Was geschah im Oktober 1903

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Wetterstationen Oktober 1903

1.10.1903, Donnerstag

Auf einer Versammlung des Landesverbandes der Konservativen in Sheffield verteidigt Großbritanniens Premierminister James Arthur Balfour die imperialistische Schutzzollpolitik des demissionierten Kolonialministers Joseph Chamberlain gegenüber den kompromisslosen Vertretern des Freihandels in seiner Partei.

Der Pariser Juwelier René Lalique eröffnet im Berliner Hohenzollern-Kunstgewerbehaus eine Ausstellung moderner Goldschmiedekunst. Die Ausgestaltung der Räume geschah nach Entwürfen des belgischen Künstlers Henry van de Velde.

Ebenfalls im Hohenzollern-Kunstgewerbemuseum in Berlin beginnt eine mehrwöchige Exposition unter dem Titel “Moderne Frauentracht”, auf der hauptsächlich Reformkleider gezeigt werden.

In Dresden findet die Uraufführung der Oper “Alpenkönig und Menschenfeind” von Leo Blech statt.

Die königliche Gärtneranstalt von Wildpark in Potsdam wird nach Dahlem bei Berlin verlegt, in die neuen Gebäude und Gärten des Botanischen Gartens Berlin. Zu den Leitern der Einrichtung gehören u.a. Hugo Thiel und Adolf Engler.

2.10.1903, Freitag

Mit einer Feierstunde wird die im Mai begonnene Städteausstellung in Dresden geschlossen.

Der Verband der Industriellen der Berliner Metallindustrie unter Fritz Kühnemann beschließt die Aussperrung von mehreren tausend Metallarbeitern als Reaktion auf mehrere Streikaktionen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber einigen sich jedoch nach drei Tagen auf einen Kompromiss in der Lohnfrage.

Der sozialdemokratische Abgeordnete Paul Göhre legt sein Abgeordnetenmandat nieder. Er reagiert damit auf die scharfen Angriffe gegen ihn auf dem Parteitag der SPD in Dresden. Göhre, ein ehemaliger Pfarrer, wandte sich in scharfer Form gegen den Parteivorsitzenden August Bebel, der die Mitarbeit des Sozialdemokraten an der bürgerlichen Zeitschrift “Die Zukunft” verurteilt hatte.

3.10.1903, Samstag

Der Franzose Jacques Bonnes ist Bester bei einem Weltmeisterschaftsfestival der Schwerathleten. Im Gewichtheben der Amateure belegt der Kölner Heinrich Schneidereit Platz zwei.

Der westfälische Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus kauft für sein im Vorjahr eröffnetes Folkwang Museum in Hagen Bilder des französischen Malers Paul Gauguin an; damit sollen sich erstmals Gemälde des berühmten Symbolisten im Besitz eines deutschen Sammlers befinden.

Zum ersten Mal erscheint die von Heinrich Braun herausgegebene Wochenschrift “Die Neue Gesellschaft”. Die sozialdemokratische Publikation muss nach zwei Nummern allerdings vorübergehend wieder eingestellt werden.

Papst Pius X., seit dem 4. August auf dem Heiligen Stuhl, veröffentlicht in Rom seine erste Enzyklika. worin er u.a. beklagt, dass überall gegen Gott angekämpft werde, und die Notwendigkeit einer sorgfältigen Erziehung der Jugend betont.

Russland erklärt in einem Schreiben an die japanische Regierung, dass es ein Prinzip der Gleichberechtigung aller Nationen in bezug auf den Handel in der Mandschurei nicht anerkenne.

Während eines Jagdaufenthaltes in Mürzsteg in der Steiermark verabschieden Kaiser Franz Joseph I. von Österreich und Zar Nikolaus II. von Russland ein gemeinsames Abkommen über ihre Haltung in der Makedonien-Angelegenheit. Sie wollen das Territorium des Osmanischen Reiches so lange wie möglich erhalten und Sultan Abd Al Hamid II. zu durchgreifenden Reformen zwingen.

Im bayerischen Landtag beginnt die erste Lesung eines neuen Wahlrechtsgesetzes, nach dem u.a. das direkte Wahlrecht eingeführt werden soll. Die Vorlage wird am 12. Oktober an eine Kommission verwiesen.

4.10.1903, Sonntag

Der Wahlausschuss der Freikonservativen Partei erlässt einen Wahlaufruf für die preußischen Landtagswahlen. Darin befürwortet sie die Fortsetzung der Germanisierungspolitik in den Ostmarken gegen das vordringende Polentum und ruft zum Kampf gegen die Sozialdemokratie auf.

5.10.1903, Montag

Die durch den Rücktritt von Kolonialminister Joseph Chamberlain notwendige Umbildung der britischen Regierung ist abgeschlossen. u.a. wird der Sohn Chamberlains, Joseph Austen, neuer Schatzkanzler.

Die italienische Schauspielerin Eleonora Duse eröffnet ihr Londoner Gastspiel mit der Titelrolle des Schauspiels “La Gioconda” von Gabriele D’Annunzio; am 7. Oktober ist sie in Henrik Ibsens Drama “Hedda Gabler” auf der Bühne zu sehen.

6.10.1903, Dienstag

Auf dem Versuchsgelände Marienfelde-Zossen, im Süden Berlins, erreicht ein elektrischer Triebwagen der Siemens-Schuckertwerke eine Geschwindigkeit von über 200 km/h.

Seine umfangreichen Propagandaaktionen gegen den Freihandel beginnt der Ex-Kolonialminister von Großbritannien, Joseph Chamberlain, mit einer Rede in Glasgow.

Die Delegierten des Parteitags der Schweizer Sozialdemokraten in Olten beschließen einen verstärkten Kampf gegen den Militarismus.

7.10.1903, Mittwoch

In der Stadt Beuthen vereinigen sich bisher verfeindete polnische Gruppen: Der polnische Wahlverein für Schlesien “Katolik”-Partei und der radikale Polnische Volksverein “Korfanty”-Partei) beschließen die Bildung des gemeinsamen “Wahlkomitees für Schlesien”. Noch am gleichen Tag veröffentlichen sie den Wahlaufruf zur preußischen Landtagswahl im November.

Am letzten Tag der am 5. Oktober begonnenen Versammlung des Deutschen Vereins für das höhere Mädchenschulwesen befürworten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Umorganisation der Bildungseinrichtungen, damit die Mädchen die Berechtigung für ein Universitätsstudium erhalten. Ebenfalls sprechen sie sich für eine Intensivierung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts aus. Abgelehnt wird eine gemeinsame Erziehung beider Geschlechter.

8.10.1903, Donnerstag

Auf einer Massenversammlung in der schottischen Bergarbeiterstadt Glasgow verabschiedet die Vereinigung der Bergarbeiter Großbritanniens eine Resolution gegen die Schutzzollpolitik Chamberlains.

Infolge des von Österreich-Ungarn und Russland ausgeübten Druckes verständigen sich die Regierungen Bulgariens und des Osmanischen Reiches über eine beiderseitige Abrüstung. Danach sollen Bulgarien 20 000 und die Türkei 40 000 Mann aus der Armee entlassen.

China schließt mit den Vereinigten Staaten von Amerika und tags darauf mit Japan einen Handelsvertrag, in deren Folge u.a. die mandschurischen Häfen für den internationalen Handelsverkehr geöffnet werden sollen.

9.10.1903, Freitag

Auf der Mathildenhöhe in Darmstadt wird im Ernst-Ludwig-Haus und in Anwesenheit des russischen Kaiserpaares eine Ausstellung mit Arbeiten von Joseph Maria Olbrich eröffnet; u.a. sind vier neue Zimmereinrichtungen zu sehen.

10.10.1903, Samstag

Nachdem sie 1901 erstmals in Dresden stattgefunden haben, werden nun die Kunsterziehungstage zum zweiten Mal in Weimar veranstaltet. Die Vertreter aus dem gesamten Deutschen Reich fordern eine stärkere Betonung des künstlerischen Bereichs innerhalb des Bildungssystems.

Die britische Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst gründet in Manchester die “National Women’s Social and Political Union”, deren Ziel in erster Linie die Durchsetzung des Wahlrechts für Frauen ist.

Die Delegierten des Parteitags der liberalen Freisinnigen in Berlin verabschieden einen Beschluss, worin sie den Parteimitgliedern ein eventuelles Zusammengehen mit den Sozialdemokraten bei den Landtagswahlen anheimstellen.

11.10.1903, Sonntag

Beim 100-km-Steherrennen in Dresden stürzt Weltmeister Alfred Görnemann so unglücklich, dass er an den Folgen der Verletzungen stirbt.

In den Räumen des Heidelberger Kunstvereins wird eine Sonderausstellung mit Werken von Mitgliedern des Vereins eröffnet. u.a. zeigt der Maler Wilhelm Trübner zwei große Reiterbildnisse.

In Anwesenheit hoher preußischer Regierungsbeamter wird in Posen (Poznan) ein Bismarck-Denkmal enthüllt.

Während einer Prozession in der nordspanischen Stadt Bilbao kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Klerikalen und Sozialisten.

Die Gründer einer liberalen Landespartei Elsass-Lothringens fordern die völlige Gleichstellung ihres Landes mit den übrigen deutschen Bundesstaaten.

12.10.1903, Montag

Leopold II., König der Belgier, trifft zu einem Staatsbesuch in Paris ein. Noch am gleichen Tag ist er zu Gast bei Präsident Emile Loubet. Der belgische Monarch wird anschließend noch in mehrere europäische Hauptstädte reisen. u.a. ist auch ein Treffen mit dem österreichischen Kaiser, Franz Joseph I., in Wien vorgesehen.

13.10.1903, Dienstag

In Nordfrankreich beginnt ein Streik der Weber. Die Arbeitnehmer wehren sich gegen Lohnkürzungen, die von den Unternehmern mit der am 1. April in Kraft getretenen Arbeitszeitverkürzung begründet werden. Die Zahl der am Arbeitskampf Beteiligten wächst innerhalb weniger Tage auf 40 000 an; es kommt zu blutigen Zusammenstößen mit den Militärs. Der Ausstand wird nach einem ausgehandelten Kompromiss Mitte November abgebrochen.

Im Rahmen der schriftlichen Verhandlungen um den russischen Einfluss in der Mandschurei und in Korea schlägt die japanische Regierung die Errichtung einer neutralen Zone vor.

14.10.1903, Mittwoch

Vertreter der Regierungen in Paris und London unterzeichnen in der britischen Hauptstadt einen Schiedsgerichtsvertrag zwischen Frankreich und Großbritannien. Darin verpflichten sich beide Länder gemäß der Haager Konvention von 1899 zu einer friedlichen Regelung internationaler Streitigkeiten.

In Paris treffen König Viktor Emanuel III. von Italien und seine Frau zu einem viertägigen Besuch ein. Während ihres Aufenthaltes in der französischen Hauptstadt kommt es auch zu einer Begegnung mit Leopold II., König der Belgier, der z. Z. in der Metropole weilt.

15.10.1903, Donnerstag

Die Tagung der fünften preußischen Generalsynode wird in Berlin eröffnet. Auf der Tagesordnung der bis 4. November dauernden evangelischen Kirchenversammlung stehen u.a. die Erhöhung des Witwen- und Waisenfonds, die Besetzung theologischer Professuren, die Jesuitenfrage und die Frage der Feuerbestattung.

In Deutsch-Südwestafrika kommt es wiederholt zu Auseinandersetzungen der Kolonialtruppen mit Angehörigen des Eingeborenenstammes Khoi-Khoin (Hottentotten), aus denen sich in den folgenden Monaten ein umfangreicher Aufstand gegen die Kolonialherrschaft entwickelt. Er wird erst 1907 endgültig niedergeschlagen.

Im Beisein zahlreicher internationaler Gäste wird in Weimar das Nietzsche-Archiv eröffnet.

16.10.1903, Freitag

Ein Berliner Gericht verurteilt einen Redakteur der sozialdemokratischen Zeitung “Vorwärts” zu neun Monaten Gefängnis wegen Majestätsbeleidigung. Der Journalist veröffentlichte im August einen Bericht über die angeblich geplante Errichtung einer kaiserlichen Festung bei Berlin, in die sich die kaiserliche Familie z. B. bei Putschversuchen der Sozialdemokraten zurückziehen könnte. Der Nachricht war auch eine Skizze von dem geplanten Bauwerk beigefügt.

In einer offiziellen Erklärung verspricht die osmanische Regierung in Konstantinopel (Istanbul) die Durchführung von Reformen in Makedonien, wenn der dortige Aufstand beendet würde. Daraufhin legen die Botschafter Österreich-Ungarns und Russlands der Pforte am 22. Oktober ein Reformprogramm vor.

17.10.1903, Samstag

Die Weltrekordfahrt (136,356 km/h) des britischen Automobilisten Charles S. Rolls in Clipstone wird nicht anerkannt.

Prinz August Wilhelm und Prinz Oskar, Söhne Kaiser Wilhelms II., werden in Potsdam konfirmiert.

Eine aus Vertretern der USA, Großbritanniens und Kanadas bestehende Kommission verabschiedet ein Abkommen, in dem die endgültigen Grenzen zwischen Kanada und dem US-Bundesstaat Alaska festgelegt sind.

Leopold II., König der Belgier, trifft in Wien zu einem Besuch beim österreichischen Kaiser Franz Joseph I. ein.

18.10.1903, Sonntag

Mercedes-Fahrer Willy Poege siegt auf der Trabrennbahn Berlin-Westend beim ersten deutschen Autorennen auf einer geschlossenen Bahn.

Vor der Paulskirche in Frankfurt am Main findet die Einweihung eines Denkmals zu Ehren der deutschen Einheit statt. Die Fertigstellung des Obelisken an dem Ort, wo sich nach der Revolution von 1848 zum ersten Mal Vertreter aus ganz Deutschland im Parlament zusammenfanden, kostete 120 000 Mark. Die Basis des Obelisken wird von drei Gruppen geschmückt, dem “freigesinnten Bürgertum, den Sängern von Einheit und Freiheit sowie den deutschen Hochschulen”.

Zum Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig gegen die napoleonischen Truppen, die sich zum 90. Mal jährt, versammelt sich der “Deutsche Patriotenbund” vor dem großangelegten Fundament des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig zu einer Festveranstaltung.

Im Beisein des Deutschen Kaiserpaares werden am Brandenburger Tor in Berlin Denkmäler für Kaiser Friedrich und dessen Frau Viktoria eingeweiht. Die künstlerische Gestaltung der Statuen der Eltern Wilhelms II. haben Adolf Brütt und Fritz Gerth in Anlehnung an die Standbilder in der Siegesallee im Tiergarten vorgenommen.

Auf dem Parteitag der antisemitischen Deutschen Reformpartei in Berlin spricht sich die Mehrheit gegen eine Beteiligung von Staatsbeamten an Warenhäusern aus, ebenso lehnt sie einen Beitritt in Konsumvereine oder Produktivgenossenschaften ab.

Die sozialdemokratische Zeitung “Vorwärts” veröffentlicht den Wahlaufruf zu den preußischen Landtagswahlen am 20. November. Als ihre Ziele führt sie darin an: Beseitigung der Wohnungsnot, bessere Bildungschancen für Arbeiterkinder, Einführung des Achtstundentages etc.

19.10.1903, Montag

Oskar II., König von Norwegen und Schweden, eröffnet in Christiania (heute: Oslo) das Storting. In seiner Rede vor dem Parlament berichtet er von Verhandlungen über den Abschluss von Schiedsgerichtsverträgen, die mit mehreren europäischen Mächten geführt werden.

20.10.1903, Dienstag

In dem nordalbanischen Bezirk Djakova versammeln sich Vertreter einer Autonomiebewegung. Ihr Ziel ist die Errichtung eines unabhängigen Staates auf dem z. Z. noch zum Osmanischen Reich gehörenden Gebiet.

21.10.1903, Mittwoch

Seinen Rücktritt gibt der norwegische Ministerpräsident Otto Albert Blehr bekannt; die Regierung übernimmt Francis Hagerup. Dem neuen Kabinett gehören fünf Mitglieder rechter Parteien und fünf Vertreter der gemäßigten Linken an.

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Zanardelli tritt aus gesundheitlichen Gründen zurück. Die neue Regierung übernimmt am 3. November Giovanni Giolitti.

22.10.1903, Donnerstag

Das Ergebnis der sächsischen Landtagswahlen wird bekanntgegeben: In 29 Wahlkreisen entschied sich die Mehrheit für die Konservativen, sie erhalten 17 Abgeordnetensitze. Weiterhin im Parlament vertreten sind neun Nationalliberale, ein Mitglied der Reformpartei, ein “Wildliberaler” und ein Deutsch-Freisinniger.

Nach einer heftigen Debatte über die Kirchenpolitik und Maßnahmen gegen den Weberstreik in Nordfrankreich in den vorausgegangenen zwei Tagen spricht die Mehrheit des französischen Abgeordnetenhauses der Regierung Emile Combes das Vertrauen aus.

Auf der Hauptversammlung des “Vereins gegen den Missbrauch geistiger Getränke” in Berlin weist der deutsche Innenminister Arthur Graf von Posadowsky-Wehner auf die sozialen Ursachen der Trunksucht hin.

23.10.1903, Freitag

In Berlin werden zehn Dialoge, die Szenen vier bis sechs, aus dem Werk “Reigen” des österreichischen Schriftstellers Arthur Schnitzler uraufgeführt.

24.10.1903, Samstag

Kaiser Wilhelm II. nimmt an einer Denkmalenthüllung für den Großen Kurfürsten von Brandenburg-Preußen und den Preußenkönig Friedrich II. den Großen in Küstrin teil.

25.10.1903, Sonntag

Etwa 200 Delegierte nehmen in Frankfurt am Main am ersten deutschen Kongress aller nicht-sozialdemokratischen Arbeiterorganisationen teil.

München feiert das 50-Jährige Bestehen der Neuen Pinakothek. Die auf Anregung König Ludwigs I. von Bayern errichtete Gemäldesammlung beherbergte schon zum Zeitpunkt der Eröffnung 300 Kunstwerke.

26.10.1903, Montag

In der Dominikanischen Republik entwickelt sich aus der Protestbewegung gegen die seit April amtierende Regierung unter Alejandro Wos y Gil ein neuerlicher Aufstand, der im November wiederum zu einem Regierungswechsel führen wird. Wos’ Nachfolger wird Juan Isidoro Jiménez, Ministerpräsident von 1899 bis 1902.

Franz Joseph I., Kaiser von Österreich und König von Ungarn, genehmigt das Regierungsprogramm des neuen ungarischen Ministerpräsidenten, István Graf Tisza. Mit der Übernahme des Kabinetts durch Tisza hofft man in Wien auf ein Ende der Regierungskrise in Budapest.

27.10.1903, Dienstag

Die ruthenischen (ukrainischen) Abgeordneten im Landtag des zu Österreich-Ungarn gehörenden Galizien verlassen das Parlament aus Protest darüber, dass die Errichtung eines ruthenischen Gymnasiums in Stanislau (Iwanowo-Frankowsk) nicht befürwortet wird.

28.10.1903, Mittwoch

Auf dem Versuchsgelände Marienfelde-Zossen erreicht ein elektrischer Triebwagen der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft (AEG) eine Geschwindigkeit von 210,2 km/h.

29.10.1903, Donnerstag

Der preußische Innenminister, Hans Freiherr von Hammerstein-Loxten, nimmt in Hannover an der feierlichen Übergabe des neuen Polizeigebäudes an den Polizeimeister der Stadt teil.

30.10.1903, Freitag

Für eine wöchentliche Lohnauszahlung treten etwa 30 000 Arbeiter in der nordspanischen Stadt Bilbao in den Streik; bisher erhalten sie ihren Verdienst vierzehntäglich.

Im Kleinen Theater Berlin findet die Uraufführung von Hugo von Hofmannsthals Stück “Elektra” statt; Regie führt Max Reinhardt, die Kostüme entwarf Lovis Corinth.

Der bayerische Landtag spricht sich mit großer Mehrheit für die Errichtung eines Verkehrsministeriums aus.

31.10.1903, Samstag

Im Berliner Deutschen Theater wird das Schauspiel “Rose Bernd” von Gerhart Hauptmann uraufgeführt; eine Voraufführung fand bereits am 23. Oktober statt.

Einer der größten deutschen Zeitungsverlage, der Ullstein Verlag Berlin, gründet seinen Buchverlag unter der Leitung von Emil Herz.