Was geschah im November 1970

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1.11.1970, Sonntag

In einer Diskothek im französischen St.-Laurent-du-Pont in der Nähe von Grenoble kommt es zu einer Brandkatastrophe, der 145 Menschen zum Opfer fallen.

Nur knapp entgeht der polnische Staatspräsident Marian Spychalski auf dem Flugplatz von Karatschi dem Attentat eines pakistanischen Antikommunisten. Der den Präsidenten begleitende stellvertretende polnische Außenminister Zygfryd Wolniak wird getötet. Daraufhin bricht Spychalski seinen Staatsbesuch in Pakistan (seit 29. 10.) vorzeitig ab.

2.11.1970, Montag

In Addis Abeba feiert der äthiopische Kaiser Haile Selassie I. den 40. Jahrestag seiner Thronbesteigung.

Gerechtigkeit für die Landwirtschaft” fordern rund 10 000 in Hamburg demonstrierende Bauern. Der bundesdeutsche Bauernverband fordert am 10. November eine 10%ige Preiserhöhung für Agrarprodukte.

In Bayern sollen künftig an neuen Straßen keine Bäume, sondern nur noch Büsche und Sträucher gepflanzt werden. Diese Zusage erhält der ADAC vom bayerischen Innenministerium. Eine Untersuchung des ADAC hatte ergeben, dass in Bayern jährlich etwa 400 Personen beim Aufprall ihrer Autos auf Bäume ums Leben kommen.

US-Amerikaner und Sowjets beginnen in Helsinki ihre dritte Gesprächsrunde über eine Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT).

3.11.1970, Dienstag

In Warschau beginnen Bundesaußenminister Walter Scheel (FDP) und sein polnischer Amtskollege Stefan Jedrychowski die offiziellen Verhandlungen über den Abschluss eines Vertrags zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Polen und der Bundesrepublik. Die Verhandlungen dauern bis zum 13. November.

In den USA werden der Senat teilweise, das Repräsentantenhaus vollständig sowie Gouverneure in 35 Bundesstaaten neu gewählt. Die oppositionellen Demokraten behaupten ihre Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus und nehmen den Republikanern elf Gouverneursposten ab.

4.11.1970, Mittwoch

Mit großer Mehrheit plädiert die UN-Vollversammlung für eine Verlängerung des Waffenstillstands im Nahen Osten und die Wiederaufnahme der Friedensgespräche unter Vermittlung des UN-Sonderbeauftragten Gunnar Jarring. Gleichzeitig fordert sie die Räumung der von Israel besetzten arabischen Gebiete.

Der Bundestag in Bonn stimmt drei Sozialgesetzen über die Verbesserung der gesetzlichen Krankenversicherung und die Erhöhung des Wohngeldes sowie des Kindergeldes zu.

Die Bundesrepublik, Frankreich und Belgien einigen sich auf der zweiten Sitzung der Europäischen Weltraumkonferenz in Brüssel vorerst auf die Planung eines eingeschränkten europäischen Weltraumprogramms nach der Zurückhaltung Großbritanniens und anderer Länder. Eine mögliche Beteiligung der Europäer am US-amerikanischen “Apollo”-Nachfolgeprogramm soll weiterhin mit den USA erörtert werden.

5.11.1970, Donnerstag

Beim Besuch des Präsidenten von Gabun, Albert Bernard Bongo (Omar Bongo) in Bonn wird ein Kapitalhilfeabkommen der Bundesrepublik für die afrikanische Republik über 31 Mio. DM unterzeichnet.

Für rund 1,5 Mio. Arbeiter und Angestellte bei Bund, Ländern und Gemeinden fordern die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) und die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) bis zu 14,4% mehr Lohn und Gehalt. Am 2. Dezember einigen sich die Tarifpartner auf Lohn- und Gehaltserhöhungen um linear 7%.

6.11.1970, Freitag

Israel und Ägypten verlängern den bisherigen, um Mitternacht auslaufenden Waffenstillstand um weitere drei Monate.

Ein US-amerikanischer Erkundungssatellit wird gestartet. Er soll, über Südostasien stationiert, sowjetische und chinesische Raketenstarts melden.

Mit seinem Besuch in Italien (bis 12.11.) setzt der äthiopische Kaiser Haile Selassie I. ein Zeichen der Versöhnung zwischen beiden Ländern. Von 1936 bis 1941 war Äthiopien vom faschistischen Italien besetzt gewesen.

7.11.1970, Samstag

Am sowjetischen Ehrenmal in Berlin (West) wird ein Wachsoldat durch mehrere Schüsse verletzt. Der knapp 24 Stunden später festgenommene Täter wollte mit diesem Anschlag am Jahrestag der russischen Oktoberrevolution die Ratifizierung des deutsch-sowjetischen Vertrags verhindern. Der Attentäter kann am 19. November aus der Haft entkommen, wird aber einen Tag später erneut festgenommen.

8.11.1970, Sonntag

Bei den Landtagswahlen in Hessen müssen die regierenden Sozialdemokraten mit 5,2% erhebliche Verluste hinnehmen. Die FDP kann ihren alten Stand von 10,4% fast halten. Kräftige Gewinne verbucht die CDU mit 39,7% der Stimmen (1966: 26,35%).

Die Teil-Kommunalwahlen in Rheinland-Pfalz ergeben keine erheblichen Kräfteverschiebungen. Die regierende CDU kann ihre Führungsposition leicht ausbauen.

9.11.1970, Montag

Der frühere französische Staatspräsident General Charles de Gaulle (* 22. 11. 1890, Lille) stirbt im Alter von 79 Jahren auf seinem Landsitz Colombey-les-deux-Églises in Lothringen an den Folgen eines Herzschlags.

Laut “The Times” stößt das größte britische Kriegsschiff, der Flugzeugträger “H. M. S. Ark Royal” (43 030 t) während des britischen Mittelmeer-Manövers “Lime Jug” zwischen Malta und Kreta mit einem sowjetischen Zerstörer zusammen. Zwei sowjetische Matrosen werden vermisst, der Sachschaden ist gering. Schuld an dem Unfall ist nach britischer Ansicht der Zerstörer.

Zum Abschluss einer fünftägigen Gipfelkonferenz in Kairo geben die Staatschefs von Ägypten, Muhammad Anwar As Sadat, von Libyen, Muammar al Gaddafi, und des Sudan, Dschaffar Muhammad An Numairi, den Beschluss bekannt, die Vereinigung der drei Länder in Form einer Art Föderation voranzutreiben.

10.11.1970, Dienstag

Bei der zweiten Tagung der Verteidigungsminister der europäischen NATO-Staaten (sog. Euro-Group) in Brüssel wird ein europäisches NATO-Verstärkungsprogramm vorbereitet. Dabei geht es vor allem um eine finanzielle Entlastung der USA bei den Stationierungskosten ihrer Truppen in Europa.

Der Tarifkonflikt in der bundesdeutschen Eisen- und Metallindustrie wird nach über zwei Monaten endgültig beigelegt. Nach den anderen Tarifbezirken kommt es nun auch im Bezirk Südwürttemberg-Hohenzollern zu einer Einigung.

Bei der Eröffnung der “Interocean ’70” in Düsseldorf drängt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswissenschaftsministerium, Klaus von Dohnanyi, auf internationale Vereinbarungen zur Reinhaltung der Meere. Kongressberichte betonen die Rechtsunsicherheit in Fragen der Meeresnutzung.

Im Düsseldorfer Schauspielhaus wird das Drama “Porträt eines Planeten” von Friedrich Dürrenmatt uraufgeführt.

Eine direkte Flugverbindung Berlin (Ost)- Wien der DDR-Gesellschaft Interflug wird offiziell eröffnet.

12.11.1970, Donnerstag

An der Totenfeier für den am 9. November verstorbenen früheren französischen Staatspräsidenten General Charles de Gaulle in der Pariser Kathedrale Notre Dame nehmen rund 80 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt teil. Anschließend wird de Gaulle in engstem Kreis in Colombey-les-deux-Eglises beigesetzt.

Der neue chilenische Präsident Salvador Allende Gossens gibt in einer Fernseh- und Rundfunkansprache die Wiederaufnahme diplomatischer, konsularischer, Handels- und kultureller Beziehungen zu Kuba bekannt.

Durch zwei Dekrete des algerischen Präsidenten Houari Boumedienne werden die beiden US-Erdölgesellschaften Mobil Oil Co. und Newmont Overseas Petroleum, eine Tochtergesellschaft der Newmont Mining Corp., verstaatlicht.

13.11.1970, Freitag

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Karl Geldner macht seine Scheinverhandlungen mit der CSU über einen Parteiübertritt bekannt. Zweck dieser Gespräche die Geldner im Einvernehmen mit dem FDP-Vorstand führte, ist die Aufdeckung der Abwerbungspraktiken, mit der zur Zeit vor allem Abgeordnete der FDP konfrontiert werden.

Mit den Stimmen der Regierungskoalition beschließt der Bundestag die Verlängerung der Amtszeiten der Betriebsräte bis April 1972. Dies ist eine Vorstufe des geplanten neuen Betriebsverfassungsgesetzes.

Im Norden Kolumbiens fordert eine schwere Überschwemmungskatastrophe über 500 Todesopfer.

Zu einer der schlimmsten Naturkatastrophen kommt es in Ostpakistan (heute Bangladesch). Ein Orkan mit meterhohen Flutwellen sucht die Küste des Landes und die Inseln im Golf von Bengalen heim, wobei rund 300 000 Menschen ums Leben kommen.

14.11.1970, Samstag

Der SPD-Vorstand und der Parteirat beschließen die Nichtzulässigkeit einer “Aktionsgemeinschaft” zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten (“Abgrenzungsbeschluss”). In der Folge kommt es zum Bruch mit dem Sozialdemokratischen Hochschulbund (SHB).

Bei einer Volksabstimmung im Kanton Zürich (Schweiz) stimmt die Mehrheit für die vollständige politische Gleichberechtigung von Mann und Frau. Im Kanton Solothurn votiert die Mehrheit der Stimmbürger für eine Verfassungsänderung, welche die Gemeinden ermächtigt, auf ihrer Ebene das Frauenstimmrecht und -wahlrecht einzuführen.

Alle 75 Passagiere eines Charterflugzeugs kommen beim Absturz der Maschine im US-Bundesstaat West-Virginia ums Leben.

16.11.1970, Montag

Nach Meldungen der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS bezeichnet der frühere sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow seine in den Westen gelangten angeblichen Memoiren als Fälschung.

Der Frankfurter Polizeipräsident Knut Müller sieht keine Möglichkeit, ein nichtbewohntes Haus in der Stadt vor der Besetzung durch Jugendliche zu schützen. Fünf Personen hatten sich in der Nacht gewaltsam Zutritt zu dem für den Abbruch bestimmten Haus verschafft. Die Polizei beschränkt sich auf Verhandlungen mit den Besetzern, lehnt aber eine Räumung mit dem Hinweis auf eine wahrscheinliche erneute Besetzung ab. Der Eigentümer müsste sein Haus selbst davor schützen.

17.11.1970, Dienstag

Der Regierende Bürgermeister von Berlin (West), Klaus Schütz (SPD), wird in Washington von US-Präsident Richard M. Nixon empfangen. Bei dem Gespräch geht es vor allem um den derzeitigen Stand der Berlin-Verhandlungen der vier Mächte.

Die sowjetische Raumsonde “Luna 17” setzt das Mondfahrzeug “Lunochod 1” auf dem Mond ab, wo es, von der Erde aus gesteuert, Untersuchungen des Mondbodens vornehmen soll. “Lunochod 1” ist das erste Mondfahrzeug überhaupt.

18.11.1970, Mittwoch

Joe Frazier (USA) verteidigt in Detroit seinen Box-WM-Titel im Schwergewicht durch einen K. o.-Sieg in der 2. Runde gegen Bob Foster (USA).

Jugoslawien gewinnt gegen die deutsche Fußball-Nationalelf in Zagreb 2:0.

In Reaktion auf die Aktivitäten linksgerichteter Studentengruppen gründen 30 Hochschulprofessoren in Bad Godesberg den Bund Freiheit der Wissenschaft. Am Gründungskongress nehmen 1500 Hochschulangehörige, vorwiegend Professoren und Assistenten, teil. Ziel des Bundes ist die Wahrung und Förderung der Freiheit von Forschung, Lehre und Studium. Ferner will sich der Bund jeder Unterwerfung unter die Machtansprüche einzelner Gruppen widersetzen und auf eine Politik drängen, die eine stetige Verbesserung der Bildungschancen mit der Aufrechterhaltung der Leistungsmaßstäbe verbindet.

In Fort Benning im US-Bundesstaat Georgia beginnt der Prozess gegen US-Oberleutnant William L. Calley, der eines Massakers unter den Bewohnern des südvietnamesischen Dorfes My Lai im März 1968 beschuldigt wird.

In Warschau paraphieren Bundesaußenminister Walter Scheel (FDP) und der polnische Außenminister Stefan Jedrychowski den deutsch-polnischen Vertrag über die Normalisierung der beiderseitigen Beziehungen. Darin erkennt die Bundesrepublik die Oder-Neiße-Linie als polnische Westgrenze an.

19.11.1970, Donnerstag

Der Prozess gegen den Inhaber des schweizerischen Waffen- und Werkzeugmaschinenkonzerns Oerlikon, Dieter Bührle, und sechs Angestellte des Unternehmens wegen illegaler Waffenlieferungen in kriegführende Länder beginnt in Lausanne (bis 27. 11.).

Neue Konsultationsverfahren vereinbaren die Außenminister der sechs EG-Staaten bei ihrem ersten Treffen in München.

Der Rechtsausschuss der UN-Vollversammlung fordert in einer Resolution alle Staaten auf, Flugzeugentführungen mit allen Mitteln zu verhindern. Der Antrag einer Gruppe von 34 Staaten wurde mit 99 Ja-Stimmen bei 10 Enthaltungen verabschiedet; afrikanisch-arabische Staaten und Kuba enthielten sich dabei der Stimme.

20.11.1970, Freitag

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen stimmt mit 51 gegen 49 Stimmen bei 25 Enthaltungen der Aufnahme der Volksrepublik China zu. Die dafür erforderliche Zweidrittelmehrheit kommt somit nicht zustande.

Ein Gesetz über Einfuhrbeschränkungen (sog. Mills Bill) wird nach erbitterter Debatte vom Repräsentantenhaus der USA verabschiedet. In Europa und Japan werden Befürchtungen laut über eine “Welle des Protektionismus” im Welthandel.

In Stuttgart beginnt der erste Kongress des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS), der bis 23. November andauert. Erörtert werden Themen wie “Schriftsteller in der Arbeitswelt”, “Schriftsteller und Gewerkschaft”, “Einigkeit der Einzelgänger” und “Autor und Urheberrecht”.

Der Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB) der DDR erklärt sich nach einem dreistündigen Treffen mit dem Deutschen Sportbund (DSB) in München bereit, seinen Sportfachverbänden bei internationalen Wettkämpfen die gegenseitige Einladung und Teilnahme zu empfehlen. Die angestrebte Wiederaufnahme des deutsch-deutschen Sportverkehrs wird in der Folgezeit allerdings durch ständige Absagen aus der DDR blockiert.

21.11.1970, Samstag

US-Bomber greifen Luftabwehrstellungen in Nordvietnam an, nachdem US-Aufklärungsflugzeuge beschossen worden waren. Eine gleichzeitige Luftlandeoperation zur Befreiung US-amerikanischer Soldaten in Nordvietnam scheitert. Das Kriegsgefangenenlager wird verlassen vorgefunden.

22.11.1970, Sonntag

Die Landtagswahlen in Bayern bringen der seit acht Jahren allein regierenden CSU ihren größten Erfolg seit 1946. Die SPD muss gewisse Verluste hinnehmen, und der FDP gelingt die Rückkehr in den Landtag.

Das Fußballländerspiel Griechenland gegen Deutschland in Athen endet 1:3.

Ein Putschversuch gegen den Präsidenten der westafrikanischen Republik Guinea, Sékou Touré, scheitert. Portugal weist den Vorwurf Sékou Tourés, Lissabon habe den Putsch unterstützt, entschieden zurück.

23.11.1970, Montag

Bei einem mehrtägigen offiziellen Besuch des Bundeskanzlers Willy Brandt in Italien (bis 25. 11.) stellen beide Seiten Übereinstimmung in Fragen der deutschen Ostpolitik und der europäischen Integration fest.

Nach vierjähriger Pause trifft der neue Botschafter der Volksrepublik China, Liu Hsien-chuan, zur Übernahme seiner Amtsgeschäfte in der sowjetischen Hauptstadt ein. Die Wiederbelebung der diplomatischen Beziehungen ist ein deutliches Zeichen für die Entschärfung der Konfrontation zwischen Moskau und Peking.

Bei einem Hearing des parlamentarischen Strafrechtssonderausschusses des Bundestags stößt der von der Bundesregierung vorgelegte Gesetzentwurf zur Reform des Sexualstrafrechts bei den geladenen Wissenschaftlern überwiegend auf Zustimmung.

Über 80-Jährige Kardinäle sind künftig von der aktiven und passiven Papstwahl ausgeschlossen. Dies sieht ein umstrittenes sog. Motuproprio (dt.: aus eigenem Antrieb; Verwaltungsakt in persönlicher Initiative des Papstes) von Papst Paul VI. vor.

24.11.1970, Dienstag

Nach Angaben des Bundeswissenschaftsministeriums ist das Interesse am Studium der Informatik sprunghaft angestiegen. Im Sommersester 1970 gab es 1100 Informatikstudenten, im laufenden Wintersemester sind es bereits 1600. Die neue Fachrichtung beschäftigt sich mit dem Aufbau und der Anwendung von Datenverarbeitungsanlagen.

25.11.1970, Mittwoch

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion formuliert in einer Stellungnahme Bedenken gegen den Vertrag zwischen der Bundesrepublik und Polen, dessen Unterzeichnung bevorsteht. Das Ziel auch der CDU/CSU sei die Verständigung und Aussöhnung mit Polen. Zugleich halte man aber uneingeschränkt an dem Recht des deutschen Volkes auf freie Selbstbestimmung und auf eine friedensvertragliche Regelung für ganz Deutschland fest.

Nach dem Scheitern eines geplanten Militärputsches in Tokio tötet sich der japanische Schriftsteller und Rechtsextremist Yukio Mishima vor 2500 Soldaten durch Harakiri.

Für das kommende Jahr rechnet der Sachverständigenrat der Bundesregierung mit einem Anstieg der privaten Lebenshaltungskosten in der Bundesrepublik um 3,5% (1970: 3,8%).

26.11.1970, Donnerstag

Der Automobilclub von Deutschland (AvD) und der Deutsche Motorsportverband (DMV) raten autofahrenden Frauen, am Steuer auf knöchellange Kleider oder Mäntel zu verzichten. Die lange Bekleidung sei, so die Begründung, zum Autofahren höchst ungeeignet. Sie enge die Bewegungsfreiheit zur Bedienung der Pedale ein.

27.11.1970, Freitag

Der Dialog zwischen der Bundesrepublik und der DDR wird fortgesetzt. Darauf verständigen sich der Staatssekretär beim Ministerrat der DDR, Michael Kohl, und Staatssekretär Egon Bahr vom Bundeskanzleramt bei ihrem ersten Gespräch in Berlin (Ost).

Zum Abschluss seines offiziellen Besuchs in Jugoslawien (seit 25. 11.) wird Bundesaußenminister Walter Scheel (FDP) von Präsident Josip Broz Tito zu einem Gespräch empfangen. Dabei sagt Tito der Bonner Ostpolitik Unterstützung zu.

Nur knapp entgeht Papst Paul VI. auf dem Flughafen der philippinischen Hauptstadt Manila einem Attentat. Paul VI. befindet sich auf einer neuntägigen Asienreise (26. 11. – 5. 12.).

In Moskau vereinbaren sowjetische und bundesdeutsche Wissenschaftler die Zusammenarbeit auf Teilgebieten der Atomphysik.

Die Versteigerung des Porträts “Der Mulatte Juan de Pareja” des spanischen Malers Diego Rodriguez de Silva y Velázquez in London erbringt den Rekordpreis von 20 Mio. DM. Vor 170 Jahren war das Bild für 40 Pfund (damals rd. 400 DM) verkauft worden.

28.11.1970, Samstag

Aus Protest gegen die für den 30. November vorgesehene Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Berlin (West) behindert die DDR den Interzonenverkehr in erheblichem Umfang.

29.11.1970, Sonntag

Ein von den Jungsozialisten organisierter Lehrlingskongress in Düsseldorf mit rund 2000 Teilnehmern endet mit Tumult und ohne Ergebnis.

30.11.1970, Montag

Nach einer Umfrage lehnen 49% der Bundesbürger die derzeitige Sex- und Pornowelle ab. Dagegen nehmen 42% keinen Anstoß an den freizügigen Darstellungen in Illustrierten und Filmen.