Was geschah im Oktober 1906

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Wetterstationen Oktober 1906

1.10.1906, Montag

In Norwegen tritt das Gesetz über die Gewährung von Staats- und Kommunalbeiträgen für die Arbeitslosenunterstützung in Kraft.

Durch eine Verordnung werden die Kraftfahrzeugkennzeichen im Deutschen Reich vereinheitlicht.

Bei der württembergischen Post- und Telegrafenverwaltung werden durch geheime Wahl Bezirksarbeiterausschüsse eingerichtet. Ihre Aufgabe besteht u.a. darin, Wünsche, Beschwerden und Anträge der Arbeiter bei den vorgesetzten Behörden vorzubringen sowie Gutachten über die Lohn- und Arbeitsordnung zu erstellen.

Das Hanauer Schöffengericht verurteilt die 13-Jährige Schülerin Wilhelmine Sailer zu einem Monat Gefängnis. Das Mädchen hatte aus dem Korridor der Mittelschule ein Fahrrad gestohlen und dieses im Pfandhaus unter falschem Namen für 15 Mark versetzt. Das Geld hatte sie zusammen mit einer elfjährigen Mitschülerin in Frankfurt am Main mit Eßwaren, Näschereien, Trambahnfahren und dergleichen verpraßt. – Allein in Berlin werden in diesem Jahr fast 300 Schulkinder zu Gefängnisstrafen verurteilt.

In Kalkutta überreicht eine moslemische Delegation dem britisch-indischen Vizekönig Gilbert John Elliot-Murray-Kynmound Earl of Minto eine Denkschrift, in der die moslemische Bevölkerung Britisch-Indiens “gerechten Anteil an jeder etwa geplanten Änderung in der Teilnahme des Volkes an der Regierung des Landes” verlangt. Die Moslems beklagen sich außerdem darüber, dass sie – anders als die Hindus – in Fragen der Landesregierung ganz außer acht gelassen würden.

2.10.1906, Dienstag

In Deutsch-Ostafrika wird das Kriegsrecht in weiten Teilen des Landes aufgehoben, da der Widerstand der Einheimischen gegen die Kolonialtruppen als gebrochen gilt.

Ein Orkan zerstört Fort Maccran bei Pensacola in Florida. Fast 100 Menschen kommen ums Leben.

In Schneidemühl bei Bromberg findet der alljährliche Luxus-Pferdemarkt statt. Dabei wird erstmals auch eine Verlosung von Pferden, Equipagen, Fahrrädern und Silbergeräten veranstaltet. Das Los kostet eine Mark.

3.10.1906, Mittwoch

In Berlin beginnt eine internationale Konferenz zur Regelung der Funkentelegrafie.

4.10.1906, Donnerstag

Der russische Zar Nikolaus II. trifft mit seiner Familie wieder aus Finnland in Peterhof (Petrodworez) ein. Zu der Reise war die Zarenfamilie am 13. September aus Furcht vor einem Attentat aufgebrochen.

Die Polizei in Petersburg (Leningrad) gibt bekannt, dass bei einer Razzia in der Bibliothek der Hochschule für Wegebauten 16 Bomben, 40 kg Dynamit und eine Kiste mit Blausäure und Zyankali gefunden wurden. Sie bezeichnet die Schule als Hochburg revolutionärer Umtriebe.

US-Präsident Theodore Roosevelt greift in Harrisburg im US-Bundesstaat Pennsylvania in scharfer Form die Trusts an.

5.10.1906, Freitag

Eine Versammlung der deutschen Bergarbeiterverbände, die 220 000 Mitglieder vertreten, fordert in Essen eine Lohnerhöhung von 15% für alle deutschen Bergarbeiter.

In Berlin findet eine Massenkundgebung “gegen Fleischnot und Grenzsperre” statt. Sie verabschiedet eine Resolution, in der die Regierungsbehauptung, dass Zwischenhandel und Fleischer an den hohen Fleischpreisen schuld seien, zurückgewiesen wird. Die Regierungen der deutschen Bundesstaaten werden aufgefordert, “die Grenzen für die Vieheinfuhr in ausreichendem Maße zu öffnen, selbstverständlich mit Beobachtung aller Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung der Seucheneinschleppung”.

6.10.1906, Samstag

In Teheran wird in Gegenwart von Schah Mossafar Od Din das erste Parlament in der Geschichte Persiens eröffnet.

In Goslar wird der Parteitag der Nationalliberalen unter dem Vorsitz von Ernst Bassermann eröffnet. Die Partei will danach streben, “einen Grundstock nationaler Staatsgedanken zu schaffen, der allen urteilsfähigen Männern gemeinsam ist”.

Der Abendschnellzug Mailand- Rom entgleist in der Nähe der Po-Brücke bei Piacenza. Sieben Menschen werden getötet, 50 zum Teil schwer verletzt.

7.10.1906, Sonntag

Auf dem Parteitag der italienischen Sozialdemokraten in Rom siegt nach lebhaften Debatten der gemäßigte Flügel, der den Parlamentsabgeordneten die Unterstützung bürgerlicher Ministerien empfohlen hatte. Der Parteitag beschließt außerdem, bei Streiks Provokationen des Militärs zu unterlassen.

Der Kongress der in Russland verbotenen Kadettenpartei (Konstitutionell-Demokratische Partei) tritt in Helsingfors (Helsinki), der Hauptstadt des russischen Großfürstentums Finnland, zusammen. Fürst Dolgorucki, der von den 141 Delegierten zum Vorsitzenden gewählt wird, dankt den Finnen für die Gastfreundschaft eines Volkes, das sich die Freiheit vom Zarentum zu erkämpfen verstanden habe.

Von den 2090 Bäckereien in Paris lassen in der Nacht auf Sonntag 1983 zweimal Brot backen, obwohl durch ein Gesetz am 2. September die Sonntagsruhe in Frankreich eingeführt wurde. Gesellen, die sich weigern, zweimal zu backen, werden entlassen. Zu Zwischenfällen kommt es nicht.

8.10.1906, Montag

In Amiens tritt der 15. französische Gewerkschaftskongress zusammen. Auf der bis zum 3. Oktober dauernden Veranstaltung betonen die Gewerkschafter das Prinzip des Klassenkampfs, “der die empörten Arbeiter auf dem wirtschaftlichen Gebiete allen Formen der Ausbeutung und Unterdrückung entgegenstellt, die seitens der Kapitalistenklasse gegen die Arbeiterklasse angewandt werden”.

Der Deutsche Karl Ludwig Nessler stellt einen Dauerwellenapparat vor (1908 patentiert). Eine Dauerwelle dauert sechs Stunden, die Wickler stehen strahlenförmig ab.

Nach einer Liste der “Baltischen Tageszeitung” sind bei revolutionären Anschlägen von Februar bis Mai 1421 Beamte und Angehörige hoher Stände getötet worden. Nach anderen Nachrichten sind in Warschau allein vom 10. Mai bis zum 15. September 750 Menschen getötet oder schwer verwundet worden.

9.10.1906, Dienstag

In Berlin meldet die Kolonialabteilung, dass bei der Verteidigung eines Karrentransports bei dassiefontein durch 20 Mann Bedeckung gegen eine Überzahl von Hottentotten 13 Reiter, ein Farmer und vier Buren gefallen sind. Die Kämpfe in Deutsch-Südwestafrika nimmt die Reichsregierung zum Anlass, um einen Nachtragshaushalt von 29 Mio. Mark zu fordern, obwohl alles darauf hindeutet, dass der Widerstand der Eingeborenen weitgehend gebrochen ist.

10.10.1906, Mittwoch

US-Kriegsminister William Howard Taft erlässt als Gouverneur von Kuba eine Amnestie für alle am Aufstand gegen Präsident Tomás Estrada Palma Beteiligten.

Der Hörder Bergwerks- und Hüttenverein und die Phoenix Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb in Dortmund fusionieren, um gemeinsam dem Preisverfall bei Roheisen und Stahl zu begegnen.

Auf dem Schießplatz Tegel bei Berlin beginnt eine Ballonverfolgung durch Automobile. Sie wird veranstaltet im Rahmen einer internationalen Luftschifferwoche.

11.10.1906, Donnerstag

Halbamtlich wird in Berlin ein Schriftwechsel zwischen dem Herzog von Cumberland, der Anspruch auf den braunschweigischen Thron erhebt, und Kaiser Wilhelm II. veröffentlicht. Der Kaiser lehnt den vom Herzog angebotenen Verzicht auf den braunschweigischen Thron ab, da es keinen Grund gebe, die Sach- und Rechtslagen in Braunschweig als verändert anzusehen.

12.10.1906, Freitag

Der Vorstand des Deutschen Fleischerverbandes kündigt in Nürnberg eine Erhöhung der Fleischpreise an. Das Fleischergewerbe habe schon zu lange mit einer solchen Erhöhung gewartet, da es mit einem Eingreifen der Regierung gegen die allgemeine Fleischteuerung gerechnet habe.

13.10.1906, Samstag

Charles Mayoon, der bisherige Gouverneur der US-amerikanischen Panamakanalzone, übernimmt als Nachfolger von US-Kriegsminister William Howard Taft die Regierung in Kuba.

Der Hauptvorstand des Rheinischen Bauernvereins erklärt in Koblenz zur Fleischteuerung, dass die Fleischpreise stärker gestiegen seien als die Viehpreise.

14.10.1906, Sonntag

Der Parteitag der Autokraten, der “wirklich russischen Leute”, fasst in Moskau Beschlüsse gegen die Einführung eines verfassungsmäßigen Regierungssystems. Die Autokraten befürworten eine monarchische Staatsform, bei der der Zar die unbeschränkte Staatsgewalt in seiner Person vereinigt.

Auf der Pariser Rennbahn Longchamp kommt es zu gewalttätigen Ausschreitungen, als das favorisierte Pferd am Start stehenbleibt.

Rund 100 000 Menschen erleben in Berlin den Start zu einer Internationalen Weitfahrt für Ballons. Es gewinnt der Ballon “Ernst”, der 340 km weit fliegt.

Im Deutschen Reich wird der 100. Jahrestag der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt begangen. Am 14. Oktober 1806 hatte der französische Kaiser Napoleon I. im Vierten Koalitionskrieg dort die preußische und sächsische Armee besiegt.

Um den Handelskrieg mit Österreich-Ungarn beizulegen, erklärt sich die serbische Regierung unter Ministerpräsident Nikola Pašic bereit, bei Staatsaufträgen die österreichisch-ungarische Industrie zu berücksichtigen. Bei der Beschaffung von Geschützen und Munition jedoch wolle Serbien freie Hand haben.

Florian von Stablewski, der Erzbischof von Gnesen und Posen, fordert in einem Erlass die polnische Bevölkerung in den preußischen Ostprovinzen auf, wegen der Verdrängung der polnischen Sprache durch die deutsche “im gemeinsamen Herzenskummer den Religionsunterricht in der Schule durch einen solchen in Haus und Kirche zu ergänzen”. Die Mehrheit der deutschen Presse sieht in dem Erlass eine Aufforderung zum Widerstand gegen den preußischen Staat.

15.10.1906, Montag

Kaiser Wilhelm II. ist Ehrengast bei der Hochzeit von Bertha Krupp und Gustav von Bohlen und Halbach auf der Villa Hügel in Essen.

Die “Humanité”, die Zeitung des französischen Sozialisten Jean Jaurès, kommt in finanzielle Schwierigkeiten. Die französischen Sozialisten steuern zur Sanierung 10 000 Franc (8100 Mark) bei, die deutschen Sozialdemokraten 25 000 Franc (20 250 Mark).

Bei einem Grubenunglück in Wingate in der englischen Grafschaft Durham kommen 27 Menschen ums Leben.

Die Hindus begehen den ersten Jahrestag der Teilung Bengalens durch die britisch-indische Kolonialmacht als Trauertag, die Moslems feiern ihn als Freudenfest. 1905 war Bengalen aus konfessionellen Gründen in das eigentliche Bengalen sowie in Ostbengalen mit Assam geteilt worden.

Auf der 11. Generalversammlung des Bunds der Industriellen in Berlin wird die Einführung eines deutschen Industrietages beschlossen, um der Gesamtheit der deutschen Industrie eine zentrale Vertretung zu verleihen und die notwendige Einigung aller Industriekreise zu vollziehen.

16.10.1906, Dienstag

In Bonn wird in Gegenwart von Kaiser Wilhelm II. das von Harro Magnussen entworfene Denkmal Kaiser Wilhelms I. feierlich enthüllt.

Ein französisches U-Boot sinkt mit 16 Mann bei Biserta.

Der Schriftsteller Ludwig Thoma tritt eine sechswöchige Haftstrafe wegen Beleidigung der Kirche an.

Der arbeitslose Schuster Wilhelm Voigt lässt – verkleidet als Hauptmann – den Bürgermeister von Köpenick verhaften und beschlagnahmt die Stadtkasse.

17.10.1906, Mittwoch

Die spanische Regierung unter Ministerpräsident José López Domínguez genehmigt einen Gesetzentwurf, der die Ordensgesellschaften der staatlichen Genehmigung unterstellt und ihnen den öffentlichen Unterricht verbietet. Konservative und Klerikale protestieren heftig gegen dieses Gesetz und werfen der Regierung vor, wie in Frankreich einen Kulturkampf zu führen. Schon die Einführung der Zivilehe war in Spanien auf den Widerstand der Kirche gestoßen.

Auf der Jahresversammlung des Ausschusses der Landesversicherungsanstalt der Rheinprovinz in Düsseldorf wird darauf hingewiesen, dass die Fleischteuerung zur Unterernährung der arbeitenden Klassen führe und damit die vorzeitige Invalidität begünstige. Es sei zu befürchten, dass sich ein längeres Anhalten der Fleischnot auch bei den Versicherungsanstalten bemerkbar machen werde.

Der Münchener Professor Arthur Korn übermittelt ein Porträt telegrafisch über eine Strecke von 1800 km.

18.10.1906, Donnerstag

Auf dem Parteitag der Freikonservativen in Breslau wird die Sozialgesetzgebung im Deutschen Reich für die Fleischteuerung verantwortlich gemacht. Während früher ein Fleischer Kinder beschäftigen konnte, müsse er sich jetzt zum Austragen des Fleischs Pferde, Wagen und Gesellen halten und bezahlen.

In der spanischen Stadt Valencia finden Kundgebungen gegen den Erzbischof statt, der in einer Predigt die Zivilehe als “Konkubinat” diffamiert hatte.

Die britische Admiralität beschließt die Gründung einer Reserveflotte unter dem Namen “Home Fleet”.

19.10.1906, Freitag

Der Norweger Roald Amundsen erreicht nach der ersten Durchfahrt durch die Nordwestpassage San Francisco.

Bei Wladiwostok stößt ein russischer Passagierdampfer auf einen Torpedo und sinkt. 200 Menschen ertrinken, nur ein Passagier wird gerettet.

20.10.1906, Samstag

Ein Ukas des russischen Zaren Nikolaus II. gewährt allen Bauern Rechtsgleichheit. Der Prozess der russischen Bauernbefreiung erreicht damit seinen Abschluss.

Großbritannien und Frankreich verständigen sich in einem Abkommen über eine Gemeinschaftsregierung auf den Neuen Hebriden im Pazifik, die bereits seit 1887 der gemeinsamen französisch-britischen Verwaltung unterstehen.

21.10.1906, Sonntag

In Düsseldorf endet nach dreitägiger Dauer der 16. Bundestag der Deutschen Bodenreformer. Adolf Damaschke fordert die reichsweite Einführung einer “Wertzuwachssteuer”, um der Grundstücksspekulation zu begegnen und das Wohnungselend vor allem in den Städten zu lindern.

Zentrales Thema auf dem Parteitag des Rheinischen Zentrums in Trier sind die Warenhäuser. Um den Einfluss der Warenhäuser zurückzudrängen – so der Parteitag – müsse ein großes Genossenschaftskapital aufgebaut werden.

22.10.1906, Montag

König Haakon VII. von Norwegen eröffnet zum ersten Mal das Storting, das Parlament in Kristiania (Oslo).

23.10.1906, Dienstag

Der Vorstand des Zentralverbands des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes fordert in Berlin die Reichsregierung zu einer völligen Revision des Börsengesetzes von 1896 auf, da dieses die Börsen von London und New York zu Lasten der deutschen Börsen fördere. Zahlreiche deutsche Handelskammern schließen sich der Erklärung an.

Der französische Innenminister Georges Clemenceau wird Ministerpräsident als Nachfolger des zurückgetretenen Ferdinand Sarrien.

24.10.1906, Mittwoch

Zu einem denkwürdigen Armenbegräbnis kommt es im schlesischen Niederau. Die Leiche der verstorbenen Arbeiterfrau Haudel wird in einem offenen Handwagen auf Stroh zum Friedhof gefahren. Vor den Karren gespannt ist der schulpflichtige Sohn der Witwe.

25.10.1906, Donnerstag

Das Gebäude der Handelskammer in Kansas City wird durch einen Brand zerstört. 20 Menschen werden getötet, 50 verletzt.

26.10.1906, Freitag

Auf dem Parteitag des schlesischen Zentrums in Neisse wird die Vermehrung der deutschen Flotte damit begründet, dass das Deutsche Reich kein reiner Agrarstaat mehr sei. Ein Fünftel des deutschen Volkes würde beim Aufhören des Seegewerbes brotlos werden.

In Petersburg (Leningrad) überfallen Räuber einen von Gendarmen eskortierten Wagen mit Staatsgeldern und erbeuten nach einem Straßengefecht fast 400 000 Rubel. Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei den Gangstern um Revolutionäre.

27.10.1906, Samstag

Der Alpenländische Agrartag in Linz verabschiedet eine Resolution, die Alpen gesetzlich unter Schutz zu stellen.

Die Gebeine des im Jahr 1707 geächteten siebenbürgischen Fürsten Franz II. Rákóczi, nach dem der Rákóczi-Marsch benannt ist, treffen aus Konstantinopel (Istanbul) in Pest (Budapest) ein und werden feierlich beigesetzt. Ein besonderes Gesetz hebt die Ächtung auf. Die Maßnahme steht im Zusammenhang mit dem Erstarken des ungarischen Nationalismus.

Der US-amerikanische Historiker John W. Burgess hält in Berlin seine Antrittsvorlesung als Inhaber der neugegründeten “Rooseveltprofessur für amerikanische Geschichte und Verfassung”. Kaiser Wilhelm II. wohnt der Vorlesung bei und bringt danach ein Hurra auf US-Präsident Theodore Roosevelt aus.

Der deutsche Publizist Maximilian Harden bezichtigt in der Zeitschrift “Die Zukunft” den Berliner Stadtkommandanten Kuno Graf von Moltke indirekt der Homosexualität.

28.10.1906, Sonntag

In Berlin wird bekanntgegeben, dass Hauptmann Siebert mit seiner Kolonne in Deutsch-Südwestafrika die Hottentotten in mehreren Gefechten ohne eigene Verluste geschlagen hat. Obwohl es in Südwestafrika kaum noch Widerstand gegen die Kolonialmacht gibt, fordert die Reichsregierung unter Bernhard Fürst von Bülow in einem Nachtragshaushalt 29 Mio. Mark zur Fortsetzung des Krieges.

29.10.1906, Montag

Eine Denkschrift der Ältesten der Berliner Kaufmannschaft spricht sich gegen den Erlass eines Reichsscheckgesetzes aus. In Großbetrieben habe sich der Scheck auch ohne gesetzliche Grundlage bewährt, und in Kleinbetrieben könne eine Ausdehnung des Scheckverkehrs nicht von einem Akt der Gesetzgebung, sondern nur von der Hebung des Verständnisses für die große wirtschaftliche Bedeutung des Schecks als eines Ersatzes der Barzahlung erhofft werden.

Bei Pleasantville im US-Bundesstaat Pennsylvania stürzen mehrere Wagen eines elektrischen Zugs durch eine offene Brücke ins Wasser. Dabei finden mehr als 70 Personen den Tod.

30.10.1906, Dienstag

Ein Ukas des russischen Zaren Nikolaus II. über die Sektierer gestattet den Altgläubigen u.a. Sekten der orthodoxen Kirche den Bau von Kirchen und die Wahl von Geistlichen, sofern ihre Lehren nicht gegen das Strafgesetzbuch verstoßen. Der Zar erhofft sich durch diese Maßnahme Unterstützung beim Kampf gegen die revolutionären Unruhen.

Die Universität von Petersburg (Leningrad) wird wegen revolutionärer Umtriebe geschlossen.

31.10.1906, Mittwoch

Die Schlachtviehpreise am Berliner Viehhof erreichen eine neue Rekordhöhe. Der Preis für Lämmer liegt 25,5% über dem des Vorjahres.

Die Oper “Ariane” von Jules Massenet wird in Paris uraufgeführt.