Was geschah im November 1956

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1.11.1956, Donnerstag

Der ungarische Ministerpräsident Imre Nagy erklärt in Budapest den Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt und die Neutralität des Landes.

In Lüneburg beschlagnahmt die Polizei eine größere Anzahl illegal gedruckter Zeitungen der verbotenen KPD. Nach dem Verbot der Partei durch das Bundesverfassungsgericht am 14. August mussten alle kommunistischen Presseorgane ihr Erscheinen einstellen.

In Genf veröffentlicht die UNESCO das statistische Jahrbuch 1956. Danach hat das Saargebiet mit 283 Einwohnern pro km² nach Großbritannien (289) die größte Bevölkerungsdichte der Welt. In der Bundesrepublik Deutschland leben 205 Menschen auf einem km².

In Indien tritt das Gesetz über die staatliche Neuordnung in Kraft. Der Subkontinent besteht nun aus 14 Staaten (Provinzen) und sechs zentralverwalteten Regionen.

Der US-amerikanische Kugelstoßer Parry O’Brien steigert in Los Angeles seinen alten Weltrekord von 19,06 m auf 19,25 m.

2.11.1956, Freitag

In New York fordert die Vollversammlung der Vereinten Nationen den sofortigen Abzug der israelischen Streitkräfte von der Sinai-Halbinsel und die Einstellung der britischen und französischen Bombardements auf Ägypten.

Die argentinische Polizei zerschlägt in Buenos Aires einen Schmugglerring, der große Mengen Polio-Impfstoff illegal aus den USA eingeführt hat. Bislang untersagt die US-Regierung den Export größerer Mengen des 1955 entwickelten Serums gegen Kinderlähmung, um zunächst den US-amerikanischen Bedarf zu decken.

In Los Angeles/Kalifornien übertrifft als erster Hammerwerfer Harold Connolly die 68-m-Marke. Er verbessert den alten Weltrekord des Russen Kriwonossow (67,32 m) auf 68,54 m.

Die Partei der Ungarischen Werktätigen benennt sich in Budapest in “Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei” um. Dem Vorstand der Partei gehören u.a. Ministerpräsident Imre Nagy und János Kádár an.

3.11.1956, Samstag

In Frankfurt am Main demonstrieren mehrere hundert Studenten gegen die Bombenangriffe Frankreichs und Großbritanniens auf ägyptische Städte.

Bei einer Kohlenstaub-Explosion in einer Schachtanlage bei Springhill (Kanada) kommen 124 Bergleute ums Leben.

4.11.1956, Sonntag

In Hamburg findet unter Beteiligung von Jugendlichen aus dem In- und Ausland das erste internationale Rock’n’Roll-Turnier statt. Nach Abschluss der Veranstaltung zieht ein Teil der Besucher randalierend durch die Innenstadt und liefert sich mit der Polizei eine Straßenschlacht.

In der ostungarischen Stadt Szolnok bildet János Kádár mit sowjetischer Unterstützung eine Gegenregierung.

In den frühen Morgenstunden greifen sowjetische Panzereinheiten die ungarische Hauptstadt Budapest an.

5.11.1956, Montag

Britische und französische Fallschirmjäger und Landungstruppen beginnen mit der Besetzung der ägyptischen Hafenstadt Port Said.

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen verurteilt in New York die Intervention der UdSSR in Ungarn. Sie fordert die Regierung in Moskau auf, ihre Streitkräfte zurückzuziehen.

In München erzielen Regierungsvertreter der Bundesrepublik Deutschland und Österreichs eine grundsätzliche Einigung über die Behandlung von Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Bürgern der beiden Staaten.

In mehreren deutschen Städten finden Massendemonstrationen statt, auf denen die Sowjetunion aufgefordert wird, Ungarn die Selbstbestimmung zu gewähren. In Berlin (West) ziehen aufgebrachte Jugendliche zum Brandenburger Tor und bewerfen Volkspolizisten mit Steinen.

6.11.1956, Dienstag

Dwight D. Eisenhower (Republikanische Partei) gewinnt mit großer Mehrheit die US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen.

Der US-amerikanische Generalstab ordnet in New York Alarmbereitschaft für die Streitkräfte an. Damit reagiert das Militär auf Meldungen, die Sowjetunion werde trotz des bevorstehenden Waffenstillstands in den Konflikt um den Suezkanal eingreifen.

Bundeskanzler Konrad Adenauer trifft in Paris zu Gesprächen mit der französischen Staatsführung über die Angliederung des Saarlandes ein. Angesichts der Ereignisse in Ägypten und Ungarn wird der als mehrtägiger Staatsbesuch geplante Aufenthalt Adenauers auf einen Tag begrenzt.

7.11.1956, Mittwoch

In Paris stürmen Tausende von Demonstranten die Zentrale der Kommunistischen Partei und setzen sie in Brand. Die aufgebrachte Menge wirft der französischen KP vor, die sowjetische Militärintervention in Ungarn zu rechtfertigen.

Der neuernannte Bundesminister für Verteidigung, Franz Josef Strauß, erläutert vor der Presse in Bonn seine Pläne für den Aufbau der Bundeswehr. Er kündigt an, im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Theodor Blank nach dem Grundsatz “Qualität geht vor Quantität” verfahren zu wollen. Im Mittelpunkt seiner Bemühungen stehe die Aufstellung komplett verwendbarer taktischer Verbände.

In Ägypten tritt um Mitternacht eine auf Initiative des UN-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld zwischen Israel, Ägypten, Großbritannien und Frankreich vereinbarte Waffenruhe in Kraft.

8.11.1956, Donnerstag

In einer Sondersitzung des Bundestags gibt Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Regierungserklärung zur Lage in Ungarn, im Nahen Osten und Polen ab. Adenauer äußert darin u.a. Bewunderung für den Freiheitskampf des ungarischen Volkes und ruft zu einer friedlichen Lösung der Suezkrise auf.

Auf massiven Druck der Vereinigten Staaten erklärt sich Israel bereit, seine Truppen von der ägyptischen Sinai-Halbinsel zurückzuziehen.

Die Vereinten Nationen beschließen in New York die Entsendung einer UN-Friedenstruppe in den Nahen Osten.

9.11.1956, Freitag

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen fordert in New York die Sowjetunion auf, ihre Streitkräfte aus Ungarn zurückzuziehen. Sie bietet an, Medikamente und Hilfsgüter nach Ungarn zu liefern.

Der Deutsche Bundestag verabschiedet in Bonn das Ladenschlussgesetz. Ab dem 1. Januar 1957 müssen die Geschäfte samstags um 16 Uhr schließen. Montags dürfen sie erst um 10 Uhr wieder geöffnet werden.

Die Schriftstellerin Anna Seghers grüßt im Namen des Deutschen Schriftstellerverbandes der DDR in einer Erklärung die “revolutionäre Arbeiter- und Bauernregierung Ungarns aus Anlass ihres Sieges über die Konterrevolution”.

Über Rapid City im US-Bundesstaat South Dakota stellt ein zweiköpfiges Team der US-Marine einen Höhenrekord auf. Ihr Ballon, der mit einer Druckkabine ausgerüstet ist, erreicht eine Höhe von 23 180 m.

10.11.1956, Samstag

Die Regierung der Volksrepublik China gibt in Peking bekannt, dass rund 250 000 “Freiwillige” bereit seien, an der Seite Ägyptens gegen Frankreich und Großbritannien zu kämpfen. Im Fall eines Bruchs des Waffenstillstands im Nahen Osten würden sie unverzüglich in das Kampfgebiet geschickt werden.

In Bonn teilt das Statistische Bundesamt in einer offiziellen Erklärung mit, dass während des Zweiten Weltkriegs etwa 6,56 Mio. Deutsche ums Leben gekommen seien. 3,76 Mio. Wehrmachtssoldaten seien an der Front umgekommen und 500 000 Zivilisten durch alliierte Luftangriffe getötet worden. Die Zahl der bei Flucht und Vertreibung aus den Ostgebieten Getöteten beträgt 1,3 Mio., die der außerhalb der Reichsgrenzen getöteten Deutschen 1 Mio.

11.11.1956, Sonntag

In Kairo erklärt sich die ägyptische Regierung mit der Entsendung einer UN-Friedenstruppe in die Suezkanal-Zone einverstanden.

In Bern trennen sich die Fußball-Nationalmannschaften der Schweiz und Italiens 1:1.

12.11.1956, Montag

In New York nimmt die UN-Vollversammlung Marokko, Tunesien und den Sudan als Mitglieder auf. Damit gehören der Weltorganisation 79 Staaten an.

In Paris wird das Musical “Irma la Douce” uraufgeführt. Die Musik komponierte Marguerite Monnot, das Libretto schrieb Alexandre Breffort.

Die Niederländerin Atie Voorbij schwimmt in Hilversum mit 1:10,5 min Weltrekord über 100 m Delphin.

13.11.1956, Dienstag

Der britische Kolonialminister Alan Lennox-Boyd erklärt vor dem Unterhaus in London, dass Großbritannien seine Streitkräfte aus Kenia zurückzieht. Für das Jahr 1957 beabsichtige seine Regierung zudem, den Kolonien Malaiischer Bund (Malaysia) und Goldküste die staatliche Unabhängigkeit zu gewähren.

Bei den Wahlen in Südtirol (Italien) kann die Südtiroler Volkspartei mit 64,4% der Stimmen (Provinz Bozen) ihre Stellung als stärkste politische Kraft behaupten.

14.11.1956, Mittwoch

Nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstands durch sowjetische Streitkräfte kündigt Ministerpräsident János Kádár im Rundfunk die Beibehaltung von politischen Reformen in Ungarn an.

Bundespräsident Theodor Heuss ernennt in Bonn Ernst Lemmer zum Minister für das Post- und Fernmeldewesen. Der Landesvorsitzende der Berliner CDU tritt die Nachfolge des jetzigen Atomministers Siegfried Balke an.

15.11.1956, Donnerstag

In Berlin (Ost) beschließt der Ministerrat der DDR die Höhe der Weihnachtsgratifikationen für die Beschäftigten in der Verwaltung und den “volkseigenen Betrieben”. Verheiratete erhalten 35 Mark, Ledige 25 Mark und Lehrlinge 10 Mark.

Die französische Regierung sagt die Rückgabe der Röchlingischen Eisen- und Stahlwerke in Völklingen (Saarland) an die früheren Besitzer zu. Die französische Besatzungsmacht hatte das Werk 1945 beschlagnahmt. Da sie auf eine Demontage verzichtet hatte, müssen die Besitzer nun 36 Mio. DM als Ausgleich an Frankreich zahlen.

In Ägypten treffen die ersten Angehörigen der UN-Friedenstruppen ein.

16.11.1956, Freitag

Nach britischen Schätzungen werden die Aufräumungsarbeiten am Suezkanal mindestens sechs Monate dauern. Insgesamt blockieren 47 versenkte Schiffe sowie zwei eingestürzte Brücken die Wasserstraße.

Als erstes Industrieunternehmen der Bundesrepublik nimmt in Hannover ein Werk des Volkswagenkonzerns acht sog. Roboter-Kantinen in Betrieb. Die Mitarbeiter können sich aus einer Automatenbatterie kalte und warme Speisen ziehen.

Die Internationale Transport- und Hafenarbeitergewerkschaft fordert anlässlich einer Konferenz des Internationalen Bundes freier Gewerkschaften in London den Boykott sowjetischer Güter und Dienstleistungen wegen der blutigen Niederschlagung des Volksaufstands in Ungarn.

17.11.1956, Samstag

Nach der Verhängung eines Öllieferboykotts durch die arabischen Staaten werden in Frankreich und Großbritannien Heizöl und Benzin rationiert.

Zahlreiche Staaten, unter ihnen die USA, Schweden, die Niederlande und Australien, verpflichten sich, Flüchtlinge aus Ungarn aufzunehmen. Die Bundesrepublik wird 3000 Ungarn Asyl gewähren.

Im Ostberliner Metropol-Theater wird das Musical “In Frisco ist der Teufel los” uraufgeführt. Die Musik stammt von Guido Masanetz; das Libretto schrieben Otto Schneidereit und Maurycy Janowski.

18.11.1956, Sonntag

In Berlin (Ost) unterzeichnen Regierungsvertreter der Bundesrepublik Deutschland und der DDR ein Abkommen, das für 1957 einen Warenaustausch im Wert von insgesamt 1 Mrd. Verrechnungseinheiten vorsieht.

Die bundesdeutschen Arbeitgeberverbände der chemischen und der Textilindustrie einigen sich mit den Gewerkschaften auf eine Arbeitszeitverkürzung von bisher 48 auf 45 Stunden in der Woche. Zusätzlich sind für 1957 Lohnerhöhungen von rund 9% vorgesehen.

In Moskau unterzeichnet der neugewählte Parteichef der polnischen KP, Wladyslaw Gomulka, ein Abkommen mit der sowjetischen Regierung, das u.a. die Stationierung von Streitkräften der UdSSR in Polen festlegt.

19.11.1956, Montag

Die sowjetische Regierung veröffentlicht in Moskau einen Abrüstungsvorschlag. Er sieht u.a. die Aufgabe von Militärstützpunkten in fremden Staaten, eine Reduzierung der Streitkräfte, Kernwaffenverbote, eine drastische Verringerung der auf deutschem Boden stationierten Streitkräfte sowie den Abschluss eines Nichtangriffspakts zwischen den Staaten des Warschauer Paktes und der NATO vor.

Nach kritischen Äußerungen über das Verhalten des jugoslawischen Staats- und Parteichefs Josip Tito während des Volksaufstands in Ungarn wird in Belgrad der frühere Vizepräsident des Landes, Milovan Djilas, verhaftet.

20.11.1956, Dienstag

In der libanesischen Hauptstadt Beirut erweitern die Mitgliedsstaaten der arabischen Liga ihren kollektiven Verteidigungspakt. Künftig sollen Angriffe auf ein Mitglied der Liga gemeinsam zurückgeschlagen werden.

In Bonn konstituiert sich der Deutsche Presserat. Ziel der Organisation, der Vertreter des Deutschen Zeitungsverlegerverbandes und des Journalistenverbandes angehören, ist es u.a., Missstände in der Presse aufzudecken sowie Konzern- und Monopolbildungen im Verlagswesen zu verhindern.

Das jordanische Parlament beschließt in Amman die Kündigung des jordanisch-britischen Freundschaftsvertrags. Die Volksvertretung spricht sich außerdem für die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetunion und der Volksrepublik China aus.

21.11.1956, Mittwoch

In Frankfurt am Main unterliegt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Schweiz 1:3.

22.11.1956, Donnerstag

Der abgesetzte ungarische Ministerpräsident Imre Nagy wird trotz einer Sicherheitsgarantie der neuen ungarischen Regierung beim Verlassen der jugoslawischen Botschaft von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet und nach Rumänien verschleppt.

In Melbourne (Australien) werden die XVI. Olympischen Sommerspiele eröffnet.

Die Pekinger Oper beginnt in Hamburg eine dreiwöchige Gastspielreise durch die Bundesrepublik. Es ist das erste Mal, dass die Sänger und Tänzer aus dem Reich der Mitte in Deutschland zu sehen sind.

23.11.1956, Freitag

In Kairo verfügt die ägyptische Regierung die Ausweisung von britischen, französischen und israelischen Staatsbürgern.

24.11.1956, Samstag

Ein US-amerikanisches Düsenflugzeug vom Typ B-52 stellt bei einem Übungsflug der Air Force einen Rekord auf. Der Bomber bleibt 31:30 h in der Luft und legt dabei 25 600 km zurück.

Die französische Nationalversammlung ratifiziert mit 411 gegen 120 Stimmen einen Freundschaftsvertrag mit Libyen. Darin verpflichtet sich Frankreich, das 1942 besetzte Gebiet von Fezzan bis zum 30. November zu räumen und unter libysche Verwaltung zu stellen.

25.11.1956, Sonntag

Britische und französische Truppen beginnen unter Aufsicht der UN-Friedenstruppe mit dem Rückzug aus der Suezkanal-Zone.

In Paris wählt die Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) den Deutschen Hans Furler zu ihrem Präsidenten. Der Christdemokrat tritt die Nachfolge des Italieners Giuseppe Pella an.

Weite Teile Norddeutschlands werden durch gefrierenden Sprühregen innerhalb weniger Minuten von einer zentimeterdicken Glatteisschicht bedeckt. Bei dadurch verursachten Unfällen kommen mehrere Menschen ums Leben.

Irland schlägt in Dublin die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 3:0.

26.11.1956, Montag

In Bonn gibt das Ministerium für gesamtdeutsche Fragen bekannt, dass künftig jeder Besucher aus der DDR einen Reisezuschuss von 10 DM erhält. Der Bund übernimmt ab sofort auch die Kosten, die im Fall einer Krankheit des Besuchers aus der DDR entstehen.

Die Regierungen Islands und der USA unterzeichnen in Reykjavik ein Abkommen, das den US-amerikanischen Streitkräften die Unterhaltung von Stützpunkten auf der Insel ermöglicht.

In Paris stürzt ein Verkehrsflugzeug in ein Wohnhaus und explodiert. Bei dem Unglück, dessen Ursache nicht geklärt ist, kommen 33 Menschen ums Leben.

Bei den Olympischen Spielen in Melbourne (Australien) erzielt der norwegische Speerwerfer Egil Danielsen mit 85,71 m Weltrekord.

27.11.1956, Dienstag

US-Präsident Dwight D. Eisenhower untersagt in Washington die Fortsetzung des Lohnstreiks von rund 60 000 Hafenarbeitern. Die vor neun Tagen begonnenen Arbeitsniederlegungen gefährden die Versorgung der USA mit Rohstoffen.

Über Mitteleuropa tobt ein Sturm mit Windgeschwindigkeiten bis 180 km/h. Das Unwetter fordert mehrere Todesopfer und richtet Sachschäden in Millionenhöhe an.

Vor der Presse in Bonn tritt Wirtschaftsminister Ludwig Erhard Gerüchten entgegen, wonach wegen der Blockade des Suezkanals auch in der Bundesrepublik das Benzin rationiert werden müsse.

Der Vorsitzende des Staatsrats der Volksrepublik China, Zhou Enlai, bietet dem nationalchinesischen Präsidenten Chiang Kai-shek im Fall einer friedlichen Lösung des Formosa-Konflikts eine Position in der Pekinger Führung an, die “höher wäre als die eines Ministers”.

28.11.1956, Mittwoch

Die französische Regierung verhängt angesichts des Öllieferboykotts der arabischen Staaten eine Verschärfung der Benzin-Rationierung. Ein Pkw-Besitzer hat nun nur noch Anspruch auf rund 20 l Treibstoff im Monat.

In Bonn veröffentlicht die Bundesregierung eine Entschließung, in der Berlin zur Hauptstadt eines wiedervereinigten Deutschlands erklärt wird.

Rund 300 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland nehmen in Stuttgart an einem Kongress teil, in dessen Mittelpunkt die Raumfahrt steht. Forscher aus den Vereinigten Staaten teilen mit, dass US-Präsident Dwight D. Eisenhower persönlich den Bau eines Satelliten angeordnet hat. Der künstliche Himmelskörper soll spätestens im Jahr 1958 in eine erdnahe Umlaufbahn geschickt werden.

29.11.1956, Donnerstag

In Moskau trifft eine Delegation des Nationalen Volkskongresses aus China ein. In seiner Begrüßungsansprache weist der Erste Sekretär der KPdSU, Nikita S. Chruschtschow, auf die unterschiedliche Entwicklung des Sozialismus in beiden Staaten hin.

In Berlin (Ost) wird der Herausgeber der Deutschen Zeitschrift für Philosophie, das SED-Mitglied Wolfgang Harich, vom Staatssicherheitsdienst der DDR wegen “Bildung einer konspirativen Gruppe” verhaftet. Harich hatte öffentlich die Kulturpolitik der SED kritisiert.

Die Deutsche Bundesbahn beginnt mit der Umrüstung der Beleuchtung von Lokomotiven. In den vergangenen Monaten ist es wiederholt zu Unfällen gekommen, weil Autofahrer, die nachts Bahnübergänge überqueren wollten, die mit zwei Scheinwerfern ausgestatteten Loks für Kfz hielten. Künftig soll ein dritter Scheinwerfer eine Verwechslung verhindern.

30.11.1956, Freitag

Der Deutsche Bundestag verabschiedet in Bonn ein Änderungsgesetz zur Einkommensteuer. Künftig dürfen vom zu versteuernden Einkommen jährlich 50%, von Sparguthaben bis zu 6000 DM abgesetzt werden. Dadurch soll das Sparen in der Bevölkerung gefördert werden.

An den bundesdeutschen Tankstellen werden die Benzinpreise zum dritten Mal innerhalb von drei Wochen um einen Pfennig heraufgesetzt. Für einen Liter Treibstoff müssen Autofahrer künftig je nach Region zwischen 64 und 68 Pfennig bezahlen. Die Mineralölgesellschaften begründen die Preiserhöhung mit den durch die Blockade des Suezkanals erheblich gestiegenen Transportkosten.

In Chicago erkämpft der US-Boxer Floyd Patterson durch einen K. o.-Sieg in der fünften Runde über seinen Landsmann Archie Moore die Weltmeisterschaft im Schwergewicht.