Was geschah im November 1930

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Wetterstationen November 1930

1.11.1930, Samstag

Die Berliner Halbwochenzeitung der NSDAP, “Der Angriff”, wird in eine Tageszeitung umgewandelt. Das im gleichnamigen Verlag erscheinende Blatt wird vom Reichspropagandaleiter der NSDAP, Joseph Goebbels, herausgegeben.

Aufgrund der Finanznot des Deutschen Reiches kündigt das Auswärtige Amt Einsparungen von rd. 4,4 Mio. RM für das Jahr 1931 an. Zu den Sparmaßnahmen gehört u.a. eine Einkommenskürzung für Beamte im Auswärtigen Dienst: Ihre Auslandszulagen sollen statt der bisher 33 nur noch 25% des Gehalts betragen.

Im Deutschen Theater in Berlin wird das Schauspiel “Elisabeth von England” von Ferdinand Bruckner (eigtl. Theodor Tagger) uraufgeführt. Das Publikum ist besonders von der schauspielerischen Leistung der beiden Hauptdarsteller, Agnes Straub und Werner Krauss, begeistert.

2.11.1930, Sonntag

Täfäri Mäkwännen, der bereits seit 1928 König von Äthiopien ist, wird in Addis Abeba als Haile Selassie I. zum Kaiser gekrönt. Er ist der Nachfolger der im. April verstorbenen Kaiserin Zäuditu.

In einem Fußball-Länderspiel in Breslau trennen sich Deutschland und Norwegen 1:1. Die “Vossische Zeitung” fühlt die schwache Leistung der deutschen Nationalmannschaft auf eine schlechte Spielerauswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurück.

3.11.1930, Montag

In Brasilien wird Getúlio Dornelles Vargas zum provisorischen Präsidenten ernannt. Vargas und seine politische Sammlungsbewegung “Aliança Liberal” (Liberale Allianz) hatten am 3. Oktober einen Putsch gegen Präsident Washington Luis ausgelöst.

Ein Unwetter in Schlesien löst eine Hochwasserkatastrophe aus. Weite Landstriche im Mittellauf der Oder werden unter Wasser gesetzt, zahlreiche Dämme brechen.

4.11.1930, Dienstag

Bei den Wahlen zum US-amerikanischen Repräsentantenhaus kann die Republikanische Partei von Präsident Herbert Clark Hoover nur knapp vor den Demokraten die Mehrheit behaupten.

Albert Grzesinski (SPD), der am 28. Februar als preußischer Innenminister zurückgetreten war, kehrt in das Amt des Polizeipräsidenten von Berlin zurück, das er schon 1921 bis 1926 innehatte. Grzesinski gilt als entschlossener Gegner der rechts- und linksradikalen Parteien.

In der Berliner Metallindustrie nehmen die seit dem 14. Oktober streikenden 126 000 Arbeiter ihre Tätigkeit wieder auf, nachdem die Arbeitgeber die angekündigte sofortige Lohnkürzung von 8% zurückgenommen haben. Beide Parteien akzeptieren am 8. November den Schiedsspruch der staatlichen Schlichtungskommission, die eine sofortige Senkung auf 3% festlegt und die 8%ige Lohnkürzung erst ab dem 1. Januar 1931 erlaubt.

In Österreich lässt Innenminister Ernst Rüdiger Starhemberg eine Razzia gegen zahlreiche Mitglieder der Sozialdemokraten durchführen, bei der Polizei und Militär nach Waffen suchen. Starhemberg ist der Bundesführer der rechtsradikalen Heimwehr, zu deren Zielen u.a. die rasche Abschaffung des Parteienstaates gehört.

5.11.1930, Mittwoch

Aus Italien wird die Verhaftung mehrerer hundert politischer Gegner des faschistischen Ministerpräsidenten und Duce Benito Mussolini gemeldet. Mussolini, der seit 1924 mit diktatorischen Vollmachten regiert, unterdrückt jegliche Opposition mit brutalen Mitteln; alle Parteien mit Ausnahme der Faschisten sind in Italien verboten.

Die zwölfmotorige Do-X, das größte Flugboot der Welt, startet vom Bodensee bei Altenrhein (Schweiz) zu einem Probeflug nach Amsterdam, dem Ausgangspunkt für einen Transatlantikflug.

Im Berliner Mozartsaal wird der Film “Kohlhiesels Töchter” mit Henny Porten in der Doppelrolle uraufgeführt. Regie führte Hans Behrendt.

6.11.1930, Donnerstag

In Berlin dirigiert Otto Klemperer die Uraufführung der “Begleitmusik zu einer Lichtspielszene” von Arnold Schönberg. Die “Vossische Zeitung” schreibt über Schönbergs Stück: “Seine Musik wirkt wie Klang aus einer anderen Welt.”

Der Brite J. S. Wright bricht im irischen Cork den Geschwindigkeitsweltrekord für Motorräder: Seine 1000-ccm-Maschine erreicht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 242,590 km/h.

7.11.1930, Freitag

Der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare in der Sowjetunion, Alexei I. Rykow, tritt einen “Krankheitsurlaub” an. Gegen Rykow, der in Opposition zum diktatorisch regierenden Staats- und Parteichef Josef W. Stalin steht, wird bereits seit längerer Zeit wegen “rechter Abweichung” ermittelt.

8.11.1930, Samstag

Im großen Schauspielhaus in Berlin wird die Singspieloperette “Im weißen Rössl” von Ralph Benatzky uraufgeführt. Das Singspiel in drei Akten enthält zahlreiche bekannte Schlagermelodien, u.a. “Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist”.

In Hannover beginnt der erste Parteitag der Deutschen Staatspartei mit einer Begrüßungsansprache des preußischen Finanzministers Hermann Höpker-Aschoff. Zum ersten Vorsitzenden der neuen Partei wird Reichsfinanzminister Hermann Robert Dietrich gewählt.

9.11.1930, Sonntag

Aus den Nationalratswahlen in Österreich gehen die Sozialdemokraten mit 72 Sitzen vor den Christlich Sozialen (66 Sitze) als Sieger hervor, damit sind sie erstmals seit 1919 wieder stärkste Fraktion im Parlament. KPD und NSDAP bleiben ohne Mandat.

Bei den Gemeindewahlen in Oldenburg wird die NSDAP stärkste Partei. Sie kann die Zahl ihrer Mandate im Stadtparlament von einem auf 18 Sitze erhöhen.

Das Schauspiel “Die Matrosen von Cattaro” von Friedrich Wolf wird an der Volksbühne in Berlin unter der Regie von Günter Stark uraufgeführt. Wolf schreibt vorwiegend zeit- und sozialkritische Dramen, wie das 1929 uraufgeführte Stück “Cyankali – 218”, das die Abschaffung des 218 propagiert.

10.11.1930, Montag

Vertreter des Lebensmittelgewerbes sagen dem Reichsernährungsministerium zu, die Preise für Nahrungsmittel zu senken und so einen Beitrag zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise zu leisten.

Bei einem feierlichen Umzug anlässlich der Amtseinführung des neuen Londoner Bürgermeisters William Phené Neal werden 30 Menschen verletzt, als vier in der Menge mitgeführte Elefanten außer Kontrolle geraten.

11.11.1930, Dienstag

Das finnische Parlament in Helsinki billigt die sog. Lapua-Gesetze, ein Gesetzespaket, das die Unterdrückung der Kommunistischen Partei zum Inhalt hat. Mitgliedern des Finnischen Reichstags ist danach ab sofort die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei untersagt.

In der Türkei veranlasst Staatspräsident Mustafa Kemal Pascha die Auflösung der einzigen Oppositionspartei: Die Freiheitspartei, die erst am 9. August auf ausdrücklichen Wunsch des Staatschefs gegründet worden war, hat unter den Gegnern der westlich orientierten Politik Kemals großen Zulauf.

In Washington, Paris, London und anderen Hauptstädten finden Gedenkfeiern für den Jahrestag des Waffenstillstands am Ende des Weltkriegs 1918 statt. So wird in der überfüllten Londoner Westminster Abbey ein Gedächtnisgottesdienst für die Toten des Krieges abgehalten.

Das Reichsarbeitsministerium gibt einen Erlass heraus, der die Leistungen der Krankenversicherung betrifft. Statt der bisher angekündigten Krankenscheingebühr von 50 Rpf können die Krankenkassen im Einzelfall die Gebühr ermäßigen oder ganz erlassen. Damit wird der Notlage der unter der Arbeitslosigkeit leidenden Familien Rechnung getragen.

In Mannheim wird eine der ersten Berufsschulen für Mädchen eröffnet. Ausbildungsfach ist Hauswirtschaft.

Der Fußballclub FC Schalke 04 wird aus dem Westdeutschen Spieler-Verband (WSV) ausgeschlossen, weil er die am 25. August verhängte Geldstrafe von 1000 RM nicht bezahlen will, die ihm wegen Nichteinhaltung der Amateurbestimmungen auferlegt wurde. Der Ausschluss wird am 27. November aufgehoben, nachdem sich der Verein zur Einhaltung der Regeln des WSV bereiterklärt hat.

12.11.1930, Mittwoch

In London wird die Indien-Konferenz unter Leitung von Premierminister James Ramsey MacDonald eröffnet, an der britische Regierungsvertreter sowie Delegierte der Unabhängigkeitsbewegung in der britischen Kolonie Indien teilnehmen. Ziel der Konferenz ist es, ein neues Regierungssystem für Indien zu finden. Diskutiert wird vor allem der Status eines sog. Dominions für Indien, d. h. eines mit Großbritannien lose verbundenen unabhängigen Staates.

13.11.1930, Donnerstag

In Nürnberg fällt im Tarifkonflikt der bayerischen Erzbergbau- und Hüttenbetriebe die Landesschlichtungskommission ihren Schiedsspruch: Danach werden die Löhne um rund 5% heruntergesetzt. In den parallel geführten Beratungen der niedersächsischen Schlichtungskommission in Peine setzen die Schlichter die Löhne der Arbeitnehmer der Peiner Stahlindustrie um 8% herab.

In Lyon werden durch einen Erdrutsch mehr als 20 mehrstöckige Mietshäuser verschüttet; 30 Menschen kommen ums Leben.

14.11.1930, Freitag

Die Sächsischen Gussstahlwerke Döhlen in Dresden schließen wegen schlechter Absatzlage. 800 Arbeiter werden entlassen.

In Tokio wird der japanische Premierminister Juko Hamaguchi bei einem Attentat schwer verletzt. Der einer rechtsextremen Gruppierung angehörende Attentäter Tomeo Sagoya wirft Hamaguchi eine ineffektive Wirtschaftspolitik und eine zu nachgiebige Außenpolitik vor.

In den USA erklärt die mit Deutschen und US-Amerikanern besetzte sog. Gemischte Kommission, dass das Deutsche Reich für zwei Sabotageanschläge auf US-amerikanische Munitionslager, die während des Weltkrieges in den USA verübt wurden, wegen Mangel an Beweisen nicht verantwortlich gemacht werden könne. Die USA hatten von den Deutschen zunächst rd. 170 Mio. RM Entschädigung verlangt.

15.11.1930, Samstag

Bei der Beerdigung von fünf bei einem Neubaueinsturz verunglückten Bauarbeitern kommt es in Madrid zu Auseinandersetzungen zwischen trauernden Bauarbeitern und der Polizei, in deren Verlauf drei Menschen getötet werden. Die Bauarbeitergewerkschaft ruft daraufhin einen zweitägigen Generalstreik aus.

16.11.1930, Sonntag

In Polen gewinnt der Regierungsblock unter Ministerpräsident Jósef Klemens Pilsudski bei den Wahlen zur zweiten Kammer des Parlaments (Sejm) mit 247 Sitzen die absolute Mehrheit. Die Opposition wurde während des Wahlkampfes systematisch eingeschüchtert.

Bei den Wahlen zum Danziger Volkstag erreichen die bislang nicht vertretenen Nationalsozialisten 16 der 72 Sitze. Die SPD, die bei den Wahlen von 1927 noch 42 Mandate erhalten hatte, entsendet nur noch 19 Abgeordnete in das Parlament.

Zwischen den Vereinigten Staaten und dem Deutschen Reich wird der Bildtelegraphendienst aufgenommen. Der Preis für einen cm² beträgt 1,65 RM, der Mindestpreis für ein Bildtelegramm beträgt 247,50 RM (150 cm²).

17.11.1930, Montag

In einer Unterhausdebatte des britischen Parlamentes wirft der Liberale David Lloyd George der Regierung unter James Ramsey MacDonald (Labour Party) Unfähigkeit bei der Verwaltung des Völkerbundsmandates Palästina vor. Die von den Briten geförderte jüdische Einwanderung führt in Palästina zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Neusiedlern und den alteingesessenen Arabern.

Die von den Briten geförderte jüdische Einwanderung führt in Palästina zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Neusiedlern und den alteingesessenen Arabern.

In Berlin wird die Verfilmung der Operette “Land des Lächelns” des österreichisch-ungarischen Komponisten Franz Lehar uraufgeführt. Unter der Regie von Max Reichmann spielt Richard Tauber die Hauptrolle des Prinzen Sou-Chong.

18.11.1930, Dienstag

Der italienische Ministerrat beschließt für alle im öffentlichen Dienst Angestellten zum 1. Dezember eine Gehaltskürzung von 12%. Damit soll das Haushaltsdefizit, das bereits nach den ersten vier Monaten des Haushaltsjahres 1930 rund 160 Mio. RM betrug, verringert werden.

Die Adam Opel AG in Rüsselsheim gibt bekannt, dass der neue Opel-LKW “Blitz” heißen soll. Der Name wurde durch ein Preisausschreiben aus insgesamt 1,5 Millionen Einsendungen ermittelt.

Der Vorsitzende und Fraktionsführer der Deutschen Volkspartei (DVP) im Reichstag, Ernst Scholz, tritt aus Gesundheitsgründen zurück. Sein Nachfolger wird der Abgeordnete Eduard Dingeldey.

19.11.1930, Mittwoch

Im Berliner Sportpalast veranstaltet die SPD-nahe Organisation Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold eine Massenkundgebung. Unter dem Motto “Werden Köpfe rollen?”, das auf einen Ausspruch des nationalsozialistischen Parteiführers Adolf Hitler vom 25. September zurückgeht, warnen u.a. der preußische Innenminister Carl Severing (SPD) und Reichsbannerführer Otto Hörsing vor den radikalen Parteien der Rechten und der Linken.

In Rom übergibt die US-amerikanische Telefongesellschaft “International Telephone and Telegraph Corporation” Papst Pius XI. die zentrale Telefonanlage für Vatikanstadt.

20.11.1930, Donnerstag

In einer außenpolitischen Programmrede spricht sich Reichsaußenminister Julius Curtius (DVP) in Berlin dafür aus, dass sich das Deutsche Reich wenn möglich an die Reparationsbedingungen des Youngplans hält.Die Rede ist vor allem an Frankreich gerichtet, wo am 12. November in einer außenpolitischen Debatte mehrere Redner Zweifel an der deutschen Vertragstreue geäußert haben.

In Washington richtet die US-Regierung einen Extrafonds von umgerechnet rd. 20 Mio. RM zur Bekämpfung der organisierten Gangsterbanden ein. Seit Einführung des bundesweiten Alkoholverbots (Prohibition) im Jahr 1920 kontrollieren straff geführte Verbrechersyndikate u.a. die Herstellung und den Verkauf von Alkohol.

21.11.1930, Freitag

Auf Antrag des Regierungsrates a. D. Rudolf Martin wird der Verkauf des zweiten Bandes der Memoiren des 1929 gestorbenen früheren Reichskanzlers Bernhard von Bülow vom Berliner Landgericht per einstweiliger Verfügung verboten. Martin, ehemaliger Mitarbeiter von Bülows, fühlt sich durch dessen “Denkwürdigkeiten” beleidigt.

Die erste deutsche Rundfunk-Großsendeanlage wird in Mühlacker bei Stuttgart von der Reichspost in Betrieb genommen.

22.11.1930, Samstag

Der ungarische Ministerpräsident István (Stephan) Graf Bethlen von Bethlen trifft zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Berlin ein.

Ein Berliner Gericht spricht den Zeitungsredakteur Preuß frei, der von dem sog. Heilmagnetiseur Josef Weißenberg wegen Beleidigung verklagt wurde. Preuß hatte Weißenberg, der seine Patienten mit einer Mischung von Heilmagnetismus und religiösem Kult zu heilen verspricht, als gemeingefährlich bezeichnet.

Der preußische Handelsminister Walter Schreiber (Staatspartei) verbietet per Notverordnung den Berliner Brotfabriken, weiterhin Preisbindungen zu schaffen. Am 26. November ergeht ein Erlaß, der die Behörden ermächtigt, örtliche Preisbindungen aufzuheben.

Der sowjetische Staats- und Parteichef Josef W. Stalin gibt in Moskau erstmals einer westlichen Nachrichtenagentur der United Press, ein Interview. Damit tritt er Gerüchten über seine Ermordung entgegen, die von ausländischen Zeitungen verbreitet wurden.

Die gesamte peruanische Militärregierung tritt mit Ausnahme des Präsidenten Luis Sánchez Cerro zurück, um die Regierungsgeschäfte in zivile Hände zu geben. Die Autorität der Militärs war durch Unruhen in den Kupferbergwerken erschüttert worden.

23.11.1930, Sonntag

Bei den Wahlen zum polnischen Senat und zum oberschlesischen Parlament (Sejm) kommt es zu antideutschen Ausschreitungen von Seiten der Anhänger des Regierungsblockes unter Ministerpräsident Jósef Klemens Pilsudski, der in Oberschlesien eine systematische Polnisierung der deutschen Minderheit anstrebt. Die Deutsche Wahlgemeinschaft verliert gegenüber den letzten Wahlen 8 Sitze.

Ein orkanartiger Sturm richtet schwere Verwüstungen im gesamten Deutschen Reich an. Am schwersten betroffen ist Karlsruhe, wo in ganzen Straßenzügen die Dächer abgedeckt werden. Auf der Elbe sinkt bei Großvogelsand der 3400-t-Dampfer “Luise Leonhardt”. Die 30 Mann starke Besatzung geht mit dem Schiff unter.

24.11.1930, Montag

Die Londoner “Times” berichtet, dass die britische Luftwaffe die Anschaffung von rd. 250 neuen Kampfflugzeugen beschlossen hat. Die beiden Maschinen “Fury” und “Hart” werden vom britischen Flugzeughersteller Hawker gebaut.

Im Berliner Reichstag konstituiert sich die Deutsch-Spanische Gesellschaft, die den Kulturaustausch zwischen beiden Ländern fördern soll.

25.11.1930, Dienstag

Der Reichsausschuss der Wirtschaftspartei beschließt, das Finanzprogramm der Regierung Heinrich Brüning (Zentrum) nicht mehr weiter mitzutragen. Die Partei, die sich als Interessenvertreterin der Haus- und Grundbesitzer versteht, protestiert damit gegen Brünings Versuche, die SPD zur Unterstützung seiner finanzpolitischen Pläne zu bewegen. Justizminister Victor Bredt, der Parteimitglied ist, reicht seinen Rücktritt ein.

In Moskau beginnt der öffentliche Prozess gegen den Ingenieur Leonid Ramzin und sieben weitere führende Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft. Sie stehen unter der Anklage, eine “konterrevolutionäre Organisation” gegründet zu haben, die sog. Industriepartei. Die Angeklagten erklären sich für schuldig und werden ausnahmslos zu hohen Haft- und Verbannungsstrafen verurteilt.

26.11.1930, Mittwoch

Die Grönlandexpedition des deutschen Forschers Alfred Wegener, die am 1. April gestartet war, wird in der “Frankfurter Zeitung” als vermisst gemeldet.

27.11.1930, Donnerstag

Die Reichsregierung protestiert vor dem Völkerbund in Genf gegen Übergriffe von Teilen der polnischen Bevölkerung gegen die deutsche Minderheit in Oberschlesien. Bei den Wahlen zum Oberschlesischen Sejm am 23. November war es zu deutschfeindlichen Ausschreitungen gekommen.

Die Stadt Berlin verliert ihre Etatfreiheit. Da sich die Stadtverordnetenversammlung nicht über die Finanzierung des Haushalts einigen kann, setzt das Oberpräsidium von Brandenburg und Berlin zwei Kommissare ein, die Zwangssteuern einführen sollen.

28.11.1930, Freitag

In Genf geht die Wirtschaftskonferenz des Völkerbundes zu Ende, ohne dass verbindliche Regelungen für den Welthandel getroffen werden. Die Konferenz, deren Ziel es war, die Ergebnisse der Zollfriedenskonferenz vom 24. März in die Tat umzusetzen, hatte am 24. November begonnen.

29.11.1930, Samstag

Österreichs Bundeskanzler Karl Vaugoin (Christlichsozial) tritt mit seiner Regierung zurück. Die Minderheitsregierung Vaugoins, die mit der rechtsradikalen Heimwehr zusammengearbeitet hatte, musste bei den Wahlen vom 9. November eine deutliche Niederlage hinnehmen. Otto Ender (Christlichsozial) bildet am 4. Dezember eine neue Regierung.

30.11.1930, Sonntag

Bei den Bremer Bürgerschaftswahlen erringt die NSDAP einen großen Wahlerfolg: Die Partei erhält 32 der insgesamt 120 Sitze und ist damit hinter der SPD (40 Mandate) stärkste Fraktion in der Bürgerschaft.

Im ersten offiziellen Damen-Länderspiel des Deutschen Hockey-Bundes schlägt das DHB-Team in Köln Australien 3:2.