Was geschah im November 1969

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1.11.1969, Samstag

In einem für das gesamte Bundesgebiet geltenden Betriebsversuch erprobt die Deutsche Bundespost in ländlichen Gebieten um Osnabrück und Bremervörde (Niedersachsen) ab Anfang November sog. fahrbare Postämter. Die nach einem bestimmten Fahrplan eingesetzten “Postämter auf Rädern” bedienen Regionen, in denen ortsfeste Postämter fehlen.

In Rom endet die abenteuerliche Entführung eines US-amerikanischen Verkehrsflugzeuges durch einen US-Marinesoldaten. Der Soldat, dessen Vater in Italien lebt, hatte am 31. Oktober die Maschine auf einem US-Inlandsflug in seine Gewalt gebracht. In Denver (Colorado) ließ er die Passagiere frei und erzwang anschließend einen Transatlantikflug, obwohl die Maschine dafür nicht ausgerüstet ist. Nach einer Zwischenlandung im irischen Shannon führt die Odyssee nach Rom, wo sich der in Italien als Held gefeierte Soldat bis zu seiner Verhaftung noch für einige Stunden versteckt halten kann.

2.11.1969, Sonntag

In Tunesien wird Staatschef Habib Burgiba zum dritten Mal zum Präsidenten gewählt. Als einziger Kandidat erhält er 99,76% der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 94,7%.

3.11.1969, Montag

Regierungssprecher Conrad Ahlers (SPD) gibt bekannt, dass Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) den SPD-Politiker und Vizepräsidenten des Bundestags Carlo Schmid zum Koordinator für die deutsch-französische Zusammenarbeit ernannt hat.

Auf einer zweitägigen Nordischen Gipfelkonferenz in Stockholm einigen sich die Regierungschefs der Länder des Nordischen Rates (Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden) darauf, Vorbereitungen zur Schaffung einer Nordischen Wirtschaftsunion (Nordek) “möglichst bis Ende Februar 1970” durchzuführen.

Nach Angaben des kanadischen Außenministers Mitchell Sharp hat Kanada die Schließung seiner Militärmission in Berlin (West) beschlossen.

4.11.1969, Dienstag

Bei den Bürgermeisterwahlen in New York setzt sich der bisherige Amtsinhaber John V. Lindsay durch. Er vereint 42% der Stimmen auf sich, der Demokrat Mario A. Procaccino 35%. Lindsay hat als Unabhängiger Liberaler kandidiert, da seine Partei, die Republikaner, mit John A. Marchi einen eigenen Kandidaten aufbot. Bei Gouverneurswahlen in Virginia und New Jersey siegen mit Linwood Holton bzw. William T. Cahill erstmals seit langem wieder Republikaner.

Der Regimekritiker Alexandr I. Solschenizyn wird aus dem sowjetischen Schriftstellerverband ausgeschlossen.

5.11.1969, Mittwoch

Der Deutsche Bundestag beschliest mit 262 gegen 241 Stimmen die Umbenennung des “Gesamtdeutschen Ausschusses” in “Ausschuss für innerdeutsche Beziehungen”. In dieser Frage sind auch die West-Berliner Abgeordneten stimmberechtigt.

Thema einer Sondersitzung des NATO-Rates in Brüssel ist der Vorschlag der Warschauer-Pakt-Staaten zu einer gesamteuropäischen Sicherheitskonferenz. Dabei bezeichnen die NATO-Mitgliedsländer ein derartiges Treffen, das vom Warschauer Pakt wiederholt vorgeschlagen wurde, als “verfrüht”.

Gegen den heftigen Widerstand der SPD-Opposition stimmt der Saarländische Landtag dem Verkauf der traditionsreichen landeseigenen “Saarbrücker Zeitung” zu. Ein 49%-Anteil geht an den Verleger Georg von Holtzbrinck, weitere Anteile u.a. an eine gemeinnützige Stiftung sowie an die Verlagsbelegschaft. Die “Saarbrücker Zeitung” erscheint im 208. Jahrgang.

6.11.1969, Donnerstag

Die Deutsche Bundesbank beschließt in Frankfurt am Main die Senkung der Mindestreservesätze um 10%. Damit erhöht sich der Liquiditätsspielraum der Banken um rund zwei Milliarden DM. Der Rückfluss von Auslandsgeldern, der nach der DM-Aufwertung einsetzte, kann so kompensiert werden.

Eine seit Wochen anhaltende Trockenheit führt in Jugoslawien zu Einschränkungen des Wasserverbrauchs, Behinderungen der Donauschifffahrt und Waldbränden. Aufgrund des niedrigen Wasserspiegels der Stauseen können viele Kraftwerksturbinen keinen Strom mehr liefern. Auch auf mehreren Adria-Inseln herrscht akuter Wassermangel. In Montenegro brechen große Waldbrände aus.

7.11.1969, Freitag

Bei einem Explosionsunglück in einer südafrikanischen Goldmine kommen mindestens 65 Bergarbeiter ums Leben, 30 werden verletzt.

8.11.1969, Samstag

Mit dem Start ihres ersten eigenen Satelliten, “Azur”, verzeichnet die Bundesrepublik einen wichtigen Erfolg in der Raumfahrt.

9.11.1969, Sonntag

Bei Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen behauptet die SPD mit 46,6% der Stimmen ihre Stellung als stärkste Partei. Die CDU erringt 45,3% der Stimmen (+2,2%), die FDP 6,1% (-1,9%). Im Bottroper Kommunalparlament erringt die DKP zwei Mandate.

Arnaldo Forlani wird neuer Generalsekretär der italienischen Christdemokraten. Er löst Flaminio Piccoli ab, der wegen seiner starren Haltung gegenüber dem sog. Linken Flügel scharf kritisiert wurde. Forlani bezeichnet die Wiederbelebung einer Mitte-Links-Koalition als eine seiner künftigen Aufgaben.

Eine in der rumänischen Hauptstadt Bukarest geplante Ausstellung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels mit Werken deutschsprachiger Schriftsteller wird abgesagt. Zuvor hatten die rumänischen Behörden die Werke von elf politisch missliebigen Schriftstellern (u.a. Horst Bienek, Wolf Biermann, Peter Handke, Uwe Johnson und Gerhard Zwerenz) nicht zugelassen.

10.11.1969, Montag

Mit Polen, Rumänien und Ungarn verpflichten sich weitere Länder zur materiellen Unterstützung von Nordvietnam. Zuvor hatten bereits China, die DDR und die Sowjetunion Hilfsleistungen zugesagt.

In den Vereinigten Staaten wird die erste Folge der Vorschulkinder-Serie “Sesame Street” (“Sesamstraße”) ausgestrahlt.

Nach Angaben des Hauptgeschäftsführers der Olympia-Baugesellschaft (OBG), Carl Mertz, kosten die für 1972 geplanten Olympischen Spiele in München nach neuesten Berechnungen voraussichtlich rund 1,15 Milliarden DM. Die letzten Schätzungen von Ende 1968 sprachen demgegenüber von rund 800 Millionen DM.

11.11.1969, Dienstag

Der alte und neue australische Ministerpräsident John Grey Gorton stellt nach den Parlamentswahlen vom 25. Oktober sein Kabinett vor. Dabei erhält die mit seiner Liberalen Partei koalierende sog. Country-Partei sechs statt bisher drei Ministerposten. Bei den Wahlen verzeichnete die oppositionelle Labour-Partei starke Stimmengewinne (59 Mandate; + 18), die Liberalen fast ebenso starke Verluste (46 Mandate; -15). Die Country-Partei konnte sich behaupten (20 Mandate, -1).

Der EWG-Ministerrat in Brüssel einigt sich auf einen Kompromiss bei Kompensationen für die bundesdeutsche Landwirtschaft nach der DM-Aufwertung.

12.11.1969, Mittwoch

Die sog. Nukleare Planungsgruppe der NATO beendet in Washington eine zweitägige Tagung unter Vorsitz von NATO-Generalsekretär Manlio Brosio. Dabei werden erstmals politische Leitlinien für den taktischen Einsatz von Atomwaffen gebilligt. Politiker des Ostblocks werten den Beschluss als Beleg für ein bundesdeutsches Streben nach Zugang zu Atomwaffen.

In Belgien beendet ein 28köpfiger Expertenausschuss zur Frage einer neuen Staatsstruktur nach sieben Wochen seine Arbeit. Nach seiner Ansicht ist der belgische Einheitsstaat überholt. Im Zuge einer allgemeinen Dezentralisierung sollte die Autonomie von Sprachgemeinschaften gefördert werden. Grundrechte von Minderheiten müssten dabei garantiert werden.

Mit dem Ausschlus von Indira Gandhi aus dem sog. Arbeitskomitee der Kongress-Partei wird der indischen Ministerpräsidentin vom konservativen Flügel praktisch die Parteimitgliedschaft aberkannt. Am 1. November hatte Indira Gandhi mit ihren Anhängern einen Parallelausschuss zum Arbeitskomitee gebildet und damit die Partei faktisch gespalten.

13.11.1969, Donnerstag

Das SPD/FDP-Bundeskabinett trifft in Bonn wichtige Entscheidungen, die zur Erhöhung des Einkommens von Rentnern sowie Wehr- und Zivildienstpflichtigen beitragen. Danach werden Rentner künftig von der Krankenversicherungspflicht befreit.

14.11.1969, Freitag

Auf Anweisung des saarländischen Innenministers Ludwig Schnur (CDU) wird der in Saarbrücken geplante NPD-Bundesparteitag verboten. Am 15. November bestätigt das Oberverwaltungsgericht Saarlouis das Verbot.

Auf ihrem Gewerkschaftstag in Dortmund wählt die Industriegewerkschaft Bergbau und Energie eine neue Führung. Neuer Vorsitzender für den zum Bundesarbeitsminister berufenen Walter Arendt (SPD) wird mit 256 von 294 Stimmen Adolf Schmidt. Zu seinem Stellvertreter wird als Nachfolger des neuen DGB-Vorsitzenden Heinz Oskar Vetter Karl van Berk gewählt.

Vom US-amerikanischen Raumfahrtzentrum Kap Kennedy (heute Kap Canaveral; Florida) startet mit “Apollo XII” das zweite Mondlande-Unternehmen der Geschichte. An Bord der Raumfähre “Yankee Clipper” befinden sich die US-Astronauten Charles Conrad, Richard Gordon und Alan Bean.

Der Frankfurter Unternehmer und Sportfunktionär Fritz Dietz wird als Nachfolger von Georg von Opel Präsident der Deutschen Olympischen Gesellschaft.

15.11.1969, Samstag

Mehrere hunderttausend Menschen demonstrieren in den USA und anderen westlichen Ländern gegen den Vietnam-Krieg.

In der Schweiz wird der 100. Jahrestag des sog. Gotthard-Vertrages gefeiert.

16.11.1969, Sonntag

Mit dem Gewinn der internationalen Tennismeisterschaften von Südamerika in Buenos Aires erzielt die 28-Jährige bundesdeutsche Tennisspielerin Helga Niessen den bisher größten Erfolg ihrer Laufbahn. Im Finale besiegt sie die australische Profispielerin Rosemary Casals, nachdem sie im Halbfinale die dreifache Wimbledon-Siegerin Billie Jean King ausgeschaltet hatte.

Zu schweren Zusammenstößen kommt es in der japanischen Hauptstadt Tokio zwischen demonstrierenden Studenten und massiven Polizeiverbänden. Die Auseinandersetzungen ereignen sich im Rahmen einer Demonstration von rund 40 000 Menschen gegen die USA-Reise von Ministerpräsident Eisaku Sato (19.- 21.11.).

In der finnischen Hauptstadt Helsinki beginnen Vorgespräche zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten über eine Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT).

Der libysche Revolutionsrat ordnet die staatliche Übernahme eines 51%-Anteils an vier ausländischen Banken an. Es handelt sich dabei u.a. um die Barclays Bank DCO und die Banco di Roma.

Im italienischen L’Aquila (Abruzzen) wird “Operette” uraufgeführt, ein nachgelassenes Stück des am 25. Juli 1969 verstorbenen polnischen Schriftstellers Witold Gombrowicz. Regie führt Antonio Calenda.

18.11.1969, Dienstag

Über 80 prominente Persönlichkeiten aus dem politischen, kirchlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben in der Bundesrepublik Deutschland fordern eine gesetzliche Amnestie für Demonstranten.

19.11.1969, Mittwoch

Bundesverkehrsminister Georg Leber (SPD) wird – zusammen mit SPD-Fraktionschef Herbert Wehner – als erstes Mitglied der neuen Bundesregierung von Papst Paul VI. im Vatikan in Privataudienz empfangen. Zu den Themen der Unterredung zählen die Gesellschafts- und Friedenspolitik.

In Italien legt ein Generalstreik das öffentliche Leben lahm. Zu dem Ausstand hatten die drei großen italienischen Gewerkschaften aufgerufen, um gegen Missstände im öffentlichen Wohnungsbau zu protestieren. Im Anschluss an eine Solidaritätskundgebung kommt es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei, bei denen eine Person getötet und über 40 Menschen verletzt werden.

Als dritter Mensch betritt der “Apollo 12”-Kommandant Charles Conrad den Mond. Zusammen mit Alan Bean stellt er die erste unbemannte wissenschaftliche Station auf dem Mond auf und birgt Teile der 1967 gelandeten Mondsonde “Surveyor 3”. Große Enttäuschung herrscht weltweit bei Millionen von Fernsehzuschauern, da die Farbübertragung von der Mondlandung nicht funktioniert. Am 24. November landet “Apollo 12” wieder auf der Erde.

Das brasilianische Fußballidol Pelé schießt in Rio de Janeiro das 1000. Tor in seiner Karriere.

20.11.1969, Donnerstag

Presseberichte über die Massaker von US-Soldaten an Dorfbewohnern in My Lai (Südvietnam) lösen weltweit Entsetzen aus.

Henry Cabot Lodge – Chefdelegierter der USA bei der Pariser Vietnam-Konferenz – tritt von seinem Posten zurück. Nach seiner Ansicht sind Fortschritte bei den Gesprächen nicht zu erzielen.

Die Nationalversammlung im kanadischen Quebec billigt mit 67 gegen 5 Stimmen ein Sprachengesetz. Danach wird Eltern erstmals das Recht zuerkannt, die für ihre Kinder verbindliche Schulsprache (englisch oder französisch) frei auszuwählen. Separatistische Frankokanadier fordern seit Beginn der 60er Jahre mit Nachdruck ein unabhängiges Quebec.

In Bonn beschließt das Bundeskabinett eine Erhöhung der Kriegsopferrenten zwischen 16% und 25,3%. Nach Angaben von Bundesarbeitsminister Walter Arendt (SPD) liegt der Schwerpunkt der Beschlüsse, die zum 1. Januar 1970 wirksam werden sollen, auf einer Verbesserung der Versorgung von Kriegerwitwen.

Karl Klasen wird als Nachfolger von Karl Blessing neuer Chef der Deutschen Bundesbank.

21.11.1969, Freitag

US-amerikanische Indianer besetzen die frühere Gefängnisinsel Alcatraz vor San Francisco und fordern deren Nutzungsrechte.

Nach Abschluss eines dreitägigen Besuchs des japanischen Ministerpräsidenten Eisaku Sato in den USA wird die Rückgabe der Riukiu-Inseln (mit Okinawa) an Japan im Jahr 1972 bekanntgegeben. Die Inselgruppe war 1879 von Japan annektiert worden und wurde nach der Besetzung durch die USA im Zweiten Weltkrieg 1951 unter US-Verwaltung gestellt und zu einer riesigen Militärbasis ausgebaut. Die Bevölkerung der Inseln protestierte jahrelang gegen die US-Herrschaft.

Erstmals seit 1930 lehnt der US-amerikanische Senat einen vom Präsidenten vorgeschlagenen Kandidaten zum Richter am Obersten Bundesgericht ab. Mit 55 gegen 45 Stimmen spricht sich der Senat gegen den von Richard M. Nixon vorgeschlagenen konservativen Südstaaten-Juristen Clement F. Haynsworth aus. In der Abstimmung, die eine schwere innenpolitische Niederlage für Nixon bedeutet, manifestiert sich ein Nord-Süd-Gegensatz. Fast alle Südstaaten-Senatoren stimmen für, fast alle Nordstaaten-Senatoren gegen Haynsworth.

22.11.1969, Samstag

Auf einem außerordentlichen Parteitag in Meran billigt die Südtiroler Volkspartei (SVP) nach heftigen Debatten das “Südtirol-Paket”. Es enthält eine Reihe von Maßnahmen, mit denen die italienische Regierung den Südtirolern in der Doppelregion Trentino-Südtirol mehr Autonomie gewähren will.

Vor 17 000 Zuschauern verteidigt in Rom der italienische Profiboxer Nino Benvenuti erfolgreich seinen Titel als Weltmeister im Mittelgewicht. Der 31-Jährige Benvenuti besiegt den in den USA lebenden Kubaner Luis Rodriguez durch K. o. in der elften Runde.

24.11.1969, Montag

Ziel der ersten Auslandsreise von Bundespräsident Gustav Heinemann sind die Niederlande.

Erstmals nach Bildung der sozialliberalen Koalition tritt die sog. Konzertierte Aktion zusammen. Unter Vorsitz von Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller (SPD) nehmen an dem Treffen u.a. Vertreter von Spitzenverbänden der Gewerkschaften und Unternehmer, des Sachverständigenrates und der Deutschen Bundesbank teil. Zum ersten Mal sind auch Vertreter der Landwirtschaft anwesend. Als wirtschaftliches Ziel künftiger Arbeit nennt Schiller “Stabilisierung ohne Stagnation”.

Die USA und die Sowjetunion ratifizieren den Atomwaffensperrvertrag. Damit haben zusammen mit Großbritannien (27.11.1968) bisher drei Großmächte sowie 21 weitere Länder den Vertrag ratifiziert.

Der 31-Jährige reformorientierte Soziologie-Assistent Rolf Kreibich wird zum neuen Präsidenten der Freien Universität Berlin (West) gewählt.

25.11.1969, Dienstag

In Bonn beginnen fünftägige Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik und der Arabischen Republik Jemen (Nordjemen) über wirtschaftliche Zusammenarbeit. Nach Abschluss der Gespräche werden sechs Abkommen unterzeichnet, u.a. über bundesdeutsche Kapitalzusagen und Warenlieferungen.

26.11.1969, Mittwoch

Nach lange schwelenden Feindseligkeiten brechen zwischen den arabischen Staaten Saudi-Arabien und der Volksrepublik Jemen (Südjemen) bewaffnete Kämpfe aus. Dabei besetzen saudi-arabische Truppen Erdölfelder im Südjemen, die zwischen beiden Staaten umstritten sind.

27.11.1969, Donnerstag

Erstmals nimmt US-Präsident Richard M. Nixon offiziell zu den Berichten über das My-Lai-Massaker Stellung und drückt seinen “Abscheu” aus. Dabei wird auch bekannt, dass Nixon bereits seit April von den Vorgängen unterrichtet gewesen ist.

Auf der zweitägigen Plenarsitzung ihrer sog. Ständigen Konferenz (bis 28.11.) vereinbaren die Kultusminister der Länder in Berlin (West) die Erprobung der Gesamtschule. Dabei soll ein Versuch mit 40 Gesamtschulen begonnen werden, begleitet von ständiger pädagogischer Aufsicht.

28.11.1969, Freitag

Die Bundesregierung beschließt die Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrages.

Zwischen der DDR und der Sowjetunion wird in Berlin (Ost) ein Abkommen über den gegenseitigen visafreien Reiseverkehr unterzeichnet.

In Groton (Connecticut) beginnt der Bau des 100. Atom-U-Bootes der US-Kriegsmarine. Das erste US-amerikanische Atom-U-Boot (“Nautilus”) war 1955 vom Stapel gelaufen.

Die italienische Abgeordnetenkammer billigt in Rom das erste Scheidungsgesetz in der Geschichte Italiens.

29.11.1969, Samstag

Mit einer weitgehenden Einigung über einen Liefervertrag mit 20-Jähriger Laufzeit geht das fünfte deutsch-sowjetische Spitzengespräch über Erdgaslieferungen in Essen zu Ende. Danach wird die Sowjetunion 1973 mit der Lieferung von 500 Millionen Kubikmeter Erdgas beginnen, die bis 1978 auf drei Milliarden Kubikmeter jährlich gesteigert werden soll. Die Einigung macht den Weg frei für Verhandlungen über die Lieferung bundesdeutscher Großröhren an die Sowjetunion.

30.11.1969, Sonntag

Zu einer “Wachablösung” kommt es bei den bundesdeutschen Kunstturnmeisterschaften. Im Olympischen Zwölfkampf der Männer besiegt der 20-Jährige Emmendinger Walter Mössinger den mehrfachen Meister Walter Jaschek (Heusenstamm).