiskomitee in Stockholm gibt seine Entscheidung bekannt, dass der deutsche Schriftsteller Thomas Mann für seinen ersten Roman “Buddenbrooks”, den Literaturnobelpreis 1929 erhalten wird.

13.11.1929, Mittwoch

Der österreichische Bundeskanzler Johannes Schober erklärt in Gesprächen mit der sozialdemokratischen Opposition im Nationalrat, Wien solle bei der Verfassungreform nicht den Status eines Bundeslandes verlieren.

In der Universität der irischen Hauptstadt Dublin kommt es zu Tumulten, als Offiziere im Universitätsgebäude Studenten für das Offizierskorps der freiwilligen Reserven anwerben wollen.

Zum britischen Botschafter in Moskau wird Sir Esmond Ovey, der seit 25 Jahren im diplomatischen Dienst ist und ursprünglich Botschafter in Rio de Janeiro werden sollte, ernannt. Die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen war am 3. Oktober vereinbart worden.

Der Film “Giftgas” nach dem Drama “Giftgas über Berlin” von Peter Martin Lampel wird in Berlin uraufgeführt.

14.11.1929, Donnerstag

Der schweizerische Politiker Karl Scheurer, Bundespräsident des Jahres 1923, stirbt im Alter von 57 Jahren in Bern.

In Wien findet unter großem Andrang von Aktionären und Zuhörern die letzte Generalversammlung der Österreichischen Bodencreditanstalt statt, in der über die Fusion mit der Österreichischen Creditanstalt für Handel und Gewerbe Bericht erstattet wird.

15.11.1929, Freitag

Das ungarische Abgeordnetenhaus in Budapest verabschiedet gegen die Stimmen der Sozialisten ein neues Militärstrafgesetzbuch. Besondere Kritik hatte die Bestimmung gefunden, wonach ein Offizier bei Beleidigung durch einen Zivilisten sofort von der Waffe Gebrauch machen darf. Allerdings ist dies nur bei Anwesenheit von Zeugen erlaubt.

Die weiße Hölle vom Piz Palü”, ein Bergfilm von Arnold Fanck und G. W. Pabst mit Leni Riefenstahl, wird in Berlin uraufgeführt.

In Sofia werden Verhandlungen zwischen den Nachbarstaaten Jugoslawien und Bulgarien über Grenzfragen aufgenommen. Es war im Verlauf des Jahres wiederholt zu Grenzzwischenfällen gekommen.

Das Statut für die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die im Rahmen des Youngplans die Zahlung der Reparationen durch das Deutsche Reich abwickeln soll, wird in Baden-Baden unterzeichnet.

16.11.1929, Samstag

Die belgische Regierung unterzeichnet nachträglich in Brüssel das am 15. November von den anderen Beteiligten in Baden-Baden unterschriebene Statut für die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)

17.11.1929, Sonntag

Die NSDAP gewinnt bei der Wahl der Berliner Stadtverordneten 13 von 225 Mandaten und zieht damit erstmals in das Stadtparlament ein. Auch in anderen Gemeinden erzielen die Nationalsozialisten bei den preußischen Kommunalwahlen – meist auf Kosten der Deutschnationalen – z.T. erhebliche Stimmgewinne.

Pasqual Ortiz Rubio wird zum Präsidenten von Mexiko gewählt. Er tritt sein Amt am 5. Februar 1930 an.

18.11.1929, Montag

Die Unterausschüsse des Verfassungsausschusses der Konferenz zur Reichsreform, die bis zum 19. November in Berlin tagen, kommen zu keiner Einigung. Einem dezentralen Einheitsstaat, den die Mehrheit der anwesenden Ausschussmitglieder fordert, stellt sich der bayerische Ministerpräsident Heinrich Held entgegen.

An der Prager deutschen Universität und an der deutschen Technischen Hochschule in Prag kommt es zu schweren Ausschreitungen von deutschvölkischen Studenten gegen jüdische Kommilitonen. Die antisemitischen Krawalle greifen auf die tschechische Universität in Prag über.

19.11.1929, Dienstag

Neuer irakischer Ministerpräsident wird Napi Beg es Suweidi. Sein Vorgänger Abdul Muhsin Beg es Sadun hat am 13. November – offensichtlich aus Verzweiflung darüber, dass es ihm nicht gelang, sich mit seinen politischen Vorstellungen gegenüber der britischen Mandatsmacht durchzusetzen – Selbstmord begangen.

In Düsseldorf wird das Drama “Die Brücke” des völkischen Schriftstellers Erwin Guido Kolbenheyer uraufgeführt.

In einer Rede vor der Katholischen Aktion von Berlin im Sportpalast bekennt sich der neuernannte Bischof von Berlin und Brandenburg, Christian Schreiber, zur republikanischen Staatsform.

Die französischen Besatzungstruppen beginnen mit der Räumung des Koblenzer Brückenkopfes.

Das Londoner Privatbankhaus Ironmonger & Co., das sich in erster Linie auf dem Devisenmarkt betätigte, stellt die Zahlungen ein.

Im Konflikt zwischen der Sowjetunion und China um die Mandschu-Eisenbahn kommt es zu einem Waffenstillstand.

In Berlin wird der Tonfilm “Die Königsloge” mit Alexander Moissi und Camilla Horn (Regie: Bryan Foy) uraufgeführt.

22.11.1929, Freitag

In einer Art “konzertierter Aktion” verpflichten sich gegenüber US-Präsident Herbert Hoover die US-amerikanischen Unternehmerverbände, keine Lohnsenkungen vorzunehmen, und die Gewerkschaften, keine Lohnkämpfe durchzuführen, um auf diese Weise den Arbeitsfrieden zu sichern.

Der deutsche Tonfilm “Dich hab ich geliebt” mit Mady Christians und Walter Jankuhn wird in Berlin uraufgeführt.

23.11.1929, Samstag

Auf der Führertagung des Reichslandbundes in Berlin erklärt der Vorsitzende der Organisation, der ehemalige Reichslandswirtschaftsminister Martin Schiele (DNVP), “ideelles Ziel” der Organisation der Landwirte sei es, die “Ketten von Versailles” zu sprengen.

In Kassel geht nach zweitägiger Dauer der Parteitag der rechtsgerichteten Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) zu Ende, der im Zeichen heftigster Auseinandersetzungen über das Verhalten der Reichstagsabgeordneten bei der Abstimmung über das “Versklavungsgesetz” steht.

Die deutsche I.G. Farbenindustrie AG und die US-amerikanische Firma Standard Oil Co. of New Jersey geben die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft bekannt, der alle Patente für Kohle- und Ölhydrierung, die beide Partner innehaben, übertragen werden.

24.11.1929, Sonntag

Der radikalsozialistische französische Politiker und ehemalige Ministerpräsident (1906 bis 1909 und 1917 bis 1920) Georges Benjamin Clemenceau stirbt im Alter von 88 Jahren in Paris.

Im Magdeburger Dom wird ein eichengeschnitztes Denkmal von Ernst Barlach öffentlich aufgestellt. Es stellt eine Gruppe von Kriegern, die sich um ein Kreuz versammeln, dar.

25.11.1929, Montag

Reichsinnenminister Carl Severing (SPD) unterbreitet dem Reichstag in Berlin – wie nach dem Ausgang des Volksbegehrens notwendig geworden – den Entwurf des “Versklavungsgesetzes” und erläutert den Abgeordneten noch einmal die ablehnende Haltung der Reichsregierung.

Die wegen “Rechtsabweichung” aller Parteiämter in der KPdSU verlustig gegangenen Dissidenten Nikolai I. Bucharin, Alexei I. Rykow und Michail P. Tomski veröffentlichen eine “Unterwerfungserklärung”.

Erstmals in seiner jahrhundertealten Geschichte ist der Petersdom in Rom Schauplatz eines Revolverattentats. Eine 30-Jährige Schwedin gibt – offensichtlich aus privaten Gründen – drei Schüsse auf den Kanonikus Bischof Johann Smith ab, die jedoch nicht treffen.

Das Stück “Die Affäre Dreyfus” von Hans José Rehfisch und Wilhelm Herzog wird an der Berliner Volksbühne uraufgeführt.

26.11.1929, Dienstag

In Freiweinheim bei Bingen werden die Leichen von drei Zahnärzten, die bei einem Ausflug mit dem Auto in den Rhein gefahren waren, geborgen.

Das belgische Kabinett demissioniert nach Auseinandersetzungen über die Flamisierung der Universität Gent.

Anlässlich eines Besuchs des italienischen Unterrichtsministers Balbino Guiliano im ungarischen Abgeordnetenhaus kommt es zu lärmenden pro- und antifaschistischen Kundgebungen der Mandatsträger. Die Sitzung wird abgebrochen.

Der sächsische Landtag lehnt mit 48 gegen 41 Stimmen die Aufhebung des 1. Mai – er ist im übrigen Reichsgebiet ein normaler Werktag – als gesetzlichen Feiertag ab und beschließt mit 47 gegen 44 Stimmen, den 9. November, den Tag der Novemberrevolution im Deutschen Reich (1918), nicht länger als Feiertag zu begehen.

27.11.1929, Mittwoch

Im Land Baden wird nach den Wahlen vom 27. Oktober eine neue Regierung gebildet, die wie bisher Zentrum, DDP und SPD angehören. Staatspräsident bleibt Josef Schmitt (Zentrum).

Die Frankfurter Hochschulgruppe des Nationalsozialistischen Studentenbundes wird unter Hinweis auf maßlose Beschimpfungen der Frankfurter Universität in den Flugblättern des Bundes verboten.

Die niederländische Schwimmerin Marie Braun stellt in Den Haag mit einer Zeit von 1:21,0 min einen Weltrekord über 100 m Rücken auf.

28.11.1929, Donnerstag

Die Uraufführung des Dramas “Die gute Zeit” von dem expressionistischen Schriftsteller und Bildhauer Ernst Barlach findet in Gera statt.

29.11.1929, Freitag

Der Reichstag berät in erster Lesung den von der Rechten über ein Volksbegehren eingebrachten Entwurf eines “Gesetzes gegen die Versklavung des deutschen Volkes”. Lediglich Vertreter der DNVP, der Nationalsozialisten und der Landvolkpartei sprechen sich vor dem Parlament für den Entwurf aus.

Der US-amerikanische Pilot und Polarforscher Richard Evelyn Byrd überfliegt mit drei Begleitern als erster Mensch den Südpol.

30.11.1929, Samstag

Die seit 1920 besetzte Koblenzer Rheinlandzone ist vollständig von Besatzungssoldaten geräumt.

Der Entwurf des “Gesetzes gegen die Versklavung des deutschen Volkes” (Anti-Youngplan-Gesetz) wird vom Reichstag in zweiter Lesung mit großer Mehrheit abgelehnt.

Die Dresdner Privatbank Albert Kuntze & Co. bricht zusammen. Der Konkurs steht im Zusammenhang mit dem “Schwarzen Freitag” in der New Yorker Wallstreet.

Der erste Reichskongress der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO), einer kommunistischen Abspaltung vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB), findet bis zum 1. Dezember in Berlin statt.