Was geschah im Oktober 1901

  • < 1900
  • 10.1901
  • 1902 >

Wetterstationen Oktober 1901

1.10.1901, Dienstag

Der neue US-Präsident Theodore Roosevelt sorgt in seiner Republikanischen Partei für Proteste, als er eine Reihe höherer Beamtenstellen an Anhänger der Demokraten vergibt.

In Berlin findet die Delegiertenversammlung des Zentralverbandes Deutscher Industrieller (ZDI) statt. Im Mittelpunkt steht der Zolltarifentwurf; die Delegierten lehnen eine Festlegung von Mindestsätzen ab.

Auf einer außerordentlichen Vollversammlung des Deutschen Handelstages in Berlin sprechen sich die Delegierten erneut mehrheitlich gegen den Zolltarifentwurf der Reichsregierung aus.

Der Nationalsoziale Verein begründet in Berlin unter dem Titel “Die Zeit” eine neue Wochenschrift. Herausgeber des im “Hilfe”-Verlag erscheinenden Blattes sind der Publizist Paul Rohrbach und der Politiker Friedrich Naumann.

Mit der Linie Ueberlingen – Friedrichshafen wird der letzte Teilabschnitt der sog. Bodensee-Ringbahn eröffnet.

Nach Gründung der Zentrale für Milchverwertung bricht in Berlin ein “Milchkrieg” aus.

Der Emir von Afghanistan, Abd Ur Rahman Khan, stirbt in Kabul. Er wurde von den Briten 1880 als Emir eingesetzt und verhalf seinem Land in Anlehnung an Großbritannien zu einer starken Stellung als “Pufferstaat”. So fiel in seine Amtszeit die Festlegung der sog. Durand-Linie als Grenze zwischen Afghanistan und Britisch-Indien (heutige Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan). Nachfolger wird sein Sohn Habib Ullah Khan, der ebenfalls eine britenfreundliche Politik verfolgt.

2.10.1901, Mittwoch

In Eisenach endet der Allgemeine Deutsche Frauentag (seit 30. 9.). Er wurde unter Vorsitz der Pädagogin und Frauenrechtlerin Auguste Schmidt abgehalten.

3.10.1901, Donnerstag

Im Gebäude des deutschen Reichstags in Berlin tagt der Verband fortschrittlicher Frauenvereine. Vorsitzende ist die deutsche Frauenrechtlerin Minna Cauer, die zum linken Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung zählt. Sie war 1895 an der Gründung der Zeitschrift “Frauenbewegung” beteiligt. Zweite Vorsitzende ist die ebenfalls zum linken Flügel zählende Frauenrechtlerin und Pazifistin Anita Augspurg.

4.10.1901, Freitag

Einer Verfügung des Burenführers Louis Botha zufolge wird jeder Bure mit Todesstrafe bedroht. der von Briten beschlagnahmte Waren aus Bureneigentum erwirbt.

Vor Newport (Rhode Island) gewinnt die US-amerikanische Jacht “Columbia” gegen die britische “Shamrock II” den “America’s Cup” für Segeljachten.

König Karl von Rumänien trifft in Wien zu einem Besuch von Franz Joseph I., Kaiser von Österreich und König von Ungarn, ein. Im Mittelpunkt der Gespräche steht die Lage in Südosteuropa.

5.10.1901, Samstag

In Kopenhagen werden die Sitzungen des dänischen Reichstags mit einer Thronrede von König Christian IX. eröffnet. Der Monarch hebt als künftige Ziele die Wahrung der außenpolitischen Selbständigkeit seines Landes sowie im Inneren die Entwicklung der politischen Freiheiten und die Steigerung des Volkswohlstandes hervor.

Die portugiesische Regierung entsendet eine rund 850 Mann starke Truppeneinheit nach Lourenco Marques (heute zu Moçambique). Die Soldaten dienen der weiteren Festigung des portugiesischen Kolonialbesitzes. Portugal unterwirft das ostafrikanische Küstenland zu Beginn des 20. Jahrhunderts endgültig.

6.10.1901, Sonntag

Nach Meldungen aus Neapel verbessert sich die gesundheitliche Lage der an Pest erkrankten Personen in der Quarantäne. Neue Pestfälle sind nicht aufgetreten. In der süditalienischen Stadt wurden im September mehrere Pesterkrankungen festgestellt.

In der Schweiz beginnen die Spielrunden für die landesweite Fußball-Meisterschaft 1901/02.

7.10.1901, Montag

Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg, Theobald von Bethmann Hollweg, lehnt es ab, Kaiser Wilhelm II. die Wiederwahl von Gustav Kauffmann zum Bürgermeister von Berlin “zur Kenntnis zu bringen”. Damit bleibt die Nichtbestätigung der Wahl in Kraft. Am 8. Oktober kommt Wilhelm II. in Schloss Hubertusstock (bei Joachimsthal) mit Oberbürgermeister Martin Kirschner zusammen, um die Berlin betreffenden Streitfragen zu besprechen.

8.10.1901, Dienstag

Im bayerischen Landtag endet eine mehrtägige Debatte über den Zolltarifentwurf. Nach Ansicht von Ministerpräsident Krafft Graf von Crailsheim ist es Aufgabe der Landesregierung, die Interessen von Landwirten und Industrie gemeinsam zu vertreten. Besonders sozialdemokratische Abgeordnete kritisieren die Regierungsvorlage.

In der russischen Erdölmetropole Baku bricht ein Großfeuer aus. Im Bohrbezirk Bibi-Eybat entzündet sich eine aus dem Boden strömende Erdölfontäne, die selbst durch wolkenbruchartige Regenfälle nicht gelöscht wird.

Auf der 14. Generalversammlung des Evangelischen Bundes in Breslau (heute Wroclaw) wird eine erhebliche Zunahme des Katholizismus in den polnischen Gebieten Preußens in den letzten Jahrzehnten festgestellt. Bei dem Evangelischen Bund handelt es sich um eine 1886 von dem deutschen Theologen Willibald Beyschlag gegründete Vereinigung zur Wahrung der “deutschprotestantischen Interessen” und zur “Stärkung des evangelischen Bewusstseins”.

Der ägyptische Offizier und Politiker Ahmad Urabi Pascha kehrt nach fast zwanzigjähriger Verbannung mit Erlaubnis der britischen Regierung aus dem Exil in Ceylon (heute Sri Lanka) zurück. Urabi Pascha leitete 1881 als Führer des ägyptischen Nationalismus eine Revolte gegen die osmanische und britische Fremdherrschaft, musste aber nach der Niederlage gegen die Briten bei At Tall Al Kabir ins Exil gehen.

Bei Landtagswahlen in Böhmen (Österreich-Ungarn) verzeichnen rechte Gruppierungen wie die Alldeutschen Mandatsgewinne. Stärkste Fraktion bleiben dennoch die Jungtschechen (68 Sitze) vor den sog. Deutschfortschrittlichen (28 Sitze) und den Alldeutschen (24 Sitze).

9.10.1901, Mittwoch

Großbritannien dehnt im Rahmen des südafrikanischen Burenkrieges das Kriegsrecht auf die Hafenstädte in der Kapkolonie aus.

Die rumänische Regierung unter Demetrios Sturdza teilt offiziell mit, dass sie bei Annahme des deutschen Zolltarif-Entwurfs den Abschluss eines neuen Handelsvertrags für ausgeschlossen hält.

Das italienische Kultusministerium in Rom erlässt eine Verfügung über die Benutzung von Kirchen zu Versammlungen. Diese untersagt politische Veranstaltungen jedweder Art in Kirchen. Die Gebäude sollen ausschließlich Religionszwecken oder verwandten “Kultushandlungen” dienen.

10.10.1901, Donnerstag

Der Rat der Universität im russischen Charkow spricht sich für die Zulassung von Frauen zum Studium in allen Fakultäten aus. Er fordert das russische Erziehungsministerium in Petersburg auf, entsprechende Maßnahmen zu treffen.

11.10.1901, Freitag

Nach den Reichstagswahlen in Ungarn kann sich die regierende Liberale Partei unter Ministerpräsident Koloman Széll weiterhin auf eine sichere Mehrheit stützen. Im Rahmen der Wahlen ist es zu mehreren blutigen Zusammenstößen gekommen. Die sozialen und nationalen Gegensätze im ungarischen Teil der Donaumonarchie verschärfen sich erheblich.

In Sachsen finden Landtagswahlen statt (Ergänzungswahlen zur zweiten Kammer). Als Konsequenz aus der 1896 vollzogenen Wahlrechtsänderung verlieren die Sozialdemokraten ihr letztes Mandat. Zugleich erringen die Konservativen eine Zweidrittelmehrheit. Aus diesen Gründen fordern auch die Liberalen eine Reform des herrschenden Klassenwahlrechts.

Im Berliner Residenztheater wird Frank Wedekinds Stück “Der Marquis von Keith” uraufgeführt. Der deutsche Dramatiker saß in den Jahren 1899/1900 wegen “Majestätsbeleidigung” in Festungshaft.

12.10.1901, Samstag

Im preußischen Abgeordnetenhaus in Berlin findet eine Feier zum 80. Geburtstag des deutschen Mediziners und Politikers Rudolf Virchow statt. An ihr nehmen zahlreiche Vertreter wissenschaftlicher Institutionen aus dem In- und Ausland teil.

13.10.1901, Sonntag

In der spanischen Hafenstadt Gijon (Asturien) kommt es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Karlisten und der Bevölkerung. Am 15. Oktober wird in Sevilla der Belagerungszustand verhängt, nachdem Arbeiter den Generalstreik ausgerufen haben. Es ereignen sich auch Zusammenstöße zwischen den von der Regierung eingesetzten Sicherheitskräften und Streikenden.

In einem von den Großmächten unterstützten Ultimatum fordert Spanien den Sultan von Marokko, Abd Al Asis, zur Zahlung einer hohen Entschädigung nach der Verschleppung zweier Spanier durch Einheimische. Das nordafrikanische Land ist in ein französisches und spanisches “Interessengebiet” aufgeteilt.

14.10.1901, Montag

In New York wird der deutsch-amerikanische Publizist und Anarchist Johann Most zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt. Most publizierte als Herausgeber der “Freiheit” einen Artikel, den das Gericht im Rahmen der herrschenden Anarchisten-Hysterie als “Aufforderung zum Mord betrachtet.

Das Storthing (norwegisches Parlament) billigt in Christiania (heute Oslo) Zollerhöhungen auf Rohtabak. Rauchtabak und Zigarren. Die Einnahmen sollen militärischen Zwecken in Norwegen dienen.

15.10.1901, Dienstag

Aus den Landtagswahlen in Baden gehen die Nationalliberalen mit 24 Mandaten (+1) als stärkste Partei hervor. Zweitstärkste Fraktion wird das Katholische Zentrum (23 Sitze, + 1).

Aus Simla (vorderer Himalaja), dem Sommersitz der Regierung von Britisch-Indien wird die Anerkennung von Habib Ullah als neuer Emir von Afghanistan durch die britische Verwaltung gemeldet.

Die Hungerunruhen in Russland verschärfen sich. Besonders im Gouvernement Saratow protestiert die Bevölkerung gegen die katastrophale Versorgungslage. Zusammenstöße mit dem Militär, das von der Regierung eingesetzt wird, fordern mehrere Verletzte.

16.10.1901, Mittwoch

Der venezolanische Präsident Cipriano Castro erklärt seine Bereitschaft zu einer friedlichen Lösung des Konflikts mit Kolumbien. Er befürwortet auch eine Vermittlung durch die USA.

Großes Aufsehen erregt in den USA der Empfang des schwarzen Pädagogen und Bürgerrechtlers Booker T. Washington im Weißen Haus durch US-Präsident Theodore Roosevelt. Farbige Minderheiten werden in den USA nach wie vor diskriminiert.

17.10.1901, Donnerstag

Kaiser Wilhelm II. setzt gegen den Protest der Straßburger Fakultät die Berufung des katholischen Historikers Martin Spahn auf einen neugeschaffenen Lehrstuhl – u.a. neben Friedrich Meinecke – an die Universität von Straßburg endgültig durch. Damit endet ein Streit um die weltanschauliche Gebundenheit von Lehrstühlen. Im zu 80% katholischen Elsass-Lothringen bilden protestantische Dozenten die Mehrheit.

In Wien tritt der österreichische Reichsrat zur konstituierenden Sitzung der neuen Tagungsperiode zusammen. Der österreichische Ministerpräsident Ernest von Koerber weist auf die “gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen” des Landesteils gegenüber Ungarn und dem Ausland hin.

Der französische Ministerpräsident Pierre Marie Waldeck-Rousseau lehnt eine regierungsseitige Regelung von Arbeiterfragen (Achtstundentag, Mindestlohn, Ruhegehalt) ab. Nach seiner Ansicht handelt es sich allein um Probleme zwischen Arbeitern und Unternehmern.

18.10.1901, Freitag

Nach Meldungen aus Wien folgt der noch nicht veröffentlichte neue österreichische Zolltarif den deutschen Sätzen. Zwischen dem Deutschen Reich und Österreich besteht ein noch laufender Handelsvertrag.

19.10.1901, Samstag

In Leipzig findet unter Vorsitz von Fürst Karl zu Löwenstein ein Kongress der Duellgegner statt.

Ein Ausschuss des Berliner Stadtverordnetenkollegiums beschließt, Beschwerde gegen den Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg, Theobald von Bethmann Hollweg, beim preußischen Innenministerium einzulegen. Anlass für diesen Schritt ist Bethmann Hollwegs Weigerung, die Wiederwahl Gustav Kauffmanns zum Bürgermeister Kaiser Wilhelm II. zu melden.

Durch eine geglückte Umrundung des Pariser Eiffelturms gewinnt der Luftfahrtpionier Alberto Santos-Dumont den sog. Deutsch-Preis.

20.10.1901, Sonntag

Mit der Eidesleistung von König Alexander I. von Serbien auf die neue Verfassung und einer Thronrede werden die Sitzungen in beiden Kammern des serbischen Parlaments eröffnet. Nach seiner umstrittenen Heirat mit der Hofdame Draga Ma vollzog Alexander I. politisch eine gemäßigte Wendung hin zu Russland.

Im preußischen Nordschleswig werden elf Oppositionelle von den Regierungsbehörden ausgewiesen. Ihnen wird das Singen von prodänischen Liedern vorgeworfen. Nordschleswig gehörte bis zum Deutsch-Dänischen Krieg 1864 zu Dänemark.

21.10.1901, Montag

In Frankfurt am Main wird in Anwesenheit des preußischen Kultusministers Konrad Studt und Handelsministers Theodor Möller die Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften eröffnet. Neben Köln handelt es sich um die zweite Gründung einer Handelshochschule 1901; die Akademie ist Vorläuferin der Universität, die 1914 gegründet wird.

22.10.1901, Dienstag

Der zweite Panamerikanische Kongress tritt in Mexiko zusammen. In der Hauptsache werden Wirtschafts-, Rechts- und Friedensfragen zwischen den süd-, mittel- und nordamerikanischen Staaten erörtert.

Auf dem bayerischen Bauerntag in Regensburg (Vorsitz: Julius Freiherr von Soden) wird ein größerer Schutz der Landwirte gefordert. Die Bauern bezeichnen die neuen Zolltarife als ungenügend. Die rund 6000 Anwesenden fordern einen Mindestzoll von sechs Mark je Doppelzentner für die vier wichtigsten Getreidearten. Zu den Hauptrednern zählt der bayerische Zentrumspolitiker und Bauernführer Georg Heim (MdR seit 1897).

23.10.1901, Mittwoch

Die Hamburger Bürgerschaft bewilligt 3,5 Mio. Mark zur Vergrößerung der Hafenanlagen in der Hansestadt.

Nach Ansicht des Konkursverwalters war die im Sommer spektakulär zusammengebrochene Kasseler Gesellschaft für Trebertrocknung bereits vor fünf Jahren zahlungsunfähig. Die tatsächliche Situation wurde unter Mithilfe falscher Buchungen jedoch verschleiert.

Im Burenkrieg übernimmt der 49-Jährige britische General John Denton Pinkstone French als Nachfolger von Redvers Buller das Kommando über das erste Armeekorps. Der spätere Oberbefehlshaber der britischen Truppen in Frankreich im Ersten Weltkrieg wird während des Burenkriegs durch den “Entsatz von Kimberley” berühmt.

24.10.1901, Donnerstag

In Berlin wird eine Auskunftsstelle für Auswanderer errichtet. 1901 werden auch die sog. Auswandererhallen auf der Hamburger Elbinsel Veddel fertiggestellt.

In Trenton (US-Bundesstaat New Jersey) wird die Kamerafirma Eastman Kodak Co. gegründet.

25.10.1901, Freitag

Der britische Kolonialminister Joseph Chamberlain sorgt für Aufsehen, als er in der schottischen Hauptstadt Edinburgh die britische Kriegsführung im Burenkrieg rechtfertigt. Er vergleicht das Vorgehen mit dem deutscher Truppen im Krieg gegen Frankreich 1870/71. In der nationalistischen deutschen Öffentlichkeit wird von einer “Beschmutzung der deutschen Ehre” gesprochen. Der Vorfall ist symptomatisch für den Stand der deutsch-britischen Beziehungen; auch die am 18. März begonnenen Bündniskontakte scheitern im Dezember endgültig.

26.10.1901, Samstag

Die Korporation der Berliner Kaufmannschaft beschließt ihre Umwandlung in eine Handelskammer. Am 19. Dezember ordnet jedoch der preußische Handelsminister Theodor Möller die Errichtung einer eigenständigen Handelskammer an.

27.10.1901, Sonntag

Kaiser Wilhelm II. reist zu einem dreitägigen Besuch zu seinem engsten politischen Berater, Philipp Fürst zu Eulenburg und Hertefeld, auf Schloss Liebenberg bei Templin. An diesem Treffen, der sog. Liebenberger Tafelrunde, nimmt auch Reichskanzler Bernhard von Bülow teil.

In Berlin berät der Zentralvorstand der Nationalliberalen Partei über den Zolltarifentwurf. Er fordert in seinem Beschluss Tarifsätze, die sowohl der Landwirtschaft Schutz vor ausländischer Konkurrenz bieten als auch den Abschluss von Handelsverträgen mit anderen Staaten zur Förderung des Warenaustausches erlauben. Führender Vertreter der Nationalliberalen ist deren Reichstagsfraktionsvorsitzender Ernst Bassermann.

28.10.1901, Montag

Der österreiche Kaiser und König von Ungarn, Franz Joseph I., eröffnet in Budapest die Sitzungen des ungarischen Reichstages. Im Mittelpunkt seiner Thronrede steht die schlechte wirtschaftliche Lage des Landes.

Der frühere Abt des Benediktinerkloster Maria-Laach, Willibrord Benzler wird feierlich in sein Amt als Bischof von Metz eingeführt. Die von Kaiser Wilhelm II. gebilligte Ernennung ist in Elsass-Lothringen auch ein Politikum.

Nach den Hafenarbeitern von Antwerpen beschließen auch die Beschäftigten im Hafen von Rouen einen Boykott britischer Handelsschiffe. Zugleich appellieren sie an alle europäischen Dockarbeiter, die Ladung und Löschung britischer Schiffe zu verweigern. Grund für die Aktionen ist die unversöhnliche Haltung Großbritanniens im Burenkrieg.

29.10.1901, Dienstag

Im New Yorker Auburn-Gefängnis wird der McKinley-Attentäter, Leon Czolgosz auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet.

30.10.1901, Mittwoch

Ende Oktober feiert die Yale-Universität im US-amerikanischen New Haven ihr 200-Jähriges Bestehen. Die private Hochschule ist das drittälteste College der USA und wurde 1810-61 schrittweise in eine Universität umgewandelt. Zu den Ehrengästen bei den Feierlichkeiten zählen US-Präsident Theodore Roosevelt, der farbige Pädagoge Booker T. Washington sowie der frühere japanische Ministerpräsident Hirobumi Ito.

31.10.1901, Donnerstag

Ein französisches Geschwader unter Befehl von Konteradmiral Henri Caillard läuft in Richtung osmanische Gewässer aus. Mit diesem Schritt soll die osmanische Regierung zum Nachgeben im französisch-osmanischen Konflikt gezwungen werden.

Bei Auseinandersetzungen zwischen Weißen und Farbigen im US-amerikanischen Bundesstaat Louisiana sterben rund 30 Personen.

Der niederländische Radsportler Piet Dickentman ist neuer Stundenweltrekordler hinter Schrittmacher-Maschinen. Er fährt in Leipzig 65,621 km/h und verbessert damit die vier Monate alte Bestleistung des Deutschen Thaddeus Robl um 109 Meter.